FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1968 » No. 171-172
Trautl Brandstaller (Übersetzung) • Georges Lánteri-Laura

Zwischen Sartre und Lévi-Strauss

Propheten in Grasschürzen (v.l.n.r.): Michel Foucault, Jaques Lacan, Claude Lévi-Strauss und Roland Barthes

Wir wollen versuchen, die Wurzeln aufzuzeigen, aus denen sich die heutige Auffassung des Terminus Struktur herleitet. Dies ist eine ziemlich undankbare Aufgabe, auf die wir jedoch um so weniger verzichten können, als sie uns ermöglicht, uns nicht im gegenwärtigen, vieldeutigen Gebrauch des Wortes zu verlieren. Das zentrale Werk ist selbstverständlich das des Prager Cercles, [1] das wir als den wesentlichen Ausgangspunkt ansehen, wenn wir auch nicht gewisse frühere Ansätze übersehen wollen, die N. S. Trubetzkoj und R. Jakobson namentlich anführen, und ohne die Entwicklung dieses Begriffs nach der Auflösung des Prager Cercles zu vergessen. Wir werden versuchen, zwei Klippen zu umschiffen: eine so weit zurückreichende Genealogie des Begriffs zu entwickeln, daß durch die Einbeziehung der ganzen Philosophie seit den Vorsokratikern jede Originalität verlorengeht, oder sich an die Definition einer Clique zu halten, durch die wir nichts von der heutigen weiten Verbreitung verstehen könnten. Ohne allzusehr zu schematisieren, glauben wir sagen zu können, daß der Begriff Struktur unabhängig voneinander durch gewisse Aspekte des Werkes von de Saussure [2] und durch die Gestalttheorie [3] vorbereitet wurde, daß er als wesentlicher Forschungsbehelf der Linguistik in den Arbeiten des Prager Cercles ausgearbeitet wurde und daß sich diese Erneuerung des Begriffes auch auf andere Forschungsbereiche ausdehnte, insbesondere auf die Ethnologie, wo sich nach dem Werk von Boas [4] das von Lévi-Strauss [5] als das wahrscheinlich bedeutendste in dieser Hinsicht herausstellte.

Gestalt und Struktur

Die Gestalttheorie entstand bekanntlich dadurch, daß man die klassische Experimentalpsychologie in Frage stellte [6] und zur Totalität der Erfahrungsgegebenheiten und -bedingungen zurückkehrte. Die Gestalttheorie entdeckt durch Beschreiben der Erfahrung, daß selbst der elementarste Reiz bereits strukturiert ist — als ein Punkt von bestimmter Ausdehnung, der sich von einem Hintergrund abhebt. So erweist sich diese Struktur der „Form vor einem Hintergrund“ als wesentlich für das Verständnis der Wahrnehmungsprozesse. Der wirkliche Reiz für den menschlichen Organismus ist eine Gestalt, d.h. eine bestimmte räumliche Struktur wie der Kreis, oder eine zeitliche Struktur wie die Melodie, die ihre Eigengesetzlichkeit hat, die transponierbar ist, wobei die Melodie dieselbe bleibt, obwohl sich bei der Versetzung um eine Oktave alle Noten ändern, eine Struktur, die sich nicht auf die Summe der einzelnen Teile reduzieren läßt — für die Wahrnehmung ist der Kreis, aus dem ein kleiner Sektor herausgeschnitten wird, eben kein Kreis mehr, sondern ein zerbrochener Ring —, eine Struktur, die nur durch das Gesetz der Beziehungen der Teile untereinander existiert und damit nur solange, als diese Beziehungen existieren. Sie wird zu einer anderen Gestalt, sobald diese Beziehungen auch nur geringfügig geändert werden. Es handelte sich also um die Erkenntnis, daß lebende Organismen ihr Verhalten nicht von isolierten Reizen leiten lassen, sondern von einem strukturierten Wahrnehmungsfeld. Experimente zeigten z.B., daß sich ein Huhn beim Aufpicken eines Korns nicht von der absoluten Farbe des Korns leiten läßt, sondern vom Gegensatz hell-dunkel; nicht eine bestimmte Farbe beeinflußt sein Verhalten, sondern die Tatsache, daß ein Korn heller ist als ein anderes. Das heißt, daß der lebendige Organismus des Körpers fähig ist, nicht eine simple Gegebenheit, sondern eine Beziehung aufzunehmen. Die Verbindung zwischen Organismus und Umgebung vollzieht sich durch die Wahrnehmung von Strukturen; man erkennt, daß das Wesentliche nicht die Gegebenheiten selbst sind, sondern die Beziehungen zwischen diesen Gegebenheiten, daß diese Beziehungen gleichbleiben können, auch wenn sich die Gegebenheiten selbst ändern. Die Gestalttheorie müßte noch weiter ausgeführt werden. Hier beschränken wir uns darauf, darin eine erste Entwicklung des Begriffs Struktur zu entdecken, eine Entwicklung, die im übrigen durch die daraus folgende Erneuerung der experimentellen Psychologie bestätigt wurde. Die wesentlichsten Erkenntnisse auf diesem Gebiet wurden vor 1929 erreicht — seither wird die Originalität des Begriffs Gestalt allgemein anerkannt. [7]

