FORVM » Themen » Desiderate der Kritik

Aufklärung

Beiträge

Eugen Gürster

Das Rätsel der Dummheit

Aus einem im Scheffler-Verlag, Frankfurt, erscheinenden Buch
April
1963

In seinem Buch über die Dummheit gesteht Robert Musil ganz offen: „Ich weiß nicht, was sie ist.“ In diesem Sinne wüßte jeder zum Bewußtsein erwachte Mensch von der Dummheit zwar zu sagen, daß sie ein mächtiges, gefährliches, hemmendes Lebenselement ist, aber es fiele ihm schwer, genau anzugeben, wie denn (...)

Ernst Bloch

Traum von einer Sache

Notizen zu einer Marx’schen Briefstelle
Dezember
1963

Nach der ungarischen Revolution, im April 1957, beschäftigte sich die SED-Parteigruppe an der Leipziger Philosophischen Fakultät mit der Lehre Ernst Blochs. Sie kam zu folgendem Schluß: „Diese Philosophie ist nicht mit den Prinzipien der Lehre von Marx zu vereinbaren ... sie ist ein sozialistisch (...)

Norbert Leser

Marxismus unterwegs zum Geist

Über Position und Bedeutung Max Adlers
August
1964

Es gehört zu den traurigsten Kapiteln der an beklagenswerten Einzelheiten nicht armen Nachkriegsgeschichte des geistigen und politischen Österreich, daß das Werk großer österreichischer Denker und Gestalter, die durch die Ungunst der Zeitumstände in den Schatten gestellt wurden, unbetreut geblieben (...)

Ernst Topitsch

Marx ist tot, es lebe Marx!

(II.)
März
1965

Marx und Feuerbach haben das Motiv der Entfremdung aus theologisch-metaphysischen Spekulationen übernommen, nämlich aus dem deutschen Idealismus, dessen Zusammenhänge mit den Traditionen des Neuplatonismus und der Gnosis noch immer zuwenig bekannt sind. In Fortführung solcher Überlieferungen wollte (...)

Erklärung wider die Dummheit

Dezember
1966

Die moderne Kunst gehört in den kulturellen Kolonialkübel, und ich bilde mir fest ein, daß ihre Produzenten Conterganpillen eingenommen haben, sonst könnten sie nicht solche Mißgeburten in die Welt setzen. Würde man eine Ausstellung, wie sie im Museum des 20. Jahrhunderts öfter zu sehen waren, auf (...)

Walter Strolz

Vom Ungenügen der Wissenschaft

November
1967

Der nachfolgende Text wurde als Vortrag „Die Frage nach der ursprünglichen Einheit der Wissenschaften innerhalb der Ganzheit des Menschen“ an der Universität Zagreb gesprochen. Wir versuchen fürs erste, durch eine Erläuterung der Frage selbst einen Schritt näher an die Sache heranzukommen, die uns (...)

Walter Strolz

Vom Ungenügen der Wissenschaft

(II.)
Januar
1968

In der idealistischen Dialektik Hegels ist das Ziel der „Aufeinanderfolge“ der historischen Gestalten und Schicksale gemäß dem Schlußstück der „Phänomenologie des Geistes“ das absolute Wissen, „die Offenbarung der Tiefe, und diese ist der absolute Begriff“. In dem Augenblick, da die Wahrheit in ihrem (...)

Willy Hochkeppel

Philosophie der kleinen Wahrheiten

Über die Rolle des sogenannten Positivismus im deutschen Geistesleben der Gegenwart
Mai
1968

Zu den tiefen Kränkungen der menschlichen Eigenliebe im vergangenen und in unserem Jahrhundert muß man neben Darwinismus, Marxismus und Psychoanalyse den sogenannten Positivismus zählen. Auch der Positivismus leitete schmerzhafte Resektionen ein, verkürzte die Perspektiven oder zerstörte (...)

Hans Albert

Programm der Neuen Kritik: Rationalität

November
1968

Daß zwischen Erkenntnis und Entscheidung, zwischen Theorie und Praxis und letzten Endes auch zwischen Philosophie und Politik enge Zusammenhänge bestehen, ist keine neue Entdeckung. Was das Zeitalter der Ideologien ins allgemeine Bewußtsein gehoben hat, ist nicht die Existenz solcher (...)

Peter Horvath

Sex im Vormärz

Über Anastasius Grün
November
1968

Das Wien der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts war von der Atmosphäre einer Lebensfreudigkeit durchdrungen, in der sich Religion und Geschlechtlichkeit miteinander verquickten. Lady Mary Wortly Montagus (1698-1762) Reise in das Reich der heiteren Sinnlichkeit begann wohl Anfang September 1716 im (...)

