Intellektuelle
Beiträge
Im Frühjahr 1930 erhielt der Rhein-Verlag ein dreibändiges Romanmanuskript nebst einem Begleitbrief des Autors, Hermann Broch, in dem es hieß, daß „Die Schlafwandler“ — das war der Titel des Romans — im gleichen Verlag erscheinen sollten, der auch den „Ulysses“ von James Joyce herausgebracht (…)
Aus unveröffentlichten Briefen von Hermann Broch
Die nachfolgenden Briefe bedürfen einer persönlichen Vorbemerkung, weil sie Dokumente einer persönlichen Freundschaft sind. Einige andere Briefe, die Hermann Broch an mich gerichtet hat, wurden um ihres allgemeinen und hauptsächlich literarischen Interesses willen in den Briefband der (…)
In einer dieser drei Formen mag ein Schriftsteller seine Frist überdauern: Erstens wird sein Werk mit jeder neuen Generation wieder jung. Zweitens werden sein Leben und sein Werk zu einem Musealstück, das Lehrbücher langweilig-respektvoll beschreiben und Anthologien dekorativ einschreinen. (…)
Jean-Paul Sartre hat im Pariser „Express“ vom 20. April einen Kommentar zur gescheiterten kubanischen Invasion publiziert. Er rechtfertigt darin — wie nach allem, was man von ihm gelesen hat, zu erwarten stand — den neuen Kurs Fidel Castros, welcher sich dem Totalitarismus endgültig verschrieben (…)
Eine Szene von solcher Symbolkraft, daß man meint, Herbert Eulenberg habe sie für seine „Schattenbilder“ erfunden, aber sie ist dokumentiert: Hegel, Schelling und Hölderlin, drei studierende Jünglinge aus der Schule des Tübinger „Stiftes“, reichen einander unter einem Baum, nahe der (…)
Wer sind Sie, verehrter und geneigter Leser? Sie sind das eine gerade nicht: verehrt. Und Sie sollen das andere nicht scheinen: geneigt. Heutzutage werden Sie als Ungeneigter genommen und als Unverehrter behandelt. Es wird Ihnen die Meinung gesagt. Sie werden beschimpft. Beschimpft als (…)
Zwischen Engagement und Verstaatlichung
Ein kommunistischer Staat, der seine Schriftsteller ins Gefängnis wirft, nimmt deren Funktion und Verantwortlichkeit wenigstens ernst: diesen verblüffenden Gedanken äußerte unlängst ein berühmter französischer Schriftsteller in einem Interview. Was man dagegen im Westen für literarische Freiheit (…)
Anmerkung des Verfassers: Der im folgenden abgedruckte Vortrag wurde vor genau dreißig Jahren — ganz genau: am 3. November 1933 — im Arbeiterbildungsverein Wien IX (Sensengasse) gehalten. Das Manuskript war mir 1938, nebst vielem andern, abhanden gekommen und ist vor kurzem durch einen nicht (…)
Nachstehend veröffentlichen wir — aus Raumgründen mit einigen unwesentlichen Kürzungen — den zweiten Teil des Vortrags, den Friedrich Torberg im November 1933 vor einem sozialdemokratischen Auditorium in Wien gehalten hat. Die durch kleineren Druck gekennzeichneten [hier: grau unterlegten] (…)
Nach der ungarischen Revolution, im April 1957, beschäftigte sich die SED-Parteigruppe an der Leipziger Philosophischen Fakultät mit der Lehre Ernst Blochs. Sie kam zu folgendem Schluß: „Diese Philosophie ist nicht mit den Prinzipien der Lehre von Marx zu vereinbaren ... sie ist ein (…)
Über Martin Buber, der am 13. Juni 1965 im Alter von 87 Jahren in Jerusalem starb, ist zum Gedenken sehr viel Ehrendes und Gründliches veröffentlicht worden, das meiste in der deutschen und schweizerischen Presse, das wenigste in der österreichischen — denn Buber war gebürtiger Wiener und (…)
Das Stadtgericht in Warschau hat den 75jährigen Schriftsteller Jan Nepomuzen Miller zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er sich erlaubt hat, kritische Betrachtungen über die rückläufige Bewegung in der polnischen Innen- und Kulturpolitik zu veröffentlichen, und zwar im Ausland, namentlich (…)
Daß der Weg, auf dem der nachfolgende Brief zu uns gelangte, nicht geschildert werden kann, begreift man bei seiner Lektüre. Der Adressat ist ein hoher kommunistischer Funktionär der ČSSR, der Schreiber ein auch im Westen bekannter, hochbegabter junger Marxist. Die uns zugekommene Übersetzung (…)
Der erste große Auftritt der Intellektuellen auf der politischen Bühne läßt sich auf den Tag genau feststellen: Versailles, 5. Mai 1789. Der König hatte die Generalstände einberufen; es war dies ein altes Mittel, die aufgeregten Gemüter zu besänftigen und neue Steuern bewilligen zu lassen. In (…)
Dr. Mihajlo Mihajlov, Dozent der Universität Zadar, wurde wegen einer Artikelfolge, worin er die Sowjetunion kritisierte, verhaftet und verurteilt. Er berief, und der Oberste Gerichtshof Kroatiens hob das Urteil auf. Sodann wurde er von seiner Hochschule eliminiert. Er berief, und der Oberste (…)
Ich kann mir nicht vorstellen, daß ein Kommunist das Urteil, das die Geschworenen im Prozeß Sinjawski-Daniel in Moskau fällten, unbeteiligt zur Kenntnis nimmt. Wir haben es hier mit einer, insbesondere für Frankreich, folgenschweren Tatsache zu tun. Strafen von 7 und 5 Jahren Arbeitslager wurden (…)
Den nachfolgenden Aufsatz schrieb Andrej Sinjawski im Jahr 1959 für die französische Zeitschrift „Esprit“, die ihn anonym veröffentlichte. Heute liest man ihn über weite Strecken wie einen gespenstischen Hinweis auf seine nunmehr erfolgte Verurteilung zu sieben Jahren Zwangsarbeit. Tatsächlich (…)
Der Authentizität halber wurde der nachfolgende, in deutscher Sprache niedergeschriebene Bericht in seinem originalen, zur schwedischen Muttersprache des Autors hinneigenden Zustand fast unverändert belassen. Seit etwa neun Jahren habe ich Kontakte mit Milovan Djilas und seiner Frau Stephanie. (…)
„Warum ich schweigen muß“ hieß der erste FORVM-Aufsatz des jungen Dozenten der Universität Zadar, Dr. Mihajlo Mihajlov. Mit dem nachfolgenden Aufsatz bricht er dieses Schweigen. Wir neigen uns vor seinem Mut. Das beste Zeugnis der wahren Liebe zur Freiheit in jedem Lande ist die Lage, in der (…)
Die Ermordung des Grafen Stürgkh, Hauptvertreters des österreichischen Kriegsabsolutismus, durch Dr. Friedrich Adler, Sohn des Schöpfers und Führers der österreichischen Sozialdemokratie, hat, wie kaum ein Vorgang der Innenpolitik während des Krieges, aufwühlenden Eindruck auf die Bevölkerung (…)
I. Joseph Roth konzipierte den erst vor kurzem veröffentlichten Roman „Der stumme Prophet“ im Jahre 1927 und fixierte während der zwei nachfolgenden Jahre seinen Inhalt im einzelnen. Er sollte jedoch nie dieses Werk endgültig abschließen, denn am 2. Mai 1939 ging der in einem Pariser (…)
Die moderne Kunst gehört in den kulturellen Kolonialkübel, und ich bilde mir fest ein, daß ihre Produzenten Conterganpillen eingenommen haben, sonst könnten sie nicht solche Mißgeburten in die Welt setzen. Würde man eine Ausstellung, wie sie im Museum des 20. Jahrhunderts öfter zu sehen waren, (…)
Gebt Gedankenfreiheit
Milovan Djilas ist frei, desgleichen einige Mitarbeiter an der von Mihajlov geplanten Zeitschrift der Opposition. Es besteht Aussicht, daß Tito, der großmütigste unter den kommunistischen Herrschern, auch Mihajlov freilassen wird. Vielleicht kann unser Abdruck der bisher nicht erhältlich (…)
Manès Sperber, gebürtiger Österreicher, seit dreißig Jahren in Paris ansässig, Essayist und Romancier von europäischem Ruf („Der brennende Dornbusch“, „Die verlorene Bucht“, „Die Achillesferse“, Trilogie „Wie eine Träne im Ozean“), Schüler Alfred Adlers, tief geprägt vom Erlebnis des spanischen (…)
Das Neue FORVM fühlt sich der philosophischen Revue PRAXIS aus mancherlei Gründen verwandt. Die Zagreber Zeitschrift — zu deren Internationalem Redaktionsrat u. a. Erich Heintel zählt, führendes Mitglied der Paulus-Gesellschaft, Österreichische Sektion, sowie Ernst Bloch und Erich Fromm, die (…)
Dritte Welt contra erste?
