FORVM » Themen » Desiderate der Kritik

Praktische Kritik, Revolution

Beitræge

Arnold Künzli

Exempel Jugoslawien

Internationale marxistische Sommerschule auf Korčula
November
1968

Den 150. Geburtstag von Karl Marx zu ehren, hatten die um die philosophische Zeitschrift „Praxis“, Zagreb, gescharten jugoslawischen Pioniere einer zeitgemäßen Sozialismus-Philosophie für ihre diesjährige Sommerschule auf der Insel Korčula das Thema „Marx und die Revolution“ gewählt. 150 Jahre sind in (...)

Herbert Marcuse • Henrich von Nussbaum

Revolution 1969

Gespräch
Januar
1969

Marcuse: Die Reformen, die das Gaullistische Regime jetzt einführen wird, sind, weiß Gott, keine revolutionären Reformen. Es sind technokratische Reformen. Aber es gibt Reformen, die in der Tat zu einer zunehmenden Radikalisierung führen können; ich bin da ganz der Meinung meines Freundes André Gorz (...)

Conrad Detrez

Zur Strategie der Revolution in Europa

März
1969

Die große revolutionäre Lektion aus den Pariser Maitagen 1968 ist eine strategische Lektion: man muß vom Reden zum Handeln übergehen in Form der Kontestation; sie erscheint heute als, wo nicht einziges, so doch sicherstes Mittel der Revolution, zugleich als das gewaltfreieste Mittel. Man muß sie (...)

Herbert Marcuse

Nicht einfach zerstören

Über die Strategie der Linken
August
1969

Herbert Marcuse ist verstummt: Seit jener wilden Attacke des jungen Führers der neuen Linken, Daniel Cohn-Bendit, auf ihn im Teatro Eliseo in Rom, wo Marcuse auf Einladung eher sehr bürgerlicher Veranstalter sprach, ist er in der Öffentlichkeit nicht mehr aufgetreten. Natürlich ist der von (...)

André Gorz

Mao in Italien

Prinzipielles zur Streikbewegung
Januar
1970

Der Erfolg eines Streiks läßt sich nicht an den unmittelbaren Vorteilen messen, die er bringt, sondern an der Macht, die die gemeinsame Aktion den kämpfenden Arbeitern gibt: Macht über die Organisation der Arbeit, über die qualitative und quantitative Bewertung der Funktionen im Arbeitsprozeß, über (...)

Jean-Paul Sartre

Die unmögliche Revolution

III. Teil des Gesprächs „Die Irrtümer meines Lebens“
März
1970

Warum schreiben Sie seit einigen Jahren keinen Roman mehr, sondern Biographien und Theaterstücke? Haben Marxismus und Psychoanalyse den Roman zu einer unmöglichen literarischen Form gemacht? Ich habe mir diese Frage oft gestellt. Sicher ist, daß es keine Technik gibt, die eine Romanfigur so (...)

Ernst Fischer

Lenin‚ Genie der Revolution

Zu seinem 100. Geburtstag am 22. April
Mai
1970

Für Hunderte Millionen Menschen Inbegriff der Befreiung aus Elend, Knechtschaft, Unwissenheit; für andere Symbol des Bösen, von Aufruhr, Gewalt, Diktatur; für manche der Fetisch, mit dem sie Mißbrauch treiben — das ist Lenin. Dieser Name duldet keine Indifferenz, nötigt jeden, Partei zu ergreifen. (...)

Jean Genet

Genet unter schwarzen Panthern

Ein Interview
Juli
1970

Wie kam es, daß Sie zu den „Black Panthers“ in die USA fuhren? Zwei Mitglieder der „Black Panther Party“ haben mich in Paris besucht und mich gefragt, wie ich ihnen helfen könne. Ich glaube, sie dachten, ich könne ihnen in Paris helfen, aber ich sagte: „Das Einfachste ist, wenn ich nach Amerika (...)

Ernst Bloch • Adelbert Reif

Jules Verne statt Karl Marx?

Gespräch
August
1970

Die Suche nach einem schon konkret faßbaren weltanschaulichen und politischen Leitbild ist ja gerade bei der jungen Generation überall in der Welt deutlich spürbar. Existiert heute bereits eine Form des Sozialismus, die Ihrer Ansicht nach dem Zukunftsmodell einer wirklich sozialistischen (...)

Helfried Bauer (Übersetzung) • Erich H. Jacoby

Landleben in Kuba

August
1970

Der vorliegende Aufsatz entstand nach einer längeren Studienreise durch Kuba und wurde auch in der FAO-Zeitschrift „Ceres“ unter dem Titel „Cuba: The Agricultural Worker is the real Winner“ veröffentlicht. Erich H. Jacoby wird voraussichtlich im Herbst 1970 nach Österreich kommen, um auf Einladung (...)

Iring Fetscher

Goethe für Fortschrittliche

Lukács-Laudatio, Paulskirche, 28.8.1970
Oktober
1970

I. F., Philosoph, Soziologe, Politologe, Ordinarius der Goethe-Universität Frankfurt, Mitglied der Internationalen Redaktion des NF, befaßte sich — ursprünglich protestantischer Theologe — mit Marxismus schon zu Zeiten, als dieser in Adenauers Reich noch des Teufels war: als Herausgeber der (...)

Friedrich Geyrhofer

Lügen die Historiker
oder
Adam Schaff als Metaphysiker

Oktober
1970

Der vorstehende Abschnitt über die logischen Aporien der Wissenssoziologie gehört zu den interessantesten Passagen aus dem Buche Adam Schaffs über „Geschichte und Wahrheit“, das in seinem Titel die Beschäftigung mit dem zentralen Problem der marxistischen Philosophie verspricht. Auch in den (...)

Wilhelm Burian (Übersetzung) • Richard Merton

Pop und Klassenkampf

Oktober
1970

1. Notwendigkeit einer Popästhetik Pop ist keine authentische ästhetische Kategorie. In der Nachfolge der Philosophie Platos und Croces sehen viele bürgerliche Kulturtheoretiker Kunst als eine „intuitiv-expressive Einheit“. Demgegenüber hat Della Volpe gezeigt, daß jede materialistische Ästhetik (...)

Jean-Paul Sartre • Alice Schwarzer

Aktion statt Druckerschwärze

Gespräch
November
1970

Seit Mai dieses Jahres sind Sie Chefredakteur des maoistischen Kampfblattes „La Cause du Peuple“ („Die Sache des Volkes“). Ihre Vorgänger, die ersten beiden Chefredakteure, wurden für publizierte Artikel zwölf und acht Monate ins Gefängnis geschickt, die Organisation selbst als radikalste der linken (...)

Peter Jirak

Revolutionäre Intellektuelle
Verräterische Intellektuelle

Zum Goethepreis für Lukács
Dezember
1970

I. Intellektuelle als Verräter Angesichts der schamlos offenen Taktik, mit der die Monopolbourgeoisie versucht, die ihr Herrschaftssystem bekämpfenden Kräfte sich einzuverleiben und für ihre eigenen Zwecke nutzbar zu machen, erscheint die Verleihung des Goethepreises an Georg Lukács als (...)

Willi Stelzhammer

Abschied von der Blödheit

Eine Selbstdarstellung
Januar
1971

Die nachfolgende Selbstdarstellung einer linken Gruppe in Wien scheint mir ein faszinierendes Zeichen der Zeit, ein Dokument, das kompletten Abdruck verdient. Es stammt aus der Zeitschrift „Nachrichten für Unzufriedene“, produziert von dieser Gruppe. Bestellungen an: Jakob Myttheis, Wien VI, (...)

Eric Hobsbawm

Der Westen ist nicht immun

Thesen über Revolution in der „Industriegesellschaft“
Januar
1971

1. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß die „moderne Industriegesellschaft“ (die Gesellschaft der industriell entwickelten Länder Europas, Amerikas und Australiens) immuner ist gegen Revolution als andere sich plötzlich verändernde Gesellschaften der Vergangenheit. Immunität gegen Revolution würde (...)

Lucio Magri

Räte in Italien

Januar
1971

I. Antiquierte Räte? Eine neue theoretische Reflektion des Räte-Themas wurde gefordert: Dieser Vorschlag hat bei den traditionellen politischen Kräften Skandal verursacht; wir wurden sofort als scholastische Wiederentdecker historisch überholter Erfahrungen katalogisiert, als Extremisten, die zum (...)

