FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1954 - 1967 » Jahrgang 1965 » No. 138-139
Friedrich Abendroth • Willy Brandt • Gerhard Bronner • Anton Burghardt • Felix Butschek • Fritz Csoklich • Julius Deutsch • Josef Dobretsberger • Heimito von Doderer • Heinrich Drimmel • Herbert Eisenreich • Anton Fellner • Iring Fetscher • Paul Flora • Rupert Gmoser • Willfried Gredler • Josef Hindels • Ernst Koref • Alexander Lernet-Holenia • Norbert Leser • Georg Lukács • René Marcic • Eduard März • Albert Massiczek • Hermann Mörth • Oswald von Nell-Breuning • Roland Nitsche • Bruno Pittermann • Walter Pollak • Viktor Pospischil • Ludwig Reichhold • Johann Schasching • Gustav Scherbaum • Willi Schlamm • Franz-Martin Schmölz • Eduard Speck • Franz Taucher • Rudolf Weiler • Erwin Weissel • Erik G. Wickenburg

100 Worte Sozialismus

Vor fünfzig oder gar hundert Jahren konnte man, tatsächlich oder vermeintlich, mit zehn Worten sagen, was Sozialismus sei. Reichen heute hiefür auch nur hundert Worte aus?

Dies herauszufinden, schien uns eines größer angelegten Versuches wert.

Von den vierzig Autoren, die auf unsere Frage antworteten, konnten nicht alle gleich gut zählen, doch sind dafür manche erheblich unter dem Limit geblieben.

Friedrich Abendroth

Katholischer Publizist, Ex-Mitherausgeber des FORVM, derzeit „Echo der Zeit“, Recklinghausen

Der Begriff „Sozialismus“ hat — ungeachtet seines Auftretens auch in früherer oder gleichzeitiger Literatur — durch Marx und Engels seine für die weitere philosophische und politische Geschichte relevante Definition gefunden. Er bezeichnet — vereinfachend ausgedrückt — das durch wissenschaftliche Überlegung erkennbare und durch bewußte politische Tätigkeit erreichbare Durch- und Übergangsstadium der menschlichen Gesellschaft auf dem Wege zu einem Zustand freien, klassenlosen Zusammenlebens. Bejaht man dieses Ziel radikal und konsequent, dann muß man zugeben, daß der dorthin führende Weg bislang von niemandem folgerichtiger und logisch schlüssiger entwickelt wurde als von Marx und Engels. Ich bin der Meinung, daß man den Begriff nur im Sinne seiner Schöpfer anwenden kann, ohne Beiworte und Zusätze wie „christlich“ oder „gemäßigt“ oder „wahr“ — über die schon die Verfasser des „Kommunistischen Manifests“ in einem kurzen Anhangkapitel alles Wissenswerte vorausschauend gesagt haben. Will man das Endziel, dem der Sozialismus als ein vorübergehender Zustand untergeordnet ist, aber nicht, oder meint man, dieses an sich gewollte Endziel mit anderen Mitteln erreichen zu können, dann soll man dies gefälligst sagen, sich nicht Sozialist nennen, sondern sich einen anderen Namen einfallen lassen.

Willy Brandt

Regierender Bürgermeister von Berlin, Vorsitzender und Kanzlerkandidat der SPD

Den Sozialismus gibt es nicht, oder nicht mehr. Meine Definition beginnt deshalb mit einer dreifachen Abgrenzung: Der moderne, freiheitliche Sozialismus ist kein Verwandter des Kommunismus, keine Ersatzreligion, aber mehr als ein Wirtschaftsprogramm. Der freiheitliche Sozialismus will die Demokratie umfassend verwirklichen. Er will eine staatliche und gesellschaftliche Ordnung herbeiführen, in der jeder Mensch seine Anlagen verwirklichen kann, um ein Leben in Würde, als selbstverantwortlicher Teil der Gemeinschaft zu führen. Über diese fortdauernde gesellschaftliche Aufgabe hinaus muß es den freiheitlichen Sozialisten darum gehen, das solidarische Prinzip in den zwischenstaatlichen und weltweiten Zusammenhängen zur Geltung zu bringen.

Gerhard Bronner

Wiener Kabarettist und Fernseh-Autor

Orwells „1984“ ist nicht mehr weit.

Daß dem „Friedensministerium“ die Armee, dem „Liebesministerium“ die Geheimpolizei untersteht, klingt heute gar nicht mehr so absurd.

„Sozialismus“ wird im Osten ebenso diskreditiert wie „Christentum“ in Franco-Spanien.

Denn jede Weltverbesserungsidee verliert ihren Sinn, sobald sie sich jenseits aller Diskussionen zum Selbstzweck erklärt.

Definieren wir also den demokratischen Sozialismus:

Er ist die einzige Weltverbesserungsidee, die bisher ohne physische Gewalt und ohne Terror auskam.

Ich glaube nicht, daß so eine Idee jemals antiquiert sein kann.

Anderseits fürchte ich, daß die Menschheit noch einen weiten Weg zu gehen hat, ehe sie die Verwirklichung einer solchen Idee verdient.

Anton Burghardt

Univ.-Prof. in Graz, Herausgeber der „Furche“
  1. Sozialismus ist der Versuch, die gegebene Verteilung des Einkommens durch tendenzielle Egalisierung neu zu ordnen.
  2. Zu diesem Zweck muß: a) die Eigentumsordnung geändert werden; b)zumindest die Eigentumsgebrauchsordnung und c) jede Privilegierung (die auch in der gegebenen Eigentumsordnung angelegt ist) aufgehoben werden. Daher Demokratisierung.
  3. ist der Sozialismus eine innerweltliche Heilslehre, nicht Quasi-Kirche, nicht Religionsersatz; da profan, weil auf Verteilungsänderung fixiert, kann der Sozialismus Bereich vieler Weltanschauungen sein.
  4. Der Marxismus ist, soweit Versuch, auch Weltanschauung zu sein, eine Fehlinterpretation des Sozialismus.

Felix Butschek

Sozialistischer Publizist und Nationalökonom in Wien

Seit die Menschheit mit den Problemen der industriellen Revolution konfrontiert ist, will der Sozialismus — vor, während und nach der Dominanz des Marxismus: Alle Menschen sollen unter optimalen ökonomischen und sozialen Bedingungen die Möglichkeit haben, alle ihre humanen Fähigkeiten voll zu entfalten. Diese Definition umfaßt fast zwei Jahrhunderte; sie ist sehr weit. Wäre sie es nicht, gäbe es heute keine sozialistische Zielsetzung mehr.

Was sich erst als historisches Gesetz präsentierte, hat sich als Kennzeichen eines Entwicklungsstadiums erwiesen; was unentrinnbares Fatum schien, ist Objekt wirtschaftspolitischer Manipulation geworden; der einst tödliche Riß im Gesellschaftskörper erscheint — abgeschwächt und unter geregelten Bedingungen der Auseinandersetzung — als fruchtbare Triebkraft gesellschaftlichen Wandels.