Sprache als Gestalt

Fast gleichzeitig, ein wenig früher, stellte de Saussure [8] einige wichtige Punkte fest — ohne die Vokabel ‚‚Struktur“ zu verwenden und sicher auch ohne über die ersten Arbeiten der Gestaltpsychologie informiert zu sein: die Sprache ist ein System; ihre Worte haben nur in bezug auf das Ganze Sinn, nur von diesem solidarischen Ganzen her lassen sich ihre einzelnen Elemente analysieren; Sprache muß als Gestalt und nicht als Substanz studiert werden; deswegen konzentrierte er seine Anstrengungen nicht auf Diachronie und Semantik, sondern auf das System der Beziehungen wichtiger Worte untereinander; die Einheiten der Sprache lassen sich ebensowenig isoliert voneinander definieren wie die Punkte eines Kreises, sie existieren als Gegenstand der Linguistik nur durch ihre wechselseitigen Beziehungen.
Die betreffenden Worte haben keinen eigenen positiven Wert. So schreibt Saussure: „Alles Vorangehende läuft darauf hinaus, daß es in der Sprache nur Unterschiede gibt. Mehr noch: Unterschiede setzen im allgemeinen positive Termini voraus, zwischen denen die Unterschiede bestehen; in der Sprache gibt es dagegen nur Unterschiede ohne positive Bedeutung.“ [9] Das heißt, daß das System der Bedeutungen existiert, sobald zwei Worte sich voneinander unterscheiden, daß jedoch keines dieser Worte für sich allein genommen der Sprache angehört: das Beispiel der Farbennamen zeigt, daß es keine voneinander getrennte und einer bestimmten Farbe zugeordnete Wörter gibt, sondern ein sehr variables System von einander entgegengesetzten Worten, deren Ensemble auf das System des Farbenerlebnisses verweist. [10] Wenn Saussure hier von Unterschieden ohne positive Bedeutung spricht, meint er damit, daß, was Sprache ausmacht, nicht die Summe der Verbindungen eines Wortes und einer Farbe ist, sondern die Verbindung eines Wortsystems mit der vielfältigen Erfahrung der Farben. Es gibt nicht einerseits die Bedeutung „Weiß“, die einer bestimmten Erfahrung entspricht, und anderseits das Wort „Schwarz“, das einer anderen Erfahrung entspräche, sondern nur ein System mit dem Gegensatz Schwarz-Weiß, ein System, das dem Gegensatz der beiden Erfahrungen entspricht. Das System der Bedeutungen ist eine Gestalt im Sinn der Gestalttheorie, denn sobald man ein Wort ändert, ändert sich alles: Saussure betont, daß die Wörter, die das Sprachsystem bilden, sich durch ihre Unterschiede abgrenzen, unabhängig vom phonetischen Substrat und ihrer Bedeutung.

Bei Saussure finden wir somit erstmals den eindeutigen Primat der Synchronie, die Sprache als System, d.h. ihrem eigentlichen Wesen entsprechend studiert, vor der Diachronie, die sich nur mit dem Wandel der Sprache im Lauf der Zeit befaßt; dieser Wandel beruht jedoch nur auf äußerlichen Einflüssen, die so stark sein können, daß sie das System zum Umbau zwingen, die der Linguist jedoch immer nur auf Grund ihrer Folgen und nicht an sich beurteilen kann. Die Sprache ist ein synchrones System; eine Geschichte dieses Systems kann es strenggenommen nicht geben, da nicht das System als solches, als Gestalt sich wandelt; es sind vielmehr phonetische Veränderungen (deren Geschichte man verfolgen kann), die gewisse Gegensätze unmöglich machen, andere wieder möglich und so den Übergang von einem System zum anderen erzwingen. Wenn das System am wichtigsten ist, wenn es stricto sensu also keine Geschichte der Entwicklung des Systems selbst gibt, dann ist das Studium des Systems primär, das der Geschichte nur sekundär — sekundär in dem Sinn, daß alle geschichtlichen Untersuchungen letztlich zufällig und anekdotisch im Hinblick auf die Sprache an sich bleiben. Deswegen stellte Saussure seine Forschungen schon sehr bald unter den Gesichtspunkt derselben Antinomie, von der dieser Artikel ausgeht, und lehnte den Primat der Geschichte in einer Disziplin ab, wo die Geschichte als grundlegende Perspektive galt.

Die einschlägige Verwendung des Terminus Struktur und seine theoretische und polemische Ausarbeitung kamen erst etwas später — traditionsgemäß notiert man das Jahr 1928, als R. Jakobson, S. Karcewski und N. S. Trubetzkoj auf dem Weltkongreß für Linguistik in Nimwegen Referate über die besten Methoden zur vollständigen und praktischen Darlegung der Grammatik einer beliebigen Sprache hielten. [11] Ursprünglich handelte es sich hiebei um streng abgegrenzte Spezialprobleme, deren umfassende Bedeutung man erst nach 1945 erkannte. Zunächst bildete sich eine neue linguistische Disziplin heraus, die Phonologie, die auf mehreren Ebenen definiert werden kann.

Man kann die Laute einer Sprache unabhängig vom Stimmapparat, der sie hervorbringt, untersuchen sobald man verstanden hat, daß jeder Laut durch wenige Charakteristika gekennzeichnet wird, die ihm seinen spezifischen Platz im phonologischen System einer Sprache zuweisen. Die Phonologie ist strukturell, weil sie sich für die Laute unter dem Aspekt ihrer wechselseitigen Beziehungen innerhalb der Sprache interessiert. Sie stellen eine Gestalt im Sinne der Gestalttheorie dar, wobei sich jeder Laut nur durch bestimmte Merkmale von den anderen abhebt.

