FORVM » Themen » Begriffsinventar

Medienkritik, Medienpolitik

Beiträge

Oscar Fritz Schuh

Vom falschen „Spiegel“-Bild

Notizen über Zusammenhänge zwischen Journalistik, Politik und Kunst
Dezember
1962

Als Oscar Fritz Schuh uns ankündigte, er wolle dem FORVM einen Beitrag — ja, worüber? — über die „Spiegel“-Affaire liefern, wußten wir, daß dies etwas Besonderes werden mußte. Einer der Bedeutendsten des deutschsprachigen Theaters der Gegenwart würde anders darüber schreiben als die ungezählten Berufenen (...)

René Marcic

Was ist eine Tageszeitung?

Ein Beitrag zur Theorie der politischen Publizistik
April
1963

René Marcic, Dozent der Staatswissenschaften an der Universität Wien, hielt an der Universität Nürnberg-Erlangen eine Probevorlesung „Politische Tageszeitung und öffentliche Meinung“, und zwar wie stets völlig frei sprechend. Der nachfolgende Text ist, ergänzt um Quellenhinweise, die Niederschrift. Wir (...)

Hugh Carlton Greene

Rundfunk heißt Freiheit

Oktober
1963

In Abwandlung Rousseaus läßt sich vom heimischen Rundfunk bestenfalls sagen, er sei, obgleich in Ketten, frei geboren. Daß dieses ethische Postulat auch aktuelle Existenz sein kann, beweist das Beispiel der „British Broadcasting Corporation“. Deren Generaldirektor, Hugh Carlton Greene (ein Bruder (...)

Zeitung heißt Unabhängigkeit

Dezember
1963

Real- und Rechtsgestalt des Pressewesens waren im FORVM seit je ein bevorzugtes Diskussionsthema. Hier wurde die Idee des österreichischen Presserates aus der Taufe gehoben — gleich in unserem ersten Jahrgang und von niemand Geringerem als dem nun allzufrüh verstorbenen Oscar Pollak (FORVM 1/12). (...)

Fritz Klenner

Presse und Freiheit

Dezember
1963

Pressefreiheit ist in der Demokratie theoretisch unbestritten, doch in der Praxis scheiden sich die Geister. Über die Aufgabe der Presse und die Rolle der unabhängigen Presse hat es daher lebhafte Diskussionen gegeben, insbesondere im FORVM und im theoretischen Organ der SPÖ. Die Möglichkeit der (...)

Heinrich Gleissner

Presse und Partei

Dezember
1963

Wenn eine Partei sich mit „Öffentlichkeitsarbeit“ beschäftigt, so kommt darin zweierlei zum Ausdruck. Zunächst einmal ist daraus zu entnehmen, daß sie sich nicht mit den Fragen der Presse allein beschäftigt, sondern daß darüber hinaus die Probleme aller Träger der öffentlichen Meinung behandelt werden, (...)

Fred Ungart

Presse und Werbung

Dezember
1963

Der Rahmen meines Themas — Presse, Werbung und Demokratie — mag vielleicht etwas weit gespannt erscheinen; trotzdem bin ich guten Mutes, denn der Zusammenhang zwischen Demokratie und Presse einerseits und Werbung als Motor anderseits ist — jedenfalls in den letzten Jahren — unübersehbar geworden. (...)

Christian Broda

Das Parlament ist am Zug

Referat auf der österreichischen Richterwoche, Weißenbach 1964
Juni
1964

Die Menschen, die im öffentlichen Leben stehen, und die Richter — sie stehen in gleicher Weise unter der steten Kontrolle der Öffentlichkeit. Sie formen die öffentliche Meinung und die öffentliche Meinung formt sie. Die freie Gesellschaft könnte nicht bestehen ohne ihr Lebenselement: Kontrolle durch (...)

Ignazio Silone

Massen und Apparate

Notizen zur Soziologie der Industriegesellschaft
Juni
1965

In den wenigen Jahren vom Sieg der russischen Revolution bis zum Auftreten der faschistischen Bewegungen in einigen Ländern Westeuropas verlor die Masse ihren Glorienschein. Sie galt nicht mehr als „fortschrittlich und bewußt“, sondern wurde von den Soziologen zur schwerfälligen, stumpfen, (...)

Hans Mayer

Von Cicero bis Ulbricht

Rhetorik im Zeitalter der Propaganda
Juni
1965

Die Auffassung der Gegenwart als heroischer Periode ist also im Kapitalismus eine unbewußte Flucht vor dem Realismus ins Rhetorische. Georg Lukács, Aktualität und Flucht (1941) in: Schicksalswende. Beiträge zu einer neuen deutschen Ideologie. Berlin 1948 Die Rede des Konsuls Marcus Tullius Cicero, (...)

Koalition für Pressefreiheit

Juni
1966

FORVM ist ein bißchen stolz darauf, schon in den Jahren des Hinwelkens der Koalition, und damals sehr einsam, behauptet zu haben, daß die Alternative Koalition oder Opposition in jeder Demokratie offensteht, daß sie nicht identisch sein darf mit der rhetorischen Alternative Zusammenarbeit oder (...)

Anton Benya

Für unbehinderte Kritik

Juni
1966

Aus Anlaß des 20jährigen Bestehens der Sektion Journalisten überbringe ich die Glückwünsche des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. Die Journalistensektion zählt unter den rund 1,5 Millionen Mitgliedern des ÖGB zu den zahlenmäßig kleinen Gruppen; doch kommt ihr schon deshalb besondere Bedeutung zu, (...)

Hans R. Klecatsky

Für ein neues Pressegesetz

Juni
1966

Lassen Sie mich zum 20. Jahrestag der Gründung der Sektion Journalisten im Österreichischen Gewerkschaftsbund die herzlichsten Glückwünsche der Justizverwaltung, der Richter und Staatsanwälte, zum Ausdruck bringen. Wenn die Journalisten auch manchmal mit Anträgen der Staatsanwaltschaften und (...)

Arthur Schnitzler

Briefe zur Politik

Oktober
1968

Die hier erstmals veröffentlichten Briefe Arthur Schnitzlers stammen aus dem Teil des Nachlasses, der sich im Besitz Heinrich Schnitzlers befindet. Druckvorlagen waren die Durchschläge maschinegeschriebener Briefe. Die Orthographie wurde unwesentlich normalisiert. Im übrigen sei daran erinnert, (...)

Kurt Jürgen Huch

Human Engineering im 3. Reich

November
1968

Über Reimund Schnabels: Mißbrauchte Mikrophone — Deutsche Rundfunkpropaganda im Zweiten Weltkrieg. Eine Dokumentation, Europa-Verlag, Wien 1967. In dem als „geheim“ gekennzeichneten „Arbeits- und Finanzplan für die Deutsche Auslands-Rundfunk-Gesellschaft Interradio AG“ vom 5. November 1941 heißt es (...)

Wilfried Schwedler

Kann man Bücher managen?

März
1969

Das Schicksal der deutschen Übersetzungen ist bekannt. Es erscheint ein berühmtes Original in fremder Sprache; alsbald wird der Entschluß gefaßt, es zu übersetzen. Diese Arbeit nun muß so sehr als möglich beschleunigt werden. Auf der einen Seite wünscht sie das neugierige Publikum bald vollendet zu (...)

Kurt Greussing

Nenning in uns, Kreisky in uns

April
1969

I. ZWINGT NENNING RAUS! Die Anhänger des einen, des Gewitzten und Trickreichen, waren in Erwartung eines finessengespickten Schauspiels gekommen, heimlich sich sehnend, der strahlende Siegfried möge an der Hinterlist dieser Welt scheitern, auf daß germanischem Todestrieb und dem Nibelungenlied (...)

Gerhard Amanshauser

Elektronische Massage

März
1970

Marshall McLuhan: „Die magischen Kanäle“, Econ, Düsseldorf 1968, „The Gutenberg Galaxy“, University of Toronto. 1. Inhalt, der nach McLuhan eigentlich unwesentlich sein müßte Der „Medienforscher“ sieht die Kommunikationsmedien als nach außen projizierte Kräfte und Fähigkeiten, die das ganze Leben, die (...)

Günther Anders

Tote zum Frühstück

Zur Psychopathologie der Massenmedien und ihrer Konsumenten am Beispiel der Berichterstattung über Vietnam
März
1970

I. Rauskommen „Es ist zu hoffen“, schreibt ein Berichterstatter eines bekannten Wiener Blattes am 11.12.1969 — und die Worte klingen so, als wären sie aus dem Amerikanischen übersetzt —, „daß kein anderer Fall von Größenordnung des Massakers von My Lai zutage kommt.“ Nun, kein noch so stark Hoffender (...)

Trautl Brandstaller

Der unaufhaltsame Aufstieg des Kurt Falk

August
1970

Die demokratische Republik Österreich ist das Land der Pressefreiheit und der Pressebeschlagnahmen. Daher erscheint der nachfolgende Artikel in einem Sonderheft unserer Zeitschrift. Er ist das Ergebnis mühsamer Recherchen bei rund zwei Dutzend Personen, die’s wissen müssen. In diesem Sinn ist er (...)