Durch schmerzhaften Anschauungsunterricht wissen wir, daß Instrumente, die gestern noch tauglich schienen, dies heute nicht mehr sind, ja, daß manche Probleme von gestern heute gar nicht mehr existieren. Es ist Aufgabe des Sozialismus, die Fragen der heutigen Gesellschaft gemäß den Möglichkeiten der zeitgenössischen Wissenschaft zu lösen und diese Lösung im fairen demokratischen Wettstreit durchzusetzen. Wir müssen uns dabei bewußt sein, daß wir niemals ein irdisches Paradies schaffen können, sondern daß die gesellschaftliche Entwicklung uns stets unerwartete neue Probleme bescheren wird. So gilt heute mehr als je der Satz Bernsteins: „Das Endziel des Sozialismus ist mir gar nichts, die Bewegung alles.“

Fritz Csoklich

Katholischer Publizist und Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“, Graz

Sozialismus schlechthin ist 1965 undefinierbar. Sozialismus 1965 in Österreich zielt theoretisch auf die klassenlose Gesellschaft, während er praktisch zu einer sozialreformerischen Volkspartei geworden ist; diese hat bereits 50 Prozent jener Staatsmacht errungen, die das Kommunistische Manifest als Ausschuß bezeichnet, „der die gemeinschaftlichen Geschäfte der Bourgoisklasse verwaltet“. Josephinische Staatstreue, liberale Aufgeklärtheit, ständische Interessenvertretung, dosierter Fortschrittsglaube mit einer starken Prise Mißtrauen gegen jegliches „Kirchentum“, zunehmender Verlust innerer Imperative, was durch Betonung äußerer Disziplin ausgeglichen werden soll, echte demokratische Überzeugung mit gleichzeitiger Virtuosität, Register sanfter Gewalt zu ziehen, belastet von dem Tick, ständig zweiter zu sein: das etwa ist Sozialismus 1965 in Österreich.

Julius Deutsch

Sozialdemokratischer Staatssekretär a.D., ehemals General des Schutzbundes und der spanisch-republikanischen Armee

Was ist Sozialismus heute? Eine Entwicklungsphase auf dem Wege zu kollektiver Gesellschaftsordnung.

Ökonomie. Die moderne Wirtschaft ist dem Einzelnen über den Kopf gewachsen. Liberales „Laissez faire, laissez passer“ hat sich überlebt; Planwirtschaft übernimmt die Aufgabe, Privatbetriebe neben Staats- und Gemeindebetrieben koexistent zulenken.

Kultur. Internationale Verflechtung der Wirtschaft fördert Annäherung der Völker, stärkt humanistischen Geist.

Politik. Demokratie wird zur Lebensform, verneint jede Art von Diktatur, bringt Einzelrecht in Einklang mit Volksrecht.

Josef Dobretsberger

Österreichischer Nationalökonom, ehem. Minister der Regierung Schuschnigg, Univ.-Prof. in Graz

Sozialismus ist keine Weltanschauung, sondern ein Wirtschafts- und Gesellschaftsprogramm. Bei dem gegenwärtigen Stand der Technik und Bevölkerungsdichte führt das freie Spiel der Kräfte weder zur optimalen Entfaltung der Produktivkräfte noch zu einer gleichmäßigen Streuung von Einkommen und Vermögen noch zu einem störungsfreien Wirtschaftswachstum. Lang- und mittelfristige Rahmenplanung ist notwendig geworden. Eine Reihe von Wirtschaftszweigen, wie Banken, Versicherungen, Verkehr, Wohnbau und Grundstoffindustrien, arbeiten nicht mehr gewinnorientiert, sondern haben gesamtwirtschaftliche Aufgaben übernommen. Sie gingen aus dem Bereich der Wirtschaftsführung in jenen der Wirtschaftsverwaltung über. Die unausweichliche Konzentration schafft Machtpositionen Einzelner, denen keine entsprechende Leistung und Verantwortung gegenübersteht. Von dem Wort „Unternehmen“ bleibt nur noch das „Nehmen“ übrig. Solche Bereiche hohen Monopolisierungsgrades gehören unter Kontrolle. Auch überkommene Privilegien des Standes oder Besitzes können nicht mehr fortbestehen. Die veränderte Lage von heute erkennen und die erforderlichen Instrumente der Lenkung und Umverteilung anwenden, ist der Sozialismus von heute, Die Freiheit der Person wird durch ein solches Programm nicht ärger betroffen als durch die Verkehrsregelung bei wachsendem Verkehr.

Heimito von Doderer

Österreichischer Schriftsteller und Träger des Großen Staatspreises

In meinen Tagebüchern habe ich den Begriff des Sozialismus vielfach und versuchsweise hin und her gewendet, aber zu etwas Definitorischem möchte ich mich heute noch nicht entschließen.

Heinrich Drimmel

Ex-Bundesminister für Unterricht, Vizebürgermeister und ÖVP-Stadtrat in Wien

Links ist heute ebensowenig die Ausgangslage des Marxismus wie Rechts die des Konservatismus und des Liberalismus. In einer polemisch gefaßten Inventur der politischen Begriffe habe ich der Rechten vorgehalten, sie charakterisiere sich oft am liebsten als bürgerlich, denn „in einer Zeit, in der alte Marxisten die ‚ersten Bürger‘ ihres Staates sind, ‚Ehrenbürger‘ ihrer Heimatstädte werden und bürgerliche Preise ein Synonym für solide Geschäftsgebarung sind, kann diese Bezeichnung nicht mehr viel schaden.“

Diese Provokation nach rechts hat erstaunlicherweise auf der Linken gezogen. Es ergab sich die Tatsache, daß Sozialisten die Worte „alte Marxisten“ in Zusammenhang mit Erscheinungen von heute als „geschmacklos“ und wahrscheinlich als beleidigend empfinden. Ich glaube nicht, daß ein Mensch, der als Liberaler alt geworden ist, etwa Theodor Heuss, die Klassifizierung „alter Liberaler“ beleidigt aufgenommen hätte.

Die Linke war einmal eine Reaktion auf eine noch ältere Rechte. Die heutige Linke, machtvoll und einflußreich, wie sie große Teile der Welt beherrscht, provoziert eine neue Rechte. Das Gesetz dieser Polemik, das sich in langen geschichtlichen Epochen abspielt, ist unaufhaltsam im Gange. Nach einer Zwischenphase, in der man allgemein eine Entideologisierung gepredigt hat, scheinen sich neuerdings wieder rechts und links die Standpunkte ideenmäßig zu verfestigen.

Die im Werden begriffene neue Mittelschichte, die nicht mehr den Leitbildern Feudalismus, Kapitalismus und Marxismus nachhängt, drängt nach neuen politischen Formen. In dieser Entwicklung wird auch der Sozialismus seine Vergangenheit zu bewältigen haben, um unter den von Grund auf gewandelten Verhältnissen in Gesellschaft und Staat einen Rang zu behaupten.