500 Intellektuelle aus 70 Ländern waren Teilnehmer des Kulturkongresses in Havanna, der am 12. Januar 1968 zu Ende ging. Mit ihm hat Kuba die über es verhängte Blockade zumindest kulturell erstmals durchbrochen. Die nachfolgenden Auszüge aus der Diskussion stammen von J.-P. Sartre und Fidel (…)
Genosse Professor, Sie haben vor kurzem die Ansicht geäußert, daß sich in neuerer Zeit in der Welt eine Situation herausbilde, die dem zunehmenden Einfluß der marxistischen Lehre sehr günstig sei. Im Westen, sagten Sie damals, erfasse das Interesse für den Marxismus immer breitere Kreise und die (…)
In den vergangenen 15 Jahren haben sich im Leben der sozialistischen Staaten Europas tiefreichende Veränderungen durchgesetzt — in fast allen Bereichen, von der Ökonomie bis zur Kultur. Bei aller Verschiedenheit haben diese neuen Züge — Anlaß zu so vielen Diskussionen und noch mehr (…)
Daß zwischen Erkenntnis und Entscheidung, zwischen Theorie und Praxis und letzten Endes auch zwischen Philosophie und Politik enge Zusammenhänge bestehen, ist keine neue Entdeckung. Was das Zeitalter der Ideologien ins allgemeine Bewußtsein gehoben hat, ist nicht die Existenz solcher (…)
Am 9. November 1918, vor 50 Jahren, begann in Berlin. unter Karl Liebknechts Losung „Alle Macht den Räten“ die Revolution; am Tag zuvor war Bayern Republik geworden, und als neue Repräsentanz des Staates wirkte nun ein Arbeiter-, Soldaten- und Bauernrat unter dem Vorsitz Kurt Eisners; 5 Jahre (…)
Das Verdikt der Verlage, mit Literatur nach Gutdünken zu verfahren, während diese selbst, anstatt ihre eigene Geschichte zu evalvieren, aus dieser ihrer Not auch noch eine Untugend zu machen bereit ist, indem sie der Verlagsgeschichte als Faktotum dienlich wird, hat — immerhin seit der letzten (…)
Bei diesen leidenschaftlichen Geometrien bewegt, wenn die Geometrie selbst nicht mehr überzeugt, immer noch die Leidenschaft oder vielmehr die Darstellung der Leidenschaft ... Hinter matt gewordenen Gründen der Vernunft erkennen wir die Gründe eines Herzens, Tugenden, Laster und die große Mühe, (…)
1. Kritik an der Kritik der Kritik Das bloße Rechthaben gegen den Journalismus ist identisch mit diesem. (Karl Kraus) In dem Maße, als die etablierte Kunstkritik in Richtung auf die an ihr geübte Kritik aufholt, deren Ansätze in sich fängt und in eine Erweiterung des etablierten Bereichs (…)
Aus dem skizzierten Programm des Kritizismus ergeben sich auch Konsequenzen für das Problem der Ideologiekritik. Im analytischen Denken gehört die Reinigung des Denkens von ideologischen Elementen in den Zusammenhang eines Programms, das vor allem darauf abzielt, die Erkenntnis zu (…)
... in unserer augenblicklichen Situation sollten wir immer von folgendem Prinzip ausgehen: wenn der Mensch all seine Brüder abgeschätzt hat, wenn sein Auge mit einem kühnen Blick seine Schranken vermißt, wenn er, nach dem Beispiel der Titanen, seine kühne Hand bis zum Himmelsrand auszustrecken (…)
Das Schicksal der deutschen Übersetzungen ist bekannt. Es erscheint ein berühmtes Original in fremder Sprache; alsbald wird der Entschluß gefaßt, es zu übersetzen. Diese Arbeit nun muß so sehr als möglich beschleunigt werden. Auf der einen Seite wünscht sie das neugierige Publikum bald vollendet (…)
Ernst Topitsch: Die Sozialphilosophie Hegels als Heilslehre und Herrschaftsideologie, 1967, und Die Freiheit der Wissenschaft und der politische Auftrag der Universität, 1968; Luchterhand Verlag, Neuwied/Rhein. Die Verwandlung, die die Lehre von den menschlichen Beziehungen aus einer (…)
Merkwürdiges ereignet sich in diesem Land, und niemand zeigt darüber Bestürzung oder doch Befremden. Denn immerhin hat eine der spektakulärsten und — wie es schien — auch heilsamsten und aufrichtigsten Auseinandersetzungen vor allem kulturpolitischer Provenienz in Österreich jetzt ein Ende (…)
I. ZWINGT NENNING RAUS! Die Anhänger des einen, des Gewitzten und Trickreichen, waren in Erwartung eines finessengespickten Schauspiels gekommen, heimlich sich sehnend, der strahlende Siegfried möge an der Hinterlist dieser Welt scheitern, auf daß germanischem Todestrieb und dem Nibelungenlied (…)
Lieber Humbert Fink, in der Chronik Ihrer Heimatstadt Villach findet sich, wenn ich recht unterrichtet bin, schon im Jahre 1699 nach dem Bericht über ein besonders prächtiges Kirchweihfest die Eintragung des Stadtschreibers: „So schön hams grauft, ewigk schade dasz es jetzund aus is.“ Sie (…)
Es scheint uns nicht unwichtig, daß Prof. F. H., Österreichs fast einziger (unorthodoxer) katholischer Kopf von europäischem Format, sich gerade in Sachen des (unorthodoxen) Kommunisten Ernst Fischer zu Wort meldet. Der Ausschluß Ernst Fischers aus der KPÖ, versehen mit einem Bannstrahl der (…)
Warum schreiben Sie seit einigen Jahren keinen Roman mehr, sondern Biographien und Theaterstücke? Haben Marxismus und Psychoanalyse den Roman zu einer unmöglichen literarischen Form gemacht? Ich habe mir diese Frage oft gestellt. Sicher ist, daß es keine Technik gibt, die eine Romanfigur so (…)
Stephen Toulmin, Philosoph, Wissenschafter und Historiker, unterrichtet gegenwärtig an der Brandeis University in den USA. Er schrieb für die englische Zeitschrift „Encounter“ eine Neubewertung Ludwig Wittgensteins, deren ersten Teil wir in der Übersetzung Karin Achleitner-Macks in dieser Nummer (…)
Besonders in den Briefen an Engelmann gibt es Hinweise, was für Wittgenstein selbst der grundlegenden, uneinschränkbaren Dichotomie von Tatsache und Wert zugrunde gelegen haben mag. Wir können diesen Hinweisen in jede der beiden Richtungen folgen, der psychologischen und der soziologischen, (…)
Im Anfang-April-Heft schilderte W. B. den Übergang von der Partei- zur Polizeiherrschaft in Polen. Hier exemplifiziert er seine Soziologie an Hand der jüngsten Geschichte, beginnend mit den Studentenunruhen im März 1968. B. ist Pole und Marxist (Biographie im Anfang-April-Heft). Er liefert in (…)
I. Budapest liegt im geographischen Zentrum Europas. Sitzt man Lukács gegenüber, im Zentrum Budapests, Blick rechts auf die Donau, Blick links auf ungezählte Bände klassischer Literatur, inklusive Marx, Lenin, Lukács, glaubt man gerne, daß Budapest auch das geistige Zentrum Europas sei. Dieser (…)
Adam Schaff, zwischen Warschau und Wien als akademischer Lehrer pendelnd, gehört zu den Initiatoren der Renaissance marxistischer Philosophie nach Stalins Tod. Sein Buch „Marxismus und das menschliche Individuum“, im Wiener Europa-Verlag erschienen, markierte die Wende im Denken der (…)
