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Klaus Kufner

Von alten Herren & brauner Gülle

Also sprach Günther Nenning am Rand einer denkwürdigen Club 2-Ersatzdiskussion auf dem Bodenseeschiff „Vorarlberg“ über Rechtspopulismus am 24. März 1988.

Von rinks nach lechts spazierte Nenning am Ende seines publizistischen Lebens. Als der ORF sich weigerte, auf Vorschlag von Nenning den umstrittenen Franz Xaver Schönhuber in die Talkrunde Club-2 einzuladen, und statt dessen beide, Nenning und Schönhuber, aus der TV-Show auslud, um über die neu entstandenen rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen in Europa ohne die zwei „Brumm-Promis“ zu diskutieren, beauftragte Nenning mich, einen „Ersatz Club-2“ zu organisieren. War es damals noch ein Tabu, Fans der Waffen-SS im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Plattform zur Verbreitung ihrer braunen Gülle zu bieten, so brach dagegen Nenning dieses richtige Tabu und betätigte sich ähnlich wie Jörg Haider als „Eisbrecher“ für die Neue Rechte. Unter der Moderation von Nenning diskutierten Rechtsaußen Franz Schönhuber, der Sozialdemokrat Peter Glotz, der echte Liberale von altem Schrot und Korn Gerhart Baum, Hubert Kleinert von den Grünen und Rechtsabbieger Heinrich Lummer von der CDU am 24. März 1988 auf dem Bodenseeschiff „Vorarlberg“. Aufgezeichnet und ausgestrahlt wurde die Sendung von SPIEGEL-TV, damals noch unter der Leitung von Stefan Aust. Die SPIEGEL-TV Produzentin Ute Zilberkweit und ich bildeten das Organisationsteam und taten uns beide schwer, mit einer so eindeutig „illustren“ Gästerunde zu diesem Thema die Vorbereitungen zu treffen. Am Tag vor der Sendung, als wir alle beim gemeinsamen Redaktionsfrühstück beisammen saßen, sagte Nenning: „Nation ist gut, Sozialismus ist gut. Warum soll denn dann Nationalsozialismus schlecht sein?“ Sprachlosigkeit, Entsetzen und Schock war die erste Reaktion. Eigentlich hätte ich sofort meine Arbeit bei Nenning hinschmeißen sollen. Ich tat es dennoch nicht, um statt dessen meine Vereinbarungen mit Stefan Aust und Ute Zilberkweit einzuhalten.

Diese Anekdote sei deswegen erzählt, weil sie sehr gut zeigt wie Jungjournalisten in die ideologische Falle laufen können, geblendet von der Prominenz des Lehrmeisters und dem achso-gut aufregenden Medienrummel. Kommt man ja über einen Prominenten wie Nenning oder Broder an andere Prominente heran, wird, wenn man dem Lehrmeister sympathisch ist, auch herumgereicht und er betätigt sich auch als Türöffner für die hoffnungsvolle Jungjournalistenkarriere.

Es war meine letzter Job, den ich für Günther Nenning erledigte – zurück in Wien marschierte ich nur wenige Meter von Nennings Redaktionsstuben über den Flur zur Redaktionsstube der Zeitschrift FORVM, die Gerhard Oberschlick herausgab, die beide in der Museumstrasse in Wien untergebracht waren, und brachte meine zuvor mit Altkanzler Bruno Kreisky und Peter Handke gemachten Interviews mit.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juli
2001
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