Herbert Eisenreich

Österreichischer Schriftsteller und Staatspreisträger

Sozialismus ist heute, wie eh und je, und wie jeder politische Ismus, eine schamvolle Verschleierung der nackten Tatsache, daß wir Menschen die Macht, die wir nicht haben, als Unrecht, und die Macht, die wir haben, als Recht zu deklarieren stets geneigt sind.

Anton Fellner

Katholischer Publizist und Chefredakteur des „Neuen Österreich“, Träger des Karl-Renner-Preises 1965

Sozialismus ist der Sammelbegriff für gesellschaftskritische Theorien sowie politische Systeme und Bewegungen, die sich — insbesondere auf den Lehren des Marxismus fußend — heute in zwei Hauptrichtungen manifestieren: dem freiheitlich-demokratischen Sozialismus und dem Kommunismus. Das ursprünglich gemeinsame Ziel sozialistischer Bestrebungen — die Errichtungeines Gesellschaftssystems der sozialen Gerechtigkeit auf der Basis des Gemeineigentums und im Sinne eines diesseitig verankerten Eudämonismus — sucht der Kommunismus im weseftlichen mittels der zur totalen Herrschaft einer Partei entarteten „Diktatur des Proletariats“ und des Kollektivismus zu erreichen, der freiheitlich-demokratische Sozialismus nach dem Leitbild eines liberalen Humanismus, politisch fundiert in der Ordnung parlamentarischer und wirtschaftlicher Demokratie.

Iring Fetscher

Professor für politische Wissenschaften an der Goethe-Universität, Frankfurt a.M.

Sozialismus ist die Forderung nach einer Gesellschaftsordnung, in der die Freiheit eines Jeden zu optimaler Entfaltung seiner Anlagen und zur Betätigung gemäß seinen Fähigkeiten gewährleistet wird. Zu diesem Zwecke erstrebt er die Aufhebung aller realen Privilegien, welche die Chancengleichheit beeinträchtigen können. Einschränkungen des Freiheitsspielraums eines Jeden dürfen, soweit sie notwendig bleiben, nur durch demokratisch beschlossene und angewandte Gesetze erfolgen.

Paul Flora

Österreichischer Zeichner und Karikaturist

Für Ihre Frage bin ich nicht schlau genug. Zum Beispiel könnte ich mich nie so gewählt ausdrücken wie Heimito von Doderer, der meiner Meinung nach so richtig sagt: „Sozialismus nennt man einen ungeheuren Aufwand zum Wohl der Menschheit, welcher sich selbst so restlos konsumiert, daß am Ende tatsächlich Jeder Alles, nämlich das übriggebliebene Nichts hat.“

Rupert Gmoser

Sozialistischer Publizist und Nationalökonom, Direktor der Sozialakademie, Graz

Es ist ein Irrtum, wenn jemand meint, vor 100 Jahren konnte man mit zehn Worten sagen, was Sozialismus sei. Weder heute noch damals kann man Sozialismus mit zehn, hundert oder unzähligen Worten definieren, weil es den Sozialismus, der von jedermann zu allen Zeiten als solcher erkennbar gewesen wäre, nicht gibt. Jedes Land, jede Geschichtsepoche hat einen spezifischen Sozialismus geformt. Er war von Anfang an ökonomische und soziologische Theorie, politische Strömung, geschichtsphilosophische Eschatologie.

Skandinavische Sozialisten werden auch heute unter Sozialismus etwas anderes verstehen als indische Sozialisten oder israelische.

Für die österreichischen Sozialisten umschreibt das Wiener Grundsatzprogramm 1958, was Sozialismus in Österreich heute bedeutet. Die gemeinsame Basis für alle sozialistischen Strömungen in Westeuropa drückt sich am besten im Begriff „freiheitlicher Sozialismus“ aus. Die freie Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit ist das Leitbild dieses Sozialismus. Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft sollen nach diesem Leitbild geformt werden. Theorie und Praxis stimmen allerdings selbst in einem Land zu einem gegebenen Zeitpunkt nicht ganz überein.

Willfried Gredler

Gesandter beim Europarat, Straßburg, Ex-Abgeordneter der FPÖ

Martin Buber zitiert eine Rede Lenins vor dem Parteitag der KPdSU im März 1918: „Wir können keine Charakteristik des Sozialismus geben, wie der Sozialismus aussehen wird, wenn er seine endgültigen Formen annimmt. Das wissen wir nicht, das können wir nicht sagen.“

Als sich kürzlich Nasser und Ulbricht trafen, war jeder von sich überzeugt, Sozialist zu sein. Ob er auch dem anderen diese Qualifikation zubilligte, scheint dagegen fraglich.

Sollte man die leitenden Herren der Sozialistischen Partei Österreichs interpellieren, ob sie die Obgenannten als Sozialisten ansehen, würde man in der Löwelstraße dies zweifellos verneinen.

Man sagt, daß der große chinesische Weise, Lao-tse, befragt, was er als mächtiger Reformator zuerst tun würde, die Antwort gab: eine Klärung der Begriffe herbeiführen.

Ich selbst bin weder Reformator noch Weiser noch Sozialist. Selbst als Politiker (in jüngeren Jahren) hätte ich nicht vermocht, eine Definition über etwas zu geben, was selbst jene nicht deuten können, die sich als Sozialisten bezeichnen; nunmehr (als Beamten-Eleve) in einer Behörde tätig, an deren Spitze jemand steht, der auch meines Erachtens als Sozialist bezeichnet werden kann, vermag ich eine echte Antwort auf die gestellte Frage weniger denn je zu formulieren.

Josef Hindels

Sozialistischer Publizist, Sekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten

Sozialismus bedeutet: 1. Gemeineigentum an den Produktionsmitteln. 2. Planwirtschaft. 3. Breitestee Demokratie. So definierte ich jahrelang den Begriff: Sozialismus. Heute scheint mir diese Definition noch immer richtig, aber unvollständig zu sein.

Ich füge daher ein viertes Merkmal hinzu: Erst wenn sich unter den neuen, die Klassenscheidung aufhebenden Produktionsverhältnissen neue Menschen entwickeln, vermag der Sozialismus das zu sein, was er sein soll: eine wahrhaft menschliche Gesellschaft.

Die Stalinisten starrten wie hypnotisiert auf die Produktionsverhältnisse und verwechselten den Menschen mit einem Roboter. Die Reformisten reden zwar viel vom Menschen, aber sie haben sich längst mit der bestehenden Gesellschaft und daher auch mit dem Menschen, so wie er ist, abgefunden. Sozialismus erfordert indessen eine Synthese aus revolutionärer Gesellschaftsphilosophie und Humanismus.

