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Viktor Reimann

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Peter Dusek • Lutz Holzinger • Günther Nenning • Viktor Reimann

Alles bewältigt

Jubiläum der Medien des Jahrhunderts
No. 349-351
März
1983

50 Jahre Reichskanzler Hitler, natürlich. Aber vor 60 Jahren wird der »Völkische Beobachter« zur Tageszeitung‚ überschreitet die Arbeitslosenzahl im Deutschen Reich die erste halbe Million. 61 Jahre: Sieg über marxistischen Terror und staatlichen Terror. 63 Jahre: 1. Geschäftsstelle, 1. (...)

Viktor Reimann bei Wikipedia

Viktor Reimann (* 25. Jänner 1915 in Wien; † 7. Oktober 1996 ebenda) war ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Politiker (VdU).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Reimann Geschichte und Germanistik und promovierte 1939. Engagierte er sich anfangs für die damals illegale NSDAP, wandte er sich später dem Widerstand zu. Gemeinsam mit dem Augustiner-Chorherren Roman Karl Scholz gründete Reimann im Herbst 1938 eine Widerstandsgruppe, der hauptsächlich Angehörige des katholisch-konservativen Lagers sowie Schüler Scholz' angehörten. Hieß die Gruppe anfangs Deutsche Freiheitsbewegung, wurde sie im September 1939 in Österreichische Freiheitsbewegung und 1940 in Freiheitsbewegung Österreich umbenannt. Sie hatte bis zu 300 Mitglieder, kooperierte mit anderen Widerstandsgruppen und westalliierten Stellen und konzentrierte sich auf gewaltlosen, propagandistischen Widerstand. Aufgrund einer Anzeige des Spitzels und Burgtheater-Schauspielers Otto Hartmann bei der Geheimen Staatspolizei wurde die Gruppe zerschlagen.[1] 1940[2] oder 1941[3] wurde er verhaftet und nach zwei Jahren Untersuchungshaft zu Zuchthaus verurteilt. Bis 1945 saß Reimann daraufhin im Strafgefängnis Straubing.

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Reimann im Juli 1945 Redakteur der Salzburger Nachrichten und noch im selben Jahr stellvertretender Chefredakteur. Diese Position hatte er bis 1948 inne. Daneben wurde Reimann wieder politisch aktiv und war ein Mitbegründer des Verbands der Unabhängigen (VdU). Er war ab ihrer Gründung am 1. September 1949 Obmann der Landesgruppe Salzburg, Leiter des Pressereferats und von 1949 bis 1956 Abgeordneter zum Nationalrat.

Im Zuge des Wiener Brecht-Boykotts agitierte Reimann gegen Bertolt Brecht und dessen Stücke und titelte in "Die Neue Front": "Wer schmuggelte das Kommunistenpferd in das deutsche Rom?"[4] Er schrieb: »Die Einbürgerung Bert Brechts zeigt, wie durch den Übereifer einzelner intellektueller Sozialisten und durch die Unwissenheit und Schwäche der kulturellen Machthaber der Volkspartei unser Land kommunistisch unterminiert wird und die Amerikaner die geistige Bolschewisierung Österreichs noch finanzieren.« (»Die Neue Front«, 13. Oktober 1951)

Daneben blieb Reimann als Journalist tätig: Er war Chefredakteur der ab dem 1. Dezember 1949 erscheinende Tageszeitung des VdU, der Österreichischen Allgemeinen Zeitung, die im April 1950 aus Kostengründen wieder eingestellt wurde.[5] Von ihrer Gründung am 25. Februar 1949 bis 1956 war er auch Chefredakteur bei der VdU-Wochenzeitung Neue Front.[6] In der Neuen Front erschienen regelmäßig Beiträge, die die Arbeit der Volksgerichte zur Verfolgung von NS-Verbrechen kritisierten und diffamierten, so auch von Reimann selbst.[7] Die Neue Front wurde am 9. Jänner 1953 auf gerichtlichen Beschluss hin wegen Aufwiegelung beschlagnahmt, da der VdU-Nationalratsabgeordnete Helfried Pfeifer in einem Artikel scharf auf die Ablehnung eines Gnadengesuchs für verurteilte NS-Belastete reagiert hatte.[8]

Von 1956 bis 1960 war Reimann Pressechef der Bundestheaterverwaltung. Ab 1970 war er Kolumnist bei der Kronen Zeitung, von 1972 bis 1974 Chefredakteur der oberösterreichischen Ausgabe und von 1974 bis 1987 Leiter der Kulturredaktion in Wien.

Reimanns ehrenhalber gewidmetes Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof

Reimanns Schriften, insbesondere seine Serie Die Juden in Österreich in der Kronen-Zeitung im Jahr 1974, waren Gegenstand der Antisemitismus-Forschung.[9]

Reimann veröffentlichte 1980 unter dem Titel Die Dritte Kraft in Österreich eine Geschichte des Dritten Lagers in der zweiten Republik. Wolfgang Purtscheller nennt es ein „überaus apologetisches und gerade deswegen hochinteressantes Buch über den Wiederaufbau des ‚nationalen Lagers‘“.[10]

Viktor Reimann wurde in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 40, Nummer 178) bestattet.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Innitzer. Kardinal zwischen Hitler und Rom. Neuausgabe. Amalthea, Wien, München 1988, ISBN 3-85002-268-4
  • Zu groß für Österreich. Seipel und Bauer im Kampf um die Erste Republik. Molden, Wien u. a. 1968
  • Dr. Joseph Goebbels. Molden, Wien u. a. 1971. Neuauflage 1976 ISBN 3-217-05018-5, französische Übersetzung erschienen im Flammarion-Verlag, Paris 1973
  • Bruno Kreisky. Das Porträt eines Staatsmannes. Molden, Wien u. a. 1972, ISBN 3-217-00300-4
  • Die Dritte Kraft in Österreich. Molden, Wien u. a. 1980
  • Fünf ungewöhnliche Gespräche. Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1991, ISBN 3-8000-3380-1

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950: Scholz Roman (Karl), Online-Edition, ISBN 978-3-7001-3213-4
  2. Viktor Reimann, Internationales Biographisches Archiv 44/1951 vom 22. Oktober 1951 Ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 42/1996, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 30. August 2012 (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Eintrag zu Viktor Reimann im Austria-Forum (im AEIOU-Österreich-Lexikon)
  4. Profil, 1. August 2011
  5. Salzburg online - Stadtgeschichte: Dezember 1949
  6. Salzburg online - Stadtgeschichte: Februar 1949
  7. www.nachkriegsjustiz.at: Diskussionen über die Volksgerichtsbarkeit. Teil 1: 1945 bis 1949
  8. Salzburg online - Stadtgeschichte: Jänner 1953
  9. z. B.: Heinz Wassermann: Nachgespuckt? Einige Anmerkungen zur medialen Erinnerungskultur (PDF; 187 kB) Informationen der Gesellschaft für politische Aufklärung Nr. 63, Dezember 1999
  10. Wolfgang Purtscheller: Aufbruch der Völkischen. Das braune Netzwerk. Picus-Verlag, Wien 1993, ISBN 3-85452-239-8, S. 418

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