Zeitschriften » FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1970 » No. 197/I
Ernst Fischer

Lenin‚ Genie der Revolution

Zu seinem 100. Geburtstag am 22. April

Für Hunderte Millionen Menschen Inbegriff der Befreiung aus Elend, Knechtschaft, Unwissenheit; für andere Symbol des Bösen, von Aufruhr, Gewalt, Diktatur; für manche der Fetisch, mit dem sie Mißbrauch treiben — das ist Lenin. Dieser Name duldet keine Indifferenz, nötigt jeden, Partei zu ergreifen. Man mag um Marx akademisch diskutieren, seine Theorie mit Vorbehalten anerkennen und nur die Konsequenz, die Praxis verwerfen — mit Lenin ist das anders. Denn er war die Praxis, die Konsequenz, die Revolution. Wer die Revoiution verneint, kann Lenin nicht bejahen. Jede Kontroverse um Lenin führt zur Frage nach dem Sinn oder Unsinn, der Unabwendbarkeit oder Vermeidbarkeit revolutionärer Umwälzungen.

Bisher haben die Herrschenden nie begriffen, wann die gesellschaftlichen Zustände radikale Veränderungen erforderten. Große Revolutionen waren nie das Ergebnis obskurer Verschwörungen, sondern wurden stets durch die Unvernunft der Herrschenden provoziert, durch die Unfähigkeit, von ihren kurzfristigen Interessen abzusehen, um des Künftigen willen auf den Profit des Augenblicks, auf angestammte oder erworbene Privilegien zu verzichten. In jeder großen Revolution haben zurückgestaute gesellschaftliche Kräfte die Grenzen des jeweils Möglichen überschritten. Das Ziel war unerreichbar, aber es mußte gesetzt werden, um alle potentiellen Energien zu aktivieren; immer kommt dann der Tag, an dem die Revolution den Rückzug ins Mögliche antreten muß, Sie bedarf also dynamischer Phantasie, gepaart mit kritischer Erkenntnis, äußerster Kühnheit sowie der Kunst und Entschlossenheit zur jähen Wendung in Taktik und Strategie.

Alle diese Eigenschaften hat Lenin in sich vereinigt.

Sein Vater Ilja Nikolajewitsch Uljanow war Direktor der Volksschulen des Simbirsker Gouvernements, wurde zum Wirklichen Staatsrat ernannt und geadelt. Die Mutter Maria Alexandrowna Blank stammte aus einer jüdisch-deutschen Intellektuellenfamilie; ihr Vater war Arzt.

Wenn man den kleinen Wolodja fragte, was er haben und wie er sein wolle, erwiderte er: „Wie Sascha ...“ Der um vier Jahre ältere, stille, versonnene Sascha war seinem kleinen, lärmenden, widerspenstigen Bruder sehr ähnlich. Die Sorge des Vaters um ihn war nicht unbegründet.

Das Elend der Bauern, die „Anmut der Knute“ (Puschkin), die Rückständigkeit des Landes entfachte im „geistigen Proletariat“, wie Hippolyt Myschkin die Intellektuellen nannte, den Geist der Revolte. Vor den 15.000 Studenten, die es in Rußland gab, zitterte die Bürokratie. Am 1. März 1881 tötete die Bombe eines jungen Anarchisten den Zaren Alexander II.. Seinem Nachfolger Alexander III. war derselbe Tod zugedacht. Sascha, der damals in Petersburg Chemie studierte, stellte die Bombe her. Doch die Verschwörung flog auf. Alexander Iljitsch Uljanow sagte in seiner Rede vor Gericht: „Eine schwache Intelligenz, die äußerst schwach von den Interessen der Massen durchdrungen ist, kann nur in terroristischer Form ihr Recht, zu denken, verteidigen.“ Er wurde hingerichtet.

Ein Posten war vakant, Wladimir Iljitsch Uljanow trat an die Stelle des Bruders — doch nicht als Anarchist, nicht als ein verzweifelter Intellektueller, sondern als Repräsentant einer neuen Generation, die sich an Marx orientierte. Seit 1902 nannte er sich Lenin.

Der nach Verbannung, nach absolviertem Studium der Jurisprudenz und einjähriger Anwaltspraxis ins westeuropäische Exil gegangene Lenin entwickelte 1902 in seiner brillanten Broschüre „Was tun?“ den Gedanken, daß die Arbeiterschaft aus eigener Erfahrung nur ein gewerkschaftliches, nicht ein politisches Bewußtsein zu gewinnen vermöge.

Klassenbewußtsein als umfassendes gesellschaftliches Bewußtsein, als straffe zentralistische Avantgarde zu organisieren — darin sah Lenin die Voraussetzung der in den Massen heranreifenden Revolution.

