Zeitschriften » FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1971 » No. 211
Hans G. Helms

Der wunderliche Kracauer

Zu seinen Schriften

Seit einiger Zeit hat sich in Deutschland, vor allem in Berlin, eine junge radikale Intelligenz entwickelt, die in Zeitschriften und Büchern ziemlich heftig und gleichförmig gegen den Kapitalismus auftritt. Sie scheint auf den oberflächlichen Blick hin ein ernster Gegenspieler aller der Mächte zu sein, die nicht gleich ihr unmittelbar eine vernünftige menschliche Ordnung erstreben. Mag ihr Protest indessen auch echt gemeint und oft fruchtbar sein, sie macht es sich mit dem Protest zu leicht. Denn sie entzündet sich gewöhnlich nur an den extremen Fällen: dem Krieg, den krassen Fehlurteilen der Justiz, den Maiunruhen usw., ohne das normale Dasein in seiner unmerklichen Schrecklichkeit zu ermessen. Nicht die Konstruktion dieses Daseins selber, sondern einzig und allein einige seiner weithin sichtbaren Ausstrahlungen treiben sie zur Gebärde der Rebellion. (...) Der Radikalismus dieser Radikalen hätte mehr Gewicht, durchdränge er wirklich die Struktur der Realität, statt von der Beletage herab seine Verfügungen zu treffen. Wie soll der Alltag sich wandeln, wenn auch die ihn unbeachtet lassen, die dazu berufen wären, ihn aufzurühren? [1]

„Krieg“ und „Maiunruhen“, das Wort von der „Gebärde der Rebellion“, Termini und treffsicheres Urteil scheinen glauben machen zu wollen, es handle sich um einen Situationsbericht von 1968 oder 1969. Doch Siegfried Kracauer, der Verfasser, war, als eine Situation eintrat, die der beschriebenen aufs Verblüffendste ähnelte, bereits tot: er starb im Spätherbst 1966 im New Yorker Exil. Ob er dort, beschäftigt mit filmtheoretischen und historischen Studien, es für möglich gehalten hätte, daß die Entwicklung neuerlich eine Situation herbeiführe, wie er sie aus aktuellem Anlaß 1929 diagnostiziert hatte, ist wenig wahrscheinlich. Auf eine 1964 veröffentlichte Rezension seines Prosawerks „Ginster“, in welcher dessen Aktualität herausgearbeitet worden war, [2] bekannte Kracauer nicht nur seine Freude darüber, „daß in Ihrer Darstellung das „einst Geschriebene so erscheint, als sei es fürs Heute geschrieben“; er gestand auch ein, die „Analyse meines Romans hat mir Hintergründe aufgedeckt, deren ich mir selber bei seiner Abfassung, und wohl auch später, nicht bewußt war.“ [3]

In einem 1964 geschriebenen, unter dem verwunderlichen Titel „Ein wunderlicher Realist“ publizierten Essay zu Kracauers 70. Geburtstag hat Theodor W. Adorno diesem, den er als seinen ersten Lehrer würdigt, impliziert vorgeworfen, Kracauer hätte sich im Exil dem amerikanischen „Konformismus“ gebeugt. [4] Nach Adorno müßte man annehmen, das, was er „Konformismus“ nennt, hätte gewissermaßen rückgängig gemacht werden können, wenn auch Kracauer nach 1945 in die Bundesrepublik zurückgeholt worden wäre. „Was ein Mann wie Kracauer an maßgeblicher Stelle, etwa als Kulturpolitiker einer großen Zeitung, Gutes hätte tun können, läßt sich nicht überschätzen“. [5] Das ist, gerade von Adorno geäußert, eine verdrießliche Auskunft; denn man kann nicht umhin zu fragen, warum das von Horkheimer und Adorno geleitete Frankfurter Institut für Sozialforschung ihn nicht berufen hat. Dort hätte er doch wohl, wie die eingangs zitierte Passage zeigt, noch weit mehr „Gutes tun können“, nämlich vor der Wirklichkeitsfremdheit der „Kritischen Theorie“ warnen und sie auf den Boden der sozialen Realität bringen können.