Bernd Lutz

Das Ärgernis Sade

Februar
1969

Bei diesen leidenschaftlichen Geometrien bewegt, wenn die Geometrie selbst nicht mehr überzeugt, immer noch die Leidenschaft oder vielmehr die Darstellung der Leidenschaft ... Hinter matt gewordenen Gründen der Vernunft erkennen wir die Gründe eines Herzens, Tugenden, Laster und die große Mühe, (...)

Hans Albert

Programm der Neuen Kritik: Engagement

Februar
1969

Aus dem skizzierten Programm des Kritizismus ergeben sich auch Konsequenzen für das Problem der Ideologiekritik. Im analytischen Denken gehört die Reinigung des Denkens von ideologischen Elementen in den Zusammenhang eines Programms, das vor allem darauf abzielt, die Erkenntnis zu neutralisieren, (...)

Bernd Lutz (Übersetzung) • Marcelin Pleynet

Sade muß erst noch gelesen werden

Februar
1969

... in unserer augenblicklichen Situation sollten wir immer von folgendem Prinzip ausgehen: wenn der Mensch all seine Brüder abgeschätzt hat, wenn sein Auge mit einem kühnen Blick seine Schranken vermißt, wenn er, nach dem Beispiel der Titanen, seine kühne Hand bis zum Himmelsrand auszustrecken wagt (...)

Friedrich Geyrhofer

Positivisten gegen Studenten

März
1969

Ernst Topitsch: Die Sozialphilosophie Hegels als Heilslehre und Herrschaftsideologie, 1967, und Die Freiheit der Wissenschaft und der politische Auftrag der Universität, 1968; Luchterhand Verlag, Neuwied/Rhein. Die Verwandlung, die die Lehre von den menschlichen Beziehungen aus einer (...)

Joachim Schickel

Lebendiger Hund Hegel

Zum VII. Internationalen Hegel-Kongreß in Paris
Mai
1969

Vom 8. bis 12. April 1969 fand wieder ein Kongreß der Internationalen Hegelgesellschaft statt. Den Themen und Orten früherer Tagungen — „Logik“ 1962 in Genf, „Ästhetik“ 1964 in Salzburg, „Rechtsphilosophie“ 1966 in Prag — folgte nun eine Diskussion von „Philosophie und Geschichte“; wie bisher sollten (...)

Friedrich Geyrhofer

Adorno und die Vernunft

August
1969

Theodor W. Adorno, der bedeutende Philosoph und Soziologe, ist am 6. August 1969 in einem Sanatorium in der Schweiz gestorben. Adorno wurde 1903 in Frankfurt am Main geboren und habilitierte sich dort mit einer Arbeit über Kierkegaard. Seit 1934 lebte er in der Emigration, in New York und Los (...)

Michel Foucault • Ulrich Köppen (Übersetzung)

Gegenvernunft

August
1969

Michel Foucault, 1926, ist Professor an der Faculté des Lettres de Clermont-Ferrand. Seine Arbeiten (Maladie mentale et Psychologie, 1954; Histoire de la Folie à l’Âge classique, 1961; Les Mots et les Choses, 1966) gehören zu den wichtigsten Beiträgen des französischen Strukturalismus. Wir drucken (...)

Friedrich Geyrhofer

Der konsequente Habermas

Soziologie und Erkenntnistheorie als Einheit
November
1969

Jürgen Habermas: Erkenntnis und Interesse. Theorie 2, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1968 Alte und neue Marxisten, die gegen den revisionistischen Praktizismus der Sozialdemokraten wettern, üben nur eine orthodoxe Praxis, wenn sie die Theorie nach ihrer Brauchbarkeit einschätzen und damit angemaßte (...)

Hartmut Lück

Adorno als Geist, Eisler als Praktikus

Filmmusik und die Ursachen
Januar
1970

Die Pflicht aller Theoretiker ist es, zu hoffen, daß der andere die Revolution macht. Spruchblase aus dem Munde Adornos auf einem Flugblatt während des Frankfurter Studentenstreiks, Dez. 1968. Theodor W. Adornos Bedeutung für die Entwicklung materialistischer Kategorien bei der Analyse (...)

Robert Havemann

Sind Materialisten naiv?

2. Teil des Essays vom Dezemberheft 1969
Januar
1970

Die Entwicklung des Neuen im Schoße des Alten vollzieht sich heute auch durch eine sehr bemerkenswerte Durchdringung aller ökonomischen und soziologischen Theorien mit den Termini und den Begriffsbildungen des Marxismus. Gleichzeitig beobachten wir eine starke Strömung zur Überwindung der (...)

