Zeitschriften » FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1993 » No. 473-477
Ursula Kubes-Hofmann • Maria Windhager

Stimmbruch der Frau

Die Einstellung der KPÖ-Zeitschrift Stimme der Frau blieb, trotz 48-jähriger Geschichte, weitgehend unbemerkt und unwidersprochen. Mit Ursula Kubes-Hofmann, Redakteurin des verbliebenen Blattes und Proponentin eines Nachfolge-Projekts, sprach Maria Windhager.

Maria Windhager: Die Entstehungsweise der Schlußnummer machte einen würdigen Abschluß unmöglich. Was war los?

Ursula Kubes-Hofmann: Am 9.2.1993 verkündete die ZG-ZeitungsgesmbH das Aus für die Stimme der Frau und für den Salto. Ich erfuhr von der Einstellung an meinem Kurort. Ich konnte zwar nicht weg, plädierte jedoch sofort für einen öffentlichen Protest. Die Herausgeberinnen und Bärbel Danneberg wollten, aus Angst mißverstanden zu werden, nicht an die Öffentlichkeit gehen; sie waren offensichtlich völlig paralysiert. Für den Salto hat es im Gegensatz dazu die typische Männerlobby gegeben, die sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt hat. Das hat mich sehr aufgeregt, weil damit etwas typisch Weibliches, nämlich das Nichtwichtignehmen dessen, was man macht, transparent wird. Zumindest erwirkten sie aber Ende Februar die Finanzierung einer Schlußnummer.

Anfang März sandten wir eine Bitte um Solidarität und einen vorformulierten (an die KPÖ adressierten) Protestbrief an die KPÖ an die AbonnentInnen, die mit ihrer Unterschrift den Protest und ein mögliches Nachfolgeprojekt unterstützen konnten. Ich hatte diese Schreiben in Absprache mit den Herausgeberinnen verfaßt. Bärbel Danneberg kannte den Inhalt. Kurz darauf gab es erste Reaktionen innerhalb der KPÖ, die sich gegen das Protestschreiben richteten. Letztlich ging es darum, daß man einen geprügelten Hund, nämlich die KPÖ, nicht noch mehr schlagen dürfe. Ab diesem Zeitpunkt zog sich Bärbel Danneberg, die Bundesvorstandsmitglied dieser Partei ist, wie sie sagte, aus familiären Verpflichtungen aus dem Schlußnummer-Projekt weitgehend zurück. Seitens der Geschäftsführerin der KPÖ-Wirtschaftsbetriebe wurde plötzlich der Redaktionsschluß vorverlegt. Signalisiert wurde mit aller Deutlichkeit, daß ich mir meine Existenz als Redakteurin für die Schlußnummer zu „erknien“ hatte, obwohl ich unbezahlt arbeitete. Mir ging es aber darum, die Geschichte der Stimme der Frau zu dokumentieren und zugleich für ein neues feministisches Medium zu motivieren.

Nach Beendigung des Layouts wurde der von mir mit dem ZG-Geschäftsführer vereinbarte Drucktermin nicht eingehalten. Brieflich wurde mir und den Herausgeberinnen lediglich mitgeteilt, daß Eigentümervertreterinnen, die es bis dato nicht gegeben hatte, und eine Chefredakteurin, die es seit der Neukonstruktion des Impressums de facto nicht gibt, für sich das Recht in Anspruch nehmen würden, auf einen Artikel von mir in der Schlußnummer zu entgegnen, mit der Begründung, daß es sich um die letzte Stimme der Frau handeln würde. Über Umwege erfuhr ich, daß Bärbel Danneberg, die den Inhalt meines Artikels selbstverständlich schon längst gekannt hatte, Brigitte Löw-Radeschnig (Geschäftsführerin der KPÖ-Wirtschaftsbetriebe) und Margitta Kaltenegger (KPÖ-Sprecherin) ohne Wissen der Herausgeberinnen und meiner Person, vier zusätzliche Seiten mit Hilfe der ehemaligen Salto-Layouterin der Schlußnummer beigefügt hatten. In dieser Beilage wird vor allem meine Person in Verruf gebracht und das von mir initiierte neue Zeitungsprojekt gefährdet. [1] Dies ist alles so unglaublich, daß man eigentlich gar nichts mehr damit zu tun haben will.

