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Georg Tidl

Frieden Freiheit Frauenrechte!

Leben und Werk der österreichischen Schriftstellerin Marie Tidl 1916–1995
  • Widerstandskampf in Österreich
  • Studieren im Gefängnis
  • Seiner Sache treu bleiben
  • Nachkriegsgeschichte
  • Geschichte und Subjekt
Meine Gedichte sollen sein
der Stein,
der durch die Scheibe fällt,
die meine Welt
von eurer trennt.
Marie Tidl

Lernen und Studieren war in den Gefängnissen und Lagern des Nationalsozialismus auch eine Überlebensstrategie. In der Haft die eigene Dissertation zu verfassen, blieb Marie Tidl vorbehalten. Eine sensationelle Leistung, die sie mithilfe ihrer Mutter vollbrachte, die an ihrer Stelle die Vorlesungen besuchte und ihr die Bücher aus den Bibliotheken ins Gefängnis brachte.

Wien: Verlag der Theodor Kramer Gesellschaft 2018.
Broschiert, 276 S, Euro 24,– ISBN 978-3-901602-74-0

Georg Tidl zeichnet die Lebensgeschichte einer mutigen, begabten, konsequenten Frau nach, die seine Mutter war und in ihren Schriften, Prosaarbeiten, Gedichten nie augehört hat, gegen die Überwältigung durch das Unmenschliche anzukämpfen. Marie Tidl liebte die einfachen Menschen, die kleinen Leute. Sie lebte, um fortzusetzen, was unvergessene Opfer des Widerstands begonnen hatten.

Marie Tidl (1916 – 1995). ’Wo es Stärkere gibt, immer auf der Seite der Schwächeren!’ Als junges Mädchen hat sie diese Worte in der sozialdemokratischen Arbeiter-Zeitung gelesen. Sie haben sie ihr ganzes Leben begleitet, und ihr Denken, ihr Handeln, ihre Arbeit bestimmt. Enttäuscht von der sozialdemokratischen Führung und ihrer Politik während der Ereignisse 1927, 1933 und 1934 schließt sie sich den Kommunisten an und in der Folge dem antifaschistischen Widerstand. Im November 1938 wird sie mit anderen Mitgliedern des Geeinten Roten Studenten-Verbandes verhaftet. Sie nützt die Zeit in der Haft und schreibt im Gefängnis ihre Dissertation zu Ende, die noch während der Untersuchungshaft im April 1940 approbiert wird. Nach ihrem Freispruch – aus Mangel an Beweisen - beendet sie im Juli 1942 ihr Studium an der Wiener Universität. Eine Einweisung ins Konzentrationslager konnte sie trotz bereits erlassenem Schutzhaftbefehl mit Hilfe ihres Anwalts erfolgreich bekämpfen. Nach 1945 schließt sie sich wieder den Kommunisten an, wird 1972 aller ihrer politischen Leitungsfunktionen enthoben, bleibt aber der Partei treu.

In erster Linie war Marie Tidl Lehrerin, in der ursprünglichsten Bedeutung, als Mittlerin von Wissen und Können, als Pädagogin, als Lebensbegleiterin. 32 Jahre lang unterrichtete sie an zwei Wiener Mittelschulen.

Schon in Jugendjahren hat sie begonnen, Literatur und Gedichte zu schreiben. Fast alles bis 1945 Geschriebene wurde vernichtet, aus Angst, es könnte als belastendes Material in die Hände der Gestapo fallen. Der Rest verbrannte in ihrer ausgebombten Wohnung. Die meisten nach 1945 verfassten Text und Gedichte veröffentlichte sie unter Pseudonym, denn die Jahre des Kalten Krieges waren auch für Österreichische KommunistInnen keine gute Zeit. Erst zwanzig Jahre nach ihrem Tod gelingt es nun, einen Teil ihrer Arbeiten unter ihrem richtigen Namen der Öffentlichkeit zugängig zu machen.

Georg Tidl. 1948 als Sohn von Marie und Johann Tidl in Wien geboren, arbeitete nach dem Studium als Historiker, Journalist und Autor unterschiedlichster literarischer Werke. Seine frühen Recherchen zur Dr. Kurt Waldheims Kriegsbiographie schon im April 1984 und damit lange vor der Wahl, gelten als Initialzündung einer innenpolitischen Entwicklung Österreichs, die versucht hat, das nationalsozialistische Erbe aufzuarbeiten und endgültig zu beseitigen. Georg Tidl bewahrt seit dem Tod seiner Mutter ihr Archiv. Vor drei Jahren hat er begonnen zu sichten und den Nachlass aufzuarbeiten. Der vorliegende Band enthält nur einen Teil des umfangreichen Werkes seiner Mutter.

