Zeitschriften » FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1972 » No. 222
Lutz Holzinger • Michael Springer

Schröckliche „Zeit im Bild“

Zur Informationspraxis des Österreichischen Fernsehens

Diese Texte sind Teile eines Buchmanuskriptes, das eine qualitative und quantitative Analyse der ORF-Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ zum Inhalt hat. Eine Publikation bei „Jugend & Volk“ war geplant. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß sich kein relevanter österreichischer Verlag eine Auseinandersetzung mit der ORF-Bürokratie zumuten will. — L. H./M. S.

I. Wurstelprater

„Chronik“ ist die „Aufzeichnung geschichtlicher Ereignisse nach ihrer Zeitfolge“ (Duden — Rechtschreibung, Mannheim 1961). In der Praxis der Tageszeitungen ist es üblich, im Chronikteil alle jene Aspekte der sozialen Wirklichkeit zu behandeln, die nicht unmittelbar in den Bereich der Innen- und Außenpolitik gehören. In der „Zeit im Bild“ (ZIB) wurde zwischen Österreich- und Weltchronik unterschieden. Jetzt ist diese äußerliche Kennzeichnung der Sendeteile weggefallen, was nichts daran geändert hat, daß durchschnittlich rund 37 Prozent der Meldungen diesem Genre zuzuzählen sind. Weil Themen und Darstellungsform in beiden Fällen von ZIB-Chronik gleichartig sind, wird in der Darstellung nicht zwischen Österreich- und Weltchronik unterschieden. Aus der Aufschlüsselung der Chronikinformation nach Sachgebieten ist ersichtlich, daß sich einzelne Themen nach der Häufigkeit in Gruppen einteilen lassen: erstens „Katastrophen und Unfälle“ (17 Prozent) sowie „Attraktionen und Neuheiten“ (16 Prozent); zweitens „Verbrechen“ (11,5 Prozent) sowie „Feste und Feiern“ (10 Prozent); drittens „Kultur“ (8 Prozent), „Autofahren und Reisen“ (8 Prozent), „Tiere und Kinder“ (7 Prozent), „Natur“ (6 Prozent) und „Prominente“ (5 Prozent).

Über die rein formale Häufigkeit hinaus sind in den. einzelnen Gruppen auch inhaltliche Beziehungen festzustellen. „Katastrophen und Unfälle“ bilden ein Gegensatzpaar mit „Attraktionen und Neuheiten“, ebenso „Verbrechen“ mit „Feste und Feiern“. Während die erste Gruppe ein Gegensatzpaar anonymer Ereignisse darstellt, stehen in der zweiten Personen im Mittelpunkt. Die dritte Gruppe setzt sich von den ersten beiden dadurch ab, daß sich die in ihr angebotenen Informationen nicht durch die Sensationalität des Ereignisses aufdrängt, sondern willkürlich ausgewählten, meist liebenswerten Dauerphänomenen gewidmet sind.

Während die außenpolitische Berichterstattung eine Art Welt-Bild projiziert und die innenpolitische Information geradezu die Wirklichkeit des politischen Lebens konstruiert, stellen die Chronikteile tendentiell die Wirklichkeit des Alltags dar. Da sie mit suggestiven Mitteln der audivisuellen Reizung arbeiten, verblaßt der jedem einzelnen zugängliche Ausschnitt der Alltagswirklichkeit gegenüber dem von Österreich- und Weltchronik suggerierten Gesamtbild. Die Differenz zwischen Chronikwirklichkeit und der vom Zuseher erfahrenen kann so nicht mehr als die Deformation der Berichterstattung erkannt werden, sondern erscheint dem einzelnen als Deformiertheit seines eigenen Lebens.

Schon das Zahlenmaterial zeigt, daß die Chronikwirklichkeit aus unvermittelten extremen Gegensatzpaaren von schrecklichen und beglückenden Zufällen zusammengesetzt ist, die sich vor einem liebenswürdig verniedlichenden Hintergrund von Kultur, Reisen, Prominenten, Natur, Tieren und Kindern ereignen. Sie gleicht der Karikatur einer Wirklichkeit, wie sie der Wurstelprater zeichnet: jäher Wechsel von Spannung und Lösung, von Schrecken und Heiterkeit, von Geisterbahn und Lachkabinett, und dazwischen eine infantile Welt aus Schießbuden, Autodrom, Raritätenschau und Karussell. Das ZIB-Publikum wird einerseits bedroht von anonymen Gewalten (Katastrophen und Unfälle) und persönlichen Nachstellungen (Verbrechen), anderseits wieder beruhigt durch glückliche Zufälle, die den Charakter von Geschenken tragen (anonym: Attraktionen und Neuheiten; personalisiert: Feste und Feiern).