Du kritisierst in diesem Artikel die Strukturen in der KPÖ. War das der Anlaß für diese Beilage?

Um es auf den Punkt zu bringen und diese ungustiöse Geschichte abzuschließen: Da der Rücklauf der Unterstützungserklärungen für ein mögliches Nachfolgeprojekt doch relativ hoch ist und ich mit meiner Person und Initiative in erster Linie dahinter stehe, wird versucht, diese UnterstützerInnen nochmals zu spalten, indem lächerliche Personenkampagnen und Unwahrheiten ausgestreut werden. Im Grunde findet die Infantilisierung, die ich in meinem Artikel benenne und beschreibe, weiterhin statt, indem Frauen das eigentliche öffentliche Anliegen, nämlich gemeinsam ein unabhängiges feministisches Nachfolgeprojekt fortzuführen, zu unterlaufen trachten. Fraktionierung, Spaltung und Personalisierung sind repressive Mechanismen, die landläufig unter den Begriff Loyalität subsumiert werden. Dies ist nicht Privileg von kommunistischen Parteiangehörigen, sondern in anderen partei- und institutionellen Zusammenhängen ebenso vorzufinden. Daß mein Artikel solche Wellen in Kommunistinnen-Kreisen schlagen kann, bestätigt lediglich seinen Inhalt. Daß eine Juristin, die Geschäftsführerin der KPÖ-Wirtschaftsbetriebe ist, zivil- und medienrechtlich belangbare Inhalte dieser im nachhinein verfaßten Beilage nicht richtigstellt und korrekt entgegnen läßt, spricht für ihr mangelndes Ethos als Juristin. Einem rechtlich geprüfter Entgegungsvorschlag unserseits, der beim Versand der Schlußnummer beigelegt werden sollte, wurde ihrerseits nicht stattgegeben.

Und wie geht es weiter?

Das Nachfolgeprojekt wird es geben, unabhängig davon, was die KPÖ-Frauen vorhaben. Für den Herbst ist eine Null-Nummer geplant, die im wesentlichen die bisherige Blattlinie — links, feministisch, offensiv — fortführen und ein Medium für selbstbewußte und kritische Frauen bleiben wird. In der Schlußnummer habe ich sehr genau argumentiert, weswegen solch ein feministisches Medium nicht nach den üblichen marktwirtschaftlichen Kriterien funktionieren kann und daß andere Wege der Realisierung beschritten werden müssen.

Worum ging es Dir eigentlich ursprünglich in der Stimme?

Unter anderem darum, gemeinsam mit Bärbel Danneberg, die Stimme auch ökonomisch zu autonomisieren. Darüber gab es mit ihr Konsens von Anfang an. Ich hätte sonst nicht in dieser Redaktion gearbeitet. Inhaltlich habe ich versucht, eine Verbindung zwischen feministischer Wissenschaft und Forschung und der täglichen Betroffenheit der Frauen in den unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen zu ermöglichen, indem neben Sozialreportagen auch feministische Hintergrundanalysen auf höchstem Niveau Platz fanden. Ebenso ging es um eine kritische Auseinandersetzung mit der offiziellen Frauenpolitik in Österreich, um Gen- und Reproduktionstechnologien, um Formen feministischen Widerstandes, und um weibliche Avantgarde in allen Bereichen der Kunst.

Außerdem war und ist es mir feministisches Anliegen, die Ernte einer Saat sichtbar zu machen, d.h. eine jüngere politisch engagierte Frauengeneration, die von den Errungenschaften der Neuen Frauenbewegung auch profitiert. Welches Bewußtsein hat sie, wie reflektiert sie patriarchale Phänomene und Machtstrukturen in allen Lebensbereichen. Mir geht es immer um Wissen als Machtkritik und nicht primär um Vernunftkritik, die von vielen Feministinnen so verstanden wird, als hätte man sich für das Gefühl zu entscheiden. Die reflektierte Komplexität von Machtstrukturen in Verschränkung mit politischen Phänomenen und Ereignissen hat sich auch in der Textqualität niedergeschlagen. Die Stammleserinnenschaft der früheren Stimme der Frau konnte dem sozusagen nicht mehr folgen.