Seit Mai dieses Jahres sind Sie Chefredakteur des maoistischen Kampfblattes „La Cause du Peuple“ („Die Sache des Volkes“). Ihre Vorgänger, die ersten beiden Chefredakteure, wurden für publizierte Artikel zwölf und acht Monate ins Gefängnis geschickt, die Organisation selbst als radikalste der (…)
I. Intellektuelle als Verräter Angesichts der schamlos offenen Taktik, mit der die Monopolbourgeoisie versucht, die ihr Herrschaftssystem bekämpfenden Kräfte sich einzuverleiben und für ihre eigenen Zwecke nutzbar zu machen, erscheint die Verleihung des Goethepreises an Georg Lukács als (…)
Der westliche Antikommunismus lebt von der Gleichsetzung des Kommunismus mit dem Stalinismus, wobei dieser, im Rahmen einer abstrakten Kritik des Totalitarismus, wiederum faschistischen Formen angeglichen wird. Erstere Gleichsetzung übersieht die historische Situation der Sowjetunion nach der (…)
A. K., Professor für Philosophie der Politik an der Universität Basel, ständiger Beiträger und Redaktionsbeirat des NF, Präsident des „International Dialogic Committee“ (IDC) Wien-Santa Barbara, Calif. über das IDC-Seminar in Cuernavaca, siehe den Vorspann zum voranstehenden Beitrag G. N.s. (…)
I. Vom Widerspruch im Intellektuellen Vor allem meine ich, daß es keinen Intellektuellen gibt, der nicht „links“ ist. Natürlich gibt es Leute, die Bücher oder Essays schreiben und zur Rechten gehören. Aber für mich genügt es eben nicht, seine Intelligenz funktionieren zu lassen, damit einer (…)
Ernst Fischer, geb. 3.7.1899 Komotau, Böhmen, gest. 31.7.1972 Wien, war eine erfolgreiche Mischung aus Künstler und Politiker. Sein Erfolg bestand unter anderem darin, daß ihm das eine Talent stets in die Quere geriet bei Ausübung des anderen: so blieb er als Künstler wie Politiker ein (…)
1065 Briefstücke! Ein Kontinent ist aufgetaucht, wo sich Naturereignisse abspielen: Gefühlsstürme, Thränensturzbäche, Eiszeiten und Schmelzperioden, Steinschlag, tektonische Wanderungen und Blitze aus heiterem Himmel. Der aufmerksame Fackel-Leser wird nicht überrascht sein, denn das Private (…)
Sie sind nun seit zwei Jahren Chefredakteur der Cause du Peuple. Sie haben die Zeitung auf der Straße kolportiert und kämpferische Artikel für sie geschrieben. Nun arbeiten Sie für eine neue Zeitung Libération. Sie haben an einer großen Zahl von maoistischen Kundgebungen und Aktionen (…)
Gefährlicher Sozialismus
Auszüge aus der Ansprache des bekannten jugoslawischen Schriftstellers Dobrica Cosić (Partisanenroman „Fern ist die Sonne“) auf dem Symposium der Serbischen Philosophischen Gesellschaft in Divčibara am 9. Februar 1974, veröffentlicht in der philosophischen Zeitschrift Praxis (Nummer (…)
Schwierige Gratwanderung
Man kann sich’s leicht machen: Geht man von der absoluten Richtigkeit des eigenen Standpunktes aus, so genügen ein paar abwertende Bemerkungen über die Sozialdemokratie, und schon ist man um das Problem herumgekommen, daß die Mehrheit der österreichischen Arbeiterklasse noch immer — und diesmal (…)
So bin ich
Zu seinem Siebzigsten am 21. Juni 1975 gab Sartre in einem Gespräch mit Michel Contat‚ Freund und Mitarbeiter, Redakteur von Les Temps Modernes, eine Totalaufnahme seines gegenwärtigen Zustands: gesundheitlicher Verfall, finanzielle Panik — aber was das Werk betrifft: zufriedene Rückschau, ganz (…)
So bin ich
Täglich vier Stunden Musik Die Musik spielt in Ihrem Leben eine große Rolle. Nur wenige Leute wissen das ... Sartre: Die Musik hat mir stets viel bedeutet, als Zerstreuung und zugleich als ein Hauptelement der Bildung. In meiner Familie waren alle Musiker: mein Großvater spielte Klavier und (…)
Die Untersuchung der Wahrheit kam von den Priestern weg, und Politici legten sich beyzeiten darauf. Jakob Brucker 1731 Obschon die Wissenschaft als Ganzes Unfug ist, ist sie lehrreich. Gottfried Benn Ein Philosophendach für die Schmidt-SPD Bis 1933 müssen in der deutschen Sozialdemokratie (…)
Gewerkschaften sind bis heute zu einem Gutteil jene „instinktive Arbeiterbewegung“, als welche Marx sie kennzeichnete. Nur selten blicken sie über die eigene Nasenspitze oder die ihres „Sozialpartners“. Unterdessen greift aber die gewerkschaftliche Organisationsform auf umfangreiche, rapide (…)
was du tust, ist aussichtslos. gut: du hast es begriffen, gib es zu, aber finde dich nicht damit ab, mann mit dem stein. niemand dankt dir; (...) es herrscht ein mangel an männern. das aussichtslose tuend stumm, ausraufend wie gras die hoffnung, ihr gelächter, die zukunft, rollend, rollend ihren (…)
Er begründete Zukunft und konnte zuletzt nichts mehr sehen. Er philosophierte über „aufrechten Gang“ des Menschen und konnte zuletzt nicht mehr gehen. So starb er (am 4. August 1977 in Tübingen, 92 Jahre alt), Symbol seines „Prinzips Hoffnung“, dessen Wesen die Nichtenttäuschbarkeit ist wider (…)
Hermann Glaser, SPD-Stadtrat für Kultur zu Nürnberg, Autor zeitgeschichtlicher Werke, zuletzt über Sigmund Freud, wagte im Oktober 1977, inmitten des Medienterrors gegen alles Linke, eine dreitägige Großveranstaltung in der Meistersingerhalle unter dem Motto „Angst und Hoffnung — Flüchten oder (…)
In 10 Jahren Sieg
Die Internationalisierung der osteuropäischen Dissidentenbewegung hatte ihren spektakulärsten Höhepunkt in den Treffen zwischen Vertretern der Charta 77 und des polnischen Arbeiterverteidigungskomitees (KOR), die im Sommer 1978 begannen. Beim zweiten Treffen interviewten die KOR-Mitglieder Jan (…)
Der ungarische Poet und Soziologe Miklos Haraszti wurde durch seine Industriereportage bekannt, die 1975 zuerst in deutscher Sprache erschien („Stücklohn“, Rotbuch Verlag, Berlin). Haraszti, Jahrgang 1945, bekam schon als Student Schwierigkeiten mit den ungarischen Behörden, und zwar (…)
Jiri Grusa: Schriftsteller, im Frühsommer 1968 wegen seines Romans „Der Fragebogen“ verhaftet. Das Buch erscheint jetzt in Deutsch. Jiri Hajek: Jahrgang 1913, in den dreißiger Jahren Funktionär der Sozialdemokratie, 1939-45 im deutschen Konzentrationslager, 1945-48 Funktionär der (…)
Die rote Blume geht wieder in den Untergrund
Wir besuchten den iranischen Schriftsteller Nasi Khaksa in seinem Haus in der Hafenstadt Abadan, einem Zentrum der persischen Ölindustrie. Unter Pahlevi hatte Nasi Khaksa als Dorfschullehrer gearbeitet. Er schrieb Gedichte und Prosa, nach deren Bekanntwerden er von der SAVAK eingesperrt und (…)
Weinen könnt er, wenn er daran denkt, was alles aus ihm hätt werden können — soll der alte Raimund gesagt haben. Franz Marek war zu bescheiden, so zu denken. Dadurch entging er beiden Varianten typisch österreichischen Schicksals: Nichts weiter sein als lokale Berühmtheit und dementsprechend (…)
Kopfarbeiter aller Länder, vereinigt euch!
