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(Ex-) Jugoslawien

Beiträge

Franz Borkenau

Titos großes Spiel

August
1955

Die Analysen, die Prof. Franz Borkenau (Zürich) über die Vorgänge im Weltkommunismus und in der Sowjetunion anstellt (vgl. FORVM 11/15), erregen immer wieder lebhaftes Interesse bei Freund und Feind — bei Feind erregen sie außerdem noch Unbehagen, das sich in hämischen Bezeichnungen wie (...)

Manès Sperber

Djilas oder Die bestrafte Reue

Oktober
1962

In jener Stille, die Unerhörtes ankündigt, lauschen wir gern den Seufzern eines Reumütigen, der in seiner Buße — verzweifelnd — die Raserei seiner Sünden wiederfinden möchte. Es mißfällt uns nicht, daß er seine Vergangenheit bloßlegt und, um ihr zu entrinnen, sich so tief verwundet, als wäre er der (...)

Manès Sperber

Djilas oder Die bestrafte Reue (II)

November
1962

Erst nach dem Prozeß gegen Rajk gaben die Titoisten zu, daß nicht erst im Jahre 1949, sondern schon seit 1936 Stalin den alten Kommunisten falsche Geständnisse abgezwungen hatte, um sie für Verbrechen büßen zu lassen, die niemals verübt worden waren. Unter den Opfern jener Prozesse der dreißiger Jahre (...)

Claus Gatterer

Jugoslawiens Magen bleibt westlich

Ein Reisebericht
Mai
1963

Ein knappes Jahr hat genügt, um das gesellschaftliche Klima in Jugoslawien sehr wesentlich zu verändern. Vom optimistischen Aufwind der späten Fünfziger- und der ersten Sechzigerjahre ist heute kaum noch etwas zu spüren. Die von Marschall Tito am 5. Mai 1962 in seiner Rede zur Eröffnung des neuen (...)

Claus Gatterer

Jugoslawien ohne Jugoslawen

Zweiter Teil des Reiseberichts
Juni
1963

Jedes Jahr im Herbst, wenn sich die Hotels an der Adria und in den Bergen leeren, wenn die Volksbanken darangehen, die von den Ausländern ins Land gebrachten Devisen zu bilanzieren, setzt in Jugoslawien eine in Europa wohl einmalige Völkerwanderung ein. Die Jugend lernt die Heimat kennen. Eine (...)

Vladimir Dedijer

Portrait des Mörders

Juni
1964

Gavrilo Princip wurde 1894 als Sohn einer Kmet-(Leibeigenen-) Familie im Grahovo-Tal, Nordwest-Bosnien, geboren. Geschichtliche Umstände hatten die Entwicklung der bosnischen Gesellschaft verzögert; eine urtümliche Stammeskultur war unter türkischer Herrschaft bis tief in die Neuzeit erhalten (...)

Vladimir Dedijer

Die Revolution der primitiven Rebellen

Zweiter Teil des Aufsatzes „Portrait des Mörders“
August
1964

Eine ganze Reihe theoretischer Spielarten des Individualterrorismus beeinflußte das Denken der Gruppe um Gavrilo Princip. Auf Grund der von mir eingesehenen Dokumentation kannten und studierten Princip und seine Freunde: Die klassischen Vorstellungen des Tyrannenmordes, in einem weiten Bogen (...)

Mihajlo Mihajlov

Warum ich schweigen muß

Februar
1966

Dr. Mihajlo Mihajlov, Dozent der Universität Zadar, wurde wegen einer Artikelfolge, worin er die Sowjetunion kritisierte, verhaftet und verurteilt. Er berief, und der Oberste Gerichtshof Kroatiens hob das Urteil auf. Sodann wurde er von seiner Hochschule eliminiert. Er berief, und der Oberste (...)

Gunnar Kumlien

Besuch bei Frau Djilas

April
1966

Der Authentizität halber wurde der nachfolgende, in deutscher Sprache niedergeschriebene Bericht in seinem originalen, zur schwedischen Muttersprache des Autors hinneigenden Zustand fast unverändert belassen. Seit etwa neun Jahren habe ich Kontakte mit Milovan Djilas und seiner Frau Stephanie. In (...)

Mihajlo Mihajlov

Bekenntnis zu Djilas

Juni
1966

„Warum ich schweigen muß“ hieß der erste FORVM-Aufsatz des jungen Dozenten der Universität Zadar, Dr. Mihajlo Mihajlov. Mit dem nachfolgenden Aufsatz bricht er dieses Schweigen. Wir neigen uns vor seinem Mut. Das beste Zeugnis der wahren Liebe zur Freiheit in jedem Lande ist die Lage, in der sich (...)

Mihajlo Mihajlov

Brief an Marschall Tito

September
1966

Hochgeehrter Genosse Präsident der Sozialistischen Föderativen Volksrepublik Jugoslawien, Ich nehme mir die Freiheit, diesen offenen Brief an Sie zu richten, weil ich es als meine Pflicht betrachte, öffentlich auf einige sehr scharfe Worte zu antworten, die Sie in Ihrer kürzlichen Rede direkt oder (...)

Mihajlo Mihajlov

Fall Ranković: Säuberung, nicht Liberalisierung

September
1966

Es ist lächerlich, wenn in der westlichen Presse steht, der Sturz Ranković’ bedeute einen Sieg der Liberalen über die Dogmatiker in Jugoslawien, als Folge dessen sich das Land rasch demokratisieren werde. Es scheint, daß die Menschen aus der Geschichte keine Lehre gezogen haben. Fast mit den (...)