Eine andere Stelle in Adornos Essay deutet auf einige der Widerstände hin, die nicht nur Kracauers Rückkehr in die BRD, sondern auch die hiesige Einsicht in die aktuelle Bedeutung seiner Schriften verhindert: haben. „Mit einer Hegelschen Wendung“, heißt es bei Adorno, „wäre (...) wohl gegen ihn einzuwenden, es ermangele ihm, bei aller Aufgeschlossenheit und gerade um deren Hartnäckigkeit willen, an Freiheit zum Objekt. In dem Blick, der an die Sache sich festsaugt, ist bei Kracauer, anstelle der Theorie, immer schon er selber da. Das Ausdrucksmoment gewinnt Übergewicht über die Sache, der die Erfahrung gilt“. [6] Daß Adorno der Tragfähigkeit seines Einwands, Kracauer verhalte sich der sozialen Faktizität gegenüber zu individualistisch, nicht recht traut, besagt diese andere ambivalente Formulierung: „Je blinder (Kracauer) an die Stoffe sich verlor, welche seine Erfahrung ihm zutrug, desto fruchtbarer das Ergebnis“. [7]

Die Ursache der Irritation, die Kracauers Schriften auslösen, wo immer sie zur Kenntnis genommen werden, hat Bloch in einem Kracauer gewidmeten Abschnitt in „Erbschaft dieser Zeit“ bezeichnet. In dem 1929 entstandenen Text, von dem er in der erweiterten Neuausgabe von 1962 kein Wort widerruft, sagt Bloch über Kracauers Methode: „Der Anfang ist mehrere Schritte vor den üblichen wissenschaftlichen gelegt, kommt dadurch, im ganzen Lauf, ebensoviel über das theoretische Ende hinaus, nämlich tendenziös. Hier wird die wirkliche Lage der Angestellten auf den Kopf getroffen oder vielmehr auf das falsche Bewußtsein, das sie von sich hat. Die Masken, welche sich die Angestellten aufsetzen oder aufsetzen lassen, werden gezeigt und als solche erkannt“. [8] Die von Kracauers Schriften verursachte Irritation läßt sich so zusammenfassen: hier ist ein bürgerlicher Intellektueller, der, seiner eigenen bürgerlichen Lage bewußt, sich dennoch für die Arbeiterklasse engagiert. „Nur mit der Masse selber kann eine Gerechtigkeit nach oben steigen, die wirklich gerecht ist“. [9] Aber Kracauer engagiert sich für die Arbeiterklasse als Bourgeois. [9a] Er täuscht nicht Marxismus vor, mit dem er theoretisch zwar vertraut gewesen, der ihm aber subjektiv stets ein wenig fremd geblieben ist. Freilich überantwortet er sich auch keinen Illusionen hinsichtlich dessen, was er als proletarisch engagierter Bourgeois vermag und was die bürgerliche Gesellschaft von ihm als Gegenleistung für die ihm zuteil gewordenen bürgerlichen Bildungsprivilegien erwartet. Seine subjektive Situation darin einschließend, sagt er: „Indem aber die Gesellschaft hauptsächlich Bürgerliche privilegiert, die von Haus aus wissen, was sich gehört, zieht sie sich in den Betrieben eine Art von Leibgarde heran. Diese ist um so zuverlässiger, als sie in Gestalt von Zeugnissen und Diplomen schmucke Waffen in die Hand erhält, mit denen sich Staat und Kapital machen läßt“. [10] Das will strikt beim Wort genommen werden, zumal Kracauer die Bildungsbetriebe, die „Bibliotheken, Universitäten usw.“, nicht ausklammert, „in denen man Intellektuelle zur Reife bringt, die durch ihre spätere Tätigkeit das vorgestreckte Kapital mit Zinseszinsen wieder zurückzahlen“. [11] Und dabei ist es zunächst von sekundärer Bedeutung, ob diese bürgerlich Privilegierten sich um die Steigerung des Mehrwerts als Techniker, Manager oder Naturwissenschaftler direkt verdient machen oder in dienstleistenden Funktionen als „konzeptive Ideologen“ [12] zur Realisierung des Mehrwerts ideologisch absichernd beitragen. [13]