Insoferne dokumentiert die Entwicklung der Stimme der Frau einen Bewufstseinssprung?

Die ursprünglichen Eckpfeiler der Stimme der Frau waren: Antifaschismus, Friedenspolitik und ein bißchen Emanzipation, sozusagen die Anliegen der berufstätigen und familienbezogenen Frau nach sozialistischer Programmatik. Erst 1976, nachdem der Bund Demokratischer Frauen die Herausgeberinnenschaft übernommen hatte, ist die Stimme der Frau ein bißchen moderner geworden. Vom Feminismus selbst war allerdings weit und breit keine Spur. Erst in den achtziger Jahren wurde deutlich, daß auch Kommunistinnen nicht ganz an den Inhalten der Neuen Frauenbewegung und des Feminismus vorbeigehen konnten. Prinzipiell sei in aller Offenheit gesagt, daß in der KPÖ ein bestimmter Kulturbegriff nicht einmal bewußt, sondern automatisch vertreten wird. Stellt man diesen in Frage, wird mit Verunsicherung und Irritation reagiert. Es wird nicht mehr über Inhalte gesprochen, sondern alles, was anders ist, auf das Vertraute hin überprüft.

Wie hat sich das in der Stimme der Frau ausgewirkt?

Es ging darum, andere und aus der jahrzehntelangen feministischen Theoriebildung abgeleitete Formen des reflexiven Umgangs mit patriarchaler und kapitalistischer Frauenausbeutung aufzuzeigen; und das, das möchte ich betonen, wurde vor allem von Bärbel Danneberg und von ganz wenigen BDF-Frauen goutiert. Es ging mir aber auch darum, Widerstand als Lebensform sichtbar zu machen und jüngere Frauengenerationen anzusprechen. Weniger in ihren Anpassungswünschen, sondern mehr in ihrem aufmüpfigen Potential. Selbstverständlich war in dieser Partei immer eine gewisse Lustfeindlichkeit Programm, was unter anderem dadurch zum Ausdruck kam, daß Kritik an Bärbel Danneberg geübt wurde, wenn manchmal auch über weibliche Sexualität in diesem Medium geschrieben wurde.

Was war die Kritik?

Sie kam vor allem von älteren KPÖ-Frauen, die meinten, daß es besser wäre, über fehlende Kindergärten zu schreiben und sich für den Mutterschutz einzusetzen. Das geschah ohnehin. Das Stereotyp der familienbezogenen Frau, die in dieser Gesellschaft berufstätig ist, wird auch von Kommunistinnen zum Ausgangspunkt ihrer Frauenpolitik genommen. In einer jüngeren Frauengeneration hingegen rankt sich der Kampf um ein „emanzipatorisches“ Aquivalent, nämlich das der alleinstehenden Mutter. Historisch gesehen mißt sich der sogenannte Fortschritt offizieller frauenpolitischer Programme und Strategien hinsichtlich ihrer Wirksamkeit zur Gesellschaftsveränderung daran, wie gesellschaftlich und sozialpolitisch mit den alleinerziehenden Müttern umgegangen wird. Neuerdings, im internationalen Vergleich gesehen, in der Tat wieder schlechter, da die Frau in der Familie und am Herd, besonders in den ehemaligen Ostblockländern traurige Urständ’ feiert. Nach dem BRD-Verfassungsurteil zur Abtreibung wird nochmals deutlich, daß der Frauenleib mehr denn je öffentlicher Ort der Verfügbarkeit patriarchaler Interessen bleibt. Denn die gesellschaftliche Mehrheit bilden Frauen, die zu gebären wünschen oder geboren haben. Indirekt stützen auch „fortschrittliche, linke“ Frauen konservative Frauenpolitik auf diese Weise ab, indem sich ihre Politik letztlich doch auf eine biologistische Argumentationsbasis zurückführen läßt, selbst wenn sie die offensichtlichen Formen des Biologismus kritisieren. Auch feministische Argumentationen stilisieren den Bauch oft zum besonderen Gut und die Gebärfähigkeit zur Allmachtsphantasie gegen lebensfeindliche Umweltzerstörung.