Die Häufigkeit abenteuerlicher Ereignisse im negativen wie positiven Sinn wird ungemein übertrieben. Dies führt dazu, daß einerseits dem einzelnen Zuseher sein Leben als armselig und verfehlt erscheinen muß, er sich als Stiefkind des Glücks fühlt, daß anderseits seine chronische Frustration dadurch kompensiert wird, daß er glauben muß, inmitten einer Welt der Unfälle und des Verbrechens nur durch unwahrscheinliches Glück bisher verschont worden zu sein. Er kann froh sein, zwar freudlos, aber auch unbehelligt weiter sein Leben zu fristen. Die ständig gegenwärtige Bedrohung, aber auch die ständig vorgegaukelte Hoffnung halten ihn bei der Stange; im grellen Schwarz-Weiß aus Verhängnis und Geschenk erscheint ihm das Grau des Alltags erträglich. Das schwache Überwiegen der negativen Komponenten (um insgesamt rund 2 Prozent) sorgt dafür, daß die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht über die Furcht vor einem schlechteren die Oberhand gewinnt.

II. News Show

Wenn der Zuseher seine Wirklichkeit mit jener der Chronik vergleicht, so muß es ihm als das größere Verhängnis erscheinen, daß er arbeiten muß. Die Welt der Arbeit ist kein Teil der Chronikwirklichkeit. Die positiven wie die negativen Sensationen spielen sich vor einem reinen Freizeitbereich ab: Kinder, Tiere, Prominente, Reisen, Kultur und Natur sind die Statisterie einer Feierabend-Wirklichkeit.

In den Zeitraum der Untersuchung (April, Mai, Juni 1971) fiel der jüngste Ausbruch des Vulkans Ätna. Ausgerechnet an diesem Beispiel bewies das Fernsehen des Österreichischen Rundfunks, welche Mittel ihm zur Verfügung stehen, um ein Geschehen über einen längeren Zeitraum zu verfolgen sowie adäquat darzustellen und zu erklären. Achtmal wurde vom Ausbruch berichtet: eindrucksvolles Bildmaterial stellte die beginnende Aktivität, die Ausbildung von Nebenkratern und den Verlauf der Lavaströme dar. Diagramme und Graphiken machten Ursachen und Gesetzmäßigkeiten des Vulkanismus anschaulich. Die Reaktionen der Bevölkerung, Sicherheitsmaßnahmen und Evakuierungen fanden genaue Beachtung. Es ist bezeichnend, daß ein Naturereignis derart ausführliche Darstellung und Auslegung fand, während kein soziales Phänomen in der gesamten ZIB-Berichterstattung ähnlich präzis geschildert wurde. Das ist verständlich: Während Naturereignisse wie Vulkanausbrüche und Wetter nicht beeinflußt werden können, sondern durch sorgfältige Beobachtung nur gestatten, sich vor ihren Folgen zu schützen, sind soziale Phänomene auch von ihren Ursachen her veränderbar. Ihre Analyse wäre von viel größerem Interesse. Tatsächlich werden jedoch auch soziale Fakten als Naturereignisse geschildert, als Katastrophen und Unfälle, als Attraktionen und Novitäten. Damit wird die Funktion sozialer und politischer Information verfehlt. Dem Staatsbürger wird suggeriert, die nach Art von Naturereignissen hereinbrechenden Geschehnisse seien grundsätzlich nicht beeinflußbar, sondern von einem blinden Fatum spontan verhängt. Insofern ist die Chronikinformation für die gesamte ZIB-Information typisch.

Die Absicht der ORF-Chefredaktion, die ZIB nach dem Vorbild der Chronik in eine sensationelle Show umzugestalten, wird von Alfons Dalma als Programm formuliert: „Nach der Festlegung (der ZIB) auf die bewährte Sendezeit von 19.30 Uhr und der Verlängerung auf eine halbe Stunde ... sind die Voraussetzungen für einen allmählichen Umbau in eine echte News Show von internationalem Zuschnitt gegeben“ (ORF-Almanach 1969, S. 94). Dalma spekuliert dabei mit der „Unmittelbarkeit, Ausstrahlungskraft und emotionellen Wirkung der Ereignisse“ (a.a.O., S. 89). Der eklatante Widerspruch zum Anspruch auf „Versachlichung und Entideologisierung der politischen Berichterstattung“ (a.a.O.) ist offensichtlich und stempelt letzteren „Gestaltungsgrundsatz“ zum Lippenbekenntnis. Daran enthüllt sich die antidemokratische Zielsetzung der ZIB-Information: „Unmittelbarkeit“ und „emotionelle Wirkung“ im Rahmen einer „News Show“ haben die Schilderung von politischen als Naturereignisse zur unmittelbaren Folge. Für die demokratische Zielsetzung einer rational vermittelten, die Bildung einer eigenen Meinung fördernden Darbietung der Ereignisse bleibt kein Raum.

