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Reinhold Oberlercher

Geboren 1943 in Dresden, lebte bis 1960 in der ehemaligen DDR. In der 68er Bewegung betätigte er sich als Theoretiker und Funktionär im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). Seit Anfang der 80-er Jahre betätigt er sich als „Sozialnationalist“ bzw. „Nationalmarxist“ als Ideologe der „Neuen Rechten“.

Beiträge

Reinhold Oberlercher

Faust ohne Eigenschaften

Zum 100. Geburtstag Robert Musils
No. 321/322
September
1980

Reinhold Oberlercher

Politerotik

No. 303/304
März
1979

Reinhold Oberlercher

Es lebe der Imperialismus!

No. 293/294
Mai
1978

Reinhold Oberlercher

Gemeinwirtschaftlicher Kapitalismus

Eine marxistische Gewerkschaftstheorie II
No. 291/292
März
1978

Reinhold Oberlercher

Gewerkschaften als Kartelle

Eine marxistische Gewerkschaftstheorie I
No. 288
Dezember
1977

Reinhold Oberlercher

Nieder mit dem Stamokap!

No. 286
Oktober
1977

Reinhold Oberlercher

Der Rechtsstaat ist ein Papiertiger

No. 284/285
August
1977

Reinhold Oberlercher

Hoch die Arbeitslosen!

Das Recht der industriellen Reservearmee auf Unterhalt und Unterhaltung
No. 282/283
Juni
1977

Reinhold Oberlercher

Dr. Rudi Dutschkes Kinder

Die neue Studentenbewegung
No. 280/281
März
1977

Reinhold Oberlercher

Marx gegen Kernkraft 1:0

No. 279
März
1977

Reinhold Oberlercher

Weltgeist ums Eck

Das Revolutionäre an der Sozialdemokratie
No. 279
März
1977

Reinhold Oberlercher bei Wikipedia

Reinhold Oberlercher (* 17. Juni 1943 in Dresden) ist ein ehemaliger Aktivist des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) und späterer rechtsextremer Vordenker, der sich als „Nationalmarxist“ versteht.[1] Mit seinen diversen Reichskonzeptionen, u. a. von 1999,[2][3] wurde er zu einem frühen Impulsgeber der Reichsbürgerbewegung.[4]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut eigenen Angaben besuchte Oberlercher von 1949 bis 1957 verschiedene Grundschulen in Sachsen und Thüringen. Im Jahre 1958 übersiedelte er nach Hamburg, wo er bis 1960 ein Gymnasium besuchte. Er brach die Schule ab und holte das Abitur 1965 nach.

Von 1965 bis 1971 studierte er an der Universität Hamburg zunächst Psychologie, später Soziologie und zuletzt Pädagogik und Philosophie. In dieser Zeit engagierte er sich laut eigenen Angaben innerhalb des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Der Spiegel nannte ihn Hamburgs Dutschke: der Pädagogik-Student Reinhold Oberlercher, 24, Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) und wie sein Berliner Vorbild ein Flüchtling aus der DDR.[5]

Von 1969 bis 1975 leitete er einen Arbeitskreis zur Formalisierung des Kapitals von Karl Marx. Er beendete sein Studium im Frühjahr 1971 mit der Abhandlung Zur Didaktik der politischen Ökonomie. Oberlercher war von 1971 bis 1975 Herausgeber der Zeitschrift Theorie und Klasse. Blätter für wissenschaftliche Kritik.

Ab April 1973 erhielt Oberlercher ein Doktorandenstipendium. 1975 wurde er mit einer Arbeit über Theorien über die Arbeitskraft in der neueren Geschichte des pädagogischen und philosophischen Denkens zum Dr. phil. promoviert. In den folgenden Jahren arbeitete er unter anderem kurzzeitig als Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg und schrieb zunehmend Artikel zunächst in verschiedenen rechtskonservativen und schließlich in eindeutig rechtsextremen Publikationen.

Ab Ende der 1980er Jahre war er im rechtsextremen Kreisen aktiv. Mit seinen Mitstreitern Horst Mahler und Uwe Meenen Ende der 1990er Jahre als Deutschen Kolleg.

Horst Mahler und Reinhold Oberlercher veröffentlichten zusammen mit ihrem Renegaten Kollegen Günter Maschke am 24. Dezember 1998 auf der Website des Deutschen Kollegs [6] und in der rechtsextremen Zeitschrift Staatsbriefe 1/1999 eine „Kanonische Erklärung zur Bewegung von 1968“, worin sie der 68er-Bewegung eine nationalrevolutionäre Deutung geben.[7] Sie behaupteten, dass die 68er-Bewegung weder für Kommunismus noch für Kapitalismus, weder für drittweltliche oder östliche noch für westliche Konzepte und Machtinteressen eingetreten sei, sondern „allein für das Recht eines jeden Volkes auf nationalrevolutionäre und sozialrevolutionäre Selbstbefreiung“.[8]

2004 wurden Mahler, Meenen und Oberlercher gemeinsam in Berlin angeklagt, zu Gewalt und Willkürmaßnahmen gegen Minderheiten aufgerufen zu haben. Doch bereits nach dem ersten Prozeßtermin kam es aus strategischen Gründen, wie auch aus prozessualen Gründen zur Aufspaltung. Meenen damals noch in Würzburg und Oberlercher wie seit jeher in Hamburg, wollten nicht für jeden Prozeßtermin extra nach Berlin anreisen, wo doch Horst Mahlers Strategie unter anderem darin bestand, als Angeklagter so lange wie möglich den Prozeß in die Länge zu ziehen und endlose Vorlesungen mit antisemitischen Zitaten von Martin Luther bis Karl Marx abzuhalten.[9]

