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Hans Lebert

Hans Lebert, geboren 1919 in Wien, Neffe Alban Bergs; begann mit 17 Jahren zu schreiben, widmete sich dann dem Gesangsstudium und trat 1938 bis 1950 vor allem als Wagner-Sänger an in- und ausländischen Bühnen auf. 1941 Anklage wegen Zersetzung der Wehrkraft; entzog sich, nach dreimonatiger Untersuchungshaft, durch Vortäuschung einer psychischen Krankheit der Einberufung in die deutsche Wehrmacht. Verbrachte die letzten Kriegsjahre in den steirischen Bergen. Seit 1956 lebt H. L. zurückgezogen in Baden bei Wien.

Seine Werke erscheinen, weil der Residenzverlag sie nicht Wieder auflegen wollte, im Europaverlag Wien • Zürich, derzeit lieferbar ist allein Die Wolfshaut, „der erste radikal moderne Roman der österreichischen Nachkriegsliteratur [...] auch eins der größten Leseerlebnisse meines Lebens“ (Elfriede Jelinek im »profil«). Im Herbst 1992 erscheint ein zweiter Roman, Der Feuerkreis, sodann folgen nach und nach die übrigen Werke.

Beiträge

Hans Lebert

Schützt Euer Land selbst!

No. 457
Januar
1992

Hans Lebert bei Wikipedia

Hans Lebert, eigentlich: Johann Lebert, (* 9. Jänner 1919 in Wien; † 20. August 1993 in Baden bei Wien) war ein österreichischer Schriftsteller und Opernsänger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kindheit, Schulzeit und Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Lebert, dessen Familie durch den frühen Tod des Vaters in finanzielle Nöte geriet, begann nach seiner Schulzeit eine Gesangsausbildung. Er wurde zunächst Chorsänger, spezialisierte sich dann auf Wagner-Rollen, war aber nach dem Krieg gezwungen, wegen der fehlenden Auftrittsmöglichkeiten seine Sängerkarriere aufzugeben. Daraufhin konzentrierte er sich auf das Schreiben, zu dem ihn schon sein Onkel Alban Berg ermutigt hatte.

Lebert wurde, nachdem er seine Einberufung in die deutsche Wehrmacht ignoriert hatte, 1941 wegen „Wehrkraftzersetzung“ angeklagt und entging seiner Verurteilung nur durch die Vortäuschung einer Schizophrenie. Den Krieg verbrachte er auf dem Familiensitz im steirischen Trahütten und war dort nach eigenen Angaben im Widerstand aktiv.

Rückzug, später Erfolg und letzte Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Krieg und einigen, letzten Engagements als Sänger ließ sich Lebert erst in Wien, dann ab 1956 in Baden nieder, wo er in Zurückgezogenheit seiner schriftstellerischen Tätigkeit nachging. Sein Roman Die Wolfshaut, 1960 zuerst beim Claassen-Verlag in Hamburg erschienen und vor allem als Nachdruck in der DDR erfolgreich, brachte Lebert den Durchbruch als Autor. Schriftsteller wie Ernst Jünger und Heimito von Doderer waren von dem Roman begeistert.[1][2] Es wurde auf inhaltliche wie stilistische Parallelen zwischen Die Wolfshaut und dem drei Jahre später erschienenen Roman Frost von Thomas Bernhard hingewiesen[3]. 1962 erhielt Lebert den Österreichischen Staatspreis; 1968 wurde ihm die Adalbert-Stifter-Medaille verliehen[4]. Abermals zog er sich zurück, um von 1965 bis 1971 am nachfolgenden Roman Der Feuerkreis zu arbeiten, mit dem er versuchte, „den faschistischen Mythos gewissermaßen von innen her aufzusprengen.“[5] Die fehlende breite Rezeption der Wolfshaut, negative Kritik am Feuerkreis und schließlich der Tod seiner Frau Anette geborener Schön (1923–1974)[6] führten zum völligen Rückzug Leberts aus dem literarischen Leben. Mit Ausnahme von vereinzelten, unbedeutend gebliebenen Erzählungen veröffentlichte Lebert über zwanzig Jahre lang nichts mehr.