War die Finanzierung durch die KPÖ immer nur für ein Jahr gesichert?

Ja. Und dieses Jahresbudget hatten der KPÖ-Finanzreferent und der Bundesvorstand zu bewilligen. Für das Jahr 1993 fehlten 600.000 öS. Das Geld für 1993 fehlte u.a. deswegen, weil die knappeste Kalkulation inklusive zweier ganztagsbeschäftigter Redakteurinnen ca. 3 Mio. betragen hätte. Weder gab es Werbebudget, noch eine Aufstockung der personellen Ressourcen, Innovation lief über persönliche Kreativität, nicht über Finanzierungsmöglichkeiten. Im Grunde kannten daher viele Frauen die Stimme der Frau gar nicht. Die KPÖ stellte sich schon damals auf den Standpunkt, daß wir mit dem Budget des vergangenen Jahres, also von 1991, auszukommen hatten. Die Summe von 2,257 Mio. Schilling war zunächst bewilligt worden. 5 Mio hätte die Stimme im Jahr gebraucht, um im deutschsprachigen Raum mittels gezielter Werbung bekannt zu werden. Entschieden wurde angeblich nach rein wirtschaftlichen Kriterien. Nach dem Einstellungsbeschluß gab es noch das telefonische Angebot an mich und einen Teil der Herausgeberinnen, die Hälfte der Mittel, also 1,1 Mio. eventuell für ein Nachfolgeprojekt zur Verfügung zu stellen, allerdings unter der Voraussetzung, das plötzlich ein Konzept einzureichen sei, wobei sich die KPÖ vorbehielte, aus mehreren Projektanträgen auszuwählen. Ein neues inhaltliches Konzept der Stimme der Frau lag seit Februar 1992 vor, desgleichen das Produkt. Ein neues Konzept für 1,1 Mio, um dieses wieder auf Rentabilität zu prüfen, nachdem die Stimme der Frau schon mit dem doppelten Betrag eingestellt wurde? — Mit Verlaub, papierln lassen muß man sich auch nicht von der KPÖ. Zuerst wurde knappest investiert, danach mit mangelnder Rentabilität argumentiert. Daß die KPÖ leugnet, daß es bei dieser Vorgangsweise um Machtpolitik geht, gehört zur üblichen Strategie von Geldgebern. Daß auch KPÖ-Frauen sich den angeblichen wirtschaftlichen Gründen dieser Partei beugen, wirft zumindest die Frage auf, welchen politischen Stellenwert sie ihrer eigenen Öffentlichkeitsarbeit beimessen. Inhalte, wie sie die Stimme der Frau in den letzten Jahren repräsentiert hat, werden künftig weder mit öffentlichen noch mit Parteigeldern finanziert. Für Denken und Widerstand gibt es kein Geld, und schon gar nicht für Frauen.

Es gibt doch noch Frauen, die in der autonomen Frauenbewegung und auch sonst an der Realisierung feministischer Politik mitgewirkt haben. Ich stelle mir die Frage, ob es nicht möglich ist, durch so ein Medienprojekt wieder eine Vernetzung herzustellen.

Darauf setze ich auch. Allerdings auf eine Vernetzung, die sich auf den gesamten deutschsprachigen Raum bezieht. Nach meinen Informationen gibt es ein Potential an feministischen Frauen, die sich durch Emma oder die üblichen Frauenmagazine nicht vertreten fühlen und differenziertere Leserinnenerwartungen mitbringen. Aber es gibt Frauen, die haben einen längeren Atem, und andere, die haben einen kurzen. Das muß man akzeptieren. Die gesellschaftliche Situation ist leider die, daß Frauen sehr schnell verbraucht sind, weil sie doppelt und dreifach so viel leisten müssen, um in dieser Gesellschaft zu existieren. Es geht darum, neue Frauengenerationen zu politischem Handeln zu motivieren und ein Diskussionsforum dafür zu schaffen. Politische Arbeit und Widerstand bedarf heute einer besonders resistenten Haltung gegenüber politischen und wirtschaftlichen Phänomenen, gegenüber der Faszination der Gewalt. Frauen sind ja in der Grauzone des Mitläufertums inkludiert. Ich möchte nur daran erinnern, daß die nationalsozialistische Ara unwidersprochen ihr frauenpolitisches „emanzipatorisches“ Programm durchgezogen hat. Damals wurde die berufstätige Frau als Ressource zum Aufbau des NS-Staates propagiert, danach das Mutterkreuz für Gebärmaschinen verliehen; heute werden wieder Frauen, die weibliche Karriere und Muttersein auf’s trefflichste verbinden können, zur Norm der Emanzipation.

