FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1995 » No. 495
Silvia M. Parsch

Meine lieben Zurückgebliebenen!

Elisabeth Kmölniger: Gott schütze Österreich!

Liebe Redaktion! Meine lieben Zurückgebliebenen! Man hat mich gefragt, was ich zur derzeitigen politischen Situation in Österreich zu sagen hätte. Ich war früher an innerösterreichischen Angelegenheiten sehr interessiert und immer sehr beunruhigt. Aber ich habe Österreich vor 10 Jahren verlassen und lebe jetzt in Sydney.

Es gab vor einigen Jahren eine sehr leidenschaftlich reagierende Minderheit in Österreich, die versucht hat, die Wahl Dr. Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten zu verhindern. Wir haben geglaubt, daß es genügen müßte, unsere lieben Mitmenschen nur ausreichend zu informieren und allen klar zu machen, wofür der Mann stand. Jeder kennt den Ausgang der Geschichte. Für mich hätte eine weitere praktische Opposition ein Verneinen der Demokratie bedeutet.

Da ich, wie zum Glück die meisten Menschen, an die Demokratie als die beste aller unvollkommenen Möglichkeiten glaube, muß ich annehmen, daß die Menschen das bekommen, was sie haben wollen. Sie wollten Waldheim, sie haben ihn bekommen — mit allen Konsequenzen. Warum sollte ich — nachdem ich für mich zu dieser Einsicht gekommen bin — irgendwen davon abhalten, sich für Jörg Haider zu entscheiden. Es wäre undemokratisch. Leider haben die Österreicher schon einmal erfahren müssen, daß man — durchaus demokratisch — katastrophale Fehler machen kann. Kann das aber bedeuten, daß es gerechtfertigt ist, der Mehrheit die Kraft der Entscheidung abzunehmen?

Zu Jörg Haider, seinen Bemerkungen zu verschiedenen Themen, seiner Erziehung und Ausbildung, ganz allgemein seinen Einstellungen zum Zusammenleben und zur politischen Zukunft in Österreich muß nichts mehr gesagt werden. Kein Österreicher kann die Entschuldigung für sich in Anspruch nehmen, daß er eine blinde Entscheidung treffen würde.

Österreich wurde 1994 von internationalen Pressestellen, zusammen mit Tschechien, als das rechtslastigste Land mit den meisten faschistischen Tendenzen in Europa befunden. Nicht Deutschland mit seinen Neo-Nazis, nicht Frankreich mit seinen fremdenfeindlichen Tendenzen und noch nicht einmal Italien, das zur Zeit der Erhebung mit einer recht einflußreichen Regierungsbeteiligung der Neo-Faschisten gesegnet war.

Meine persönlichen Konsequenzen aus der »Lage in Österreich« habe ich schon vor Jahren gezogen.

Have fun — Silvia M. Parsch — down under.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1995
No. 495, Seite 21
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