Waschzettel unserer Pressekonferenz

Oktober
1970

Ort und Zeit: Presseclub Concordia, Wien, 1.10.1970. Zweck: Wir wollen uns wehren gegen den Versuch, eine unbequeme Zeitschrift stillschweigend abzuwürgen. Kritik in Zeitungen darf nicht mit materieller Pression beantwortet werden. Das ist kein Problem des NF, sondern der Pressefreiheit. (...)

Michael Springer

Staberl

Oktober
1970

I. „Inmitten von Gleichgeschalteten ein Kerl, der seine und damit gleichzeitig die Meinung von einer runden Million Österreicher so von der Leber weg schreibt und sagt ...“: das ist Staberl von der „Kronen-Zeitung“ (Leserbrief, 4.8.). Die „runde Million“ ist eine Untertreibung: viel mehr Österreicher (...)

Günther Nenning

Antisemitismus ist Privatsache

März
1972

Mit jener Mischung aus standpunktloser Gemütlichkeit und bösartiger Hartnäckigkeit, die kennzeichnend ist für den österreichischen Betrunkenen, wollte einer der beiden Abgeordneten, die am 15.2. im Nationalrat antisemitische Rülpser von sich gaben, auf die Rednertribüne klettern und die folgende, (...)

Friedrich Geyrhofer

Der Herr Karl (Schranz)

März
1972

Als ein Skifahrer von den olympischen Konkurrenzen ausgeschaltet wurde, präsentierte die österreichische Gesellschaft ihren zerrütteten Gemütszustand. 9 Tage lang, vom 31. Jänner bis zum 8 Februar, inszenierten die Politk- und Meinungsmacher im „Schranzenland“ (Kronenzeitung) die letzten Dinge der (...)

Lutz Holzinger

„Beim Aufbauen den Schnitt machen“

Anmerkungen zur Preisentwicklung in Österreich
Mai
1972

Es war das tief Beunruhigende der bedrohlichen Situation, daß nirgends Ursachen zu dieser plötzlichen Verschlechterung zu entdecken waren. Wie es schien, war die ganze zivilisierte Welt von unheimlichen Kämpfen geschüttelt, warum wußte niemand. Die Männer in den Konjunkturforschungsinstituten, die (...)

Lutz Holzinger • Michael Springer

Schröckliche „Zeit im Bild“

Zur Informationspraxis des Österreichischen Fernsehens
Juni
1972

Diese Texte sind Teile eines Buchmanuskriptes, das eine qualitative und quantitative Analyse der ORF-Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ zum Inhalt hat. Eine Publikation bei „Jugend & Volk“ war geplant. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß sich kein relevanter österreichischer Verlag eine (...)

Günther Nenning

Zeitung ist‚ was zwischen Inseraten Platz hat

1. Teil einer Medienkritik
Juni
1972

I. Pressefreiheit und Massenmedien Pressefreiheit ist heute oft eine Sprechblase aus den Mündern recht zweifelhafter Freiheitshelden. Als hingegen auf den Druckerpressen des Bürgertums noch in goldenen Lettern „Hoch die Pressfreiheit“ stand, hieß das etwas sehr Konkretes: Freiheit, gegen den (...)

Günther Nenning

Mitbestimmung zwecks Meinungsfreiheit

2. Teil einer Medienkritik
Juli
1972

Der I. Teil dieses Textes erschien im NF Juni, unter dem Titel „Zeitung ist, was zwischen Inseraten Platz hat“ und mit Ankündigung eines II. Teils. Unterdessen kam die Einladung zu einem Referat „Bedroht Pressekonzentration die redaktionelle Unabhängigkeit?“ (no na) auf der XXI. Generalversammlung (...)

Michael Springer

Die Sparmeisterschaft von Österreich

16.12.72, ORF, FS 1, 20.15 Uhr
Januar
1973

Michael Springer Institut für Vergangenheit Sol III, Terra/Eur, Dep. Austria Sehr geehrte Herren, ich bestätige den Eingang des archäologischen Materials und Ihres Begleitschreibens. Es handelt sich um einen Fund von größter Bedeutung für die Geschichtsforschung. Der Inhalt der Metallkapsel, die (...)

Friedrich Geyrhofer

Achilles mit Pulver und Blei

Zur Physiognomik des Journalismus, 1. Teil
Juni
1973

„Sie legen also Wert auf das, was Sie schreiben?“ fragte ihn Vernou mit spöttischer Miene. „Aber wir treiben mit unseren Sätzen Handel und leben von diesem Geschäft.“ Balzac, Verlorene Illusionen Die Feinde des Journalismus verquicken gewöhnlich die Klage über seine Exzesse mit dem Tadel der (...)

Ernest Borneman

Es gibt kein österreichisches Fernsehen

Ein Interview
Juni
1973

E. B. hat ausgedehnte Erfahrungen mit ausländischen Fernsehstationen. Er hat bereits am 12. Mai 1937, lange bevor es ein deutsches, geschweige denn ein österreichisches Fernsehen gab, an der ersten Außenübertragung der BBC, dem Krönungszug König Georgs VI., mitgewirkt, entwickelte die erste (...)

Heidi Pataki

Die Lust am Untergang

Porträt einer kapitalistischen Zeitung
Juli
1973

Dort, wo sich Leichtsinn mit Dummheit paart, steht am Ende meist das Verhängnis. Thomas Chorherr, Seuche und Symptom Der österreichische Journalismus ist nicht erst seit Karl Kraus berüchtigt. Schon im 19. Jahrhundert galt Wien, gemeinsam mit Paris, als die Stadt mit den skandalösesten Zeitungen (...)

Heidi Pataki

Gloggnitz z.B.

Wo die Neue Rechte herkommt
Juni
1977

Zwangsarbeit & Todesstrafe! Es droht ein neues Volksbegehren von rechts: nach der „Aktion Leben“, deren Ziel es war, die Reform der Abtreibung rückgängig zu machen (im Parlament soeben abgeschmettert), soll jetzt die ganze Strafrechtsreform wieder umgekrempelt werden. Der Anlaß für das (...)

Friedrich Geyrhofer

Die neuen Hunnen

BRD auf dem Weg in die 3. Republik
November
1977

Westdeutscher Terror und Antiterror nehmen interkontinentale Ausmaße an. Am 17. Oktober 1977 führte die BRD mit dem Einsatz der GSG 9 in Somalia die erste militärische Operation seit dem zweiten Weltkrieg durch — in der Hauptstadt eines Landes, das selbst Krieg führt. Neue Fronten formieren sich: (...)

Christian Broda

Wider Medienterror

Aus einer Rede in Alpbach
November
1977

Es gibt noch mutige Leute in der so gern heruntergemachten Sozialdemokratie und überhaupt Demokratie! Gerade in einem so kritischen Forum wie dem NEUEN ist es Pflicht, die folgenden Auszüge aus einer Rede des österreichischen Justizministers bei den Alpbacher Gesprächen August 1977 zu (...)

Michael Siegert

Punctum puncti

Große Scham, große Koalition
September
1979

„Diese Hure gehört vergast“ Die deutsche Rocksängerin Nina Hagen, Biermanns Exstieftochter, hat ihren Finger an einen wunden Punkt der Nation gelegt. Mitten im Fernsehen berührte sie ihre Klitoris, und ganz Österreich war erschüttert. An diesem 9. August 1979 brachte Nina die Elektronen zum Tanzen (...)

Heidi Pataki

Metaphysik & Matjeshering

„Nachlese“, die Zeitschrift des ORF
September
1980

Nachlese. Eine monatlich erscheinende Schriftenreihe mit Manuskripten und Unterlagen zu Sendungen von Hörfunk und Fernsehen, Wien, Jänner bis August 1980. Rundfunk und Fernsehen leben von der Flüchtigkeit ihrer Erscheinung. Keiner nimmt’s so genau mit dem, was tagtäglich vorm Auge flimmert, am Ohr (...)

Friedrich Geyrhofer

Wir werden überflüssig

Günther Anders und die Abschaffung des Menschen
September
1980

Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen, Zweiter Band: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution, Verlag C. H. Beck, München 1980, 465 Seiten, DM 38, öS 292 Linke Ökologie vorausgedacht Was ist menschliches Handeln noch wert, verglichen mit der (...)

Günther Nenning

16 Bogen Klopapier

Über Zukunft des Journalismus
Juli
1982

Rede beim Linzer Mediengespräch des ORF, Juni 1982 I. Taglöhner des Geistes Wir Journalisten müssen uns unsere verdammte Bedürfnislosigkeit abgewöhnen oder wir sind verloren. Wir geben uns ständig mit ein paar Lohnprozenten zufrieden. Wir schnappen nach ein paar Kollektivvertrags- oder (...)

Gerhard Oberschlick

Die Werte der Republik

Juni
1983

Die unangenehmen Druckfehler/* von 1983 sind nun ausgebessert, an einer Stelle wurden zwei präzisierende Wörter hinzugefügt. Auf die reizvolle Wiedergabe des dreispaltigen Originals wird fürs Internet auch diesfalls verzichtet. */ Warum der Artikel damals so besonders schlecht korrigiert in Druck (...)