0 Auf der Suche nach dem revolutionären Subjekt Ob Marcuse ein guter Philosoph war, weiß ich nicht. Ich glaub eher nicht. Aber es interessiert mich nicht wirklich. Den Lustgewinn, den Marcuse für uns Linke rehabilitiert hat, hol ich mir anderswo (Marx, Hegel, Augustinus). Hier geht’s nicht (…)
Anfang Oktober 1979 wurde an der Freien Universität in West-Berlin zum vierten Mal die „Sommer-Universität der Frauen“ veranstaltet, diesmal von einer Gruppe lesbischer Frauen vorbereitet unter dem Motto: „Autonomie oder Institution? Über die Leidenschaft und Macht von Frauen.“ Eine Woche lang (…)
Prag, am 7. April 1980 Herr Präsident! Am Freitag, den 14. März 1980 habe ich Ihre Kanzlei besucht, um Sie über das Vorgehen der Staatssicherheit gegen die Vorlesung von William Newton Smith zu informieren; das Thema lautete: die Fragen der Rationalität in den Wissenschaften. Ich teilte dem (…)
I. Toter Sartre, guter Sartre Seit Marx ist Philosophie bekanntlich nicht mehr möglich. Wenn es dennoch Philosophen gibt, desto schlimmer für sie. Über die Pariser Boulevards transportierte man in einem gewaltigen Leichenzug den Sarg Jean Paul Sartres; eine unpassend etablierte Show für das (…)
Der ungarische Dichter György Dalos hielt beim Festival „Poetry 80 International“ im Juni 1989 in Rotterdam die folgende Rede. Zwischen Utrecht und Rotterdam, auf der zweiten Klasse, Chocomelk trinkend, Stuyvesant rauchend, meditierte ich darüber, was eigentlich Freiheit für mich bedeute. (…)
Am 23. Oktober 1979 wurde der tschechische Dramatiker Vaclav Havel wegen Staatsverleumdung zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Mit einer aufgeschobenen Strafe von früher macht das fünf Jahre und acht Monate Haft. Havel darf seinen Beruf als Schriftsteller nicht ausüben, er muß in der (…)
Am 28. April wurden zwei Franzosen bei der Einreise in die Tschechoslowakei festgenommen, Gilles Thonon und Françoise Anis. Sie hätten „subversive Dokumente“ und Geld für die tschechische Opposition mitgebracht, meldeten die CSSR-Behörden (4000 DM, wurde später bekannt). Im Gefolge dieser (…)
In Prag ist zu Beginn des Sommers die Eiszeit ausgebrochen. Ein Großteil der Aktivisten der Charta 77 wurde mit einem Schlag verhaftet, darunter solche, die schon zwei oder drei langjährige Haftstrafen hinter sich haben. Andere, die schon jahrelang sitzen, werden am Rande ihrer Lebensmöglichkeit (…)
Zwischen Verstaatlichung und Wiedereinbürgerung
Ihr Intellektuellen wir
Bernd Rabehl, ehemaliger deutscher Studentenführer der 68-er-Bewegung, ist heute Assistenzprofessor für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Mit ihm sprach Walter Famler über seinen Marsch durch die Institutionen, über grüne, rote und schwarze Politik und (außerparlamentarische) (…)
Am Pfingstdienstag 1983 hatte Friedrich Heer mit der ihm üblichen skandierenden, sich fast überschlagenden Stimme zu ungewohnter Stunde frühmorgens ins Mikrophon des ORF I gesprochen. Zufällig hatten wir eingeschaltet. Wir erkannten sogleich, daß er eines der heißesten Eisen der gerade ihrem (…)
Anlass dieses Beitrags war die — bis dato rechtsgültige! — Beschlagnahme des Films von Herbert Achternbusch „Das Gespenst“ am 18. November 1983 kurz vor der Erstaufführung in Österreich. Kurz vor Erscheinen dieses Heftes entzog der regierende Günther Nenning dem redigierenden G.O. diese (…)
Richard Sennett: Verfall und Ende des öffenlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. S. Fischer, Frankfurt am Main, 1983, 405 Seiten. — Illustration: Peter Fleischhacker. „Wie bös diese Zeiten waren! Welches niemals aussetzende Bewußtsein der Feindschaft von Mensch zu Mensch, welche (…)
SDI und SO2, Becquerel und Beau-Bâle — wer kann das alles noch hören, auf all das noch antworten? Die professionellen Dichter und Denker jedenfalls nicht, sie werfen dem Weltgeist ihre Tintenfässer hinterher, mit trotziger Gebärde oder mild und abgeklärt: Während in Österreich die (…)
es ist nicht gut, wenn sklaven bücher lesen. bildung zerstört ihre instinkte und verwirrt ihren geist. glauben sie mir: sie sind im irrtum, sie täuschen sich — was ein sklave werden soll, das hat erziehung nötig. die ausbildung seiner fertigkeiten und die erziehung zu ordnung und moral. ein (…)
Nur noch ein Gott kann uns retten Martin Heidegger Der Feldprediger: Wir sind eben jetzt in Gottes Hand. Mutter Courage: Ich glaube nicht, daß wir schon so verloren sind, aber schlafen tu ich doch nicht nachts. Bertolt Brecht Angesichts der Unbefangenheit, mit der manche amerikanische (…)
Bei den diesjährigen Römerberg-Gesprächen setzte unser Herausgeberbeirat R. B. die Diskussion (begonnen mit „Geist und Zeitgeist“ in Heft Okt. 1987) über Moral und neue Liederlichkeit fort; das Frankfurter Publikum, unvorbereitet, fand sich in einem Wechselbad widerstreitender Gefühle. Die (…)
Der Zwang, sich unentwegt selbst darzustellen, hat Günther Nenning ohne Umweg vom „Spiegel“ auf die Bühne der „Zeit“ verschlagen, wo er neuerdings, offenbar gut honoriert, sein Unwesen treibt. Beim ersten Auftritt gab es eine „nachdrückliche Erinnerung“ an den Anarchisten und Menschenfreund (…)
Des Autors satirische Glossen aus unsrer ehrwürdigen Tante im Geiste, der „Weltbühne“ in Berlin-Ost, wollten wir ursprünglich nachdrucken, solang deren geringe Verbreitung in westlichen Landen dies tunlich sein läßt. Vielleicht im Herbst — diesmal erhielten wir frisch seine zornigen Funksignale (…)
Kaum ein zweiter Staatsmann erfreut sich zur Zeit so großer Beliebtheit wie Václav Havel. Kaum einer verdankt sie freilich so wenig wie er dem, was er als Staatsmann gemacht hat. Havel hat das Prestige als Erbe in sein Amt mitgebracht. Der Märtyrer der Husák-Epoche ist der Intellektuelle als (…)
Günther Nenning in sonderbarer Gesellschaft („Haider ist kein Nazi, die FPÖ keine NSDAP“) Günther Nenning muß man in dieser Zeitschrift nicht vorstellen. Das Pfund, mit dem er wuchert: er ist der Sprache mächtig, was im österreichischen Journalismus keineswegs — und heute weniger als zu Karl (…)
Schwindsucht der Systeme
Vor ein paar Jahren ist er noch munter ausgeschritten und hat unterwegs Vermessungen vorgenommen, so jedenfalls der Titel der damaligen Aufsatzsammlung. Inzwischen läßt Rudolf Burger das Abstecken bleiben und hat sich ganz aufs Zurückstecken geworfen. Nur die alte Munterkeit ist auch im neuen (…)
Versuch einer unautorisierten Verteidigung des mir persönlich unbekannten Wolfgang Neugebauer sowie des Aufzeigens diskurskultureller Defizite bei der jungtürkischen Grünen. Vielleicht ist es anmaßend, mir an dieser Stelle Sorgen über die Diskurskultur in den Seiten des FORVMs zu machen. Daß (…)
Dieser Tage erschien — als aktuelles Statement zur heutigen Situation — in der Slowakei der nachstehende, leicht gekürzte Diskussionsbeitrag unseres Autors vom »II. Kongreß der tschechoslowakischen Schriftsteller 1956«. »Radio Free Europe« verbreitete bereits eine Stunde nach dem Statement, L. (…)
