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Hermann Glaser

Jahrgang 1928, Dr. phil., Germanist, Kulturstadtrat von Nürnberg (SPD), Autor zahlreicher Bücher, u. a.: Spießerideologie (1964), Eros in der Politik (1967), Sigmund Freuds Zwanzigstes Jahrhundert (1976).

Beiträge

Hermann Glaser

Der erfolgreiche Sisyphos

Moral und Masche des Hans Magnus Enzensberger
No. 284/285
August
1977

Hermann Glaser

Deutschlands APO auf dem Sand

No. 195/I
März
1970

Hermann Glaser bei Wikipedia

Hermann Glaser (* 28. August 1928 in Nürnberg; † 18. Juni 2018[1]) war ein deutscher Kulturhistoriker und Publizist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glaser studierte in Erlangen und Bristol Germanistik, Anglistik, Geschichte und Philosophie. Er promovierte 1952 an der Universität Erlangen über Hamlet in der deutschen Literatur. Nach zehn Jahren als Gymnasiallehrer wechselte der erfolgreiche Autor 1964 als Schul- und Kulturdezernent von Nürnberg in ein politisches Amt. Er forderte ein „Bürgerrecht Kultur“ in der demokratischen Gesellschaft. Um den aus seiner Sicht gegängelten Jugendlichen mehr Freiraum zu geben, war er 1973 ein Mitbegründer des selbst verwalteten Nürnberger Jugendzentrums KOMM. Nach der Massenverhaftung von Nürnberg 1981 stand er den betroffenen 140 Jugendlichen bei. Die Aktion, an deren Auslösung Ministerpräsident Franz Josef Strauß selbst beteiligt war, sollte in Bayern die Staats- und Polizeimacht demonstrieren. Alle Verfahren wurden am Ende niedergeschlagen. (s. Literatur 1981)

Er war Vorsitzender des Deutschen Werkbunds und hatte Lehraufträge an der TU Berlin im Fachgebiet Kommunikationswissenschaft (Honorarprofessur) sowie im Fachbereich „Kultur und Management“ an der Dresden International University.

Glaser verfasste 1964 das Buch Spießer-Ideologie, das die Übereinstimmung deutscher Kultur lange zuvor (beginnend mit Goethes Epos Hermann und Dorothea) mit der im Nationalsozialismus hervorkehrte, eben als mittelmäßiges Spießertum, das sich zudem in der Bundesrepublik fortsetze. Später schrieb er unter anderem die Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland und die Kleine Kulturgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Er war Mitherausgeber einer deutschen Literaturgeschichte, Hörfunkautor, Essayist und Kolumnist sowie Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland. 15 Jahre lang leitete er den Kulturausschuss des Deutschen Städtetags.

