FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1994 » No. 481-484
George Leaman

Die Universitätsphilosophen der »Ostmark«

In »Heidegger im Kontext«‚ Argument-Sonderband 205, veröffentlichte G.L. Kurzbiographien der Philosophen im Deutschen Reich in den Grenzen von 1937; hier ergänzt er diejenigen auf dem Gebiet des heutigen Österreich, die Bearbeitung der übrigen besetzten Gebiete erhoffen wir noch.

Will man die Entwicklung der Philosophie in Österreich während der NS-Zeit verstehen, so gilt es, zwei Fragen zu beantworten. Erstens, in welcher Beziehung standen Philosophie und Nationalsozialismus damals zueinander, und zweitens, wie standen die österreichischen Philosophen zum Nationalsozialismus? Man kann diese beiden Fragen nicht voneinander getrennt behandeln und ich hoffe, mit einer teilweisen Antwort auf zweitere zur Beantwortung ersterer beizutragen. Dabei weise ich die Auffassung zurück, daß es im Kern des Nationalsozialismus so etwas wie ein einheitliches Theoriegebäude gegeben hat, das die Grenzen der politisch akzeptablen geistigen Aktivität bestimmt hätte. Ich schließe mich vielmehr der Meinung des Philosophen Hans Sluga an, derzufolge die Nazi-Weltanschauung »in Wirklichkeit ein Potpourri der verschiedensten und unverträglichsten Ideen« war. »Wenn Einheitlichkeit der Perspektive die notwendige Bedingung einer Weltanschauung ist, dann ... gab es die nationalsozialistische Weltanschauung eigentlich nie.« [1] Es gab, so Sluga, keine alleinige Philosophie des Nationalsozialismus; dieses Theorievakuum ermöglichte es Dutzenden mit dem Nationalsozialismus sympathisierenden Philosophen verschiedenster philosophischer Ausrichtung, in ihrem jeweiligen Werk die theoretischen Grundlagen des Nationalsozialismus zu suchen. Wenn wir uns diesen Standpunkt zu eigen machen, so hat dies unübersehbare Auswirkungen auf die Untersuchung der philosophischen Wurzeln des Nationalsozialismus. »Methodisch gesprochen heißt das, daß ... wir versuchen zu zeigen, wie Philosophen verschiedenster Provenienz sich dem multiformen Phänomen des Nationalsozialismus annähern konnten.« [2] Um dies im österreichischen Kontext tun zu können, sollten wir die Laufbahnen der in den Jahren zwischen dem Anschluß und dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Österreich tätigen Philosophen näher betrachten. In dieser Arbeit werde ich die wesentlichen Angaben über jene Philosophen mitteilen, die an den Unversitäten von Graz, Innsbruck und Wien arbeiteten. [3]

Eine kurze Betrachtung der Situation, wie sie sich den deutschen Philosophen mit der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 darbot, ist in diesem Zusammenhang als Hintergrund für die Interpretation dieser Informationen von Nutzen. [4] In Deutschland und Österreich waren Universitätsprofessoren Karrierebeamte und unterlagen daher den gesetzlichen Bestimmungen für Staatsbedienstete. Die erste größere Veränderung in diesem Zusammenhang führten die Nazis mit dem »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« vom 7. April 1933 herbei, das zu einer Welle von Entpflichtungen an deutschen Universitäten führte. Beamte »nicht-arischer« Abstammung oder Beamte, deren bisherige politische Betätigung für die NSDAP-DNVP-Koalitionsregierung unannehmbar war, wurden entweder entlassen oder in den Ruhestand versetzt. Es war dies der erste Schritt in einer Reihe repressiver Maßnahmen, die gegen Philosophen gesetzt wurden. In jedem Fall richteten sich diese Maßnahmen gegen bestimmte Personengruppen (z.B. »Juden« und »Kommunisten«), nicht gegen Einzelpersonen. Die Unterdrückung mittels gesetzlicher Bestimmungen war auch nie gegen bestimmte philosophische Lehren gerichtet. Obwohl das Institut für Sozialforschung in Frankfurt geschlossen und bestimmte Formen philosophischen Gedankenguts auf das heftigste kritisiert wurden, gab es keine philosophische Lehre, die ausdrücklich von den deutschen Universitäten verbannt worden wäre. [5] Auf die meisten deutschen Philosophen hatten die repressiven Gesetze keine nachteiligen Auswirkungen und der Großteil unterstützte die NSDAP-DNVP-Koalition, als sie die Regierung übernahm. Der Sturz der Weimarer Republik, die Ablehnung des Friedensvertrags von Versailles, die deutsche Wiederaufrüstung und die Forderung der Nazis nach Vereinigung aller Deutschen in einem Großdeutschen Reich waren höchst willkommen und spiegelten das wider, was Gadamer »Hitlers geniale Erpressungspolitik« nannte. [6] Darüberhinaus waren die meisten zumindest bereit, die Entfernung der Juden von den Hochschulen zu tolerieren, da sich diese doch, wie man annahm, auf »das ›Weltjudentum‹ und seine internationalen Verbindungen« verlassen konnte, um sich neue Stellungen im Ausland zu besorgen. [7] Viele Philosophen profitierten sogar von der antisemitischen Repression der Nazis, indem sie zu Posten kamen, die vorher jüdische Kollegen innegehabt hatten.

Dutzende deutscher Philosophen traten in den Jahren 1923 bis 1942 [8] der NSDAP bei; es bestand für sie kein Zwang dazu und ihr berufliches Weiterkommen wäre auch ohne Parteimitgliedschaft möglich gewesen. Mehr als die Hälfte der Philosophen, die während der NS-Zeit an Universitäten im früheren Reichsgebiet Posten bekleideten, traten der Partei nicht bei. Allerdings wurde auch von diesem Personenkreis das Naziregime weitgehend unterstützt. Viele dieser Philosophen schlossen sich Naziorganisationen wie dem NSD-Dozentenbund oder dem NS-Lehrerbund an; insgesamt waren etwa zwei Drittel aller Philosophen in Deutschland Mitglieder der NSDAP oder einer ihrer universitären Organisationen. Dies bedeutet jedoch nicht, daß sich das übrige Drittel automatisch aus Nazigegnern zusammensetzte. Manche (wie Hans Freyer, Hermann Glöckner und Max Wundt) waren eifrige Befürworter des NS-Regimes, wenn sie auch keiner der Naziorganisationen angehörten. Andere Nichtorganisierte (wie etwa Rudolf Zocher) waren seit langem apolitisch und lehnten es ab, irgendeiner Partei beizutreten; sie akzeptierten damit stillschweigend das Regime und konnten sich weiter ihrer Laufbahn widmen. Es gab jedoch einige wenige Philosophen, die sich von der NSDAP distanzierten und offen Aspekte der NS-Politik zurückwiesen. So kritisierte zum Beispiel Theodor Litt den biologischen Rassegedanken der NS-Weltanschauungslehre in öffentlichen Vorträgen. Er wurde deswegen von der Leipziger Studentenschaft und vom Völkischen Beobachten angegriffen, was 1937 zu seinem »Rücktritt auf eigenen Antrag« führte. Zumindest ein Philosoph, Kurt Huber, war sogar an konspirativen Widerstandsaktionen beteiligt. Er wurde 1943 wegen seiner Kontakte zur »Weißen Rose« hingerichtet. Huber war jedoch eindeutig eine Ausnahmeerscheinung. Die meisten deutschen Philosophen waren Mitglieder von Naziorganisationen bzw. Anhänger der bekannten politischen Ziele. Hierzu ist jedoch festzuhalten, daß der größte Teil der deutschen Philosophen, die sich für den Nationalsozialismus engagierten, »keineswegs biologisch orientierte Rassisten« waren. [9] Dies ist besonders bemerkenswert, da sich die Ablehnung der biologischen Rassentheorie (vertreten durch Alfred Rosenberg und andere) für die »arischen« Philosophen, die andere Aspekte der nationalsozialistischen Politik unterstützten, nicht als unüberwindbare politische oder begriffliche Schranke erwies. Die in der NS-Weltanschauung herrschende Verwirrung über die Bedeutung einiger Schlüsselbegriffe (wie etwa Rasse, Volk, Nation, Reich, Freiheit und Revolution) forderte geradezu zur philosophischen Spekulation auf, die dementsprechend auch aus allen Richtungen kam. Was das Regime anlangte, so hatte praktisch jede Spekulation über die wahre Bedeutung der nationalsozialistischen Doktrin potentiellen politischen Wert; was in erster Linie zählte, war jedoch die Tatsache, daß die politische Praxis der Nationalsozialisten akzeptiert wurde.

