Zeitschriften » FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1993 » No. 473-477
Karl Pfeifer

Trotzkist und/oder faschistischer Propagandist

In meinem Artikel Der Präsident und die Juden (FORVM Dezember 1991) wies ich darauf hin, daß Kroatiens Präsident Dr. Tudjman sich in seinem Buch »Bespuca«, mit dem er u.a. den Holocaust verniedlicht, auf Dr. Ante Ciliga, der kurze Zeit im Ustascha-KZ Jasenovac angehalten war, beruft. Ciliga bezeugte, daß Jasenovac ein wahres Paradies war, das von Juden verwaltet wurde.

Georg Scheuer warf mir daraufhin „Unwissenheit oder Etikettenschwindel“ vor, weil ich seinen Freund Ciliga als Propagandisten der Ustaschafaschisten entlarvte.

„Ante Ciliga, einer der letzten überlebenden Linksoppositionellen der Trotzki-Generation“, wie Georg Scheuer in seinem Nachruf schreibt (»Die Linke«, 13. November 1992), ist in Zagreb gestorben. Scheuer geht auf die profaschistischen Schriften und Aktionen des Ciliga nicht ein, denn wer mit Scheuer befreundet war, kann und darf nicht profaschistisch und antisemitisch gewesen sein. Scheuer schreckt auch vor folgender Geschichtsverdrehung nicht zurück: „Ciliga war während des Krieges ständig auf der Flucht, von den Faschisten und Stalinisten ständig verfolgt. Er ist seinen revolutionären Ideen immer treu geblieben.“

Zum Glück ist die Wiener Nationalbibliothek nicht abgebrannt, denn sie bewahrt Ante Ciligas 1943 in Zagreb erschienenes Buch Deset Godina u Sovjetskoj Rusiji. In seinem Vorwort dazu schreibt ein gewisser Aleksander Seitz u.a.: „Leider ist ın unserer breiteren Öffentlichkeit wenig bekannt, daß vor ein paar Jahren Ante Ciligas Werk ‚Au pays du grand mensonge‘ in Paris veröffentlicht wurde.“ Seitz stellt Ante Ciliga in eine Linie mit ehemaligen Linken wie Pierre Laval, Jacques Doriot, Marcel Deat, Hendrik de Man, die alle mit den Nazis kollaborierten.

Für Scheuer bleibt Ciliga eine „hervorragende linksgerichtete Persönlichkeit mit Victor Serge, Pierre Monatte und Boris Souvarine“.

Laut Seitz konnte das Buch Ante Ciligas vor dem Krieg nicht in Kroatien publiziert werden, hatten doch „die Juden und Freimaurer den größten Teil des kroatischen Verlagswesens“ dominiert. Scheuer meint, namhafte Verlage weigerten sich „unter stalinistischem Einfluß“, das Buch herauszugeben.

Ante Ciliga — der von Scheuer als „Linksdissident“ gehandelt wird — wurde im 1943 erschienenen Buch als „wahrer kroatischer Intellektueller“ gepriesen. Ante Ciliga war eine schillernde Persönlichkeit, ein kroatischer Herr Karl, je nach Bedarf — Dr. Jekyll oder Mr. Hyde — ein trotzkistischer Linker oder ein Ustaschapropagandist.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juli
1993
No. 473-477, Seite 33
Autor/inn/en:

Karl Pfeifer:

Karl Pfeifer, Jahrgang 1928. Im Alter von 10 Jahren Flucht mit seinen Eltern nach Ungarn. Mit 14 gelingt ihm die Auswanderung nach Palästina, wo er nach einer Ausbildung im Kibbuz im israelischen Unabhängigkeitskrieg kämpft. 1951 kehrt er nach Europa zurück, arbeitet seit 1979 als Journalist in Wien, schreibt u. a. für die Wiener Illustrierte Neue Welt und die Berliner Wochenblätter Jüdische Allgemeine und Jungle World.

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