Diesbezüglich gibt es also viel zuwenig Bewußtsein?

Ja und ich denke, daß das auch mit der mangelnden demokratischen und intellektuellen Kultur hierzulande zusammenhängt. Es gibt keine intellektuelle Kultur, keine des Freigeists und der Empfindungen für fundamentale Menschenrechte. Die wirklich denkenden Menschen, die die Katastrophen des 20. Jahrhunderts immer schon prophezeit haben, die sind ja seinerzeit aus diesem Land hinausgeschmissen worden. Die vorwiegend männliche Nachkriegsgeneration, die vermeint, hier intellektuelle Elite zu sein, ist eher machtgeil und homophil und hat keine Sensibilität für ihr unmittelbares Handeln gegenüber dem anderen Geschlecht. Gefördert werden daher eher junge Männer als junge Frauen. Echo hat sich selbst noch nicht dekonstruiert, der männliche Narziß spiegelt sich mit ihrer Hilfe nach wie vor im trüben patriarchalen Gewässer.

Was bedeutet das für Dich?

Denken und politisches Handeln sind ja kein geschlechtsspezifisches Privileg. Es ist doch lächerlich, daß nach so vielen Jahren Frauenbewegung und feministischer Forschung über strukturelle Gewalt gegen Frauen und männliche Machtstrukturen, über die längst thematisierten Zusammenhänge von Patriarchat und Nationalismus, von Rassismus und Sexismus, sich nahezu gar nichts in den weiblichen und männlıchen Köpfen geändert hat, vor allem bei jenen nicht, die Zugang zur Bildung haben. Durchgedrungen in diese Kreise ist lediglich, daß Frauen nun an einer fragwürdıgen Macht teilhaben können. Weiter geht das nicht. Die bewußte Reduzierung der Frauen in der Öffentlichkeit auf Frauenecken, auf Ghettos, auf eine ganz beschränkte Form der Betroffenheit und des Geistes, das ist es, was in diese Kreise vorgedrungen ist. Das Ergebnis ist die gänzlich unpolitisch denkende Karrierefrau. Wer heute noch immer ein weiblicher und männlicher Chauvinist ist, egal welchen Alters, der ist es in zehn Jahren auch noch.

Wie würdest Du weibliche Intellektualität definieren, im Gegensatz zur männlichen? Wo siehst Du da eine Differenz? Es geht ja auch darum, aus dem Erleben der Frauen, aus der persönlichen und täglichen Betroffenheit einen neuen Zugang zu finden, einen neuen Wissenschaftsbegriff, neue Erkenntnisse für die Frauenforschung. Welche Rolle nimmt da weibliche Intellektualität ein?

Ich habe keinen speziellen Begriff von weiblicher Intellektualität. Nach meiner Auffassung besteht die Differenz in der Verbindung von Eros und Denken. Die Enterotisierung des Denkens von Frauen repräsentiert immer noch den Rest der väterlichen Vergabe des Wissens. Dies ist der Preis, den die Töchter heute immer noch bezahlen. Dieser Rest gewandet sich ins modische Geschrei postfeministischer Attitüden oder in der Stagnation der larmoyanten Opfer-Täterdiskurse. Intellektualität, wie ich sie verstehe, ist radikale Machtkritik und damit Widerstandsform, die sich gegen die Anpassungsmacht im Sinne des weiblichen Karrierismus, wie auch gegen jede Form der Substantialisierung von Weiblichkeit entfaltet. Denn Intellektualität als „Rest“ der Vergabe väterlichen Wissens stört nicht, darüber kann beliebig verfügt werden. Im anderen Fall, besteht immerhin die Möglichkeit, sich der Verfügungsgewalt zu entziehen.