Des Denkers Flucht
Über Nacht hat der Umsturz im Osten die latente Affinität der westlichen Intellektualität zu real existierendem Sozialismus zerbrochen. In einem wundersamen Augenblick passierte die vorbehaltlose Aufgabe sämtlicher moralischer Relativierungen zugunsten einer völligen Verdammung der (…)
Gestern Abend wieder einmal Adorno gelesen, diesmal gegen den Strich seiner Intention, ihn selber herausgelesen aus seinen Satzschlingen, den Klemmer, der zur Macht will mit dem untauglichsten aller Mittel: der bloßen, sich zu keinem Imperfekt bekennenden Kritik. Was will der Spiesser (…)
... Vorwürfe ... sagen womöglich mehr über die Ankläger als über die Beschuldigten aus. (H. M. Enzensberger) Wer sich in die politischen Diskurse der deutschen Öffentlichkeit einmischt, der tut es auf eigene Gefahr. ... Wer sich auf die Prämissen des jeweiligen Talkmasters einläßt, ist schon (…)
Wolfgang Müller-Funk, Die Enttäuschungen der Vernunft. Von der Romantik zur Postmoderne‚ 192 Seiten, Edition Falter im GBV, Wien 1990 Sie kennen vermutlich alle, die Sie hier sitzen um einer „Vernetzung“ beizuwohnen, den traurigen alten Witz von den zwei Männern, die, einander unbekannt, auf (…)
Zwischen Traum und Trauma. Reflexionen eines unheilbaren Wieners anläßlich des Buches von José María Pérez Gay: El imperio perdido (Das verlorene Reich), Mexico 1991. Wer heute in Wien von der Oper über die Kärntnerstraße zum Stephansdom schlendert, der kann in den Cafés dieser Straße, wie zum (…)
Wie man konjunkturbewußt der Macht des Bestehenden und der bestehenden Macht huldigt. Die neue Sprachregelung Von allen Seiten verkünden uns Autoren ungefragt ihren Ekel vor dem Typus, den sie die »guten Menschen« nennen. Konrad Liessmann kann die »guten Menschen nicht leiden, die Jörg (…)
Lob der Unangenehmheit
Bei der Vorbereitung bin ich wieder einmal darauf gestoßen worden, daß Günther Anders ein äußerst unangenehmer Mensch war. Immer wenn ich mich hingesetzt habe, um irgendwas aufzuschreiben, imaginiert sich mir der und macht mir Einwände und pflanzt mich hin und her, so ungefähr: Er sagt, was (…)
1977 sorgte Fritz Herrmann mit der Dichtung „Trara Trara, die Hochkultur!“ für Aufsehen, als sie in FORVM Nr. 280/281, Heft April/Mai 1977, S. 50 ff. erschien. Fritz Herrmann war Journalist, Autor und Kulturpolitiker. Er war Herausgeber der Zeitung Favoritner Wochenblatt (ab 1960 Wiener (…)
Gesprochen an der Tagung „Günther Nenning — Journalist, Schriftsteller und politischer Querdenker“ am 20. Oktober 2018, veranstaltet vom Kulturausschuss der Gemeinde Weidring, wo G.N. zuletzt gelebt und der er seine Bibliothek vermacht hatte. Um diese mit Leben zu erfüllen, veranstaltet Helmut (…)
Kritik eines Versuches
Geplant war ein Interview, das Peter Heintel mit Nenning führen s/wollte. Nach einem langen Gespräch, das Martin Schaub fotografisch dokumentiert hat, rezensierte Peter lieber dieses damals kürzlich erschienene Buch. In einer Zeit, in der Schlagworte wie wilde Hunde an der Leine des Intellekts (…)
Rudolf Burger
Austrokopernikus
Lieber Gerhard, es ist lange her, und vieles hat sich zum Traurigen gewendet. Ich bedauere vieles. Deinen Text kann ich leider nicht öffnen, aber ich danke Dir sehr für Deine Mühe. Vielleicht können wir einmal reden. (1. April 2021, 14:39) Alles Liebe, Rudolf Es war das erste (…)
1.Dialog Egokrücken Alfred und Slobo in einem Wiener Gemeindebau. Alfred, am Schreibtisch vor seinem Computer, spielt Schach, Slobo, mit einer Tasse Tee aus der Küche kommend setzt sich auf die Couch. Slobo: „Alfred, dein Wasserhahn tropft.“ Alfred: „Erzähl mir etwas Neues.“ Slobo: (…)
«Wenn ich verzweifelt bin,
was geht’s mich an?»
Die ungewöhnliche Informiertheit seines Gesprächspartnes macht dieses frühe Interview zu einer reichhaltigen philosophiehistorischen und biografischen Quelle über Günther Anders. Zuerst erschienen in Mathias Greffrath: Die Zerstörung einer Zukunft. Gespräche mit emigrierten (…)
Intellektueller bei Wikipedia
Ein Intellektueller ist eine Person, die meist in wissenschaftlichen, künstlerischen, philosophischen oder literarischen Bereichen tätig ist, in ihrem Feld anerkannte Kompetenzen (darunter meist ein Hochschulabschluss) erworben hat und in öffentlichen Debatten eine kritische oder affirmative Position bezieht. Intellektuelle sind nicht zwangsläufig an eine bestimmte politische, ideologische oder moralische Position gebunden.[1][2][3]
Der Bedeutungsinhalt des Begriffs Intellektueller wechselte im Laufe der historischen Entwicklung. Eine allgemein anerkannte Definition des Begriffs gab es nie.[4] Wichtige Definitionsversuche unternahmen im 20. Jahrhundert Karl Mannheim mit „freischwebender Intelligenz“ und Antonio Gramsci mit dem Begriff des „organischen Intellektuellen“.[5]
Begriffsgeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als einer der Ersten verwendete Henri de Saint-Simon den Begriff 1821 in seinem Buch Du système industriel, wobei er intellectuels und intellectuels positifs unterschied. Die „normalen“ Intellektuellen gehörten den „alten Schichten“ an, bestehend aus Adel, Klerus, Juristen und müßigen Eigentümern. Die progressiven Intellektuellen hingegen verkörperten das Neue. Sie sollten in der Lage sein, Vorurteile zu überwinden und gemeinsam mit Industriellen das alte Regime abzulösen. Damit identifizierte er allerdings nur die naturwissenschaftlichen Experten.[6] Seine heutige Bedeutung erlangte der Begriff erst im Zusammenhang mit der Dreyfus-Affäre Ende des 19. Jahrhunderts.[7][8]
Der Begriff Intellektueller wird oft Georges Clemenceau durch Maurice Barrès zugeschrieben, verwendet wurde er jedoch bereits vorher. Clemenceau bezeichnete 1898 in einem Artikel prominente Unterstützer von Alfred Dreyfus, darunter Émile Zola, als eine Gruppe von Intellektuellen. In Wirklichkeit verwendeten nationalistische Gegner der Dreyfus-Unterstützer den Begriff zuerst in diesem Zusammenhang und – zunächst jedenfalls – mit abwertender Konnotation für Personen, die der eigenen Nation als illoyal gegenüberstehend dargestellt werden sollten. Die „Dreyfusards“ übernahmen diese Kategorisierung jedoch und deuteten sie im Sinne ihres politischen Selbstverständnisses als Anwälte der Gerechtigkeit und der Rechtsstaatlichkeit um. Nachdem der unüberbrückbare Expertendissens den Spielraum für moralisierende Intellektuellenkritik eröffnet hatte, erschien die Geburt des Intellektuellen als eine Folge der unfreiwilligen Selbstinfragestellung der Experten.[9][10]
Gramsci prägte den Begriff „organischer Intellektueller“ für Menschen, die die Ideen einer bestimmten Klasse vertreten und reartikulieren.[5]
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Ausdruck in der NS-Propaganda ebenfalls als abwertender Kampfbegriff für Vertreter des ideologisch abgelehnten „Intellektualismus“ gebraucht, um jüdische oder andere politisch unerwünschte Personen zu diskreditieren.
