FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1987 » No. 406-408
Dubravko Kolendić

Das größte jugoslawische Abenteuer

Kein anderes Thema, nicht mal die dreistellige Inflationsrate, unzählige Streiks, Rückgang des Lebenstandards, nimmt — abseits von „Agrokomerc“ — in den jugoslawischen Medien (vor allem in Serbien) mehr Raum ein als das Thema „Kosovo“.

„Heute ist das wichtigste nicht, was Jugoslawien mit Kosovo machen kann, sondern was wird Kosovo aus Jugoslawien machen“ — so stellte die Frage und Befürchtung der bekannte Belgrader Kolumnist Aleksandar Tijanić, welcher hinzufügt, daß das „größte jugoslawische Abenteuer schon sieben Jahre dauert und daß es die Zukunft des gesamten Staates bestimmen wird.“

Laut Stane Dolanc „bedroht die Kontrarevolution auf Kosovo mit ihrem Ziel, ein ethnisch reines Kosovo herzustellen, das nationale Bestehen und das Leben der Serben und Montenegriner in dieser Provinz, und ist eine der größten strategischen Gefahren für die Integrität des gesamten Staates Jugoslawien“ — und Dolanc sollte es wissen: zur Zeit des Ausbruches der „kontrarevolucija“, im Frühjahr 1981, war er Bundessekretär für Innere Angelegenheiten und jetzt ist er Mitglied des Präsidiums der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien.

Das „größte jugoslawische Abenteuer“ dauert ununterbrochen seit 1981, aber die Anfänge und Ursachen gehen viel weiter zurück: in die Jahre 1974, 1968, 1966, 1945 ... bis hin zum verhängnisvollen Jahr 1389, als auf dem Kosovo polje (Amselfeld) das christliche, feudale Serbische Heer eine große Niederlage von den vordringenden Moslems (Osmanen) erlitt.

Seither ist Kosovo der nationale Mythos der Serben, welche wahrscheinlich als einzige Nation alljährlich der Niederlage vor sechs Jahrhunderten gedenken — denn es war diese Niederlage, welche die Geschichte der folgenden 500 Jahre bestimmt hat und Serbien, damit auch große Teile des heutigen Jugoslawien, von den Entwicklungen im restlichen Europa abgeschnitten hat.

Kosovo ist aber auch der Mythos der Albaner — dort wurde vor 110 Jahren die Prizrener Liga gegründet (1878), mit dem Ziel der ethnisch-nationalen Einigung und Befreiung unter dem Zeichen des Halbmondes.

Bevölkerung Kosovos

(in Tausend, Stand jeweils 30. Juni)

1955 842
1905 1.075
1975 1.406
1985 1.762

In Jugoslawien leben heute an die zwei Millionen Albaner, mit der höchsten Geburtenrate von ganz Europa. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung ist fast 9% und damit größer als der Anteil einiger slawischer Nationen, z.B. der Montenegriner, Mazedonier oder Slowenen.

Die Provinz ist weiterhin die unterentwickelste Region Jugoslawiens, mit den wenigsten Beschäftigten und (prozentuell) den meisten Arbeitslosen. Trotz großer Investitionen in die Wirtschaft, besonders in den letzten 20 bis 25 Jahren, sind die Erfolge nur relativ, weil sie sich, wegen der hohen Geburtenrate, nur ganz wenig als Steigerung des Pro-Kopf-Einkommens ausgewirkt haben. Außerdem handelte es sich hauptsächlich um große, investitionsintensive Projekte (Basisindustrie), die riesige Mengen (vor allem ausländischen) Kapitals verlangten. Jetzt ist die Zeit gekommen (seit 1980), die Tausende von Dollarmillionen zurückzuzahlen — und die Wirtschaft Kosovos (hierin keine Ausnahme im hochverschuldeten Land) hat nicht einmal genügend Dinare für die Löhne ihrer Arbeiter, welche ohnehin am schlechtesten bezahlt in Jugoslawien sind.

Durchschnittlicher Netto-Monatgehalt
Vergleich Slowenien-Kosovo

(Stand Juni 1987, alle Angaben in Dinaren: 1 Sch. = 50 din.)