Das erweckt in mir das Gefühl, daß Frauen permanent in einem Exil leben?

Das ist der richtige Ausdruck. Seit Ingeborg Bachmann und Elisabeth Lenk ist längst verschriftlicht, daß Frauen die Parias dieser Gesellschaft sind. Bewußte Existenz daraus zu beziehen, ohne Schaden zu nehmen, die erst ermöglicht, an der Rekonstruktion der genommenen Würde durch eine patriarchale Gesellschaft und damit verbundenen individuellen Persönlichkeitsstrukturen zu arbeiten, ist noch kaum thematisiert.

Frauen sind noch in ihrer Fremdheit fremd und haben deshalb Probleme, daraus etwas zu beziehen.

Das ist die Ambivalenz weiblichen Daseins. Doch Frauen sind sich oft nicht einmal dieser Ambivalenz zwischen Fremde und Heimat bewußt. Virginia Woolf, und das ist lange her, hat das eigentlich ziemlich genau beschrieben. Diese beiden Gesichter einer Identität, die natürlich niemals zwei Gesichter hat, sondern viele. Es gehört für mich zu einer intellektuellen Kultur von Frauen, daß man sich dessen bewußt ist. Daß es nur Fragmente von Identitäten gibt, und Identität daher nicht als etwas Geschlossenes betrachtet werden kann. Da muß man sich natürlich in Unsicherheiten begeben. Es gibt Frauen, die tun dies in vielfältigster Weise. In der Wissenschaft, in der Kunst, in ihren von ihnen selbst geschaffenen Freiräumen, im täglichen Lebenszusammenhang. Für sie wird das neue feministische Medium ein Forum der Auseinandersetzung sein. Und für jene Frauen, die sich gerne darüber informieren wollen, was in dieser Gesellschaft für sie möglich und nicht möglich ist.

[1Insbesondere durch die folgenden Textstellen: „Und so ist es kein Zufall, daß es zum journalistischen ABC gehört, Gegenmeinungen einzuholen, wenn es um die Behauptung von Unkorrektheiten geht.

Diese und andere Vorgangsweisen (u.a. Umgang mit der Abokartei und einem neuen Stimme-Konto, worauf ich hier im Detail nicht eingehen möchte), und nicht zuletzt die bereits seit längerem bestehenden innerredaktionellen Konflikte haben mich bewogen, bei einem autonomen Nachfolgeprojekt nicht bzw. nur in begrenztem Maß mitzumachen, was entscheidend von den beteiligten Personen abhängt“ (Bärbel Danneberg, Nachsicht.)

„Im Zuge der Finanzprobleme der KPÖ wurden — wie wie auch in allen sonstigen Parteibereichen inklusive Massenkündigungen — die Mittel für die Stimme der Frau auf die Hälfte des bisherigen Budgets, und zwar auf 1,1 Millionen Schilling, zusammengestrichen. Somit war klar, daß die Zeitschrift unter den bisherigen Bedingungen und in gewohnter Form nicht erscheinen kann, auch wenn das die Stimme-Frauen autonom nicht wahrhaben wollten, bis die Wirklichkeit sie einholte“ (Brigitte Löw-Radeschnig, Schade und dennoch.)

Der im März zugesicherte Überdruck (ca. 700 Exemplare) der Schlußnummer wurde nicht ausgehändigt. „Dafür“ durfte Kubes-Hofmann 200 Exemplare beim Eigentümer käuflich erwerben. — Information/Bestellungen (neues feministisches Zeitungsprojekt und Stimme der Frau-Schlußnummer): Ursula Kubes-Hofmann, Salzergasse 29/5/9, 1090 Wien, Bank Austria-Kto-Nummer 648266203.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juli
1993
No. 473-477, Seite 44
Autor/inn/en:

Maria Windhager:

Ursula Kubes-Hofmann:

Philosophin und Literaturwissenschafterin, lebt und arbeitet in Wien.

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