In seinem letzten, unvollendet gebliebenen Werk über „Geschichte“ — in Kooperation mit der Oxford University Press hat seine Frau Lili Kracauer es posthum herausgegeben — charakterisiert er Marxens Unterbau-Überbau-Theorie als eine „historische Idee“ von „anhaltender Bedeutung“, deren „Wahrheit“ überhaupt nicht mehr diskutiert zu werden braucht. Zugleich aber artikuliert er eine tiefe Skepsis gegenüber der Wirksamkeit von historischen Ideen und Theorien. Seine Skepsis gilt wohlgemerkt nicht ihrem jeweiligen Wahrheitsgehalt, sondern der Gefahr ihrer Verselbständigung von der sie konstituierenden Realität und ihrer Verabsolutierung zu einem ideologischen Fetisch. [14] Diese Skepsis nährt sich, wie eine Stelle von 1929 zeigt, aus Kracauers Einsicht in die wirkliche soziale Lage der konzeptiven Ideologen und ihr falsches Bewußtsein von dieser Lage. „Auf das Monatsgehalt, die sogenannte Kopfarbeit und einige andere ähnlich belanglose Merkmale gründen in der Tat gegenwärtig große Teile der Bevölkerung ihre bürgerliche Existenz, die gar nicht mehr bürgerlich ist; durchaus im Einklang mit der von Marx ausgesprochenen Erfahrung, daß der Überbau sich nur langsam der von den Produktivkräften heraufbeschworenen Entwicklung des Unterbaus anpasse. Die Stellung dieser Schichten im Wirtschaftsprozeß hat sich gewandelt, ihre mittelständische Lebensauffassung ist geblieben. Sie nähren ein falsches Bewußtsein. Sie möchten Unterschiede bewahren, deren Anerkennung ihre Situation verdunkelt; sie frönen einem Individualismus, der dann allein sanktioniert wäre, wenn sie ihr Geschick noch als einzelne gestalten könnten.“ [15]

Diese Passage will besonders sorgfältig bedacht sein. Nicht nur erklärt sie die Tendenz der heutigen linken Intelligenz zu individualistisch-anarchistischen Vorstellungen und hält ihr implizit die unnachsichtige Forderung entgegen, die eigene soziale Lage als analog der des traditionellen Proletariats zu erkennen. [15a] Sie weist auch auf eine konstruktive Möglichkeit zu politischem Engagement der aus der Bourgeoisie abgerutschten, aber noch bildungsprivilegierten Produktivkräfte hin: nämlich mit der ihnen verbliebenen Produktivkraft Erfahrung Ernst zu machen. Es ist bezeichnend für Kracauer und richtig für eine Bildungsbürgerschaft, deren Klassenlage ungewiß zwischen Proletariat und Bourgeoisie hin- und herpendelt, nicht auf Marxens Theorien als verabsolutiertes gesellschaftliches Vademecum zurückzugreifen, sondern aus den „Erfahrungen“ von Marx und Engels die Voraussetzungen einer realistischen politischen Haltung zu lernen, genau in dem Sinn, den Engels meinte, als er an Werner Sombart, einen typischen Vertreter des in seinem Bewußtsein falsch orientierten Bildungsbürgertums, in einem Brief schrieb: „Die ganze Auffassungsweise von Marx ist nicht eine Doktrin, sondern eine Methode. Sie gibt keine fertigen Dogmen, sondern Anhaltspunkte zu weiterer Untersuchung und die Methode für diese Untersuchung“ [16] Die marxistische Methode beruht auf praktischer und theoretischer Erfahrung. Dialektik bei Marx meint, beide Erfahrungsbereiche einander durchdringen zu lassen.

