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Walter Tschuppik

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Walter Tschuppik

Staatsbegräbnis für Egon Erwin Kisch

No. 65
Mai
1959

Zum „Fall Kisch“ (siehe die Hefte VI/62, 63 und 64) sind uns aus Leserkreisen überraschend zahlreiche Stellungnahmen zugegangen, von denen wir nachstehend — und abschließend — noch eine besonders interessante zur Veröffentlichung bringen. Wir verdanken sie der Freundlichkeit von Frau Tanja Tschuppik, (...)

Walter Tschuppik bei Wikipedia

Walter Tschuppik (geboren 7. Juli 1889 in Leitmeritz, Österreich-Ungarn; gestorben April 1955 in Wien) war ein deutschböhmischer Journalist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walter Tschuppik war ein Anhänger der deutsch-tschechischen Verständigung und ein Gegner des NS-Regimes. Sein Buch: Der Christ und sein Schatten oder die Geburt des 'Juden' aus dem Geist der absoluten Moral beeinflusste Friedrich Heer. Tschuppik wurde am 10. März 1933 inhaftiert und am 8. November 1933 nach Bemühungen der Tschechoslowakei (er war tschechischer Staatsbürger) freigelassen.[1] Er emigrierte nach seiner Freilassung in die Tschechoslowakei und 1938 in die Schweiz; 1940 musste er nach Großbritannien flüchten.

Über seine achtmonatige Inhaftierung 1933 veröffentlichte Tschuppik den 1934 auf Tschechisch und 1935 auf Deutsch den Erfahrungsbericht Die Toten steigen aus den Gräbern. Nach dem Kriegsende kehrte Tschuppik nach Deutschland zurück. Er wurde der erste Chefredakteur der von Werner Friedmann 1948 gegründeten Münchner Abendzeitung.

Sein älterer Bruder war der Journalist Karl Tschuppik (1867–1937).

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die tschechische Revolution. Verlag Tal, Leipzig 1920
  • Der Christ und sein Schatten oder die Geburt des 'Juden' aus dem Geist der absoluten Moral. Th. Thomas Verlag, Leipzig 1923
  • Die Toten steigen aus den Gräbern. Prag 1935
  • Barracken-Wahnsinn [!]. United Correspondents, London ca. 1940
  • The Quislings: Hitler's Trojan horses. Hutchinson, London 1940

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Reichstagsbrand wurde am 28. Februar 1933 die Reichstagsbrandverordnung erlassen; sie setzte Bürgerrechte außer Kraft. Die Festnahme von tausenden von Gegnern der Reichsregierung begann; die meisten wurden nach der Reichstagswahl am 5. März 1933 festgenommen.[2] Damit wurden zahllose Menschen, darunter Politiker und Journalisten, eingeschüchtert; auch die Gleichschaltung begann.

Tschuppik saß zeitweise mit dem katholischen Journalisten Fritz Gerlich in einer Zelle und musste miterleben, wie dieser misshandelt wurde.[3] Stefan Lorant (1901–1997), Herausgeber der Münchner Illustrierte Zeitung (eine Schwesterzeitung der Münchner Neueste Nachrichten) wurde am 13. März 1933 festgenommen. Lorant war Ungar und Jude. Er wurde am 25. September 1933 auf Druck der ungarischen Regierung freigelassen und konnte mit Frau und Sohn nach Budapest ausreisen. Er schrieb ein Buch über seine Haftzeit und die vieler anderer bürgerlicher Intellektueller, die mit ihm inhaftiert waren; das Buch wurde ein internationaler Bestseller.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rudolf M. Wlaschek: Biographia Judaica Bohemiae. Bd. 1. Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund, Reihe B, Bd. 52. Dortmund 1995, ISBN 3-923293-47-X, S. 213 f.
  • Wilhelm Sternfeld, Eva Tiedemann: Deutsche Exilliteratur 1933–1945. Eine Bio-Bibliographie. Schneider, Heidelberg/Darmstadt 1962
  • Tschuppik, Walter, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München : Saur, 1980, S. 769

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Morsey: siehe Fußnote 33 und S. 296
  2. Joseph Robert White: Round Up the Editors!The Persecution of Three Munich Journalists at the Early Camps of Ettstrasse and Stadelheim. Journal of Jewish Identities (Youngstown State University Center for Judaic and Holocaust Studies), Issue 1, Number 2, Juli 2008, S. 77.
  3. Rudolf Morsey: S. 291
VorgängerAmtNachfolger
Chefredakteur der Abendzeitung
1948–1949
Rudolf Heizler

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