Robert Havemann

Dialektik der modernen Physik

IV. und letzter Teil des Essays „Dialektik des Materialismus“
Februar
1970

Unser Wissen ist das Bild, das wir vom Sein haben. Es ist Information, von der Norbert Wiener gesagt hat: „Information is nothing but information, no matter and no energy.“ Aber wie sich schon bei der praktischen Anwendung der formalen Logik — und wir wollen sie doch nicht nur handhaben, nicht nur (...)

Robert Havemann

Ehrenrettung der Dialektik

3. Teil des Essays „Dialektik des Materialismus“
Februar
1970

Die Marxisten streben nach einer Form der Gesellschaft, die zur Sicherung ihrer Existenz keiner Täuschung über ihr gesellschaftliches Sein bedarf. Sie streben nach der Aufhebung der Entfremdung, nach der Auflösung der gesellschaftlichen Funktion von Ideologien. Damit ruht der Marxismus nicht (...)

Günther Anders

Tote zum Frühstück

Zur Psychopathologie der Massenmedien und ihrer Konsumenten am Beispiel der Berichterstattung über Vietnam
März
1970

I. Rauskommen „Es ist zu hoffen“, schreibt ein Berichterstatter eines bekannten Wiener Blattes am 11.12.1969 — und die Worte klingen so, als wären sie aus dem Amerikanischen übersetzt —, „daß kein anderer Fall von Größenordnung des Massakers von My Lai zutage kommt.“ Nun, kein noch so stark Hoffender (...)

Karin Achleitner-Mack (Übersetzung) • Stephen Toulmin

Wittgenstein war kein Positivist

Mai
1970

Stephen Toulmin, Philosoph, Wissenschafter und Historiker, unterrichtet gegenwärtig an der Brandeis University in den USA. Er schrieb für die englische Zeitschrift „Encounter“ eine Neubewertung Ludwig Wittgensteins, deren ersten Teil wir in der Übersetzung Karin Achleitner-Macks in dieser Nummer (...)

Karin Achleitner-Mack (Übersetzung) • Stephen Toulmin

Der Metaphysiker Wittgenstein

II. Teil
Juni
1970

Besonders in den Briefen an Engelmann gibt es Hinweise, was für Wittgenstein selbst der grundlegenden, uneinschränkbaren Dichotomie von Tatsache und Wert zugrunde gelegen haben mag. Wir können diesen Hinweisen in jede der beiden Richtungen folgen, der psychologischen und der soziologischen, indem (...)

Friedrich Geyrhofer

Lügen die Historiker
oder
Adam Schaff als Metaphysiker

Oktober
1970

Der vorstehende Abschnitt über die logischen Aporien der Wissenssoziologie gehört zu den interessantesten Passagen aus dem Buche Adam Schaffs über „Geschichte und Wahrheit“, das in seinem Titel die Beschäftigung mit dem zentralen Problem der marxistischen Philosophie verspricht. Auch in den (...)

Adam Schaff

Wissenssoziologie als Purzelbaum

Vgl. Adam Schaff, Sartre und Marx, FORVM März 1964
Oktober
1970

Adam Schaff, zwischen Warschau und Wien als akademischer Lehrer pendelnd, gehört zu den Initiatoren der Renaissance marxistischer Philosophie nach Stalins Tod. Sein Buch „Marxismus und das menschliche Individuum“, im Wiener Europa-Verlag erschienen, markierte die Wende im Denken der (...)

Peter Aschner (Übersetzung) • Michel Contat • Jean-Paul Sartre

So bin ich

Ein autobiographisches Interview mit Michel Contat (I. Teil)
Januar
1976

Zu seinem Siebzigsten am 21. Juni 1975 gab Sartre in einem Gespräch mit Michel Contat‚ Freund und Mitarbeiter, Redakteur von Les Temps Modernes, eine Totalaufnahme seines gegenwärtigen Zustands: gesundheitlicher Verfall, finanzielle Panik — aber was das Werk betrifft: zufriedene Rückschau, ganz (...)

Friedrich Geyrhofer

Abergläubische Wissenschaft

September
1976

Paul Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wahn, Täuschung, Verstehen, Piper Verlag, München/Zürich 1976, 252 Seiten, DM 29,80, öS 229,50 Wissenschaft? Ihre Fortschritte führen in eine neue Religion, deren Heilige Schriften lauter Bestseller sind. Ein Däniken verarbeitete den (...)

