Kindheit
Beiträge
Die Wildgänse Zu einer gewissen Zeit brachten es die Umstände mit sich, daß ich fast jeden Sonntag nachts, gegen zehn Uhr etwa, über den Heldenplatz zu gehen hatte; und zwar kam ich von meinem Vater aus der Josefstadt und war auf dem Wege zu meiner Mutter, bei der ich in der Innern Stadt (…)
Wien VII. Westbahnstraße 3, 3. Stock, Tür 11: Zimmer, Küche, Kabinett — da wohnten vor dem Ersten Weltkrieg mein Vater, meine Mutter, deren alte Mutter, unser Dienstmädchen Anna Waldbrühl und ich, das Kind. Anna ging noch vor 1920 von uns weg, zurück in ihren Heimatort Klein-Neusiedl, dort lebt (…)
Wer jung verheiratet ist, merkt es noch nicht. Die ersten Wochen und Monate haben die beiden genug mit einander zu tun, um sich nicht zu langweilen, und sie finden das Alleinsein in der Zweisamkeit schön. Irgendwann aber merken sie, wie sehr sie das Verheiratetsein von ihrem Bekanntenkreis (…)
Wie leben die Kommunekinder?
Das Echo auf den I. Teil war selbst nach FORVM-Maßstäben (wir sind diesbezüglich verwöhnt) außerordentlich. Die Wogen spießbürgerlicher Empörung gingen erstaunlich niedrig, vielleicht wegen des betont unlinks-unprovokativen, aber auch antisensationell-antiillustriertenhaften Dokumentarstils. (…)
aramis (peter sagmüller) malte, stellte erfolgreich aus, entwickelte dann besonderes interesse für psychoanalyse und pädagogik. das bundesheer brachte ihn fast ums leben (vgl. seinen text „lieber sterben“ im NF, Dez. 1970, „kleine österr. soldatenzeitung“). wir drucken hier seinen (…)
Zu Siegfried Bernfeld: Antiautoritäre Erziehung und Psychoanalyse. Band I-III.‚ hsg. von Lutz von Werder und Reinhart Wolff. März Verlag, Frankfurt 1970. Der Begriff „antiautoritäre Erziehung“ ist über Nacht Mode geworden, das Aufrücken eines Buches mit diesem Titel von dem Engländer A. S. (…)
aramis (peter sagmüller) malte, stellte erfolgreich aus, entwickelte dann besonderes interesse für psychoanalyse und pädagogik. das bundesheer brachte ihn fast ums leben (vgl. seinen text „lieber sterben“ im NF, Dez. 1970, „kleine österr. soldatenzeitung“). wir drucken hier seinen (…)
Kindergarten und Schule sind die Kehrseite des Fabrik-Systems. Die Überwindung der „antiautoritären Phase“ durch die Linke legt den Blick frei auf die Strukturen hinter dem Autoritätskonflikt. Das Kinderladen-Problem ist nicht mehr der Angelpunkt der Welt, sondern das Tor zu einer sozialen (…)
Der Begriff der „Fähigkeit“ hat im Lauf der Zeit einen Wandel durchgemacht, der an seiner Geltung zweifeln läßt. Der Adel sah seine bessere Begabung durch den Akt der Geburt hinreichend bewiesen, die Bourgeoisie glaubte in ihrer liberalen Hoch-Zeit an die Naturkräfte der Auslese in freier (…)
Ob die Schwarzen eine niedrigere Intelligenz haben als die Weißen, ist immer noch ein beliebtes Konversationsthema amerikanischer Intellektueller. Ähnlich für südeuropäische Arbeiter in unseren Breiten. Beides ist ein typisches Mittelstandsvorurteil gegen die Unterklassen. Der historisch exakte (…)
In Wien kommen 32 Kinder auf eine Kindergärtnerin. Unter diesen Umständen und angesichts von Erziehungszielen wie Ordnung, Sauberkeit und Gehorsam sowie der permanenten Verplanung aller Aktivitäten der Kinder findet eine autoritäre Erziehung statt, die den Anforderungen der Zeit (ja, selbst des (…)
