FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1991 » No. 445-447
Jörg Haider

Respekt, Anerkennung und auch Ansporn

Festrede zur „Friedensfeier“, Ulrichsberg, am 7. Oktober 1990 — ungekürzte Tonbandabschrift‚ mit redaktionellen Hervorhebungen.

MAYER:

Wir dürfen nun unseren Landeshauptmann, Herrn Dr. Jörg Haider, um die Festrede bitten.

HAIDER:

Sehr geehrte Landtagspräsidentin, Herr Militärkommandant, Herr Bürgermeister der Landeshauptstadt Kärnten, sehr verehrte Festgäste, Männer und Frauen, die Sie hierher gekommen sind, um mit uns heuer am Ulrichsberg ein würdiges Gedenken zu begehen!

Immer dann, wenn in Kärnten die Blätter sich verfärben, und der Herbst ins Land zieht, sind es tausende Menschen, die aus ganz Europa, und wie wir heute gesehen haben, aus der ganzen Welt hierherkommen, um ein würdiges und stilles Gedenken als Dank für die Heimkehr nach einem fürchterlichem Völkerringen abzugeben. Es sind Menschen, die hierherkommen, die aber nicht nur persönlich Dank sagen, daß ihnen das erspart geblieben ist, was vielen als Los zuteil wurde. Sondern es sind auch viele Menschen, die hierherkommen, um in einem stillen schmerzvollen Gedenken daran zu erinnern, daß sie das verloren haben, was ihnen das Wertvollste war, als Mann, als Sohn, als Familienmitglied. Und es kommen viele hierher, die auch jenen [!] unzähligen namenlosen Soldaten gedenken wollen, die in der Weite der Schlachtfelder Europas irgendwo gefallen sind, für die es kein Kreuz gibt, für die es kein Grab gibt und für die es bis heute kein Gedenken gibt. Und es kommen jene hierher, die auch miterlebt haben, oder daran denken wollen, daß in Gefolge der fürchterlichen kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa auch Vertreibung und Schmach für Millionen Menschen noch immer nicht in der Geschichte richtig gewürdigt wurde. Es ist aber nicht nur das stille Gedenken, das tausende Menschen zusammenführt, sondern es ist auch die Begegnung mit jenen, die einstmals auf der anderen Seite gestanden sind. Was die Mächtigen in der Politik und an den Staatsführungen bis heute nicht vermochten, nämlich einen dauerhaften, glaubwürdigen und überzeugenden Handschlag zwischen den Feinden von einst herbeizuführen, hat die Begegnung am Ulrichsberg durch das Zusammenführen der Feinde von einst geschafft. Der Handschlag ist über die Gräben des Krieges erfolgt. Und so steht es also geschrieben am Ulrichsberg als Vermächtnis der Heimgekehrten: „Siehe“, hat man mitgeteilt, „Vaterland, das haben wir dir zurückgebracht: Unsre Treue, unsre Tapferkeit, unsre Liebe, geweiht durch das Opfer von Zehntausenden. Es wird dir viel bedeuten müssen, heute und für alle Zukunft. “ Und fast hat es den Anschein, daß dieser Ruf und dieses Vermächtnis des Ulrichsber- — Ulrichsbergs auch wirklich erhöht worden ist. Denn das, was wir in den letzten Monaten miterlebt haben, ist etwas, was eine ganz gewaltige Veränderung dieser europäischen Landschaft darstellt. Und mit der deutschen Wiedervereinigung können wir auch sagen, daß auch politisch damit zum Ausdruck gekommen ist, daß das Ende der Nachkriegszeit nach 1945 tatsächlich eingeleitet wurde. Daß aber auch jenes beseitigt wurde, was immer wie eine Hypothek über diesem Europa lastete, nämlich jene schmachvolle Vereinbarung von Jalta, die eine Machtaufteilung in Reichs- und Machthälften in dieser Welt vorgenommen hat. Eine Entwicklung in Europa, die durch mutige Männer und Frauen, die bisher in Unfreiheit leben mußten, eingeleitet wurde, die aber nicht möglich gewesen wäre, wenn nicht ein klägliches Scheitern des Sozialismus im Osten Europas diese Entwicklung ermöglicht hätte und wenn nicht höhere Einsicht der Machthaber in diesen menschenverachtenden Systemen erkannt hätten, daß sie die Freiheit und die Zukunftsentwicklung dieser Menschen nicht mehr einschränken dürfen. Mit diesem Scheitern, mit dem Untergang der menschenverachtenden Unterdrückungssysteme in Osteuropa sind die Dämme gebrochen, ist die ideologische Zweiteilung, die wie ein Stich durch das Herz Europas gegangen ist, beendet worden. Die Chance, meine Männer und Frauen, auf einen dauerhaften Frieden in Europa ist größer geworden, wenngleich dieses Europa nicht sicherer geworden ist. Vieles wird von den kommenden Monaten und Jahren abhängen, wie diese neue Chance eines größer und freier gewordenen Europas zu nützen sein wird. Eines kann aber sicher sein: Europa hat erstmals nach dem Ende des zweiten Weltkrieges im wahrsten Sinne des Wortes zu sich selbst gefunden. Man hat aus der Geschichte gelernt, man hat gelernt, daß nicht die Angst, der Zweifel und das Mißtrauen zwischen den Völkern die Grundlage für einen dauerhaften Frieden sein kann [!]. Oder sagen wir es, wie es Präsident Havel sehr eindrucksvoll formuliert hat, wenn er meint: „Angst vor der Geschichte ist bei uns nicht nur Angst vor der Zukunft, sondern auch Angst vor der Vergangenheit.“ Ich würde sogar sagen, daß diese zwei Ängste sich gegenseitig bedingen. Wer das fürchtet, was sein wird, der fürchtet sich gewöhnlich auch davor, dem ins Gesicht zu sehen, was gewesen ist.
Und das ist der entscheidende Schritt in Richtung Versöhnung der Ereignisse, in Richtung Versöhnung auch der Heimkehrer mit jener Geschichte mit --- für die
sie gestanden sind: Wenn es die Chance gibt, auch stärker als bisher der historischen Wahrheit über die wirklichen Vorgänge des Krieges und der politischen Entscheidungsfindung Rechnung zu tragen. Denn wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß nicht alles, was in den letzten Jahrzehnten hier an angeblicher historischer Wahrheitsfindung produziert worden ist, auch dem entspricht, was wirklich das Schicksal, der Schicksalsgang Europas gewesen ist.