Ernst Koref

Sozialistischer Altbürgermeister von Linz

Die Frage in beengtem Rahmen zu beantworten, halte ich weder für empfehlenswert noch für möglich. Es liegt ja kein einheitlicher Begriff vor. Gibt es doch heute verschiedene Arten von Sozialismus, wie z.B. den internationalen Sozialismus, den demokratischen Sozialismus (der natürlich auch international aufgefaßt werden kann), den christlichen Sozialismus und schließlich den Kommunismus, der in den sogenannten Volksdemokratien gleichfalls unter der Marke (und Maske!) „Sozialismus“ läuft. Der Sozialismus in den Entwicklungsländern ist meist eine Spezies für sich. Daher:

Jede Bewegung (Richtung, Partei, Gesinnung), die sich heute zum Ziele setzt, die Gesellschaftsstruktur zu wandeln, indem sie das geistige, kulturelle und materielle Niveau aller um Lohn und Gehalt lebenden Menschen mit ganzem Einsatz heben will, arrogiert das Recht, sich „sozialistisch“ zu nennen. Da ein erfolgreicher Einsatz nur auf politischem Wege geleistet werden kann, entscheidet schließlich der Wähler, ob das Beiwort „sozialistisch“ bloß schmückend, um nicht zu sagen: tarnend — oder zielgerecht inhaltsschwer ist. Das Ausmaß des Einsatzes führt zu der weiteren Unterscheidung: revolutionär oder evolutionär. Und so ergeben sich die Spielarten des Sozialismus, die meines Erachtens eine knappe Beantwortung ausschließen.

Alexander Lernet-Holenia

Österreichischer Schriftsteller und Träger des Großen Staatspreises

Der Sozialismus ist heute zu jener regelnden Macht geworden, welche ihre politischen Gegner veranlaßt, das Gute, nolens volens, mehr als je zu tun und das Schlechte, gleichfalls nolens volens, mehr als je zu meiden.

Norbert Leser

Sozialistischer Publizist, Soziologe am Institut für höhere Studien, Wien

Die Frage nach dem Wesen des Sozialismus von heute läßt sich nur in Konfrontation mit den Zielvorstellungen des Sozialismus der messianischen Periode beantworten. Verstand sich der Sozialismus dereinst als ein mit totalitärer Reichweite und mit heilsmäßigem Anspruch auf Verbindlichkeit ausgestattetes Gesamtunternehmen zur Emanzipation des Menschen aus allen Daseinsfesseln, so kann er sich nach den welthistorischen Belehrungen, die uns vom Denkstil der Frühzeit trennen, nur als dauernde Aufgabe und Mobilmachung gesellschaftlicher Kräfte mit dem Ziel verstehen, der strukturell pluralistisch bleibenden, also niemals von einem Schaltbrett aus reglementierbaren und durch einen rettenden Akt erlösbaren Gesellschaft ein Höchstmaß an sozialen Werten aufzuprägen.

Georg Lukács

Marxistischer Literaturwissenschaftler, Ex-Minister für Unterricht der Regierungen Bela Kun und Imre Nagy

Es ist leider für mich ganz unmöglich, die Frage über Sozialismus in hundert Worten zu beantworten. Ich würde mich freuen, wenn ich dazu in einem dicken Buch fähig wäre.

René Marcic

Katholischer Publizist, Ex-Chefredakteur der „Salzburger Nachrichten“, Ordinarius für Staats- und Rechtsphilosophie an der Universität Salzburg

Ich will den Sozialismus nicht als historisches Phänomen, etwa den demokratischen Sozialismus oder den christlichen Sozialismus — sondern als transhistorische Erscheinung in den Blick nehmen.

  1. Der Mensch gemäß dem Sozialismus ist von Natur aus kein isoliertes Individuum, wie die Lehre vom Gesellschaftsvertrag meint, sondern gleichursprünglich ein soziales Wesen (Aristoteles, die Römer, Thomas von Aquin, Heidegger).
  2. Die Methode des Sozialismus will dafür sorgen, daß die Lasten gleichmäßig verteilt, die Interessen ausgeglichen werden, so daß es weder Sieger noch Besiegte, weder Starke noch Schwache in der Gesellschaft gibt (so schon seit Solons „Eunomia“).
  3. Das Verhalten, das der Sozialismus vom Menschen fordert, bezweckt die Wiederherstellung der gestörten Gesellschaftsordnung nicht nur im eigenen individuellen Interesse, sondern gleichermaßen im Interesse der gesamten Ordnung.

Seltsam, daß der Sozialismus als historisches Phänomen (sowohl der marxistisch-demokratische wie der kommunistische) sich ausgerechnet von der individualistischen Ideologie des Gesellschaftsvertrages herleitet.

Eduard März

Sozialistischer Nationalökonom und Leiter der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Arbeiterkammer Wien

Unter Sozialismus versteht man herkömmlicherweise die Bewegung, die eine sozialistische Gesellschaftsordnung anstrebt, und das durch diese Bewegung begründete sozio-ökonomische System. Dieses ist der klassischen Tradition gemäß durch drei Merkmale gekennzeichnet: gesellschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln, Planwirtschaft und politische Herrschaft der werktätigen Bevölkerung, also Herrschaft der großen Mehrheit über die — eigentumsorientierte, aber nun besitzlose — Minderheit. Mit der Stunde der Konstituierung einer solchen Gesellschaftsordnung beginnt der Staat abzusterben; an die Stelle der Herrschaft von Menschen über Menschen tritt die Administration von Menschen über Dinge.

Bekanntlich erwarteten Marx und Engels, daß eine solche Gesellschaftsordnung zuerst in den führenden Industrieländern begründet und von dort über den ganzen Erdball verbreitet werden würde. Die tatsächliche Entwicklung ist anders verlaufen. Der russischen und später der chinesischen Revolution war die doppelte Aufgabe der Begründung neuer sozioökonomischer Verhältnisse sowie der raschen Industrialisierung der Wirtschaft gestellt. Die „ursprüngliche sozialistische Akkumulation“ hat sich bisher als ein ernstes Hindernis für die Herstellung demokratischer Herrschaftsverhältnisse erwiesen.

Die Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung in den führenden Industrieländern des Westens scheint heute kaum weniger dringlich als zur Zeit von Marx und Engels: erstens wird mit jedem Tag klarer, daß die „Gesellschaft im Überfluß“ keine geeigneten Voraussetzungen für die Bändigung der gewaltigen Produktivkräfte bietet, die in ihrem Schoße entstanden sind; zweitens kann das Problem der Industrialisierung der unterentwickelten Länder und der „Entwicklungshilfe“ nur durch weltweite Planung gelöst werden.

Nie zuvor hat es in der westlichen Welt so günstige Bedingungen für die Etablierung einer sozialistischen Gesellschaft — im Wege demokratischer Strukturreformen — gegeben. Der Triumph des Sozialismus im Westen würde die beste Gewähr dafür bieten, daß die Probleme der „ursprünglichen sozialistischen Akkumulation“ in Asien, Afrika und Lateinamerika unter demokratischen Vorzeichen und mit humanitären Methoden bewältigt werden könnten.