Rosa Luxemburg hat diesem Konzept der zentralistischen Partei heftig widersprochen. Auch im revolutionären Kampf gehe das Unbewußte vor das Bewußte; durch bürokratischen Zentralismus könne man die Dialektik der Entwicklung nicht lenken und regeln; am Ende werde das Mittel sich gegen den Zweck wenden.

Soweit es das atomisierte Rußland betraf, mit seinen schwerfälligen Bauernmassen, anarchistischen Intellektuellen, vereinzelten Inseln der Industrie im schwarzen Meer der Rückständigkeit, war Lenin offenkundig im Recht. Dennoch: die Sowjets, diese neue Form der revolutionären Demokratie, sind 1905 aus der Spontaneität der Massen hervorgegangen. Und schließlich kam es so, nach dem Tode Lenins, wie Rosa Luxemburg voraussagte: Die Mittel haben sich gegen den Zweck gewendet, der bürokratische Apparat hat die Entwicklung der revolutionären Demokratie unterbunden.

Solange Lenin lebte, hat seine Kunst, mit verschiedenartigen Menschen zusammenzuarbeiten, ihre Fähigkeiten und Schwächen zu berücksichtigen, aufmerksam zuzuhören, von anderen zu lernen, die Gefahren des bürokratischen Zentralismus weitgehend paralysiert. Das antibürokratische Wesen des großen Revolutionärs hat sich über Statuten und Paragraphen hinweggesetzt, in mancher eigenen Entscheidung sowie im Verhalten zu Kampfgefährten, die sich Mehrheitsbeschlüssen nicht fügten. Als Sinowjew und Kamenjew im Oktober 1917 gegen den bewaffneten Aufstand agitierten, hat Lenin sie als „Streikbrecher“ beschimpft, ihnen „tatsächlichen Verrat“ vorgeworfen, ihren Ausschluß aus der Partei gefordert; doch bald darauf hat er sie wieder zu zentraler Arbeit herangezogen.

In seiner Synthese von Konzentration aller Kräfte auf das Ziel, von unbeirrbarer Hartnäckigkeit in der Durchsetzung dessen, was er für richtig hielt, und feinstem Gefühl für molekulare gesellschaftliche Prozesse, für Änderungen der Situation, war Lenin der größte Stratege und Taktiker der Revolution. Wer daher in seinen zahllosen theoretischen, propagandistischen und agitatorischen Schriften nach Widersprüchen sucht, wird deren nicht wenige finden. Doch im Gegensatz zu Stalin hat Lenin niemals nachträglich eine Theorie erfunden, um eine taktische Maßnahme zu rechtfertigen; wohl aber schreckte er nicht davor zurück, ein strategisches Konzept, das er für veraltet hielt, zu revidieren.

Marx und Engels erwarteten den Sieg der sozialistischen Revolution in den fortgeschrittensten Industrieländern, schlossen jedoch in den achtziger Jahren die Möglichkeit nicht aus, daß eine bürgerlich-demokratische Revolution in Rußland zum Signal der sozialistischen Revolution im Westen werden könne. Zunächst hielt Lenin daran fest: Die demokratische Revolution in Rußland, eine Volksrevolution unter der Führung des Proletariats im Bündnis mit den Massen der armen Bauern, könne nicht unverzüglich zur sozialistischen Revolution fortschreiten.

Im Verlauf des Weltkriegs reifte Lenins neue Revolutionstheorie heran. Gestützt auf Arbeiten des englischen Ökonomen Hobson und des Austromarxisten Hilferding, in denen die Entwicklung des Kapitalismus zum Imperialismus analysiert wurde, verstand Lenin den Imperialismus als ein Weltsystem: Die ungleichmäßige Entwicklung innerhalb dieses Weltsystems könnte dazu führen, daß nicht ein fortgeschrittenes, sondern ein rückständiges Land zum „schwächsten Kettenglied“ werde, daß also die sozialistische Revolution zuerst in einem rückständigen Land zu siegen vermöge, als Initialzündung für die Weltrevolution. Der nicht von Marx und Engels stammende Begriff der Weltrevolution war die Voraussetzung des strategischen Plans, in Rußland von der bürgerlich-demokratischen unverzüglich zur sozialistischen Revolution überzugehen.