Glaser starb im Juni 2018 im Alter von 89 Jahren.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Glaser, Harald Straube: Nationalsozialismus und Demokratie – Ein Arbeitsbuch zur staatsbürgerlichen Bildung. Bayer. Schulbuch-Verlag, München, 1961.
  • Hermann Glaser, Jakob Lehmann, Arno Lubos: Wege der deutschen Literatur. Ullstein Verlag, Frankfurt/M, 1961.
  • Hermann Glaser: Weltliteratur der Gegenwart – Dargestellt in Problemkreisen. Ullstein Verlag, Frankfurt/M, 1962.
  • Spießer-Ideologie. Von der Zerstörung des deutschen Geistes im 19. und 20. Jahrhundert und dem Aufstieg des Nationalsozialismus, (Rombach, Freiburg/Br. 1964, Fischer TB 1985) ISBN 3 596243513
  • Eros in der Politik – Eine sozialpathologische Untersuchung. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln, 1967.
  • Das öffentliche Deutsch. S. Fischer Verlag, Frankfurt/M, 1972; Reihe Fischer; 28, ISBN 3-10-025301-9.
  • Hermann Glaser, Axel Silenius (Hrsg.): Jugend im Dritten Reich. Tribüne-Verlag, Frankfurt/M, 1975.
  • Sigmund Freuds 20. Jahrhundert, Hanser, München 1976.
  • Kultur der Wilhelminischen Zeit
  • Industriekultur und Arbeitsleben
  • Das Verschwinden der Arbeit. Die Chancen der neuen Tätigkeitsgesellschaft
  • Das Dritte Reich – Wie es war und wie es dazu kam – Bericht und Dokumente. 5., überarb. und erg. Neuauflage, Freiburg im Breisgau, Basel, Wien: Herder 1979, 208 S., Herderbücherei, Band 744, Erste Auflage. 1961, Das Dritte Reich – Anspruch und Wirklichkeit (= Herderbücherei, 92). ISBN 3-451-07744-2.
  • Franken und der Nationalsozialismus – Fränkischer Nationalsozialismus. In: Der Nationalsozialismus in Franken. Ein Land unter der Last seiner Geschichte. Hrsg. Evangelische Akademie Tutzing, Tutzinger Studien, Texte und Dokumente zur politischen Bildung, Nr. 2/1979, Claudius-Verlag, München, S. 7–19.
  • Soviel Anfang war nie: deutscher Geist im 19. Jahrhundert, München und Wien, 1981, ISBN 978-3-446-13304-4
  • Hermann Glaser (Hrsg.): Die Nürnberger Massenverhaftung. Dokumente und Analysen. (Redaktion: Ingke Brodersen). Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1981, 314 S., ISBN 3-499-14854-4 (rororo 4854: rororo aktuell)
  • Die Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland (3 Bände). Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main, 1990, ISBN 3-596-10530-7 (Gesamtkassette)
    • Band 1: 1945–1948: Zwischen Kapitulation und Währungsreform
    • Band 2: 1949–1967: Zwischen Grundgesetz und Großer Koalition
    • Band 3: 1968–1989: Zwischen Protest und Anpassung
  • Bildungsbürgertum und Nationalismus. Politik und Kultur im Wilhelminischen Deutschland, dtv, München 1993 ISBN 3423045086
  • Deutsche Kultur: 1945–2000. – Aktualisierte Ausg. – Ullstein Verlag, Berlin 1999.
  • Hermann Glaser, Rainer Lindenmann, Max Ackermann (Hrsg.): Die Feuerbachs – Eine deutsche Familie im 19. Jahrhundert, mit CD. Schrenk Verlag, Gunzenhausen 2006, 144 S., ISBN 3-924270-46-5.
  • Hermann Glaser, Johann Schrenk: Jean Paul. Schrenk-Verlag, Gunzenhausen 2006, ISBN 3-924270-44-9.
  • Die 60er Jahre. Deutschland zwischen 1960 und 1970. Ellert und Richter, Hamburg 2007, ISBN 978-3-8319-0286-6.
  • Hermann Glaser, Rita Süssmuth: Bildung als globale Herausforderung. Zwei Statements – ein Gespräch. In: Robertson-von Trotha, Caroline Y. (Hrsg.): Kultur und Gerechtigkeit (= Kulturwissenschaft interdisziplinär/Interdisciplinary Studies on Culture and Society, Bd. 2), Baden-Baden 2007, ISBN 978-3-8329-2604-5.
  • Hermann Glaser: Georg Wilhelm Friedrich Hegel – Weltgeist in Franken, Schrenk-Verlag, Gunzenhausen 2008, ISBN 978-3-924270-53-7.
  • Hermann Glaser, Johannes Heisig: Das Gespräch mit einer Forelle ist schon was wert. Projekte Verlag Cornelius, Halle 2012, ISBN 978-3-86237-744-2.
  • Hermann Glaser, Walter Bauer, Glasers Tierleben. A.M.S.-Verlag, Hersbruck 2011, ISBN 978-3-941353-07-7.
  • Hermann Glaser: Adolf Hitlers Hetzschrift „Mein Kampf“. Ein Beitrag zur Mentalitätsgeschichte des Nationalsozialismus. Allitera, München 2014, ISBN 978-3-86906-622-6.
  • Hermann Glaser, Walter Bauer: Mitbringsel. 55 kleine Geschenke und ihre Kulturgeschichte. Ars vivendi Verlag, Cadolzburg 2014, ISBN 978-3-86913-411-6.
  • Hermann Glaser: Franken – eine deutsche Literaturlandschaft. Epochen - Dichter - Werke . Schrenk-Verlag, Gunzenhausen 2015, ISBN 978-3-924270-66-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Hermann Glaser – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kulturpolitiker und Publizist Hermann Glaser gestorben. In: Deutschlandfunk Kultur. 18. Juni 2018, abgerufen am 19. Juni 2018.

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