Der Erste Weltkrieg war eine Folge eines nicht mehr haltbaren südslawischen Nationalismus, der vor allem die große Vielvölkerfamilie in der österreichisch-ungarischen Monarchie auseinandergerissen hat. In der Folge wurde ein Fehler durch den anderen ersetzt, indem man in der Friedenskonferenz von Versailles und St. Germain der Zerstückelung und gegen jedes Selbstbestimmungsrecht verstoßenden Einteilung und Aufteilung Europas zugestimmt hat. Was dazu geführt hat, daß ins --- ideologische Maßlosigkeit und politischer Wahnsinn dieses Europa in eine nächste Katastrophe getrieben hat. Das Selbstbestimmungsrecht als die einzige Grundlage für eine dauerhafte friedliche Ordnung in Europa kam in dieser Zeit unter die Räder. Weil man nicht erkannte, daß es keinen Frieden, aber auch keine Freiheit für die Menschen — welches Volk auch immer — geben würde, wenn nicht das Recht auf Selbstbestimmung die Grundlage der gemeinsamen Entwicklung sei. Und so ist es auch an uns, nach Jahrzehnten des Endes des Zweiten Weltkrieges, und vielleicht gerade auch an mir als einem Vertreter der noch jüngeren Generation, der es erspart geblieben ist, diese fürchterlichen Ereignisse der kriegerischen Auseinandersetzungen selbst miterleben zu müssen, einmal hier festzuhalten, daß diese Soldatengeneration nicht nur nach 1945 in ganz Europa eine großartige Aufbauarbeit geleistet hat, sondern endlich endlich einmal davon frei gemacht werden muß, daß ständig die falsche Geschichtsschreibung den Eindruck zu erwecken versucht, als gäbe es so etwas wie eine kollektive Schuld der Soldaten (Beginn Applaus) Kollektive Schuld gibt es nicht! (Applaus Ende)

Unsere Soldaten waren nicht Täter, sie waren bestenfalls Opfer, denn die Täter saßen woanders und haben zu keiner Zeit der historischen Entwicklung im zwanzigsten Jahrhundert jenen Mut, jene Tapferkeit, jene Ehre aufbringen müssen, die die Soldaten im grauen Feldrock draussen an der Front täglich zu beweisen hatten. (Versuchter Applaus) Diese Soldatengeneration hat sich nichts vorzuwerfen, denn letztlich kann sie sich nur vorwerfen, in eine Zeit hineingeboren worden zu sein, in der sie ihre schönste Zeit, die Jugend, an eine Katastrophe verloren hat und in der sie aus dieser Jugend vielfach in Unfreiheit alt und grau geworden ist.