Mihajlo Mihajlov

Für eine freie Stimme

September
1966

Jüngsthin gab es in Jugoslawien eine immer größere Zahl offener und öffentlicher Äußerungen von Leuten, die mit der Politik des Bundes der Kommunisten (KP Jugoslawiens) ideologisch nicht übereinstimmen und die marxistische Philosophie nicht akzeptieren, auch nicht deren Jugoslawisch-„revisionistische“ (...)

Božena Begović (Übersetzung) • Miroslav Krleža

Requiem für Habsburg

Eine Novembernacht des Jahres 1918
September
1966

Notwendige Vornotiz „Obzor“, Nachmittagsausgabe, 14. November 1918, Nr. LXIX, S. 3: Das Fest dauerte bis zum frühen Morgen. Und wie es schon geht in diesen stürmischen Zeiten, in denen sich alle, selbst die intimsten, geselligen Veranstaltungen allzugerne in politische Versammlungen verwandeln, (...)

Božena Begović (Übersetzung) • Miroslav Krleža

Requiem für Habsburg

(Schluß des Beitrages aus Heft 152/153)
Oktober
1966

Ich bin in einer wahren Hamlet-Stimmung. Von der Galerie herab beobachte ich diese ganz gut organisierte kaiserliche und königliche Offiziersmesse — man raucht Zigarren, Frontwitze werden erzählt (hier haben wir soundsoviele Geiseln erschossen, dort haben wir Tausende dieser Schurken und Verräter (...)

Mihajlo Mihajlov

Gebt Gedankenfreiheit

Verteidigungsrede vor dem Kreisgericht Zadar, 22. September 1966
Februar
1967

Milovan Djilas ist frei, desgleichen einige Mitarbeiter an der von Mihajlov geplanten Zeitschrift der Opposition. Es besteht Aussicht, daß Tito, der großmütigste unter den kommunistischen Herrschern, auch Mihajlov freilassen wird. Vielleicht kann unser Abdruck der bisher nicht erhältlich gewesenen (...)

Arnold Künzli

Mit Marx in Dalmatien

Oktober
1967

Das Neue FORVM fühlt sich der philosophischen Revue PRAXIS aus mancherlei Gründen verwandt. Die Zagreber Zeitschrift — zu deren Internationalem Redaktionsrat u. a. Erich Heintel zählt, führendes Mitglied der Paulus-Gesellschaft, Österreichische Sektion, sowie Ernst Bloch und Erich Fromm, die auch dem (...)

Arnold Künzli

Exempel Jugoslawien

Internationale marxistische Sommerschule auf Korčula
November
1968

Den 150. Geburtstag von Karl Marx zu ehren, hatten die um die philosophische Zeitschrift „Praxis“, Zagreb, gescharten jugoslawischen Pioniere einer zeitgemäßen Sozialismus-Philosophie für ihre diesjährige Sommerschule auf der Insel Korčula das Thema „Marx und die Revolution“ gewählt. 150 Jahre sind in (...)

Rolf Gössner • Mihailo Marković

Die Zukunft der Selbstverwaltung

Gespräch
Dezember
1972

I. Technostruktur und Selbstverwaltung Ein wesentliches Problem unserer Zeit ist der Widerspruch zwischen technischer Rationalität und Effizienz auf der einen Seite, positiver menschlicher Freiheit im Sinne der Selbstverwirklichung auf der anderen Seite. Der Kapitalismus gab in seiner (...)

Adalbert Krims

Antijugoslawismus

Januar
1973

Als vor 10 Jahren Österreich das Südtirol-Problem vor die UNO brachte, fand man es hierzulande für selbstverständlich, die Frage der deutschsprachigen Minderheit in Italien zu internationalisieren. Rechtsextremisten, die Terroranschläge auf italienische Einrichtungen verübten und in Italien in (...)

François Charlier

Wie kapitalistisch ist Jugoslawien?

Mai
1973

Die jüngste Entwicklung in Jugoslawien wird von manchen Beobachtern als eine aufgefaßt, die politisch gegen die „Rechte“ sich wendet, ökonomisch gegen die „Rekapitalisierung“ des Landes. Wie weit insbesondere letztere schon gediehen ist, deutet der nachfolgende Text an, der sich auf die (...)

Dobrica Ćosić

Gefährlicher Sozialismus

Über die sokratische Existenz der jugoslawischen Intellektuellen
März
1975

Auszüge aus der Ansprache des bekannten jugoslawischen Schriftstellers Dobrica Cosić (Partisanenroman „Fern ist die Sonne“) auf dem Symposium der Serbischen Philosophischen Gesellschaft in Divčibara am 9. Februar 1974, veröffentlicht in der philosophischen Zeitschrift Praxis (Nummer 3-5/Mai-Oktober (...)

Josef Dvorak

Räte raten rot

Das jugoslawische Experiment mit der Selbstverwaltung
Januar
1978

Die sozialistische Revolution erhält erneut ihren Sinn, wenn sie sofort als selbstverständlich die Forderung „die Fabriken den Arbeitern“ stellt und für das Absterben des über der Gesellschaft stehenden staatlichen Zwangsapparates sorgt. Auf diese Weise erlangt die politische Revolution des (...)