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Georg Tidl bei Wikipedia

Georg Tidl (geboren am 19. Juli 1948 in Wien) ist ein österreichischer Journalist, Historiker, Gewerkschafter, sozialdemokratischer Lokalpolitiker, Volksbildner, Autor historischer Sachbücher und Literat. Er ist der Sohn der Mittelschulprofessorin und Autorin Marie Tidl und des Agraringenieurs Johann Tidl, zweier Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Tidl hat zwei Kinder, ihre Mutter ist die niedergelassene Gynäkologin und mehrfache Staatsmeisterin in Tischtennis Gabriela Smekal.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Mittelschule und mehreren Studien konzentrierte er sich auf die wissenschaftliche Ausbildung zum Historiker, Fachgebiet Zeitgeschichte. Er promovierte am 31. Jänner 1974 bei Ludwig Jedlicka am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien mit dem Thema: Die sozialistischen Mittelschüler Österreichs 1918–1938. Nach einigen wissenschaftlichen Arbeiten im Rahmen des Instituts für Zeitgeschichte wechselte Georg Tidl in die Fernseh-Hauptabteilung Wissenschaft im Österreichischen Rundfunk, wo er in den frühen 1980er Jahren in die Innenpolitik wechselte.

Nach der Kandidatur von Dr. Kurt Waldheim für das Amt des Bundespräsidenten recherchierte Georg Tidl auftragsgemäß ab Frühjahr 1985 dessen Biographie. Bei Waldheims Kriegsjahren stieß er auf Ungereimtheiten in dessen eigenen biografischen Angaben. So konnte Tidl gleich zu Beginn des Präsidentschafts-Wahlkampfes nachweisen, dass Waldheim 1941 in den ukrainischen Pripjetsümpfen zumindest einmal unter SS-Kommando gekämpft hatte. SS und Wehrmacht erkämpften damals ein kleines Dorf, das aber von strategischer Bedeutung war.[1] Als Folge dieser Recherche wurde Georg Tidl aus der Innenpolitik ins Archiv versetzt und durfte von da an für keine politische Redaktion mehr arbeiten.

Bis zu seiner Pensionierung bekleidete er mehrere Funktionen in verschiedenen ORF Redaktionen. Die letzten zehn Jahre war er Chefredakteur von Heimspiel, der Programmzeitung des ORF Radiokulturhauses im Wiener Funkhauses und Leiter des Radiomuseums des ORF mit seiner stationären Ausstellung im Funkhaus, einem gutsortierten Depot und Wanderausstellungen vor allem in Wien und in den östlichen Bundesländern.

Daneben veröffentlichte und produzierte Tidl zahlreiche Arbeiten zu historischen Themen, Fernsehdokumentationen und Features im Bereich Zeitgeschichte, historische, politische und literarische Beiträge auch in Zeitschriften wie dem FORVM, gestaltete Ausstellungen, betreute den Nachlass von Alfons Petzold sowie die Eingliederung des Arbeiterdichter-Nachlasses in die Bestände in die Österreichische Nationalbibliothek und trat mit Veröffentlichungen zur lokalen Geschichte des Wiener Bezirkes Meidling hervor, aber auch mit Ausflügen ins Theater und ins Kabarett:

  • Arthur Schnitzler und sein Reigen (Dramaturgie, 1987, Wiener Volksoper)
  • Mozart Mechanic Musical (Text und Dramaturgie, 1988, Theater beim Auersperg, Wien)
  • Zwischenzeit (Text, Dramaturgie, Regie, 1990, Spektakel, Wien)

Ab seinem Eintritt in den ORF engagierte sich Georg Tidl auch im Rahmen des ÖGB, dem er in mehreren Funktionen diente; zuletzt als Bundesvorsitzender des Fachgruppe MultiMedia und Informationsdienstleistungen in der Kommunikationsgewerkschaft GPF. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben wurde er von dieser Fachgruppe zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Mehrmals kandidierte Georg Tidl im ORF erfolgreich als Betriebsrat mit einer eigenen Namensliste. Sein Engagement im ÖGB veranlasste Funktionäre der Wiener SPÖ Georg Tidl an wählbarer Stelle auf die Kandidatenliste seines Wohnbezirkes Meidling zu stellen. Von März 2001 bis 2010 war Georg Tidl als Bezirksrat in der Kulturkommission in Meidling tätig. Tidl lebt und arbeitet in Wien und seit 2012 auch wieder in Spittal an der Drau.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berufstitel Professor, verliehen durch den Österreichischen Bundespräsidenten am 4. März 2009.
  • Silbernes Verdienstzeichen des Landes Wien am 17. Jänner 2012.
  • Ehrenvorsitzender der Bundesfachgruppe Multimedia und Informationsdienstleistungen der Kommunikationsgewerkschaft GPF im ÖGB. Ernennung im März 2013 in Anerkennung des langjährigen gewerkschaftlichen Einsatzes.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Georg Tidl, Waldheim (siehe Werke), S. 9 ff. und besonders S. 24 ff.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
September
2018
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