FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1979 » No. 303/304
Thomas Gratt

arbeiter = manager = bourgeois

aus dem schlußwort vor gericht

mit den durch die bürgerliche restauration nach 1945 eingesetzten politischen strukturen ist es den us-monopolen gelungen, eine annähernde interessengleichheit zwischen dem us- und dem europäischen kapital zu erzwingen, das zugleich folge als auch voraussetzung eines ökonomisierungsprozesses der internationalen politik war, welcher es dem internationalen kapital ermöglicht, seine bedürfnisse auch abgehoben von jeder basis in der bevölkerung zu realisieren. dies entspricht dem modell einer weltinnenpolitik, welches nur aufgrund der geostrategischen rolle, die die einzelnen regionen für das kapitalistische weltsystem haben, funktioniert. die funktion der einzelnen nationalen staaten und regierungen ist dabei analog der von us-bundesstaaten, welche diese weltmachtstrategie entsprechend den nationalen bedingungen zu transformieren haben, um so alle prozesse unter die imperialistische logik kapitalistischer verwertungszwänge zu subsumieren.

so ist es denn nur logisch, daß diese politik heute ihre fortsetzung findet in der machtübernahme durch das bka [bundeskriminalamt], wie sie nicht zuletzt dokumentiert wird durch die widerspruchslose übernahme des gesamten von der generalbundesanwaltschaft in karlsruhe entwickelten instrumentariums des justizförmig geführten vernichtungskriegs gegen die proletarisch-revolutionäre opposition oder in der aufstellung einer der gsg [grenzschutzgruppe] untergeordneten killereinheit zur verstärkung der gesamteuropäischen anti-aufstandspolizei, und es zeugt wohl nur von tiefstem zynismus, wenn b. kreisky zu vermelden weiß, die einrichtungen der bürgerlichen demokratie seien nicht für die ewigkeit gemacht, vielmehr hänge man da dingen nach, die nicht zu verwirklichen seien, „wie die berühmte trennung von exekutive und legislative“.

die technologisierung der produktion und damit verbunden die marginalisierung der handarbeit der unmittelbaren produzenten machen es erforderlich, soll der angriff auf die gesellschaftliche totalität abzielen, den revolutionären focus außerhalb der sphäre der unmittelbaren beziehungen kapitalist : produzent, d.h. außerhalb des politisch-ökonomischen kampfes, zu errichten, zumal zugleich die „neue arbeiterklasse“ durch eine objektiv zwar bereits proletarisierte, der herkunft und ausbildung nach allerdings der bourgeoisie zurechenbare schicht von ingenieuren und technokraten gebildet wird, die zugleich im klassenbündnis mit den managern über die aufgrund der erreichten stufe der kapitalkonzentration bereits von den bürgerlichen eigentumsverhältnissen getrennten produktionsinstrumente verfügen kann.

die durch diese produktive bedeutungslosigkeit der unmittelbaren produzenten bedingte disqualifizierung tradierter proletarischer kampfformen machen in einer situation, die gekennzeichnet ist von der verrechtlichung aller gesellschaftlichen beziehungen, das verhältnis von legalität und widerstand zum zentralen problem jeder revolutionären action.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
März
1979
, Seite 13
Autor/inn/en:

Thomas Gratt:

Geboren 1956, war Mitbegründer der Arbeitsgruppe Politische Prozesse/Politische Gefangene (APG) und Aktivist der Bewegung 2. Juni. Im November 1977 war er an der Entführung des Textilindustriellen Walter Michael Palmers beteiligt. Er nahm sich 2006 in Wien das Leben.

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