Die phonologische Struktur genügt sich fast selbst, sie ist gleichsam ein System, das nur aus Unterschieden, ohne positive Elemente, besteht, da das Wesentliche nicht die Erzeugung eines bestimmten Lautes ist, sondern die Art, in der er sich von anderen Lauten unterscheidet. Die Unabhängigkeit vom phonetischen Substrat ist sicher das wichtigste Element des Strukturalismus und auch das Element, das ihn mit dem Begriff der Gestalt im Sinne der Gestalttheorie und mit dem Begriff des Systems im Sinn von Saussure verbindet. Im Grenzfall wäre sogar eine Transponierung denkbar — man könnte eine Sprache mit Tönen sprechen, die ihr fremd sind, vorausgesetzt, daß die Struktur ihrer Lautunterschiede mit der Struktur des Lautsystems dieser Sprache identisch ist. Hier erkennt man, daß die Unabhängigkeit vom Substrat daher rührt, daß jedes Element durch den Unterschied zu den anderen Elementen und nicht nach seiner eigenen Substanz definiert wird, da es nichts anderes darstellt als die Gesamtheit bestimmter Bezüge. Diese Antinomie der phonologischen Struktur findet auch auf anderen Gebieten der Linguistik Anwendung; der Prager Cercle hat gezeigt, daß man alle sprachlichen Bereiche nach diesem Muster untersuchen kann, einschließlich der Semantik und der Sprachgeschichte. Der Strukturalismus erweist sich damit als radikale Ausformung der Idee des Systems im Sinn Saussures; seine Originalität liegt darin, daß die Elemente nicht mehr durch sich selbst bestimmt werden, sondern durch ihre wechselseitigen Beziehungen, definiert durch bestimmte Charakteristika. Die Frage ist, worin die spezifische Qualität dieser Charakteristika liegt.

Synchrone Ethnologie

Diese Forschungsmethode beschränkt sich nicht allein auf die Linguistik. In der Ethnologie hat man sie unbezweifelbar am frühesten angewendet. Sie taucht bereits im Werk von F. Boas auf, der nachdrücklich auf die Tatsache hinweist, daß der Ethnologe fast nie die chronologische Entwicklung eines Phänomens anhand des gegenwärtigen Entwicklungsstandes in mehreren, verschieden hoch entwickelten Kulturen in aller Sicherheit rekonstruieren kann; deswegen hält er die synchrone Analyse einer bestimmten Kultur mit ihren menschlichen Beziehungen für vernünftiger, wobei er ständig auf die Gefahr leerer Gemeinplätze hinweist, wenn man aus einer solchen Analyse allgemeine Folgerungen ziehen will. Er insistiert auf der Tatsache, daß der Schlüssel zu einer Kultur nicht in den subjektiven Vorstellungen der ihr Angehörenden liegt, sondern in der unbewußten Struktur, die die ganze Kultur erklärt; deswegen beschäftigt er sich nicht mit der Interpretation von Sekundärphänomenen, die die Struktur überdecken. Die Linguistik ist demnach der Prototyp einer Wissenschaft, deren fundamentale Kategorien denen, die eine Sprache sprechen, nicht bewußt sind. Das Modell, das sie der Ethnologie anbietet, ist somit vor der Gefahr sicher, etwas für Strukturelemente zu halten, was nur der trügerische Reflex individueller Erlebnisse ist.