Die österreichische Philosophie scheint sich nach dem Anschluß in einer ähnlichen Situation befunden zu haben, obwohl die politischen Veränderungen für die Lehrenden an österreichischen Universitäten nicht so drastisch spürbar waren wie für ihre deutschen Kollegen nach der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933. Wachsendes Interesse an antidemokratischen und großdeutschen politischen Strebungen waren in Österreich bereits während der Jahre vor dem Anschluß spürbar gewesen, sodaß Nazi-Methoden und NS-Ideologie im österreichischen politischen Leben bereits etabliert waren. Dies zeigte sich auch bei den »Berufs«-Philosophen; mehrere österreichische Philosophen waren schon lange vor dem Anschluß Mitglieder von nationalsozialistischen oder faschistischen Organisationen in Österreich (wie etwa der Vaterländischen Front). [10] Daß der Anschluß weniger ein Bruch war als die »Machtergreifung«, läßt sich anhand der Tatsache ersehen, daß die antisemitischen Gesetze und Verordnungen, deren Einführung in Nazi-Deutschland mehrere Jahre dauerte, in Österreich innerhalb einiger Wochen erfolgreich eingeführt waren. So wurden zum Beispiel österreichische Beamte, die nach den NS-Rassegesetzen als Juden galten, zwei Tage nach dem Anschluß aus ihren Ämtern entfernt; [11] in Deutschland hatte es zwei Jahre gedauert. Beamte, die als »jüdische Mischlinge« eingestuft waren oder mit »Juden« verheiratet waren, wurden durch § 3 der »Verordnung zur Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums« vom 31. Mai 1938 offiziell ihrer Ämter enthoben; in Deutschland war dies erst im Januar 1937 der Fall gewesen. [12] Allerdings waren nur zwei österreichische Philosophen von diesen Maßnahmen betroffen: Oskar Ewald (ein Protestant), der als »Jude« galt, weil sein Vater Jude war, und Viktor Kraft, der 1938 seinen Posten verlor, weil er mit einer »Jüdin« verheiratet war. Alle anderen »jüdischen« Philosophen hatten ihre Lehraufträge an österreichischen Universitäten bereits in den Jahren 1934-1938 verloren und/oder waren emigriert.

Die gesetzliche Grundlage für die politische Gleichschaltung des österreichischen Beamtentums war in § 4 der oben erwähnten »Verordnung zur Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums« definiert, die verlangte, daß Beamte »jederzeit rückhaltslos für den nationalsozialistischen Staat eintreten können«. Die allgemein gehaltene Formulierung dieser Forderung gab der NS-Regierung die gesetzliche Möglichkeit, jeden Beamten zu entlassen, dessen politische Haltung ihr verdächtig erschien. In der Praxis war diese Verordnung jedoch eine Formalität; politisch Unerwünschte wurden schon zwei Monate, bevor sie erlassen wurden, aus dem Beamtendienststand entfernt. So wurden Karl Buhler; Alois Dempf, Dietrich von Hildebrand und Hans Windischer in den ersten Tagen und Wochen nach dem Anschluß entlassen, Richard Strohal und Konstantin Radakovic wurden gegen Ende des Jahres gezwungen, ihre Posten aus politischen Gründen aufzugeben. Auch bei Karl von Roretz und Hubert Rohracher kam es nach dem Anschluß zu einem Knick in ihrer Laufbahn. Es steht jedoch nicht fest, daß ihre Schwierigkeiten politisch begründet waren.

Ein Vergleich der unmittelbaren Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Philosophie in den beiden Ländern weist auf die Besonderheit der österreichischen Erfahrungen hin. Wie in Deutschland richtete sich die Repression gegen bestimmte Personengruppen und nicht ausdrücklich gegen philosophische Lehren. Obwohl der Positivismus (vertreten durch den »Wiener Kreis«) von Beamten des Amtes Rosenberg als »jüdische«, undeutsche Philosophie angegriffen wurde, wurde sie nach dem Anschluß nicht offiziell verboten. [13] Freilich brauchte man auch gar kein Verbot; der »Wiener Kreis« war bereits von den Austrofaschisten erfolgreich als Exponent einer »jüdischen, anti-katholischen Philosophie« verfolgt worden. Wie in Deutschland wurden einige Philosophen aus rassischen und/oder politischen Gründen ihrer Posten enthoben. Was in Deutschland sechs Jahre gedauert hatte, war in Österreich in acht Monaten erledigt. Wie in Deutschland waren nicht alle Philosophen Mitglieder der NSDAP oder ihrer Organisationen. In Österreich war jedoch der Anteil derer, die beitraten, größer als im früheren Reichsgebiet. Von den Professoren und Dozenten, die ihre Karrieren an der philosophischen Fakultät der Universität Wien zwischen 1938 und 1945 fortsetzten, traten alle bis auf einen (Simon Moser) einer Nazi-Organisation bei oder versuchten dies zumindest. Mit Ausnahme von Carl Siegel waren alle Philosophen, die während der NS-Zeit einen Posten an der Universität Graz bekleideten, Mitglieder der NSDAP. In Innsbruck war die Situation etwas besser; nur drei von den fünf Philosophen aus dem Lehrkörper traten der Partei bei. In Österreich wie in Deutschland gab es ein breites Spektrum von Philosophenmeinungen, was die der politischen Praxis der Nationalsozialisten angeblich zugrundeliegenden Theorie dem spezifischen Inhalt nach anlangte. Durch diese starke Bandbreite an Interpretationen waren viele Philosophen verschiedenster Prägung in keiner Weise davon ausgeschlossen, auf Posten ernannt oder befördert zu werden, ins Ausland zu reisen oder zu publizieren. In Großdeutschland war eine philosophische Überzeugung im allgemeinen kein Karrierehindernis.

Die auf diese Einleitung folgenden Aufstellungen enthalten Informationen über die Philosophen, die zwischen März 1938 und April 1945 an einer der drei genannten Universitäten höhere Posten an den philosophischen Fakultäten bekleideten. Zunächst folgt eine vollständige Namensliste, dann Kurzbiographien mit Geburtsdaten (um Verwechslungen auszuschließen), Religionsbekenntnis (soweit bekannt), Angaben zur akademischen Laufbahn und zum politischen Engagement. Bei den deutschen Philosophen, die nach dem Anschluß an österreichische Universitäten versetzt wurden, bezeichnet der erste akademische Titel jenen, den der Betreffende am 30. Januar 1933 innehatte; bei den Österreichern ist der erste Titel jener, der per 12. März 1938 galt.

Die Biographien enthalten auch kurze Beschreibungen ihrer philosophischen Ausrichtung bzw. der wichtigsten Publikationen. Angesichts der Tatsache, daß es vor einem solchen Hintergrund Fragen nach der Einstellung zu einer faschistischen Regierung aufwirft, wenn einzelne die Möglichkeit zu publizieren hatten, habe ich versucht, die wichtigsten Werke dieser Philosophen aufzulisten, die in Nazideutschland, im österreichischen Ständestaat und in Großdeutschland herausgegeben wurden. Unterlagen zu Militärdienstzeiten waren nicht immer vorhanden, weshalb diesbezügliche Angaben eher sporadisch sind. Zur Erleichterung weiterer Forschungen habe ich, soweit möglich, die Todesdaten der einzelnen Philosophen angeführt.

Das jeweilige Datum des Beitritts zu einer Naziorganisation bezieht sich auf den Tag der Aufnahme; das Datum des Beitrittsantrags ist selten angeführt, da es meist nicht mehr festgestellt werden konnte. Da die Partei nur zu bestimmten Zeiten neue Mitglieder aufnahm, lagen Antrags- und Aufnahmedaten oft weit auseinander. In der Zeit von Mai 1933 und Mai 1937 gab es zum Beispiel praktisch keine Neuaufnahmen in die Partei. [14] Wer also 1938 in die Partei aufgenommen wurde, hatte seinen Beitrittsantrag vielleicht schon viel früher gestellt. Wenn nicht anders angegeben, waren alle Personen, die einer Naziorganisation beigetreten waren, bis zum Sturz des NS-Staates im Mai 1945 ordnungsgemäß zahlende Mitglieder.

Auf die Kurzbiographien folgt eine Liste allgemein verbreiteter Abkürzungen, Auszüge aus NS-Gesetzen, die gegen oder zugunsten bestimmte(r) Philosophen eingesetzt wurden, eine Liste von Pseudonymen und einer Liste jener Philosophen an österreichischen Universitäten, die Mitglieder verschiedener Naziorganisationen waren. Die nachstehenden Angaben erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es wurde jedoch alles unternommen, um ihre Richtigkeit sicherzustellen.