Albert Massiczek

Sozialistischer Publizist, Gründer der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Katholiken

Sozialismus ist asymptotisches Streben nach Versöhnung des Menschen mit der menschheitlichen Gesellschaft und damit mit sich selbst. Der Einklang des Menschen mit sich selbst und mit der Natur, damit mit seiner eigenen Natur, verlangt dieselbe Bundesgenossenschaft und Werkgemeinschaft der Menschen untereinander wie mit der Evolution der Schöpfung. Socius = Werkgenosse. Sozialismus verlangt daher die Beseitigung aller Formen der Untertänigkeit und Ausbeutung, den fortschreitenden Abbau aller mitmenschlichen Degradierung zum Nutzwert — als Voraussetzung allseitigerr Mündigkeit und Entfaltung.

Hermann Mörth

Sozialistischer Publizist, Redakteur des „Tagblattes“, Linz

Sozialismus ist die Vorstellung von einer klassenlosen Gesellschaft, in der jede Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen überwunden ist; in der jenes Höchstmaß an relativer Freiheit herrscht, durch welche die Entfaltung der Persönlichkeit des Nächsten nicht behindert wird; eine Gesellschaft, deren Mitglieder ihre öffentlichen Angelegenheiten sowie die Produktion und Verteilung der Güter durch frei gewählte Beauftragte selbst verwalten; eine Gesellschaft, die jedem die gleichen Aufstiegs- und Entfaltungsmöglichkeiten nach seinen Fähigkeiten einräumt; eine Gesellschaft, die durch die Sicherung der materiellen Bedürfnisse die Möglichkeit zur ungehinderten Entfaltung der schöpferischen geistigen Kräfte und somit zur wahren Humanisierung des Menschen schafft.

Oswald von Nell-Breuning SJ

Katholischer Soziologe und Univ.-Prof. in Köln

Im Staatslexikon der Görresgesellschaft, 5 IV, Sp. 1693, hat Gustav Gundlach 1931 eine Begriffsbestimmung des Sozialismus aufgestellt, die aus 42 Worten besteht:

Eine nach Wertideen und Mitteln dem kapitalistischen Zeitalter innerlich zugehörige allumfassende Lebensbewegung zur Herbeiführung und dauernden Sicherung der Freiheit und des diesseitigen Glückes aller durch ihre uneingeschränkte Einfügung in die Einrichtungen der von höchster Sachvernunft geformten und jedes Herrschaftscharakters entkleideten menschlichen Gesellschaft.

Gundlach glaubte damals, mit dieser Begriffsbestimmung sei es ihm gelungen, alle damals bekannten sozialistischen Richtungen, Bewegungen, Strömungen zu umfassen. Dieser Versuch ist mißglückt. Zum mindesten der Sozialismus des Godesberger Grundsatzprogramms weist diese Auffassung von der Gesellschaft entschieden von sich.

Meiner Meinung nach soll man es jedem Sozialismus überlassen, sein Selbstverständnis so gut er kann auszusprechen; was er von sich selbst sagt, sollte man als für ihn verbindlich annehmen.

Roland Nitsche

Liberaler Nationalökonom und Schriftsteller in Wien

Der Teufel soll mich holen, wenn ich es weiß (neun Worte) und ich weiß nicht einmal, warum ich es wissen soll, ehe es die Sozialisten wissen, die ihn schließlich erfunden haben.

Nein, diese Suppe ess’ ich nicht. Es gibt Sozialisten (erraten, gerade den meine ich!), die mir Lust machen, mich bei der Reaktion um eine Volontärstelle zu bewerben. Es gibt andere, die mich davon überzeugen, selbst Sozialist zu sein.

Links, wo das Herz schlägt, muß es etwas geben, zu dem auch die Vernunft ja sagen kann und was ich Sozialismus nennen würde. Das suche ich, seitdem ich denken kann, und dabei wird es wohl bleiben.

Bruno Pittermann

Vizekanzler und Vorsitzender der SPÖ (Telegramm)

DISKUSSIONSORGAN ÜBER SOZIALISMUS. IST FÜR SOZIALISTEN DIE ZUKUNFT STOP ANZAHL DER WORTE FÜR WESEN DES SOZIALISMUS NICHT MASSGEBEND. DR. PITTERMANN.

Walter Pollak

Konservativer Publizist, Chefredakteur der „Oberösterreichischen Nachrichten“

Sozialismus ist und bleibt der Versuch, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aus der Welt zu schaffen. Die Erfahrungen der Gegenwart haben gelehrt, daß damit nicht nur ein Eigentumsproblem gestellt ist. Mit der Macht der Manager und der Apparate, die über Produktionsmittel verfügen, ist eine neue Situation geschaffen, mit der wir erst fertig werden müssen.

Viktor Pospischil

Sozialistischer Nationalökonom und Soziologe

Sozialismus ist:

  1. Eine Wissenschaft, die, von der konkreten Analyse der objektiven Verhältnisse ausgehend, die Lehre von den Voraussetzungen der Verwirklichung der neuen klassenlosen Gesellschaft entwickelt: freie Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und ihrer schöpferischen Kräfte; durch Beseitigung der Klassen gerechtere Verteilung des gesellschaftlichen Arbeitsertrages; Weiterentwicklung der bürgerlichen zur sozialen Demokratie unter Einbeziehung der Wirtschaft und des Betriebes; Integration des Weltsozialismus.
  2. Eine Bewegung zur Erringung der Ziele des Sozialismus nach den jeweiligen Bedingungen der Zeit und des Ortes.

Aufgabe des Sozialismus heute: Stärkung des Klassenbewußtseins, ein Kampfbündnis der arbeitenden Menschen in Dorf, Industriebetrieb und Kleingewerbe zur Überwindung des Kapitalismus in Österreich.

Ludwig Reichhold

Katholischer Publizist, Ex-Chefredakteur des „Volksblattes“, Chefredakteur der „Österreichischen Monatshefte“

Ergänzen wir: Was ist Sozialismus in Österreich? Was ist Sozialismus in Großbritannien? Was ist Sozialismus in Schweden? Was ist Sozialismus in Jugoslawien? Was ist Sozialismus in der Sowjetunion? Was ist Sozialismus in Indien? So viel Fragen, so viel Antworten! Will man nicht auf den Gemeinplatz ausweichen, Sozialismus sei eine Gesinnung der Menschenliebe — das ist das Christentum schon einige Zeit früher gewesen! —, dann wird man die diversen möglichen Definitionen über den Sozialismus wohl am besten mit folgender Ausdeutung unter einen Hut bringen können: Sozialismus ist das Streben, die Menschen mit (staatlicher) Gewalt glücklich zu machen.