Die Berichterstattung in den innen- und außenpolitischen Teilen läßt sich analog den Sachgruppen der Chronik-Information gliedern und enthüllt so ihren vordergründigen Charakter: Politische Vorgänge werden wie „Katastrophen und Unfälle“, wie „Attraktionen und Neuheiten“, die Handlungen von Politikern wie „Verbrechen“ oder „Feste und Feiern“ präsentiert. Der internationale politische Meinungsaustausch erscheint unter dem Aspekt von „Autofahren und Reisen“ oder „Prominente“. Die Sachbezüge „Natur“ und „Kultur“ finden ihre Entsprechung in der Berichterstattung über „Kriege und Unruhen“ bzw. „Kundgebungen und Tagungen“. Die Darbietung des durch politische Wirren ausgelösten Elends (Flüchtlinge) rechnet mit der gleichen „emotionellen Wirkung“ wie sie das Vorzeigen von Tieren und Kindern in der Chronik auslöst. Die Folgenlosigkeit der Chronik-Berichterstattung für die politische Meinungsbildung und mögliche politische Praxis des Zusehers kennzeichnet gleichermaßen die politische Information.

III. Beliebtheit

Statt die Fragestellung mitzuliefern, auf die jede Information antwortet, und sie dadurch der Kritik auszusetzen, wird die Dialogsituation zwischen Informiertem und Informierendem von den ZIB-Redaktionen einseitig aufgekündigt; sie verkümmert zum Selbstgespräch: der Gefragte liefert sich die Fragen selbst, ohne sie explizit zu stellen, und unterstellt ihre Kongruenz mit dem Interesse des zum Konsumenten reduzierten Zuhörers. Das heißt, er macht sich von diesem Interesse ein Bild und stellt es nicht zur Diskussion; dieses Bild sieht im Falle des ORF so aus: „Nachrichtenbewertung nach Unmittelbarkeit, Ausstrahlungskraft und emotioneller Wirkung der Ereignisse“ sind die Voraussetzungen für „eine echte News Show von internationalem Zuschnitt“ (a.a.O.).

Diese von Alfons Dalma unverblümt charakterisierte Informationshaltung steht in krassem Widerspruch zum „absoluten Informationsgebot“ des ORF. Hier ist plötzlich von „Nachrichtenbewertung“ die Rede. Sie erfolgt gemäß einem unterstellten Publikumsinteresse nach „Unmittelbarkeit, Ausstrahlungskraft und emotioneller Wirkung der Ereignisse“. Mit anderen Worten, das Interesse des Publikums wird mit einem Hunger nach Sensationen identifiziert. Dieses klassische Vorurteil aller privatwirtschaftlich organisierten Sektoren der Massenkommunikation — wie Kommerzpresse, Filmindustrie und Werbung — stützt sich nicht auf wissenschaftliche Untersuchungen, sondern ist der Reflex kommerzieller Interessen, die die Nachfrage nach Maßgabe des von ihnen produzierten Angebots manipulieren und zur Erzielung maximalen Profits den Weg des geringsten Widerstands gehen. Ein nach den Normen der Privatwirtschaft organisiertes Rundfunkmonopol wie der ORF birgt die Gefahr in sich, seinen Aufgaben der „Volksbildung“ und Erziehung zu „demokratischem Charakter“ nicht gerecht zu werden, sondern sich an Eigeninteressen zu orientieren. Diese werden z.B. im Infratest als „Beliebtheit“ erfaßt und führen durch die daraus folgende Anpassung an das niedrigste, allerdings quantitativ am stärksten vertretene Bewußtseinsniveau zu einer Unterschätzung der Ansprüche des Publikums und damit zu dessen Verdummung und Entpolitisierung. Die einseitige Orientierung an einem als Nachfrage aufgefaßten „Publikumsgeschmack“ kann nie Anstrengungen hervorrufen, diesen „Geschmack“ zu einem kritischen Bewußtsein des Publikums zu heben. Es ist freilich leichter, sich „beliebt“ zu machen, indem man die herrschende Meinung reproduziert; für ein demokratisch verantwortungsvolles Rundfunkmonopol kommt es jedoch darauf an, sie zu verändern.