Arnold Künzli

Dialog mit dem Popocatépetl

Seminar bei Ivan Illich
April
1971

A. K., Professor für Philosophie der Politik an der Universität Basel, ständiger Beiträger und Redaktionsbeirat des NF, Präsident des „International Dialogic Committee“ (IDC) Wien-Santa Barbara, Calif. über das IDC-Seminar in Cuernavaca, siehe den Vorspann zum voranstehenden Beitrag G. N.s. Was (...)

Jean-Paul Sartre

Intellektuelle und Revolution

Juni
1971

I. Vom Widerspruch im Intellektuellen Vor allem meine ich, daß es keinen Intellektuellen gibt, der nicht „links“ ist. Natürlich gibt es Leute, die Bücher oder Essays schreiben und zur Rechten gehören. Aber für mich genügt es eben nicht, seine Intelligenz funktionieren zu lassen, damit einer ein (...)

Peter Hamm

Revolutionäre Geduld

„Zur Kritik der revolutionären Ungeduld“ von Wolfgang Harich
August
1971

In München existiert eine Buchhandlung, die sich „Linksbuch“ nennt und selbstredend, zwischen Boutiquen eingerahmt, im attraktivsten Viertel der Stadt liegt. Dort fand ich mich vor wenigen Wochen ein und erbat Wolfgang Harichs Buch „Zur Kritik der revolutionären Ungeduld“. Die Reaktion der Genossin (...)

Ernest Mandel

Zur Krise des Sowjetkommunismus

Januar
1972

I. Ausbleiben des Weltoktobers Die kommunistische Weltbewegung ist am Ende des Ersten Weltkrieges entstanden als Reaktion auf drei welthistorische Ereignisse: das Versagen der zweiten, sozialistischen Internationale, die am Anfang des Ersten Weltkrieges ins Lager des Imperialismus, ins Lager (...)

Peter Jirak • Georg Kohlmaier

Revolution der Mieter

Italienische Modelle
März
1972

I. Betrieb und Wohnung In den letzten drei Jahren verschärfte sich der Klassenkampf in Italien, indem er sich auf alle großen Industrieregionen ausdehnt: Pirelli/Mailand, Fiat/Turin, Rhodia Verbania, Alfa/Innocenti, Siemens/Mailand, Piaggio/Pontedera, und in den Betrieben von Italsider in (...)

Helmut Gollwitzer

Grundgesetz deckt Linksradikale

Juni
1972

Der vierte Kanzler der Bundesrepublik Deutschland ist nicht ein altersgrauer Zeuge der wechselvollen Perioden deutscher Geschichte auf dem Wege vom 19. zum 20. Jahrhundert; er ist nicht Repräsentant des deutschen Bürgertums, geschweige denn ein so penetrant typischer, wie es seine beiden letzten (...)

Rolf Gössner • Mihailo Marković

Die Zukunft der Selbstverwaltung

Gespräch
Dezember
1972

I. Technostruktur und Selbstverwaltung Ein wesentliches Problem unserer Zeit ist der Widerspruch zwischen technischer Rationalität und Effizienz auf der einen Seite, positiver menschlicher Freiheit im Sinne der Selbstverwirklichung auf der anderen Seite. Der Kapitalismus gab in seiner (...)

Jiří Pelikán

Für 2. Revolution im Ostblock

II. Teil des NF-Gespräches
Februar
1973

Das Ziel revolutionärer Marxisten in einer Übergangsgesellschaft müßte es sein, die moderne Form der Arbeitermacht zu entdecken, das Gegenstück zu den russischen Sowjets während und nach der Revolution von 1917. Glauben Sie, daß dies einer der Inhalte des Prager Frühlings war, oder war dieser nur ein (...)

Alice Schwarzer (Übersetzung) • Susan Sontag

Männer als Kolonialherren
Frauen als Eingeborene

Zur Struktur des Sexismus
März
1973

1 Biologie und Geschichte Ohne Zweifel ist die Unterdrückung der Frau vorgeschichtlich und hat ihren Ursprung in gewissen Sitten, die ihr erlauben sollten, ihrer besondern biologischen Verantwortung — der Schwangerschaft — nachkommen zu können. Und wie auch immer die komplexeren Formen, die ihre (...)

Susi Petroni

Frauenkampf & Klassenkampf

März
1973

Die patriarchalische Form der Familie ist kein Produkt kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Ihr Ursprung liegt in vorangegangenen gesellschaftlichen Formationen. Sie ist eng verknüpft mit dem ersten Auftreten des Privateigentums (siehe F. Engels, Ursprung der Familie, des Privateigentums und (...)

Brigitte Kirchhoff (Übersetzung) • Vo Thi The

Nicht soviel wie ein Schwanz

Gespräch über Frauen in Vietnam
März
1973

Das Gespräch fand auf einem Frauenkongreß in Montreal statt. „Hundert Mädchen sind nicht soviel wert wie ein Schwanz“, sagte ein altes vietnamesisches Sprichwort. Früher zählte die Frau überhaupt nicht. Das Sklavendasein der Vietnamesin war bestimmt durch die „Drei Schwüre“ (Gehorsam gegen den Vater, (...)

Eva Vanja

Sozialismus trotz Armut

Zur Theorie und Strategie von Übergangsgesellschaften
März
1973

„Übergangsgesellschaft“ bezeichnet die Periode des Übergangs vom Kapitalismus zum Kommunismus (schließt also die Periode des Sozialismus mit ein). Zwischen der kapitalistischen und kommunistischen Gesellschaft liegt die Periode der revolutionären Umwandlung der einen in die andere.“ Marx und Engels (...)

Josef Dvorak

Wer war Otto Muehl?

Brief an Günther Nenning
März
1973

Mottingeramt, 25. Jänner 1973 Lieber Freund! Nach der genauen Lektüre des Jänner-Forums, das mir Aramis aus Krems mitgebracht hat, kann ich Dir für Deinen Einsatz nur herzlich danken und auch dafür, daß Du mit Fleiß und Gedankenschärfe den völlig fruchtlosen Versuch gewagt hast, den Wiener Aktionismus (...)

Peter Aschner (Übersetzung) • Michel Bosquet • Jean Daniel • Herbert Marcuse

Voraussetzungen der Revolution

Gespräch
April
1973

Seit Sie vor zehn Jahren den „Eindimensionalen Menschen“ schrieben, hat sich vieles geändert, auch Sie selbst. In Ihrem jüngsten Buch, „Konterrevolution und Revolte“, gehtes weniger um Integrierung der Menschen ins System, als um deren Abkehr von der sich zersetzenden kapitalistischen Gesellschaft. (...)

Wilhelm Burian

Der Stalinismus ist tot

Zum Buch von Roy Medwedew
Juni
1973

Stalinismus — das ist heute noch Schimpfwort, Mythos und gebrochene Moral. Für die Sozialdemokraten gilt Stalin als Paradigma des Kommunismus, als Versatzstück des vulgären Antikommunismus und Gegenstück des „demokratischen Sozialismus“ à la Kreisky oder Brandt. Die junge kommunistische Bewegung, aus (...)

Friedrich Geyrhofer

Die kastrierte Dialektik

Lenin und seine Gegner
Juli
1973

Das Schisma der Arbeiterbewegung — unvermeidlich seit der Kapitulation der zweiten Internationale im Jahr 1914 — setzt sich auffallenderweise in theoretischen und philosophischen Kontroversen keineswegs fort: es gibt keine sozialdemokratische Theorie mehr, und es kann sie auch nicht geben. Denn (...)

Lotta Continua • Guido Viale

Die Sklaven des Südens stehen auf

Arbeitsaristokratie, Binnenkolonialismus, Gastarbeiter
Juli
1973

Der Text wurde im November 1972 von der italienischen Linksgruppe „Lotta Continua“ zur Diskussion gestellt. Er ist von Guido Viale redigiert, der am 28. Jänner 1973 von der Turiner Polizei nach einer antifaschistischen Demonstration unter absurden und konstruierten Beschuldigungen verhaftet wurde. (...)

Reinhard Kerst

„Wir bleiben drin!”

Hausbesetzungen, Mieterstreiks, Bodenspekulation in der BRD
September
1973

1 Reportage Frankfurt/Schumannstraße Der derzeit wundeste Punkt in Frankfurt ist die Ecke Bockenheimer/Schumannstraße: vier besetzte Häuser. Hundertzwanzig Bewohner. 20% sind Arbeiter und Angestellte. Der Rest Studenten. Sie sagen: „Wir haben Häuser besetzt, um aus der Isolation von Einzelzimmern (...)