Die Universitätsphilosophen der »Ostmark« [15]

Graz Karl-Franzens-Universität (1585)

Otto Hartmann, Franz Kröner, Ernst Mally, Konstantin Radakovic, Karl Sapper, Carl Siegel, Wolfram Steinbeck, Ferdinand Weinhandl

Innsbruck Leopold-Franzens-Universität (1669)

Walter Del-Negro, Theodor Erismann, Ernst Foradori, Franziska Mayer, Hubert Rohracher, Walther Schulze-Soelde, Richard Strohal, Hans Windischer

Wien Universität Wien (1365)

Friedrich Billicsich, Karl Bühler, Alois Dempf, Hans Eibl, Oskar Friedländer, Franz-Wolfgang Garbeis, Arnold Gehlen, Erich Heintel, Dietrich von Hildebrand, Gunther Ipsen, Friedrich Kainz, Alfred Kastil, Viktor Kraft, Simon Moser, Otto Pommer, Robert Reininger, Karl von Roretz, Walter Schmied-Kowarzik, Ottomar Wichmann

Kurzbiographien

  • Friedrich BILLICSICH — geb. 17.7.1883 (kath., »deutschblütig«) — Dozent für Geschichte der Philosophie des Altertums u. des Mittelalters; 18.1.40, ern. z. Doz. n. O. — Mitglied des NSLB, NSV, RLB. »Zweifellos katholisch gebunden« (Dozentenbundführer der Uni. Wien an das Dekanat der phil. Fak., 3. 6. 39; UA-Wien), Billicsich konnte seine akademische Karriere fortsetzen, weil er sich »in seiner Eigenschaft als Studienrat während der Verbotszeit ... rückhaltlos für nationalsozialistische Schüler einsetzte«. (Dekan der phil. Fak. an REM, 28.6.39; UA-Wien). Veröff.: Das Problem d. Übels in der Philosophie des Abendlandes, I, 1936. 29.12.1948, ao. Prof. †26.12.1975) BAK-R21 Anh. Nr. 640; UA-Wien; KGK 40/41, 50, 61, 70; Minerva 38)
  • Karl BÜHLER (nach 1940 BUHLER) — geb. 27.5.1879 — Dr. med. et phil., o. Prof. der Philosophie und Vorst. des Psychol. Instituts; 16.5.1938, beurlaubt und in Folge wegen Anti-Nazi-Aktivitäten verhaftet; 1939 (?) freigelassen, Emigration nach Norwegen, 1940 Emigration in die USA. Veröff.: Die Zukunft der Psychologie und der Schule, 1936. 1940-45 Prof, auf dem College of St. Scholastica, Duluth, Minnesota und dem St. Thomas College, St. Paul, Minnesota; 1945-55 Klin. Prof für Psychiatrie an der Univ. of Southern California, Los Angeles; 1945-57 Klinikvorstand im Cedars of Lebanon Hospital. †24. 10. 1963 in Los Angeles. (BDC; Cermak; IBD; Minerva 38; WiW)
  • Walter DEL-NEGRO — geb. 1.8.1898 — StR; 10.5.40, Habil, in Innsbruck bei Schulze-Soelde; 24.9.1940 ern. z. Dozent der Philosophie; 1.12.1942 als StR beurlaubt — NSDAP seit Mai 1938; seit Oktober 1938 Politischer Leiter »Schulungsleiter einer Ortsgruppe«; seit Jänner 1939 als Fachschaftsleiter im Gauamt für Erziehung tätig. Schüler Alfred Kastils. Veröff: Die Philosophie der Gegenwart in Deutschland, 1942. 1945 von der Uni. entlassen und dann als Geologe tätig; 1965 Dozent an der Uni. Salzburg. †24. 8. 1984 (BDC; KGK 40/41; Goller 89)
  • Alois DEMPF — geb. 2.1.1891 (kath.) — o. Prof. in Wien (Nf. Moritz Schlick); 23.3.1938 werden seine Wohnung und sein Institut durch SA- und Gestapo-Leute durchsucht; 22.4.1938 Entziehung der Lehrbefugnis nach Anschluß Österreichs; Ende Okt. 1939 in den Ruhestand versetzt — Frontsoldat im 1. Weltkrieg. 1935 Teilnahme an Descartes-Veranstaltungen in Paris und Vorträge in Santander (Spanien) — Mittelalterliche Phil. und Ethik, Religionsphil. Veröff: Kulturphilosophie, 1934; Meister Eckart, 1935; Kierkegaards Folgen, 1935; Christliche Philosophie, 1938. 1948 o. Prof. in München und Gastprof. in Wien; später erhielt er das Bundesverdienstkreuz. (BDC; BAK-R21 Anh. Nr. 1576; UA-Wien; F/W; KGK 40/41, 50)
  • Hans EIBL — geb. 10.10.1882 (kath.) — ao. Prof. für Geschichte der Philosophie — Aug. 1934, VF; 1935, NSDAP (nach eigener Angabe vom 19.9.38, UA-Wien, Bl. 108); 18.5.38 beantragt er die Zuerkennung der Mitgliedschaft in der NSDAP (nicht erfolgt). Eibl »vertrat eine gesamtdeutsche Geschichtsauffassung auf der Grundlage eines Reichskatholizismus«. (Goller 89, S. 224) Veröff.: Nordische Göttersage und Christentum, in: ›Schönere Zukunft‹, Nr. 15/16 (1940). 24.7.45 entlassen; 17.4.46 in den dauernden Ruhestand versetzt. †18.11.1958 in Linz. (UA-Wien; F/W; Goller 89; KGK 35; Minerva 38; PL; WiW)
  • Theodor ERISMANN — geb. 16.9.1883 — o. Prof. der Philosophie; 6.11.41 Ern. z. Institutsdirektor — DFG-Stipendiat seit 22.8.1936 (RM 1.000,—) — Angewandte Psychologie, Geisteswissenschaftliche und experimentelle Psychologie, Erkenntnistheorie, Ethik, Ontologie, und Philos. Grundlagen d. Mathematik — Gleich nach dem Krieg wurde er Dekan der phil. Fak. und o. Prof. in Innsbruck. †2.12.1961 in Innsbruck. (BDC; Goller 89; KGK 40/41, 50; Minerva 38)
  • Oskar EWALD (geb. FRIEDLÄNDER) — 2.11.1881 (evang., Vater war Jude) — Priv. Doz. für theoretische Philosophie — 1926, Mitbegründer des Bundes der religiösen Sozialisten Österreichs; 1938 nach dem Anschluß verhaftet und in das KZ-Dachau gebracht; 1939 freigelassen — Emigration in die Schweiz und später nach England. †25.9.1940. (IBD; Minerva 38; PL)
  • Ernst FORADORI — geb. 6.6.1905 — LB an der Univ. Berlin; Juli 1938, Habilitation; 12.9.1938, Dozentur f. Logik und Erkenntnistheorie mit bes. Berücksichtigung der Philosophie der mathematischen Grundlagen (Mathematisch-Naturwissenschaftl. Fakultät); 1.3.1939 Versetzung nach Innsbruck; 28.9.1939 Dozent n. O.; 6.4.1940 a. pl. Prof. der Phil. der Mathematik. — Sept. 1931 in die SA eingetreten (Ausweis Nr. 28803; Truppführer, später Sturmführer). 1.11.1932 NSDAP (Nr. 1,388.298). 1.9.1939 zum Gaudozentenbundführer ernannt. Schüler Alfred Kastils. Veröff.: Grundgedanken der Teiltheorie, 1937. †17.11.1941 in Murmansk. (BDC; Minerva 38; Goller 89)
  • Franz-Wolfgang GARBEIS — geb. 8.7.1887 (evang., kath. bis 1915) — Priv. Doz. für Geschichte der Philosophie; 29.2.1940 Dozent n. O. Ehem. Mitglied der Großdeutschen Volkspartei; seit 1.5.1938 prov. Mitglied der NSDAP (BAK-R21 Anh. Nr. 2728). 1.6.1940 NSDAP Ortsgruppe Wien (Nr. 7,677.489); Aufnahme beantragt am 12.3.1940. (BDC; BAK; UA-Wien; Minerva 38; PL)
  • Arnold GEHLEN — geb. 29.1.1904 (evang.) — Priv. Doz. der Phil., Leipzig; 6.5.1933 Vertretungsauftrag (für Paul Tillich), Frankfurt; WS 1933/34 Vertretung in Leipzig und Asst. Hans Freyers; 17.4.1934 Vertretungsauftrag (für Hans Driesch) Leipzig; o. Prof. (Kant-Lehrstuhl) Königsberg (Nf. Hans Heyse); 1.1.1940 o. Prof. in Wien (Nf. Robert Reininger), vom REM mit der Reorganisation der verschiedenen Institute der phil. Fak. beauftragt; April 1940 Direktor des Psychologischen Institutes in Wien; 1942 Direktor des Institutes für Philosophie — Wehrmachtsdienst: Oktober 1941 bis Mai 1942 in Prag und Juni 1942 bis ?, als Heerespsychologe. 1.5.1933 NSDAP (Nr. 2,432.245); Zellenleiter in der Ortsgruppe Böhlitz-Ehrenberg. 1.8.1933 NSLB (Nr. 312.004). Nov. 1933 unterzeichnet er das »Bekenntnis der Professoren zu Adolf Hitler«. Amtsleiter der Dozentenschaft der Univ. Leipzig und »Lektor der Hauptschrifttumspflege« im Amt Rosenberg, verfaßt für Rosenbergs »Bücherkunde« quasi-gutachterliche Rezensionen. 2.4.1942 Vorsitzender der Deutschen Philosophischen Gesellschaft (Nf. Bruno Bauch). — Phil. Anthropologie, Dt. Idealismus, Polit. Phil.; Veröff.: Theorie der Willensfreiheit, 1933; Der Staat und die Philosophie, 1935; Der Mensch, 1940-1947, o. Prof. f. Soziologie an der Höheren Verwaltungsakademie in Speyer (1951-53, Rektor der Akademie); 1962 TH Aachen. †30.1.1976 in Hamburg. Cousin des BND-Chefs Reinhard Gehlen. (BDC; BAK-R21 Anh. Nr. 2755; IfZ-MA141/5, MA252; UA-Leipzig; KGK 40/41)