Lévi-Strauss hat als einer der ersten auf die Pionierrolle von F. Boas auf dem Gebiet des Strukturalismus hingewiesen [12] und die zugleich allgemeine und spezifische Bedeutung dieser Forschungsmethode unterstrichen. Zunächst betont er, daß es sich beim Studium eines menschlichen Phänomens unter strukturellem Aspekt nicht um die Beschreibung der konkreten menschlichen Beziehungen handelt, sondern um die Konstruktion eines oder mehrerer Modelle, mit deren Hilfe sich die verborgene Struktur aufdecken läßt — so wie die Phonologie nicht konkret Laute beschreibt, sondern Modelle auf der Grundlage bestimmter Lautunterschiede aufstellt, aus denen sich erst in zweiter Linie die phonologische Struktur der untersuchten Sprache ergeben kann. Modelle, die sich zur Bildung und Freilegung von Strukturen eignen, [13] müssen einer Reihe von Bedingungen entsprechen, Bedingungen, die in vielem an die Bestimmung des Begriffs „Gestalt“ in der Gestalttheorie erinnern. Die Elemente des Modells bilden ein System, d.h. daß sie untereinander abhängig sind, und die Veränderung eines einzigen Elements das gesamte System mitverändert. Man kann ein solches System durch die Fähigkeit definieren, ein Modell in eine bestimmte Zahl anderer Modelle umzuwandeln, wodurch die Strukturanalyse der Mengenrechnung ähnelt. Man muß im voraus berechnen können, in welcher Richtung sich das Modell durch die Veränderung eines seiner Elemente ändert. Das Modell muß schließlich zugleich möglichst einfach sein und beobachtete Phänomene erklären können: häufig wird gefordert, daß für eine Gruppe von Phänomenen nur ein einziges Modell oder eine geringe Zahl von besonders guten Modellen ausreicht; die Möglichkeit, mehrere Modelle zu konstruieren, schließt nicht aus, daß man aus formalen Gründen nur ein einziges wählt. Man wählt die Struktur, die einfacher ist als alle anderen und die Erklärung einer möglichst großen Zahl von Phänomenen ermöglicht: man wünscht, daß die Struktur auch wirklich existiert, d.h. daß das gestellte Problem eine oder wenige Lösungen hat, ohne viel zu überlegen, was passiert, wenn es keine oder unendlich viele Lösungen gibt. [14] Lévi-Strauss weist darauf hin, daß bewußte Modelle, wie etwa in der Linguistik, die Strukturen verdecken und sehr häufig kulturelle Interpretationen darstellen, während bei unbewußten Modellen viel mehr Aussicht besteht, daß sie der Struktur der untersuchten Phänomene entsprechen. Zum Vergleich der Strukturen untereinander, rein formal, unabhängig von ihrem Inhalt, müssen die Modelle außerdem unstetig sein, d.h. nicht das Ergebnis einer unendlichen Summe von Phänomenen. Solche Modelle, wie beispielsweise das eines Systems einer Verwandtschaft in nicht gerader Linie, [15] haben nichts mit einer möglichen Evolution zu tun; auch wenn sie in der Zeit gedacht werden können und die Umwandlung eines Modells in ein anderes Modell vorstellbar ist, ist diese Zeit doch nicht zielgerichtet und bleibt vollkommen reversibel. Daraus ergibt sich eine Art der Erkenntnis, bei der das Modell vor der empirischen Beobachtung und die diskontinuierliche Struktur vor der Kontinuität der Phänomene Vorrang genießt; eine Gesamtheit von Phänomenen zeichnet sich demnach durch eine möglichst geringe Zahl möglichst einfacher Strukturen als Modelle aus; diese Strukturen und ihre Umwandlungen bilden den Gegenstand einer allgemeinen Morphologie.

Der Strukturalismus führt in das Studium der menschlichen Phänomene eine Forschungsmethode ein, die zu einer sehr formalisierten Ausdrucksweise führt; Ähnlichkeit besteht nicht mit der qualifizierenden Betrachtung der Erscheinungen, wie wir sie in der Physik und auf manchen Gebieten der Biologie finden, sondern mit der Logistik und der Systemtheorie. Strukturen stellen die Vervollkommnung von Modellen dar, aber auch den Ausgangspunkt einer allgemeinen Wissenschaft von den Strukturen, die zwar noch nicht besteht, die aber von universeller Bedeutung [16] sein wird, sobald man sie eines Tages entwickelt.

Angesichts dieser Darlegung des Begriffs Struktur werden wir uns bewußt, wie mager die Begriffe Geschichte und Genese in der heutigen Kultur behandelt werden. Bemerkungen über den Marxismus und den grundlegenden Wert der Geschichte finden sich zwar in den historischen Werken selbst — davon könnten wir ohne Mühe eine ganze Reihe aufzählen, [17] aber die Epistemologie der Geschichtlichkeit ist kaum so entwickelt, daß man sie der Epistemologie der Struktur entgegensetzen könnte. So müssen wir einige Sonderbeispiele für diesen Gegensatz auswählen.

Genese und Struktur

Die Gegenüberstellung zweier großer zeitgenössischer Werke soll uns diese im übrigen verwirrende Antinomie von Genese und Struktur konkret vermitteln. Die Antinomie läßt sich anhand der verschiedenen Bedeutungen ablesen, die Sartre [18] und Lévi-Strauss den beiden Begriffen und ihren entsprechenden Geschichtsauffassungen zuschreiben.

Für Sartre stellt die Geschichte in zweierlei Hinsicht ein grundlegendes Bezugssystem dar — sowohl als Geschichte des Individuums als auch als Geschichte menschlicher Gruppen, d.h. eine bestimmte chronologische, kumulative und irreversible Entwicklung ist der Schlüssel zum Individuum als solchem wie zur Menschheit; zum Individuum als solchem aus zweierlei Gründen. Zu Beginn seiner Existenz ist der Mensch nichts, oder genauer gesagt, die anderen erkennen in ihm, wie in den Dingen, was sie selbst hineingelegt haben, aber nicht als solches erkennen; das Kind hat in sich selbst keinerlei „Natur“, [19] die Natur, die die anderen in ihm entdecken und die sie ihm vorschreiben für seine zu halten, so wie die Gestalt und die Farbe seiner Augen, ergibt sich aus dem, was es für die anderen ist und aus der Wahl, die es in dieser Situation selbst treffen kann.

Die Rollenmöglichkeiten sind beschränkt und bereits vorgezeichnet, die Ablehnung der Rolle ist selbst auch nur eine der wenigen Möglichkeiten; aber weder das Kind noch seine Umgebung wissen von diesem Umstand, die mangelnde Authentizität ist immer ursprünglich. Die konkrete Existenz ist nur sinnvoll in bezug auf die verschiedenen Möglichkeiten, vor denen das Kind steht; diese Eventualitäten hängen zusammen mit der Kindheit derer, die um es sind, d.h. mit vergangener Geschichte, und mit der Art und Weise, wie diese Umgebung ihre gegenwärtige Geschichte lebt. Die persönliche Geschichte eines Individuums ist somit nur insofern die Geschichte eines einzelnen Individuums, als sie sich aus und in Auseinandersetzung mit Möglichkeiten bildet, die nur in einem bestimmten historischen Zusammenhang Wirklichkeit werden.