Josef Dvorak

Alles gefälscht!

Eine Medien-Groteske, das Groteske der Medien und die Artung des journalistischen Wesens
August
1983

Wer den Schaden hat, trage auch den Spott! Nur ein Verblendeter konnte an die Echtheit glauben. Dennoch verstand ich sie zuerst nicht ganz, die Erschütterung, den Arbeitskonflikt, den Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit. Ich reagierte mit Ironie, und versuchte, das Chaos medialer Turbulenzen, (...)

Alfred Zellinger

Video macht frei

Zu Ästhetik des industriellen Systems
August
1983

Technische Revolutionen ereignen sich heute in so rascher Folge und globaler Penetration wie noch nie zuvor. Video macht die Welt tatsächlich zum elektrischen, jetzt elektronischen Weltdorf, die Mikroprozessoren transformieren das „Reich der Freiheit“ von Utopie zur Möglichkeit, die (...)

Elisabeth Kmölniger

Die OFF-Falle

Comic strip
März
1984

Ernst van Loen

Der Irrweg eines Essays

April
1984

Am Pfingstdienstag 1983 hatte Friedrich Heer mit der ihm üblichen skandierenden, sich fast überschlagenden Stimme zu ungewohnter Stunde frühmorgens ins Mikrophon des ORF I gesprochen. Zufällig hatten wir eingeschaltet. Wir erkannten sogleich, daß er eines der heißesten Eisen der gerade ihrem (...)

Susanne Zanke

Das dritte Auge

März
1985

Niemand im ORF zensuriert. Es gibt keinen Rotstift, keine Schere. Es gibt bloß ein Gebot zur Objektivität im ORF-Gesetz. Im folgenden soll von freien Mitarbeitern, nicht von ORF-Angestellten, die Rede sein. Nicht, daß ich glaube, die Situation träfe für die Angestellten nicht in der gleichen Weise (...)

Gerhard Ruiss • Johannes A. Vyoral

Trendwende und Zensur

Beiträge eines Symposions der Grazer Autorenversammlung
März
1985

Verfassungsgesetze sind bestenfalls Zielsetzungen, und was daraus wird, bestimmen die Menschen immer noch selber. In diesem Land muß es möglich sein, daß ein Faschist, ein Nazi, ein Kommunist, irgendjemand zu Gericht geht und beansprucht, Recht zu bekommen. Es muß in diesem Land möglich sein, daß (...)

Brigitte Hader
Neil Postman:

Wir amüsieren uns zu Tode

Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie
April
1986

Aus dem Amerikanischen von Reinhard Kaiser, 1985, 208 Seiten, Brosch., DM 25,— Soma, die Glücklichmacherdroge aus Aldous Huxleys Modell einer negativen Utopie „Schöne neue Welt“ hat Amerika überschwemmt. Dieses Soma ist jedoch anders als bei den alten Indern und Huxley kein berauschendes Getränk, (...)

Franz Schandl

Die grüne Medienmacht

Oktober
1987

Es ist, was in den Medien ist, denn der Bürger (fr)ißt, was in den Medien ist. (Neugrüner Trinkspruch) Österreichs offizielle Grüne betreiben Politik fast ausschließlich als Medienpolitik. Nichts ist ihnen wichtiger als in den Gazetten und Sendungen mediengerecht präsentiert zu werden. Bedeutender (...)

Eva Pichler

Steuerquelle, verschüttet

Ausgrabung
Oktober
1987

Das gesellschaftliche Sein im Klassenstaat ist in dem Maße unmenschlich, in dem das Bewußtsein der verschiedenen Klassen ihm nicht adäquat, sondern nur sehr vermittelt, uneigentlich und verschoben entsprechen kann. Walter Benjamin Auf den ersten Blick ist es eigentlich schwierig, einzusehen, (...)

Brigitte Uddin

Krone Opfer

Dezember
1988

Der Zeitungsmogul Dichand zeigt Herz und läßt sein Kleinformat zur „Hilfe für das arme Bangladesh“ aufrufen. Er scheut auch keine Kosten und Mühen und sendet Starreporter E. Melchart vor Ort um schöne Fotos von Not und Elend. Doch auch darüber hinaus tut Dichand, so scheint’s, Gutes; stehen doch neben (...)

Bruno Kreisky • Klaus Kufner

Es war auch mein Fehler

Juni
1989

Klaus Kufner: Auf welche historische Wurzeln können junge Sozialisten heute zurückgreifen, um wieder zu einem gesunden Selbstbewußtsein zu kommen? Denn derzeit sieht es so aus, als wäre die Sozialdemokratie in einer Umstrukturierungsphase. Bruno Kreisky: Naja, ich weiß nicht, ob man das als (...)

Louise Mack

Politvergnügen

August
1989

Wahlergebnisse im TV. Die einen kleben weiterhin an ihrer jeweiligen Großpartei — der Posten oder der erwarteten Schlagworte und vertrauten Slogans wegen — und die anderen, diese Zuwachsin-Prozent-Sieger, sind schon dabei, ihre alte politische Heimat neu zu besetzen. Das am Wahlabend vom TV (...)

Günther Anders

Sprache und Endzeit (III)

Aus dem Manuskript für den dritten Band der „Antiquiertheit des Menschen“
August
1989

Teil I erschien hier im März, Teil II im Juni. § 6 Die Beschränktheit der Experten Arbeitsteilung idiotifiziert Um den Gedanken in Betracht zu ziehen, gegenüber ihrer eigenen Sprache und gegenüber der Weltsituation, die durch ihre Sprache nun einmal entworfen und vorausgesetzt wird, Skepsis (...)

Jürgen Langenbach

Ich kann es auch nicht mehr hören

Der Autor als unzufriedener Leser
November
1989

Der Antifaschismus hat Konjunktur, Verlagsprospekte und Rezensionsspalten quellen über vor lauter „Der Nationalsozialismus und ...“ (jede erdenkliche Berufsgruppe in jedem entlegensten Weiler), das launige Radioprogramm Ö3 hat den Unterhaltungswert des Widerstandes entdeckt und plaziert zwischen (...)

Thomas Rothschild

Stille Post statt Journalismus

Rushdie, die GAV und Medienhuren
November
1989

Wer über die Verkommenheit der österreichischen Presse klagt, riskiert, nur noch ein müdes Gähnen zu provozieren. Trotzdem ist es nötig, hin und wieder zu dokumentieren, mit welcher Gesinnungs- und Verantwortungslosigkeit österreichische Journalistinnen und Journalisten versuchen, unbekümmert von (...)

Alfred J. Noll

„sondern zunehmend ab“

November
1989

Der „Standard“, von Oscar Bronner gegründet gegen den Einheitsbrei der hiesigen Presse, beglückt uns neuerdings mit einer Zeitschriftenschau; gerade der rechte Moment, es auch mit ihm uns sorgfältig zu verderben: Er ordnet sich nämlich selbst gar bacher-dalmatisch ein ins Unisono der hiesigen Presse, (...)

Ilse Bindseil

Die Medien und ihr Auftrag*

März
1990

Zum Jahreswechsel 89/90 haben die „Ereignisse im Osten“ ihren Begriff gefunden: um „gewaltlose Revolutionen“ handelt es sich. Noch nie haben Massen sich so friedlich und diszipliniert verhalten. Wo noch vor kurzer Zeit totalitäre Regimes Akklamationsaufmärsche befahlen, da versammeln sich heute (...)

Friedrich Geyrhofer

Was wir im Krieg versäumen

Wiener Zeitungen befreien Kuwait
März
1991

Daß hohe Kosten für die Rückgewinnung des Emirats am Ölgolf zu bezahlen sind, damit war von vornherein zu rechnen. Überraschend kam, daß die österreichische Neutralität ein Posten in der Rechnung sein soll. Die Kriegsfurie packte die neutrale Republik. Bei den Grünen üben sich Promis in der Kunst der (...)

Gernot Nagelschmied • Sabine Zelger

Die Kriegserklärungen der österreichischen Presse

Oktober
1991

Die kursiv gesetzten Zitate sind am 2. Juli wörtlich erschienen. Den Wahrheitsbeweis, mit Grüßen an Schalek, treten wir gerne an. Vorbereitungen zum Krieg Die Kufsteiner Jäger haben schon Grenzerfahrung aus dem Assistenzeinsatz im Burgenland. (Presse) Ein Krieg löst oft einen anderen ab. Der (...)

Gerhard Oberschlick

Medikritik

Oktober
1991

Erst der Wiener Publizistik-Professor Gottschlich wegen Antisemitismus, jetzt sein Salzburger Kollege Peter A. Bruck, der sie unter dem beziehungsvollen Titel Das Österreichische Format in Buchform (Edition Atelier) vor allem wegen ihrer Lainz-Berichte scharf hernimmt: Immer gehen alle auf die (...)