Die in Rußland tätigen Bolschewiki hielten sich im Februar 1917 noch an das alte Konzept. Am 3. April kam Lenin auf dem Finnischen Bahnhof in Petersburg an. Er stürzte in das „Zarenzimmer“, wo eine offizielle Delegation unter der Führung des mürrischen Tscheidse ihn erwartete. Ein Augenzeuge berichtet: „Als Lenin bis in die Mitte des Zimmers gelaufen war, blieb er plötzlich vor Tscheidse stehen, als sei er auf ein ganz unerwartetes Hindernis gestoßen.“ Dieser begrüßte den unbequemen Heimkehrer in dozierendem Ton und sprach die Hoffnung aus, er werde die demokratische Revolution gegen alle Anschläge von innen und außen verteidigen. Lenin „stand da mit einem Ausdruck, als betreffe all das Geschehene ihn nicht im geringsten ...“, und dann, von der Delegation des Exekutivkomitees schon völlig abgewandt, antwortete er: „Liebe Genossen, Soldaten, Matrosen und Arbeiter! Ich bin glücklich, in eurer Gestalt die siegreiche russische Revolution zu begrüßen ... Die russische Revolution, von euch vollbracht, hat eine Epoche eingeleitet. Es lebe die sozialistische Weltrevolution!“

Die russische Oktoberrevolution wurde und wird von vielen Geschichtsschreibern, Publizisten, Politikern als „verfrüht“ bezeichnet; Rußland sei damals zur bürgerlich-demokratischen, nicht aber zur sozialistischen Revolution reif gewesen. Das mag in abstracto richtig sein — doch Rußland stand damals nicht, wie die klugen Kritiker behaupten, vor der Alternative: bürgerliche Demokratie oder revolutionäre Diktatur, sondern die Ereignisse selbst stellten die Frage: Wer wird mit den anarchistischen Zuständen fertig werden, die Konterrevolution oder ein starkes revolutionäres Regime? Lenin hielt ein solches Regime, den Sturz nicht nur des Zaren und der Gutsherren, sondern auch der mit der Entente kooperierenden Bourgeoisie, für notwendig, nicht nur um Rußlands willen, sondern um allen im Krieg sich verblutenden Völkern das Signal zur Revolution zu geben. Bis Oktober befürwortete er die Machtübernahme durch die Sowjets ohne Waffengewalt, obwohl er zugleich den bewaffneten Aufstand konzipierte. Die revolutionäre Partei, im Juli verfemt und verfolgt, nach dem Augustputsch des Generals Kornilow in den Sowjets rapid an Einfluß gewinnend, mußte für jede Eventualität gerüstet sein.

Noch am 9. Oktober schrieb Lenin, daß es eine letzte friedliche Chance der Revolution gebe, wenn sich die Mehrheit der Sowjets über ein konkretes Programm verständigte: „Durch die Übernahme der ganzen Macht könnten die Sowjets jetzt noch — und wahrscheinlich ist das die letzte Chance — die friedliche Entwicklung der Revolution sichern, die friedliche Wahl der Deputierten durch das Volk, den friedlichen Kampf der Parteien innerhalb der Sowjets, die Erprobung der Programme der verschiedenen Parteien durch die Praxis, den friedlichen Übergang der Macht aus den Händen einer Partei in die einer anderen.“

Alles kam anders. Weder waren die in den Sowjets vertretenen Parteien zu einer solchen Verständigung bereit, noch war die Oktoberrevolution die Initialzändung der Weltrevolution. War also Lenin nur der „Träumer im Kreml“, wie Sidney Webb ihn genannt hat? Immer sind es die großen Träume, die geschichtlichen Taten vorangehen. Lenins Träume waren nicht Phantasmagorien, sondern antizipierte Möglichkeiten. Die Überschätzung der revolutionären Kräfte ist allen Bahnbrechern der Revolution gemeinsam — das von Lenin angestrebte Bündnis aller linken Parteien und die von ihm erwartete europäische Revolution waren nicht möglich.

Als es klar wurde, daß die russische Revolution allein geblieben war, als sie einen verzweifelten Kampf gegen die innere Konterrevolution und die von allen Seiten einmarschierenden Armeen der kapitalistischen Welt zu führen hatte, als die totale Zerrüttung des Landes, der Hunger, die Not das revolutionäre Regime zu erdrosseln drohten, als die Kronstädter Matrosen sich im März 1921 gegen die Herrschaft der Bolschewiki, gegen den Kriegskommunismus erhoben, entschloß sich Lenin für den Rückzug aus dem Kriegskommunismus in eine begrenzte Marktwirtschaft. Die Getreideabgaben wurden durch eine Steuer ersetzt, die Kleinbauern wurden ermuntert, ihre Wirtschaft zu vergröBern, die „Neue Ökonomische Politik“ (NEP) sollte nicht mehr „Fanal“ sein, sondern Sowjetrußland auf die eigenen Kräfte orientieren.