Wolfgang Soergel

„Nicht einen Dinar können wir verteilen!“

Aus der Sitzung eines jugoslawischen Arbeiterrats
Januar
1978

Wie die Mitbestimmung der Arbeiter in der jugoslawischen Selbstverwaltung ausschaut, zeigt dieses Beispiel aus einem mazedonischen Betrieb. Es geht um die Verteilung von betrieblichen Überschüssen. Ein westlicher Besucher (Wolfgang Soergel) schrieb in der Sitzung vom 18. Oktober 1973 mit (...)

Josef Dvorak

Tito im Taubenloch

Dezember
1983

Balkanleben. In solidarischer Besorgnis gewidmet Mile Šekeljić — Red. Drei Jahre ist er nun schon tot, der große balkanische Revolutionär. Tito war der einzige kommunistische Staatschef, der sich niemals sowjetischen Hegemonieansprüchen gebeugt, und der (seit 1949) stets darauf geachtet hat, das (...)

Dubravko Kolendić

Das größte jugoslawische Abenteuer

Oktober
1987

Kein anderes Thema, nicht mal die dreistellige Inflationsrate, unzählige Streiks, Rückgang des Lebenstandards, nimmt — abseits von „Agrokomerc“ — in den jugoslawischen Medien (vor allem in Serbien) mehr Raum ein als das Thema „Kosovo“. „Heute ist das wichtigste nicht, was Jugoslawien mit Kosovo machen (...)

Dubravko Kolendić

Die Sonne südöstlich der Alpen

März
1988

Die Slowenen — in Kärnten vom Staatsvertrag unwirksam geschützte Minderheit, politisch, ökonomisch und gesellschaftlich zum Schaden auch der Mehrheit niedergehalten — haben ihre „Sozialistische Republik Slowenien“, als zweitkleinste Teilrepublik Jugoslawiens nur gut doppelt so groß wie Kärnten, zur (...)

Andreja Petrović

Der Kampf in YU

um Magna Charta & was noch
Oktober
1988

Waren es Prophezeihungen oder Hiobsbotschaften, jene Aussagen vor fast zwei Jahrzehnten, als die jetzige, nun wieder heftig kritisierte Verfassung, in der Rohfassung diskutiert wurde? So schrieb noch 1971 der Belgrader Juraprofessor Djuric: Jugoslawien ist heute bereits nur ein geographischer (...)

Andreja Petrović

Vier heiße Jahreszeiten

Jugoslawische Bruchlinien
Dezember
1988

Nach einem heißen Sommer kam ein „heißer“ Herbst. Der jugoslawische November 1988 wird in Erinnerung bleiben, als der Monat der weiteren Entschleierungen der wahren Intentionen mancher Republik-/Provinzführungen und als Zeugnis der Paralysierung der föderativen Spitze, die aufgestauten Krisen auf (...)

Maja Schlatte (Übersetzung) • Pero Simić

Dokumente widerlegen Tito

Dezember
1989

Pauschalangriffe auf Titos Namen und Werk, ohne fundierte Analyse und spezifische Argumentation, hat das Zentralkomitee des Kommunistischen Bundes Jugoslawiens — entnehmen wir der „Politika“ vom 28. Oktober 1989 — als „zur Zerstörung gesellschaftlicher Grundwerte und Zerstörung von Jugoslawien selbst (...)

Gernot Nagelschmied • Sabine Zelger

Die Kriegserklärungen der österreichischen Presse

Oktober
1991

Die kursiv gesetzten Zitate sind am 2. Juli wörtlich erschienen. Den Wahrheitsbeweis, mit Grüßen an Schalek, treten wir gerne an. Vorbereitungen zum Krieg Die Kufsteiner Jäger haben schon Grenzerfahrung aus dem Assistenzeinsatz im Burgenland. (Presse) Ein Krieg löst oft einen anderen ab. Der (...)

Slavko Mihalić

Die Zerstörung Kroatiens

Rede in Wien, am 19. November 1991, Alte Schmiede*
Dezember
1991

Ich muß Ihnen, zu meiner Trauer und zu ihrem Entsetzen, gleich im ersten Satz mitteilen, daß ich aus dem einzigen Land der Welt komme, in dem ein brutaler, ungerechter, durch nichts hervorgerufener, ja sogar — welch eine Ironie! — nicht einmal erklärter Krieg geführt wird: ich komme nämlich aus der (...)

Karl Pfeifer

Ein paar Fakten über die Vojvodina

November
1992

Die Vojvodina liegt im Nordosten Jugoslawiens. Ihr Territorium (21.506 Quadratkilometer = 24,34 Prozent der Gesamtfläche Serbiens) befindet sich im Gebiet der Dreiländergrenze Jugoslawiens, Ungarns und Rumäniens. Dieses Gebiet nimmt den südöstlichen Teil der pannonischen Tiefebene ein. Die Flüsse (...)

Karl Pfeifer

Vojvodina, Herbst 1992

November
1992

Kleinlicher, gewalttätiger Nationalismus Wahr ist ferner, daß in dieser Region wirrste politische Philosophien und grobschlächtigste politische Lügen wuchern, die in Gesellschaften mit einer gesunden Entwicklung nicht einmal formuliert werden könnten, geschweige denn glaubwürdig wären. Es wäre aber (...)

