FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1976 » No. 273/274
Leo Gabriel • Ramiro Reynaga

Indianisiert den Marxismus!

Interview mit einem Ketschuaschriftsteller*
Die bolovianischen Indios, das vergessene Revolutionspotential:
Werden sie wieder die Herren der Anden?
Bild: Keystone
Ramiro, warum willst du lieber ein Ketschuaschriftsteller sein als ein bolivianischer?

Reynaga: Weil ich mich als Teil eines Volkes, einer Kultur, einer Rasse betrachte, die vor Tausenden von Jahren entstanden ist. Bolivien aber wurde erst im Jahre 1825 gegründet. Die Wirklichkeit, über die ich schreibe, hat schon Gültigkeit besessen, bevor diese Republik existierte, und könnte sehr wohl auch nach ihr existieren. Ein bolivianischer Schriftsteller zu sein bedeutet nichts; als Ketschua-Indio hingegen will ich den Rassismus, der mein Volk vernichtet, zerschlagen.

Hast du den Rassismus am eigenen Leib zu spüren bekommen?

Reynaga: Mein Vater ist ein Ketschua aus der Region von Potosi; meine Mutter ist eine Weiße aus dem Aymaragebiet von La Paz. In meiner ganzen Kindheit habe ich den Rassismus sehr tief drinnen im eigenen Fleisch erlebt. Ich bin völlig gezeichnet davon. Weder Schule noch Universität konnten diese Schande, ein Indio zu sein, tilgen. Im Gegenteil: gerade durch die Reflexion darüber spürte ich sie um so tiefer. In Bolivien ist jeder ein Opfer des antiindianischen Rassismus. Da ich etwas von der Welt der Weißen kennenlernte, konnte ich einerseits Distanz gewinnen und vergleichen; andrerseits konnte ich mehr darüber nachdenken, was es heißt, Indio zu sein. Man muß wissen, daß diese Probleme in Bolivien tabu sind. Vorher hatte ich mich niemals nach meiner Rasse gefragt.

Indianer sein ist wie eine Geschlechtskrankheit

Aber in deiner Familie doch, oder nicht?

Reynaga: Dort sprach man auch nicht davon, denn es war ein sehr unangenehmes Thema. Indio sein ist, als hätte man eine Geschlechtskrankheit. Mein erster Ausweg aus den inneren Spannungen war der Anschluß an eine Partei der extremen Linken. Schon während meiner Schulzeit begann ich mit Mario Monje zu arbeiten, dem Chef der Kommunistischen Partei. Damals gab es für mich keinen anderen Weg. Doch leider mußte ich auch innerhalb der Kommunistischen Partei einen antiindianischen Rassismus erfahren. Ein Indio hatte Spanisch zu lernen, um ein guter Kommunist zu sein, er mußte die Kleidung seines Volkes ablegen und sich westlich anziehen, um „normal“ zu sein.

Und in der Schule hast du angefangen zu schreiben?

Reynaga: Ich habe eine gewisse Aversion gegen das Schreiben. Wer sich zum Schriftsteller berufen fühlt, muß alles liegen- und stehenlassen, um die Ideen aufzuschreiben, die in ihm brennen. Schleudert er sie nicht heraus, stören sie ihn. Deshalb fing ich erst viel später an zu schreiben.

Auch Guevaras Guerillas waren weiß

Wann erschien dir das Schreiben unausweichlich?

Reynaga: Ich habe mich niemals entschieden zu schreiben. Nach meinem Austritt aus der Kommunistischen Partei schloß ich mich 1967 der Guerillatruppe von Che Guevara an. Nach vielen Gefängnisaufenthalten war ich in Kuba. Als politischer Flüchtling in Mexiko schrieb ich einen Brief an meine politische Organisation in Bolivien, der immer länger wurde und sich vertiefte, bis er sich zu einer Broschüre entwickelte, die ich ergänzen wollte, und ... das Resultat war ein Buch: ich wollte die Indios zu einer politischen Kraft machen. In Bolivien gibt es fünf Millionen Einwohner, vier davon sind Indios (Ketschuas und Aymaras). Eine halbe Million sind Mestizen und eine halbe Million Weiße. Alle politischen Parteien, auch die Guerilla, gehören zur Welt der Weißen. Man mußte sich dieser indianischen Kraft nähern, um die Ausbeutung auf seiten der Ausgebeuteten zu besiegen.

Und du schriebst also das Buch mit dem Titel „Weiße Guerillas unter indianischen Massen“, um zu sagen, wie man die indianische Kraft für die bolivianische und lateinamerikanische Revolution einsetzen könnte.