  Slowenien Kosovo
Textilindustrie: 135.947 57.270
Gebäckindustrie: 191.421 73.089
Gesundheitswesen: 191.421 86.269

Die einzigen Ausnahmen, wo Kosovo nicht am unteren Ende der Lohntabelle steht, sind die Einkommen von Angestellten in den Verwaltungs- und Parteiorganen. Die Provinzbürokratie hat sich — gemessen am Nettoeinkommen — in der stabilen, „goldenen“ Mitte eingenistet: hinter Slowenien, Kroatien und Serbien (ohne Provinzen), aber vor Makedonien, Montenegro und Bosnien und Herzegowina.

(Alle Daten: Publikationen des Statistischen Bundesamtes Jugoslawiens, 1986,
1987.)

Auf Grund der fast gänzlich autonomen und autochtonen (oft willkürlichen) Planung, oder was unter Planung gemeint war, hat die politisch-ökonomische Spitze der Region in den letzten 20 Jahren Projekte in Gang gesetzt, die keine wirtschaftliche Rechtfertigung hatten und nur wenige neue Arbeitsplätze schufen. Um den Druck der anschwellenden arbeitslosen Jugendmassen zu dämpfen, wurden die Türen der Hochschulen (vor allem der geisteswissenschaftlichen Fakultäten) weit geöffnet. Kosovo hat prozentuell noch immer mehr Studenten als das für jugoslawische Maßstäbe hochentwickelte Slowenien.

Schulwesen
Anteil von Schülern/Studenten in der Provinz Kosovo (abgeschlossen)

Jugoslawien= 100

Abgeschlossene Achtjährige Schule
1955 3,8
1965 4,8
1975 8,1
1985 10,6
Abgeschlossene Mittelschule
1955 1,8
1965 3,0
1975 6,0
1985 7,6
Abgeschlossenes Hochschulstudium
1964 0,3
1974 3,6
1984 6,7

1945 waren 74% der Bevölkerung Kosovos Analphabeten. 1981 gab es auf der Uni-
versität in Pristina 26000 immatrikulierte ordentliche Studenten, doppelt soviel wie
1941 in ganz Jugoslawien.

Zuwachs des Sozialproduktes auf je 100 Dinar Wirtschaftsinvestitionen

  Kosovo Slowenien Jugoslawien
1961-1970 17,0 35,4 26,8
1971-1984 7,8 18,4 15,6

Entwicklungsstufe

(Jugoslawien = 100)

  Kosovo Slowenien
Arbeiter auf 1000 Einwohner (1985) 43 155
Arbeiter auf je 1000 Arbeitsfähiger (1985) 52 156
Sozialprodukt per capita (1984) 26 201
Brutto Investitionen per capita (1984) 60,7 174,2

Nachdem die lokale Politokratie schon die wirtschaftliche Macht hatte, wurden Forderungen laut nach einer dazugehörigen politischen (All-)Macht; der Rahmen einer autonomen sozialistischen Provinz wurde zu eng. So kam es zu den großen Schüler- und Studentendemonstrationen im Frühjahr 1981, mit der offenen Forderung: „Kosovo — Republik!“ ...

Die Region Kosovo (bis 1974 war die offizielle Bezeichnung: Kosovo und Metochien) war vom 10. bis zum 15. Jahrhundert hauptsächlich von Slaven (Serben und anderen) besiedelt und befand sich unter der Herrschaft makedonischer, serbischer und montenegrinischer Fürsten und Monarchen. Im Jahre 1455 wurden die serbischen Dynastien von den Osmanen aus der Region vertrieben, bis Kosovo und Metochien 1912, nach den Balkankriegen, wieder Bestandteil Serbiens, und später Jugoslawiens, wurden.

In den fast fünf Jahrhunderten osmanischer Herrschaft haben nur ganz wenige Slaven den Islam angenommen, dagegen aber die überwiegende Mehrheit der lokalen albanischen Bevölkerung: der Islam garantierte den Konvertierten mehrere wichtige Vorteile: vor allem größere persönliche Sicherheit, aber auch die Sicherheit des Eigentums und andere Privilegien. Die christliche Mehrheitsbevölkerung spürte am eigenen Körper Nachteile des „Nicht-Angehörens“: Zwangsmilitärdienst, höhere Steuern und Abgaben, Beamtenwillkür.