Karl Pfeifer

Die Barbaren ante portas?

November
1992

Die Berichte der meisten österreichischen Massenmedien über das ehemalige Jugoslawien sind auch 1992 meistens einseitig und oft genug werden Fakten mit Kommentaren vermischt. Manchmal entsteht der Eindruck, das österreichische Fernsehen wäre ein Organ des autoritären Tudjman-Regimes. Diesbezüglich (...)

Harry Schranz

Einige Fragen an Peter Pilz

Offener Brief* vom 11. September 1992
November
1992

Im FALTER Nr. 33/92 stellt der Wiener Kommunalpolitiker Peter Pilz in Form eines Kommentars drei Fragen in den Raum, deren prompte Beantwortung dem Leser eine begrenzte UN-Militärintervention in Bosnien als die vernünftigste Lösung im dort herrschenden Bürgerkrieg nahelegen soll. Damit „legt er (...)

Amelie Lanier

Über Nationalismus und Staatsgründungen

in der Umgebung von Österreich und überhaupt
Juli
1993

Eine Erscheinung beunruhigt die Gemüter, die angeblich als „überwunden“ galt, geistesgeschichtlich im vorigen Jahrhundert und politisch bei Extremisten und Querulanten angesiedelt wurde: „Nationalismus“ macht sich breit in Europa, wird mit Lichterketten und frommen Wünschen bzw. ernsten Warnungen (...)

Emil Vlajki

Dialektik der Gewalt

Juli
1993

Der Autor dieser Studie über die „ethnischen“ Gruppen und Konflikte in Bosnien-Herzegowina war Professor für Politikwissenschaften und Sozialpathologie an der Universität Sarajewo, als es diese noch gab. Seit einem Jahr wird in Bosnien-Herzegowina ein Krieg geführt, der einer der grausamsten in der (...)

Herbert Auinger

Politik, Krieg und Moral

Juli
1993

In einem allerdings läßt Bosnien einen eher gespenstischen Rückschluß aufs Dritte Reich zu: Vermutlich hätte niemand Hitler Widerstand geleistet, wenn er sich darauf beschränkt hätte, Juden und Zigeuner auszurotten. PM. Lingens »Standard« vom 16./17.1.1993 Moral = Kriegshetze Die europäische (...)

Ulli Stadler

Kriegssprachspaltung

Dezember
1995

Vom österreichischen Justizminister, seinen Experten und unserer Verwicklung ins Jugoslawische Chaos. Was hat der Josefstädter Notar und österreichische Justizminister Dr. Nikolaus Michalek mit Herrn Milosevic aus Serbien und Herrn Tudjman aus Kroatien gemeinsam? Nichts natürlich, ist der (...)

Jugoslawien bei Wikipedia

Jugoslawien
Jugoslavija/Југославија (Serbokroatisch)
Jugoslavija (Slowenisch)
Југославија (Mazedonisch)
Flaggen
(1918–2003)
Wappen
(1918–2003)
Die drei unterschiedlichen Jugoslawien
Sprache(n) Serbokroatisch, Slowenisch, Mazedonisch, Albanisch
Hauptstadt Belgrad
Fläche
 • 1918–1941
 • 1954–1991
 • 1992–2003

247.542 km²
255.804 km²
102.350 km²
Bevölkerung
 • 1921
 • 1991
 • 2003

11.998.000
23.271.000
10.832.545
Währung Jugoslawischer Dinar (YUD)
Internet-TLD .yu
Telefonvorwahl +38
Zeitzone UTC+1
Nationalhymne Hej Sloveni
Nachfolgestaaten
Slowenien Slowenien
Kroatien Kroatien
Bosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina
Serbien Serbien
Montenegro Montenegro
Kosovo Kosovo (umstritten)
Nordmazedonien Nordmazedonien

Jugoslawien (serbokroatisch Југославија Jugoslavija, slowenisch Jugoslavija, mazedonisch Југославија, wörtlich übersetzt „Südslawien“ von slawisch Jug = Süden) war ein von 1918 bis 2003 bestehender Staat in Mittel- und Südosteuropa, dessen Staatsform und -territorium sich im Laufe seiner Geschichte mehrfach änderten.

Von 1918 bis 1941 existierte das Königreich Jugoslawien („Erstes Jugoslawien“), danach bestand von 1945 bis 1992 die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien („Zweites Jugoslawien“). Während der Jugoslawienkriege bildete sich von 1992 bis 2003 aus Serbien und Montenegro die Bundesrepublik Jugoslawien, gefolgt 2003 bis 2006 vom territorial und völkerrechtlich identischen Staatenbund Serbien und Montenegro („Restjugoslawien“).

Derzeit gibt es sechs international anerkannte Nachfolgestaaten Jugoslawiens: Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien und Slowenien. Der völkerrechtliche Status des Kosovo ist strittig.

Am 29. Oktober 1918 wurde auf bisher österreichisch-ungarischen Gebiet der Staat der Slowenen, Kroaten und Serben (serbokroatisch Држава Словенаца, Хрвата и Срба Država Slovenaca, Hrvata i Srba (kurz: Država SHS), slowenisch Država Slovencev, Hrvatov in Srbov), der sich am 1. Dezember mit den Königreichen Serbien und Montenegro zusammenschloss.