Friedrich Geyrhofer

150 Jahre Technokratie

November
1973

Auguste Comte: Plan der wissenschaftlichen Arbeiten, die für eine Reform der Gesellschaft notwendig sind. Übersetzt von Wilhelm Ostwald‚ eingeleitet und herausgegeben von Dieter Prokop. Reihe Hanser, München 1973, 156 Seiten, DM 7,80, öS 61,60. Über Auguste Comte ist ein Wort von Marx bekannt: an (...)

NF-Dokumentation

Araber gegen Scheichs

Soziale Revolution in Südarabien
März
1974

Tag für Tag lesen wir in den westlichen Zeitungen, daß uns ‚‚die Araber“ das Öl absperren. In rassistischer Manier werden die Scheichs mit den von ihnen ausgebeuteten Untertanen in einen Topf geworfen. In Wirklichkeit ist der „Ölboykott“ eine Fiktion, ein Paravent, hinter dem sich die Scheichs mit den (...)

Jean-Paul Sartre

Ich glaube an die Illegalität

Ein Interview
Mai
1974

Sie sind nun seit zwei Jahren Chefredakteur der Cause du Peuple. Sie haben die Zeitung auf der Straße kolportiert und kämpferische Artikel für sie geschrieben. Nun arbeiten Sie für eine neue Zeitung Libération. Sie haben an einer großen Zahl von maoistischen Kundgebungen und Aktionen teilgenommen. (...)

Harry Magdoff • Paul M. Sweezy

Die Weltrevolution war ein Irrtum

25 Jahre linke Publizistik — ein Rechenschaftsbericht
September
1974

„In Wirklichkeit“, schrieb Lenin Anfang 1920, „hatten sich alle alten Formen der sozialistischen Bewegung mit neuem Inhalt gefüllt, vor die Zahlen trat deshalb ein neues Vorzeichen: das ‚Minus‘; unsere Neunmalweisen aber fuhren (und fahren) hartnäckig fort, sich selbst und anderen einzureden, (...)

José Baptista

Von der Kapitalbürokratie zur Sozialbürokratie

Bürokratie in Ost und West
September
1974

1 Die Ost-West-Links-Rechts-Verkehrung Die gegenwärtige Situation der Linken in den Industrieländern ist, offen gesagt, beklagenswert. Ein großer Teil dieser Linken ist schon etabliert oder ist gerade im Begriff, sich in das gesellschaftliche Establishment zu integrieren. Diesem Teil der Linken (...)

Rudi Dutschke

„Asiatische“ Sowjetunion

Versuch einer Neubewertung der russischen Revolution
September
1974

Bei der kritisch-materialistischen Rekonstruktion des Revolutionsverständnisses von Lenin und dem frühen Lukács gehe ich von der These aus, daß die grundlegenden Züge der Leninschen Gesellschafts- und Parteikonzeption nur konsequent bestimmt werden können, wenn die asiatische Konzeption von Marx und (...)

Teresa Caldas

5.000 Männer fielen über uns her

Brief aus Lissabon
März
1975

Eine Demonstration portugiesischer Frauen am 13. Jänner 1975 auf einem öffentlichen Platz in Lissabon endete in einer richtiggehenden Hexenjagd, Diesen Bericht sandten portugiesische Frauen an die Aktion unabhängiger Frauen (AUF), Wien. Schwestern! Nach der weltbekannten portugiesischen (...)

Michael Siegert

Bonaparte kommt

Panorama der portugiesischen Revolution
Juli
1975

1 Bonaparte & Co. — ein Revolutionsvergleich Eine Revolution ist die beste Schule der Dialektik. Im periodischen Sturz der Fraktionen folgt die portugiesische der Logik aller entwickelten Revolutionen, z.B. der klassischen französischen: Nach dem Scheitern der Reformen von Necker (Einführung (...)

Alfredo Frade

Die Arbeiterräte entscheiden alles

Juli
1975

Das nachfolgende Interview haben wir am 2. Mai 1975 mit dern portugiesischen Trotzkistenfunktionär Afredo Frade anläßlich seines Besuches in Wien aufgenommen. Frade, Jahrgang 1951, Medizinstudent, gehört der LCI (Internationale Kommunistische Liga) an, die bei den Wahlen vom 25. April 1975 als (...)

Otelo Saraiva de Carvalho

Otelo spricht

Ordnung & Arbeit, für einen iberischen sozialistischen Block!
Juli
1975

Aus einem Interview, das der Brigadegeneral und COPCON-Kommandant Otelo Saraiva de Carvalho der italienischen Linkszeitung Lotta Continua gab (im Dreigestirn des Direktoriums vom 25. Juli vertritt Carvalho das Prinzip der Unterwerfung der Räte unter ein Militärregime, Gonçalves die KP, Costa Gomes (...)

Kommunistischer Bund (Wien)

Kampfansage an die Bourgeoisie

September
1975

Nicht im Parlament, sondern im Klassenkampf wird das Schicksal der Arbeiterklasse entschieden. Die Situation, in der die Nationalratswahlen stattfinden, ist gekennzeichnet durch die Vertiefung der politischen und ökonomischen Krise des Imperialismus, durch die großartigen Erfolge der Völker der (...)

Georg Hoffmann-Ostenhof • Raimund Löw

Sozialismus oder Barbarei

Für eine Neuorientierung der österreichischen Arbeiterbewegung
September
1975

Tätiger Optimismus Nationalratswahlen stürzen die Linke in Österreich immer wieder in ein Dilemma. Resignation, Unentschiedenheit, Jammern, Kleinmut und Pessimismus — alle Negativa des österreichischen Nationalcharakters machen sich breit. Man beklagt den „niedrigen Politisierungsgrad der Arbeiter“, (...)

Günther Nenning

Mehr Demokratie, liebe Russen!

Reflexionen nach einer Reise durch die Sowjetunion*
Oktober
1975

Liebe Freunde, hier ist schlechtes Wetter. Ich denke an Euch. In Moskau war Sonne, erst recht in Sibirien. Gleich nach meiner Rückkehr verschlang mich meine Redaktions-, Fernseh- und Gewerkschaftsarbeit. Dieses Wochenende ist meine Chance. Ich kann in einiger Ruhe schreiben und weitertreiben, (...)

Mao Zedong

Mao: Ich bin kein Genie

Über Personenkult, Lin Piao und die Stellung der Armee
Oktober
1975

Mitte August bis zum 12. September 1971, dem Tag der Flucht Lin Piaos (die bekanntlich mit dem Absturz des Flugzeugs in der Mongolei endete), unternahm der Vorsitzende Mao eine Reise durch die chinesische Provinz, auf der er die Leiter der Regionen mit seiner Kritik an Lin Piao bekannt machte. (...)

Mao Zedong

Bücher verbrannt, Gelehrte eingegraben

Oktober
1975

Mao vergleicht sich gern mit Schi Huang-ti, dem Ersten Kaiser der Chin, der 221 v. Chr. als erster das Reich einigte und die Große Mauer vollenden ließ. Lin Piao war gegen Schi Huang-ti — das Motiv spielte eine gewisse Rolle in der Konfuziuskampagne. Nachfolgendes Zitat stammt schon aus dem Jahr (...)

Mao Zedong

Wenn die Rechten die Macht ergriffen haben ...

Oktober
1975

In einem Brief an seine Frau Chiang Ching warnte Mao Tse-tung schon zu Beginn der Kulturrevolution, daß sein Freund (gemeint ist Lin Piao) ihn nur deshalb „in den Himmel“ hebe und einen beispiellosen Personenkult um ihn entfalte (das kleine rote Büchlein „Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung“ ist ein (...)

Dinis de Almeida • Cornelia Frey

Blutige Geburt

Revolution und Konterrevolution marschiert in Portugal. Ein Interview
November
1975

Das leichte Artillerieregiment Nr. 1 (RAL 1, die „RALIS“) in Sacavem, einem nördlichen Vorort Lissabons, ist die Rote Garde der portugiesischen Revolution. Der Kommandant dieser linksten Einheit der portugiesischen Armee ist Major Dinis de Almeida, 29. Unsere Mitarbeiterin Cornelia Frey (...)