Die Weltrevolution war ins Ferne gerückt. Lenin sprach mit schonungslosem Realismus von der Rückständigkeit des Landes und des regierenden Apparats, der einer demokratischen Kontrolle durch qualifizierte Kommunisten und Nichtkommunisten bedürfe, von der Notwendigkeit einer „Kulturrevolution“, von einer allmählichen Überwindung der Unwissenheit, Verantwortungslosigkeit und aller vom Zarismus übernommenen Laster. Das Volk müsse lernen, eine „genossenschaftliche Ordnung“, also ein System der Selbstverwaltung, an Stelle des bürokratischen Administrierens zu errichten.

Um zum Sozialismus überzugehen, müsse das Volk „zivilisiert“ werden. Diese Umwälzung aber erfordere „eine ganze geschichtliche Epoche“, — „Wir können im günstigsten Fall diese Epoche in ein, zwei Jahrzehnten zurücklegen ... Ein System zivilisierter Genossenschafter bei gesellschaftlichem Eigentum an den Produktionsmitteln — das ist das Regime des Sozialismus. Es war, nach dem mit ungeheuren Opfern bezahlten Sieg der Revolution, das Konzept einer allmählichen Entwicklung zu einer sozialistischen Gesellschaft, das Lenin hinterließ.

Drei Schlaganfälle, der erste am 26. Mai 1922, der dritte und schwerste am 9. März 1923, warfen Lenin aufs Krankenbett.

Kann die russische Revolution das Modell für andere Länder sein? Was ist zu tun, damit die Alleinherrschaft der Partei nicht zur Alleinherrschaft eines unkontrollierten Apparates wird? Wie kann man verhindern, daß der alte großrussische Chauvinismus die nationale Unabhängigkeit der Völker mißachtet und Großmachtpolitik den Internationalismus gefährdet? Wer soll an die Spitze der Partei treten, um eine sozialistische Entwicklung zu garantieren? Wie kann man die Partei, den Sowjetstaat davor bewahren, daß die Feindschaft zwischen Trotzki und Stalin, die Lenin für die beiden fähigsten Männer hielt, das größte Unheil heraufbeschwöre? Das waren die Fragen, die den kranken Lenin am heftigsten bedrängten.

Es war nicht zuletzt die Brutalität, mit der Stalin und sein Apparat das Streben der georgischen Republik nach der durch die Verfassung der Sowjetunion zugestandenen Autonomie unterdrückten, die Lenin dazu bewog, die Partei vor Stalin zu warnen.

Am 4. Jänner 1923 diktierte er einen Brief an das Zentralkomitee, in dem er vorschlug, einen Weg zu finden, um Stalin aus seiner Stellung als Generalsekretär zu entfernen und ihn durch einen Mann zu ersetzen, der besser sei — „nämlich geduldiger, loyaler, höflicher, aufmerksamer gegen Genossen, nicht so launisch usw.“ All diese Eigenschaften, die er von seinem Nachfolger forderte, hat Lenin besessen — als Gegengewicht zu seinem ungestümen Temperament, seiner polemischen Rücksichtslosigkeit, seiner Härte in entscheidenden Situationen.

Lenin starb am 21. Jänner 1924. Sein Werk ist unvollendet, widerspruchsvoll. Dennoch bleibt die Oktoberrevolution das größte Ereignis unseres Zeitalters. Sie hat die Welt nicht nur erschüttert, sondern verändert.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
1970
No. 197/I, Seite 509
Autor/inn/en:

Ernst Fischer:

Österreichs prominentester Kommunist, mauserte sich zu einem der prominentesten Nonkonformisten im europäischen Kommunismus. Siehe seine Ansichten über moderne Kunst (vgl. seinen Aufsatz im März/April-Heft des FORVM), seinen Protest gegen die Moskauer Schriftstellerprozesse (Wortlaut im Januar/Februar-Heft des FORVM), überhaupt die Fülle seiner jüngsten Bücher, die in West- wie Osteuropa weite Verbreitung fanden. („Von der Notwendigkeit der Kunst“, Claassen, Hamburg 1967, „Von Grillparzer bis Kafka“, Globus, Wien 1967, „Was Marx wirklich sagte“, gemeinsam mit Franz Marek, Molden, Wien 1968, „Kunst und Koexistenz“, Rowohlt, Hamburg 1968, „Auf den Spuren der Wirklichkeit“, Rowohlt, Hamburg 1968.) Erster österreichischer Unterrichtsminister nach 1945, langjähriger Abgeordneter der KPÖ, übte Fischer seither schonungslose, von seiner Partei mit sehr gemischten Gefühlen aufgenommene Kritik an seiner Haltung in stalinistischen Zeiten; seine ebenso schonungslose, von seiner Partei mit noch gemischteren Gefühlen aufgenommene Wendung zu neuen Positionen, eigentlich schon jenseits des Marxismus, brachte ihm berechtigtermaßen enormes Prestige unter den europäischen Intellektuellen, insbesondere der studentischen Jugend aller Richtungen.

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