FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1969 » No. 192
Robert Havemann

Marx, reideologisiert

1. Teil des Essays „Dialektik des Materialismus“

R. H. nähert sich der Vollendung seines 60. Lebensjahres (geb. 11.3.10, München). Aus all seinen Ämtern verjagt (bis 1963 Mitgl. d. Volkskammer‚ bis 1964 Ordinarius u. Direktor d. Inst. f. phys. Chemie, Humboldt-Univ., bis 1966 Mitgl. d. Dtsch. Akad. d. Wiss.), lebt er nun von seiner Rente als Widerstandskämpfer (seit 1932 KPD-Mitgl., 1943 von den Nazis zum Tod verurteilt). Die DDR leistet sich weiterhin den Luxus, ihren originellsten marxistischen Theoretiker zu ignorieren. Nachfolgend beginnen wir mit der Erstveröffentlichung seines Essays „Dialektik des Materialismus“. (Vgl. R. H., Was ich vom Christentum halte, NEUES FORVM, März 1966.)

Einige moderne Marxisten, ich nenne nur Jean-Paul Sartre und Galvano della Volpe, bestreiten oder bezweifeln neuerdings wieder, daß die Dialektik im Bereich der Naturerkenntnis Sinn und Gültigkeit habe, weder als Erkenntnismethode noch gar als Darstellung einer objektiven Dialektik, die in den Naturzusammenhängen selber steckt. Damit wird zugleich bestritten, daß die Dialektik ein wesentliches Element der Erkenntnistheorie des modernen Materialismus sei.

Jean-Paul Sartre hat deshalb die von Friedrich Engels konzipierte „Dialektik der Natur“ als einen dem Marxismus wesensfremden Dogmatismus bezeichnet. Er sieht allein die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und ihrer Strukturen als das legitime Feld der Dialektik an.

Nicht wesentlich anders ist der Standpunkt Galvano della Volpes, der den Marxismus auf die „Wissenschaft vom Menschen“ beschränken möchte und die Dialektik nicht einmal im Bereich der Ethnographie anerkennt, weil diese Wissenschaft sich seiner Meinung nach nur mit statischen Erscheinungen bei primitiven, naturnahen Volksstämmen befasse. Dort fehle aber die Dynamik des Entwicklungsprozesses, die Voraussetzung der Dialektik sei. Ethnographie sei deshalb eine reine Naturwissenschaft. Für alle Erkenntnisprobleme der Naturwissenschaften betrachtet er die formale mathematische Logik als ausreichend, womit Galvano della Volpe zugleich behauptet, daß die formale Logik frei von Dialektik sei.

Diese Kritik an der Engelsschen Naturdialektik wird von vielen Naturwissenschaftlern unterstützt, zwar meist mit noch weitergehenden Argumenten. Es wird überhaupt bezweifelt, daß die Dialektik eine moderne wissenschaftliche Denkmethode sei. Dialektik sei vielmehr einfach der Ausdruck dafür, daß ein objektiver Zusammenhang sich mit vorgefundenen Begriffen nicht widerspruchsfrei darstellen und aufhellen lasse. So treten dann Worte ohne Sinn an die Stelle von Erkenntnis. Wenn es aber gelinge, die erforderlichen Begriffsbildungen zu klären, so verschwinde alle dunkle Vieldeutigkeit der Dialektik.

Die Kritik an der Naturdialektik geht so weit, daß überhaupt bestritten wird, der „radikale Materialismus“ sei wesentlicher geistiger Bestandteil des Marxismus. Diese dem Marxismus aufgepfropfte Philosophie habe entscheidend zur „Ideologisierung“ des Marxismus beigetragen und damit die wissenschaftliche und politische Entfaltung der unsprünglichen Ideen Marxens erschwert. Sie habe ihn in doktrinäre Bahnen gelenkt und seine dogmatische Erstarrung erst ermöglicht.

Der dialektische Materialismus habe nur auf diese Weise schließlich den Charakter einer Staatsreligion der kommunistischen Länder annehmen können.