Cornelia Frey

Der Streit um die Medien

República: Arbeiter machen Zeitung
November
1975

Geschichte Im Mai 1975 begann der Kampf der Arbeiter gegen die Kontrolle der Sozialdemokraten über die Zeitung República. Unter Mitwirkung des COPCON wurde die Redaktion Ende Juni/Anfang Juli den Arbeitern übergeben. Die Redakteure, die unter der Leitung des Sozialdemokraten Raul Rêgo zum Diario (...)

Cornelia Frey

Linke Maus lockt rechte Katze

In der Kaserne der RALIS
November
1975

Die Revolution in Portugal sei wie eine schwangere Frau. Der Sozialismus — das Kind, das geboren wird. „Wann sie niederkommt, weiß ich nicht, doch eines ist gewiß: jede Geburt ist blutig.“ Zehn Stunden, nachdem mir RALIS-Kommandant Dinis de Almeida diesen Vergleich ausgemalt hatte, gingen in (...)

Michael Siegert

Portugiesischer Oktober

Ein dialektisches Kalendarium
November
1975

MFA-Projekt vom 8./9. Juli: Staatskapitalismus, gemischte Wirtschaft oder Räte in Selbstverwaltung? In der Nacht vom 8. zum 9. Juli 1975 überschritt die Bewegung der Streitkräfte (MFA) den Rubikon zum Rätesozialismus: erstmals definierte die MFA-Generalversammlung, damals das oberste legale Organ (...)

Cornelia Frey

Revolution, im Fluge

November
1975

Man kommt hier einfach nicht mit — was immer man schreibt, denkt, quatscht, stimmt eine halbe Stunde später nicht mehr. Man hat den ganzen Tag das Radio laufen, liest Zeitungen überall, in Zügen, Hotelhallen, Telefonzellen, Stehcafés, Restaurants, Fabrikskantinen, die Leute über Zeitungen gebeugt, (...)

Cornelia Frey

Kapitalistisches Morgengrauen

Am 25. und 26. November 1975 in Lissabon dabei
Januar
1976

Portugal hat noch zuwenig Geld, um Gemeinheiten zu verbergen. Hier strecken die Bettler und Krüppel den Reichen noch ihre rotgefrorenen Stümpfe entgegen, hier laufen die Kinder noch im Nebel nach Mitternacht ohne Hemd und Schuhe herum und betteln an den Tischen der Stadtcafés für ihre Mutter in der (...)

Günther Nenning

Oi, liegen wir falsch!

Realität und Zukunft in Portugal — Antwort an Michael Siegert u. a.
Januar
1976

Lieber Michael, Kürzlich war ich gegen das Steinewerfen jugendlicher Wiener Romantiker auf das spanische Reisebüro und auf Polizisten — beim gegebenen Geisteszustand der Mehrheit der Arbeitenden in einem kapitalistisch-sozialdemokratischen Industrieland, und noch dazu vor allgemeinen Wahlen, (...)

Peter Aschner (Übersetzung) • Michel Contat • Jean-Paul Sartre

So bin ich

Ein autobiographisches Interview mit Michel Contat (I. Teil)
Januar
1976

Zu seinem Siebzigsten am 21. Juni 1975 gab Sartre in einem Gespräch mit Michel Contat‚ Freund und Mitarbeiter, Redakteur von Les Temps Modernes, eine Totalaufnahme seines gegenwärtigen Zustands: gesundheitlicher Verfall, finanzielle Panik — aber was das Werk betrifft: zufriedene Rückschau, ganz (...)

Friedrich Geyrhofer

Die unmögliche Revolution

März
1976

Simone Weil: Unterdrückung und Freiheit. Politische Schriften, aus dem Französischen von Heinz Abosch. Rogner & Bernhard, München 1975, 276 Seiten, DM 19,80, öS 152,50 Das vorliegende Buch bringt erstmals in deutscher Sprache eine Auswahl der politischen und philosophischen Texte einer (...)

Friedrich Geyrhofer

Babeuf — Schöpfer des Leninismus

Mai
1976

Philipp Buonarroti: Babeuf und die Verschwörung für die Gleichheit mit dem durch sie veranlaßten Prozeß und den Belegstücken. Übersetzt und eingeleitet von Anna und Wilhelm Blos, Verlag J. H. W. Dietz Nachf., Berlin-Bonn 1975, 336 Seiten, DM 15, öS 115,50 Marx lehnte ihn ab Gracchus Babeuf (1760 bis (...)

Ulrike Meinhof

zerstörte fighter

letzte aufzeichnungen aus der zelle
Juli
1976

Staatssschutzwissen und Staatsschutzmeinung über Baader/Meinhof füllt mittlerweie Tonnen von Papier. Als Ulrike Meinhof am 9. Mai 1976 tot in ihrer Zelle in Stuttgart/Stammheim aufgefunden wurde, versuchten die Behörden sofort, die Ursache in Streitigkeiten innerhlab der Gruppe zu verlegen, um (...)

Leo Gabriel • Ramiro Reynaga

Indianisiert den Marxismus!

Interview mit einem Ketschuaschriftsteller*
September
1976

Ramiro, warum willst du lieber ein Ketschuaschriftsteller sein als ein bolivianischer? Reynaga: Weil ich mich als Teil eines Volkes, einer Kultur, einer Rasse betrachte, die vor Tausenden von Jahren entstanden ist. Bolivien aber wurde erst im Jahre 1825 gegründet. Die Wirklichkeit, über die ich (...)

Ernst Bloch

Wider den Spiegel

Wahrheit als eingreifende Abbildung von Tendenzen - Latenzen (1936)
Oktober
1977

Der Aufsatz aus dem Nachlaß Ernst Blochs vermittelt zwischen Lenins Widerspiegelungstheorie (das Bewußtsein bildet die Wirklichkeit ab) und dem subjektiven Idealismus Kants (das Bewußtsein formt die Wirklichkeit): also zwischen Abbild- und Erzeugungstheorie. Dabei wendet sich Bloch gegen den (...)

Hellmut G. Haasis

Terror in Wien

Die Jakobinerverschwörung 1792/94
November
1977

Josefinische Beamte als Gewaltrevolutionäre Wien bildete 1792 bis 1794, als die Französische Revolution ihrem Höhepunkt entgegenging, mit einer rund 40 Personen umfassenden demokratischen Verschwörergruppe einen der Schwerpunkte der deutschen Jakobiner. Eine ähnliche oder noch stärkere (...)

Reinhold Oberlercher

Gemeinwirtschaftlicher Kapitalismus

Eine marxistische Gewerkschaftstheorie II
März
1978

I. Gewerkschaften und Gemeinwirtschaft In ihren Anfängen übernahmen die Gewerkschaften gelegentlich notgedrungen — aufgrund der zunächst außerordentlichen ökonomischen und politischen Schwäche der Klasse der Arbeitskraftverkäufer — viele Aufgaben außerhalb ihrer eigentlichen Funktion als Preiskartell (...)

Horst Mahler

Neubeginnen

Brief aus dem Kerker
März
1978

An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? An uns. Brecht Tegel, im Jänner/Februar 1978 Die Gralshüter des Goldenen Kalbes sind auf der Suche nach den Ursachen und Gründen des Terrorismus. Doch für die Reaktion ist nichts gefährlicher, für unser Überleben nichts wichtiger als die wahre Antwort (...)

Horst Mahler

Staat muß sein

Brief aus dem Kerker II
Mai
1978

Als die feudale Produktionsweise noch die herrschende, aber nicht mehr die historisch notwendige war, nahm sich der absolutistische Staat der ökonomischen Interessen der aufstrebenen Bourgeoisie an. „Die zentralisierte Staatsmacht, mit ihren allgegenwärtigen Organen — stehende Armee, Polizei, (...)

Rudi Dutschke

Pfad-Finder

Herbert Marcuse und die Neue Linke
September
1978

Am 19. Juli wurde Herbert Marcuse 80. Sein Freund und Schüler Rudi Dutschke schrieb diesen Geburtstagsartikel für das Mitglied unseres Redaktionsbeirats Ende Juni/Anfang Juli, für unser Sommerheft war’s leider zu spät. Im nachhinein: Alles Gute! 1 Begegnung des Augenblicks (Nostalgie und die (...)

Wolfgang Michal • Günther Nenning • Reinhold Oberlercher

Wie man Revolution macht, indem man den Kapitalismus unterstützt

Briefwechsel
Oktober
1978

Muffensausen der SP (Betrifft, „Weltgeist ums Eck“ und „Berlinguers Tagebuch“, NF März 1977) Sehr geehrter Herr Nenning, da haben Sie in dem Herrn Oberlercher ja einen prächtigen Mitstreiter gefunden. Nur zu: Machen Sie aus dem NF eine Totengräberschule! Wenn bloß die SPD (SPÖ) kein Muffensausen (...)