Der dadurch entstandene Staat trug vom 1. Dezember 1918 bis 4. Februar 2003 folgende Namen:

  • Kraljevstvo Srba Hrvata i Slovenaca Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, ausgerufen von König Petar Karađorđević am 1. Dezember 1918, abgekürzt SHS-Staat genannt
  • Kraljevina Srba Hrvata i Slovenaca ‚Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen‘, erste Umbenennung aufgrund der Vidovdan-Verfassung vom 28. Juni 1921, abgekürzt SHS-Staat genannt
  • Kraljevina Jugoslavija Königreich Jugoslawien, nach dem Putsch vom 6. Januar 1929 bis 17. April 1941
  • Demokratska Federativna Jugoslavija ‚Demokratisches Föderatives Jugoslawien‘, 29. November 1943 bis Ende 1945
  • Federativna Narodna Republika Jugoslavija ‚Föderative Volksrepublik Jugoslawien‘, 31. Januar 1946 (neue Verfassung) bis 1963
  • Socijalistička Federativna Republika Jugoslavija Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien, 1963 bis 1992
  • Savezna Republika Jugoslavija Bundesrepublik Jugoslawien, 27. April 1992 bis 4. Februar 2003 (häufig auch als Rest-Jugoslawien bezeichnet; als Neustaat bestand die BRJ aus den ehemaligen sozialistischen Teilrepubliken Serbien und Montenegro)

Der Name Jugoslawien wurde seit 1915 vom Jugoslawischen Komitee verwendet und wurde international schon vor der offiziellen Umbenennung für den SHS-Staat verwendet.[1]

Staatsrechtliche Entwicklung

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Königlich Jugoslawische Währung (Dinar) im Jahr 1929, ausschließlich in kyrillischem Serbokroatisch bedruckt

Während es zwischen dem ersten (Königreich 1918–1941) und dem zweiten jugoslawischen Staat (Föderative Volksrepublik 1945–1963, Sozialistische Föderative Republik 1963–1992) eine juristische Kontinuität gab, war das 1992 gegründete „dritte“ Jugoslawien (Bundesrepublik bzw. Staatenbund aus Serbien und Montenegro) nach vorherrschender Rechtsauffassung der Badinter-Kommission und der UN-Versammlung nur einer von fünf Nachfolgestaaten des zweiten Jugoslawiens. Die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien zerfiel demzufolge in die folgenden souveränen Republiken, von denen die meisten daraufhin ihre staatliche Unabhängigkeit erklärten und nach und nach international anerkannt wurden: Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) und Mazedonien (1993 unter dem Namen The former Yugoslav Republic of Macedonia[2] [ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien] in die Vereinten Nationen aufgenommen).

Am 4. Februar 2003 wurde die Bundesrepublik Jugoslawien durch die territorial und aus völkerrechtlicher Sicht identische Staatliche Gemeinschaft Serbien und Montenegro abgelöst.[3] Die Staatenunion von Serbien und Montenegro, deren Rechtsnachfolge Serbien antrat, löste sich 2006 mit dem Ausscheiden Montenegros auf, sodass heute alle früheren Teilrepubliken der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien unabhängige Staaten darstellen. Am 17. Februar 2008 erklärte auch das Kosovo seine Unabhängigkeit von Serbien.

Blick auf den Triglav, den mit 2864 m höchsten Berg Jugoslawiens (heute Slowenien)

Ausdehnung und Grenzen

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In der Zeit von 1954 bis 1991 hatte Jugoslawien eine Fläche von 255.804 km². Es bestand aus den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro, Mazedonien und den beiden autonomen Provinzen Vojvodina und Kosovo innerhalb Serbiens.

Jugoslawien grenzte an Italien, Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland und Albanien und hatte eine lange Küste am Adriatischen Meer mit zahlreichen Inseln.

Der Nordosten des Landes war relativ flach, der Rest des Landes eher gebirgig. Höchster Berg war der Triglav (2864 m, in den Julischen Alpen nahe Jesenice), gefolgt vom Golem Korab (2753 m, im Korabgebirge, auf der Grenze zu Albanien westlich von Gostivar) und dem Titov Vrv (2747 m, im Šar Planina nahe Tetovo).

An der Grenze zu Albanien lagen drei große Seen: der Skutarisee, der Ohridsee und der Prespasee. Die Donau durchfloss den Nordosten Jugoslawiens (u. a. die Städte Novi Sad und Belgrad) und bildete einen Teil der Grenze zu Rumänien, das dortige Durchbruchstal wird als Eisernes Tor (serbokroatisch: Đerdap) bezeichnet. Wichtige Nebenflüsse der Donau in Jugoslawien waren die Drau (Drava), die Save (Sava) und die Morava.

Bevölkerung und große Städte

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Bevölkerungsentwicklung

Jugoslawien hatte 1991 rund 23,1 Millionen Einwohner.

1991 gab es 19 Großstädte. Die fünf größten Städte waren in alphabetischer Reihenfolge:

Größte Hafenstädte waren Rijeka, Split, Ploče, Bar und Koper.

