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George Saiko

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George Saiko

Die Klauen des Doppeladlers

No. 107
November
1962

Österreichs Geschichte läßt sich mittels Geschichtsschreibung nicht darstellen, nur mittels Romanschreibung. George Saiko — aus Böhmen gebürtig, Dr. phil., Psychologe und Kunsthistoriker, nach der Rückkehr aus angelsächsischer Emigration in Wien ansässig und soeben mit dem Großen Österreichischen (...)

George Saiko bei Wikipedia

Grabstätte von George Saiko

George Saiko, eigentlich Emanuel Georg Josef Saiko, (* 5. Februar 1892 in Seestadtl, Böhmen, Österreich-Ungarn; † 23. Dezember 1962 in Wien) war ein österreichischer Schriftsteller und Kunsthistoriker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Georg Saiko kam 1910 mit seiner Familie nach Mödling bei Wien und studierte ab 1912 an der Universität Wien Kunstgeschichte, Klassische Archäologie, Philosophie und Psychologie. 1924 wurde er mit der Dissertation Der frühbarocke Palastbau in Wien dort promoviert.[1]

In Wien lernte er Franz Theodor Csokor kennen, der ihm zu ersten Publikationsmöglichkeiten verhalf, so erschienen die Erzählungen "Das letzte Ziel" (1913) und "Die gnadenlose Stadt" (1914). Er schloss Freundschaft mit Hermann Broch und lernte Robert Musil kennen. 1913/13 war er auch als Mitglied der Schauspieltruppe von Ida Orloff am "Deutschen Theater" in Sankt Petersburg tätig.

In der Folge widmete er sich kunsthistorischen Themen für englische und amerikanische Kunstzeitschriften und seiner schriftstellerische Tätigkeit. Nach dem Anschluss Österreichs wurde er, da er nicht der Reichsschrifttumskammer angehörte, im Jahr 1939 mit Schreibverbot belegt und der Graphischen Sammlung Albertina als Beamter zugeteilt und war dort mit der kriegsbedingten Auslagerung der Kunstbestände befasst. Von Februar 1945 bis März 1946 leitete er mit Heinrich Leporini provisorisch die Albertina. Am 30. November 1950 wurde er an der Albertina wegen persönlicher Divergenzen mit dem Direktor Otto Benesch fristlos entlassen. Danach war er unter großen materiellen Schwierigkeiten als freier Schriftsteller tätig.

Saikos Grab befindet sich im Urnenhain der Feuerhalle Simmering. Es zählt zu den ehrenhalber gewidmeten bzw. ehrenhalber in Obhut genommenen Grabstellen der Stadt Wien.[2]

Literarisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Roman Auf dem Floß (1948) und die Komödie Hof- und Personalnachrichten (entstanden 1931/32, Uraufführung 1938 durch den Anschluss verhindert, Uraufführung 1988 am Theater in der Josefstadt) setzten sich mit dem Untergang der Habsburgermonarchie auseinander. Der Roman Der Mann im Schilf (1955) handelt vom Juliputsch 1934.

Auszeichnungen und Erinnerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1966 wurde in Wien Donaustadt (22. Bezirk) die Saikogasse nach ihm benannt.

Von 1987 bis 1992 erschien im Residenz-Verlag das Gesamtwerk Saikos in einer fünfbändigen Ausgabe. Der Nachlass des Autors ging im Jahre 1997 an das Österreichische Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek.

Von den Erben wird seit 2000 alle zwei Jahre das George-Saiko-Reisestipendium an österreichische Autoren vergeben, bisherige Preisträger waren Oswald Egger, Brigitta Falkner, Josef Winkler (2004), Olga Flor, Ann Cotten, Sabine Scholl (2010), Dimitré Dinev, Thomas Stangl, Marianne Jungmaier (2016) und Barbi Marković (2018).[3]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Auf dem Floß. 1948. 2. neubearbeitete Auflage Hamburg 1954.
  • Der Mann im Schilf. Hamburg 1955.
  • Giraffe unter Palmen – Geschichten vom Mittelmeer, Hans-Deutsch Verlag, Wien Stuttgart Basel 1962.
  • Sämtliche Werke, Bände 1–5. Hrsg. von Adolf Haslinger. Residenz-Verlag Salzburg, Wien 1987–1992.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Renate S. Posthofen: Treibgut. Das vergessene Werk George Saikos. Böhlau, Wien 1995, ISBN 3-205-98234-7.
  • Michael Hansel, Klaus Kastberger (Hrsg.): George Saiko: Texte und Materialien. Sonderzahl, Wien 2003, ISBN 3-85449-212-X.
  • Michael Hansel: George Saiko oder: Die Wirklichkeit hat doppelten Boden. Sonderzahl, Wien 2010, ISBN 978-3-85449-330-3.
  • Milan Tvrdík: „In manchen Landschaften Italiens bin ich glücklich - soweit ein Mensch das von sich sagen kann“. Die italienischen Motive im Erzählwerk von George Saiko. In: Manfred Müller, Luigi Reitani (Hrsg.): Von der Kulturlandschaft zum Ort des kritischen Selbstbewusstseins. Italien in der österreichischen Literatur. Lit, Wien/Berlin/Münster 2011, ISBN 978-3-643-50357-2, S. 139–155.
  • Pia Schölnbeger: „Hier feiert der Luftschutz Orgien“. Die Bergungsmaßnahmen der Graphischen Sammlung Albertina unter George Saiko. In: Pia Schölnberger, Sabine Loitfellner (Hrsg.): Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus (= Schriftenreihe der Kommission für Provenienzforschung 6). Wien, Böhlau 2016, ISBN 978-3-205-20093-2, S. 129–148.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unpubliziert; Promotionsakte.
  2. www.friedhoefewien.at – Ehrenhalber gewidmete Gräber im Friedhof Feuerhalle Simmering (PDF 2016), abgerufen am 7. März 2018.
  3. derStandard.at: George-Saiko-Reisestipendium an Marianne Jungmaier. Artikel vom 2. Dezember 2015, abgerufen am 21. Dezember 2017; orf.at: Barbi Markovic erhält George-Saiko-Reisestipendium. Artikel vom 6. März 2018, abgerufen am 6. März 2018;.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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