Josef Dvorak

Philosophie in Gelb

Ideologischer Bauchladen einer Programmdiskussion
September
1976

Die Untersuchung der Wahrheit kam von den Priestern weg, und Politici legten sich beyzeiten darauf. Jakob Brucker 1731 Obschon die Wissenschaft als Ganzes Unfug ist, ist sie lehrreich. Gottfried Benn Ein Philosophendach für die Schmidt-SPD Bis 1933 müssen in der deutschen Sozialdemokratie (...)

Ernst Bloch

Wider den Spiegel

Wahrheit als eingreifende Abbildung von Tendenzen - Latenzen (1936)
Oktober
1977

Der Aufsatz aus dem Nachlaß Ernst Blochs vermittelt zwischen Lenins Widerspiegelungstheorie (das Bewußtsein bildet die Wirklichkeit ab) und dem subjektiven Idealismus Kants (das Bewußtsein formt die Wirklichkeit): also zwischen Abbild- und Erzeugungstheorie. Dabei wendet sich Bloch gegen den (...)

Hellmut G. Haasis

Terror in Wien

Die Jakobinerverschwörung 1792/94
November
1977

Josefinische Beamte als Gewaltrevolutionäre Wien bildete 1792 bis 1794, als die Französische Revolution ihrem Höhepunkt entgegenging, mit einer rund 40 Personen umfassenden demokratischen Verschwörergruppe einen der Schwerpunkte der deutschen Jakobiner. Eine ähnliche oder noch stärkere (...)

Friedrich Geyrhofer

Wir werden überflüssig

Günther Anders und die Abschaffung des Menschen
September
1980

Günther Anders: Die Antiquiertheit des Menschen, Zweiter Band: Über die Zerstörung des Lebens im Zeitalter der dritten industriellen Revolution, Verlag C. H. Beck, München 1980, 465 Seiten, DM 38, öS 292 Linke Ökologie vorausgedacht Was ist menschliches Handeln noch wert, verglichen mit der (...)

Konrad Paul Liessmann

Kritik der Kritik der

zynischen Vernunft
Juni
1983

Peter Sloterdijk. Kritik der zynischen Vernunft. es NP 99 Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1983. Zwei Bände, 954 Seiten. öS 273,60 / DM 36 Ein zweibändiges Werk solchen Umfangs und dieses Titels — unmöglich, sich anders als in größter Spannung zu nähern. In Zeiten geistigen Verfalls ist allein schon die (...)

Adalbert Evers

Zwischen Verstaatlichung und Wiedereinbürgerung

Die politische Kultur Österreichs und ihrer Intellektuellen aus ausländischer Perspektive
März
1984

Ihr Intellektuellen wir

Rudolf Burger • Peter Fleischhacker (images)

Hurra, wir verfallen

April
1984

Richard Sennett: Verfall und Ende des öffenlichen Lebens. Die Tyrannei der Intimität. S. Fischer, Frankfurt am Main, 1983, 405 Seiten. — Illustration: Peter Fleischhacker. „Wie bös diese Zeiten waren! Welches niemals aussetzende Bewußtsein der Feindschaft von Mensch zu Mensch, welche Gefeitheit (...)

Heinz Fischer

Vernunft im Zeitalter ihrer technischen Vernichtbarkeit

April
1986

Mit dieser Rede eröffnete Österreichs habilitierter Wissenschaftsminister das sog. Europäische Forum Alpbach. Die Medien wußten nichts Rechtes damit anzufangen — also ist’s gerade richtig für’s FORVM. G.O. Folgende Anekdote betrifft den berühmten Physiker und einen der Schöpfer der modernen (...)

Rudolf Burger

Mythologie als Mythisierung
oder
Das neue Interesse am Immergleichen

Dezember
1988

Für S. „Ich bitte dich bei Allah, o Schwester, erzähle uns eine Geschichte, durch die wir uns die wachen Stunden dieser Nacht verkürzen können“ — so sprach die jüngere Schwester zu Scheherezâd bei Anbruch der Nacht, die deren letzte zu sein drohte. Scheherezâd erwiderte: „Mit größter Freude, wenn der (...)

Wilhelm Baum

Staatspolizey & Kärntner Geistesleben

Dezember
1989

Zwei Traditionen stoßen hart aufeinander, die andere ungebrochen, die unsrige von ihr immer wieder genickt. Siegen aber, in the long run, werden wir. -Red. Die 200-Jahrfeiern der Französischen Revolution versuchten heuer allenthalben, die Umwälzungen, die mit diesem epochalen Ereignis verbunden (...)

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