Meine Damen und Herren, nur wer die Friedlosigkeit selbst erlebt hat, weiß, wie notwendig es ist, Frieden zu halten. Nur wer selbst in Unfreiheit gelitten hat, weiß um den Wert der Erhaltung der Freiheit. Nur wer selbst Gewalt erdulden mußte, weiß um die Bedeutung der Menschenwürde als unverzichtbares Gut. Eure Opfer, Männer und Frauen der Soldatengeneration, sollen für dieses Europa daher nicht umsonst gewesen sein. Eure Opfer werden erst in den nächsten Jahren in das richtige Licht gerückt werden, weil an der Gesamtentwicklung dieses Europas deutlich gemacht wird, daß die Grundlage von Euch für Frieden und Freiheit gelegt wurde. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands ist ein erster Schritt gesetzt worden, aus dem ersichtlich ist, daß die Geschichte es nicht nur mit den Deutschen, sondern auch mit Europa gut gemeint hat und daß jene letztlich ihre Meinung revidieren müssen, die davon gesprochen haben, das Ziel und die Forderung nach einer Wiedervereinigung auch der Deutschen in einem Staat sei die Lebenslüge der Bundesrepublik Deutschland gewesen. Wer die Grenzfragen offen läßt — und das ist Gott sei Dank nicht geschehen — hätte die Tür zum europäischen Frieden zugeschlagen. Daher war es klug und weise, diese Wiedervereinigung ohne neuerliche Diskussion über gegebene Grenzen zu führen, weil sonst die Chance für den dauernden Frieden verloren gewesen wäre. Jetzt ist eine Chance für einen Frieden in Freiheit für alle gegeben, weil jener trügerische Friede in Unfreiheit durch Jahrzehnte hindurch zu nichts geführt hat. Dafür haben Sie gekämpft, dafür hat auch Ihre Generation sehr viel gegeben. Dafür mußte ihre Generation auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges persönlich sehr viel einstecken. Und es ist vielleicht auch an der Zeit, hier klarzustellen, daß in Zukunft auch die junge Generation und jene, die die Verantwortung in Europa zu tragen haben, gut beraten wären, wenn man nicht zwischen guten und schlechten Soldaten der älteren Generation unterscheiden würde. Denn es kann doch nicht so sein, daß jene, die auf der Siegerseite gestanden sind, als Helden gefeiert werden, während jene, die auf der Verliererseite gestanden sind, zu Verbrechern gestempelt werden. (Applaus)

Und es kann auch nicht so sein, daß man in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, wie das in unserem Land derzeit der Fall ist, daß es gegen den Zeitgeist wäre, Soldaten- und Kriegerdenkmäler auch weiterhin zu pflegen und ihnen die nötige Anteilnahme zukommen zu lassen. Wir erleben es, daß höchste Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, bis hinein in unsere Regierung, allen Ernstes die Meinung vertreten, man könnte Denkmäler, die an die Soldaten und Gefallenen der beiden Weltkriege erinnern, eigentlich schön langsam wegräumen. Das ist ein zweifelhafter Mut jener, die sich ohne ihr eigenes Zutun ins gemachte Nest der Demokratie und der Wohlstandsgesellschaft gelegt haben und nicht erkennen, wem sie das eigentlich zu verdanken haben. (Bravorufe) Das ist --- (Applaus) Das ist ein zweifelhafter Mut jener, die an ihren Schreibtischen Gedankengebilde erfinden — wie etwa die Historikerin Weinzierl (Gelächter im Publikum), die allen Ernstes der Meinung ist, daß dies nicht mehr zeitgemäß ist. (Unruhe im Publikum) Es wird die Zeit kommen, wo solche Historiker nicht mehr zeitgemäß sind, --- (unverständlich, geht im Applaus unter — Bravorufe, Applaus)