Das Bedeutsame an dieser Kritik sehe ich darin, daß sie nicht mehr nur von politischen und weltanschaulichen Gegnern des Kommunismus vertreten wird, sondern mehr und mehr auch bei erklärten Anhängern des Marxismus Anklang findet. Die Wurzeln dieser Kritik sind gewiß vielfältig. Es mag dabei das Gewahrwerden einer unglücklichen ideologischen Einengung eine große Rolle spielen, einer fast sektiererischen Isolierung, in die viele „konsequente“ Marxisten geraten, wenn sie im politischen Kampf um Bundesgenossen werben, die weltanschaulich auf der anderen Seite der philosophischen Barrikade stehen. Da man nicht erreichen kann, daß der umworbene Bundesgenosse die Barrikade übersteigt, sieht man sich gezwungen, die Barrikade kurzerhand wegzuräumen, sehr zum Entsetzen der „konsequenten“ Genossen in den sozialistischen Ländern, die — im Besitz der Staatsmacht — wenig Verständnis für diese Taktik aufbringen und die Rückwirkungen auf die „ideologische Front“ im eigenen Lande fürchten.

So hat Palmiro Togliatti — wie ich glaube, mit Recht — den politischen Atheismus mit Entschiedenheit abgelehnt und jeden Kampf gegen die Kirche und die Religion verurteilt. Diese politisch wichtige Entscheidung, die heute zu einem Grundsatz der Kommunistischen Partei Italiens geworden ist, wird aber nicht nur von ihren Gegnern als ein rein taktisches Manöver verdächtigt. Auch von einigen kommunistischen Bruderparteien wird sie nur als solches hingenommen, und zwar mit Unbehagen als ein zur Not noch gerade zulässiger Akt der politischen Opportunität, der nur durch die besonderen Verhältnisse des katholischen Landes gerechtfertigt sei. Diese grundsätzlich falsche Einschätzung, die noch dazu den Gegnern der kommunistischen Bewegung in die Hand arbeitet, erklärt sich aus der festgefahrenen Situation, in die der „Dogmatismus“ diese Parteien gebracht hat und die nur durch etwas schmerzhafte Operationen überwunden werden kann.

Es zeigt sich aber, daß der zu Unrecht nur mit Augenzwinkern als rein taktisches Manöver gebilligte Entscheid gegen den Atheismus bei einigen Theoretikern weiter geführt hat, nämlich zu einer grundsätzlichen Preisgabe des dialektischen Materialismus. Zwar bedeutet diese Preisgabe des dialektischen Materialismus in der Regel noch nicht eine Rückwendung zu idealistischen oder gar religiösen Positionen, aber eine Neigung, das „Philosophische“ als unverbindlich zu betrachten und allein die fachlich determinierte, konkrete Analyse der politischen, ökonomischen und sozialen Erscheinungen als Feld des aktiven Marxismus gelten zu lassen.

Diese als „Entideologisierung“ verstandene Öffnung des Marxismus nach rechts wird man andererseits auch als Reaktion auf die stalinistische „Ideologisierung“ des Marxismus zu begreifen haben, die ja heute noch keineswegs allgemein überwunden ist. Immer noch werden in den sozialistischen Ländern politische Auseinandersetzungen ideologisch verhüllt und als Kampf der „konsequenten“ Marxisten gegen „Abweichler“ und Revisionisten getarnt. In politisch gespannten Perioden steigert sich diese allgemeine Erscheinung bis zu grotesken Formen der ideologischen Wachsamkeit, die dann auch vor den sonst geachteten Grenzen der Bruderparteien nicht haltmacht.

Alleinseligmachender Marxismus

Diese Verhärtungen auf ideologischem Gebiet führen zu einem entsprechenden Kurs in der Kulturpolitik, dessen offensichtliche Monstrositäten und Absurditäten die entgegengesetzte Reaktion der jeweils „westlichen“ Revisionisten nur noch mehr begünstigen.

Abgesehen von diesen Flügelmännern der marxistischen Phalanx hat jeder seine Dogmatiker und jeder seine Revisionisten, von deren Lehren er seinen eigenen einzig wahren Marxismus mit Eifer abgrenzen kann. Tatsächlich haben wir heute die Situation, daß es nicht mehr einen Marxismus gibt, sondern deren viele, je nach Art und Lage der Dinge.

