FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1973 » No. 233
Lutz Holzinger

Anatomie des FORVM-Lesers

Ergebnisse der Leseranalyse 1973

Das erfreulichste Ergebnis der Fragebogenaktion war die ungeheuer hohe Quote von Antworten. Sie betrug rund 17%, während man in der Werbebranche mit Rücklaufquoten von maximal 5% rechnet.

Das Bild, welches sich aus den Einsendungen ergibt, dürfte repräsentiv für die NF-Leser überhaupt sein. Dies wird dadurch untermauert, daß die regionale Gliederung der Einsendungen weitgehend der effektiven Verbreitung der Zeitschrift entspricht:

Wien 33,94%
Niederösterreich 4,97%
Burgenland 0,56%
Oberösterreich 5,29%
Salzburg 3,53%
Steiermark 7,30%
Kärnten 2,56%
Tirol 4,49%
Vorarlberg 1,20%
Bundesrepublik Deutschland und Westberlin 28,65%
Schweiz 4,41%
Übriges Ausland 3,04%

Fraglich ist, ob die niedrige Quote von Einsendungen durch Frauen und Mädchen (10,27% der Antworten) Schlüsse auf die Zusammensetzung der Leser zuläßt.

Als Verhältnis zwischen Abonnenten und Käufern ergibt sich 77,52% zu 13,72%. In der tatsächlichen Verbreitungsform gibt es einen wesentlich höheren Anteil an Käufern. Das Ergebnis ist Ausdruck der stärkeren Verbundenheit der Abonnenten mit ihrer Zeitschrift.

28,67% der Abonnenten beziehen das NF seit 2 Jahren, 25,46% seit mehr als 3 Jahren. 12,11% seit 3 Jahren. In der letzten Zeit konnten 33,76% neue Abonnenten gewonnen werden (seit einem Jahr 17,20%, seit weniger als einem Jahr 16,56%).

Diese hohe Zuwachsrate ist dem hohen Anteil der Altersgruppe bis 25 Jahre mit insgesamt 83,69% zu verdanken.

-18 Jahre 3,17%
19-25 Jahre 45,71%
26-35 Jahre 34,81%
36-45 Jahre 7,99%
46-55 Jahre 5,10%
56-65 Jahre 1,69%
+65 Jahre 1,53%

Das NF wird je Heft am häufigsten von 2 Personen gelesen (41,65%); es folgen dann 1 Person (35,54%), 3 Personen (15,14%), 4 Personen (3,54%), 5 Personen (2,01%) und mehr Personen (1,45%).

Als Hauptgrund für das Interesse an der Zeitschrift wird die Thematik genannt mit 70,97%. An zweiter Stelle steht das Herausgeberprogramm mit 15,74%. Die weitere Reihung lautet: Berufserfordernis 5,22%, gesellschaftliche Stellung 2,25%, andere Gründe 4,51%, keine Angaben 1,27%.

Die häufigste Leseart ist „immer selektiv“ mit 32%, gefolgt von „fallweise den gesamten Inhalt“ mit 22,89% und „immer den gesamten Inhalt“ mit 13,12%. Das Interesse gilt folgenden Hauptthemen:

Marxistische Theorie 16,29%
Sozialer Wandel 14,85%
Kultur 11,76%
Außenpolitik 11,27%
Innenpolitik 10,54%
Bildung 8,94%
Religion 8,40%
Wirtschaft 6,96%

„Zu intensivierende Themen“:

Sozialer Wandel 13,64%
Bildung 12,87%
Marxistische Theorie 11,86%
Kultur 10,48%
Innenpolitik 10,06%
Wirtschaft 8,56%
Außenpolitik 6,37%
Religion 5,13%

Interesse für stehende Spalten und Charakteristika des NF:

Bücherschwemme 2,60%
Forum des Forums 2,03%
Comics 1,68%
Presseforum 1,32%
Forum-Kommentar 1,27%
Karikaturen 0,94%

Unter der Frage nach den „zu intensivierenden Themen“ ergab sich auch hier eine Verschiebung, und zwar wurden Comics und Karikaturen wesentlich stärker verlangt. Unter „anderen Themen“ wurden „Medienkritik“ und „Übergangsgesellschaften“ — in dieser Reihenfolge — ungewöhnlich häufig genannt.

Die Prozentsätze von Themen wie Marxistische Theorie und Wirtschaft nehmen mit steigender Altersstufe stark ab, bei Themen wie Religion und Innenpolitik stark zu. Die Akzeptanz der Themenbereiche Bildung, Kultur und Sozialer Wandel geht hingegen quer durch alle Altersgruppen.