Ein schlagendes Beispiel für die Unterschätzung des Bewußtseinsstandes der Fernsehzuschauer durch den ORF war die Sehbeteiligung am zweiten Fernsehprogramm vor der jüngsten Programmreform. Als Minderheitenprogramm konzipiert, übertrafen die Einschaltquoten alle Erwartungen. Dies führte offensichtlich zu seiner Eliminierung.

Die an der Sensation orientierte Informationshaltung der ZIB, die der einer Boulevardzeitung immer weniger nachsteht, ging etwa aus der Berichterstattung über die Entführung der österreichischen Konsulatsangestellten Luise Kneissl in der Schweiz hervor. Die erste Meldung über den Vorfall wurde in der ZIB I am 20. April 1971 gebracht. Sie stand an erster Stelle und dauerte 1 Minute 10 Sekunden. In den folgenden Tagen wurde das Ereignis aufgebauscht zur staatsbewegenden Sensation. Am 21., 22. und 23. nahm sie weiterhin den ersten Platz in der ZIB ein; die Dauer der Berichte betrug 11 Minuten 37 Sekunden, 11 Minuten 46 Sekunden und 7 Minuten 18 Sekunden. Durchwegs wurden aufwendig gebaute Berichte mit Filmen, Interviews und Kommentaren eines eigens än den Tatort geeilten Sonderkorrespondenten, Horst F. Meier, über einen Vorfall gebracht, der von seinem Inhalt her eine schlichte Wortmeldung gerechtfertigt hätte. Aber durch die synthetisch aufbereitete „Unmittelbarkeit, Ausstrahlungskraft und emotionelle Wirkung der Ereignisse“ feierte die „News Show“ Triumphe. Der konkrete Kern der Sensation, nämlich das Schicksal und die Tatmotive des Entführers, wurde ausgespart oder deformiert dargestellt. Nach der Freilassung von Luise Kneiss! sprach der Sonderberichterstatter von Müller als „Vorbestraftem“ und „anrüchigem Masseur“, gleichzeitig forderte er ein strenges Durchgreifen gegen den Entführer, um nicht durch einen „Präzedenzfall“ Ruhe und Ordnung zu gefährden. Die darauf folgende Stellungnahme von Luise Kneissi brachte das genaue Gegenteil zum Ausdruck. Sie erklärte, Müllers Motive zu verstehen, und wies auf seine starke seelische Belastung hin; er sei weder ein Irrer noch ein Verbrecher.

IV. Folterkammer

Der Vorrang der „Sensation“ vor der sachlichen politischen Information in der ZIB zeigt sich zum Beispiel auch am Aufbau der Sendung vom 2. Mai 1971: An erster Stelle stand ein Bericht über einen Einbruch in eine Sparkasse in St. Pölten. In der zweiten Meldung wurde über die Aufräumungsarbeiten nach dem Eisenbahnunglück bei Führnitz berichtet. Dann folgte eine Meldung über eine Polenreise von Kardinal König. Anschließend wurde berichtet, die Wiener FPÖ habe gegen die Äußerungen Königs über die ehemaligen „deutschen Ostgebiete“ protestiert. In der gleichen Sendung wurde ein Filmbericht über eine Alpenüberquerung österreichischer Bergsteiger von 5 Minuten 56 Sekunden Dauer gebracht. Insgesamt waren von 20 Minuten Sendezeit (Sonntag) nur 7 Minuten der politischen Berichterstattung gewidmet. Dies erhärtet die Annahme, daß die Gestaltung der Chronikteile als Sensationsshow vorbildlich ist für die Gestaltung der gesamten ZIB als „News Show“.