  • Otto HARTMANN — geb. 28.2.1895 — ao. Prof. für Zoologie und Philosophie (Methaphysik und Naturphilosophie); Sept 1939 apl. Prof. 1.1.1934 NSDAP; Januar 1938 Mitbegründer des NSLB an der Uni Graz. Kurz nach dem Krieg wurde er seiner Dozentur enthoben; 1946 wurde er wiedereingesetzt. Schüler von Alexius Meinong. Veröff.: Erde und Kosmos im Leben des Menschen, der Naturreiche, Jahreszeiten und Elemente. Eine kosmologische Biologie, 1938; 2. Aufl., 1940. (UA-Graz; Goller 89; Minerva 38, KGK 40/41).
  • Erich HEINTEL — geb. 29.3.1912 — 12.8.1939 Habilitation; 9.5.1940 ern. z. Doz. n. O. für Philosophie (Methaphysik, Erkenntnistheorie, Wertlehre und Ethik) — 1.7.1940 NSDAP (Nr. 9,018.395), Ortsgruppe Wien; 1952, ao. Prof. an der Uni. Wien, 1959 Vorstand ders I. Philosophischen Instituts; 1960 o. Prof. an der Univ. Wien; seit 1964 Leiter der wissenschaftlichen Tagungen in Zwettl; 1966 Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich; 1968 Große Silberne Medaille für Verdienste um die Wissenschaft und die Menschheit der Akad. d. Wiss. in Prag; ist wirkl. Mitgl. der Österr. Akad. der Wissenschaften. Veröff.: Nietzsches „System“ in seinen Grundbegriffen, Leipzig: Meiner, 1939; Vom Wesen des Gemüts. Mit einem stammeskundlichen Anhang: Die „Gemüthaftigkeit“ des Wieners, in: Wehrpsychologische Mitteilungen, Band III, Heft 6/1941; Erlebniszeit und objektive Zeit, in: Wehrpsychologische Mitteilungen, Band IV, Heft 10/1942; Metabiologie und Wirklichkeitsphilosophie, in: Bios Bd. 16, Leipzig: Joh. Abrosius Barth, 1944.
  • Dietrich von HILDEBRAND — geb. 12.10.1889 (kath., vor 1914 jüdisch) — ao. Prof. der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Weltanschauungslehre, Wien (Nf. Heinrich Gomperz); 17.3.1938 entlassen — trat als führender Vertreter der »katholischen Aktion« schon nach dem Hitler-Putsch 1923 gegen die Nazis auf, emigrierte im März 1933 über Italien nach Österreich. 2.12.1936 wurde er aus Deutschland ausgebürgert. 11.3.1938 Flucht aus Wien vor dem Einmarsch der dt. Truppen. Wurde zunächst o. Prof. am Inst. Cathol. de Toulouse. Dezember 1940 Ankunft in den USA; Feb. 1941 assoc. Prof., Fordham Univ, in New York — Vertreter der phänomenolog. Schule und einer materialen Wertethik; Mitbegründer und Redakteur der austrofaschistischen Zeitschrift »Der christliche Ständestaat« (1933-1937). Veröff.: Engelbert Dollfuß. Ein katholischer Staatsmann, 1934; Die Umgestaltung in Christus, 1940 (unter dem Pseudonym Peter Ott). †26.1.1977 in New Rochelle, New York, USA. (BDC; BAK-R21/801; KGK 31; IBD; PL; Cermak; Schorcht)
  • Günther IPSEN — geb. 20.3.1899 (evang.) — n. b. ao. Prof., Leipzig; 1.5.1933 Leiter des Sem. f. polit. Erziehung; 1.10.1933, o. Prof. für Philosophie, Königsberg (mit LA an der Handelshochschule; 22.5.1939, o. Prof. für Phil. und Volkslehre in Wien (Nf. Karl Bühler); September 1943, Direktor des Inst. f. Psychologie, Wien — Frontsoldat im 1. Weltkrieg; 1930-33 Hrsg. (mit Hugo Fischer) der »Blätter für deutsche Philosophie«. 1.1.1933 bis 31.3.1934, Vorstandsmitglied der Fichte-Gesellschaft. 5.11.1933 SA (N/376); wurde als Truppführer mit der Führung eines Sturmes beauftragt. 1.6.1934, NSLB (Nr. 289.155). »Lektor der Volkskunde« im Amt Rosenberg. VDA-Mitglied; 1.5.1937 NSDAP (Nr. 5,089.913) — Besonderes Forschungsgebiet: Volkslehre und Volksforschung (Sprach- und Geschichtsphilosophie, Gesellschaftskunde). (BAK-R21 Anh. 4542) Veröff: Blut und Boden (des preuß. Erbhofrechts), 1933; Die Naturgeschichte des deutschen Volkes (Hrsg. ), 1935; 2. Aufl., 1939. Auch Verf, quasi-gutachterlicher Rezensionen für Rosenbergs »Bücherkunde« — nach Kriegsende Prof. f. Phil. und Soz. in Münster; 1951-61 Abteilungsleiter der Sozialforschungsstelle Dortmund. 1959 emeritiert; 1962-65, LA an der Uni. München. †1984 in Oberursel. (BDC; BAK-NS15/123; IfZ-MA 116/6; KGK 40/41, 54, 61, 66; Cermak)
  • Alfred KASTIL — geb. 12.5.1874 — o. Prof. der Philosophie, seit 1934 in Ruhestand; WS 1937/38, LA Univ. Wien. Schüler F. Brentanos. Veröff: Zeitanschauung und Zeitbegriffe, 1939 (Hrsg. Franz Brentano). †20.7.1950 in Schönbühel. (Goller 89; KGK 50; Minerva 38; PL; WiW)
  • Friedrich KAINZ — geb. 4.7.1897 (kath.) — Doz. am Päd. Inst. d. Stadt Wien; Priv. Doz. (titl. ao. Prof. ) für Ästhetik, Univ. Wien; März 1938 entlassen vom Päd. Inst. d. Stadt Wien; 1938-40 prov. Leiter des Psychologischen Instituts; 11.12.39 ao. Prof. d. Philos. (mit besonderer Berücksichtigung der Aesthetik u. Sprachpsychologie) — Frontsoldat im I. WK. 1934-38 VF. Im Mai 1938 bestätigt Kainz sein »Eintreten für die großdeutsche Kultureinheit zur geistigen Vorbereitung des Anschlusses« (Lebenslauf, 10.5.38, UA-Wien). Zu dieser Zeit beschreibt er seine politischen Aktivitäten vor dem Anschluß auf folgende Weise: »Niemals einer politischen Partei angehört, wohl aber ständige Betätigung im Sinn der großdeutschen Gedanken durch Wort und Schrift« (BAK-R21 Anh. Nr. 4814). Februar 1939 beantragt er die Aufnahme in die NSDAP (Antrag wurde vom Kreisgericht ohne Angabe des Grundes zurückgestellt; er blieb »Parteianwärter«). Veröff: Psychologie der Sprache, 1941 u. 1943 (2 Bände); Über das Sprachgefühl, 1944. 1945 wurde er »von der Sonderkommission des Staatsamtes (Senat für Professoren) für unbedenklich erklärt und infolgedessen ... in den Dienst wieder eingesetzt«. (Dekan an der Verwaltungsstelle der wiss. Hochschulen, 22.11.45, UA-Wien). Nach dem Krieg sieht er seine Haltung gegenüber dem Anschluß anders und beschreibt sich selbst als Opfer der Ereignisse, seine früheren politischen Ansichten erläutert er vor dem Entnazifizierungskomittee der Universität: »daß ich ... aus meiner demokratischen und österreichischen Gesinnung niemals ein Hehl gemacht habe« (Rechtfertigung, ca. Ende 1945, UA-Wien). 1948 ao. Prof. d. Phil.; 19.5.1949 ao. Prof. für allgemeine Kunstwissenschaft; 27.4.1950 o. Prof. (Sprachpsychologie, Ästhetik, Kunstphilos. Geschichte der Philosophie.); 1952 Vorstand des Inst. für Dolmetscherausbildung. Mitglied der Österr. Akademie der Wissenschaften. 1968 emeritiert. 25.4.68 erhält er das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. †1.7.1977 in Wien. (BAK; UA-Wien; Cermak; F/W; KGK 54; Minerva 38, WiW).
  • Viktor KRAFT — geb. 4.7.1880 — d. Univ. Bibl., Priv. Doz. (mit Titel eines ao. Prof.); SS 1938 venia legendi entzogen (seine Frau war Jüdin); 1939 als Oberstaatsbibliothekar pensioniert. Veröff: Die Grundlagen der wissenschaftlichen Wertlehre, 1937. Kraft war einer von zwei Mitgliedern des Wiener Kreises, die nicht emigrierten (der andere war Bela Juhos). 6.9.1947 ao. Prof. d. Philosophie (mit besonderer Berücksichtigung der Erkenntnislehre und Geschichte der Philosophie); 24.4.1950 o. Prof.; 1051, emeritiert; 1951/52 Honorarprof. (Erkenntnislehre). 1971 erhielt er das Österr. Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (I. Klasse). †3.1.1975. (UA-Wien; KGK 35, 54; Minerva 38; WiW)