Kracauer ist, wie gesagt, kein Marxist gewesen. Über die Grenzen seiner subjektiven Erfahrung hinauszugehen, hat er sich verboten, und seine subjektiven Erfahrungen sind die eines Bürgers gewesen, der sich in die ihm fremde Welt des Proletariats und Stehkragenproletariats vorgewagt hat. Kracauer hat daraus kein Hehl gemacht. Im Gegenteil hat er sich, zumal seit seiner erzwungenen Emigration, bewußt nur mit der Außenseite dieser fremden Welt beschäftigt, so wie er sie erfahren hat. Seine umfangreichen Arbeiten über den Film geben davon Zeugnis. Im Vorwort zu seiner „Theorie des Films“ konstatiert er, „daß Filme sich an die Oberfläche der Dinge klammern. Sie scheinen um so filmischer zu sein, je weniger sie sich direkt auf inwendiges Leben, Ideologien und geistige Belange richten. Das erklärt, warum so viele kultureifrige Leute das Kino verschmähen. Sie befürchten, daß seine unleugbare Vorliebe fürs Äußerliche uns dazu verleiten könnte, unsere höheren Aspirationen über den kaleidoskopartigen Bildern vergänglicher Erscheinungen zu vernachlässigen“. [17]

Adorno hat sich durch Kracauers freiwillige Beschränkungen auf das ihm als Subjekt wirklich Erfahrbare zu der ebenso subjektivistischen wie falschen Be- und gewissermaßen Verurteilung verführen lassen; sie läßt freilich recht genau durchscheinen, woran es bei der „kritischen Theorie“ vor allem gemangelt hat. „Die Fixierung an die Kindheit, als eine ans Spiel, hat bei (Kracauer) die Gestalt von einer an die Gutartigkeit der Dinge; vermutlich ist der Vorrang des Optischen bei ihm gar nicht das Erste, sondern die Folge dieses Verhältnisses zur Dingwelt. Im Motivschatz seiner Gedanken dürfte man Aufbegehren wider die Verdinglichung vergebens suchen. Einem Bewußtsein, das argwöhnt, es sei von den Menschen verlassen, sind die Dinge das Bessere“. [18]

Adornos Verdikt läßt sich durch beliebige Zitate leicht widerlegen. In „Ginster“ heißt es zum Beispiel: „Bei Anbruch der Dunkelheit langt Ginster auf einem Sternplatz an. Rundherum entfernen sich Straßen in gerader Richtung, die wieder in Sternplätze münden. Sternplätze sind dazu geschaffen, um Versammlungen in die Flucht zu jagen“. [19] Der Kontext des Romans läßt keinen Zweifel daran, wer wem hier eine städtebauliche Falle gestellt hat, nämlich die Bourgeoisie dem Proletariat. Kracauers „Dinge“ sind weder „gutartig“ noch böse, sie sind vorhanden und von einer Beschaffenheit, die die herrschende Klasse so und so angelegt hat.

An einer anderen Stelle in „Ginster“ heißt es: „Eine Arbeitersiedlung mußte Ginster entwerfen. (...) Stadtbaurat Schmidt hatte gemeint, daß sie aus einer Masse kleiner Einzelhäuser mit Gärtchen und gemütlichen Dächern bestehen solle. (...) Ginster wunderte sich über die beabsichtigte Niedlichkeit um so mehr, als der Stadtbaurat ihm gegenüber die Arbeiter einmal als Gesindel bezeichnet hatte. Erst wurden sie erschossen und dann in die Gärtchen verpflanzt — er begriff den Zusammenhang nicht, es sei denn, daß Schmidt das Gedeihen der Arbeiter wünschte, damit sie im folgenden Krieg wieder frisch verwandt werden konnten. Widerstrebend zeichnete er luftige Räume, in denen das Gesindel sich später wahrscheinlich so glücklich fühlte, daß es sie von neuem mit dem Karabiner verteidigte. Freilich konnte man die Arbeiter auch nicht in Löcher unterbringen, aber richtig wäre es gewesen, statt der bunten Glaskugeln Grabsteine im Garten aufzustellen“. [20]