Serbien und MontenegroSerbien und MontenegroSozialistische Föderative Republik JugoslawienSozialistische Föderative Republik JugoslawienSozialistische Föderative Republik JugoslawienKönigreich JugoslawienZweiter WeltkriegKönigreich JugoslawienKönigreich Jugoslawien

Königreich Jugoslawien (1918–1941)

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Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg entstand durch den Vertrag von Trianon vom 4. Juni 1920 das neugeschaffene Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. Der Vertrag von Sèvres diente anschließend nur noch der abschließenden Bestätigung, wobei der territoriale Neuerwerb Rumäniens und Jugoslawiens durch die Türkei anerkannt wurde, dem letztendlich auch die USA zustimmten (diese hatten vorher dem Trianon-Vertrag wegen der Benachteiligung Rumäniens nicht zugestimmt). Der neue jugoslawische Staat entstand aus den vorher unabhängigen Königreichen Serbien und Montenegro (unter Einschluss der von Serbien in den Balkankriegen 1912/13 erworbenen mazedonischen Gebiete) und Teilen Österreich-Ungarns, hauptsächlich Kroatien-Slawonien mit Dalmatien, das ehemalige Kronland Krain mit südlichen Gebieten der Kronländer Kärnten und Steiermark (heutiges Slowenien), sowie Bosnien, die Herzegowina, Teile des Banats und der Batschka.

Staatsoberhaupt wurde der serbische König Peter I. (Karađorđević). Von Beginn an war die politische Situation des neuen Staates geprägt von dem sich zuspitzenden Konflikt zwischen den nach Autonomie strebenden Teilstaaten und den großserbischen Nationalisten. Der Staat zeichnete sich durch Zentralismus aus. Der Autonomiegedanke hinsichtlich nichtserbischer Ethnien und anderer Religionen blieb weitgehend unterdrückt. Die ethnischen und die konfessionellen beziehungsweise religiösen Spannungen blieben bestehen und verschärften sich zum Teil noch. Das Scheitern eines politischen Ausgleichs führte schließlich zur Staatskrise: König Alexander I. setzte 1929 die Verfassung außer Kraft und errichtete die erste Königsdiktatur auf dem Balkan. Am 3. Oktober veranlasste er die Umbenennung des Staates in Königreich Jugoslawien (Kraljevina Jugoslavija).

Ab 1935 kam es zur Bildung einer profaschistischen Regierung unter Milan Stojadinovic (1888–1961). Sie wurde vor allem durch die Jugoslawische Nationalpartei und die Jugoslawische Radikale Vereinigung getragen. Ihre politische Orientierung erfolgte in Richtung Deutschland und Italien. Immer offener entwickelte sich das Land zu einem deutschen Vasallenstaat. Diesen eingeschlagenen Weg setzte 1939 die Regierung unter Dragisa Cvetkovic (1893–1969) noch extremer fort. Der Gipfelpunkt dabei war der unter äußerem Druck erfolgte Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt. Damit war zugleich das bisher Bündnis Jugoslawiens in der „Balkan-Entente“ zerstört. Am 25. März 1941 wurde durch einen Staatsstreich die bestehende Regierung gestürzt und eine Militärregierung unter General Simovic installiert. Diese schloss einen Freundschaftsdienst- und Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion ab und beendeten die wirtschaftliche Ausplünderung ihres Landes durch das Deutsche Reich. Um die damit im Balkanraum entstandene strategisch neue Lage rückgängig zu machen und sich weiter des jugoslawischen Territoriums für einen Angriffskrieg auf die Sowjetunion zu sichern griffen am 5. April 1941 deutsche und italienische Truppen Jugoslawien an.[4]

Mit dem damit begonnenen deutschen Balkanfeldzug im April 1941 wurde das Königreich Jugoslawien von NS-Deutschland und dem Königreich Italien besetzt und aufgelöst: Während Serbien als Vasallenstaat militärisch besetzt blieb, wurde Slowenien zwischen Deutschland, Italien und dem Königreich Ungarn geteilt, Kroatien (inkl. Bosnien und Herzegowina) zu einem großkroatischen, de facto faschistischen Vasallenstaat namens Unabhängiger Staat Kroatien, während Montenegro als Unabhängiger Staat Montenegro und einige weitere südliche Gebiete, die zum Königreich Albanien geschlagen wurden, italienisch besetzte Vasallenstaaten wurden. Am 8. Juli 1941 schließlich wurde das Ende der selbständigen staatlichen Existenz Jugoslawiens verkündet.

1942, noch unter deutscher Besatzung, hatten die Kommunisten das aktive und passive Frauenwahlrecht anerkannt.[5]

Föderative Volksrepublik Jugoslawien (1945–1963)

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Die AVNOJ-Beschlüsse vom 29. November 1943 legten noch während des Zweiten Weltkrieges den Grundstein für eine neue Föderation südslawischer Völker unter der Führung der Kommunistischen Partei Jugoslawiens (KPJ). Die nach Kriegsende von Josip Broz Titos kommunistischer Volksfront gewonnenen Wahlen führten am 29. November 1945 zur Gründung der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (Federativna Narodna Republika Jugoslavija), bestehend aus den sechs Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien. Das Land erhielt am 31. Januar 1946 eine nach dem Vorbild der Sowjetunion gestaltete Verfassung. Das Frauenwahlrecht wurde 1946 eingeführt.[6]

1948 distanzierte sich Tito immer mehr von der Sowjetunion und dem Ostblock. Es kam 1950 schließlich zum Bruch zwischen den Parteien, der bis zum Ende der Stalin-Ära andauerte. Tito verfolgte einen eigenen jugoslawischen Kommunismus, den sogenannten Titoismus. Jugoslawien näherte sich außenpolitisch dem Westen an und pflegte schon bald engere wirtschaftliche Beziehungen zu den kapitalistischen Staaten. Tito wurde zum Mitbegründer der antiimperialistischen Bewegung der Blockfreien Staaten, in der Jugoslawien eine führende Rolle einnahm.