Rudolf Kohoutek • Gottfried Pirhofer

Das verlorene Paradies

ARENA — zwei Jahre danach
Januar
1979

Ströme durch die Kaffeehäuser, Klubs, Diskotheken, Arbeitskreise, Universität; durch die Straßen, an den Wochenenden und im Sommer weg von der Stadt, Kulturbetrieb; ein „Suchen“ oder die kleinen „Erfüllungen“. Dabei werden Räume durchstreift und mit Wünschen besetzt. Diese kleinteiligen „Orte“ von (...)

Michael Siegert

Mißerfolg prolongiert

Die neue Arena im Inlandsschlachthof
Januar
1979

Wien, am 17. Dezember 1978 Lieber Rudi, lieber Gottfried! lhr habt nur über die alte Arena von 1976 geschrieben, nicht über die neue von 1978. Heute waren zwei Arenauten bei mir, die jetzt dabei sind und die auch schon damals dabei waren; sie haben mir folgendes erzählt. Während der Besetzung (...)

Thomas Gratt

arbeiter = manager = bourgeois

aus dem schlußwort vor gericht
März
1979

mit den durch die bürgerliche restauration nach 1945 eingesetzten politischen strukturen ist es den us-monopolen gelungen, eine annähernde interessengleichheit zwischen dem us- und dem europäischen kapital zu erzwingen, das zugleich folge als auch voraussetzung eines ökonomisierungsprozesses der (...)

Othmar Keplinger

legalität = illegalität

aus dem schlußwort vor gericht
März
1979

was mein verhältnis zur bewegung 2. juni, einer stadtguerillagruppe, deren kampf den geschichtlich legitimen anspruch auf widerstand und befreiung von unterdrückung aktualisiert, bestimmt hat und bestimmt, sind die prinzipien von solidarität, gegenseitiger hilfe, politischer kommunikation, kritik (...)

Michael Siegert

Große Wahnschaffe

Verwirktes Strumpfgeld
März
1979

Gerichtsverhandlungen sind wie Alpträume, kreisen um Nebensachen, man will eingreifen, ist wie gelähmt — die Hauptsache verschwindet hinter einem banalen Konflikt, der mit einer schlechten Pointe endet. Im ersten österreichischen „Terroristenprozeß“, der vom 12. bis 16. Februar 1979 im Wiener (...)

Peter Glotz

Ich, Hilfsbulle und Kretin

Minister intim mit einem roten Terroristen
März
1979

Peter Glotz, Jahrgang 1939, Berliner Senator für Wissenschaft und Forschung, SPD-Mitglied, ist ein eher undeutscher, fast französisch wirkender Typ von Politiker: ein Mann, der denken und schreiben kann. Der beides tut, noch wenn er im Amt ist. Dieser Tage erscheint sein politisches Tagebuch aus (...)

Otto Gross

Lehrt Anarchie

Zur funktionellen Geistesbildung des Revolutionärs
März
1979

Otto Groß ist ein vergessener Vorläufer Wilhelm Reichs, den Josef Dvorak in einer gründlichen Studie im Juli/August-Heft 1978 des NEUEN FORVMs exhumierte. Schon vor dem ersten Weltkrieg hatte Otto Groß begonnen, Psychoanalyse und soziale Revolution zu verbinden. Als Teilnehmer des österreichischen (...)

Ingrid Strobl

ach trendbewußte junge frau —

zur neuesten philosophie des feminismus
Mai
1979

wir machen das maul nicht auf! wenn wir es doch aufmachen, kommt nichts raus! wenn wir es auflassen, wird es gestopft: mit kleinbürgerlichen schwänzen, sozialistischem bumszwang, sozialistischen kindern, liebe, sozialistischer geworfenheit, schwulst, sozialistischer potenter geilheit, (...)

Wolfgang Harich • Jost Herbig • Ivan Illich • Peter Weish

Klapp off, Rom!

Diskussion bei der Anti-UNO
September
1979

Während sich bei der offiziellen UNO-Veranstaltung die Militärdiktatoren der Dritten Welt um ein paar Brosamen vom Tisch der Multis balgten, während auf der zugehörigen Fachleutekonferenz im Wiener Eisenbahnerheim die Konsulenten der Weltbank Wissenschaft markierten, fand die einzig bemerkenswerte (...)

Günther Nenning

Kopfarbeiter aller Länder, vereinigt euch!

Zum Tod Herbert Marcuses, Mitglied des NF-Redaktionsbeirates
September
1979

0 Auf der Suche nach dem revolutionären Subjekt Ob Marcuse ein guter Philosoph war, weiß ich nicht. Ich glaub eher nicht. Aber es interessiert mich nicht wirklich. Den Lustgewinn, den Marcuse für uns Linke rehabilitiert hat, hol ich mir anderswo (Marx, Hegel, Augustinus). Hier geht’s nicht um (...)

Ivan Illich

Selig in der 3. Dimension

Referat vor der Wiener UNO-Konferenz am 24. August 1979
September
1979

Ivan Illich hat eine neue Theorie. Die „sanfte Technik“ wird schon von der Weltbank vereinnahmt, propagiert — also bricht der Prophet der Alternativen auf zu neuen Ufern. Es geht ihm um eine neue Lebensform, in der nicht mehr Waren produziert werden, sondern, nach dem Modell der Hauswirtschaft, (...)

Günther Nenning

Das schönste Rot ist Grün

Zum Tod von Rudi Dutschke, Weihnacht 1979, 39jährig
Januar
1980

I. Er schloß die Ära Adenauer Sozialismus ist die Fortsetzung des Kapitalismus mit anderen Mitteln. Noch schrecklicheren. Gegen diesen Sozialismus war Rudi Dutschke. Sozialismus ist die Fortsetzung unser aller guten Träume in die Wirklichkeit. Für diesen Sozialismus war Rudi Dutschke. Weil (...)

Hans-Dieter Klein

Die Verwilderung der Geschichte als technische Veranstaltung*

Dezember
1983

a) Marxismus-Leninismus • b) offene Gesellschaft c) Nationalsozialismus • d) Kalter Krieg a) Marxismus — Leninismus In der Alternative von mechanistisch-utilitaristischer und romantisch-illusionärer Selbstbestimmung ist das Leben entfremdet. Dies wurde namentlich von den idealiistischen (...)

Walter Famler
Bernd Rabehl

Alternativ mit allen Spinnereien

April
1984

Bernd Rabehl, ehemaliger deutscher Studentenführer der 68-er-Bewegung, ist heute Assistenzprofessor für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Mit ihm sprach Walter Famler über seinen Marsch durch die Institutionen, über grüne, rote und schwarze Politik und (außerparlamentarische) Opposition. (...)

Elisabeth Kmölniger

Der Revolutionär

März
1987

Peter Gutjahr

Die Rückkehr ins Zentrum der Welt

Ansichten eines Belehrten
März
1989

es ist nicht gut, wenn sklaven bücher lesen. bildung zerstört ihre instinkte und verwirrt ihren geist. glauben sie mir: sie sind im irrtum, sie täuschen sich — was ein sklave werden soll, das hat erziehung nötig. die ausbildung seiner fertigkeiten und die erziehung zu ordnung und moral. ein sklave (...)

Wilhelm Baum

Staatspolizey & Kärntner Geistesleben

Dezember
1989

Zwei Traditionen stoßen hart aufeinander, die andere ungebrochen, die unsrige von ihr immer wieder genickt. Siegen aber, in the long run, werden wir. -Red. Die 200-Jahrfeiern der Französischen Revolution versuchten heuer allenthalben, die Umwälzungen, die mit diesem epochalen Ereignis verbunden (...)

Erwin Riess

Die große Revolution der kleinen Leute ist tot

Eine Geschichte
Mai
1991

Zu den wichtigsten Errungenschaften einer Revolution zählen ihre Rituale; von besonderer Bedeutung sind dabei Jahrestags- und Geburtstagsfeiern, und werden gar Todestage verstorbener Persönlichkeiten begangen, steht einem gelungenen Abend nichts im Wege, kann doch vom Jubilar keine Störung mehr (...)