Den Toten und Gefallenen die Ehre zu erweisen, ist keine Modeerscheinung, meine Damen und Herren, sondern ist eine zeitlose Verpflichtung. Nur kulturlose Völker mißachten das Opfer ihrer Toten. Daher betrachten wir es als eine besondere Provokation, wenn vor wenigen Tagen in einer Broschüre, die anläßlich einer Schulfeier in Villach herausgegeben wurde, über den Ulrichsberg nachgedacht wird, und dies in einer Weise erfolgt, die einfach nicht hingenommen werden kann. An der HTL in Villach hat in dieser Schülerbroschüre der allseits bekannte Janko Messner (Unruhe im Publikum, Murren) die Meinung vertreten, daß jenes Vermächtnis, das ich heute vorgetragen habe, und das in einer Schrift am Ulrichsberg niedergelegt ist, raschest beseitigt werden sollte (Unruhe im Publikum, Murren). Nicht das Vermächtnis der Heimgekehrten sollte als Treue und Tapferkeit und Liebe, die zurückgebracht worden ist, formuliert werden, sondern er formulierte uns gleich die Alternative dazu, wenn er sagt: „Vermächtnis der Heimgekehrten — sollte heißen: Siehe, Vaterland, das haben wir Dir zurückgebracht: unsere angeschissenen Unterhosen, unsere wimmelnden juckenden Läuse, unsere heldenhaft bammelnden Stummelbeine, unsere lustig zuckenden Stummelarme, unser erloschenes Augenlicht, unsere infolge Schreckensstarre über Nacht ergrauten Haare, unsere zu frühen Kahlköpfe, geweiht durch irrsinnige Hekatomben, durch sauhatzmäßig geschlachtete Opfer des wahnsinnigen Gefreiten Hinkel, den der Kapitalismus Vorsehung und Schicksal hat spielen lassen.“

Meine Damen und Herren, geistige Freiheit ist in einer Demokratie etwas Selbstverständliches, aber sie findet dort ihre Grenzen, wo Menschen jene geistige Freiheit in Anspruch nehmen, die sie nie bekommen hätten, hätten nicht andere für sie den Kopf hingehalten, daß sie heute in Demokratie und Freiheit leben können. (Bravorufe, Applaus)

Daher möchte ich auch hier als Landeshauptmann klar sagen, daß wir Kärntnerinnen und Kärntner in der überzeugenden Mehrheit stolz sind, daß diese Begegnungsstätte Ulrichsberg in unserem Lande beheimatet ist und daß es große Persönlichkeiten des Landes Kärnten waren, die sich die Verdienste um die Errichtung und Entwicklung dieser Ulrichsberggemeinschaft erworben haben und daraus wirklich eine großartige europäische Begegnung für Frieden und Freiheit gemacht haben. Wir haben uns für niemanden, der hierherkommt, zu entschuldigen. Daher ist es auch unsinnig, ständig von jenen, die den Ulrichsberg organisieren und durchführen, zu verlangen, sie mögen sich von bestimmten Waffengattungen ehemaliger Armeen abgrenzen und diese von der Teilnahme ausschließen. (Unruhe im Publikum, Rufe: Ha!) Kein einziger Soldat — welcher Waffengattung auch immer, die im Zweiten Weltkrieg oder im Ersten Weltkrieg im Einsatz war — hat es verdient, von dieser würdigen Feier ausgeschlossen zu werden. Und niemand hat auch nur im entferntesten einen Grund, in unserem Lande, sich von diesen und ihrem Besuch zu distanzieren. Alle sind sie uns herzlich willkommen! (Applaus, Bravorufe)

Wir wollen nicht jene Zustände haben, wie sie in manchen europäischen Staaten an der Tagesordnung sind, leider auch in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik Deutschland, wo durch linke Demonstrationen von halbgebildeten Besserwissern Soldatentreffen verboten wurden, weil man sich dafür geniert hat, daß es diese ältere Generation noch gibt. Wir Kärntnerinnen und Kärntner, wir wissen, daß die Geschichte Respekt, Anerkennung und auch Ansporn sein muß, um eigenes Handeln an den geschichtlichen Vorbildern zu messen, Denn ohne unsere Verbundenheit mit dem historischen Wirken der Männer und Frauen in diesem Lande wäre die Entwicklung dieser Heimat auch anders verlaufen. Und daher sind wir stolz, daß wir heuer die 70. Wiederkehr jener Kärntner Volksabstimmung feiern, die das erste, leuchtende Fest des Selbstbestimmung eines Volkes in Europa nach Ende des Zweiten — nach Ende des Ersten Weltkrieges gewesen ist. Wir werden in würdiger Form diese 70. Wiederkehr der Kärntner Volksabstimmung begehen als ein Ereignis, das für Österreich von höchster Bedeutung war. Denn als noch andere darüber nachgedacht haben, ob sie überhaupt in diesem Restösterreich, das angeblich damals keiner war, sein wollen, haben die Kärntnerinnen und Kärntner mit der Waffe in der Hand dafür gesorgt, daß dieses Kärnten frei und ungeteilt bei der jungen Republik verbleiben konnte. (Beginn Applaus) Dieses Kärnten ist vorbildlich gewesen --- (Applaus Ende)

