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Manfried Welan

Jg. 1937, Jurist, 1961 bis 1962 im Rektorat der Technischen Hochschule Wien, 1962 bis 1966 im Präsidium des Verfassungsgerichtshofes, ab 1967 Wissenschaftliche Abteilung der Bundeswirtschaftskammer. Veröffentlichungen in „Furche“, „Österreichische Monatshefte“, „Salzburger Nachrichten“ und juristischen Fachzeitschriften.

Beiträge

Manfried Welan

Minderheitsregierung?

No. 196/II
April
1970

Manfried Welan

Mobilisierung der Christen

No. 178
Oktober
1968

Manfried Welan bei Wikipedia

Manfried Welan, 2012
Bundespräsident Rudolf Kirchschläger (links) und BOKU-Rektor Manfried Welan (rechts) an der Universität für Bodenkultur Wien, 6. Dezember 1978
Manfried Welan als Rektor der Universität für Bodenkultur Wien,
20. Jänner 1991

Manfried Welan (* 13. Juni 1937 in Wien) ist ein österreichischer Politik- und Rechtswissenschafter, Schriftsteller und ehemaliger Politiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Absolvierung des Rainergymnasiums in Wien studierte Manfried Welan Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er 1961 zum Dr. jur. promoviert wurde. Seine berufliche Laufbahn begann er 1961 als rechtskundiger Verwaltungsbediensteter an der Technischen Universität Wien, danach war er von 1962 bis 1967 im österreichischen Verfassungsgerichtshof tätig. 1967 bis 1969 arbeitete er in der Wissenschaftlichen Abteilung der Wirtschaftskammer Österreich als Verfassungs- und Verwaltungsjurist, weiters als Politologe und Lehrer für politische Bildung. Er zählt zu den Gründern der österreichischen Politikwissenschaft und war lange Zeit Herausgeber der Zeitschrift für Politikwissenschaft.

1969 wurde Welan Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Agrar- und Umweltrecht. Im selben Jahr wurde er zum Außerordentlichen Professor an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und Vorstand des Institutes für Rechtswissenschaften der BOKU ernannt, 1973 zum Ordentlichen Universitätsprofessor. 1974 bis 1976 war er Prorektor der BOKU, von 1977 bis 1981 Rektor und sodann bis 1984 erneut Prorektor. Von 1979 bis 1981 war Welan zudem Präsident der Österreichischen Rektorenkonferenz und Mitglied des Präsidiums des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung.

Von 1983 bis 1986 war er Gemeinderat und Landtagsabgeordneter in Wien, 1983 bis 1987 Präsident der Akademie für Umwelt und Energie in Niederösterreich. Von 1986 bis 1988 war Manfried Welan Stadtrat und Mitglied der Wiener Landesregierung. 1988 bis 1991 amtierte er als Dritter Landtagspräsident von Wien. Gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Jörg Mauthe und Alfred Worm zählte Manfried Welan in den 1980er Jahren zu Erhard Buseks „bunten Vögeln“,[1] die der Wiener ÖVP ein neues, lebensfrohes, junges und dynamisches Erscheinungsbild verliehen. Wichtige Wahlkampfthemen der „bunten Vögel“ waren Umweltschutz, Stadterneuerung sowie Ausbau der direkten Demokratie.[2]

1986 bis 1991 war Welan Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Natur- und Umweltschutz sowie Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Ökologie. 1990 wurde er zum dritten Mal zum Rektor der Universität für Bodenkultur Wien gewählt, weshalb er seine politischen Funktionen zurücklegte. In den Jahren 1994 bis 2001 bekleidete er das Amt des Vizerektors. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2005 war er weiterhin als Ordentlicher Professor tätig. Von 1995 bis 2000 war er zudem Gastprofessor für Politik an der Europäischen Journalistenakademie an der Donauuniversität Krems.

1993 bis 2003 war Welan Vizepräsident der Österreichischen UNESCO-Kommission und im Vorstand des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung in Schlaining tätig. Seit 2003 ist er Präsident der Unesco-Arbeitsgemeinschaft in Wien. Zudem arbeitet er in der Margaretha-Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie, im Demokratiezentrum Wien, im Wiener Institut für Konfliktforschung und im Naturschutzbund Österreich ehrenamtlich mit.

Manfried Welan ist Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.Ö.H.V. Franco-Bavaria Wien im Österreichischen Cartellverband (ÖCV) und seit 1961 Mitglied der Österreichischen Volkspartei. Er ist einer der Wegbereiter der Juristenpolitologie und der politischen Rechtslehre in Österreich. Welan publizierte rund 30 Bücher, etwa 300 Beiträge in Fachbüchern und Fachzeitschriften sowie zahlreiche Kleinbeiträge in unterschiedlichen Medien.

Zu den wissenschaftlichen Hauptarbeitsgebieten von Manfried Welan zählten die Themenbereiche Demokratie, Parlamentarismus, Staatsoberhaupt und Regierung sowie die Verfassungsgerichtsbarkeit, von den Grund- und Freiheitsrechten vor allem Eigentum und Gleichheit. Welan widmete sich auch der Geschichte und Gegenwart der Universitäten und der Gemeinden. Mit Nachdruck vertrat er stets die Förderung der Wissenschaften in Wien und propagierte – in Anknüpfung an die Metapher vom „goldenen Wiener Herz“ – das „goldene Wiener Hirn“.[3] Welan war einer der Begründer des österreichischen Umweltrechts, vor allem des Agrarumweltrechts. Zudem publizierte er über die Geschichte der Universität für Bodenkultur Wien und förderte die Erforschung deren Geschichte.[4]