Ilse Bindseil

Kritische Politologie und politische Triebtheorie

Zwei wiederaufgelegte Grundlagentexte der ersten APO* in der Bundesrepublik Deutschland
Mai
1991

1987 brachte der Freiburger Ça ira-Verlag ein Reprint von Frank Böckelmanns im März 1966 erstmals veröffentlichtem Essay über „Die schlechte Aufhebung der autoritären Persönlichkeit“, im Frühjahr 1990, beinahe auf den Tag seiner Emeritierung, Johannes Agnolis 1967 im Rahmen eines gemeinsamen Projekts mit (...)

Franz Schandl

Demos und Büros

30 Thesen über Bürokratie und Staat, Freiheit und Sozialismus
Juli
1991

Wir erleben gegenwärtig einen immer stärkerern Durchbruch planwirtschaftlicher Gedanken in der Wirtschaft. Bruno Kreisky 1967 I. Wenn es in der Öffentlichkeit um die Bürokratie geht, dann wissen wir schon, daß es gegen die Bürokratie geht. Angesagt ist, was gefällig ist: Denunziation statt Debatte. (...)

Gerhard Scheit

Notbremse

Zur Aktualität einer Metapher Walter Benjamins
Juli
1991

1. Teil: Von Benjamin zu Marx (2. Teil: Von Marx zu Benjamin) Marx sagt, die Revolutionen sind die Lokomotive der Weltgeschichte. Aber vielleicht ist dem gänzlich anders. Vielleicht sind die Revolutionen der Griff des in diesem Zuge reisenden Menschengeschlechts nach der Notbremse. Es ist dies (...)

Andreas P. Pittler

Von Ende und Anfang

Juli
1992

„1989 wählten die Völker Osteuropas ein Jahrhundert ab“, lautet auch heute noch ein beliebter Stehsatz westlicher Kommentatoren. „Der Sozialismus ist nach beinahe eineinhalb Jahrhunderten von der politischen Bühne abgetreten“, meinen selbst viele Linke, und Resignation herrscht aller Orten. Was von (...)

Peter Gutjahr

Abkehr vom Mythos der Revolution

Eine Polemik wider den Geist der Moderne
Dezember
1992

Gestern Abend wieder einmal Adorno gelesen, diesmal gegen den Strich seiner Intention, ihn selber herausgelesen aus seinen Satzschlingen, den Klemmer, der zur Macht will mit dem untauglichsten aller Mittel: der bloßen, sich zu keinem Imperfekt bekennenden Kritik. Was will der Spiesser (...)

Revolution bei Wikipedia

Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 zu Beginn der Französischen Revolution

Eine Revolution ist ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines oder mehrerer Systeme, der meist abrupt oder in relativ kurzer Zeit erfolgt. Er kann friedlich oder gewaltsam vor sich gehen. Revolutionen gibt es in den verschiedensten Bereichen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens. Als Antonyme gelten die Begriffe Evolution und Reform: Sie stehen für langsamer ablaufende Entwicklungen beziehungsweise für Änderungen ohne radikalen Wandel. Die genaue Definition ist umstritten, eine allgemein gültige Revolutionstheorie über die notwendigen und hinreichenden Bedingungen bei der Entstehung jeder Revolution, die Phasen ihres Verlaufs und ihre kurzfristigen und langfristigen Folgen, liegt nicht vor. Ein an einer Revolution Beteiligter wird als Revolutionär bezeichnet.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wortherkunft und Begriffsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fremdwort Revolution wurde im 15. Jahrhundert aus dem spätlateinischen revolutio („Umdrehung“, wörtlich „das Zurückwälzen“) entlehnt und bezeichnete zunächst als Fachwort in der Astronomie den Umlauf der Himmelskörper. Nikolaus Kopernikus verwendete das lateinische Wort revolutio mit dieser Bedeutung in seinem Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium (1543).

Im England des 17. Jahrhunderts wurde der Begriff in Bezug auf die Glorious Revolution im Jahr 1688 im Sinne einer Wiederherstellung des alten legitimen Zustandes verwendet (ein Zurückwälzen der gesellschaftlichen Verhältnisse).[1] Die heutige Hauptbedeutung gewaltsamer politischer Umsturz kam, ausgehend vom französischen révolution[2], im 18. Jahrhundert auf. Im Geschichtsbild der DDR bildete sich mit dem Begriff Frühbürgerliche Revolution eine eigene Interpretation auf marxistischer Grundlage heraus.[3]

Hauptbedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Märzrevolution 1848 in Berlin

Der Begriff Revolution wird heute für tiefgreifende Veränderungen in den verschiedensten Bereichen verwendet, etwa in der Wissenschaft, der Kultur, der Mode usw. Als politische oder soziale Revolutionen werden heute krisenhafte Transformationsprozesse bezeichnet, in denen der gesetzmäßige oder konstitutionelle Entscheidungsvorgang außer Kraft gesetzt wird und die bis dahin herrschende Elite abgesetzt und ein anderes politisches System mit anderen Repräsentanten installiert wird.[4]

Eine Realdefinition liegt wegen der Unterschiedlichkeit der vielen als Revolution bezeichneten Prozesse nicht vor. So ist es etwa umstritten, ob eine Revolution notwendig von unten, das heißt von einer unterprivilegierten sozialen Gruppe oder Klasse getragen sein muss, ob Revolutionen immer gewaltsam verlaufen müssen oder ob auch erfolglose, das heißt niedergeschlagene Revolutionsversuche als Revolution zu bezeichnen sind oder in Abgrenzung dazu als Revolten bzw. Aufstände.[4] Der Historiker Reinhart Koselleck klagte 1984, der Begriff sei durch seine ubiquitäre Verwendung derart „zerschlissen“, dass er, um weiter verwendet werden zu können, einer genauen und überprüfbaren Definition bedürfe, „und sei es nur, um Konsens über den Dissens zu finden“.[5]

Typologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Revolutionen lassen sich nach verschiedenen Kriterien klassifizieren. Verbreitet ist die Unterscheidung nach Trägerschichten, deren Interessen in der Revolution jeweils durchgesetzt werden sollen: So werden bürgerliche Revolutionen identifiziert (wie etwa die Glorious Revolution 1688 oder die Französische Revolution), proletarische (wie die Oktoberrevolution 1917) und agrarische Revolutionen wie die mexikanische Revolution, die chinesische Revolution und verschiedene Unabhängigkeitskriege im Prozess der Dekolonisierung nach dem Zweiten Weltkrieg.[4] Der Politikwissenschaftler Iring Fetscher nennt außerdem die „Intellektuellen-“ oder „Managerrevolution“.[6]

Ein weiteres Klassifizierungskriterium ist die Ideologie der Protagonisten der Revolutionsbewegung: Demnach ist etwa zu unterscheiden zwischen demokratischen, sozialistischen und faschistischen Revolutionen.[7] Revolutionen lassen sich auch nach ihren Verursachungen klassifizieren, wobei man exogene Faktoren (also etwa Kriege und ökonomische Abhängigkeiten) und endogene Faktoren (Unzufriedenheit der Bevölkerung, Modernisierungsprozesse und ihre teilweise negative Folgen – etwa der Pauperismus zu Beginn des industriellen Zeitalters – Wandel in den Werten und Ideologien, die in der Bevölkerung geteilt werden usw.) unterscheidet.[8]

Der Politikwissenschaftler Samuel P. Huntington unterscheidet zwischen Revolutionen des westlichen und den östlichen Typs: Jene wie zum Beispiel die Französische oder die Russische Revolution würden sich in schwachen traditionellen Regimen ereignen, die in einer Krise zusehends desintegrierten. Daher sei nur ein geringes Maß an Gewalt notwendig, um sie zu stürzen. Gewaltsamer sei im Anschluss die Auseinandersetzung zwischen gemäßigten und radikalen Revolutionären. Während dieses Kampfes weite sich die Revolution aus der Metropole, in der sie entstand, auf die ländliche Bevölkerung aus. Demgegenüber würden Revolutionen des östlichen Typus dagegen entstünden in kolonialisierten Gebieten oder Militärdiktaturen: Da diese Regime stark seien, gingen sie von Guerillas aus, die im ländlichen Raum agierten, von wo sie mit erheblichen Gewaltanstrengungen bis hin zum Bürgerkrieg die Hauptstadt eroberten. Beispiele für östliche Revolutionen seien die chinesische Revolution und der Vietnamkrieg.[9] Dem fügte der Politikwissenschaftler Robert H. Dix noch den lateinamerikanischen Typus hinzu, in dem sich eine Stadtguerilla mit urbanen Eliten verbündet und so das alte Regime stürzt.[10]