Johann Schasching SJ

Katholischer Soziologe, Jesuitenprovinzial und Univ.-Prof. in Innsbruck

Wenn der Soziologe einen so komplexen Begriff wie „Sozialismus heute“ bestimmen soll, so tut er sich begreiflicherweise sehr schwer. Vor ihm erstehen sofort Fragen: Handelt es sich hier entweder um die Ideologie, das Gesellschaftsbild, das Wirtschaftssystem, das Sozialprogramm, die Staatsform oder um alles zusammen? Wenn das erstere, dann lassen sich vielleicht mehrere einigermaßen brauchbare Definitionen erstellen. Wenn letzteres, dann kommt man um eine sehr allgemeine Umschreibung nicht herum: Der Sozialismus heute ist dann eine komplexe soziale Bewegung, die auf Grund des zum Teil von ihr selbst ausgelösten gesellschaftlichen Wandels zu bedeutsamen Modifikationen der ursprünglichen Zielsetzung veranlaßt wurde. Infolge weiterer gesellschaftlicher Veränderungen wird er zunehmend von einer ursprünglichen Klassenbewegung zu einer gesamtgesellschaftlichen Ordnungsmacht ausflachen.

Gustav Scherbaum

Sozialistischer Bürgermeister von Graz

Sozialismus ist keine Weltanschauung, weil ihm das Kriterium wissenschaftlichen Erforschens des Weltbildes fehlt, sondern eher eine Gesinnung, die bewußt die Sorge der Gemeinschaft um das Individuum und den Dienst des Einzelnen für die Gemeinschaft als das Um und Auf einer besseren Gesellschaftsordnung erstrebt, ohne dabei die Freiheit des Einzelmenschen zu unterdrücken. Diese Gesinnung gründet sich auf die Tugenden der Menschlichkeit, der Toleranz und der Hilfsbereitschaft und erfordert daher, um allgemein gültig zu sein, die zielbewußte Aufklärung und Erziehung des Einzelmenschen als Teil der Gemeinschaft.

Willi Schlamm

Konservativer Publizist und Buchautor in Amerika und Deutschland

Der Sozialismus ist eine Glaubenslehre des 19. Jahrhunderts, die dem tragisch-christlichen Grundbegriff von der Erbsünde den optimistisch-prometheischen Begriff von der Erbtugend entgegenstellt. Er verspricht Erlösung durch „Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel“. Der unwiderleglichen Tatsache, daß gesellschaftlich-politische Verfügung über alle Arbeitsplätze per definitionem die menschliche Selbstverfügung reduzieren muß, versuchen schlaue Sozialisten damit zu entgehen, daß sie ihre Glaubenslehre einfach von der „Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel“ abrücken. Sozialismus, so möchten sie gerne, soll von nun an alles heißen, was schön und gut ist. Aber solcher Sozialismus ist nichts als ein mißratenes Wortspiel mit unbestrittenen Banalitäten. Moderne Sozialisten sind also Christen, die genug Courage haben, sich anständig zu benehmen, aber nicht genug Courage, von einer unhaltbaren Glaubenslehre zu einer theologisch und logisch haltbaren zu konvertieren.

Franz-Martin Schmölz OP

Katholischer Soziologe und Univ.-Prof. in Salzburg

Sozialismus in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts ist zu einem institutionalisierten Doppeldilemma geworden. Das erste, geistesgeschichtliche Dilemma besteht darin, die antikapitalistischen Ideen der Klassenkampfzeit einer inzwischen etablierten Wohlstandsgesellschaft zu adaptieren, ohne die Substanz des ursprünglichen Ideologiegehaltes aufzulösen. Das zweite, politische Dilemma besteht darin, den Trägern der Ideologie, den sozialistischen Parteien, genügend proletarische Wohlstandsbürger als Wähler zu gewinnen, ohne so viel „rechtes“ Gedankengut ins Parteiprogramm aufnehmen zu müssen, daß entweder die Doktrin verwässert oder die Partei gespalten wird. Aufgabe des Sozialismus ist es, durch Übernahme von rationalem Ordnungswissen seine Grundlagen zu revidieren und so das ideologische Dilemma zu sprengen.

Eduard Speck

Sozialistischer Altbürgermeister von Graz

Sozialismus ist das Streben, die durch das kapitalistische Wirtschaftssystem auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet begründete Benachteiligung breiter Volksschichten zu beseitigen. Geboren aus Mitleid und Empörung über die Ausbeutung, ist aus einer Utopie eine zu realisierende Aufgabe geworden, politischer Kampf um die Macht im Staate auf dem Boden der Demokratie, unter Ablehnung jeder Diktatur. Ziel ist die freie Entwicklung des Individuums und der Persönlichkeit in sozialer Sicherheit; Beteiligung aller an den Erträgen des wirtschaftlichen Fortschritts, an den Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, an allen Kulturgütern der Menschheit in einer Welt des Friedens und der Freiheit.

Rudolf Weiler

Universitätsdozent, Referent für Arbeiterseelsorge im Österreichischen Seelsorgeinstitut

Der Sozialismus heute hat viel von seinem utopischen gesellschaftsrevolutionären Schwung verloren und ist durch vielfache Kompromisse mit anderen gesellschaftlichen Kräften in einer pragmatischen Periode der Entideologisierung, die seine Anti-Stellung zu anderen Mächten geschwächt bis verändert hat.

Geblieben ist die rationalistisch-individualistische geistige Verwurzelung. Geblieben ist auch die humanitäre-egalitäre Grundeinstellung in den — als nicht mehr ausschließlich gültig vorgetragenen — materiellen Diesseitsdimensionen des Menschen. So stellt er eine Sammlung von Menschen dar, die nach einer gerechteren sozialen und politischen Ordnung streben vermittels wirtschafts- und gesellschaftsreformistischer Vorgangsweisen auf demokratischem Wege. Die Bandbreite des „Wie“ ist sehr groß geworden, die traditionelle Gesinnungsgemeinschaft schwächer, an der echten gesellschaftsumformenden Dynamik sind Zweifel entstanden.

Erwin Weissel

Sozialistischer Nationalökonom

Der Sozialismus ist ein politisches Programm, dessen ethische Fundierung aus verschiedenen Weltanschauungen heraus erfolgen kann. Sein Ziel ist die maximale Befriedigung der materiellen und immateriellen Bedürfnisse der Menschen in der Gesellschaft. Wesentliches Charakteristikum des Sozialismus ist die Ablehnung jener Einkommensverteilung, die sich aus dem bloßen Wirken des Marktmechanismus ergibt. Diese Ablehnung geht so weit, daß sie — im Gegensatz etwa zum Neboliberalismus — nicht nachträgliche Korrekturen einer „natürlichen“ Einkommensverteilung, sondern Eingriffe in deren Fundament — die Besitzverteilung — erfordert.