Erst die Neuauflage der Wolfshaut im Jahr 1991 brachte Lebert in seinen letzten, von schwerer Krankheit geprägten Lebensjahren erneut Anerkennung. Zeitgenössische Autoren zeigten sich begeistert von dem Werk; Elfriede Jelinek bezeichnete Die Wolfshaut als „eines der größten Leseerlebnisse ihres Lebens“ und „erste[n] radikal moderne[n] Roman der österreichischen Nachkriegsliteratur“. Als die späte Renaissance seiner Werke ihm 1992 den Grillparzer-Preis einbrachte, sprach er sich aber besonders gegen diese Autoren aus, die ihn in seiner harschen Kritik an Österreich als einen Vorgänger ansahen und die Österreich „beschimpfen und lächerlich machen, um im Ausland dafür Applaus zu ernten. Solche Autoren bereiten eine Kolonisation vor.“[5]

Leberts Hauptwerke, Das Schiff im Gebirge, Der Feuerkreis und vor allem Die Wolfshaut, in denen er heftige Kritik an der ländlichen Gesellschaft im Österreich der unmittelbaren Nachkriegszeit und dem Unterbleiben einer Aufarbeitung des Nationalsozialismus übt, zählen zu den bedeutendsten österreichischen „Antiheimatromanen“. Die Wolfshaut diente als Vorlage für das gleichnamige Stück von Helmut Peschina (Bearbeitung) und Robert Matejka (Regie), das in Österreich zum Hörspiel des Jahres 2005 gewählt wurde.

Hans Lebert verstarb am 20. August 1993 in seiner Badener Wohnung, Elisabethstraße 23; er wurde am 30. August 1993 auf dem Wiener Zentralfriedhof zur letzten Ruhe bestattet (Gruppe 87A, Reihe 63, Nummer 25).

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ausfahrt, Erzählungen, 1952
  • Das Schiff im Gebirge, Erzählung, 1955
  • Die Wolfshaut, Roman, 1960 (Neuauflage 1991, Neuauflage Frühjahr 2008)
  • Der Feuerkreis, Roman, 1971 (Neuauflage 1992, Neuauflage Herbst 2008)
  • Die schmutzige Schwester, zwei Hörspiele, 1972
  • Das Schiff im Gebirge, Erzählungen, 1993
  • Das weiße Gesicht, Erzählungen, 1995

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerhard Fuchs (Hrsg.), Günther A. Höfler (Hrsg.): Hans Lebert. (Dossier, Bd. 12). Droschl, Graz/Wien 1997, ISBN 3854204701.
  • Jürgen Egyptien: Der „Anschluß“ als Sündenfall. Hans Leberts literarisches Werk und intellektuelle Gestalt. Sonderzahl, Wien 1997, ISBN 3854491158.
  • Florian Braitenthaller: „Küss mich, du Schwein!“. Hans Leberts diskrete Beziehungen zur Moderne. WUV-Univ.-Verlag, Wien 2003, ISBN 3851147502.
  • Joachim Hoell: Mythenreiche Vorstellungswelt und ererbter Alptraum. Ingeborg Bachmann und Thomas Bernhard. VanBremen-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-9805534-4-2. (Darin: Antiheimat und Geschichtsbewusstsein, S. 189–347).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl-Markus Gauss: Die Toten haben Hunger. In: Die Zeit, 25. Oktober 1991.
  2. Anton Thuswaldner: 1960: Er brach das eiserne Schweigen, in: Tageszeitung Salzburger Nachrichten, 30. Mai 2018, S. 4, Serie 100 Jahre Republik Österreich
  3. Joachim Hoell: Mythenreiche Vorstellungswelt und ererbter Alptraum. Ingeborg Bachmann und Thomas Bernhard, Berlin 1999, S. 189–347
  4. Überreichung der Staatspreise. In: Salzburger Nachrichten, 5. März 1968, S. 3.
  5. a b Karl Markus-Gauss: Der Österreich-Liebhaber. In: Die Zeit, 27. August 1993.
  6. Jürgen Egyptien: Vorbemerkung zu Wolfgang Schöns Erinnerungen an Hans Lebert. In: — (Hrsg.): Literatur in der Moderne. Jahrbuch der Walter-Hasenclever-Gesellschaft. Band 8 (2012/13). V-&-R-Unipress, Göttingen 2013, ISSN 2198-5480, ISBN 978-8471-0144-7, S. 207.

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