Einbettung in Gesellschaften
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der französische Schriftsteller Émile Zola erweiterte die Diskussion um wahres Wissen im Fall Dreyfus zu einer moralischen Debatte, in der er bestehende Vorurteile infrage stellte. Dies verdeutlicht, dass Moral und universelle Werte das zentrale Feld der Intellektuellen sind.[11]
Laut Jean-Paul Sartre analysieren und kritisieren Intellektuelle gesellschaftliche Vorgänge, um deren Entwicklung zu beeinflussen, ohne sich an politische oder moralische Standpunkte binden zu müssen. Dies führt oft zu Konflikten mit politischen Akteuren.
Intellektuelle können sowohl Unterstützer als auch Kritiker der herrschenden Klasse sein: Wenn ihre Ideen den Interessen der herrschenden Klasse entsprechen, fungieren sie als Unterstützer. Im Gegensatz dazu können sie als Dissidenten betrachtet und verfolgt werden, wenn ihre Ansichten im Widerspruch zur Regierung stehen, dadurch werden sie Kritiker der Ideologie. Erfolgreiche Dissidenten können dabei auch wieder in staatliche Strukturen integriert werden, sofern sie als nützlich angesehen werden.
So sind Intellektuelle für Machthaber sowohl unbequem als auch effektive Mittel in der innovativen Entwicklung der Gesellschaft. Der französische Philosoph Julien Benda (1867–1956) betonte bereits 1927 in seinem berühmten Essay: Der Verrat der Intellektuellen die Neigung vieler Intellektueller, zu Erfüllungsgehilfen gesellschaftlicher Interessen und Ideologien zu werden.
Intellektuelle entwickeln untereinander informelle Beziehungen, die über die üblichen Lebensmittelpunkte von Arbeit und Familie hinausgehen. Intellektuelle im Staatsdienst sind so oft besser informiert als ihre behördlichen oder politischen Mitstreiter (und haben so deren Respekt, auch wenn sie wegen ihrer Kontakte zu politischen Gegnern misstrauisch beäugt werden). Unabhängig davon sind auch intellektuelle Gegner über gesellschaftliche Probleme oft besser informiert als die durchschnittliche Bevölkerung, selbst wenn das vorliegende Staatssystem die Pressefreiheit stark beschränkt hat. Diese innere Kenntnis staatlicher Details macht sie auch häufig zum Ziel der ausländischen Nachrichtendienste.
Die Lebhaftigkeit, Dynamik, Meinungsfreude und Vernetzung haupt- und großstädtischer Intellektuellenkreise führte oft zur Feindseligkeit gegen ihre Subkultur. In Deutschland und Österreich wurde sie nach dem Ersten Weltkrieg auch mit antijüdischen Ressentiments verbunden.
Bernhard von Mutius (* 1949) (Herausgeber des Buchs: Die andere Intelligenz, 2004) argumentierte, dass sich ein neuer Typus des Intellektuellen herausbilde, der als Wissensarbeiter in verschiedenen Organisationsstrukturen tätig ist. Diese Wissensarbeiter, die als „konstruktive Intellektuelle“ bezeichnet werden, sind oft in wissenschaftlichen, technischen oder sozialen Innovationsprojekten involviert. Neben der organisatorischen Anbindung als Beratergruppe innerhalb größerer Institutionen gibt es auch die Ausgründung als formal selbständige Denkfabrik.[12]
Wie Stephan Moebius herausgearbeitet hat, entstand mit dem Strukturwandel der modernen Öffentlichkeit zur Mediengesellschaft auch der Typus des "Medienintellektuellen".[13] War für die frühere Sozialfigur des Intellektuellen die wissenschaftliche, journalistische oder künstlerische Reputation der Maßstab für ein kompetentes und engagiertes Auftreten in der Öffentlichkeit, so ist es für den Medienintellektuellen in erster Linie die durch Medienpräsenz erworbene Prominenz und mediale Performance. Ein wissenschaftliches oder literarisches Werk ist für ihn nicht mehr nötig, um in der Ökonomie der Aufmerksamkeit zu bestehen. Um Prominenz zu erlangen, ist er auf gezielte Selbstinszenierung und Impression Management angewiesen, was ihn in die Nähe der auf Inszenierung und Dramatisierung angelegten Medienlogik rückt. Selbstinszenierungsdrang der Medienintellektuellen und Medienlogik verstärken sich gegenseitig. So wird gerade dieser Typus gerne in den Medien zitiert oder zu Talkshows eingeladen, da er mit seiner Performance höhere Quoten verspricht als der ehemalige Intellektuellentypus.
Laut Rainer Lepsius besteht ein enger Zusammenhang zwischen hegemonialem Wertekanon und legitimer Intellektuellenkritik. Die Legitimität der Intellektuellenkritik hänge vom Geltungsstatus jener allgemeinen Werte ab, deren Realisierung der Intellektuelle einmahnt. Auch bei allergrößtem Dissens müsse er sich auf das gemeinsam Geteilte berufen können. Nur auf diese Weise könne seine Kritik sozial anschlussfähig werden.[14]
Wenn jedoch die Gesellschaft fragmentierter und der gesellschaftliche Wertekanon vielfältiger, konfliktreicher und strittiger wird, so vergrößert sich der Detaillierungszwang für Intellektuelle. Der gesellschaftliche Wertekanon wird vielfältiger und konfliktreicher durch die zunehmende Verbreitung von science denialisms.[15] Er wird strittiger durch Inkommensurabilität[16] der Weltbilder. Die Intellektuellen sehen sich dann in gesteigertem Maße gezwungen, für ihre Kritik unter Rekurs auf entsprechendes Expertenwissen zu argumentieren, um sie so sozial anschlussfähig zu machen. Alexander Bogner sieht diesen Fall in den vergangenen Jahren eingetreten, da in der Finanzkrise von 2008, in der Klimakrise sowie in der Flüchtlingskrise seit 2015 in „›postheroischen‹ Einsätzen […] humanitäre, politische und kulturelle Kollateralschäden einberechnet (werden), es werden Alternativen erwogen“. Es werde „so lange wie möglich abgewartet und erst dann, wenn es nicht mehr anders zu gehen scheint, interveniert“. Anstelle grundsätzlicher „Systemkritik erleben wir aufwendige Berechnungen zur globalen Klimaerwärmung und zähe Verhandlungen über transnationale Regelwerke“. Dies lege „die Vermutung nahe, dass in der Wissensgesellschaft dem Intellektuellen die Stunde längst geschlagen hat“.[17] Wenn Bogner mit dieser Befürchtung recht haben sollte, würde dieses mit der Wende zum 20. Jahrhundert aufgetretene Intellektuellentum bald nach dessen Ende wieder untergehen.