Erik G. Wickenburg

Österreichischer Schriftsteller

Sozialismus erscheint mir heute als ein Wort, das seinen grundehrlichen Anfängen davongelaufen ist. Es fällt schwer, einen andern als einen parteipolitischen Sinn zu unterlegen; ein sozialer Mensch ist deswegen noch lange kein Anhänger des Sozialismus, und leider sind umgekehrt keineswegs alle Sozialisten sozial denkende Menschen. „Sozial“ also hat seinen Sinn behalten, „Sozialismus“ nicht. Er ist ja auch hinreichend mißbraucht worden, und zumal von Parteien, die mit dem sozialen Gedanken so viel zu tun haben wie eine Giraffe mit Weitblick, wofür sie doch äußerlich prädestiniert scheint. (Im Nationalsozialismus war das Nationale dominant.) Aber steht es dem unpolitischen Menschen zu, da überhaupt mitzureden? Mühelos werden ihm notorische Politiker seine Irrtümer nachweisen, und bei denen, die das Soziale im Schild führen, wird er sich überflüssig unbeliebt machen, wenn er seine unbekümmerte — sehr bekümmerte — Meinung ausspricht, daß heute Interessengemeinschaften ein Wort gepachtet haben, welche von seinem ursprünglichen Sinn der gegenseitigen humanen Hilfsbereitschaft wenig halten. Man hilft dem andern nicht, um ein gutes Werk zu tun, sondern aus triftigen Erwägungen. Sozialismus heute ist Zielstrebigkeit gestern und Machtstreben morgen. War es nicht ein gewisser Kaiser, nie sollt ihr seinen Namen erfahren, der gesagt hat: Alles für das Volk, nichts durch das Volk? Das ist die einfachste Übersetzung von „Sozialismus heute“ ins Deutsche.

Franz Taucher

Österreichischer Schriftsteller, Sozialist

Hundert Worte? Da ist wohl besser, ich setze statt der direkten Antwort eine Erinnerung. Sie kommt aus jener Zeit, da ich, knirpsenhaft nahe dem Erdboden, zu Abend unter dem Kastanienbaum den Gesprächen jener Männer lauschte, die sich Sozialdemokraten nannten und noch vor der Jahrhundertwende dabei waren. Mag die Geschichte dieser Männer sich heute auch wie eine Sage anhören, ich habe sie als Wirklichkeit vernommen und die Männer, die davon erzählten, als einen Teil dieser Geschichte leibhaftig vor Augen gehabt. Sie wollten das Gute. Ihr Leben war hart und stand im Schatten der Not. Sie hatten sich zusammengetan, um diese Schatten zu verscheuchen und ein wenig Licht, Freundlichkeit und Güte in die Welt kommen zu lassen.

Gelegentlich lasen sie auch politische Broschüren und Bücher, aber nicht immer verstanden sie diese gelehrten Texte. Wenn sie handelten, bekümmerten sie sich wenig um Begriffe wie „Mehrwert“ oder „Materialismus“. Aber wenn sie das Wort „Freiheit“ aussprachen, hatte dieses Wort einen besonderen Klang, und wenn sie von der Demokratie redeten, so meinten sie damit, daß jeder Mensch, auch der geringste, das Recht habe, nach seinen natürlichen Anlagen und Fähigkeiten zu leben. Dieses Wort in ihrem Munde, zerschlissen heute durch den häufigen und zumeist unstatthaften Gebrauch, war für sie keine rhetorische Phrase. Ihre Ansprüche an die Gegenwart basierten vornehmlich auf menschlichen Motiven. Ihr sicherer Instinkt sagte ihnen, daß die Wirklichkeit, in der sie lebten, für viele unerträglich sei und verbessert werden müsse.

Sie hatten nicht die Gabe, dasjenige, was sie sich erhofften, mit genauen und treffenden Worten auszusprechen, aber sie selbst wirkten wie die Verkörperung jener Träume, die von den besten Geistern der Menschheit in edlen Bildern des Wortes aufgezeichnet worden waren. Daß die Welt nicht immer den Lauf nahm, den ihr diese Männer geben wollten, daß sie vom Guten abfiel und zu Zeiten in Barbarei versank, war nicht ihre Schuld. Aber auch in der dunkelsten Epoche gaben sie, alt geworden inzwischen, den Glauben nicht auf, daß der Mensch Haupt und Mitte des Lebens sei. Sie selbst waren furchtlos, ihr Glaube, daß die Welt besser gemacht werden müsse, wurde bei den meisten nur durch den eigenen Tod zerstört.

Ich habe lange Zeit nichts Reineres und Edleres gekannt als diesen Glauben. Sie meinten, daß es notweniger sei, das Menschliche zu üben als darüber zu reden. Ihr Glaube an den Sozialismus war ein Glaube an die Humanität, ob sie sich nun darüber klar waren oder nicht.

Einer von diesen Männern war mein Vater. Er war ein einfacher Arbeiter, in seinem Denken und Fühlen jedoch großherzig. Das Unrecht verabscheute er bis auf den Grund. Ich habe ihn vor Erregung zittern gesehen, wenn er von einer Sache erfuhr, bei der ein Mensch seelisch oder materiell unterdrückt wurde. Dennoch war er in seinem Wesen gelassen und von wohltuender Ausgeglichenheit. Er wußte seinen unabhängigen Sinn auch dort zu behaupten, wo einer aus den eigenen Reihen Anstalten machte, sich zu einem perfekten Funktionär auszubilden und die hochherzige Auffassung vom Leben und vom Menschen in die knechtische Fassung einer Ideologie umzuwandeln. Das Theoretisieren war ihm zuwider, Diskussionen über bürgerliche oder proletarische Lebens- und Denkformen waren ihm ein Greuel, weil er sich in seiner Gewißheit nicht beirren ließ, daß es auf jeden Fall eine menschliche Form sein müsse.

So hatte er bald auch ohne diese Neigung herausgefunden, daß eine Idee etwas anderes sei als eine Ideologie und daß dem immerfort strömenden Leben mit der Logik allein nicht beizukommen sei. Das mochte auch der Grund sein, weshalb er später, als seine Partei wichtige Positionen im öffentlichen Leben besetzte, niemals Karriere machte. Er ist so arm gestorben, wie er gelebt hat, aber er lebte bis zum letzten Atemzug als ein freier Mann, und nach meiner Meinung läßt sich kaum etwas Besseres jemandem in das Grab sagen, der nicht zu den erlauchten Geistern und Genies der Menschheit gehört.

Ob sich das heute noch überall so verhält, wage ich zu bezweifeln.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1965
, Seite 295
Autor/inn/en:

Willy Brandt:

Willy Brandt war von 1964 bis 1987 Vorsitzender der SPD, von 1969 bis 1974 Bundeskanzler der BRD.

Erwin Weissel:

Geboren 1930, gestorben 2005. Professor für Volkswirtschaft und Finanzpolitik an der Universität Wien. Nationalökonom in der Arbeiterkammer Wien, Leiter der Sozialakademie in Mödling und Leiter des Instituts für Gesellschaftspolitik. Vortragender an der Verwaltungsakademie des Bundes. Zwischen 1969 und 1995 Beisitzer am Kartellgericht in Wien.