Theorien der Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Vorstellungswelt traditioneller vorindustrieller Gesellschaften, die auf einer harmonischen Ordnung, einem Einklang von Mensch, Gesellschaft und Natur mit der göttlichen Schöpfung basierte, waren die Gemeinschaft, einzelne Gruppen und auch der einzelne Mensch durch die corruptio (Verderbnis) bedroht, die immer dann gegeben ist, wenn eine Ordnung (Herrschaftsform) ihre positiven Züge verliert, wenn etwa freie Bürger von anderen einseitig abhängig werden, und wenn dabei die Tugend (virtus) verloren geht, die das eigene Wohl mit dem Gemeinwohl vereinigen soll. In einer solchen Situation ist es geboten, an den Ausgangspunkt zurückzukehren (Machiavelli: Ritorno ai principi), Unordnung wieder in Ordnung zurückzuführen. Tatsächlich ist bis in die Neuzeit bei revolutionären Bewegungen bis hin zu den Anfängen der Französischen Revolution immer wieder die anfängliche Forderung, zum „alten Recht“ zurückzukehren, zu finden. Dass eine „Revolution“ im heutigen Sinn etwas Neues schaffe, hat sich erst nach der Revolution von 1789 als Auffassung durchgesetzt.

Soziologischer Revolutionsbegriff [Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine „Revolution“ bezeichnet in der Soziologie sowie umgangssprachlich einen radikalen und meist, jedoch nicht immer, gewalttätigen sozialen Wandel (Umsturz) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse.[11] Gegebenenfalls kommt es dabei zu einer Umwälzung des kulturellen „Normensystems einer Gesellschaft“.[12] Eine Revolution wird entweder von einer organisierten, möglicherweise geheimen, Gruppierung von Neuerern (vgl. Avantgarde, Elite) getragen und findet die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile, oder sie ist von vornherein eine Massenbewegung.

Teils wird der Begriff der Emanzipation hinzugenommen, d. h. die Idee der Befreiung von gewachsenen Strukturen und eines sozialen oder politischen Freiheitsgewinns für den Einzelnen. Der Stellenwert der einzelnen Kriterien für die Definition einer Revolution ist durchaus umstritten.

Wenn ohne tiefgreifenden (radikalen) sozialen Wandel nur eine kleine Organisation oder ein eng verknüpftes soziales Netzwerk mit relativ geringer Massenbasis einen gewaltsamen Umsturz unternimmt, wird das als Staatsstreich oder, insbesondere unter Beteiligung des Militärs, als Putsch, bezeichnet. Nach erfolgreichen Staatsstreichen wird der Begriff der Revolution anschließend oft als ideologische Rechtfertigung genutzt, indem der Putsch zur Revolution umgedeutet wird. Putsche können aber auch im Sinne einer Revolution tiefgreifende Transformationsprozesse auslösen, der Übergang zwischen beiden Begriffen ist fließend.[13]

Mitunter wird der Begriff Revolution auch verwendet, um einen allgemeineren, tiefgreifenden Wandel der Gesellschaftsstruktur zu bezeichnen, auch wenn es sich dabei nicht zwangsläufig um besonders plötzlich und rapide auftretende Veränderungen handelt. So ist von der – global mehrere tausend Jahre dauernden – neolithischen Revolution oder von der sich zwischen 1750 und 1850 von England über den europäischen Kontinent ausbreitenden Industriellen Revolution, die ihrerseits wiederum Vorbedingung für verschiedene politische Revolutionen in diesem Zeitraum war, die Rede.

Ein Beispiel für eine soziologische Revolutionstheorie ist der Marxismus, der ausschließlich endogene, nämlich ökonomische Ursachen von Revolutionen annimmt:[14] Die eigendynamische, dialektische Entwicklung der Produktivkräfte würde die Klassengegensätze derart verschärfen, dass eine proletarische Weltrevolution mit naturwissenschaftlicher Sicherheit die Folge wäre. Diese Prognose erwies sich als irrig.[15]

Politikwissenschaftlicher Revolutionsbegriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Politikwissenschaft hat sich bislang nicht auf eine einheitliche Revolutionstheorie einigen können. Der Historiker Eberhard Weis etwa nennt fünf Hauptfaktoren, die wesentliche Voraussetzungen zur Entstehung einer Revolution darstellen, wobei er Entwicklungsländer nicht berücksichtigt:

  1. Eine plötzliche Rezession
    1. nach einer Zeit wirtschaftlicher Blüte, steigenden Wohlstands und steigender Erwartungen in die Zukunft oder
    2. nach einer Naturkatastrophe;
  2. eine öffentliche Meinung, die die bestehenden Institutionen in Frage stellt;
  3. die Solidarisierung verschiedener Gruppen der Gesellschaft, die unterschiedliche Gründe haben, mit dem bestehenden Zustand unzufrieden zu sein, und die sich zum Umsturz der alten Ordnung vorübergehend verbünden;
  4. eine Ideologie;
  5. Schwäche, Uneinigkeit und Ineffizienz auf Seiten der Gegenkräfte, des Staates.[16]

Der amerikanische Soziologe Charles Tilly sieht als Voraussetzung jeder Revolution, die er als „eine mit Gewalt erzwungene Verlagerung der staatlichen Macht“ definiert, eine „revolutionäre Situation“: Darin stünden sich unversöhnlich zwei Machtblöcke gegenüber, die beide Anspruch auf die Souveränität im Staat erhöben. Insofern sei eine Revolution „eine eskalierte Form des normalen pluralistischen Ringens gesellschaftlicher Gruppen um die Verteilung der Werte Herrschaft, Sicherheit und Wohlfahrt dar, die den legalen Rahmen des politischen Systems sprengen“. Für den Erfolg der revolutionären Gruppe sei nun nicht so sehr ausschlaggebend, wie groß die allgemeine Unzufriedenheit sei, sondern wie gut und wie nachhaltig es ihr gelinge, diese zur Mobilisierung größerer Anteile der Bevölkerung und zur Bildung von Koalitionen zu nutzen. Falls dies gelinge und falls sich die Inhaber der staatlichen Macht als unfähig erwiesen, die in Opposition zu ihr stehende Gruppierungen zu unterdrücken oder zu reintegrieren, entlade sich die Spannung in einem oder mehreren „revolutionären Ereignissen“: Es kommt zu Gewalt, und die revolutionäre Gruppe kann ihren Machtanspruch eventuell durchsetzen.[17]

Revolution im Staatsrecht (Revolutionsrecht)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Revolutionsrecht“ geht in Deutschland begrifflich auf philosophische Überlegungen Johann Gottlieb Fichtes zur Französischen Revolution (1793) zurück. Infolge der Novemberrevolution bildete sich in der Weimarer Republik das Revolutionsrecht in der zivilrechtlichen Rechtsprechung des Reichsgerichts aus,[18] das 1926 auch vom Staatsgerichtshof verfassungsrechtlich anerkannt und übernommen wurde:[19]

„Das Reichsgericht hat sich in ständiger Rechtsprechung auf den Standpunkt gestellt, daß im Staatsleben der tatsächlichen Herrschaft, die sich gegenüber Widerständen durchzusetzen vermocht hat, rechtliche Anerkennung zukommt. Insbesondere ist der durch die Umwälzung neu geschaffenen Staatsgewalt die staatliche Anerkennung nicht versagt worden. Die Rechtswidrigkeit ihrer Begründung ist als kein Hindernis erachtet worden, weil die Rechtmäßigkeit der Begründung kein wesentliches Merkmal der Staatsgewalt ist […]. Damit ist das sogenannte Revolutionsrecht anerkannt worden.“

Diese Rechtsprechung und die damit verbundene Denkweise legitimierte später auch die Machtergreifung der Nationalsozialisten. Die normative Kraft des Revolutionsrechts wurde 1952 nochmals vom Bundesgerichtshof bestätigt.[20]

Theoretiker und Praktiker der Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Soziologische Theoretiker der Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Siehe auch die Werkverzeichnisse in den Personenartikeln.)