„Bevorzugte Darstellungsformen“:

Analyse 30,40%
Essay 16,43%
Kommentar 14,68%
Reportage 13,32%
Interview 19,92%
Rezension 6,45%
Kurzkommentar 6,22%

„Zu intensivierende Darstellungsformen“:

Analyse 26,25%
Interview 16,99%
Essay 14,27%
Reportage 13,51%
Kommentar 10,61%
Kurzkommentar 8,13%
Rezension 6,28%

Während Analyse und Essay den Erwartungen der Leser entsprechend repräsentiert sein dürften, werden also Formen wie Reportage und Interview zu selten angewandt.

Der Großteil der Leser faßt die Lektüre der Zeitschrift als Information auf (45,87%). Es folgen Zeitkritik mit 25,92% und Meinungsbildung mit 24,13%. Der Rest verteilt sich auf Entspannung, Andere Angaben und Keine Angaben.

Die Frage nach der „generellen Übereinstimmung“ mit dem Herausgeberprogramm wurde wie folgt beantwortet:

immer 1,04%
oft 75,94%
selten 21,54%
nie 0,48%
keine Angaben 0,96%

Dabei zeigt die Aufschlüsselung der Ergebnisse nach Altersgruppen, daß die Zuwendung der ersten beiden Stufen („-18“ und „19-25“) stark über dem Durchschnitt und die der darauffolgenden stark darunter liegt. Die Übereinstimmung der Forumleser mit dem Inhalt der Zeitschrift sieht folgendermaßen aus:

vollkommen 20,44%
mäßig 55,65%
neutral 16,59%
fast nicht 5,21%
überhaupt nicht 0,80%

75,44% sind mit der graphischen Gestaltung zufrieden; 69,17% finden die Aufmachung des Heftes gut; nur 10,33% halten die Papierqualität für schlecht; 14,10% ist der Umfang des Blattes zu gering, 7,75% zu groß, während er den restlichen 78,15% als richtig erscheint; der Zeitabstand der Erscheinungstermine wird von 77,87% angemessen gefunden, 17,30% ist er zu lang und 4,83% zu kurz; der Preis der Zeitschrift ist 26,97% zu hoch.

79,10% der Leser sammeln die Hefte regelmäBig, 16,91% fallweise; 38,95% schlagen regelmäBig nach, 56,39% fallweise.

92,20% der Leser haben noch nie Kritik, Anregungen, Leserbriefe oder Beiträge eingesandt.

46,73% neuer Leser wurden durch die persönliche Empfehlung alter Leser zur Lektüre des Heftes gebracht. Die übrigen durch Probehefte (21,56%), Aushang in Kiosken, Buchhandlungen usf. (12,41%), Hinweise und Nennungen in der Presse (7,65%), Insertionen in Zeitungen, Zeitschriften und Büchern (5,46%), Plakate (3,40%).

51,45% der Leser können sich an keine Werbemaßnahmen erinnern.

Die Erreichbarkeit der Zeitschrift im freien Verkauf ist nur für 60,16% leicht. Dabei verteilt sich der Vertrieb relativ gleichmäßig auf Kioske, Trafiken und den Buchhandel.

Berufe der NF-Leser:

Student 44,26%
Mittlerer Angestellter oder Beamter 19,08%
Selbständiger oder freier Beruf 9,54%
Leitender Angestellter oder Beamter 9,38%
Unterer Angestellter oder Beamter 7,77%
Schüler 3,92%
Arbeiter 2,88%
Pensionist 1,76%
Hausfrau 0,88%
Lehrling 0,40%
Landwirt 0,08%

76,16% der NF-Leser studieren (48,13%) oder haben ein Studium abgeschlossen (28,03%). 13,29% besuchen die Mittelschule oder haben sie abgeschlossen, 5,26% verfügen über Grundschulbildung, ebenso viele über eine andere Ausbildung.

Das Bild der Einkommensverhältnisse der NF-Leser ist etwas verzerrt durch den hohen Studentenanteil. Dennoch ist erkennbar, daß die soziale Stellung der Leserschaft, was ja auch aus den Daten über Ausbildung hervorgeht, wesentlich über dem Durchschnitt liegt: 21,97% verfügen (real beziehungsweise umgerechnet) über ein Monatseinkommen zwischen 7.000 und 12.000 österreichische Schilling, 18,83% verdienen mehr als 12.000 öS im Monat. 16,04% (Studenten) haben weniger als 3.000 öS im Monat; 15,25% verdienen zwischen 5.000 und 7.000 und 13,60% zwischen 3.000 und 5.000 öS.