Kollektive Intellektuelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pierre Bourdieu prägte den Begriff "kollektiver Intellektueller". "Hinter der Idee des kollektiven Intellektuellen steckt die Einsicht, dass kein noch so gebildeter singulärer Intellektueller über die Kompetenz verfügt, zu allen denkbaren Fragen und Themen kompetent Stellung zu beziehen. Die Rolle des kollektiven Intellektuellen beruht vielmehr auf dem Prinzip der Vernetzung von Wissenschaftlern, Autoren, Künstlern etc., wobei jede und jeder seine besondere, begrenzte Expertise dann einbringt, wenn sie betreffend einer spezifischen gesellschaftlichen Frage nutzbringend eingesetzt werden kann."
Sogenannte „Intelligenz“
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als die Intelligenz (entlehnt aus lat. intelligēns (Genitiv intelligentis)) bezeichnet man zusammenfassend soziale Gruppen in einer Gesellschaft, in der sich Intellektuelle zu Gruppen formieren. Teils sind damit Abgrenzungen und Privilegien verbunden.
Einzelne Gruppen bzw. Kategorisierungen sind:
Intellektuelle in der Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Intellektuelle sind die Hauptfiguren in vielen sogenannten Intellektuellenromanen. Einige bedeutende Beispiele:
- Erich Kästner: Fabian (Deutschland 1931)
- Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften (Österreich 1930–1933)
- Louis Guilloux: Schwarzes Blut (Frankreich 1935)
- Simone de Beauvoir: Die Mandarins von Paris (Frankreich 1954)
- Doris Lessing: Das goldene Notizbuch (USA 1962)
- Saul Bellow: Herzog (USA 1964)
- Hans Erich Nossack: Der Fall d'Artez (Deutschland 1968)
- Julia Kristeva: Les samouraïs (Frankreich 1982)
- Italo Calvino: Palomar (Italien 1983)
- Tschingis Aitmatow: Der Richtplatz (UdSSR 1986)
- David Lodge: Denkt (USA 2001)
- Hermann Hesse: Der Steppenwolf (Deutschland 1927)
Der Übergang zum Künstlerroman ist fließend.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Aufsätze
- Noam Chomsky: The Responsibility of Intellectuals. In: The New York Review of Books. Februar 1967, ISSN 0028-7504. (chomsky.info)
- Jacques Derrida: Die Intellektuellen. Definitionsversuch durch sie selbst. In: Jacques Derrida: Maschinen Papier. Das Schreibmaschinenband und andere Antworten. Passagen Verlag, Wien 2006, ISBN 3-85165-747-0, S. 211–220 (übersetzt von Markus Sedlaczek)
- Dai Jinhua: The imagination of Intellectuals and the Role of the Mass Media. In: Kin Chi Lau (Hrsg.): China reflected (= Asian Exchange. Jg. 18, Heft 2, 2002 und Jg. 19, Heft 1, 2003). ARENA Press, Hongkong 2003, S. 152–161.
- M. Rainer Lepsius: Kritik als Beruf. Zur Soziologie der Intellektuellen. In: M. Rainer Lepsius: Interessen, Ideen und Institutionen. VS, Verlag für Soziales, Opladen 1990, ISBN 3-531-11879-X, S. 270–285.
- Alfred von Martin: Die Intellektuellen als gesellschaftlicher Faktor. In: Alfred von Martin: Mensch und Gesellschaft heute. Verlag Knecht, Frankfurt am Main 1965, S. 184–240.
- Stephan Moebius: "Der Medienintellektuelle". In: S. Moebius/M. Schroer (Hg.): Sozialfiguren der Gegenwart, Frankfurt/M.: Edition Suhrkamp 2010, S. 277–290.
- Stephan Moebius: Intellektuellensoziologie: Skizze einer Methodologie. In: Sozial.Geschichte Online. H. 2 (2010), S. 37–63, hier S. 42 (PDF; 173 kB).
- Stephan Moebius: "Wo sind die Intellektuellen hin?",Zeit online , 14. Juni 2011, https://www.zeit.de/kultur/literatur/2011-05/intellektuelle-essay-2
- Ingeborg Nordmann: Neunzehntes Bild: Der Intellektuelle. In: Julius H. Schoeps, Joachim Schlör (Hrsg.): Bilder der Judenfeindschaft. Antisemitismus, Vorurteile und Mythen. Bechtermünz, Augsburg 1999, ISBN 3-8289-0734-2, S. 252–259.
- Bücher
- Franco Basaglia (Hrsg.): Befriedungsverbrechen. Über die Dienstbarkeit der Intellektuellen. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-434-00427-0.
- Julien Benda: La trahison des clercs. Paris 1977 (EA Paris 1927).
- Deutsch: Der Verrat der Intellektuellen. Essay. Thiele, Mainz 2013, ISBN 978-3-940884-71-8 (EA München 1978).
- Dietz Bering: Die Intellektuellen. Geschichte eines Schimpfwortes. Ullstein, Frankfurt am Main 1982, ISBN 3-548-39031-5.
- Dietz Bering: Die Epoche der Intellektuellen 1898–2001. Geburt – Begriff – Grabmal. Berlin University Press, Berlin 2010, ISBN 978-3-940432-91-9.
- Victor Brombert: Intellectual Hero. Studies in the French Novel 1880–1955. University Press, Chicago, Ill. 1974, ISBN 0-226-07545-1 (EA Philadelphia, Penn. 1960).
- Hauke Brunkhorst: Der Intellektuelle im Land der Mandarine (= Edition Suhrkamp/N.F. 403). Suhrkamp, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-518-11403-4.
- Hauke Brunkhorst: Der entzauberte Intellektuelle. Über die neue Beliebigkeit des Denkens. Junius, Hamburg 1990, ISBN 3-88506-419-7.
- Christophe Charle: Vordenker der Moderne. Die Intellektuellen im 19. Jahrhundert. (= Europäische Geschichte). 2. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-596-60151-7.
- Ralf Dahrendorf: Engagierte Beobachter. Der Intellektuelle und die Versuchung der Zeit. Passagen Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85165-726-8.
- Franz-Josef Deiters: Auf dem Schauplatz des „Volkes“. Strategien der Selbstzuschreibung intellektueller Identität von Herder bis Büchner und darüber hinaus (= Litterae. 138). Rombach Verlag, Freiburg i. Br. 2006, ISBN 3-7930-9444-8.
- Wolfgang Eßbach: Die Junghegelianer. Soziologie einer Intellektuellengruppe (= Übergänge. 16). Fink, München 1988, ISBN 3-7705-2434-9 (zugl. Habilitationsschrift, Universität Göttingen).
- Richard Faber, Christine Holste (Hrsg.): Kreise – Gruppen – Bünde. Zur Soziologie moderner Intellektuellenassoziation. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1747-1.
- Kurt Flasch: Die geistige Mobilmachung : die deutschen Intellektuellen und der Erste Weltkrieg, Fest, Berlin 2000
- Martha Zapata Galindo: Der Preis der Macht, Intellektuelle und Demokratisierungsprozesse in Mexiko 1968–2000 (= Fragmentierte Moderne in Lateinamerika. 2). edition tranvia, Berlin 2006, ISBN 3-925867-96-1 (zugl. Habilitationsschrift, Freie Universität Berlin 2003).
- Theodor Geiger: Aufgaben und Stellung der Intelligenz in der Gesellschaft. Enke, Stuttgart 1987, ISBN 3-432-96191-X (Nachdruck der EA Stuttgart 1949).
- Jacques Le Goff: Les intellectuels au moyen âge.
- Deutsch: Die Intellektuellen im Mittelalter. 4. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, ISBN 3-608-93248-8 (EA Stuttgart 1987, übersetzt von Christiane Kayser).
