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Wilhelm Emanuel Süskind

W. E. Süskind begann seine Laufbahn um die Mitte der Zwanzigerjahre mit vielgelesenen Romanen, entfaltete eine umfangreiche Tätigkeit als Übersetzer (vornehmlich aus dem Englischen), gab bis 1942 in leidlicher Unabhängigkeit die Stuttgarter „Literatur“ heraus‚ wandte sich nach dem Krieg in bewußtem Entschluß der politischen Publizistik zu und ist heute einer der leitenden politischen Redakteure der „Süddeutschen Zeitung“. Daß er daneben seine alte Liebe zur Sprache nicht ganz vernachlässigt, hat er u. a. mit seinem Buch „Vom ABC zum Sprachkunstwerk“ bewiesen, das bereits im 68. Tausend vorliegt.

Beiträge

Wilhelm Emanuel Süskind

Lob des Fremdworts

No. 40
April
1957

Wilhelm Emanuel Süskind bei Wikipedia

Wilhelm Emanuel Süskind (* 10. Juni 1901 in Weilheim in Oberbayern; † 17. April 1970 in Tutzing) war ein deutscher Autor, Übersetzer, Herausgeber und Journalist.

Studium und Schriftstellerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn des Tierarztes und Ministerialrats Paul Süskind geboren, studierte er Geschichte und Rechtswissenschaften[1] an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sein Studium gab er jedoch auf, um Schriftsteller zu werden.[2] 1927 erschien sein Novellenband Tordis. Mit Jugend (1930) und Mary und ihr Knecht (1932) folgten zwei Romane.[3] Seit 1928 war Süskind im Lektorat der Deutschen Verlagsanstalt tätig.

Süskind machte sich bereits Ende der 1920er Jahre als Literaturkritiker einen Namen, vor allem durch seine Rezensionen für die Zeitschrift Die Literatur, deren Herausgeber er am 1. Juli 1933 wurde und bis 1943 war. Als Herausgeber passte sich Süskind der nationalsozialistischen Kulturpolitik an. Seine eigene Literaturkritik zeigte jedoch keine Nähe zur Literaturpolitik des Dritten Reiches. Süskind war Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung und leitete deren Literaturblatt von Mai bis August 1943, als das Erscheinen der Zeitung verboten wurde. Von November 1943 bis Februar 1945 redigierte Süskind von seinem Wohnsitz am Starnberger See aus das Literaturblatt der Krakauer Zeitung. Ab 1940 schrieb er auch für Das Reich.[4]

Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1945 stieß Süskind zur neu gegründeten Süddeutschen Zeitung (SZ), für die er zuerst als Sonderberichterstatter vom Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher tätig wurde und während des gesamten Hauptprozesses anwesend war. Seine ehemalige Freundin Erika Mann, die emigrieren musste und nun ebenfalls in Nürnberg als Korrespondentin arbeitete, ging ihm aus dem Weg. Seine Reportagen sammelte er 1963 in dem Band Die Mächtigen vor Gericht. Danach arbeitete er als leitender Redakteur im Bereich Politik für die SZ.

Süskind war seit 1922 auch als Übersetzer tätig (u. a. von Werken Tania Blixens, Herman Melvilles, Robert Louis Stevensons, William Makepeace Thackerays) und fand schon in den 1940er Jahren als Sprachkritiker und -pfleger Beachtung (Vom ABC zum Sprachkunstwerk, 1940). Zu seinen sprachkritischen Arbeiten nach dem Krieg gehören Beiträge in der zusammen mit Dolf Sternberger und Gerhard Storz verantworteten Kolumne Aus dem Wörterbuch des Unmenschen über die Sprache des Nationalsozialismus in der Monatsschrift Die Wandlung. In Auszügen wurden diese 1957 in Buchform veröffentlicht und fanden einen großen Leserkreis.

Süskind ist der Vater des Journalisten Martin E. Süskind und des Autors Patrick Süskind. Er war ein Jugendfreund von Erika und Klaus Mann, nach ihrer Emigration brachen die beiden den Kontakt zu ihm demonstrativ ab. Er gehörte der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und dem P.E.N.-Zentrum Deutschland als Mitglied an.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Morgenlicht - Erzählung, Stuttgart 1926
  • Jugend - Roman, Stuttgart 1930
  • Mary und ihr Knecht - Roman, Stuttgart 1932
  • Pferderennen, München 1950
  • Wer hätte das von uns gedacht - 10 Jahre Bundesrepublik Deutschland, 1959
  • Abziehbilder - Notizen aus dem Alltag eines Zeitgenossen, Stuttgart 1963
  • Ende der religiösen Sprache - und was dann?. In: Heinz Zahrnt/ Axel Seeberg (Hrsg.): Abschied vom Christentum? Hamburg 1964, S. 160ff.
  • Der nicht ganz eiserne Kanzler - Jünglingsjahre der Bundesrepublik Deutschland als Hrsg., Boppard 1965
  • mit Dolf Sternberger und Gerhard Storz: Aus dem Wörterbuch des Unmenschen. 3. Auflage. Hamburg 1968.
  • Gekannt, verehrt, geliebt - 50 Nekrologe aus unserer Zeit, München 1969
  • Dagegen hab' ich was - Sprachstolpereien, Stuttgart 1969
  • Vom ABC zum Sprachkunstwerk. Eine deutsche Sprachlehre für Erwachsene. Düsseldorf 1960 (EA 1940), 2. Auflage der von Thomas Schlachter bearbeiteten Neuausgabe, Edition Epoca, Zürich 2006, ISBN 3-905513-42-0.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Hausenstein: Licht unter dem Horizont - Tagebücher von 1942 bis 1946, München 1967.
  • Daniel Göske: Hermann Melville in deutscher Sprache, Lang, Frankfurt am Main 1990, ISBN 3-6314-2394-2.
  • Wolfgang Beutin: Vorschule der Schriftstellerei, Anhang in Deutschstunde von Siegfried Lenz. Hartmut Lüdke Verlag, Hamburg 1970, Kritik: Hoffmann und Campe, Hamburg, Erstausgabe 1968, ISBN 3-455-04211-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Walter Habel(Hrsg.): Wer ist Wer?, Berlin 1970.
  2. Hans Michael Körner (Hrsg.): Große Bayerische Biographische Enzyklopädie, Band 3, München 2005, S. 1931.
  3. Der gelegentlich zu lesende Hinweis, der zweite Roman sei 1933 verboten worden, ist nicht zutreffend (wohl aber wurden Tordis und die beiden Romane nicht wieder aufgelegt).
  4. Stephan Braese: Rechenschaften. Wallstein Verlag, 2004, ISBN 9783892447566, S. 31.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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