Die neomatische Beschreibung einer subjektiven Erfahrung zeigt deutlich, daß das, wenn auch sehr subjektive Bewußtsein seiner selbst, nicht das Individuum selbst wiedergibt — gleichsam als Element, das es zur Gänze beherrscht. Meine gegenwärtige Erfahrung betrifft eine gewisse Art von Präsenz in der Welt, aber sie ist nicht die Erfahrung meines Ego: das Subjekt existiert zwar, jedoch auf imaginäre Weise. Dieses Imaginäre ist die einzig konkrete Konsistenz meiner Existenz. Wenn ich auch nicht darüber verfügen kann, kann ich mich doch nicht für unzuständig erklären. Es wird mir, wenn auch keineswegs in transparenter Weise, durch die Gesamtheit meiner Beziehungen mit anderen vermittelt — alle diese anderen beziehen sich auf dieses wesentliche Imaginäre. Deswegen schreibt Sartre: „Das Bewußtsein ist ein Sein, bei dem dieses eigene Sein selbst in Frage gestellt wird, da dieses Sein noch ein anderes Sein impliziert.“ [20] Nur dieses Sein, das allein ich selbst ist und das ich nicht beherrsche, ist das Subjekt meiner persönlichen Geschichte und entwickelt sich untrennbar durch meine Beziehungen mit anderen und durch meine Praxis; es transzendiert die gelebte Erfahrung und es entwickelt sich in der Zeit, ausgehend von einer ursprünglichen „Entscheidung“, die sich „in illo tempore“ ereignet und aus dem Mythos schöpft. [21] Das Subjekt ist demnach seine eigene persönliche Geschichte, transzendent gegenüber jeder Erfahrung, „konstituiert“ durch die Dialektik seiner Beziehungen mit anderen, in einem ganz bestimmten historischen Zusammenhang.

Durch diesen Zusammenhang verknüpfen sich persönliche Geschichte und Menschheitsgeschichte, insofern als alle konkreten Aspekte der einen direkt oder indirekt von der anderen abhängen — menschliche Existenz ist ja nur wirklich, nicht geträumt, in der Geschichte. Das Studium menschlicher Gruppen, [22] die fundamentale Rolle einzelner Ereignisse, die detaillierte Ausarbeitung des Begriffes Praxis ermöglichen es, Geschichte im strengen Sinn als erkennbar zu beschreiben, als Geschichte, die sowohl allgemein als auch konkret durch die dialektische Vernunft erkannt werden kann. Durch die detaillierten Studien verschiedener Arten menschlicher Gruppen ist die Vermittlung zwischen individueller Geschichte einzelner Menschen und allgemeiner Menschheitsgeschichte zu erkennen. Geschichte erweist sich somit als doppeltes Bezugssystem und muß daher zweifach registriert werden. Das philosophische Denken verwendet das historische Wissen, nicht um daraus allgemeine Schemata abzuleiten, sondern um zu erkennen, inwiefern die konkrete Existenz und ihre Entwicklung das Verständnis einer Reihe fundamentaler Begriffe ermöglichen. Wenn Geschichte somit zur ersten Quelle kritischen Denkens wird, dann in dem Maß, als sie das zugleich Universellste und Konkreteste ist: die Geschichte ist die letzte Perspektive jedes Wissens und jeder Existenz, aber auch eine konkrete Perspektive, weil die Erfahrung derer, die in der Geschichte leben, nie durch Interpretation völlig reduziert werden kann und weil sich erst aus ihr immer nur sekundäre Abstraktionen ergeben. [23]

Wenn sich die Geschichte als die wesentliche Perspektive menschlicher Existenz und menschlichen Wissens erweist, so läßt sich beim Wort Struktur eine gute und eine schlechte Verwendung unterscheiden. Der erste Wortgebrauch ist operationell und unstetig, er dient nur als Hilfsmittel der Erkenntnis.

Strukturen der Geschichte

Es gibt keine selbständige Kenntnis der Strukturen, sondern nur eine Entzifferung gewisser mehr oder weniger prägnanter Strukturen in der Kontinuität der Geschichte.
Schließlich ist Geschichte nicht stricto sensu das fortschreitende Werden von Strukturen. Strukturen lösen einander nicht ab, sie verwandeln sich nicht ineinander, sondern nur einige dieser Strukturen sind für die Kenntnis der Geschichte unerläßlich. Kurz gesagt, der operationelle Begriff Struktur darf nur bescheiden und partiell verwendet werden; er trägt zum vollständigen Verständnis der Geschichte bei, ohne ein höheres Verständnis zu ermöglichen. Geschichte ist eine Einheit, die sich durch Kontinuität auszeichnet, Struktur ist eine Einheit, die quantifizierbar ist. Die Rolle der Struktur begrenzt sich auf das, was Zahlen an einem Kontinuum erklären können.

Diese richtige Verwendung definiert gleichzeitig auch den falschen Gebrauch des Wortes. Falsch ist die Verwendung des Begriffes Struktur in idealistisch-mystifizierender Weise, die beweisen will, daß Geschichte in der menschlichen Erkenntnis weder alles noch das Wichtigste bedeutet, und daß ein höherer, wenn nicht der höchste Rang der Summe von Strukturen gebührt, die den Menschen und seine Kultur auszeichnen.