Man darf sich nicht wundern, wenn die Antimarxisten diesen Prozeß mit unverhohlenem Wohlbehagen beobachten und auf ihre Weise analysieren. Wenn die Kommunisten sich weiterhin darauf berufen wollen, daß ihre Politik auf einer wissenschaftlichen Grundlage entwickelt wird, dann darf es keinen von Land zu Land und von Partei zu Partei verschiedenen Marxismus geben, wie es ja auch keine von Land zu Land verschiedene Physik, Chemie oder Biologie gibt. Aber gegenwärtig haben wir im internationalen Marxismus diesen mit den Grundprinzipien einer jeden Wissenschaft unvereinbaren Zustand.

Die Frage ist, wie dieser Zustand überwunden werden kann. Jedenfalls nicht dadurch, daß sich einer der Marxisten als der einzig wahre deklariert. Eigentlich eher umgekehrt, indem zuerst einmal jeder dieser Marxisten den Anspruch aufgibt, der einzig wahre zu sein, und zwar nicht einmal für den eigenen Hausgebrauch. Die Wahrheit liegt hier auch keineswegs „in der Mitte“, vielleicht gar ganz außerhalb.

Der einzig gangbare Weg kann nur die Aufhebung aller Beschränkungen der geistigen Auseinandersetzungen nicht nur zwischen Marxisten und Nichtmarxisten, sondern vor allem zwischen Marxisten und Marxisten sein. Der unfruchtbare nationale Provinzialismus muß durch Internationalisierung der marxistischen Diskussion überwunden werden. In dieser Diskussion darf es keine Maßnahmen der staatlichen oder parteimäßigen Manipulierung geben. Die Diskussion muß frei, öffentlich und ohne Diskriminierung vor sich gehen.

Dabei ist es selbstverständlich, daß die Politik der Marxisten in den verschiedenen Ländern nicht überall die gleiche sein kann. Aber gerade dann, wenn die Grundlage dieser Politik Marxismus, verstanden als Wissenschaft, sein soll, muß es eine weltweite uneingeschränkte Information und theoretische Diskussion über alle Probleme der Grundlagen wie auch ihrer praktischen Anwendung geben. Wenn in Grundfragen Meinungsverschiedenheiten entstehen, dann sollten sie öffentlich und uneingeschränkt zur Aussprache gebracht werden.

Was hat es für einen Sinn, wenn statt ernsthafter wissenschaftlicher Auseinandersetzung ein politischer Streit mit gegenseitigen Verdächtigungen und Unterstellungen geführt wird, wobei in jedem Land die Argumente der anderen Seite noch dazu nicht original, sondern nur in indirekter Darstellung zur Geltung gelangen, wie sich dies bei den Auseinandersetzungen mit den chinesischen Genossen mehr und mehr ergeben hat.

Auch wäre es nützlich, wenn über die Fragen des Atheismus zwischen den italienischen Genossen und anderen, z.B. den polnischen, eine freimütige und nicht nur in Italien öffentliche Aussprache stattfände, die das politisch wichtige Thema der Beziehungen zwischen Kommunisten und gläubigen Christen mit umfassen würde, eine Aussprache, an der sich auch die katholischen kirchlichen Kreise in Polen beteiligen sollten. Ich bin überzeugt, daß der kommunistischen Bewegung, auch in Polen, hieraus großer Nutzen erwachsen würde.

Die abscheulichsten und barbarischsten äußeren Erscheinungsformen des Stalinismus, die Verschleppung von Millionen in Zwangsarbeitslager, meist Menschen, die sich nur in sehr harmloser Weise dem System gegenüber kritisch verhalten hatten, die Ermordung zahlloser führender Kommunisten, teils ohne gerichtliches Urteil, teils nach Verurteilung in ekelhaften Schauprozessen, deren Szenenablauf in monatelangen „Verhören“ durch die Geheimpolizei einstudiert und durchgeprobt worden war, die rechtlose Willkür des Staats- und Parteiapparats, gegen die die Betroffenen keinerlei Mittel des Rechtsschutzes besitzen, all diese eklatanten Auswüchse jener Periode, die irreführend und zugleich beschönigend als die Periode des Personenkults bezeichnet wird, mögen heute weitgehend überwunden sein. Was geblieben ist, ist die unnachsichtige Zensur jeder öffentlichen Meinungsäußerung, die hektische Intoleranz gegenüber jeder abweichenden Denkweise und jeder ernsthaften Kritik der Politik und der Beschlüsse der Partei.