Reynaga: Ja. Aber ich nannte das Buch später „Weiße Guerillas unter indianischen Völkern“. Ein Volk ist nicht etwas Massives, das sich manipulieren läßt. Eine revolutionäre Organisation darf nur dann indianisches Blut gebrauchen, wenn sie für die Befreiung der Indios kämpft.

Wo, glaubst du, liegen die Wurzeln dieses antiindianischen Rassismus, der sogar viele Revolutionäre infiziert? Auch dort, wo eine kommunistische Partei wie die Boliviens von Klassenkampf und Industrieproletariat spricht? Liegen sie in den menschlichen Fehlern revolutionärer Führer, die dem Einfluß der westlichen Kultur unterliegen?

Marxistischer Kolonialismus

Reynaga: Der antiindianische Rassismus begann mit der Erfindung Lateinamerikas durch Europa Ende des 15.
Jahrhunderts. Zuvor hatte es weder Latein noch Amerika bei uns gegeben! Die „Unabhängigkeit“ brachte nicht etwa die Befreiung der Indios, der spanische Kolonialismus setzte sich fort im Rhythmus der Marseillaise, im Schatten der Trikolore. Die heutigen Symbole, die Internationale und die rote Fahne, ersetzen wieder nur die Symbole der Französischen Revolution und das Coca-Cola-Emblem. Die kommunistischen Parteien schleppen natürlich das jahrhundertelange antiindianische Erbe mit sich.

Unter spanischer Herrschaft entstand so eine Art von politischem Synkretismus, als die katholischen mit den indianischen Symbolen verschmolzen. Könnten nicht vielleicht die Indios die Hülse des Klassenkampfes mit ihren eigenen Inhalten erfüllen — wie in der chinesischen Kulturrevolution, wo sich die marxistisch-leninistischen Symbole mit der chinesischen Volkskultur vermischten?

Reynaga: Die Präsenz des Indios in Lateinamerika ist so stark, daß die katholische Kirche ihre Festtage ändern mußte, damit sie mit den indianischen Festen zusammenfallen. Sonst wäre niemand zu den kirchlichen Festen gekommen. Was den politischen Synkretismus betrifft, ist es jetzt schlimmer als damals. Die Pfarrer waren oft flexibler und weniger dogmatisch als einige Marxisten heute. Für die [die Marxisten] gibt es keine Rassen, sondern höchstens ethnische Gruppen und soziale Klassen, die sich nach ihrem Platz im industriellen Produktionsprozeß bestimmen — was dem indianischen Leben völlig fremd ist.

Statt den Indio in den Marxismus sollte man also den Marxismus in das indianische Denken integrieren — wäre das möglich?

Reynaga: Ich weiß nicht, aber eins ist mir klar: die indianischen Völker werden frei sein ... mit oder ohne Marxismus. Ohne ihn dann, wenn es bei seinem europäischen Dogmatismus bleibt.

Sind deine Ideen durch das politische Klima in Bolivien schon vorbereitet?

Reynaga: Mein Buch wurde in Schmerz und Blut geboren. Nach seiner Veröffentlichung in Bolivien steckten sie meine Mutter ins Gefängnis und folterten sie zehn Monate lang. Die Befreiung des Indios ist ein unantastbares Thema. Die Minderheit, die die Indios unterdrückt, verbietet, davon zu sprechen. Weil es in den Kolonialländern relativ mehr Freiheit gibt als in den kolonialisierten Ländern, wurde dieses Buch bei Harper & Row in New York publiziert.

Dagegen können aber doch Bücher, die marxistische Theorie und Praxis behandeln, in Bolivien publiziert werden?

Reynaga: Natürlich. Die Machtelite weiß, daß in einem Land wie Bolivien einige theoretische Abhandlungen, einige Zitate von Marx, Lenin oder Mao nichts Explosives anrichten. Außerdem haben sie schon gelernt, sich gegen die aus den westlichen Ländern importierten Drohungen zu wehren, aber sie wissen auch, daß ihr rassistisches System vor der Kraft der Indios impotent wäre.

Was sind die Wurzeln der indianischen Befreiung, und worauf läßt sich heute ein vereinigter politischer Kampf der Millionen Indios aufbauen?