In dieser für seine Denkungsweise exemplarischen Passage verdeutlicht Kracauer einige der zentralen Widersprüche des kapitalistischen Systems, ohne sie explizit zu benennen. Einerseits verlangt das System, das Proletariat maximal — bis zum Heldentod an der Arbeitsfront oder im Krieg — zu exploitieren, aber im Interesse der Profitmaximierung ist es andererseits unerläßlich, die Arbeitskraft auf dem Existenzminimum zu erhalten. Die Dialektik von materieller und gesellschaftlicher Veredelung des Proletariats fordert, Klassenbewußtsein und Solidarität der Arbeiter durch ihre Unterbringung in einer „Masse kleiner Einzelhäuser“ zu atomisieren, so daß „das Gesindel sich später wahrscheinlich so glücklich fühlt, daß es sie“ — die „luftigen Räume“ und die Gärtchen mit den „bunten Glaskugeln“ — „von neuem mit dem Karabiner verteidigt“. Nicht zuletzt peinigt Kracauer die, wenn auch „widerstrebende“ Komplizenschaft zwischen Bourgeoisie und bildungsprivilegierter Intelligenz bei der gemeinsam betriebenen Zersetzung des proletarischen Klassenbewußtseins, bei der Zersplitterung des Klassenkollektivs in voneinander isolierte Einzelne; betrieben vor allem von einer Intelligenz, die heute, nachdem sie den von Kracauer beschriebenen Zustand herbeigeführt hat und in ihm selber zerrieben wird, noch die Frechheit besitzt, die Arbeiterklasse aufzufordern, in die „Löcher“ des alten Berliner Weddings als in das ihr angemessene „revolutionäre Milieu“ sich freiwillig zurückzubegeben, damit sie der Intelligenz ihre weltrevolutionären“ Kastanien aus dem Feuer hole. [21]

Ist es nach alledem verwunderlich, daß ein Autor, der solche Perspektiven aufzeigt, in der gegenwärtigen Bundesrepublik Deutschland nicht gerade enthusiastisch begrüßt worden ist? Daß er nicht, wie Adorno oder Marcuse, zu einem Herold des antiautoritären Linksradikalismus hat avancieren können? Freilich hätte sich Kracauer dazu nur schwer mißbrauchen lassen. Er hat keine schön abgerundete Theorie hinterlassen; er hat seine Erfahrungen zu Widerhaken gekrümmt, an denen abstrakte Revolutionstheorien sich nicht hastig hätten vorbeimogeln können, hin zu einem irrationalen Aktionismus ohne Basis in der wirklichen Beschaffenheit der kapitalistischen Gesellschaft, worauf Kracauer — in stillschweigendem Einvernehmen mit Marx und Engels und gegen den heutzutage üblichen korrupten Vulgärmarxismus — ein erkenntnisreiches Leben lang insistiert hat.

[1Siegfried Kracauer: Die Angestellten. Eine Schrift vom Ende der Weimarer Republik. (1929). Geleitwort Everett C. Hughes, Einführung E. P. Neumann, (Allensbach und Bonn), Verlag für Demoskopie, (1959), p. 103.

[2Hans G. Helms: Rezension von Kracauers Ginster. Sendung des Süddeutschen Rundfunks im Februar 1964. Gedruckt als: Ginster. Eine Erinnerung an Siegfried Kracauer. In: akut. Das Nachrichtenblatt der Bonner Studentenschaft. 19. Jg., Nr. 31. Bonn, Februar 1967, pp. 20-21.

[3Kracauer an Helms, Brief vom 25. Januar 1964. Die in Fußnote 2 genannte Rezension ist bereits im Dezember 1963 geschrieben und eine Kopie an Kracauer geschickt worden.

[4Theodor W. Adorno: Der wunderliche Realist. Über Siegfried Kracauer. In Adorno: Noten zur Literatur III. (Frankfurt am Main), Suhrkamp, (1965), p. 103. Cf. item Theodor W. Adorno: Siegfried Kracauer tot. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Dezember 1966.

[5L. c., p. 104.

[6L. c.,p. 9.

[7L. c., p. 9.

[8Ernst Bloch: Erbschaft dieser Zeit. Zürich, Oprecht & Helbling, 1935, p. 25; in der Erweiteren Ausgabe, (Frankfurt am Main), Suhrkamp, (1962), p. 33.

[9Siegfried Kracauer: Über Arbeitsnachweise. (1930). In S. Kracauer: Straßen in Berlin und anderswo. edition suhrkamp 72 (Frankfurt am Main), Suhrkamp, (1964), p. 76.