- Wilhelm Hofmeister (Hrsg.): Die Entzauberung des kritischen Geistes. Intellektuelle und Politik in Lateinamerika (= Kultur und soziale Praxis). Transcript, Bielefeld 2004, ISBN 3-89942-220-1.
- Jacques Julliard (Hrsg.): Dictionnaire des intellectuels français: les personnes, les lieux, les moments. Neuauflage. Éd. du Seuil, Paris 2009, ISBN 978-2-02-099205-3 (EA Paris 1996).
- Joseph Jurt: Frankreichs engagierte Intellektuelle. Von Zola bis Bourdieu. Wallstein, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1048-3.
- Ariane Huml und Monika Rappenecker: Jüdische Intellektuelle im 20. Jahrhundert. Literatur- und kulturgeschichtliche Studien. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2310-2.
- Wolfgang J. Mommsen (Hrsg.): Kultur und Krieg. Die Rolle der Intellektuellen, Künstler und Schriftsteller im Ersten Weltkrieg (= Schriften des Historischen Kollegs. 34). Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56085-9.
- Bernhard von Mutius (Hrsg.): Die andere Intelligenz. Wie wir morgen denken werden. Ein Almanach neuer Denkansätze aus Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur. Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-94085-5.
- Jean Paul Sartre, Philippe Gavi, Pierre Victor: Der Intellektuelle als Revolutionär. Streitgespräche (= Rororo. 1994). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1976, ISBN 3-499-11994-3 (übersetzt von Annette Lallemand).
- Jean Paul Sartre: Plädoyer für die Intellektuellen. Interviews, Artikel, Reden 1950–1973 (Gesammelte Werke in Einzelausgaben). Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-12738-5 (übersetzt von Hilda von Born-Pilsach).
- Helmut Schelsky: Die Arbeit tun die anderen. Klassenkampf und Priesterherrschaft der Intellektuellen. Dtv, München 1977, ISBN 3-423-01276-5 (EA Opladen 1975).
- Axel Schildt: Medien-Intellektuelle in der Bundesrepublik, Wallstein, Göttingen 2020
- Thomas Sowell: Intellectuals and Society. Basic Books, New York 2010, ISBN 978-0-465-01948-9.
- Hans Speier: Die Intellektuellen und die moderne Gesellschaft (= Bibliothek sozialwissenschaftlicher Emigranten. 8). Verlag Nausner & Nausner, Graz 2007, ISBN 978-3-901402-41-8 (herausgegeben und eingeleitet von Robert Jackall).
- Martin Strickmann: L’Allemagne nouvelle contre l’Allemagne éternelle: Die französischen Intellektuellen und die deutsch-französische Verständigung 1944–1950. Diskurse, Initiativen, Biografien. Verlag P. Lang, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-52195-2 (zugleich Dissertation, Universität Köln 2002).
- Alan Maynard Wald: The New York intellectuals. The rise and decline of the anti-Stalinist left from the 1930s to the 1980s. 13. Pr. University of North Carolina Press, Chapel Hill 2017, ISBN 978-1-4696-3596-5.
- Michel Winock: Das Jahrhundert der Intellektuellen (= Édition Discours. 28). UVK, Konstanz 2003, ISBN 3-89669-948-2.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Intellektueller im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Gangolf Hübinger, Intellektuelle in: Ernst Müller, Barbara Picht, Falko Schmieder (Hg.): Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland, Schwabe Verlag Basel, Berlin
- Intellektuelle. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. APuZ 40/2010.
- Dietz Bering: Die Intellektuellen (Zusammenfassung des Werkes Die Intellektuellen. Geschichte eines Schimpfwortes)
- Ulrich Schödlbauer: Das Jahrhundert der Intellektuellen.; auch in: Ulrich Schödlbauer, Joachim Vahland: Das Ende der Kritik. Akademie-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-05-003168-9.
- Eberhard Fromm: Der deutsche Intellektuelle.
- Paul Liessmann: Intellektuelle in der Politik. Moralisten, schweigt! In: Spiegel Online. 14. Oktober 2011.
- Daniel Morat: Intellektuelle und Intellektuellengeschichte. Version: 1.0, In: Docupedia-Zeitgeschichte. 20. November 2011.
- Reinhard Mohr: Warum Intellektuelle den Kapitalismus verachten (NZZ, 21. April 2018)
- Krisha Krops: Wir brauchen eine neue Intellektuellen-Kultur In: The European. 21. Mai 2017
- Pierre Bourdieu | Der kollektive Intellektuelle
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Diese Definition stammt von Stephan Moebius, ihr wird in der Intellektuellenforschung eine gewisse Plausibilität zugesprochen, vergleiche dazu Stephan Moebius: Intellektuellensoziologie: Skizze einer Methodologie. In: Sozial.Geschichte Online. H. 2 (2010), S. 37–63, hier S. 42 (PDF; 173 kB).
- ↑ Hans Manfred Bock: Der Intellektuelle als Sozialfigur. Neuere vergleichende Forschungen zu ihren Formen, Funktionen und Wandlungen. In: Archiv für Sozialgeschichte 51, 2011. S. 591 ff.
- ↑ Richard Faber: Was ist ein Intellektueller? Rückblicke und Vorblicke. Königshausen & Neumann, ISBN 978-3-8260-4420-5 (238 S.).
- ↑ Vgl. Dietz Bering: „Intellektueller“: Schimpfwort – Diskursbegriff – Grabmal? In: Intellektuelle; Aus Politik und Zeitgeschichte. 40/2010, S. 5–12.
- ↑ a b (Organische) Intellektuelle; Vermittlungsintellektuelle ( vom 11. Januar 2024 im Internet Archive)
- ↑ Ingrid Gilcher-Holtey: Eingreifendes Denken. Die Wirkungschancen von Intellektuellen. Weilerswist 2007, S. 10.
- ↑ Dietz Bering: Die Epoche der Intellektuellen: 1898–2001. Geburt – Begriff – Grabmal Berlin 2010, S. 24 ff.
- ↑ Alexander Bogner: Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam 2021. in Kap. 5. Das Elend der Kritik: Experten und Intellektuelle. S. 87.
- ↑ Caspar Hirschi: Skandalexperten, Expertenskandale. Zur Geschichte eines Gegenwartsproblems. Berlin 2018, S. 197 ff.
- ↑ Alexander Bogner: Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam, 2021. in Kap. 5. Das Elend der Kritik: Experten und Intellektuelle. S. 88 f.
- ↑ Alexander Bogner: Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam 2021. in Kap. 5. Das Elend der Kritik: Experten und Intellektuelle. S. 90.
- ↑ Bernhard von Mutius, Günter Küppers: Die andere Intelligenz. Wie wir morgen denken werden : ein Almanach neuer Denkansätze aus Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur. Klett-Cotta, 2004, ISBN 978-3-608-94085-5 (331 S.).
- ↑ Stephan Moebius: "Der Medienintellektuelle". In: Stephan Moebius/Markus Schroer (Hrsg.): Sozialfiguren der Gegenwart. Edition Suhrkamp, Frankfurt am Main 2010, S. 277–290.
- ↑ M. Rainer Lepsius: Kritik als Beruf. Zur Soziologie der Intellektuellen. In: M. Rainer Lepsius: Interessen, Ideen und Institutionen. Opladen 1990, S. 270–285. Zitiert nach Alexander Bogner: Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam, 2021. in Kap. 5. Das Elend der Kritik: Experten und Intellektuelle. S. 92.
- ↑ Alexander Bogner: Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam, 2021. in Kap. 5. Das Elend der Kritik: Experten und Intellektuelle. S. 98.
- ↑ Alexander Bogner: Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam, 2021. in Kap. 5. Das Elend der Kritik: Experten und Intellektuelle. S. 95.
- ↑ Alexander Bogner: Die Epistemisierung des Politischen. Wie die Macht des Wissens die Demokratie gefährdet. Reclam, 2021. in Kap. 5. Das Elend der Kritik: Experten und Intellektuelle. S. 92 f.