Die Geschichte kennt mehrere Massenaussiedlungen der Serben aus der Region, besonders nach den mißglückten Volksaufständen Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts. Die verlassenen Höfe und Dörfer wurden von Albanern besiedelt, welche bis dahin die unwirtlichen Gebirge bewohnten. Das dauerte bis 1912, als die Region wieder an Serbien angegliedert wurde. Besonders nach dem Ersten Weltkrieg notierte man eine Kehrtwendung — viele Serben und Montenegriner wurden in diese fruchtbare Ebene kolonisiert, da es jetzt zu Massenaussiedlungen von Moslems kam.

Als gleichzeitig mit den Balkankriegen auch der unabhängige Albanische Staat entstand, blieben an die 30% seiner ethnischen Bevölkerung innerhalb eines anderen Gemeinwesens, welches, außerdem, schon im Namen nur die slawischen Nationen hatte (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen) und somit eindeutig zeigte, daß es sich nicht viel um (slawische oder nichtslawische) Minderheiten kümmerte.

Mit der Entstehung Albaniens zerbrach die Idee eines großen, einheitlichen, ethnisch reinen albanischen Staates, was notwendigerweise zur Entstehung und Stärkung des Irredentismus führte. In der Zwischenkriegszeit, in welcher die Idee des Irredentismus weit verbreitet war (Deutschland, Ungarn, Italien) stützten sich die albanischen Nationalisten und Irredentisten auf eben diese faschistischen Staaten und erwarteten deren Angriff und Zerstückelung Jugoslawiens, zu der es 1941 auch kam. Das schon früher von Italien okkupierte Albanien „annektierte“ jetzt Kosovo und Metochien — und somit kam es zum ersten Mal zur Verwirklichung der Ideen und Träume der Prizrener Liga.

Die nationalistischen, feudalen und klerikalen Kräfte der Albaner in Jugoslawien feierten die italienische Okkupation als Befreiung. Die Italiener spielten sich gut in diese Rolle ein: gleich wurden Schulen in albanıscher Sprache organisiert (was im Königreich Jugoslawien unmöglich war), es wurden lokale Behörden geschaffen und mit Albanern besetzt, wiederum wurden serbische Grundstücke an Kollaboranten verteilt (die Mehrzahl der Serben und Montenegriner flüchtete in andere Landesteile).

Der politische Feinsinn und die List der Okkupanten hat die Kosovo-Albaner in eine „falsche historische Richtung“ gestürzt (so Prof. Dr. Branko Horvat). Den Rest hat der gegenseitige nationalistische Haß getan.

Aus diesen Gründen war Kosovo die einzige Region, in der es während des Volksbefreiungskampfes in Jugoslawien der Kommunistischen Partei nicht gelungen ist, eine Massenbasis für den Volksaufstand herzustellen. Die überwiegende Mehrheit der Kommunisten und Partisanen waren Serben und Montenegriner, welche sich als Ziele und Opfer des faschistischen und nationalistischen Terrors verstanden. In Kosovo gab es während des ganzen Krieges kein befreites Gebiet, was es zu einer eigentümlichen Ausnahme in Jugoslawien macht.

Vielmehr, Anfang 1945, als das Volksbefreiungsheer die feindlichen Truppen aus fast ganz Jugoslawien vertrieben hatte, kam es auf Kosovo zu einem konterrevolutionären Massenaufstand, an dem über 30.000 gut bewaffenter Albaner teilnahmen. Die meisten waren schon für die jugoslawische Armee rekrutiert und warteten darauf, an die Front geschickt zu werden. Die Rädelsführer waren fast ausschließlich ehemalige Quislinge (Freiwillige der italienischen Milizeinheiten, Polizeispitzel, Beamte der Okkupationsverwaltung), welche mit Recht Prozesse, Rache und Vergeltung fürchteten. Von faschistischer und antikommunistischer Propaganda geführt, an der auch viele islamische Geistliche eifrig mitgeholfen haben, gingen die Aufständischen in den Kampf gegen die neue jugoslawische Regierung.

Diese antwortete kurz und klar: über die ganze Region wurde das Kriegsrecht verhängt und den lokalen Behörden starke Militäreinheiten zu Hilfe geschickt. Es kam zu regelrechten Kämpfen mit hohen Verlusten, besonders auf der Seite der Aufständischen. Erst kürzlich veröffentlichte einer der damaligen Militärkommandanten, General Drljević, Details über das Ausmaß der Kämpfe und Vergeltungsaktionen seitens der Militärverwaltung. Er schrieb von Hunderten von Toten, von vernichteten albanischen Dörfern, Massenverhaftungen.