Das Verständnis der Geschichte hört dort auf, wo es nicht mehr möglich ist, eine transponierbare strukturelle Gestalt zu entdecken, denn jenseits dieser Struktur gibt es nur eine Vielfalt empirischer Tatsachen ohne zusammenhängenden Sinn. Diese Verwendung des Wortes Struktur ist aus mehreren Gründen falsch. Sie erweckt Assoziationen an ewige Wesenheiten; dies wäre zwar noch kein großer Nachteil — man könnte vielleicht Genesis und Werden dieser Strukturen studieren und damit ein unhistorisches starres Denken vermeiden. Der größere Irrtum liegt jedoch darin, daß man die historische Praxis Formen unterordnet, die diese Praxis nicht selbst hervorgebracht hat und die nicht aus der Materie herkommen, die also nur Entfremdungen im Sinne Feuerbachs sein können. Geschichte entsteht durch menschliche Praxis in Auseinandersetzung mit der Materie und den zufälligen Ereignissen. Die Struktur der Materie, die Struktur des menschlichen Organismus sind keine Entfremdungen, weil sie in sich selbst existieren und ihr Sein nicht aus einer verborgenen menschlichen Schöpfung herleiten; Strukturen, die Geschichte steuern würden und weder in der Materie noch im menschlichen Organismus begründet sind, können nicht als ursprüngliche und autonome Gegebenheiten aufgefaßt werden; ihre Entstehung muß sich von der menschlichen Praxis her ergeben. Wenn es Strukturen gibt, die von der Geschichte unabhängig sind und die die wichtigsten Aspekte dieser Geschichte beeinflussen, dann ist Geschichte insgesamt nicht das Ergebnis des dialektischen Bezugs zwischen menschlicher Praxis und Materie, sondern wird zum Ort der Transzendenz und der Entfremdung. Wenn man den Begriff von immateriellen, unhistorischen, von der menschlichen Praxis unabhängigen Strukturen aufstellt, dann greift man wieder auf den Bereich von Illusionen zurück und führt wieder das Trugbild des absoluten Idealismus ein.

Der Primat der Geschichte im Denken Sartres kommt vom Primat der menschlichen Praxis her. Der falsche Gebrauch des Strukturbegriffes lehnt diesen Primat jedoch ab. Strukturen können dazu beitragen, die geschichtliche Kontinuität zu enträtseln, aber Geschichte selbst ist in ihrem Wesen nicht strukturell; da Geschichte der Schlüssel zur Erkenntnis des Menschen ist, kann auch Anthropologie nicht strukturell sein, wenn sie darauf verzichtet, die Entstehung der Strukturen zu erklären, und sie als „Genitum non factum ante omnia saecula“ hinnimmt. Strukturen zählen zu den Werkzeugen wissenschaftlicher Forschung, ihnen eine Vorrangstellung einzuräumen, ist jedoch eine Ideologie.

Abgesehen von dieser falschen Verwendung des Strukturbegriffs, stellt ein wichtiger Aspekt im Denken von Lévi Strauss diese grundsätzliche Beziehung zur Geschichte in Frage und schlägt dafür eine neue Erklärung vor. Angeregt vom Werk Saussures, aus dem Wunsch, die Entwicklungen der allgemeinen Linguistik mitzumachen, im Bewußtsein vom besonderen, unwiederholbaren Charakter empirischer Beobachtungen, eröffnet er seine kritischen Überlegungen mit der Bemerkung, daß viele Philosophen die Diachronie vorziehen, weil sie auf der Annahme einer geschichtlichen Kontinuität beruht, während die synchrone Betrachtungsweise weniger Aufmerksamkeit zu verdienen scheint.

An dieser Kontinuität beginnt Lévi-Strauss seine Fragen zu stellen; er fragt sich, ob wir wirklich genügend Beweise für sie haben. Indem er Geschichte selbst von unserer Kenntnis der Geschichte unterscheidet, zeigt er mühelos auf, daß nichts selbstverständlich ist. Sobald wir eine historische Tatsache als solche beschreiben, erweist sie sich bereits als selektiv ausgewählt und durch die Entscheidung des Historikers bestimmt; das bedeutet nicht, daß der Historiker die historische Tatsache zur Gänze erschafft, aber daß seine Art der Erkenntnis die Ereignisse bestimmen muß und damit ihnen unweigerlich die Kontinuität nimmt. Diese Problemstellung läßt sich am besten in der Sprache der Mengentheorie formulieren: Geschichte selbst ist möglicherweise eine Menge, die ein Kontinuum darstellt, geschichtliche Kenntnis führt zu einer anderen Menge, die unzweifelhaft in Ziffern erfaßbar ist; die erste Menge mit der zweiten Menge zu verwechseln, wäre ein Irrtum. Wenn man sich mit geheuchelter und bösartiger Naivität — die angebliche Naivität der Philosophen ist immer falsch — fragt, wo sich irgendetwas ereignet hat, wird man bemerken, daß man diese Frage nur beantworten kann, wenn man auf die Kontinuität verzichtet, um die einzelnen Ereignisse voneinander getrennt zu untersuchen. Lévi-Strauss zeigt in diesem Punkt eine sehr häufige Illusion auf: wir stellen uns Geschichte als ein Kontinuum vor, indem wir sie sozusagen in eine Chronologie einspannen, die uns vom Jahrtausend bis zur Zehntelsekunde als stetige Funktion erscheint. Diese Chronologie ist jedoch nicht homogen; wenn wir die Bronzezeit, die Antike, die Neuzeit, den Vietnamkrieg und die Abfassung dieses Artikels aneinanderreihen, haben wir keine Kontinuität hergestellt, denn diese Daten zählen zu verschiedenen Kategorien. Die Chronologie stellt keine lineare Aufeinanderfolge dar, sondern mehrere Zeitreihen, die nicht ineinander übergehen.