  • Franz KRÖNER — geb. 12.12.1889 — 1935-39, DFG Stipendiat; 28.10.1939, Habilitation, München; 15.7.1940, Dozentur für Phil., Graz; WS 1942/43, Vertretung des Lehrstuhls für Philosophie, Graz — Teilnahme am I. WK. 1.5.1933, NSDAP (Nr. 1,622.824); FM-SS. Promovierte in den 20er Jahren in Wien, wo seine akad. Karriere durch Differenzen mit Moritz Schlick, dann durch die NSDAP-Mitgliedschaft behindert wurde; das DFG-Forschungsstipendium wurde durch Empfehlungsschreiben von Baeumler, Heyhse und Rothacker unterstützt. Kam von Physik und Mathematik zu den logischen Grundlagen der Philosophie. (Credo: »Kampf gegen den Neopositivismus ist ein wesentlicher Teil des Kampfes gegen den Bolschewismus«) (Bericht der Kommiss. Nr. 301, BAK). Nach dem Krieg wurde er LB an der ETH, Zürich. †24.4.1958 in Innsbruck. (BDC; BAK-R21/801, R21 Anh. Nr. 5543; IfZ; Goller 89; KGK 54)
  • Ernst MALLY — geb. 11.10.1879 (kath.) — o. Prof. der Philosophie, Vorstand des Phil. Seminars mit Psychol. Laboratorium; 1942 wurde er wegen Krankheit vorzeitig emeritiert. 1.5.1938 NSDAP (Nr. 6,282.300). Veröff.: Anfangsgründe der Philosophie, 1938; Wahrscheinlichkeit und Gesetz, 1938. †8.3.1944. (BDC; Goller 89; Minerva 38; NDB; WiW)
  • Franziska MAYER-HILLEBRANDT — geb. 10.8.1885 (Freiin von Reicher) — Priv. Doz. der Phil. mit besonderer Berücksichtigung des Psychologie (die 2. Frau mit Dozentur an der Uni. Innsbruck); 18.10.1939 Dozent n. O.; 10.2.44 a. pl. Prof. Politisch kein Exponent des NS, hat aber Vorlesungen über »Rassenpsychologie« auf Wunsch der NS-Frauenschaft gehalten. Im Oktober 1943 hatte die Partei-Kanzlei »keine Bedenken« gegen Mayers Ernennung zum a. pl. Prof. (REM Handakte, BDC). Nach 1945 Fortsetzung der Lehrtätigkeit in Innsbruck; 1.10.1948 ao. Prof. Pseudonyme: Hillebrandt u. Mayer-Hillebrandt. †29.3.1978 in Innsbruck. (BDC; Goller 89; KGK 35, 40/41; Minerva 38; WsW)
  • Simon MOSER — geb. 15.3.1901 (kath.) — 3.12.1937, Priv. Doz. f. Geschichte der Phil. des Altertums und Mittelalters; 22.4.1938 vom Dienst suspendiert (»Lehrbefugnis hat bis auf weiteres zu ruhen«); 5.3.1940 ern. z. Doz. n. O. für Geschichte der Phil. u. d. systemat. Phil. Von der NSDAP Gauleitung Tirol beschrieben als »ein betont konservativ Klerikaler und ausgesprochen habsburgtreu« (5.10.38, Brief an SS-Staf. Otto Wächter; PA UA-Wien, Bl. 83). Seine Bestellung zum Doz. n. O. wurde durch die Stellungnahme des Dozentenbundführers der Uni. Wien ermöglicht: »Dr. Simon Moser hatte von der Systemregierung den Auftrag zur Abhaltung von Weltanschuungsvorlesungen und zur geistigen Führung von Studentenlagern erhalten. Moser hat ... dabei nationalsozialistische Studenten gegen Angriffe von jüdischer und vaterländischer (CV) Seite geschützt. Deshalb wurde auch das nach dem Umbruch erlassene Vorlesungsverbot aufgehoben. Demnach ist die Ernennung von Doz. Dr. Simon Moser zum Dozenten neuer Ordnung politisch ohne Bedenken, wenn er nicht über weltanschauliche Fragen liest.« (Brief an das Dekanat der phil. Fakultät, 17.6.1939; Akte Moser, UA-Wien). 1948 titl. ao. Prf. Innsbruck; 1952 ao. Prof. TH Karlsruhe; 1958 o. Prof. †22.7.1988. (UA-Wien; F/W; Goller 89; KGK 50, 61; Minerva 38).
  • Otto POMMER — geb. 11.8.1875 — Gym. Dir. i. R., Priv. Doz. f. Pädagogik und LB für Philosophie (Dozent f. besondere Unterrichtslehre der Philosophie), Wien; 18.10.1939 Dozent n. O.; 19.8.1941 a. pl. Prof. und gleichzeitig in den Ruhestand versetzt; 11.5.1942 LA an der Uni. Wien — Herbst 1936 NSLB. 1.10.1937 NSDAP (Nr. 6,227.244). [16] WS38/39, Vorlesung »Einführung in die Weltanschauung des Nationalsozialismus« 1939, Ehrenkreuz für Frontkämpfer (im Weltkrieg). Im NS-Altherrenbund als »Altherrenschaftsführer« an der Uni. tätig. †13.4.1945 (BDC; UA-Wien; F/W; KGK 40/41).
  • Konstantin RADAKOVIC — geb. 11.7.1894 — ao. Prof.; Oktober 1938 legte er die Dozentur nieder »wegen gegenteiliger politischer Überzeugung, um der bevorstehenden Entfernung aus der Universität von amtswegen zuvorzukommen« (Mitteilung von der UA-Graz, 23.6.93). 1946 ao. Prof.; 1949 o. Prof. (Geschichte d. Philosophie, Soziologie, Religionsphilosophie). Veröff.: Der Einfluß der Wissenschaft auf das religiöse Erleben, 1937 in der »Zeitschrift für Relig. Psychologie«, Bd. IX, bzw. Bd. X. †19.9.1973. (UA-Graz. KGK 50; Minerva 38; PL)
  • Robert REININGER — geb. 28.9.1869 — o. Prof d. Philosophie und Vorstand des Philos. Instituts; 13.5.39 Anerkennung für treue Dienste; 30.5.1939 emeritiert — wirkl. Mitglied der Akad. Der Wiss. und bis 1938 Obmann d. Philos. Gesell. in Wien. Veröff.: Wertphilosophie und Ethik, 1939. †17.6.1955 in Thenning b. Linz. (BDC; Cermak; KGK 35, 40/41m Minerva 38; PL; WiW)
  • Hubert ROHRACHER — geb. 24.4.1903 — Dozent für Psychologie (Asst. Erismanns); 1938 (vor dem Anschluß) venia legendi für Philosophie erteilt; 23.4.38 vom Universitätsdienst suspendiert; 1.8.1938 Dozentur eingezogen; 1939 zu einer Dienststelle der Wehrmachtspsychologie einberufen; 1942 ao. Prof. für Psychologie in Wien. Wurde nicht in die NSDAP aufgenommen, trotz angeblichen Aufnahmeversuchs: »Für meine Aufnahme in die NSDAP habe ich die notwendigen Schritte eingeleitet.« (25.1.41, Brief an den Rektor der Uni. Innsbruck, Goller 89, S. 172). Schüler von T. Erismann. Veröff: Experimentelle u. theoretische Untersuchungen über die gehirnelektrischen Vorgänge, 1938; Die Vorgänge im Gehirn u. d. geistige Leben, 1939; Die elektronischen Vorgänge im menschlichen Gehirn, 1941 (2. Auflage, 1942). 1947 o. Prof. in Wien; 1953 wirkl. Mitgl. der österr. Akad. d. Wiss. †18.12.1972 in Kitzbühel. (Cermak; Goller 89; KGK 50).
  • Karö von RORETZ — geb. 24.7.1881 (kath.) — Oberstaatsbibl. d. Nat. Bibl. a. D., Priv. Doz., mit dem Titel eines ao. Prof. (Geschichte der neueren Phil.); 8.11.39 Ausscheiden nach Zurückziehung seines Antrags auf Ernennung zum Dozent n. O. — 1938 wurde er vorgeschlagen für eine a. pl. Prof.; vom Dozentenbund wurde das »Ansuchen ... Roretz um Ernennung zum außerplanmäßigen Professor« befürwortet (Brief an das Dekanat der phil. Fak., 13. 9. 38, UA-Wien). Roretz schied 1939 aus, weil ihm die neue Situation an der Universität »untragbar« zu sein schien. (F/W, s. 158). 1945 wiedereingestellt. Veröff.: An den Quellen unseres Denkens, 1937. (BDC; UA-Wien; F/W; KGK 35; Minerva 38; PL)
  • Karl SAPPER — geb. 22.8.1876 (evang.) — StR, Dr. theol., titl. ao. Prof. f. Naturphilosophie u. Prov. Leiter tit. des Seminars f. philosophische Soziologie; 18.10.1939 a. plm. Prof. 1930-33, Großdeutsche Volkspartei; 1.5.1938 NSDAP (Nr. 6,282.425) und NSV Veröff: Das Manuskript von Marxismus und Nationalsozialismus im Lichte der Biologie wird vom F. Meiner Verlag 1939 abgelehnt. †7.9.1964. (BDC, KGK 40/41; Minerva 38; PL).