Dieses Kärnten ist vorbildlich gewesen für das Werden einer Republik in einem
stürmischen und in sich zerissenen Europa. Dieses Kärnten hat viel Anerkennung verdient, aber nicht erhalten. 70 Jahre war es notwendig zu warten, bis es uns gelungen ist, nach langen Diskussionen, den ehemaligen Abwehrkämpfern — und nur mehr wenige leben davon — und den tapferen Frauen des Abwehrkampfes endlich einmal auch die gebührende Auszeichung der Republik Österreich zuteil werden zu lassen. (Versuchter Applaus) Vor wenigen Tagen ist dieser feierliche Akt nun endlich vollzogen worden. Und wir freuen uns darüber, daß die wenigen, die das persönlich noch erleben durften, es stellvertretend für viele, die in der Zwischenzeit von uns gegangen sind, empfangen haben. (Versuchter Applaus) Das hätten wir schon früher erwartet, weil überall in der Welt ist es selbstverständlich, Freiheitskämpfer auszuzeichnen, zu ehren und ihre Tradition hochzuhalten, nur in Österreich muß man sich jahrzehntelang darum bemühen, daß jene Anerkennung finden, die für diese Republik gestanden sind und ihr Leben garantiert haben. (Beginn Applaus) Meine Damen und Herren, (Applaus Ende) die Geschichte erfordert langsam ihre Anerkennung und es ist notwendig, daß manches erst in die Hirne der Entscheidungsträger hineinkommt, was noch dort an Bildung nicht vorhanden ist. (Gelächter, Applaus) Daher werde ich auch — das habe ich immer deutlich gemacht —, daher werde ich auch in der Zukunft mich weigern, so wie man das in der Vergangenheit von mir haben wollte, die sogenannte Befeiungsmedaille der Republik Österreich an ehemalige Angehörige der Titopartisanen zu verleihen (Zurufe: Ho!), weil auf Kärntner Boden kein Feind dieses Landes ausgezeichnet werden wird, solange ich Landeshauptmann bin. (Besonders starker Applaus, Bravorufe.)

Wir haben allen Grund, Selbstbewußtsein und Patriotismus, wie er in Kärnten entstanden ist, auch für die gesamte Republik zu fordern. Denn letztlich kann nur auf der Grundlage einer gemeinsamen Überzeugung des Schutzes und der Schutzwürdigkeit unserer Heimat jenes Klima und jener Geist gedeihen, der auch im Krisenfall und auch im Bedrohungsfall dieses Landes durch die eigene Kraft sicher gestaltet. Wir haben es in der Hand, dieses Europa durch unseren Beitrag in eine friedliche und gute Entwicklung zu führen. (Versuchter Applaus) Wir haben es in der Hand, das Selbstbestimmungsrecht der Völker in einer Weise durchzusetzen, wie wir es uns vor Jahren noch nicht erträumt hätten und damit den Frieden auch mit einer falsch verstandenen Geschichtsschreibung zu machen. Der Ulrichsberg hat vielen Menschen Selbstbewußtsein zurückgegeben. Der Ulrichsberg hat auch klar bekundet, daß es keine voll Freiheit geben kann, wo nicht die volle Wahrheit der Geschichte Anerkennung findet und Farben bekommt (Beginn Applaus) Der Ulrichsberg --- (Applaus Ende) Der Ulrichsberg möge daher seine Aufgabe auch in Zukunft wahrnehmen und ausstrahlen, von hier durch jene Menschen, die tä- --- jährlich zu ihm kommen und jene erfassen, die bisher noch der Botschaft des Ulrichsberges für ein friedliches und freies Europa ihr Herz verschlossen haben. (Starker, nicht endenwollender Applaus, Bravorufe; Leute erheben sich.)

MAYER:

Auch wenn ich feststellen muß, daß ihr ein sehr unfolgsames Volk seid — wir haben nämlich ausgemacht, wir applaudieren nicht (Gelächter, Zurufe: Das bestimmen wir doch!) — aber ich versteh’s. Es findet nun die Kranzniederlegung statt.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1991
No. 445-447, Seite 21
Autor/inn/en:

Jörg Haider:

Lizenz dieses Beitrags:
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