Gerhard Oberschlick • Maria Windhager • Robert Zöchling

„Geliefert wie bestellt“
oder
„Im Auftrag der »Krone«“

Dezember
1991

Stellungnahme der »Vereinigung alternativer Zeitungen und Zeitschriften« zu dem Entwurf einer »Mediengesetznovelle 1992« I. Präambel 0.a Der vorliegende Entwurf betrifft eine Novellierung und tatsächliche Verbesserung des Rechtsschutzes für den Einzelnen gegenüber dem derzeit geltenden Mediengesetz. (...)

Gerhard Oberschlick

P.S: Pest & Cholera

Juli
1992

In der bekannten Mediensituation war mir Hoffnungslosem Kurt Falk eine gewisse Hoffnung. Sie beruhte darauf, daß die »Krone« in ihrer Grauslichkeit für Falk, der sie überbieten mußte, unüberbietbar bleibt — er hätte, so verspekulierte ich mich, ein anständiges Kontrastprogramm zu Dichand probieren (...)

Robert Schlesinger

»Täglich nichts« & Die Preisfrage der Demokratie

Juli
1992

Daß Kurt Falk seine Leser intellektuell nicht überfordert, kommt auch seinen Kritikern zugute: Die voranstehende Analyse, geschrieben unter der Schockwirkung der ersten zwei Wochen »Täglich alles«, hält einer Überprüfung nach zweimonatigem Genuß des neuen Blättchens eisern stand. Dem Rechtsextremismus (...)

Robert Schlesinger

Laßt kriminelle Fremde um mich sein!

oder: Wer vom Balkan ist, bestimmt Hans Dichand
Juli
1992

Das verlogene Geschwätz von den Ausländern, die von unserem Land fernzuhalten seien, um uns die Kriminalität vom Halse zu schaffen (Fremde sind offenbar durchwegs Verbrecher, Österreicher nie) — dieses Geschwätz ist an sich unerträglich. Es aber im Zusammenhang mit jenen zu wiederholen, die auf der (...)

Robert Schlesinger

»Täglich alles« ist noch schlimmer!

Der österreichische Boulevard zwischen Desinformation und Indoktrination
Juli
1992

Wer täglich österreichische Zeitungen liest und sich dennoch ein gewisses Maß an Optimismus bewahrt hat, der mag es auch zuwege bringen, von der Einführung einer neuen, bunten Billig-Gazette etwas zu erhoffen: vielleicht weniger, daß er selbst um drei Schilling „täglich Alles“ erführe, als daß der (...)

Gerhard Oberschlick

Bombenvergessenheit schlägt Seinsversessenheit

(Untertitel:) Die ›FAZ‹-Philosophie der postatomaren Epoche (oder umgekehrt, ganz wie Sie wollen)
November
1992

Betrifft: Werner Fuld, „Zur Freiheit verurteilt, 11.7.1992 & „Wen die Bombe küßt. Neue Literatur von und über Günther Anders“, 26.9.1992, in Ihrem Blatt. S.g. Herren ›FAZ‹-Herausgeber, mit angemessener Verspätung gerät mir der zweite von Fulds diesjährigen Anders-Beiträgen für die ›FAZ‹, über „Neue (...)

Karl Pfeifer

Die Barbaren ante portas?

November
1992

Die Berichte der meisten österreichischen Massenmedien über das ehemalige Jugoslawien sind auch 1992 meistens einseitig und oft genug werden Fakten mit Kommentaren vermischt. Manchmal entsteht der Eindruck, das österreichische Fernsehen wäre ein Organ des autoritären Tudjman-Regimes. Diesbezüglich (...)

Erwin Riess

Groll und der Balkankrieg

Wiener Prater, das „Volksfest“ auf der Jesuitenwiese, Samstag Mittag
November
1992

Groll, ein Rollstuhlfahrer aus Wien-Floridsdorf, sitzt im »Café des 21. Bezirks« vor zwei halbvollen Gläsern Zweigelt und studiert die Todesanzeigen in der Zeitschrift »Der fortschrittliche Rentner«. Hin und wieder schüttelt er betrübt den Kopf, manchmal entringt sich ihm auch ein Seufzer der (...)

Gerhard Oberschlick

P.S: Stephan Eibel gegen Gerd Bacher

November
1992

Am 25. November 1991 stand im »profil«, Autor Klaus Kamolz: Bacher habe überraschend eine Redaktionskonferenz der »ZiB« besucht, „um seiner Mannschaft noch einmal einzubleuen, daß die FPÖ nicht ausgegrenzt werden dürfe [...] Die Essenz von Bachers ideologischer Befehlsausgabe [...]: Haiders Partei sei (...)

Gerhard Oberschlick

Wir gründen eine Mediensektion

November
1992

Seit der neue Landesparteiobmann der ÖVP Wien eine Koalition mit der FPÖ anstrebt, besteht in Wien die der reale Gefahr eines Bürgerblocks, nach dem in Kärnten — an Jörg Haiders positiver Bewertung der Beschäftigungspolitik des Dritten Reichs — gescheiterten Muster und ungeachtet dessen bekannten (...)

Robert Schlesinger

„Eine — äh — freiheitliche Partei“

November
1992

Der ORF produziert News & Headlines. Jörg Haider lacht herzlich, mit Recht. 20. August 1992, der »Inlandsreport« geht zu Ende, letzte Frage im Sommergespräch mit Dr. Jörg Haider, das beliebte Spiel: Der Gast muß einige vom Interviewer begonnene Sätze zu Ende führen: Helmut Brandstätter: Ich kann (...)

Karl Pfeifer

Methodischer Massenmord und die Methoden eines Massenblattes

April
1993

Opfer der Opfer Der französische Historiker Pierre Vidal-Naquet setzt sich in seinem Buch „Les Assassins de la Mémoire“ (Die Mörder der Erinnerung) mit den Leugnern und Verharmlosern der Schoa auseinander und erklärt den Begriff „Inexistentialismus“ als Leugnung von gesellschaftlichen, politischen, (...)

Sven Papcke

Meinungsforum oder Supermarkt?

Über die gesellschaftliche Rolle der Medien in der Moderne
Juli
1993

Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten. Lessing, Nathan der Weise (1779) I V 4 Erst schlug der Politiker zu, dann zahlten es ihm die Journalisten heim. Im vergangenen Jahr hatte der saarländische Ministerpräsident mit Blick auf die Rolle der Medien deren Behandlung der (...)

Gerhard Oberschlick

Wider die planmäßige Verwucherung der Demo- zur Mediokratie

Juli
1993

Mitte Juni beschloß der Ministerrat unter der Drohung einer Straßburger Verurteilung die Regierungsvorlage für’s private Radio. — Wenn Österreich schon das europäische Schlußlicht spielt, so leuchtet’s dann wenigstens ganz besonders duster. Präambel Wenn Hans Dichand sein Interesse anmeldet, mit der (...)

Peter Csulak

Hungarian Connection
Axel Springer Kft

November
1993

Wie Deutsche und Österreicher die ungarischen Tageszeitungen sich unter den Nagel rissen, sie schänden und in den rassistischen wie nationalistischen Heuhaufen zündeln bis hin zu psychologischen Kriegsvorbereitungen gegen Rumänien und die Slowakei. Die Marktverluste der regierungsnahen (...)

Gerhard Oberschlick

Sehr geehrter Herr Oscar Bronner, Ihr »Faustrecht« und Ihre »Brandanschläge«?

November
1993

Wien, 21. Oktober 1993 Betrifft: Ihre Berichte iS »Zigeuner«-Problem in H, R und Slowakei Sehr geehrter Herr Bronner, aus Gründen der Qualität lassen wir uns über alles am liebsten von Ihnen informieren. Beim »Zigeuner«-Problem haben Sie uns jedoch in eine gewisse Verwirrung gestürzt, aus der Sie (...)

Herbert Auinger

»profil« vs. »NEWS«

Alternative Meinungsmache im Reich der freien Presse
November
1993

Programmierte Enttäuschung »profil« versteht sich nicht als Sprachrohr der Mächtigen, sondern als kritisches Magazin. Man will den Leser nicht bloß mit Ereignissen bekanntmachen, ihm mitteilen, was politisch gelaufen ist bzw. was deswegen auf ihn zukommt, sondern einen wöchentlichen Warentest auf (...)

Sven Papcke

Meinungsforum oder Supermarkt?

Über die gesellschaftliche Rolle der Medien in der Moderne
Dezember
1993

Der erste, mehr historische Teil ist im Juli-Heft erschienen. Es sind nicht alle frei, die ihrer Ketten spotten. Lessing, Nathan der Weise (1779) I V 4 Selbst eine »Medienethik«, die heute so nachdrücklich von der Politik verlangt wird, vermöchte am Renditedruck wenig zu ändern, der auf der (...)

Camillo Cattani

Wir wollen nach Europa

Dezember
1993

Als unbezahlter free-lance-Journalist unbeschränkt steuerpflichtig in Milano Ich fragte, ob sie eine Zeitung hätten. »Warum, haben Sie sich vollgekackt« sagte der Barmann, ein wirklich zartes Wesen. Stefano Benni, Baol An einem Tag im Juni 1992 eröffnen die Titelseiten mindestens zweier (...)