  • Walther SCHMIED-KOWARZIK — geb. 22.5.1885 (evang.) — Prof. der Pädag. Akademie, Frankfurt/M (i. R.); 7.4.1933 Priv. Doz. für Philosophie, Psychologie u. Pädagogik, Giessen; ab WS 1939/40 Universitätsdozent, Wien. 3.1.1942 a. pl. Prof., Wien — Teilnehmer am I. WK. Anhänger der Harzburger Front. 1.4.1933 NSDAP (Nr. 1,767.151); Kreisbeauftragter für Volksbildungswesen. 1.5.1933 NSLB (Nr. 113.740). 1.11.1933 SA; Sturmmann in der SA-Reserve und Sturmbannschulungsleiter in SA R XI/116. Okt. bis Nov. 1934 Teilnahme an NSDAP Gauführerschule in Frankfurt/M. Pädagogik, Ethik, Gestaltpsychologie u. Religionsphilosophie. 1918 bis 1935 Mitherausgeber der »Blätter für deutsche Philosophie« Veröff: Erziehung und völkischer Idealismus, 1938. Nach 1945 im Ruhestand. †24.7.1958 in Mödling (bei Wien). (BDC; BAK-R21 Anh. Nr. 8385; KGK 54; PL)
  • Walther SCHULZE-SOELDE — geb. 26.4.1888 (evang.) — n. b. ao. Prof. der Philosophie u. Pädagogik, Greifswald; 17.3.1939 Vertretung in Innsbruck; 4.11.1939 o. Prof. der Phil. und Päd., Innsbruck (Nf. Richard Strohal); 6.11.1941 wurde er Direktor des Phil. Instituts, Innsbruck — Teilnahme am I. WK. 1.5.1933 NSDAP (Nr. 2,147.331); Zellenleiter seit Winter 1933/34. Mitglied des Schulungsstabes und Leiter des Amtes für Ahnenforschung bei der NSDAP-Kreisleitung Greifswald-Stadt. NSLB (Nr. 248.546) u. Lektor i. d. Parteiamtlichen Prüfungsstelle zum Schutze des NS-Schrifttums. Schüler von Hermann Schwarz. Veröff: Politik u. Wissenschaft, 1934; Weltanschauung und Politik, 1937. 1950 erhielt er einen LA an der Univ. München. †24.7.1984 in München. (BDC; BAK-R 21/801; UA-Greiswald; Goller 89; KGK 40/41, 54; PL)
  • Carl SIEGEL — geb. 19.8.1872 — o. Prof. der Philosophie, 30.9.1937 aus politischen Gründen in den Ruhestand versetzt; Okt. 1938 wieder zum Prof, bestellt, aufgrund des »Erlasses des Führers und Reichskanzlers über die Wiedergutmachung der im Kampf für die nationalsozialistische Erhebung Österreichs erlittenen Dienststrafen und sonstigen Maßregelungen vom 10. April 1938« (siehe oben); 1942 trat er endgültig in den Ruhestand. Veröff.: Nietzsches Zarathustra — Gehalt und Gestalt, 1938. (UA-Graz; WiW; Minerva 38; PL)
  • Wolfram STEINBECK — geb. 14.3.1905 (evang. bis 36, danach »gottgläubig«) — Studienassessor; 1933-34 im Oberlyzeum Reichenbach/Eule; 1.4.1934-30.9.1937 a. pl. Asst. am Institut für politisches Pädagogik, Berlin; 19.12.1938 Habilitation für Philosophie; 14.8.1939 Dozent der Philosophie, Berlin; ab 3.4.1940 Vertretung in Graz (für Carl Siegel); 6.9.1940 Versetzung nach Graz; 1944 ao. Prof der Philosophie — 1931-1933 Mitglied des Schlesischen Landschutzes (der 1933 geschlossen in die SA übernommen wurde); Beurlaubung vom SA-Dienst im Frühjahr 1936. 26.10.1932 Aufnahme in die NSDAP beantragt; aufgenommen 1.3.1933 (Nr. 1,471.512). 1.7.1933 NSLB (Nr. 109.417). 1935 NSDDB; seit Frühjahr 1936 V-Mann des NSDDB an der Phil. Fakultät, Berlin. August 1937 Hilfsstellenleiter für Wissenschaft im Amt Wissenschaft des Amtes Rosenberg. März 1939 Teilnahme an der philosopischen Arbeitstagung des Amtes Rosenberg auf Schloß Buderose. — Dt. Idealismus, phil. Grundlagen des NS. Veröff.: Das Bild des Menschen in der Philosophie J. G. Fichte, 1939; (Hg.) Johann Gottlieb Fichte, Politik und Weltanschauung, 1941. Verlor seine Stelle in Graz nach dem Krieg. (BDC; BAK-R21/801, R21 Anh. Nr.; IfZ-MA609, MA612; KGK 54)
  • Richard STROHAL — geb. 22.8.1888 (kath.) — ao. Prof. der Phil. (einschließlich Pädagogik); 9.9.1938 gemaßregelt nach § 4 der Verordnung zur Neuordnung des österr. Berufsbeamtentums vom 31. 5. 1938; 1938-45 Mittelschulllehrer in Vorarlberg — Veröff.: Das »Scheinbare« und das »Wirkliche«, in der Festschrift für Franz Brentano, 1938-1946/47 Dekan der phil. Fak. Innsbruck; 4.1.1948 o. Prof. für Psychologie, mathemat.-philos. u. Grenzgebiete; 1953/54 Rektor der Univ. Innsbruck. †20.2.1976 in Innsbruck. (BDC; Goller 89; KGK 35, Minerva 38; PL)
  • Ferdinand WEINHANDL — 31.1.1896 (evang.; kath. bis Sept. 1928) — n. b. ao. Prof, der Philosophie, Kiel; 20.8.1935 o. Prof. der Phil., Kiel (Nf. Richard Kroner); 1936-1938 Dekan der phil. Fak., Kiel; auch Direktor des phil. Seminars; 5.2.1942 Berufung nach Frankfurt (Nf. Hans Lipps), wurde Direktor des Phil. Seminars; 13.11.1944 Berufung nach Graz (Nf. Ernst Mally); ab 19.1.1945 Direktor des Phil. Seminars, Graz. — Frontsoldat im I. WK. 1929, Fachschaftsleiter im KfdK u. Redner für d. Landesabt. (Schleswig-Holstein). 1.5.1933 NSDAP (Nr. 2,730.351). 1.8.1933 NSLB (Nr. 229.800). 5.11.1933 SA (SA-Mann ab 20.4.1934; später Sturmmann und Referent für Weltanschauliche Schulung bei der SA-Standarte R 187). November 1933 Mitbegründer des »Kampfring der Deutsch-Österreicher im Reich.« [17] 14.6.1937, Wiss. Leiter des NSDDB in Kiel; 1938-1942, wiss. Leiter der Wiss. Akademie des NSDDB in Kiel. Ab 1940 Leiter der Gruppe Philosophie der »Arbeitsgemeinschaft für den Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften«. 1943 von Rosenberg mit der Abhaltung von Vorträgen in Litauen und Lettland beauftragt. 1943-1944 Leiter des Amtes Wissenschaft des NSDDB; Jan.-Sept. 1944 Dozentenschaftsleiter der Univ. Frankfurt. 1942-44 Mithrsg. der »Kant-Studien«. — Geschichte der Dt. Philosophie »Gestaltanalyse«. Veröff.: Philosophie — Werkzeug u. Waffe, 1940; Die Philosophie des Paracelsus, 1944; div. Artikel in »Bücherkunde« und »NS-Monatsheften«. Nach kurzer Unterbrechung konnte Weinhandl seine Karriere in Graz fortführen; 1952 ao. Prof., Graz. 1963 wurde ihm das Österr. Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (I. Klasse) verliehen. (BDC; BA-DZ-ZAV169; BAK-R21/801, R21/10811, R21 Anh. Nr. 10296; UA-Wien; Goller 89; KGK 40/41, 54, 66; PL)
  • Ottomar WICHMANN — geb. 13.5.1890 (evang.) — n. b. ao. Prof. der Philosophie, Berlin; ab 17.5.1939 Vertretung in Wien; 24.10.1939 ao. Prof. der Pädagogik, Wien — Frontsoldat im I. WK. 1919-1920 »Zeitfreiwilliger« in Halle/S. 1.11.1933 NSLB (Nr. 193.777). Ab Jänner 1934 SA; er wurde Scharführer im Sturm 6/224. 1.5.1937 NSDAP (Nr. 4,636.219). Erhielt die Wiener Professur nach einer Intervention der Obersten SA-Führung beim REM am 25.3.1939 (REM Handakte, BDC) — Klass. Philologie u. Pädagogik. Veröff.: Erziehungs- und Bildungslehre, 1935. Nach dem Krieg wurde er von der Univ. Wien entlassen, ging nach Tübingen, wo er 1961 emeritiert wurde. †23.10.1973 in Calcutta, Indien. (BDC; BA-DZ-ZAV134; BAK-R21 Anh. Nr. 10443; UA-Berlin; UA-Wien; F/W; KGK 40/41, 66; PL)
  • Hans WINDISCHER — geb. 8.9.1909 (kath.) — Priv. Doz. der Phil, und Psychologie; 2.4.1938 Entlassung von der Uni. — Kurz nach seiner Entlassung wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Veröff.: Franz Brentano und die Scholastik, 1936. — 1952 titl. ao. Prof. der Philosophie u. Psychologie; 1956 ao. Prof. und Vorst. Philos. Inst. †4.4.1975 in Innsbruck. (Goller 89; KGK 40/41, 50, 61; Minerva 38)