In solcher Atmosphäre kann sich der Marxismus nicht als Wissenschaft entfalten, ja es kann sich überhaupt keine wirkliche sozialistische Kultur entwickeln. Diese tieferen, strukturellen Mängel treten heute gerade infolge der Abschaffung der barbarischen Methoden der Unterdrückung mehr und mehr hervor.

Immer deutlicher wird heute erkennbar, daß diese Selbstentfremdung des Marxismus nicht das Ergebnis einiger Zufälle oder die Folge psychischer Anomalien Stalins und anderer Parteiführer war. Sie war, wie Sartre sich ausdrückt, das Ergebnis einer Weltlage ganz besonderer Art. Sie ging einfach daraus hervor, daß die erste große proletarische Revolution nicht, wie Marx es sich erhofft hatte, in einem der am weitesten entwickelten kapitalistischen Staaten, sondern in einem der rückständigsten Länder gesiegt hatte, im zaristischen Rußland, dessen Industrie kaum entwickelt und dessen staatliche Struktur noch überwiegend feudalistisch war.

Nach der allgemeinen Konzeption von Karl Marx wird die Gesellschaft reif für die sozialistische Revolution, wenn sich die Widersprüche innerhalb des Kapitalismus so weit verschärft haben, daß sich die Produktionsverhältnisse zu Fesseln der Entwicklung der Produktivkräfte entwickelt haben, die gesprengt werden müssen. Keine der bisherigen sozialistischen Revolutionen hat aber deshalb stattgefunden, weil dieser Zustand erreicht war. Die sozialistischen Staaten verdanken den Sieg der Revolution anderen, besonderen historischen Umständen.

In den Zentren des Kapitalismus, wo die Entwicklung der Produktivkräfte am weitesten vorangeschritten ist, befinden wir uns noch nicht in einer akuten revolutionären Situation. Die Weltrevolution verläuft eben in ihren einzelnen Phasen nicht nach dem Gesetz, das für sie als historischer Gesamtprozeß gilt, sondern folgt Gesetzmäßigkeiten, die in vielfältiger Weise durch die besonderen historischen und ökonomischen Bedingungen und die Art der Entwicklung der Arbeiterbewegung modifiziert sind.

Weil in den sozialistischen Staaten die Revolution nicht aus dem Widerspruch zwischen hochentwickelten Produktivkräften und rückständigen Produktionsverhältnissen hervorgegangen war, mußten diese Staaten eine lange Phase durchlaufen, in der die Produktivkräfte äußerst rückständig und damit inadäquat den neuen sozialistischen Produktionsverhältnissen waren. Die sozialistische Planwirtschaft wurde unter ökonomisch-technischen Bedingungen angewandt, die sich schneller und weniger voraussehbar veränderten, als dies mit einer rigorosen Planwirtschaft überhaupt vereinbar war. Die resultierenden Schwierigkeiten bei Verwirklichung der Pläne wurden aber nicht auf diesen Widerspruch, sondern auf Aktionen des Klassenfeindes, auf Sabotage und Diversion reaktionärer und konterrevolutionärer Gruppen zurückgeführt.

Jedenfalls mußten die Methoden der Planung ständig geändert werden, wobei die umwälzendsten Veränderungen in den Planungsgrundsätzen sich offensichtlich erst jetzt ankündigen. Die Hauptschwierigkeit der sozialistischen Staaten besteht im Grunde darin, auch technisch-ökonomisch sozialistisch zu werden, was natürlich auch weitere wesentliche Änderungen der politischen Struktur voraussetzt und nach sich zieht.