Unbe-Hagen oder Wie Menti Mediensponsor wurde

Von Prof. Dr. pr. Dipl. Werb. Alois J. P. Kaeufflich
Juni
1994

Also zuerst muß ich den Titel kritisieren. Nicht grundsätzlich, wo würd’ ich denn, Titel sind etwas Gutes, nicht nur das, sie sind das einzig Gute! Alles, was dann kommt, ist eigentlich überflüssig, um nicht zu sagen: unprofitabel. Titel, Schlagzeilen — noch besser: einfach ein Wort, zugleich (...)

Gerhard Oberschlick

Er hat sich schon wieder blamiert

Oder auch nicht, denn wieder einmal hat’s niemand bemerkt.
Dezember
1994

Weil ich doch jetzt so aufpassen muß, daß mich die Justiz nicht wieder drankriegt, werde ich alle immanenten Tatsachenbehauptungen immer gleich festhalten, um sie anschließend zu belegen. Aber zuerst will ich die Identität des Gemeinten zweifelsfrei machen, schon um jede womöglich ehrenrührige (...)

Poldi Kircherl im (D-)ORF

Kalte Privatisierung praecox

Dezember
1994

Die SPÖ auf dem Weg zur STÖ. Der Beginn des Telekratismus auch in Österreich. Die nächste Regierung heißt Höchtl/Haider. Warum der Rundfunk Goldes wert ist und warum die Zeitungen beider Konzerne den neuen GI des ORF so überschwänglich begrüßten. Daß auch der ORF sich der »Neuen Zeit« — jener der (...)

Freda Meissner-Blau • Gerhard Oberschlick
»Kronen Zeitung«

Antirassismus-Petition

Offner Brief & Petition von 1997.
April
1997

Fünf Jahre danach erscheint nun die Initiative der grünen Gründungsmutter, Freda Meissner-Blau und des Herausgebers erstmals im FORVM; damals hatte sie nur der Standard fast wortgetreu veröffentlicht, wo sich eine kleine Kontroverse entspann. Wie es weiterging, dokumentieren wir vielleicht (...)

Gerhard Oberschlick

Vom Arsch der Welt.

Kultur im ORF
Dezember
2000

Weltkultur im ORF à la Michael Köhlmeier & Barbara Rett.

Gerhard Oberschlick

„Der österreichische Journalist“ — ein Mediendelikt

März
2002

Peter Zöchbauer beispielgebender Rechtsanwalt.

Gerhard Oberschlick
„NEWS“ 1997-2002

Das Bomben-Geschäft mit der Causa Prima

Juli
2002

Justiz- oder Medienskandal?

Gerhard Oberschlick

Nicht genügend kontrovers

Oktober
2018

Warum aus Günther Anders’ Nachlass nichts im Tumult erscheint. Zuerst erschienen in: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Heft 6, Wien und Freiburg, Frühjahr 2015, Seite 233 – 241 Auf Grundlage einer kursorischen, doch sorgfältigen Einschau in vier der bisher sechs erschienenen Ausgaben der (...)

Medienkritik (Kommunikationswissenschaft) bei Wikipedia

Medienkritik bezeichnet die mit Argumenten geführte Auseinandersetzung einer Gesellschaft mit ihren Massenmedien über deren Inhalte, Rezeption, Arbeitsweise und Organisation, das heißt, alle kritischen, mit Argumenten begründeten Betrachtungen über Medien, die nicht Teil einer rein inhalts- oder meinungsbezogenen Auseinandersetzung sind. Objekte der Kritik sind Verstöße gegen journalistische Grundsätze,[1] die organisatorischen Verhältnisse (etwa: fehlende Trennung von Werbung und Redaktion),[2] Verstöße gegen die Menschenwürde und gegen Grundsätze der Moral,[3] sowie die Einbindung in privatrechtliche Strukturen[4] bzw. die Nähe zu (etwa öffentlich-rechtliche Organisation von Sendern) oder Abhängigkeit von Werbeeinnahmen und von staatlichen Strukturen (etwa die Gleichschaltung der Medien in der NS-Zeit). Medienkritik darf mit Recht als systemrelevant bezeichnet werden, da diese die Qualität der Medien sichert.[5]

Erste als Medienkritik zu bezeichnende Ausführungen finden sich bereits in den Schriften von Platon um 400 v. Chr.[6] Mit dem Aufkommen der ersten Zeitungen Ende des 16. Jahrhunderts[7] wurde die Grundlage für die Kritik am Medienobjekt geschaffen: „Die Geschichte der Medienkritik ist so alt wie ihr Gegenstand.“[8] Im Wissenschaftsbereich befassen sich Medien- und Kommunikationswissenschaftler kritisch mit den Medien und ihrer Wirkungsweise. Kritische Beobachtung findet jedoch auch außerhalb der Wissenschaft statt. 1977 recherchierte etwa Günter Wallraff undercover bei der Bildzeitung, um deren manipulative und informationsverfälschende Praktiken aufzudecken. Medienkritik ist auch Thema bei Kabarettisten und Satirikern.

Die erste große Untersuchung zur Objektivität der Medienberichterstattung, die US-amerikanische Studie A Test of the News von 1920, widmete sich der New York Times und ihrer Behandlung Russlands von 1917 bis 1920. Die Inhaltsanalyse Walter Lippmanns kam zu dem Schluss, dass die Darstellungen grob einseitig und parteiisch waren. Ursache sei das Verfehlen der journalistischen Standards, indem sich die Times beispielsweise auf „offizielle Lieferanten“ von Informationen verließ. Noch irreführender sei es, sich statt auf eine offizielle Mitteilungen auf halboffizielle anonyme Äußerungen zu stützen. Journalisten dürften keine zu engen Verbindungen zur Politik haben (vgl. S. 41). Zudem werde nicht einmal eine Zeitung wie die Times dem Bedarf an geeigneten Korrespondenten gerecht (vgl. S. 42). In kritischen Zeiten breche die Trennung von Leitartikeln und Nachrichten zusammen. Die russlandpolitische Haltung der Herausgeber habe die Nachrichten zutiefst und in krasser Form beeinflusst. Die Textgestaltung der Nachrichten hinsichtlich Akzentsetzung und Schlagzeilen sei eindeutig von anderen als professionellen Standards bestimmt. Diese Tatsache sei so offensichtlich, so auffällig die Einwirkung der Voreingenommenheit der Herausgeber, dass es „einer ernsthaften Reform bedarf, bis der Kodex, der verletzt wurde, wiederhergestellt werden kann.“ (Vgl. S. 42).[9]

Wichtige medienkritische Arbeiten gab es in den USA von Noam Chomsky und Neil Postman. Dort wurde in den 1960er Jahren Ombudsleute installiert, die Medienkritik aus der Gesellschaft aufnehmen sollten. Online-Zeitschriften wie Salon.com und Slate.com fungierten ab 1995 bzw. 1996 als medienkritische Publikationen.[10] In Frankreich wurden in den 1990er Jahren medienkritische Kollektive wie Action critique médias (1996) gegründet, und es erschienen das Buch Les nouveaus chiens de garde (Die neuen Wachhunde) von Serge Halimi, die medienkritische Zeitschrift Pour lire pas lu und medienkritische Dokumentarfilme von Pierre Carles.

Im Medienjournalismus wie beispielsweise im Magazin Meedia beteiligen sich Medien an der Medienkritik, wenngleich Noam Chomsky kritisiert, dass Selbstkritik und Selbstkontrolle nicht hinreichend geschehe.[11]

Mit dem Aufkommen des Internets seit Ende der 1990er Jahre übt das Publikum verstärkt selbst Medienkritik in Sozialen Medien wie etwa Facebook oder Twitter oder auf Videoportalen wie Youtube.[12]

Eine weitere Form der Medienkritik sind die Leserkommentare auf Nachrichtenseiten und Onlinezeitungen unter jedem Artikel. Diese werden jedoch in vielen Fällen von Redakteuren moderiert beziehungsweise mit der Begründung „Trolle abzuwehren“ eingeschränkt oder gesperrt.[13]

Seit 2012 zeichnet der Alternative Medienpreis einen Beitrag mit einem Sonderpreis in der Sparte Medienkritik aus.[14]

Medien- und Kommunikationswissenschaft

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Nach Dieter Baacke zählt die Fähigkeit zu Medienkritik zu den vier Aspekten der in der Mediengesellschaft notwendigen Medienkompetenz.[15] Auch Bernd Schorb zählt zur Medienkompetenz die kritische Reflexivität, mit der Menschen die Vielfalt von Information und Unterhaltung bewerten.[16]

„Agenda Setting“ und „Agenda Cutting“

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Ereignisse und Themen werden selektiv ausgewählt. Medien können beim „Agenda Setting“ durch das Aufgreifen und Gewichten sowie mit Aufmachung und Platzierung bestimmte Themen in den Mittelpunkt rücken.[17]