Abkürzungen

  • ao. Prof. — außerordentlicher Professor
  • a. pl. Prof — außerplanmäßiger Professor
  • Asst. — Assistent
  • CV — Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens
  • DFG — Deutsche Forschungsgemeinschaft
  • Dozent n. O. — Dozent neue Ordnung
  • FM-SS — Förderndes Mitglied der SS
  • HJ — Hitler-Jugend
  • KfdK — Kampfbund für deutsche Kultur
  • LA — Lehrauftrag
  • LB — Lehrbeauftragter
  • n. b. ao. Prof. — nicht beamteter, außerordentlicher Professor
  • Nf. — Nachfolger
  • n. pl. ao. Prof. — nichtplanmäßiger, außerordentlicher Professor
  • NSDAP — Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei
  • NSDDB — Nationalsozialistischer Deutscher Dozentenbund
  • NSDStB — Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund
  • NSLB — Nationalsozialistischer Lehrerbund
  • NSV — Nationalsozialistische Volkswohlfahrt
  • o. Prof. — ordentlicher Professor
  • Priv. Doz. — Privatdozent
  • REM — Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung
  • RFR — Reichsforschungsrat
  • RLB — Reichsluftschutzbund
  • SA — Sturm Abteilung der NSDAP
  • SS — Schutzstaffeln der NSDAP
  • StR — Studienrat
  • VDA — Volksbund für das Deutschtum im Ausland
  • VF — Vaterländische Front
  • WS/SS — Wintersemester/Sommersemester
  • BA-DZ — Bundesarchiv-Dokumentationszentrale, Dahlwitz-Hoppegarten
  • BAK — Bundesarchiv, Koblenz
  • BAPo — Bundesarchiv, Außenstelle Potsdam
  • BDC — Berlin Document Center
  • IfZ — Institut für Zeitgeschichte, München
  • UA — Universitätsarchiv Berlin, Graz, Greifswald, Leipzig, Wien
  • F/W — Fischer und Wimmer. »Der geistige Anschluß« 1993
  • IBD — International Biographical Dictionary of Central European Emigres 1933-1945
  • KGK — Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender: 31, 35, 40/41, 50, 54, 61, 66.
  • NDB — Neue Deutsche Biographie
  • PL — Philosophen Lexikon, 1949-50
  • Wi — Degeners Wer ist Wer, 1928, 1935
  • WiW — Wer ist Wer — Lexikon österreichischer Zeitgenossen, 1937
  • WsW — Who’s Who in Austria, 1954

Gesetzliche Grundlagen (wichtigste Passagen)

Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Vereidigung der Beamten des Landes Österreich

Vom 15. März 1938, Reichsgesetzblatt, Teil I, Jg. 1938, S. 245

Auf Grund des Artikels II des Gesetzes über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich vom 13. März 1938 (Reichsgesetzbl. I S. 237) ordne ich folgendes an:

§ 1 Die öffentlichen Beamten des Landes Österreich haben beim Eintritt in den Dienst einen Diensteid zu leisten.

§ 2 Der Diensteid der öffentlichen Beamten lautet:
»Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes Adolf Hitler treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe.«

§ 3 Die im Dienst befindlichen Beamten sind unverzüglich gemäß § 2 zu vereidigen. Jüdische Beamte sind nicht zu vereidigen.

§ 4 Jude ist, wer von mindestens drei der Rasse nach volljüdischen Großeltern abstammt. Als Volljude gilt ein Großelternteil ohne weiteres, wenn er der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hat. Als Jude gilt der von zwei volljüdischen Großeltern abstammende jüdische Mischling, a) der am 16. September 1935 der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hat oder danach in sie aufgenommen wird, b) der am 16. September 1935 mit einem Juden verheiratet war oder sich danach mit einem Juden verheiratet.

§ 5 Wer sich weigert, den Eid zu leisten, ist vom Dienst zu entheben.

Erlaß des Führers und Reichskanzlers über die Wiedergutmachung der im Kampf für die nationalsozialistische Erhebung Österreichs erlittenen Dienststrafen und sonstigen Maßregelungen

Vom 10. April 1938, Reichsgesetzblatt, Teil I, Jg. 1938, S. 375-376

§ 1 (1) Den öffentlichen Bediensteten, die in Österreich seit dem 30. Januar 1933 a) infolge einer im Kampf für die nationalsozialistische Erhebung Österreichs erlittenen strafgerichtlichen Verurteilung ihr Amt oder ihre Ansprüche auf Ruhe- und Versorgungsgenüsse verloren haben, oder b) wegen einer in diesem Kampfe begangenen Handlung oder Unterlassung Dienststrafen erlitten haben, oder c) wegen einer solchen Handlung oder Unterlassung oder wegen ihrer nationalsozialistischen Gesinnung durch Verwaltungsverfügungen gemaßregelt worden sind, wird, soweit hierdurch Rechtsansprüche entzogen sind, auf Antrag von ihren Dienstherren Wiedergutmachung geleistet.

Verordnung zur Neuordnung des österreichischen Berufsbeamtentums

Vom 31. Mai 1938. Reichsgesetzblatt, Teil I, Jg. 1938, S. 607-608

§ 3 (1) Jüdische Beamte, Beamte, die jüdische Mischlinge sind, und Beamte, die mit einer Jüdin (einem Juden) oder mit einem Mischling ersten Grades verheiratet sind, sind in den Ruhestand zu versetzen ....

§4 (1) Beamte, die nach ihrem bisherigen politischen Verhalten nicht die Gewähr dafür bieten, daß sie jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten, können in den Ruhestand versetzt werden; dies gilt vor allem für Beamte, die gegen die nationalsozialistische Bewegung und ihre Anhänger gehässig aufgetreten sind oder ihre dienstliche Stellung dazu mißbraucht haben, um völkisch gesinnte Volksgenossen zu verfolgen, zurücksetzen oder sonst zu schädigen. …

Pseudonyme und Namensänderungen

  • Karl Bühler — Karl Buhler (nach 1940)
  • Oskar Friedländer — Oskar Ewald
  • Dietrich v. Hildebrand — Peter Ott (1940)
  • Franziska Mayer — Franziska Hildebrandt bzw. Mayer-Hildebrandt

Philosophen in der NSDAP [18]

 (Eintrittsdatum)
Walter Del-Negro Mai 1938
Ernst Foradori 1.11.1932
Franz-Wolfgang Garbeis 1.6.1940 [19]
Arnold Gehlen 1.5.1933
Otto Hartmann 1.1.1934
Erich Heintel 1.7.1940
Günther Ipsen 1.5.1937
Franz Kröner 1.5.1933
Ernst Mally 1.5.1938
Otto Pommer 1.5.1938 [20]
Karl Sapper 1.5.1938
Walther Schmied-Kowarzik 1.4.1933
Walter Schulze-Soelde 1.5.1933
Wolfram Steinbeck 1.3.1933
Ferdinand Weinhandl 1.5.1933
Ottomar Wichmann 1.5.1937

Philosophen in der NSLB

 Eintrittsdatum
Friedrich Billicsich  
Arnold Gehlen 1.8.1933
Otto Hartmann Jan. 1938
Günther Ipsen 1.6.1934
Otto Pommer Herbst 193
Walther Schmied-Kowarzik 1.5.1933
Walter Schulze-Soelde  
Wolfram Steinbeck 1.7.1933
Ferdinand Weinhandl 1.8.1933
Ottomar Wichmann 1.11.1933

Philosophen in der SA

 Eintrittsdatum
Ernst Foradori Sept. 1931
Gunther Ipsen April 1931
Walther Schmied-Kowarzik 1.11.1933
Wolfram Steinbeck 1933
Ferdinand Weinhandl 5.11.1933
Ottomar Wichmann Jan. 1934

[1Hans Sluga, Die verfehlte Sendung. Die Philosophie und der Nationalsozialismus, in: Der geistige Anschluß. Philosophie und Politik an der Universität Wien 1930-1950. WUV, 1993, S. 13.