Am 7. April 1963 wurde der Staat in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (Socijalistička Federativna Republika Jugoslavija), kurz SFRJ, umbenannt.

Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (1963–1992)

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Flagge der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien
Das Parlament in Belgrad, die Skupština

1974 wurden die Provinzen Vojvodina und Kosovo in einer neuen Verfassung (Artikel 2) zu autonomen Provinzen innerhalb Serbiens erklärt. Faktisch wurden sie dadurch zu Republiken aufgewertet, die Serbien nur formell unterstanden. Doch wurde ihnen im Gegensatz zu den Republiken kein Recht auf Selbstbestimmung (einschließlich des Rechts auf Sezession) eingeräumt. So bestand die SFRJ aus sechs Teilrepubliken (Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Slowenien) und zwei Autonomen Provinzen innerhalb Serbiens (Kosovo, Vojvodina).

Nach dem Tod Titos am 4. Mai 1980 übernahm das Präsidium der Republik die Regierungsgeschäfte. Die acht Mitglieder setzten sich aus je einem Vertreter der sechs Teilrepubliken und der zwei autonomen Provinzen zusammen. Immer mehr kam es jedoch zu Unstimmigkeiten, da die integrative Persönlichkeit Tito fehlte.

Zerfall Jugoslawiens ab 1991

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Das politisch zerfallene Jugoslawien (2008)

Außer in Serbien wurden in allen Teilrepubliken der SFR Jugoslawien nach durchgeführten demokratischen Wahlen Referenden über die staatliche Souveränität abgehalten. Bei jeweils sehr hohen Wahlbeteiligungen, allerdings vor allem in Kroatien und Bosnien-Herzegowina von den jeweils serbischen wahlberechtigten Einwohnern boykottiert, ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Slowenien (23. Dezember 1990): 88,2 % für die Unabhängigkeit, 5,38 % für Verbleib bei Jugoslawien (Wahlbeteiligung: 83,56 %)[7]
  • Kroatien (19. Mai 1991): 94,7 % für Unabhängigkeit, 4,29 % für Jugoslawien (Wahlbeteiligung: 93,46 %)[8]
  • Mazedonien (8. September 1991): 96,46 % für Unabhängigkeit („einen souveränen und unabhängigen Staat Mazedonien mit dem Recht, einer zukünftigen Union souveräner Staaten Jugoslawiens beizutreten“)[9]
  • Bosnien-Herzegowina (29. Februar/1. März 1992) 99,4 % für Unabhängigkeit, 0,6 % für Jugoslawien (Wahlbeteiligung: 63 %)[10]
  • Montenegro (1. März 1992): 3,14 % für Unabhängigkeit, 95,65 % für Jugoslawien (Wahlbeteiligung: 66,04 %)[11][12]

Belgrad versuchte die Unabhängigkeitsbestrebungen zuerst militärisch zu unterdrücken. So intervenierte die Jugoslawische Volksarmee (JNA) zuerst 1991 in Slowenien (10-Tage-Krieg) und daraufhin in Kroatien (Kroatienkrieg). Als dies jedoch misslang, verschoben sich die Kampfhandlungen zunächst auf die von Krajina-Serben beanspruchten Gebiete in Kroatien. Im Folgenden verlagerte sich der Krieg dann immer mehr nach Bosnien-Herzegowina (Bosnienkrieg). Letzten Endes gelang den drei Staaten aber die Durchsetzung der Unabhängigkeit. Die Unabhängigkeitsbestrebungen im Kosovo (Kosovokrieg) führten 1999 zu Interventionen der NATO auf dem gesamten Territorium der Teilrepublik Serbien, die schließlich die Einrichtung einer UN-Verwaltung in der Provinz bei bestehender Zugehörigkeit des Gebietes zur Bundesrepublik Jugoslawien zur Folge hatten.

Viktor Meier, Südosteuropa-Korrespondent für die Neue Zürcher Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, schrieb 1996, Jugoslawien sei keine „künstliche Schöpfung“ gewesen, „aber in dem Augenblick, da dieses Staatsgebilde unrealistisch und untragbar wurde, war es nötig, dies auch einzusehen“. Die internationale Anerkennung Sloweniens und Kroatiens Ende 1991 sei ein überfälliger Akt gewesen.[13]

Nachfolgestaaten von Jugoslawien

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Der Großraum Balkan
  • Slowenien (Unabhängigkeitserklärung im Juni 1991)
  • Kroatien (Unabhängigkeitserklärung im Juni 1991)
  • Nordmazedonien (Unabhängigkeitserklärung im September 1991)
  • Bosnien und Herzegowina (Unabhängigkeitserklärung im März 1992)
  • Montenegro (Unabhängigkeitserklärung im Juni 2006)
  • Serbien (formale Unabhängigkeitserklärung im Juni 2006)
  • Kosovo (Unabhängigkeitserklärung von Serbien im Februar 2008)

„Serbien-Montenegro“ (1992–2006)

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Ehemaliges Serbien und Montenegro