Beim deutlich seltener untersuchten Phänomen des „Agenda Cutting“ geht es darum, wie bestimmte Themen verhindert, ausgeblendet, verzögert werden oder anders von der medialen Tagesordnung verschwinden.[18] Eine „instrumentelle Aktualisierung“ jedoch gefährdet das normative Ziel einer objektiven und unparteiischen Berichterstattung.[19] Auch durch einseitig moralisierende Darstellungen von Ereignissen, Einzelpersonen oder gesellschaftliche Gruppen können diese ungerechtfertigt in Verruf gebracht werden.[20] In Deutschland weist die Nachrichten-NGO Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. regelmäßig auf relevante Themen und Diskurse hin, die in den Medien unterrepräsentiert sind. Im internationalen Maßstab leistet Ähnliches das US-amerikanische Project Censored.[21]

Der US-amerikanische Journalist und Medienkritiker Walter Lippmann prägte für Journalisten den Ausdruck „gatekeeper“, die entscheiden, was der Öffentlichkeit vorenthalten und was weitergegeben wird.[22] Wichtig ist, die (weitere) Medienkritik von der (engeren) Journalismuskritik zu unterscheiden. Während Medienkritik sich auf Funktion und Wirkung von Medienangeboten im Allgemeinen bezieht (und dabei vor allem auch Unterhaltungsangebote einbezieht), nimmt Journalismuskritik vor allem das Zustandekommen, die Auswahlkriterien und die professionellen Routinen des Journalismus und der Nachrichtenproduktion in den Fokus.[23]

Inszenierung, Skandalisierung, Moralisierung und Personalisierung

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Der Medienwissenschaftler Heinz Bonfadelli stellt fest, dass Journalismus immer mehr Ereignisse als Media-Events selber inszeniere und „immer stärker auf Skandalisierung und Moralisierung einerseits sowie Personalisierung, Emotionalisierung und Intimisierung andererseits“ fokussiere. In der Berichterstattung werde immer mehr die Tendenz zum Infotainment deutlich, eine Zuwendung zu „weichen Themen“ sowie eine zunehmende Emotionalisierung und Personalisierung von Nachrichten.[24]

Bundespräsident Roman Herzog warnte bereits 1996 vor einer „ Abflachungsspirale“: „Kein Schwachsinn, keine Perversion, keine noch so abwegige Marotte, die nicht in extenso bunte Seiten und Bildschirme bevölkern würde.“[25]

Der Kommunikationswissenschaftler Hans Mathias Kepplinger kritisiert nach Untersuchungen, dass Journalisten bzw. Medienmacher Verantwortung für Folgen ihres Wirkens mehrheitlich ablehnen sowie mehrheitlich Übertreibungen im Sinne einer guten Sache gutheißen würden.[26]

Soziale Herkunft der Akteure

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Uwe Krüger analysiert in seiner Dissertation zum Einfluss der Eliten auf deutsche Journalisten und Medien[27] wie Leitmedien mehr oder weniger den laufenden Diskurs der Eliten reflektieren, aber dessen Grenzen nicht überschreiten und dessen Prämissen nicht kritisch hinterfragen. Die These Krügers lautet, „dass eine konsensuell geeinte Elite in wichtigen Fragen (Krieg und Frieden, makroökonomische Ordnung) gegen die Interessen eines Großteils der Bevölkerung regieren kann und dass journalistische Eliten zu stark in das Elitenmilieu eingebunden sein könnten, um noch als Anwälte des öffentlichen Interesses kritisch-kontrollierend zu wirken.“

Darüber hinaus müsse die Einbindung von Journalisten in eine Organisation der Bundesregierung kritisch gesehen werden, namentlich Klaus-Dieter Frankenberger (FAZ), Stefan Kornelius (SZ) und Peter Frey (ZDF) als Beiräte der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, eines Think Tanks im Geschäftsbereich des Bundesverteidigungsministeriums.

Zu der Frage, welche Art der Beeinflussung der Journalisten durch die Eliten vorliege, vermutet Krüger, dass „Journalisten mit Eliten-kompatiblen Werten und Meinungen höhere Chancen (haben), Zugang zu den höchsten Kreisen zu bekommen, und die Einbindung in das Elitenmilieu verstärkt dann über die Zeit hinweg die Konformität. Das heißt auch: Journalisten mit Eliten-kompatiblen Meinungen haben bessere Chancen, Karriere zu machen, denn sie können im eigenen Haus und in der Branche mit exklusiven Informationen und hochrangigen Interviewpartnern punkten.“[28] Krüger argumentiert mit dem Konzept des sozialen Kapitals Pierre Bourdieus.[29]

Wirtschaftliche Verflechtungen

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Ein Thema der Medienkritik ist die wirtschaftliche Abhängigkeit vieler Medien von Werbeaufträgen und die damit verbundene Einflussnahmemöglichkeit.[30]

Transparency International kritisiert von Unternehmen finanzierte Journalistenreisen oder Kooperationen von Firmen mit Redaktionen und Verlagen, die damit gegen die redaktionelle Unabhängigkeit verstoßen. Die Grenzen zwischen Journalismus und Public Relations verschwimmen, wenn Redaktionen fertige Textbausteine oder sendefertige Radiobeiträge aus den Zulieferungen der vermeintlichen Partner in der PR-Industrie übernehmen oder prominente Journalisten als „Markenbotschafter“ für Konzerne agieren und für Unternehmen als Redner oder Moderatoren von Veranstaltungen auftreten.[31] Transparency International fordert auch die Abschaffung von Journalistenrabatten, Sonderkonditionen und Preisnachlässen für Journalisten auf Waren und Dienstleistungen, weil sie als mögliche Form der Vorteilsnahme oder Bestechung die journalistische Berichterstattung prägen könnten.[32][33]

Viele Medien sind abhängig von Presseförderung und anderen staatlichen Geldern, zum Beispiel über die Vergabe von Inseraten. Transparency International kritisiert, dass zwischen Medien und Politik ein Abhängigkeitsverhältnis existiere, bei dem die gegenseitige Einflussnahme schnell in Bereiche gelangen könne, die zwar nicht strafrechtlich problematisch, aber auch nicht mehr als ethisch einwandfrei anzusehen sei.[34] In Österreich wurde für dieses Phänomen der Begriff Inseratenkorruption etabliert.

In Österreich profitieren insbesondere Boulevard- und Gratiszeitungen wie Kronen Zeitung, Heute, Österreich oder Kurier von Inseraten der Regierung, Ministerien, politischen Parteien, Staatsbetrieben sowie der Stadt Wien und ihren stadteigenen Unternehmen.[35][36] Dies führt dazu, dass es seitens der Politik immer wieder Wünsche in Richtung redaktionelles Wohlverhalten gibt. So entstehe der Eindruck, dass redaktionelle Meinung durch Inserate gekauft werden könne.[37][38] Sowohl durch externe Einflussnahme von Public Relations auf die Berichterstattung, etwa als Gefälligkeitsjournalismus, als auch durch die Vermischung von redaktionellem und Werbeteil (native advertising) wird die journalistische Unabhängigkeit gefährdet.[39]

Auch Praktiker des Medienbetriebs wie Ulrich Wickert sehen die wirtschaftliche Verflechtung der Medien kritisch. Der Anspruch der Medien, vierte Gewalt zu sein, sei schon immer falsch gewesen, eine demokratische Legitimierung der Presse gebe es nicht. Stattdessen seien Medien in größten Teilen ein Teil der Wirtschaft. „Medien sind geprägt durch wirtschaftliche Interessen. Verlage müssen sich überlegen: Wie verkaufe ich mein Blatt? Wie viel Gewinn mache ich? Das ist in meinen Augen schon eine Beschränkung der Vierten Gewalt.“[40]

Colin Crouch schreibt in seinem Buch zur Postdemokratie, dass die Medienkonzerne zum besorgniserregenden Verfall der politischen Sprache und Kommunikation durch eine extrem vereinfachende und sensationsheischende Berichterstattung beitragen, da sie Nachrichten und andere politische Formate nach dem Vorbild kommerzieller Produkte gestalten, bei denen es nur um Aufmerksamkeit geht. Politiker sind gezwungen wenn sie die Kontrolle über die Darstellung ihrer Aussagen behalten wollen diesen Stil zu übernehmen, sonst schreiben die Journalisten ihre Aussagen komplett um. Die Schlagzeile war die Mutter des kurzen O-Tons.[41]

Kommunikatoren und Rezipienten

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Sowohl aus den Reihen von Journalisten und Medienmachern selbst als auch aus den Reihen der Mediennutzer kommt Kritik an den Medien, die wissenschaftlich in der Kommunikatorforschung sowie der Nutzerforschung behandelt wird.

