FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1991 » No. 452-454
Gerhard Oberschlick

P.S: „Auch“, nicht „statt“

Diese Richterin ist fast unschuldig. Noch 1983 hatte sie ganz genau gewußt, daß sowas nicht strafbar sein kann, und hatte selbst die Einstellung des Verfahrens gegen mich vorgeschlagen, in der Ratskammer beim Landesgericht, die hat das Verfahren ganz ordentlich eingestellt. Der FPÖ-General beschwerte sich also beim Oberlandesgericht, und dieses sorgte dann erst — mit Bruch der Strafprozeßordnung und des Menschenrechts auf ein faires Verfahren — für meine Verurteilung entgegen dem Menschenrecht auf freie Äußerung meiner Meinung, für die, ergo, die Republik nun verurteilt ist. Da hat wohl das Oberlandesgericht die damals noch ganz gut gesetzeskundige Richterin umdressiert; sie wird, jugendlich (das OLG hat vielleicht schon), ergo abermals umlernen müssen.

Diesem Dr. Böhmdorfer hingegen gratuliere ich zu dem eleganten Sieg. Einen „Nazi“, möcht’ er, soll ich den Haider statt einen Sonstwiewas schimpfen, weil er wohl meint, daß ihnen das eher nützt, und um mich, wie weiland den Dr. Kreisky, von der nämlichen Richterin wieder aburteilen zu lassen. Also gut, wenn’s ihn freut, nehm’ ich zwar auch den „Sonstwiewas“ nicht zurück, sondern nütz’ ich ihm halt und setze das drauf:

Es gibt eine Bestrebung, für die Rede von einer „Auschwitz-Lüge“ nach deutschem Muster ein eigenes, kleineres Strafmaß einzuführen; zehn Jahre Haft nach dem Verbotsgesetz wären entschieden zu viel, weshalb die Geschwornengerichte immer freisprechen, und weil so eine Leugnung, die den Opfern noch ihre Würde als Opfer nähme, jedenfalls bestraft werden muß. Ja, und als mildernd, sage ich, darf man werten: wer die deutschen Täter von Auschwitz reinwaschen will, der hält solche Taten (andernfalls er eher deren Wiederholung propagierte) jedenfalls nicht für gut, und darin steckt doch wenigstens auch, daß er sie selbst verurteilen müßte, wenn er nur einsähe, daß sie wer tat. —

Dieser begnadetste Schimpfer von Österreich seit Thomas Bernhard selig hingegen, Jörg Haider, leugnet noch nicht einmal irgendwas von den Taten der deutschen Recken und internationalen Haudegen. „Mia is ollas ans, mia is ollas ans“, könnte er singen, aber abweichend von dem Liedchen — das garnicht so blöd ist — ist’s ihm nicht gleich, „ob i a Göld hob, oda kans“, sondern ob die alten Kämpfer hauend und stechend die Welt überfallen oder ob sie hauend und stechend die Welt nach dem Nazi-Überfall gerettet hatten. Gewiß, ohne Hauen und Stechen ging beides nicht ab. Wer aber sagt, „unsere Soldaten waren nicht Täter, sie waren bestenfalls Opfer“, sie hätten „für einen Frieden in Freiheit für alle“ gekämpft; der, sie alle ansprechend, behauptet, daß „für dieses Europa [...] die Grundlage von Euch für Frieden und Freiheit gelegt wurde“, und „diese Soldatengeneration hat sich nichts vorzuwerfen“ sagt, der setzt die herrliche Befreiungstat wegen ihrer auch grausigen Begleitumstände mit den per se entsetzlichen Unterdrückungshandlungen der Nazi gleich, macht sich somit einer Verherrlichung des NS-Raubkrieges schuldig, verherrlicht damit u.a. die verbrecherische Organisation SS — und also ist er, zumal als Straßenagitator, in meinen Augen auch ein wahrhaft gefährlicher Nazi.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juli
1991
No. 452-454, Seite 15
Autor/inn/en:

Gerhard Oberschlick:

Herausgeber der Print-Ausgabe des FORVM 1986-1995 und der Online-Ausgabe hier.

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