Reynaga: Das ist vor allem eine Frage der Zeit. Der Indio mißt die Zeit anders als der Westen. Die indianische Musik beispielsweise wirkt vielleicht langsam oder gar langweilig auf dich. Man muß die Zeit der indianischen Revolution mit den Rhythmus der Indios messen, die fünf Jahrhunderte lang unterdrückt wurden. Auch eine Frucht reift nicht rascher, wenn wir um den Baum herumspringen. Dieser Prozeß der Reifung trägt Merkmale, die in den Titeln der Weltpresse nicht aufscheinen und hoffentlich noch lange Zeit nicht aufscheinen werden.

Welche Rolle spielte Che Guevara im indianischen Bewußtseinsprozeß?

Che wie Christus

Reynaga: Che sprach nicht zu den Indios, er sprach zum bolivianischen Volk, und das bolivianische Volk ist eine Einheit, die noch nicht existiert und vielleicht niemals existieren wird. Im Gegensatz dazu sind die Indios eine Einheit, die schon seit vielen Jahrhunderten einen eigenen Charakter hat. Aber natürlich hat Che den ganzen Kreuzweg durchschritten, bis er allmählich isoliert und zuletzt ermordet wurde. Viele Indios stellten Che neben Jesus Christus, zündeten ihm Kerzen an; wenigstens ein Weißer hatte sich ebenso aufgeopfert, wie es die Indios Jahrhunderte lang taten.

Wie Christus:
Che scheiterte mit seinem focus. Sein Mitkämpfer Reynaga hat daraus gelernt.

Du malst mir die lateinamerikanische Revolution in ziemlich schwarzen Farben. Einerseits das kapitalistische System, das die Indios ausbeutet, andrerseits die Linke, die sich der wirklichen Kräfte des Volkes noch nicht bewußt ist, jener Kräfte, die obendrein vom antiindianischen Rassismus infiltriert sind. Wo gibt es ein Licht? Wie kann man vergangene Fehler vermeiden?

Reynaga: Eine der sehr einfachen Wahrheiten, die sich verbreiten, ist: MAN MUSS DEN MARXISMUS INDIANISIEREN. Ich vertraue der lateinamerikanischen Linken, auch wenn sie selbst kolonialisiert ist, denn in den letzten Jahren gab es große Veränderungen in ihr. Ich vertraue auch den indianischen Völkern. Sie werden sich vereinigen.

Den Marxismus indianisieren ist eine konkrete Forderung in Bolivien. Die Minderheit an der Macht hat die beiden größten Volkskräfte, die Bauern und die Bergarbeiter, gegeneinander aufgewiegelt. Seit den fünfziger Jahren stellten sich die Präsidenten jeweils auf eine Seite, um die andere zu unterdrücken. Paz Estenssoro hetzte die Bergarbeiter gegen die Bauern auf, ebenso wie Barrientos die Bauern gegen die Arbeiter aufwiegelte.

Reynaga: Genau, die Bauern und Bergarbeiter sind Indios. Die Indios arbeiten unter dem Joch der Ausbeutung der Weißen, der Großgrundbesitzer und Kapitalisten.

Ist das Problem der Indios das Problem von ganz Lateinamerika, oder gibt es Länder, in denen die indianische Revolution keine Basis hat?

Reynaga: Die indianische Realität ist nicht bolivianisch, sie ist lateinamerikanisch, obwohl sie natürlich in einigen Teilen mehr Fundament hat als in anderen: alle Gebiete außer dem südlichen Argentinien, Uruguay und gewissen Zonen von Chile und der Küste von Venezuela kennen das Problem der Indios. In Brasilien beispielsweise ist das Problem der Schwarzen zugleich das Problem der Indios. Natürlich muß in den Gebieten mit mehr europäischem Blut auch die revolutionäre Strategie eher europäisch sein mehr marxistisch-orthodox.

Unterm Stahl des Neokolonialismus:
Weiße Hand mit Machete — Indio bei Santa Cruz, Bolivien (oben); Indiofrau mit Bauchladen, Mexico City (rechts [hier: unten])
Bild: Keystone
Bild: Keystone

Der Indio schweigt

Die Unterscheidung zwischen westlicher und indianischer Kultur ist aber auch durch das Problem der Kommunikation, der Sprache entstanden?

Reynaga: Das spanische Erbe lehrt uns die Liebe zu den Reden, zu Deklarationen und Versprechungen. In der literarischen Produktion der lateinamerikanischen Linken gibt es viele Don Quijotes, die in das Wort verliebt sind. Der Indio hingegen ähnelt sehr dem Vietnamesen. Er spricht nicht, er handelt. Und das Handeln hat schon immer mehr gesagt als das Sprechen.

Aber dein Buch ist eine Art zu sprechen, oder nicht?