Zu seinen Werken zählen Die moderne Gesellschaft. Ein System der Sozialwissenschaften (Bern, 1987) und Lehre vom Gemeinwesen (Berlin, 1994; tschechische Übersetzung, Prag, 2000), worin er sich offen gegen Aufklärung, Rationalismus, Demokratie und Menschenrechte positioniert. Er beschäftigt sich mit der Dialektik der Gemeinschaft und Gesellschaft. In der Ausgabe 1 von 1993 der rechtsextremen Zeitschrift Staatsbriefe wurde ein von Oberlercher verfasstes Hundert-Tage-Programm der nationalen Notstandsregierung publiziert, in dem konkrete Schritte des „nationalen Lagers“ für den Fall einer Machtergreifung vorgeschlagen wurden (S. 7–10). Folgende Punkte wurden unter anderem aufgelistet: Einstellungsverbot für ausländische und volksfremde Arbeitskräfte, die standrechtliche Erschießung von Rauschgiftbesitzern, Verbot der Ideologie der Menschlichkeit, Verbot des Pazifismus und die Wiedereinsetzung des Deutschen Reiches.

Oberlerchers Unterscheidung zwischen „mittelhafter Kapitalauffassung“, die für ihn „technisch-geschichtlich und seßhaft-herstellend“ bzw. „deutsch-germanisch“ ist, und „gegenständlicher Kapitalauffassung“, die er als „außergeschichtlich und extraktiv-nomadisch“ bzw. „amerikanisch-jüdisch“ charakterisiert, bewertet Fabian Virchow als Reproduktion der klassisch antisemitischen Differenzierung zwischen „schaffendem“ und „raffendem Kapital“.[10]

Oberlercher gilt als der „Erfinder“ der „Wortergreifungsstrategie“, mit der Nationalisten überall, als Vorspiel einer künftigen „Machtergreifungsstrategie“ und analog zur „Verunsicherungsstrategie“ der 68er-Bewegung, in der Öffentlichkeit Themen markieren und provokant besetzen sollen.

2004 stand Oberlercher mit Horst Mahler und Uwe Meenen wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung vor Gericht. Horst Mahler hatte unter anderem vor Gericht vorgetragen, dass die Angeklagten das Gericht nicht akzeptierten, weil es keine Gerichtshoheit über sie als Reichsbürger hätte, denn die Bundesrepublik Deutschland sei als Völkerrechtssubjekt nicht existent.[11] Das von Oberlercher und Meenen geführte Deutsche Kolleg wurde im Verfassungsschutzbericht des Bundeslandes Hamburg für 2006 zu den „bekanntesten Vertretern des Deutschen Reichsgedankens“ gezählt.[12] Oberlercher wird 2012 in einer Veröffentlichung des Verfassungsschutzes über „Rechtsextremisten, ‚Reichsbürger‘ und ‚Reichsregierungen‘“ unter dem Titel Wie Rechtsextremisten versuchen aus der Erde eine Scheibe zu machen besonders aufgeführt. Demzufolge steht er für die Anbindung der „Reichsregierungen“ an das „rechtsextremistische Milieu“.[13] Die Landeszentrale für politische Bildung Brandenburg führt Oberlercher 2016 in einem Onlinelexikon politischer Begriffe bei dem Stichwort „Reichsbürger“ als ein Beispiel eines „rechtsextremistischen Reichsbürgers“ auf.[14]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Kraushaar: Achtundsechzig. Eine Bilanz. Propyläen, Berlin 2008, ISBN 978-3-549-07334-6, S. 50.
  2. vgl. Andreas Speit (Hg.): Reichsbürger. Die unterschätzte Gefahr. Ch. Links Verlag, Berlin 2017.
  3. Die Fahne – weht!
  4. Gerichtsverhandlung Wie Hamburgs „Rudi Dutschke“ zum Reichsbürger wurde Von Alisa Pflug, Hamburger Morgenpost, 24. Juli 2018.
  5. Irre geworden. In: Der Spiegel. Nr. 52, 1967 (online).
  6. Archivlink (Memento des Originals vom 24. November 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.reich4.de
  7. Jahrbuch Extremismus & Demokratie. Band 22, Bouvier Verlag 2010, S. 247.
  8. Horst Mahler, Günter Maschke, Reinhold Oberlercher: „Kanonische Erklärung zur Bewegung von 1968“. In: Staatsbriefe. 1/1999, S. 16; Das Zitat wurde in mindestens drei Sekundärquellen veröffentlicht, hier Klaus Biesenbach: Zur Vorstellung des Terrors. Band 2 von Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung. Steidl Verlag 2005, S. 135.
  9. Reichsbürger: Die unterschätzte Gefahr Andreas Speit Ch. Links Verlag, 04.10.2017 - 215 Seiten
  10. Fabian Virchow: Gegen den Zivilismus. Internationale Beziehungen und Militär in den politischen Konzeptionen der extremen Rechten. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, S. 173
  11. Siehe Weblink Klaus Parker.
  12. Landesamt für Verfassungsschutz Hamburg S. 194.
  13. Landesamt Verfassungsschutz Brandenburg 12. April 2012
  14. Reichsbürger, Die. In: politische-bildung-brandenburg.de. Abgerufen am 8. Januar 2017.

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