[2Ibid., S. 15.

[3Dies betrifft lediglich die Philosophen, deren Habilitationsverfahren abgeschlossen war und die einen Lehrauftrag in Philosophie oder einer Verbindung aus Philosophie und einer anderen Disziplin (z.B. Psychologie) innehatten. Die Laufbahnen der Assistenten und der Philosophen an den kirchlichen Hochschulen ebenso wie die jener Philosophen, die keine Lehraufträge an Universitäten innehatten, bleiben noch zu untersuchen.

[4Eine eingehendere Schilderung der deutschen Philosophie in der NS-Zeit findet sich in meiner Arbeit Heidegger im Kontext. Hamburg: Argument Verlag, 1993.

[5Kritische Theorie im Stil der Frankfurter Schule wurde in Nazi-Deutschland sogar weiterhin veröffentlicht. Siehe z.B. Heinz Maus, Zur gesellschaftlichen Funktion der Soziologie, in: Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, Band 33 (1940), S. 149-186. Mein Dank für diese Information geht an Carsten Klingemann.

[6»›... die wirklichen Nazis hatten doch gar kein Interesse an uns‹ Hans-Georg Gadamer im Gespräch mit Dörte von Westernhagen«, in: Das Argument, Nr. 182 (Juli/August), S. 547.

[7Karl Löwith, Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933. Frankfurt/M: Fischer Verlag, 1989, S. 10.

[8Eine vollständige Liste aller deutschen Philosophen in der NSDAP findet sich in Heidegger im Kontext, S. 104-5.

[9Vgl. Sluga, S. 16

[10»Die bis 1938 bestehende, von E. Dollfuß mit einem Aufruf vom 21.5.1933 begründete V.F. verstand sich als eine ständestaatlich orientierte, antiparlamentar., zur Überwindung der polit. Parteien in Österr. gedachte Sammelbewegung aller sich zu einem unabhängigen Österr. bekennenden Österreicher.« Lexikon der deutschen Geschichte (Gerhard Taddey, Hrsg.), Stuttgart: Kroner Verlag, 1983, S. 1267. Zwei Philosophen, Hans Eibl und Friedrich Kainz, gehörten von 1934-38 der V.F. an.

[11Siehe nachstehend § 3 und § 4 des »Erlasses des Führers und Reichskanzlers über die Vereidigung der Beamten des Landes Österreich« vom 15. März 1938.

[12Der Text von § 3 wird nachstehend zitiert. Vgl. auch § 59 Deutsches Beamtengesetz vom 27.1.1937, in: Reichsgesetzblatt I, Nr. 9, Jg. 1937.

[13Der Positivismus war auch in Deutschland vor dem Anschluß nicht verboten worden. Heinrich Scholz (der vom Amt Rosenberg ebenfalls als »Positivist« angegriffen wurde) erhielt zum Beispiel 1936 von der DFG für seine Arbeit über Freges Nachlaß finanzielle Unterstützung und blieb während der NS-Zeit an der Universität Münster. Heidegger im Kontext, S. 77-78.

[14Hans Buchheim, »Mitgliedschaft bei der NSDAP«, in: Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte. München, 1958. S. 316.

[15Diese Liste enthält nur Philosophen ab dem Rang eines Dozenten, die zwischen 13.3.38 und 30.4.1945 im Fach Philosophie einen Lehrauftrag innehatten.

[16Laut Kartei des NS-Altherrenbund trat Pommer am 1.10.37 in die NSDAP ein. Das obige Aufnahmedatum ist in der NSDAP-Hauptakte im Berliner Dokumentationszentrum verzeichnet.

[17»Der ›Kampfring‹ ist eine Hilfsorganisation der Landesleitung Österreich der NSDAP. Alle Dienststellen der Partei werden angewiesen, den Bestrebungen des Kampfringes entgegenzukommen und diese weitgehendst zu unterstützen. Es ist aber dabei darauf zu achten, daß der Eindruck vermieden wird, als ob der Kampfring von der reichsdeutschen NSDAP aufgezogen werde; er soll sich vielmehr aus den inneren Kräften der im Reich ansässigen Österreicher aufbauen. Diese Information ist vertraulich und nur für die Dienststellen der Partei bestimmt.« Bekanntgabe 6/34, Reichsgeschäftsführer, 22.1.34, in: Verordnungsblatt der Reichsleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Partei, Folge 64.

[18Drei weitere Philosophen versuchten, der NSDAP beizutreten, wurden jedoch nicht aufgenommen: H. Eibl (Mai 1938), E Kainz (Feb. 1939) und H. Rohracher (ca. 1940).

[19Garbeis war ab 1.5.1938 »Parteianwärter«. Siehe Buchheim, »Mitgliedschaft bei der NSDAP«, in: Gutachten des Instituts für Zeitgeschichte. München, 1958.

[20Laut seiner Karteikarte beim NS-Altherrenbund trat er 1.10.1937 der NSDAP bei. Siehe Pommers Kurzbiographie.

Literatur

  • Cermak, Erich, Beiträge zur Geschichte des Lehrkörpers der Philosophischen Fakultät der Universität Wien, Zwischen 1938 und 1945. Uni Wien: Diss. an der geisteswissenschaftlichen Fakultät, 1980
  • Degener, Hermann (Hrsg. ), Degeners Wer ist Wer. Berlin: Verlag H. Degener, 1935
  • Deisz, Robert, Das Recht der Rasse in Österreich, in: Das Recht der Rasse, München: Zentralverlag der NSDAP, 1938, S. 33-39.
  • Emödl, Paul und Robert Teichl, Wer ist Wer. Lexikon Österreichischer Zeitgenossen. Wien, im Selbstverlag, 1937.
  • Fischer, Kurt R. und Franz Wimmer (Hrsg), Der geistige Anschluß — Philosophie und Politik an der Universität Wien 1930-1950. Wien WUV-Universitätsverlag, 1993
  • Goller, Peter, Philosophie an der Universität Innsbruck 1918-1945, in: Tiroler Heimatjahrbuch für Geschichte und Volkskunde, 51. /52. Band (1987/88), S. 167-190)
  • Ders. Die Lehrkanzeln für Philosophie an der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck (1848 bis 1945). Veröffentlichungen der Universität Innsbruck, Band 169 (Forschungen zur Innsbrucker Universitätsgeschichte, Band XIV). Innsbruck: Universitätsarchiv, 1989
  • Gruber, Erich, Die Überführung der österreichischen Beamten in das reichsdeutsche Beamtenrecht, in: Reich und Ostmark. Eine Vortragsreihe der österreichischen Verwaltungsakademien. Berlin/Wien: Industrieverlag Spaeth & Linde, 1938, S. 116-130
  • Kernbauer, Alois (Archivar der Universität Graz), Brief an den Verfasser, 23.6.1993
  • Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Berlin: Walter de Gruyter, 1935, 1940/41, 1950, 1954, 1961, 1966, 1970, 1976.
  • Leaman. George, Heidegger im Kontext: Gesamtüberblick zum NS-Engagement der Universitätsphilosophen. Hamburg, Argument Verlag, 1993.
  • Minerva, Jahrbuch der Gelehrten Welt, I. Band: Europa. 33. Jg. Berlin: Walter de Gruyter, 1936 u. 1938 (N.B.: Vorwort zur 38. Auflage datiert 28.2.38).
  • Neue Deutsche Biographie. Berlin: Duncker und Humblot, 1953
  • Roeder, Werner und Herbert A. Strauss (Hrsg.), Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. München: K. G. Saur, 1980
  • Stadler, Friedrich (Hrsg.), Vertriebene Vernunft I. und II. Wien/München, 1987/88.
  • Taylor, Stephen (Hrsg.), Who’s Who in Austria. Zürich: Central Europ. Times Pub., 1954
  • Verzeichnis der Dozenten an den wissenschaftlichen Hochschulen, Band I. und II., Berlin Document Center.
  • Wieser, Alfred Rhaeticus, Die Geschichte des Faches Philosophie an der Universität Wien 1848-1938. Universität Wien: Dissertation an der phil. Fak., 1950
  • Ziegenfus, Werner und Gertrud Jung (Hrsg.) Philosophen-Lexikon. Handwörterbuch der Philosophie nach Personen, 2 Bände. Berlin: Walter de Gruyter, 1949/50

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Erstveröffentlichung im FORVM:
April
1994
No. 481-484, Seite 25
Autor/inn/en:

George Leaman:

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