Die Dichotomie historischer Betrachtung

Für Lévi-Strauss stellt Geschichte kein lineares Ganzes, kein Kontinuum dar, sondern ein in Zahlen erfaßbares Ganzes, das sich aus linearen, in Zahlen erfaßbaren Einheiten zusammensetzt. Diese linearen Einheiten sind überdies reich an Details und Anekdoten. Eine graphische Darstellung kann die Bedeutung dieser Ausführungen vielleicht besser illustrieren. Anstelle einer einzigen Linie, auf der links der Pithecanthropus von Java, rechts der 2. September 1966, an dem ich hier an meinem Schreibtisch sitze, und in der Mitte der 2. Juni 1793 aufscheinen, muß man eine zweidimensionale Matrix mit einer unendlich großen, aber bezifferbaren Zahl horizontaler Linien von links nach rechts zeichnen, wobei die oberen Linien Jahrtausende und Jahrhunderte, die unteren Linien Lustren, Jahre und Tage darstellen; genauer gesagt, bezeichnen die oberen Linien die globalen und weniger konkreten Erscheinungen, die sich weniger rasch ändern (wie z.B. der Übergang von den Vorläufern des Menschen zu den heutigen Varianten des Homo sapiens), die unteren Linien entsprechen den speziellsten, zufälligsten Erscheinungen, die sich am raschesten ändern. Dieser räumliche Vergleich fordert zu weiteren Bemerkungen heraus. Die obersten Linien entsprechen den natürlichsten Phänomenen, die untersten Linien den Phänomenen, die am stärksten der Kultur zuzurechnen sind; oben haben wir es fast mit einem Kontinuum zu tun, unten hat jede Episode ihren Eigenwert und steht nicht in kontinuierlichem Zusammenhang mit den vorhergehenden Ereignissen. Meines Erachtens wird diese Kurve erst dann wirklich sinnvoll, wenn man sie als ein bezifferbares, aber unendliches Ganzes aus linearen Einheiten auffaßt: in dieser Sicht nimmt die uns bekannte Geschichte immer einige mittlere Linien ein, wobei die Französische Revolution z.B. in der Mitte steht zwischen den höheren Linien, die der Entwicklung der Klassen in der modernen Gesellschaft entsprechen, und den unteren Linien, die sich auf die Lebensläufe Robespierres oder Carnots beziehen. Daraus ersieht man ohne weiteres, daß sich Geschichte in ihrer Einzigartigkeit in der obersten Linie darstellt, während sich das historische Detail auf der untersten Linie findet. Dieses Bild führt zu zwei Schlußfolgerungen: zunächst kann Geschichte weder als höchstes Bezugssystem aufgefaßt werden noch als das universelle Konkrete, denn sie erstreckt sich zwischen zwei unendlichen rekurrenten Reihen. Sodann ist Geschichte als absolute Kontinuität menschlicher Existenzen irreal, denn sie steht über der oberen Unendlichkeitsstelle der Kurve, sie stellt keineswegs die echte Gesamtsumme dar, sondern ist ebenso leer und konventionell wie die endlichen Zahlen oder ist vielmehr erst sie selbst, wenn sie jegliche Realität verliert.

Wenn die Geschichte die bevorzugte Stellung verliert, die wir ihr seit Hegel, Marx und Sartre einräumten, dann wird die Verwendung struktureller Schemata wieder zu einer legitimen Erkenntnismethode.

Die strukturelle Analyse ist insofern gerechtfertigt, als die Geschichte keine absolute Kontinuität besitzt und nicht nur in einer einzigen Tonart gespielt wird: da sie keine bestimmte Orientierung bei der Lektüre verlangt, kann sie durch das Aufzeigen der sich wiederholenden prägnanten Figuren bis zu einem gewissen Annäherungswert entziffert werden. Für Sartre ist Geschichte vor allem das konkreteste Objekt menschlicher Existenz, für Lévi-Strauss hingegen ist sie nur eine, wenn auch unersetzliche Forschungsmethode, die nicht schon ihren Gegenstand definiert und die andere Forschungsmethoden nicht ausschließt. Wenn Geschichte ihren Gegenstand erschöpfend behandelt, so ist Struktur nur ein untergeordnetes Forschungsinstrument, wenn aber Geschichte nur eine bestimmte Art und Weise ist, Gesamtphänomene zu beschreiben, die auch auf andere Art und Weise behandelt werden können, dann wird die strukturelle Betrachtungsweise legitim. Im letzten geht es darum, das Wesen der Geschichte und der geschichtlichen Erkenntnis zu umreißen. Vielleicht sind manche der Meinung, dieser Gegensatz bleibe zu abstrakt, Lévi-Strauss sei zwar Ethnologe, Sartre jedoch nicht Historiker: dabei kennen wir im Grund nichts Konkreteres als die Studien Sartres über Jean Genet und Flaubert. Im übrigen stehen wir vor dem selben Dilemma und Gegensatz in der gesamten modernen Psychopathologie, also in einem Bereich, wo philosophische Überlegungen nicht an erster Stelle rangieren. Meiner Meinung nach tritt diese grundlegende Dichotomie dort früher und radikaler auf als in anderen Forschungsbereichen, man kann sie jedoch meines Erachtens nur im Licht der vorangehenden Konfrontation von primitivem Denken und dialektischer Vernunft sinnvoll studieren.