Reynaga: Ich betrachte mein Buch eher als eine Tat, als einen geschriebenen Ton. Es ist ein Baustein, um etwas zu tun. Mein Buch wurde in einigen Ländern, auch in Bolivien, von der Presse kommentiert, aber ich wehre mich dagegen. Denn ich will nicht Literatur über den Indio machen, und ich will nicht, daß sie mein Buch kastrieren.

Für den Europäer ist die Literatur ein Ziel. Vielfach wollen die Bücher Monumente sein. Die bürgerliche Konzeption sagt: „Unser Bewußtsein kann man in den Bibliotheken und Archiven auffinden.“ Dann ist der Punkt erreicht, wo die Literatur zu einem Mittel wird, das nichts mehr vermitteln kann.

Reynaga: Das Wort Literatur und das Wort Buch rufen in Europa Respekt hervor. Wenn jemand sagt: „Ich bin Schriftsteller“, sagt er es mit Stolz. Wenn du das in einem kolonisierten Land sagst und weißt, was du sagst, wirst du dich schämen müssen. Wie willst du Literatur machen in einem Land, wo die Leute am Verhungern sind? Ich hatte Hemmungen vor dem Schreiben des Buches, denn ein Buch sollte sich nicht durch sich selbst rechtfertigen.

Bolivianische Truppen
mit Sturmgewehren und Bazookas im Anmarsch gegen von Arbeitern besetzte Zinngruben in Bolivien (links [hier: oben]). Resultat: Bergarbeiter (Indio) mit seinem toten Kind (unten)
Bild: Keystone
Bild: Keystone

Mit Sonne und Mond gegen den Christengott

Damit übst du auch implizit Kritik an der konzeptuellen Form, Politik zu betreiben. Ein ideologisches Konzept europäischer Prägung verbalisiert ein Denksystem, das zur Aktion aufruft. Das war auch das Anliegen aller großen marxistischen Ideologen. In Kulturen wie den indianischen entwickelt sich das Bewußtsein offensichtlich nicht durch das Wort. Das Wort hat hier weniger Einfluß als „andere Dinge“; diese „anderen Dinge“ — was sind diese „anderen Dinge“ im Bereich der indianischen Kultur?

Reynaga: Ich kann dir nur sagen, daß es etwas anderes ist. Europa hat Jahrhunderte gebraucht, um das Konzept zu entwickeln, von dem du sprichst. Dieses „andere Ding“ kann auch Schweigen sein. Der Weiße hat den Indio einige Sachen sagen gelehrt. Der Augenblick, wenn der Indio aufhört, sie zu sagen, wird sehr wichtig sein. Dieses „andere Ding“ kann auch Religion sein, in der die Sonne der Vater und die Erde die Mutter ist; dann verwandelt sich die Religion in eine weitere Waffe gegen den Kolonialismus. Der europäische Marxismus wird schwer begreifen, daß eine Religion das Instrument für die Befreiung sein kann. Doch wenn der Kolonisierte er selbst sein will, muß er alles einsetzen, außerhalb jeglichen vorgefertigten Konzepts. Mir ist ein „theokratischer“ Indio lieber als einer, der Marx auswendig kann; denn der bleibt kolonisiert. Eine Religion hingegen, wie primitiv sie erscheinen mag, stärkt ihn, und damit revolutioniert er sich selbst.

Marx attackierte die Religion, weil er sie als eine statische Vision betrachtete. Ob es die Sonne, ob es die Erde gibt, ob es meinen Gott oder meine Götter gibt unter dem weiten, ewigen Himmel, sie bleiben immer, und ich bleibe mit ihnen, ohne mich zu bewegen: wirkt daher nicht eine Religion, die notwendigerweise außerhalb eines dynamischen sozialen Prozesses steht, statisch? Und visiert sie nicht eher die konkrete Vergangenheit statt die konkrete Zukunft an?

Reynaga: Marx sprach von der europäischen Religion, der einzigen, die er kannte. Er griff sie zu Recht an. Aber er wußte nichts von der indianischen Religion.

Was ist der Unterschied zwischen der christlichen und der indianischen Religion?