Die Vollversammlung der Vereinten Nationen beschloss am 22. September 1992 durch Mehrheitsbeschluss (Billigung von 127 Ländern bei 26 Enthaltungen und sechs Gegenstimmen), dass die aus Serbien und Montenegro bestehende Bundesrepublik Jugoslawien (BRJ) nicht automatisch die alleinige Rechtsnachfolge der SFRJ als Mitgliedstaat der UN antreten könne, sondern sich ebenso wie die anderen Nachfolgestaaten der SFRJ neu um die Mitgliedschaft bewerben müsse. Die BRJ durfte deshalb den Sitz der SFRJ in der UN-Vollversammlung nicht mehr wahrnehmen. Da die Bundesrepublik Jugoslawien sich weigerte, diesen Beschluss zu akzeptieren, verlor sie de facto ihren Sitz in der Vollversammlung; die Mitgliedschaft von Jugoslawien war ab 1992 suspendiert. Erst im Jahre 2000 wurde die BRJ, nachdem sie sich wie gefordert neu beworben hatte, wieder in die UN aufgenommen und der frühere jugoslawische UN-Sitz ihr wieder übertragen.

Mit der Annahme einer neuen Verfassung im Jahre 2003 benannte sich die Bundesrepublik Jugoslawien um in „Serbien und Montenegro“. Dies stellte das Ende des Begriffs „Jugoslawien“ als Staatsnamen dar. Nach einer Volksabstimmung am 21. Mai 2006 proklamierte Montenegro am 3. Juni 2006 seine Unabhängigkeit. Am 17. Februar 2008 erklärte sich die Provinz Kosovo für unabhängig, wobei ihr völkerrechtliche Status bis heute umstritten ist.

Gesamtüberblicke (weiterführende Literatur in den Artikeln der einzelnen Staaten)

  • Holm Sundhaussen: Jugoslawien. In: Konrad Clewing, Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Böhlau, Wien u. a. 2016, ISBN 978-3-205-78667-2, S. 440–447.
  • Sabrina P. Ramet: Die drei Jugoslawien: Eine Geschichte der Staatsbildungen und ihrer Probleme. München 2011.
  • Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60646-5.[14]
  • Holm Sundhaussen: Experiment Jugoslawien : Von der Staatsgründung bis zum Staatszerfall (= Meyers Forum. Band 10). BI-Taschenbuchverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1993, ISBN 3-411-10241-1.
  • Antun Barac: Geschichte der jugoslavischen Literaturen von den Anfängen bis zur Gegenwart. Harrassowitz, Wiesbaden 1977, ISBN 3-447-01874-7.
  • Udo Kultermann: Zeitgenössische Architektur in Osteuropa. DuMont, Köln 1985, ISBN 3-7701-1554-6.
  • Ljiljana Blagojević: Modernism in Serbia. The elusive margins of Belgrade architecture, 1919–1941. Inst. za književnost i umetnost, Belgrad 2003, ISBN 0-262-02537-X.
  • Wolfgang Thaler, Maroje Mrduljas, Vladimir Kulic: Modernism in Between – Architecture in Socialist Yugoslavia. Jovis, Berlin 2012, ISBN 978-3-86859-147-7.
Commons: Jugoslawien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Jugoslawien – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Adriatic Notes Will be Revealed to Public Today. In: Washington Evening Star. 26. Februar 1920, abgerufen am 27. Mai 2023 (amerikanisches Englisch, Digitalisierung in der Datenbank Chronicling America der Library of Congress).
  2. Vgl. dazu die offizielle Webseite über die UN-Mitgliedstaaten.
  3. Michael Forster: Nation Building durch die internationale Gemeinschaft. Eine völkerrechtliche Analyse der Verwaltungsmissionen der Vereinten Nationen im Kosovo und in Ost-Timor. 1. Auflage. Cuvillier, Göttingen 2005, S. 134 f.
  4. Weltgeschichte, kleine Enzyklopädie, Leipzig 1971, S. 313ff.
  5. Marie-Janine Calic: Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert Verlag C.H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60645-8, S. 167
  6. Jad Adams: Women and the Vote. A World History. Oxford University Press, Oxford 2014, ISBN 978-0-19-870684-7, Seite 438
  7. Izviješće o provedenom referendumu. (deutsch: Bericht über das durchgeführte Referendum). Wahlkomitee für das Referendum, 22. Mai 1991, archiviert vom Original am 27. Februar 2012; abgerufen am 19. Mai 2021 (kroatisch).
  8. Beat Müller: Slowenien, 23. Dezember 1990 : Unabhängigkeit. In: sudd.ch. 23. Dezember 1990, abgerufen am 2. Januar 2024.
  9. Dieter Nohlen, Philip Stöver: Elections in Europe: A Data Handbook, 2010, S. 1278.
  10. Jürgen Elvert (Hrsg.): Der Balkan. Steiner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-07016-8, S. 256.
  11. Referendum na pola – Referendum 1992 Montenegro
  12. Im Unabhängigkeitsreferendum in Montenegro 2006 sprachen sich schließlich 55,5 % für eine Unabhängigkeit des Landes aus.
  13. Michael Thumann: Der Weg in den Krieg. In: Die Zeit, Nr. 6/1996; zit. n. Viktor Meier: Wie Jugoslawien verspielt wurde. C.H. Beck, München 1995 (Beck’sche Reihe 1141).
  14. Ljiljana Radonic: Rezension.

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