Der Sensationshunger in der ZIB-Informationshaltung gibt bei der Präsentation des Geschehens dem Verbrechen und der Katastrophe den Vorrang. Das Angebot visueller Reize deformiert durch seine sensationelle „Unmittelbarkeit und emotionale Wirkung“ das Bewußtsein des Zusehers und erzeugt damit die entsprechende Nachfrage: den Voyeurismus. Die Möglichkeit des Fernsehens, schwer zugängliche Informationen ins Haus zu liefern, verkommt zur pervertierten Neugier, überall dabei zu sein, wo sich Verbrechen und Katastrophen ereignen. Der Anspruch auf sachliche Information wird dazu mißbraucht, ein Publikum mit Horrordetails zu befriedigen, dem solange Voyeurismus unterstellt wird, bis es keine Unterstellung mehr ist. „Ein Feuerwehrmann berichtete, hinter einem Flugzeugfenster habe er eine schreiende Stewardeß verzweifelt gegen das Glas schlagen gesehen. Bei seinem Eintreffen sei das Mädchen bereits tot gewesen.“ (ZIB I, 24. Mai 1971) „... einen Kilometer außerhalb des Bahnhofes kam es um 21.12 Uhr zu dem Frontalzusammenstoß. Bereits wenige Minuten nach der Katastrophe waren die ersten Krankenwagen und Helfer zur Stelle. Ärzte und Sanitäter bargen aus den Trümmern die verzweifelt um Hilfe schreienden Kinder. Die Opfer mußten zum Teil aus einem Gewirr verbogenen Stahls herausgeschweißt werden. Der vordere Teil des Triebwagens war durch den Zusammenstoß völlig zerstört worden. Die insgesamt 27 Verletzten mußten an Seilen zu den Rettungswagen auf der 5 Meter über der Bahnlinie liegenden Straße hochgezogen werden. Als Aufbahrungsort für die Toten diente eine Turnhalle. Es kam zu erschütternden Szenen, als die Kinder von ihren Eltern identifiziert wurden. Die Nachricht von dem gräßlichen Unglück hatte sich in Rade vorm Wald wie ein Lauffeuer verbreitet, da die Eltern der Schüler auf dem Bahnhof bereits auf deren Ankunft gewartet hatten. Das Unglück geschah 20 Minuten bevor die Schulklasse am Ziel eintreffen sollte“ (ZIB I, 28. Mai 1971). Meldungen dieser Art können durch kein „Informationsgebot“ entschuldigt werden. Der Unfallort wird zur Folterkammer gemacht, die Gegenstände zu Marterwerkzeugen („Gewirr verbogenen Stahls“, „an Seilen hochgezogen“) und heuchlerisch werden „erschütternde Szenen“ im Detail beschrieben, in deren Mittelpunkt „verzweifelt schreiende Frauen und Kinder“ stehen. Da daraus keine Lehren zu ziehen sind, vielmehr Unfälle als naturgegebene Katastrophen hingestellt werden, denen man „zum Opfer fällt“, bleibt als einzige Absicht die Spekulation mit der voyeuristischen Sensationsgier des Publikums.

ORF im NF

  • Michael Springer: Erbauung aus der Bildröhre, Anf. März 1970.
  • Michael Springer: Der mechanische Hund, Anf. April 1970.
  • Michael Springer: Auf der Galerie. Der goldene Schuß, Anf. Mai 1970.
  • Michael Springer: Geschäft mit dem Tod, Anf. Juni 1970.
  • Lutz Holzinger: Unpolitische ORF-Politik, Anf. Okt. 1970.
  • Alfons Dalma: Die kontrollierte Explosion, Nov: 1970.
  • Michael Springer: Wünsch Dir was anderes, April/Mai 1971.
  • Michael Springer: Hexeneinmaleins. Beiträge zu einer Zahlentheorie der Massenmedien. Mit Demonstrationsbeispielen, Juni/ Juli 1971.
  • Lutz Holzinger/Michael Springer: zib-Geplauder. Der politische Kommentar in „Zeit im Bild“, Sept./Okt. 1971.
  • Günther Nenning: Kalter Krieger Portisch? Sept./Okt. 1971.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1972
No. 222, Seite 59
Autor/inn/en:

Lutz Holzinger:

Jahrgang 1944, Dr. phil. (Germanistik), war Mitglied der KPÖ und Redakteur der Volksstimme sowie von Gründung bis Einstellung Chefredakteur des Salto. 1971/1973 war er Redaktionsmitglied des NEUEN FORVMS.

Michael Springer:

Jahrgang 1944, aufgewachsen in Henndorf bei Salzburg, studierte Theoretische Physik in Wien und war Redakteur des FORVM. Er lebt heute als freier Schriftsteller, Übersetzer und Redakteur in Aachen. Von ihm sind u.a. die Romane Was morgen geschah (1979) und Leonardos Dilemma (1986) erschienen. Leben Sie wohl? ist 1999 bei Zsolnay erschienen.

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