[9aDaß Kracauer offenbar nicht nur mit der theoretischen Möglichkeit eines politischen Engagements auf Seiten des organisierten Proletariats gespielt hat, scheint sein unveröffentlichter Roman Georg zu beweisen. Cf. Hans G. Helms: Georg. Ein unveröffentlichter Roman aus dem Nachlaß Siegfried Kracauers. Sendung des WDR. Köln 1970. Sendemanuskript. 55 pp.

[10Kracauer, Die Angestellten, p. 12.

[11Siegfried Kracauer: Das Ornament der Masse. (1927). In S. Kracauer: Das Ornament der Masse. Essays. (Frankfurt am Main), Suhrkamp, (1963), p. 53.

[12Karl Marx, Friedrich Engels: Die deutsche Ideologie. Marx/Engels: Werke, Band 3. Berlin, Dietz, 1958, P. 468.

[13Cf. Hans G. Helms: Fetisch Revolution. Marxismus und Bundesrepublik. Soziologische Essays. (Neuwied und Berlin), Luchterhand, (1969), passim.

[14Siegfried Kracauer: History. The Last Things Before the Last. (Ed. by Lili Kracauer). New York, Oxford University Press, 1969, p. 101 ss. et al.

[15Kracauer, Die Angestellten, p. 75 s. Aufmerksamkeit verdient in diesem Kontext die Bedeutung, die Kracauer dem „Gedächtnis“ im Sinne Prousts als einer noch funktionsfähigen Kategorie des gesellschaftlichen Geists beimißt. Cf. seine diesbezüglichen Hinweise auf Proust vor allem in: History, passim.

[15aDiese Erkenntnis und die aus ihnen zu ziehenden Konsequenzen sind in Georg besonders stringent formuliert. Cf. Helms, Georg, Sendemanuskript, passim.

[16Engels an Werner Sombart, Brief vom 11. März 1895. Marx/Engels: Werke, Band 39. Berlin, Dietz, 1968, p. 428.

[17Siegfried Kracauer: Theorie des Films, Die Errettung der äußeren Wirklichkeit.
(Frankfurt am Main), Suhrkamp, (1964), p. 13. — Ähnlich heißt es schon 1927 in „Ornament der Masse“, l. c., p. 54: „Die Gebildeten, die nicht alle werden, haben den Einzug der Tillergirls und der Stadionbilder übel vermerkt. Was die Menge unterhält, richten sie als Zerstreuung der Menge. Entgegen ihrer Meinung ist das ästhetische Wohlgefallen an den ornamentalen Massenbewegungen legitim. Sie in der Tat gehören zu den vereinzelten Gestaltungen der Zeit, die einem vorgegebenen Material die Form verleihen. Die in ihnen gegliederte Masse ist aus den Büros und Fabriken geholt; das Formprinzip, nach dem sie gemodelt wird, bestimmt sie auch in der Realität. Wenn große Wirklichkeitsgehalte aus der Sichtbarkeit unserer Welt abgezogen sind, so muß die Kunst mit den übrig gebliebenen Beständen wirtschaften, denn eine ästhetische Darstellung ist um so realer, je weniger sie der Realität außerhalb der ästhetischen Sphäre enträt.“ Zum Vergleich lese man die von Kracauers Reflexionen nicht unwesentlich beeinflußten späteren Arbeiten Benjamins. Cf. Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie. edition suhrkamp 28. (Frankfurt am Main), Suhrkamp, (1963), insbesondere den Titelaufsatz und die Kleine Geschichte der Photographie.

[18Adorno, op. cit., p. 107 s.

[19Siegfried Kracauer: Ginster. (1928). (Frankfurt am Main), Suhrkamp, (1963), p. 25.

[20L.c., p. 234 s. — Cf. Fußnote 72.

[21Cf. Helms, Fetisch Revolution, Titelaufsatz, Abschnitt VI, pp. 122—151.

(Wird fortgesetzt)

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juni
1971
No. 211, Seite 27
Autor/inn/en:

Hans G. Helms:

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