Mangel an Neutralität

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Objektive und unparteiische Berichterstattung zielt darauf ab, verschiedene in der Gesellschaft vertretenen Positionen und Argumente neutral darzustellen. In der Praxis jedoch sind viele Medienanbieter durch eine „mehr oder weniger ausgeprägte redaktionelle Linie“ beziehungsweise „publizistischen Ziele“gekennzeichnet.[42]

Der Journalist Rudolf Mitlöhner meint, dass der heutige durchschnittliche Social-Media-Nutzer nicht weniger Meinungsvielfalt geboten bekomme als der traditionelle Zeitungsleser, Radiohörer, Fernseher der vordigitalen Ära. In einer Facebook-Timeline finde sich heute mehr (auch ideologischer) Pluralismus als in der jeweiligen Tageszeitung. Darüber hinaus kritisiert er die Tendenz der Medien, „bloße (falsche) Meinungen zu sanktionieren“ und eine „quasi offiziöse Sichtweise, einen Mainstream der veröffentlichten Meinung“, […] in der sich „Arroganz, Borniertheit, Abgehobenheit, von allem etwas – des politmedialen juste milieu“ zeige. Der ORF beispielsweise berichte „auf seinen diversen Plattformen tendenziell mit Unterschleif“ und gebe den Beiträgen „durch An- oder Abmoderation einen gewissen Spin“.[43]

Hans Magnus Enzensberger kritisiert, das Fernsehen werde „primär als eine wohldefinierte Methode zur genußreichen Gehirnwäsche eingesetzt.“[44]

Franz Kössler kritisiert, dass die Darstellung von Sachverhalten in den Medien oft nicht der Wirklichkeitswahrnehmung des Publikums entspricht: „Zwischen der konkreten Erfahrung, die die Bürgerinnen und Bürger machen und dem, was man sie glauben machen möchte, klafft eine immer größere Kluft.“[45] Auch der ehemalige ZDF-Intendant Dieter Stolte warnte die Medien vor einem zunehmenden Realitätsverlust.[46]

Der Journalist und Medienkritiker Walter Lippmann analysierte, dass ein Auseinanderdriften von öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung entsteht, wenn die Auswahlregeln der gleichgeschalteten Journalisten weitgehend übereinstimmen. Dadurch kommt eine Konsonanz der Berichterstattung zustande, die auf das Publikum wie eine Bestätigung wirkt (alle sagen es, also muss es stimmen) und eine Stereotypen-gestützte Pseudoumwelt in den Köpfen des Publikums installiert.[47] Auch der Sozialpsychologe Kurt Lewin sieht ein Problem darin, dass „die Auswahlregeln der Journalisten weitgehend übereinstimmen“. Dadurch „kommt eine Konsonanz der Berichterstattung zustande, die auf das Publikum wie eine Bestätigung wirkt.“[48]

Mehrere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass Journalisten politisch deutlich weiter links stehen als die Gesamtbevölkerung.[49][50][51][52]

2005 ergab die repräsentative Befragung von Journalisten aller Mediensparten in Deutschland, dass Bündnis 90/Die Grünen die Sympathie eines guten Drittels (35,5 %) der Journalisten genossen, gefolgt von der SPD (26,0 %). Ein Fünftel der Journalisten (19,6 %) neigten keiner Partei zu. Auch CDU/CSU (8,7 %) und FDP (6,3 %) fanden, verglichen mit der Bundestagswahl 2005, unter Journalisten weniger Zuspruch als im Durchschnitt.[53] Auch in Österreich kam eine Befragung von 500 repräsentativ ausgewählten Journalisten zu ähnlichen Ergebnissen.[54] 34 Prozent der Medienleute nannten die Grünen als die ihnen am nächsten stehende Partei.[55]

Sinkendes Vertrauen in die Medien

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Eine 2010 europaweit durchgeführte repräsentative Befragung von 32.000 Personen, welchen Berufsgruppen sie am meisten vertrauen, zeigte, dass nur 27 Prozent der Menschen der Berufsgruppe der Journalisten vertrauen; sie lagen damit nur drei Plätze vor den Politikern.[56]

Im Jahr 2013 zeigte eine Umfrage von Transparency International das Ausmaß der kritischen Haltung der Bevölkerung gegenüber den Medien: 54 Prozent der in Deutschland Befragten empfanden die Medien als korrupt.[57][58]

Seit 2014 wird in Deutschland in sozialen Medien, der Blogosphere und in politischen Bewegungen wie Pegida der Begriff Lügenpresse als Ausdruck der Unzufriedenheit mit der medialen Berichterstattung instrumentalisiert.

In der Umfrage „Trusted Brands 2015“[59] der Zeitschrift Reader’s Digest äußerten nur 26 Prozent der Umfrageteilnehmer in Deutschland, viel oder ziemlich viel Vertrauen zu Journalisten zu haben. 68 Prozent hatten wenig oder überhaupt kein Vertrauen[60] zu diesem Berufsstand. Für Österreich und die Schweiz wurden ähnliche Werte (28 Prozent / 66 Prozent) ermittelt.

2016 fiel in den USA laut einer Gallup-Studie das seit Jahren kontinuierlich sinkende Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung in die Medien auf den tiefsten Stand, der jemals gemessen wurde. Die Ursache für das erodierende Vertrauen in die Medien sieht Gallup vor allem im zunehmend meinungsgetriebenen Journalismus (opinion-driven writing).[61] Rasmussens Reports zufolge war CNN 2017 für die amerikanischen Wähler der am wenigsten vertrauenswürdige Nachrichtensender.[62]

Medien und Krieg

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Nach Robert H. Latiff sind die Medien da Krieg und Frieden für die Nation so wichtig sind, immer interessiert und beteiligt. Er kritisiert, dass viele von ihnen historisch eine große Rolle gespielt haben, um Kriegsfieber in der Bevölkerung zu verbreiten. Zu häufig waren sie Unterstützer der Entscheidung, den Ausweg im Krieg zu suchen. Hauptsächlich aus marktwirtschaftlichen Gründen sind sie nicht besonders gut darin, die Bürger über internationale Angelegenheiten zu informieren, besonders bei der Vorgeschichte und den ersten Phasen eines Konfliktes. Frieden und Harmonie verkaufen sich nicht, sie sind langweilig. Lieber bedienen sie die morbide Faszination des Publikums von Krieg, Gewalt und Zerstörung und liefern sich einen intensiven Wettlauf um dramatische Bilder. Sie lieben Technologie und beeindruckende neue Waffen.[63]

Klaus Wernecke kommt in seiner Studie zur deutschen Presse vor dem Ersten Weltkrieg zum Schluss, dass England, Frankreich und Russland als Hauptgegner des Kaiserreiches im Krieg, bereits in den letzten Vorkriegsjahren Gegenstand intensiver Diskussionen und scharfer Angriffe in der deutschen Öffentlichkeit waren. Im Hintergrund stand dabei das Streben der in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft Herrschenden nach „Weltgeltung“. Sie betrachteten sich selbst als die „Nation“, ihre Interessen als das „Nationale“ und die „nationalen Notwendigkeiten“ waren der Kerninhalt ihrer Ideologie. Die amtliche Pressepolitik zeigte, wie die Regierung ihr beinahes Nachrichtenmonopol in vielen Bereichen der auswärtigen Politik zu einer wesentlichen Steigerung des deutschen Chauvinismus nutzen konnte. Die Reichsleitung war nicht von vornherein Gefangene der öffentlichen Meinung, sondern hat sie selbst miterzeugt.[64]