Theoretisch argumentierende Revolutionäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Marx (jede Gesellschaft, in der es eine Form des Besitzes an Produktionsmitteln erlaubt, sich menschliche Arbeit zu unterwerfen, endet zwangsläufig durch Revolution oder Untergang; zu unterscheiden sind „Revolutionen der Produktivkräfte“ von den durch sie ausgelösten „Revolutionen der Produktionsverhältnisse“).
  • Friedrich Engels (Arbeit und deren Beherrschung durch Eigentum löste die erste Revolution nach dem Urkommunismus aus, die die „Wildheit“ durch die Barbarei ablöste und der Beginn der Geschichte war, und Arbeit und Eigentum werden durch die letzte Revolution – die Weltrevolution – optimal disponiert werden, in der das Ende des „Reichs der Notwendigkeit“ und der Beginn des „Reichs der Freiheit“ möglich werden wird).
  • Rosa Luxemburg (der Imperialismus ist dabei die letzte Verteidigungsmöglichkeit des Kapitalismus vor der abschließenden weltweiten proletarischen Revolution – im Bündnis mit dem Proletariat der Kolonialmächte).
  • Lenin (durch den Aufbau einer Kaderpartei von Berufsrevolutionären kann selbst dann, wenn das Proletariat noch eine Minderheit darstellt, die Revolution der Produktionsverhältnisse vorverlegt werden – vgl. auch Revolutionäre Situation).
  • Anton Pannekoek (Parteien und Gewerkschaften – einschließlich der leninistischen – sind untaugliche Formen für den Kampf der Arbeiterklasse um ihre Emanzipation, alles kommt auf die Selbstorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter an).

Sowie (alphabetisch) Bakunin, Bolívar, Danton, Debord, Guevara, Ho Chi Minh, Mao Zedong, Marat, Mazzini, Nkrumah, Robespierre, Saint-Just, Schariati, Torres, Trotzki und andere Revolutionäre des 18. bis 20. Jahrhunderts.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrschaftssysteme und Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Freiheit führt das Volk, Gemälde von Eugène Delacroix 1830

Revolutionen von unten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Revolutionen von oben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesellschaft, Technik, Wissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemälde Das Eisenwalzwerk (1872–1875) von Adolph Menzel ist die erste größere künstlerische Darstellung von Industriearbeit

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Wiktionary: Revolution – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: Revolutionär – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wiktionary: revolutionär – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cordula Koepcke: Revolution. Ursachen und Wirkungen. Günter Olzog Verlag, München 1971, S. 16.
  2. Duden: Das Herkunftswörterbuch. 3. Auflage 2001, S. 673.
  3. Max Steinmetz (Hrsg.): Die frühbürgerliche Revolution in Deutschland (= Studienbibliothek DDR-Geschichtswissenschaft. Forschungswege, Bilanz, Aufgaben, Bd. 5). Akademie-Verlag, Berlin (Ost) 1985, ISSN 0232-9468.
  4. a b c Ulrich Widmaier: Revolution/Revolutionstheorien. In: Everhard Holtmann (Hrsg.): Politik-Lexikon. 3. Auflage, Oldenbourg, München 2000, ISBN 978-3-486-79886-9, S. 607 (abgerufen über De Gruyter Online).
  5. Reinhart Koselleck: Revolution. In: derselbe, Otto Brunner, Werner Conze (Hrsg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Band 5, Ernst Klett Verlag, Stuttgart, S. 788 f.
  6. Iring Fetscher: Evolution, Revolution, Reform. In: derselbe und Herfried Münkler (Hrsg.): Politikwissenschaft. Begriffe – Analysen – Theorien. Ein Grundkurs. Rowohlt, Reinbek 1985, S. 399 – 431, zitiert nach Ulrich Weiß: Revolution/Revolutionstheorien. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon der Politik. Band 7: Politische Begriffe. Directmedia, Berlin 2004, S. 561.
  7. Ulrich Widmaier: Revolution/Revolutionstheorien. In: Everhard Holtmann (Hrsg.): Politik-Lexikon. 3. Auflage, Oldenbourg, München 2000, ISBN 978-3-486-79886-9, S. 607 f. (abgerufen über De Gruyter Online).
  8. Ulrich Weiß: Revolution/Revolutionstheorien. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon der Politik. Band 7: Politische Begriffe. Directmedia, Berlin 2004, S. 563.
  9. Samuel P. Huntington: Political Order in Changing Societies. Yale University Press, New Haven 1969, zitiert nach Robert H. Dix: The Varieties of Revolution. In: Comparative Politics 15, No. 3 (1983), S. 281; Dieter Wolf und Michael Zürn: Revolutionstheorien. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon der Politik. Band 1: Politische Begriffe. Directmedia, Berlin 2004, S. 554 f.
  10. Robert H. Dix: The Varieties of Revolution. In: Comparative Politics 15, No. 3 (1983), S. 281–294; Dieter Wolf und Michael Zürn: Revolutionstheorien. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon der Politik. Band 1: Politische Begriffe. Directmedia, Berlin 2004, S. 554.
  11. Sebastian Haffner zitiert in Geschichte eines Deutschen eine juristische Definition, Revolution sei „die Änderung einer Verfassung mit anderen als den in ihr vorgesehenen Mitteln“, die jedoch auch nach seiner eigenen Ansicht den Sachverhalt nicht treffend beschreibt.
  12. H.-W. Kumwiede, B. Thibaut: Revolution – Revolutionstheorien. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Wörterbuch Staat und Politik. Piper, München 1991, S. 593 ff.
  13. Ulrich Widmaier: Revolution/Revolutionstheorien. In: Everhard Holtmann (Hrsg.): Politik-Lexikon. 3. Auflage, Oldenbourg, München 2000, ISBN 978-3-486-79886-9, S. 608 (abgerufen über De Gruyter Online).
  14. Ulrich Weiß: Revolution/Revolutionstheorien. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon der Politik. Band 7: Politische Begriffe. Directmedia, Berlin 2004, S. 563.
  15. Iring Fetscher: Von Marx zur Sowjetideologie. Darstellung, Kritik und Dokumentation des sowjetischen, jugoslawischen und chinesischen Marxismus. Diesterweg, Frankfurt am Main/Berlin/München 1972, S. 39 ff.
  16. Nach: Eberhard Weis, Der Durchbruch des Bürgertums. 1776–1847. Propyläen Geschichte Europas, Bd. 4, Berlin 1978, S. 96 f.
  17. Charles Tilly: Die europäische Revolution. C.H. Beck, München 1993, S. 25 (hier das erste Zitat) und passim; Dieter Wolf und Michael Zürn: Revolutionstheorien. In: Dieter Nohlen (Hrsg.): Lexikon der Politik. Band 1: Politische Begriffe. Directmedia, Berlin 2004, S. 561 ff (hier das zweite Zitat).
  18. RGZ, 100, 25; vgl. zuvor bereits: RGSt 53, 65.
  19. Entscheidung vom 16. Oktober 1926 in RGZ 114, Anhang, S. 1 ff. (6 ff.)
  20. Urteil vom 8. Februar 1952 (V ZR 6/50) in BGHZ 5, S. 76 ff. (S. 96).
  21. Josef Foschepoth: Reformation und Bauernkrieg im Geschichtsbild der DDR. Zur Methodologie eines gewandelten Geschichtsverständnisses. Duncker und Humblot, Berlin 1976, passim.
  22. Dietrich Geyer: Die Russische Revolution. 4. Auflage, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1985, S. 106; Armin Pfahl-Traughber: Staatsformen im 20. Jahrhundert. I: Diktatorische Systeme. In: Alexander Gallus und Eckhard Jesse (Hrsg.): Staatsformen. Modelle politischer Ordnung von der Antike bis zur Gegenwart. Ein Handbuch. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2004, S. 230; Gerd Koenen: Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus. Beck, München 2017, S. 750; Steve A. Smith: Die Russische Revolution. Reclam, Stuttgart 2017, S. 58; Manfred Hildermeier: Die Russische Revolution und ihre Folgen. In: Aus Politik und Zeitgeschichte 34–36 (2017), S. 13 (online, Zugriff am 18. Juni 2019).
  23. Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914–1949. C.H. Beck, München 2003, S. S. 601 f. und 619 ff.
  24. Horst Möller: Die nationalsozialistische Machtergreifung. Konterrevolution oder Revolution?. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 31 (1983), Heft 1, S. 25–51, das Zitat S. 48 (PDF, Zugriff am 22. Februar 2017).
  25. Hans Joachim Winckelmann: Wer vollendet die biologische Revolution? In: Dominik Groß, Monika Reininger: Medizin in Geschichte, Philologie und Ethnologie: Festschrift für Gundolf Keil. Königshausen & Neumann, 2003, ISBN 978-3-8260-2176-3, S. 203–227.

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