Somit traten Kosovo und Metochien und seine albanische Bevölkerung in den neuen jugoslawischen Staat mit einer schweren Hypothek, von welcher sie noch immer nicht befreit sind und welche tagtäglich in vielen Büchern und Zeitungsfeuilletons (besonders in Serbien) aufgefrischt und wiederbelebt wird.

Das sind die Grundlagen dessen, was Jugoslawien seit Jahren als das Kosovo-Trauma oder -Syndrom erlebt: manche Teile und Nationen weniger, andere aber um so stärker und empfindsamer.

Für ihr Verhalten während des Zweiten Weltkrieges wurde den Albanern die Kollektivverantwortung angelastet wie es bei keiner anderen Nation in Jugoslawien der Fall war (mit Ausnahme der Volksdeutschen). Der amtliche Antialbanismus der frühen Nachkriegsjahre in Kosovo und Metochien wurde oft verschleiert durch tatsächliche Greueltaten der faschistischen Okkupanten und deren Helfershelfer gegen die slawische Bevölkerung. Trotzdem, oder gerade deswegen, bekam die Region einen autonomen Status innerhalb der Republik Serbien und es war die herrschende Meinung, daß mit dem Sieg der Revolution in Jugoslawien, aber auch in Albanien, sich bald alle Probleme lösen würden, auch das nationale. Trotzdem blieben immerhin fast 40% aller Albaner außerhalb der nationalen Staaten. So kam es zur Konfrontation des historischen und des ethnischen Prinzips in der Lösung der nationalen Frage.

In der Region kamen in die führenden Positionen lokale Serben und Montenegriner, Vorkriegskommunisten und Partisanen, weil den Albanern nicht allzu viel Vertrauen geschenkt wurde. Somit hatte die eigentliche Minderheit — die slawische Bevölkerung — mehr Macht, vor allem in den Staatsorganen und der Partei, als die mehrheitliche Volksgruppe.

Diese erste Entwicklungsphase dauerte bis 1966. Damals beschloß das Zentralkomitee des Bundes der Kommunisten, auf dem bekannten Plenum von Brioni, einen schicksalhaften Umbruch in der Politik, vor allem der Innen- und Wirtschaftspolitik. Es begann die sogenannte Liberalisierungsphase in Partei und Staat, die in der Verfassung von 1974 kulminierte. Die neue Politik verdammte den überholten strengen Zentralismus und beharrte auf größeren Rechten für die Republiken/Provinzen.

Auch in Kosovo kam es zu großen und wichtigen Veränderungen, vor allem auf personellem Gebiet: In die führenden Positionen kamen Albaner statt Serben und Montenegriner; die autonome Provinz bekam, laut Verfassung, einen viel breiteren Spielraum und größere innere Kompetenzen.

Gleichzeitig wurde ein irrationaler (aber ziemlich logischer) Albanisierungsprozeß bemerkbar: er fing in den Kindergärten an, und führte über Schulen bis zum Arbeitsplatz. Kleine Kinder wurden in Albaner und „restliche“ geteilt, die albanische Sprache wurde (entgegen der Bundesverfassung) als offiziöse Sprache in Administration und Kultur forçiert, bessere Arbeitsplätze waren nur mit albanischen Sprachkenntnissen zu bekommen, albanische Kader hatten absoluten Vorrang in Verwaltung, Wirtschaft, Kultur ...

Vergleichender Anteil Kosovos und Sloweniens

Jugoslawien = 100

  Kosovo Slowenien
Staatsgebiet 4,2 7,9
Bevölkerung (1985) 7,6 8,3
Aktive Bevölkerung (1981) 3,7 9,8
Industriearbeiter (1985) 3,3 12,9
Landwirtschaftliche Bevölkerung (1981) 8,9 4,0
Arbeitslose (1985) 10,0 1,4
Investitionen (1984) 4,6 14,4
Sozialprodukt (1984) 2,4 15,4
Industrieproduktion (1984) 2,3 18,2
Landwirtschaftsproduktion (1984) 2,6 7,8
Ausfuhr (1985) 2,0 20,0
Einfuhr (1985) 1,7 17,2

Mit der Verfassung von 1974 wurde die Provinz Kosovo „konstituierendes Element der Förderation“, was die Region de facto einer Republik (in diesem Fall Serbien) gleichstellte — an und für sich absurd: ein Bestandteil ist dem Ganzen gleichgestellt. Somit entstand eine beständige Quelle des Konfliktes der Interessen zwischen der Republik und deren Provinz. Die Republik bemüht sich erfolglos, den Status der zwei Provinzen (die andere ist Vojvodina) auf die Autonomie zu beschränken, während beide Provinzen mit ziemlichem Erfolg bemüht sind, ihren „republikanischen“ Status zu legalisieren. Wenn zu den Konflikten der machthabenden Strukturen (Bürokratien) noch nationale Differenzen hinzugefügt werden — entsteht als Resultat eine potenziell sehr gefährliche und destabilisierende Situation.