Einzelnachweise

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  1. Leitlinien der Journalistischen Unabhängigkeit bei Axel Springer (abgerufen am 21. Juni 2016)
  2. Pressekodex des Deutschen Presserats (abgerufen am 21. Juni 2016) (Memento des Originals vom 21. Juni 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.presserat.de
  3. Benedikt Breitenbach: Die publizistischen Grundsätze – Moral vs. Realität. GRIN Verlag, 2010, ISBN 978-3-640-55091-3.
  4. Anna Bloch: Meinungsvielfalt Contra Medienmacht: Aktuelle Entwicklungen und Reformbestrebungen im Medienkonzentrationsrecht. Logos Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-8325-3486-8, S. 79.
  5. Bundeszentrale für politische Bildung/bpb: Was ist Medienkritik und warum ist sie wichtig? 22. Dezember 2016, abgerufen am 18. Februar 2017.
  6. Karsten Rohrback: Platons Medien-Kritik: Ein differenzierter Blick auf die Schriftkritischen Stellen des „Phaidros“. GRIN Verlag, 2008, ISBN 978-3-638-93946-1.
  7. Wikipedia: Pressegeschichte in Deutschland.
  8. Heinz Heiler: Hugo von Hofmannsthal und die Medienkultur der Moderne. Königshausen & Neumann, 2003, ISBN 3-8260-2340-4, S. 53.
  9. A Test of the News – by Charles Merz and Walter Lippmann. 8. August 1920 (archive.org [abgerufen am 25. Dezember 2019]).
  10. Susanne Fengler: Media WWWatchdogs? Die Rolle von Blogs für die Medienkritik in den USA. In: Thorsten Quandt, Wolfgang Schweiger: Journalismus online – Partizipation oder Profession? VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-15589-0.
  11. Noam Chomsky: Wer beherrscht die Welt? 3. Auflage. Ullstein Buchverlage, Berlin 2016, ISBN 978-3-550-08154-5, S. 286.
  12. Medienkritik: Zwischen Transparenz und Verschwörungstheorien Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 4. Mai 2017
  13. Sueddeutsche.de schafft die Kommentarfunktion unter Artikeln ab.
  14. siehe Website beim Alternativen Medienpreis zum Sonderpreis Medienkritik (Memento vom 14. März 2012 im Internet Archive).
  15. Was ist Medienkompetenz? Abgerufen am 27. September 2023 (deutsch).
  16. Bernd Schorb: Medienkompetenz als Ergebnis gelungener Medienaneignung. In: nuernberg.de. S. 12, abgerufen am 27. September 2023.
  17. Agenda Setting / Intermedia-Agenda Setting Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 6. Mai 2017
  18. Agenda-Cutting: Wenn Themen von der Tagesordnung verschwinden (= Medien – Aufklärung – Kritik. Schriftenreihe der Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V.). Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-38802-7, doi:10.1007/978-3-658-38803-4 (springer.com [abgerufen am 11. Oktober 2023]).
  19. Meinungsbildung und Kontrolle der Medien Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 6. Mai 2017
  20. Medien und Gesellschaft im Wandel Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 4. Mai 2017
  21. Hektor Haarkötter: Ausrangierte Nachrichten | Journalistik 2/2022. 18. Juli 2022, abgerufen am 11. Oktober 2023 (deutsch).
  22. Walter Lippmann: Public Opinion (1922), dt.: Die öffentliche Meinung. Brockmeyer, Bochum 1990.
  23. Hektor Haarkötter: »Diese klecksfingrigen, halb verrückten, aber schweineverschmitzten, verschlagenen Journalisten«: Journalismuskritik als Medienkritik. Versuch einer Typologie und Systematik journalismuskritischer Diskurse. In: Hans-Jürgen Bucher (Hrsg.): Medienkritik zwischen ideologischer Instrumentalisierung und kritischer Aufklärung. Herbert von Halem-Verlag, Köln 2020, ISBN 978-3-86962-445-7, S. 86–106.
  24. Medien und Gesellschaft im Wandel Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 6. Mai 2017
  25. Macht ohne Verantwortung. Der wuchernde Einfluss der Medien und das Desinteresse der Gesellschaft Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 6. Mai 2017
  26. Hans Mathias Kepplinger: Rivalen um Macht und Moral. In: Journalismus als Beruf.; Hans Mathias Kepplinger: Rationalität und Ethik im Journalismus. In: Journalismus als Beruf.; Hans Mathias Kepplinger: Der Einfluss politischer Einstellungen auf die Nachrichtenauswahl. In: Journalismus als Beruf.; Hans Mathias Kepplinger: Erlaubte Übertreibung im Journalismus. In: Journalismus als Beruf.
  27. Uwe Krüger: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und AlphaJournalisten – eine kritische Netzwerkanalyse. Köln 2013.
  28. Marcus Klöckner: Journalismusforschung:"Ganz auf Linie mit den Eliten". In: heise.de. 11. Februar 2013, abgerufen am 3. Februar 2024.
  29. Marcus Klöckner: Leitartikler und Machteliten. In: heise.de. 23. Mai 2014, abgerufen am 3. Februar 2024.
  30. L. Hagen, A. Flämig, A.-M. In der Au: Synchronisation von Nachricht und Werbung. Wie das Anzeigenaufkommen von Unternehmen mit ihrer Darstellung in Spiegel und Focus korreliert. In: Publizistik. 59(4), 2014, S. 367–386, abgerufen am 21. Juni 2016.
  31. Ivo Rzegotta: Nachlasse verführen zum Nachlassen. (Memento vom 7. April 2016 im Internet Archive) In: Transparency International Deutschland e.V.: Scheinwerfer. 39, Themenschwerpunkt: Medien. April 2008, S. 9, abgerufen am 8. November 2015.
  32. Rabatte mit Beigeschmack. (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive) In: Medien Monitor. abgerufen am 8. November 2015.
  33. Gefallen an Gefälligkeiten. Journalismus und Korruption. (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive) auf: transparency.de, S. 39, abgerufen am 8. November 2015.
  34. Anja Spiegel: Bis dass der Tod sie scheidet. (Memento vom 7. April 2016 im Internet Archive) In: Transparency International Deutschland e.V.: Scheinwerfer. 39, Themenschwerpunkt: Medien. April 2008, S. 13, abgerufen am 11. November 2015.
  35. Die Anzeigen-Schweige-Spirale. (Memento des Originals vom 18. Oktober 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dossier.at dossier.at, abgerufen am 17. November 2015.
  36. U-Ausschuss: Chronologie der Inseratenaffäre. diepresse.com, abgerufen am 17. November 2015.
  37. Presseförderung in Österreich Die gekaufte Republik. faz.net, abgerufen am 17. November 2015.
  38. Korruptionsfall Inserate? (Memento des Originals vom 18. Oktober 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dossier.at dossier.at, abgerufen am 17. November 2015.
  39. Medien und Gesellschaft im Wandel Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am
  40. Ulrich Wickert: Begriff „Lügenpresse“ möglicherweise vom Russen-Geheimdienst lanciert › Meedia. 28. Januar 2016, abgerufen am 27. Dezember 2016.
  41. Colin Crouch: Postdemokratie. Frankfurt am Main 2008, S. 63 f.
  42. Meinungsbildung und Kontrolle der Medien Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 6. Mai 2017
  43. Solche und solche Fakten (Memento vom 19. Februar 2017 im Internet Archive) Rudolf Mitlöhner in: furche.at, 15. Februar 2017, abgerufen am 6. Mai 2017
  44. Medien und Gesellschaft im Wandel. Internet und Web 2.0 als Alternativen Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am
  45. Franz Kössler: Armer Journalismus. In: Der Standard. 29. Juni 2010. Abgerufen am 6. Mai 2017
  46. Medien und Gesellschaft im Wandel Bundeszentrale für politische Bildung, abgerufen am 6. Mai 2017
  47. Lippmann Walter: Public Opinion (1922), dt.: Die öffentliche Meinung. Brockmeyer, Bochum 1990.
  48. siehe Elisabeth Noelle-Neumann: Die Schweigespirale. und Thilo Sarrazin: Der neue Tugendterror. S. 137.
  49. Hans Mathias Kepplinger: Rivalen um Macht und Moral. In: Journalismus als Beruf. ; Hans Mathias Kepplinger: Rationalität und Ethik im Journalismus. In: Journalismus als Beruf. ; Hans Mathias Kepplinger: Der Einfluss politischer Einstellungen auf die Nachrichtenauswahl. In: Journalismus als Beruf. ; Hans Mathias Kepplinger: Erlaubte Übertreibung im Journalismus. In: Journalismus als Beruf.
  50. Ein Drittel der Journalisten fühlt sich grün. (Memento vom 15. August 2016 im Internet Archive) In: Die Presse. vom 8. Dezember 2008.
  51. Siegfried Weischenberg, Maja Malik, Armin Scholl: Journalismus in Deutschland 2005. Zentrale Befunde der aktuellen Repräsentativbefragung deutscher Journalisten. In: Media Perspektiven. 7/2006, S. 353.
  52. Der Gesinnungsterror der grünen Meinungsjakobiner Die Presse, abgerufen am 6. Mai 2017
  53. Siegfried Weischenberg, Maja Malik und Armin Scholl: Journalismus in Deutschland 2005. Zentrale Befunde der aktuellen Repräsentativbefragung deutscher Journalisten. In: Media Perspektiven 7/2006, S. 353. »Journalismus in Deutschland 2005« online (Memento vom 9. März 2013 im Internet Archive)
  54. Ein Drittel der Journalisten fühlt sich grün (Memento vom 15. August 2016 im Internet Archive) Die Presse, vom 8. Dezember 2008
  55. Der Gesinnungsterror der grünen Meinungsjakobiner Die Presse, abgerufen am 6. Mai 2017
  56. In guter Hand: Die vertrauenswürdigsten Berufe Österreichs Die Presse, abgerufen am 6. Mai 2017
  57. Transparency International: Mehrheit der Deutschen hält Medien für korrupt. In: Zeit Online. 9. Juli 2013, abgerufen am 30. Januar 2015.
  58. Global Corruption Barometer 2013 – National results. In: transparency.org. Transparency International, abgerufen am 30. Januar 2015 (englisch).
  59. Reader's Digest: Trusted Brands 2015 / Trust in Professions (Memento vom 13. März 2015 im Internet Archive) Abgerufen am 6. Mai 2017
  60. Im englischsprachigen Original: "a great deal/quite a lot" vs. "not much/not at all" (trust in professions).
  61. Americans' Trust in Mass Media Sinks to New Low gallup.com, abgerufen am 6. Mai 2017
  62. Cable News Viewers Still Turn To Fox First rasmussenreports.com, abgerufen am 6. Mai 2017
  63. Robert H. Latiff: Future Peace. Technology, Aggression and the Rush to War. Notre Dame 2022, S. 53 ff.
  64. Klaus Wernecke: Der Wille zur Weltgeltung. Außenpolitik und Öffentlichkeit im Kaiserreich am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Düsseldorf 1970, S. 311–313.

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