Die Zeitschrift ist somit vor allem kleinbürgerlichen Schichten verpflichtet, welche aufgrund ihres relativ hohen Ausbildungsniveaus ideologisch mobilisiert und politisch nach links gedrängt worden sind. Das geht auch daraus hervor, daß fast 14% der Einsender als Familienform, in der sie leben, die Wohngemeinschaft angeführt haben.

53,82% bezeichnen sich als politisch „stark“ engagiert, 40,42% als „schwach“ und 5,76% als „gar nicht“. Zuwendung der NF-Leser zu spezifischen politischen Parteien und Gruppierungen:

Sozialdemokratische Parteien 46,66%
Kommunistische Parteien 11,76%
„Radikale linke‘‘ Gruppierungen 9,28%
Konservative Parteien (ÖVP, CDU/CSU) 4,27%
„Freiheitliche“ Parteien (FPÖ, FDP) 1,81%

Subjektive Einordnung ins politische Spektrum:

ganz rechts — Mitte rechts 2,03%
Mitte 3,99%
Mitte links 22,98%
links 53,78%
ganz links 13,36%
keine Angaben 3,84%

Diese Ergebnisse bestätigen im wesentlichen die Aussagen über die politische Einstellung der NF-Leser in Zusammenhang mit ihrer Sozialstruktur: Das NF erscheint als das Organ des politisch emanzipierten Bildungsbürgertums. Schon von ihrer Konzeption her bleibt der Zeitschrift der Zugang zum Kern der Lohnabhängigen, dem industriellen Proletariat, völlig verschlossen.

47,87% sind Katholiken, 13,57% Protestanten, 1,36% haben ein anderes Bekenntnis, während 37,18% konfessionslos sind.

Der überwiegende Teil der NF-Leser rekrutiert sich aus dem großstädtischen Bereich: 64,69% „Großstadt“, 6,67% „Randgemeinde“ einer Großstadt. Der Rest verteilt sich auf Mittelstädte (12,95%), Kleinstädte (8,05%), Dorfgemeinden (7,65%).

Hauptinteressen der Leser, unabhängig vom Themenangebot der Zeitschrift:

Gesellschaft 26,13%
Politik 18,54%
Theorie 17,70%
Kultur 13,89%
Wirtschaft 9,91%
Naturwissenschaften 7,93%
Sport 2,59%

2,73% führten andere Issues an, 0,54% machten keine Angaben. NF-Leser benützen zu 67,41% regelmäßig den Hörfunk und 49,51% regelmäßig das Fernsehen als Informationsquelle. Nur 5,05% machten keine Angaben über regelmäßige Lektüre von Tageszeitungen.

Aus der Statistik ergibt sich ein relevantes Bild über die Lesegewohnheiten relativ hochgebildeter und sozial relativ gutgestellter Leute:

Titel Gesamt Wien
Kurier 29,54% 27,17%
Presse 23,35% 21,60%
Arbeiter-Zeitung 21,10% 20,82%
Kronen-Zeitung 14,92% 13,80%
Volksstimme 13,96% 12,36%
Frankfurter Rundschau 14,52%
Süddeutsche Zeitung 12,92%
Frankfurter Allgemeine 5,29%
Neue Zürcher Zeitung 4,25%

34,26% führten Lokalzeitungen und 16,45% andere überregional verbreitete Blätter an.

Zeitschriftenlektüre:

Spiegel 41,65%
Profil 21,26%
Konkret 11,63%
Pardon 11,15%
Tagebuch 11,15%
Trend 4,97%

55,45% nannten andere Zeitschriften und 7,62% machten keine Angaben.

Das hohe Bildungsniveau und Informationsinteresse der NF-Leser wird überdies dadurch bestätigt, daß jeder pro Jahr durchschnittlich 40 Bücher liest. Das ist eine Zahl, die turmhoch über dem gesellschaftlichen Durchschnitt liegt.

Das bildungsmäßige Interesse der NF-Leser steht auf der Grundlage eines relativ hohen materiellen Wohlstands: 87,15% besitzen eine Schreibmaschine, 85,31% einen Kühlschrank, 69,18% Telefon, 66,77% Auto, 63,31% Fernsehen (davon 7,30% Farbe) und 62,52% eine eigene Waschmaschine.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
1973
, Seite 10
Autor/inn/en:

Lutz Holzinger:

Jahrgang 1944, Dr. phil. (Germanistik), war Mitglied der KPÖ und Redakteur der Volksstimme sowie von Gründung bis Einstellung Chefredakteur des Salto. 1971/1973 war er Redaktionsmitglied des NEUEN FORVMS.

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