Seit 1981 gibt Manfried Welan gemeinsam mit Christian Brünner und Wolfgang Mantl im Böhlau Verlag die „Studien zu Politik und Verwaltung“ heraus.[5] Er ist Herausgeber und Mitherausgeber mehrerer Zeitschriften, unter anderem des Journals für Rechtspolitik.[6]

Auszeichnungen und Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Anton Pelinka: Demokratie und Verfassung in Österreich. Europaverlag, Wien/Frankfurt/Zürich 1971.
  • mit Heinrich Neisser: Der Bundeskanzler im österreichischen Verfassungsgefüge. Verlag Gebrüder Holinek, Wien 1971.
  • mit Kurt Wedl (Hrsg.): Der Streit um Hainburg in Verwaltungs- und Gerichtsakten. Selbstverlag der Akademie für Umwelt und Energie, Laxenburg 1988, ISBN 3-85422-044-X.
  • Der Bundespräsident. Kein Kaiser in der Republik. (Studien zu Politik und Verwaltung, Band 40). Böhlau Verlag, Wien/Köln/Graz 1992, ISBN 3-205-05529-2.
  • Der Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien. Orac Verlag, Wien 1992, ISBN 3-7007-0301-5.
  • mit Ada Pellert: Die formierte Anarchie. Die Herausforderung der Universitätsorganisation. WUV-Univ.-Verl., Wien 1995, ISBN 3-851-14229-2.
  • Die Universität für Bodenkultur Wien. Von der Gründung in die Zukunft. 1872 bis 1997. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 1997, ISBN 3-205-98610-5.
  • Das österreichische Staatsoberhaupt. 3. Auflage. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1997, ISBN 3-7028-0356-4.
  • Demokratie auf Österreichisch oder Die erstarrte Republik. Czernin Verlag, Wien 1999, ISBN 3-7076-0011-4.
  • mit Anton Pelinka: Demokratie und Verfassung in Österreich. WUV-Universitäts-Verlag, Wien 2000, ISBN 3-85114-543-7.
  • mit Alfred J. Noll: Gott in die Verfassung? Zum „geistig-religiösen Erbe“ als Verfassungsinhalt. Czernin Verlag, Wien 2003, ISBN 3-7076-0160-9.
  • Recht in Österreich: Ein Überblick. 5. Auflage. WUV-Universitäts-Verlag, Wien 2005, ISBN 3-85114-844-4.
  • mit Alfred J. Noll: Sprachen des Rechts & Recht der Sprache. Impressionen zu Recht, Politik, Dichtung und Sprache. Wien 2004, ISBN 3-7076-0200-1.
  • mit Alfred J. Noll: Die Abgelegene: Einige kursorische Anmerkungen zur Österreichischen Unabhängigkeitserklärung 1945. Czernin Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-7076-0334-7.
  • Verfassung – Aphorismen und Assoziationen. Jan Sramek Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-902638-66-3.
  • mit Tamara Ehs, Stefan Gschiegl und Karl Ucakar (Hrsg.): Politik und Recht. Spannungsfelder der Gesellschaft. Facultas Wuv Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-7089-0841-0.
  • mit Peter Wiltsche: Das grüne Juwel. Der Türkenschanzpark und seine Denkmäler. Plattform Johannes Martinek Verlag, Perchtoldsdorf 2016, ISBN 978-3-9503682-8-4.
  • mit Gertraud Diendorfer (Hrsg.): Demokratie und Nachhaltigkeit. Verbindungslinien, Potenziale und Reformansätze. Studien Verlag, Innsbruck/Wien/Bozen 2016, ISBN 978-3-7065-5577-7.
  • Die Lehre des Rechts an der Universität für Bodenkultur. Zugleich ein Beitrag zur Agrarrechtswissenschaft in Österreich. In: Roland Norer und Gottfried Holzer (Hrsg.): Perspektiven des Agrarrechts. Festgabe für Manfried Welan. NWV – Neuer Wissenschaftlicher Verlag, Wien/Graz 2017 (= Agrarrecht. Jahrbuch 2017), ISBN 978-3-7083-1163-0, S. 105–130.

Autobiografische Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Csendes, Ferdinand Opll: Geschichte einer Stadt. 3. Von 1790 bis zur Gegenwart. Böhlau Verlag, Wien u. a. 2006, ISBN 3-205-99268-7, S. 626–628.
  2. Gärten statt Autobahnen Artikel auf demokratiezentrum.org
  3. Johann Werfring: Goldenes Wiener-Hirn. In: Wiener Zeitung. 13. Juni 2002, S. 12.
  4. In den Jahren 1993 bis 1997 führte der Historiker Paulus Ebner an der Universität für Bodenkultur Wien unter der Leitung von Manfried Welan das Forschungsprojekt „Geschichte der Universität für Bodenkultur“ durch. Vgl. Paulus Ebner: Geschichte der Hochschule für Bodenkultur von den Anfängen bis 1934. Diskussionspapier Nr. 49-R-95, Institut für Wirtschaft, Politik und Recht der Universität für Bodenkultur Wien, November 1995, S. 1f.
  5. Studien zu Politik und Verwaltung
  6. Journal für Rechtspolitik
  7. Ehrenringträger der Universität für Bodenkultur Wien auf boku.ac.at
  8. Em.O.Univ.Prof. Dr. Dr.h.c. Manfried Welan auf forschung.boku.ac.at
  9. Preise der Stadt Wien 2003 Apa-Meldung vom 13. Jaänner 2004
  10. Manfried Welan: Ein Diener der Zweiten Republik. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85437-311-7, S. 228.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Manfried Welan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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