Die Spaltung der Welt in die beiden Systeme, das kapitalistische und das sozialistische, erweckt den Anschein, als ob der weitere Fortgang der Weltrevolution darin bestünde, daß ein Staat nach dem anderen nach erfolgreicher sozialistischer Revolution in das Lager des Sozialismus übergeht, was mit einer zunehmenden Verschärfung des Gegensatzes zwischen den Systemen verbunden sei.

Auch diese Stalinsche These vom internationalen Klassenkampf ist ein Produkt der Tendenz, die inneren Schwierigkeiten aus äußeren herzuleiten, geht also auch aus dem Grundwiderspruch der Entwicklung des Sozialismus in einem noch dazu ökonomisch rückständigen Lande hervor.

Die Stalinsche These vom internationalen Klassenkampf der beiden Systeme ist sicher falsch. Unglücklicherweise hat sie zu folgenschweren Konsequenzen im Verhalten der großen kapitalistischen Staaten geführt. Der kalte Krieg, das atomare Wettrüsten und das Verbrechen der USA in Vietnam beruhen zum nicht geringen Teil auch auf der Angst der Kapitalisten vor einer schrittweisen Ausbreitung des Kommunismus über die ganze Welt.

Dabei ist es völlig unsinnig, zu glauben, daß die USA z.B. in Vietnam den „freien Westen“ gegen den Kommunismus verteidigen. Überall, wo die Westmächte mit dieser These ihr Eingreifen zu rechtfertigen versuchen, das in allen Fällen unverhüllter Bruch des Völkerrechts ist, sind sie gezwungen, sich mit den reaktionärsten Regimes zu verbünden, so in der Dominikanischen Republik, im Jemen, in Griechenland und in Vietnam.

Die Revolution wird friedlich

Es wäre jedoch falsch zu glauben, daß sich im Wettkampf der beiden Systeme — etwa wegen der nuklearen Drohung — eine Art Status quo stabilisieren könnte. Die Weltrevolution wird sich aber auch nicht zu einem lebensgefährlichen und sinnlosen Kampf der beiden Systeme entwickeln. Diese Stalinsche Konzeption enthält eine Täuschung über den wahren Charakter des gegenwärtigen historischen Prozesses. Sie ist Bestandteil einer Ideologie, die sich gleichermaßen in Ost wie in West etabliert hat — auch ein Zeichen dafür, daß es sich um einen im Grunde zusammenhängenden, zwar in sich widerspruchsvollen, aber doch einheitlichen Gesamtprozeß und nicht um zwei nebeneinander herlaufende einander widersprechende Einzelprozesse handelt. Die große Umwälzung der Gesellschaft wird in ihrer zweiten Phase, in der sie die Zentren des Kapitalismus erfaßt (falls der Wahnsinn des Atomkrieges umgangen werden kann), weit friedlicher verlaufen als in ihrer ersten.

Unter einem bestimmten Aspekt kann man sagen: Diese Umwälzung ist bereits im Gange. Nach Marx entwickelt sich ja stets die neue Gesellschaftsformation im Schoße der alten, der Sozialismus also im Schoße des Kapitalismus ebenso wie ehedem der Kapitalismus im Schoße des Feudalismus. Der zunehmende Staatsmonopolismus, die wachsende politische und ökonomische Macht der Gewerkschaften, die Entwicklung zuverlässiger Methoden zur schnellen Kompensierung ökonomischer Instabilitäten und die Ausarbeitung von Wirtschaftsplanungen mit langfristigen Perspektiven, das alles sind Beispiele für die von Marx vorausgesagte Entwicklung der neuen Gesellschaftsordnung im Schoße der alten.

Die Weltrevolution vollzieht sich eben keineswegs nur in den sozialistischen Staaten und keineswegs immer in den gleichen Bahnen. Sie verläuft mannigfaltig je nach den historischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen. Der Sozialismus entsteht nicht in einzelnen Ländern. Die ganze Welt wird von seinen Geburtswehen erschüttert. Die Weltrevolution hat längst die ganze Welt erfaßt.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1969
, Seite 721
Autor/inn/en:

Robert Havemann:

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