Reynaga: Kurz: Für das Christentum ist der Mensch der Sohn der Sünde, ein Wesen, das leiden muß, um das Glück zu verdienen. In der indianischen Religion ist der Mensch kein Sünder. Er ist der geliebte Sohn der Sonne und der Erde, die zusammen die Pflanzen, die Tiere und die Menschen erzeugen. Es gibt hier keine Spur von Masochismus oder Sadismus wie in der christlichen Religion. Deiner Meinung nach ist das Statische das Schlechte und das Dynamische das Gute. Überdies machst du einen Unterschied zwischen der Zukunft und der Vergangenheit. Ich bin da nicht so sicher. Die europäische Zeit ist eine Linie, die von gestern kommt und in die Zukunft geht. Aber ich fühle die Zeit völlig anders. Für mich ist die Zeit etwas Lebendiges, eine Kugel, in der das Gestern Zukunft gewesen sein könnte — etwas Zyklisches. Die Zeit des Indios ist eine natürliche Zeit, die er in den Sternen, den Pflanzen, Tieren, in sich selber sieht. Es kümmert ihn nicht, daß er immer weiter nach oben geht. Die Zukunft als Konzept ist dem Indio fremd. Er versucht, nicht aufzuhören, das zu sein, was er ist, um jemand oder etwas anderes zu sein.

Du berücksichtigst weder den technologischen Fortschritt noch die anderen Resultate eines „wissenschaftlichen Sozialismus“.

Der Indio braucht Ivan Illichs „convivial tools“

Reynaga: Man müßte die wunderbaren menschlichen Grundlagen, die die indianischen Kulturen besitzen, mit dem wissenschaftlichen Fortschritt, der den Menschen hilft, verbinden. Der Großteil der wissenschaftlichen Neuerungen zerstört den Menschen. Wenn du eine Liste von wissenschaftlichen Erfindungen machen würdest, wären viele dabei, die verschwinden könnten, und der Mensch würde besser leben. Man müßte die wenigen Erfindungen, die den Menschen wirklich beim Wachsen helfen, mit der kollektiven Erfahrung des Indios verbinden. Es berührt mich sehr seltsam, wenn ein weißer Marxist aus Lateinamerika dem Indio den Sozialismus beibringen will. Der Indio muß den Sozialismus nicht erst lernen. Er trägt den Sozialismus seiner Gemeinschaften im Blut.

*) Das Gespräch führte Leo Gabriel

FORVM des FORVMs

Vorgeschaltete Moderation

Dieses Forum ist moderiert. Ihr Beitrag erscheint erst nach Freischaltung durch einen Administrator der Website.

Wer sind Sie?
Ihr Beitrag

Um einen Absatz einzufügen, lassen Sie einfach eine Zeile frei.

Hyperlink

(Wenn sich Ihr Beitrag auf einen Artikel im Internet oder auf eine Seite mit Zusatzinformationen bezieht, geben Sie hier bitte den Titel der Seite und ihre Adresse bzw. URL an.)

Werbung

Erstveröffentlichung im FORVM:
September
1976
, Seite 24
Autor/inn/en:

Leo Gabriel:

geb. 1945 in Neunkirchen/Niederösterreich als Sohn des Universitätsprofessors gleichen Namens, Dr. jur. (Wien), war im Mai 1968 in Paris dabei, 1969/70 Gastprofessor für Ideologiekritik an der Nationaluniversität in Mexiko, anschließend in San Francisco an der Gründung einer „University without walls“ beteiligt. Dann in Mexiko Schüler von Ivan Illich in Guernavaca. 1972 Mitbegründer der CLETA (Centro Libere de experimentación teatral y artistica), einer Organisation von jungen Musikern und Theaterleuten. Mit einer der 25 Gruppen bereiste G. von Mexiko aus zwei Jahre hindurch Lateinamerika, wo sie für die Bauern Theater spielten und selbstgedrehte Schmalfilme über die Basisbewegung vorführten.

Ramiro Reynaga: Ramiro Reynaga Burgos, geboren 1939 in La Paz, Bolivien, Ketschuaschriftsteller, war aktives Mitglied der Kommunistischen Jugend Boliviens, Studium der Rechts- und Sozialwissenschaften an der Universität von La Paz, dort Vorsitzender des Fakultätsverbandes der Studenten. Nach mehrmaligem Aufenthalt in Kuba schloß er sich der Guerilla Ernesto „Ché“ Guevaras an. Aus der bolivianischen Haft flüchtete er 1968 nach Mexiko, wo er am CIDOC-lnstitut Ivan Illichs arbeitete. Sein Hauptwerk „Weiße Guerillas unter indianischen Völkern“ erscheint bei Harper & Row, New York.

Lizenz dieses Beitrags:
Copyright

© Copyright liegt beim Autor / bei der Autorin des Artikels

Diese Seite weiterempfehlen

Themen dieses Beitrags

Schulen der Kritik

AkteurInnen der Kritik

Desiderate der Kritik

Geographie