[1N. S. Trubetzkoj, Prinzipien der Phonologie; R. Jakobson, Essays über allgemeine Linguistik; R. Jakobson & M. Malle, Fundamentals of language, Den Haag, Mouton & Co., 1956.

[2F. de Saussure, Cours de linguistique générale, Paris, Payot 1960.

[3Vgl. K. Koffka, Principles of gestalt psychology, London, Routledge & Kegan Paul 1955; W. Köhler, Gestalt psychology, London, Bell 1930; K. Goldstein, Die Struktur des Organismus; V. von Weizsacker, Der Zyklus der Struktur.

[4Vgl. F. Boas, The methods of ethnology, Amer. Anthropol. Bd. 22 und „History and science in anthropology: a reply“, Amer. Anthropol. Bd. 38.

[5C. Lévi-Strauss: Le cru et le cuit, Paris, Plan 1964; La pensée sauvage, Paris, Plan 1962; Les structures élémentaires de la parenté, Paris, P.U.F. 1949; Tristes tropiques, Paris, Plan 1955; Das Ende des Totemismus, Suhrkamp.

[6Vgl. A. Gurwitsch, Théorie du champ de la conscience, Paris, Desclée de Brouwer 1957. Implizit findet sich der Strukturalismus auch bei den russischen Formalisten und in der Formgeschichtlichen Schule. Vgl. T. Todorov, Theorie de la littérature, textes des formalistes russes, Paris, Editions du Seuil 1965, und E. Fascher, Die Formgeschichtliche Methode, eine Darstellung und Kritik, Giessen 1924.

[7Der Nationalsozialismus trieb die meisten Vertreter der Gestalttheorie ins Exil. Im besetzten Prag war N. S. Trubetzkoi bis zu seinem Tod ständiger Verfolgung ausgesetzt.

[8Vgl. E. Benveniste, Problèmes de linguistique générale, Paris, Gallimard 1966.

[9F. de Saussure, Cours de linguistique générale, op. cit. p. 166.

[10Vgl. J. Meyerson, Problèmes de la couleur, Paris, S.E.V.P.E.N. 1957.

[11Protokoll des Ersten Internationalen Linguistenkongresses, Nimwegen 1928. Vgl. R. Jakobson, „Bemerkungen über die phonologische Entwicklung des Russischen im Vergleich zu anderen slawischen Sprachen“, Prag 1929.

[12C. Lévi-Strauss, Strukturale Anthropologie, Suhrkamp, Frankfurt 967.

[13ibid.

[14ibid.

[15ibid.

[16Vgl. auch: R. Ruyer, Esquisse d’une philosophie de la structure, Paris, Alcan 1930; Neofinalisme, Paris, P.U.F. 1952; La Cybernétique et l’origine de l’information, Paris, Flammarion 1954. R. Barthes, Mythologies, Paris, Editions du Seuil 1957; „Elements de semiologie“ in Le dégre zéro de l’Écriture, Paris, Gonthier 1964.

[17D. Guerin, Les luttes de classes sous la première république, Paris, Gallimard 1946, und A. Soboul, Les Sans-Culottes parisiens de’An II, Paris, Clavreuil 1962.

[18J. P. Sartre, Kritik der dialektischen Vernunft, sowie „La conscience de classe chez Flaubert“ in Les temps modernes, Nr. 240 und 241.

[19J. P. Sartre, Das Sein und das Nichts und Saint Genêt, Comédien et martyr.

[20Vgl. Das Sein und das Nichts, p. 29 sowie Merleau-Ponty, Phénoménologie de la perception.

[21Vgl. Das Sein und das Nichts, pp. 643-663, und M. Eliade, „Aspects du mythe“, Paris, Gallimard 1963.

[22Vgl. Kritik der dialektischen Vernunft.

[23Zu den Studien über Begriffsbildung vgl. auch B. Croce, Logica come scienza del concetto puro, Bari, Laterza 1947.

(Teil II folgt im nächsten Heft.)

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1968
No. 171-172, Seite 205
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Trautl Brandstaller: Politologin, ehemals Institut fiir Höhere Studien, Wien, und Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Linz, studierte unter anderem an der Sorbonne, war Redakteurin der „Kathpress“ und „Furche“, erhielt den Karl-Renner-Preis für Publizistik 1968, ist nun beim Verlag Styria, Graz-Wien-Köln, tätig und FORVM-Mitherausgeberin. Sie kommt von der Katholischen Hochschulgemeinde Wien, ist Vizepräsidentin der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Journalisten.

Georges Lánteri-Laura: Professor an der Straßburger Universität und Direktor ihres Instituts für Klinische Psychologie. Zuletzt von ihm erschienen: „Les apports de la linguistique & la psychologie contemporaire“ (1966).

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