Diese nationale Euphorie einer jungen und vitalen Nation stimmte zeitlich überein mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage und dem Auswuchern der Arbeitslosigkeit, nicht nur in dieser Provinz, sondern im ganzen Staat. Laut Prof. Horvat war das „ein Resultat einer falschen wirtschaftlichen Politik im ganzen Lande“.

In einer emotionell geladenen Atmosphäre, bei Unterbrechung normaler kultureller Kommunikationen; in einer Situation, in welcher sich Kosovo immer mehr in ein wirtschaftlich-kulturelles Ghetto verwandelte, wurden die wirtschaftliche Unterentwickeltheit und Isolation als Diskriminierung seitens der slawischen „Einkreisung“ irrational erlebt.

Entwicklungsindex 1984:1955

  Kosovo Slowenien Jugoslawien
Bevölkerung 204 125 131
Arbeiter 476 250 287
Sozialprodukt:
Total 464 531 483
per capita 227 424 369
Physischer Umfang der Produktion:
Industrie 967 769 945
Landwirtschaft 311 213 214
Physischer Umfang im Verkehr:
Waren 1.900 847 721
Personen 12.075 580 452

Somit wurde der Boden für eine fruchtbare nationalistische und irredentistische Propaganda vorbereitet, welche — weil romantisch und vielversprechend — von den regionalen Machthabern geduldet und sogar angespornt wurde. Die slawische Minderheit begann sich als zweitklassig zu betrachten, besonders angesichts der vor 15 bis 20 Jahren verlorenen Machtposition.

In der Provinz sind politische Subjekte zu „Eingeborenen“ geworden (so Prof. Dr. Žarko Puhovski), denn sie sind in den jeweiligen nationalen Status (Serbe — Albaner) eingeboren und können überhaupt nicht aus diesem Zustand ausbrechen. Es handelt sich dort um eine Art politischen Rituals: alle politischen oder ideellen Unterschiede verwischen, es kommt zur nationalen Einigung, welche als einzige Garantie der persönlichen Interessen verstanden wird. Diese These bekommt eine wichtige Unterstützung von der nicht berührten Struktur und Autorität der Familie, der Sippe, des Stammes ... Es scheint, als ob es nicht mehr zum Dialog kommen könnte.

Die Staats- und Parteiführung Jugoslawiens hat sich in den vergangen 6 bis 7 Jahren öfters mit der Situation auf Kosovo beschäftigt — aber selbst auf dieser höchsten Ebene scheint der Dialog schwer zu sein. Vereinfachungen, Tabuisierungen, Einseitigkeiten, Hartnäckigkeiten sind Merkmale der Diskussion, die keine mehr ist — denn alle Seiten haben schon gesagt, was sie zu sagen hatten ... Mit dieser Konstatierung werden Stimmen laut, daß die Zeit gekommen sei, endlich zu handeln! Rezepte werden kostenlos verschrieben, nach denen „dort“ (gemeint ist Kosovo und seine albanische Bevölkerung) alles innerhalb kürzester Zeit geregelt sein kann. Man brauche nur eine starke Hand!

Kosovo ist nicht nur ein serbisches oder jugoslawisches Problem: leicht könnte es als Vorwand für eine Internationalisierung benutzt werden. Albanische Nationalisten sprechen von der Einigung mit Albanien — diese wäre eine große Herausforderung nicht nur für Jugoslawien, sondern auch für ganz Europa. Damit wären die Beschlüsse der KSZE für nichtig erklärt — welche, nebenbei gesagt, Albanien nicht anerkannt hat. Aber das gehört zu einem anderen Thema.

Heute ist es wichtig zu sehen, was Kosovo aus Jugoslawien machen wird!

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
1987
, Seite 18
Autor/inn/en:

Dubravko Kolendić:

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