Am Westrand von Wien, in Hadersdorf-Weidlingau, wurde vor kurzem ein Erziehungsheim für Kinder und Jugendliche eröffnet, das sich von herkömmlichen Heimen unterscheidet: die „Stadt des Kindes“; laut Prospekt ein „pädagogisches Experiment ohne Vorbild“. Dieses ehrgeizige Projekt wurde von der (…)
Die Giftgas-Katastrophe von Seveso, für die eine Tochtergesellschaft einer Tochtergesellschaft von Hoffmann-La Roche verantwortlich ist, hat einen anderen Skandal um einen anderen Schweizer Multi in den Hintergrund gedrängt: den Prozeß Nestlé contra Arbeitsgruppe Dritte Welt in Bern. Ein (…)
Konrad Wünsche: Die Wirklichkeit des Hauptschülers. Berichte von Kindern der schweigenden Mehrheit, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main 1979, 126 Seiten, DM 4,80, öS 37,50 In einem Ozean von Büchern über Schule, Schüler, Lehrer, Schulreformen, Didaktik und Pädagogik stellte Konrad (…)
Alice Miller: Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst, 182 Seiten, DM 19,80, öS 150,50. Am Anfang war Erziehung, 322 Seiten, DM 28, öS 213. Du sollst nicht merken. Variationen über das Paradies-Thema, 392 Seiten, DM 34, öS 258,50. Erschienen 1979-1981 im (…)
Nur mehr 7% Analphabeten in Österreich — eine schöne Kennziffer für die Bilanz von 200 Jahren allgemeiner Schulpflicht. J.J. macht sich für eine Rede vor der Schulgemeinde Bellach im Kanton Solothurn weitergehende, vielleicht auch weiterführende Gedanken. Liebe Zuhörer, zuerst möchte ich Ihnen (…)
Anton Benya und seine Kindheit. — Peter Handke im „jour fixe“ am 17. Mai 1984, FS 2.
Die Angst vor einem Atomkrieg, die nukleare Bedrohung, ist ein Tabuthema zwischen Eltern und Kindern. So lautet eines der wichtigsten Ergebnisse internationaler Untersuchungen in Ost und West über die Frage, wie wir mit der Atomkriegsgefahr leben. Bereits in den frühen sechziger Jahren konnten (…)
Ich habe hier den Killinger eins, das österreichweit verbreitete Sprachlehrbuch. Mit seiner Hilfe gehe ich wie jedes Jahr daran, die Aphasien der in den Bergen aufgewachsenen Kinder zu überwinden: ihr Stammeln, ihr Haarsträuben, den Druck in den Schultern. Es wird im ersten Jahr nur Teilsiege (…)
Die Charakterstruktur der faschistischen Masse liegt nach wie vor ın jenem Dunkel, das die Scheinwerfer älterer und neuerer Bauart — vom immer noch beliebten „Kleinbürger“ bis hin zu den schon wieder vergessenen „Männerphantasien“ — um sich herum verbreiten. Die folgende Annäherung sucht (…)
Wenn Sie mich so direkt fragen, Herr Rat — ich weiß nicht. Es gibt keine kurze, klare Antwort auf diese Frage. Warum ist jener junge Mann dort, den Sie mir als meinen Sohn ans Herz legen, zu dem gefährlichen, scheinbar allen moralischen oder vernünftigen Argumenten unzugänglichen Banditen und (…)
Der Wille zur Macht ist ein Naturinstinkt, er entspricht ganz dem ursächlichen Impuls alles Seins, das ein Beharren, ja ein Aufstand gegen das Vernichtende ist. Ein Kind wird geboren als reiner Wille, der nichts von sich weiß, sein Schreien ist ein Protest gegen seine Hilflosigkeit, die es zum (…)