Fritz Csoklich:

Jahrgang 1929, Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“, Graz und Klagenfurt, des auflagenstärksten katholischen Tagblattes in Österreich, sowie Mitglied des Präsidiums der Katholischen Aktion Österreichs und Mitherausgeber des Neuen FORVM.

Heinrich Drimmel:

Willfried Gredler:

Iring Fetscher:

Geb. 1922, Dr. phil., ist o. Professor für die Wissenschaft von der Politik an der Universität in Frankfurt am Main. — Veröff. u. a.: „Marx — Engels Studienausgabe“ (Hrsg.), 1966; „Der Rechtsradikalismus“, 1967; „Karl Marx und der Marxismus“, 1967; „Politikwissenschaft“, 1968; „Rousseaus politische Philosophie", 21968; „Hegels Lehre vom Menschen“, 1970; „Der Sozialismus“ und „Der Kommunismus“, (Hrsg.; Reihe „Mächte und Kräfte unseres Jahrhunderts“), 1968 und 1969; Marx/Engels „Die Geschichte im 19. Jahrhundert“ (Hrsg.), 1969. — I. F. ist Mitglied des internationalen Redaktionsbeirates des NEUEN FORVMs.

Paul Flora:

Franz Taucher:

Geboren 1909 in Graz, gehörte dem Redaktionsstab der alten „Frankfurter Zeitung“ an und gab nach 1945 die „Wiener Bühne“ heraus, Romancier, Essayist und sozialistischer Publizist, Mitglied der Programmdirektion des Rundfunks, ehemals Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen“ und Chefredakteur der „Zeit“.

Alexander Lernet-Holenia:

Erik G. Wickenburg:

Erik Graf Wickenburg, Korrespondent der „Welt“, Hamburg, und anderer deutscher Zeitungen, Mitarbeiter des Österr. Rundfunks und der „Presse“; u. a. Verfasser des im Otto Müller Verlag erschienenen Buches „Die Begleiterin“.

Ludwig Reichhold: Ludwig Reichhold, langjähriger Mitarbeiter Leopold Kunschaks als Chefredakteur der „Christlichsozialen Arbeiterzeitung“, derzeit außenpolitischer Redakteur des „Kleinen Volksblatts“, Verfasser des kürzlich im Knecht Verlag, Frankfurt/Main, erschienenen Buches „Europäische Arbeiterbewegung“.

Friedrich Abendroth:

Herbert Eisenreich:

Roland Nitsche:

Willi Schlamm: Willi Schlamm, Autor von „Diktatur der Lüge“ und „Der zweite Unabhängigkeitskrieg“, einstmals Herausgeber der „Weltbühne“ in Wien und der„Europäischen Hefte“ in Prag, später beim Time Magazine in NewYork und als Korrespondent in Paris, lebt jetzt als freier Schriftseller in Vermont (USA).

Heimito von Doderer:

Dr. phil., Altmeister des österreichischen Romans.

Felix Butschek:

Jahrgang 1932, FORVM-Autor der ersten Stunde, Mitherausgeber des Neuen FORVM, wissenschaftlicher Referent des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, Herausgeber und Ko-Autor: „EWG und die Folgen“, „Die regionale Dynamik der österreichischen Wirtschaft“, Nationalökonom in der Spitzenklasse jüngerer Generation.

Josef Hindels:

Sozialistischer Publizist, Zentralsekretär der Gewerkschaft der Privatangestellten.

René Marcic: Dr. jur., Österreichs führender Staats- und Rechtsphilosoph, Vertreter der Kelsen’schen Schule, Mitglied der Strafrechtskommission, ehemals Chefredakteur der „Salzburger Nachrichten“ und erster Vorsitzender des Österreichischen Presserates, bedarf als langjähriger Mitherausgeber des FORVM weder in seinen akademischen (Dekan und Mitschöpfer der Salzburger Universität) noch in seinen publizistischen Funktionen (zuletzt „Verfassung und Verfassungsgerichtsbarkeit“, Springer-Verlag) der näheren Vorstellung.

Bruno Pittermann:

Eduard März:

Leiter der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Arbeiterkammer Wien, Professor für Nationalökonomie an der Wirtschaftshochschule Linz, einer der wenigen Theoretiker der österreichischen Sozialdemokratie, Vertreter eines undogmatisch und antidogmatisch offenen Austromarxismus.

Georg Lukács:

Geboren 1885 in Budapest. Philosoph, Literaturhistoriker und politischer Theoretiker. Seit 1918 war Lukács Mitglied der ungarischen KP, 1919 wirkte er als stellvertretender Volkskommissar für das Unterrichtswesen in der Räterepublik. Lukács emigrierte nach Wien, Berlin und Moskau. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er nach Ungarn zurück und arbeitete als Professor. Lukács war führendes Mitglied des Petöfi-Klubs und beteiligte sich am Ungarnaufstand 1956.

Norbert Leser: Geb. 1933, studierte Jus und, als Schüler des katholischen Ideologiekritikers August Maria Knoll, Soziologie in Wien, Politologie an der London School of Economics, Lehrauftrag für Ideengeschichte des Marxismus an der Universität Salzburg, seit 1970 Professor für Politische Wissenschaften ebendort. Förderungspreis der Stadt Wien. Zweimal Theodor-Körner-Preis. Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. N. L. war Mitherausgeber des „Neuen FORVM“.

Franz-Martin Schmölz:

Dominikanerpater, Professor für Politologie an der Universität Salzburg, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Paulus-Gesellschaft, Österreichsektion, und FORVM-Autor.

Rupert Gmoser: Leiter der Sozialakademie Graz, ein führender Kopf der Sozialwissenschaftlichen Studiengesellschaft, Mitglied des steirischen Landesparteivorstandes der SPÖ und des Redaktionskomitees des FORVM.

Rudolf Weiler: Professor für Ethik an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Wien.

Ernst Koref:

Dr. phil., sozialistischer Bundesrat, ehemals Bürgermeister von Linz.

Anton Burghardt: Dr. jur., führender katholischer Soziologe sowie Betriebswissenschafter, fruchtbarer Autor auf diesen Gebieten, Universitätsprofessor in Graz, Herausgeber der „Furche“.

Julius Deutsch:

Foto: Von unbehannt - http://www.bildarchivaustria.at/Pages/ImageDetail.aspx?p_iBildID=1556107, PD-alt-100, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=11526149

Hermann Mörth: Redakteur des Linzer „Tagblattes“, gehörte als Autor der „Zukunft“ und des FORVM zu den profiliertesten sozialistischen Publizisten Österreichs.

Eduard Speck:

Gerhard Bronner:

Josef Dobretsberger:

Anton Fellner:

Dr. phil., Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft katholischer Journalisten, Träger des Karl-Renner-Preises 1965, Chefredakteur des „Neuen Österreich“.

Albert Massiczek:

Oswald von Nell-Breuning:

Walter Pollak:

Viktor Pospischil:

Johann Schasching:

Gustav Scherbaum:

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