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Hans Buchheim

Dr. Hans Buchheim, Jahrgang 1922, lebt in München und verficht einen am ehesten „jung-konservativ“ zu nennenden Standpunkt. Im Vorjahr erschien von ihm in der Deutschen Verlagsanstalt Stuttgart „Glaubenskrise im Dritten Reich (Drei Kapitel nationalsozialistischer Religionspolitik)“.

Beiträge

Hans Buchheim • Rudolf Pechel
PRO UND CONTRA

Über den Neonazismus in Deutschland

No. 4
April
1954

Hans Buchheim bei Wikipedia

Hans Buchheim (* 11. Januar 1922 in Freiberg; † 14. November 2016 in Mainz) war ein deutscher Historiker und Politikwissenschaftler. Seine Schwerpunkte waren die politische Theorie, die Ideengeschichte, die Zeitgeschichte und hier insbesondere die Geschichte des Dritten Reiches.

Leben und berufliche Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans (Johannes) Buchheim wurde als Sohn des Historikers, Studienrates und späteren Universitätsprofessors Karl Buchheim geboren. Er besuchte in Freiberg das Gymnasium Albertinum bis zur Quinta und übersiedelte 1934 mit seinen Eltern nach Leipzig, wo er bis zum Abitur die Thomasschule besuchte.[1]

In den Jahren 1940 und 1941 studierte er an der Universität Leipzig drei Trimester lang Philosophie und Klassische Philologie. Im Herbst 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und nahm bis zu seiner Verwundung im Februar 1945 am Krieg an der Ostfront teil. Im Lazarett Bad Kissingen geriet er in amerikanische Gefangenschaft.

Von Januar 1946 an studierte er an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Klassische Philologie, Alte Geschichte und Philosophie (bei Karl Jaspers und Hans-Georg Gadamer) sowie antikes Recht bei Wolfgang Kunkel. Im Dezember 1950 wurde er bei Hans Schaefer mit der Arbeit Die Orientpolitik des M. Antonius und sein Verhältnis zu Octavian in den Jahren 42 bis 35 zum Dr. phil. promoviert.

Der Historiker Hermann Mau berief ihn im Januar 1951 an das Institut für Zeitgeschichte in München. Dort war er bis 1966 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig.

In den 1960er Jahren befasste sich Buchheim vor allem mit der Theorie des Totalitarismus. Er veröffentlichte das Buch Totalitäre Herrschaft. Von 1963 bis 1966 beschäftigte er sich ausschließlich im Bundeskanzleramt mit Studien zum Thema Die Politik der Bundesregierung unter der Kanzlerschaft von Dr. Konrad Adenauer. Unter Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger war er Mitglied des Planungsstabes des Bundeskanzleramts.

Seit Herbst 1966 (ab 1990 als Emeritus) lehrte Buchheim als Ordinarius für Politikwissenschaft an der Universität Mainz. Dort baute er das Institut für Politikwissenschaft und den Fachbereich Sozialwissenschaften mit auf, dessen Dekan er zeitweilig war.

Forschungstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Forschungen befasste sich Buchheim mit Klassischer Philologie und römischer Geschichte. Schon seine Dissertation zur Orientpolitik Marc Aurels stand jedoch unter der Leitfrage, was Politik ist und wie sie gemacht wird, die ihn durch seine ganze Forschungstätigkeit begleitete.[2]

Am Institut für Zeitgeschichte arbeitete er bis Herbst 1960 über die Herrschaftsorganisation des Hitlerregimes und die Geschichte von SS und Polizei. 1951 schrieb er eine Studie über die nationalsozialistische Religionspolitik und den frühen Kirchenkampf der Jahre 1933/34 unter dem Titel „Glaubenskrise im Dritten Reich“.[3] Seit 1953 war er als Gutachter tätig (unter anderem in Angelegenheiten der Wiedergutmachung) und wurde bei Prozessen gegen nationalsozialistische Gewaltverbrecher (zum Beispiel im Auschwitzprozess) gehört.

In seiner theoretischen Arbeit befasste er sich mit Verfassungsfragen, politischer Ideengeschichte und der Theorie der Politik. Seine eigene theoretische Definition von Politik betrachtete diese als besonderen, eindeutig abgrenzbaren Teil menschlichen Zusammenlebens. So arbeitete er ein Konzept aus, das die Momente in menschlicher Interaktion identifiziert, die als politisch zu verstehen seien. Kontrovers diskutiert wurden 1971 die von der Kommission „Politik, Verfassung, Recht“ vorgelegten Thesen gegen den Mißbrauch der Demokratie.

Eine ganze Reihe von Einzelstudien, etwa zu Thukydides und Machiavelli, zu politischer Ethik und Macht, stellten seine Politiktheorie auf ein breites geistesgeschichtliches Fundament.

Buchheim publizierte über das nationalsozialistische Herrschaftssystem, die Verfassungsprobleme und Regierungspraxis der Bundesrepublik, über Fragen der Deutschlandpolitik (Deutschlandpolitik 1949–1972) und über zeitgenössische Theorien der Politik.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gelernte Altphilologe Hans Buchheim "gehörte zu den wenigen Gelehrten der Gegenwart, die den ideengeschichtlichen Bogen von der griechischen politeia über die römische res publica bis zur Republik des Grundgesetzes zu schlagen und die praktische Philosophie von Aristoteles über Hegel bis Searle mit den Anspruch einer aktuellen Theorie des Politischen verbinden können."[4]

„Er hat sich als kluger und streitbarer Freund des demokratischen Verfassungsstaates hervorgetan“ schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 11. Januar 1992 zu Buchheims 70. Geburtstag.

Bedeutende akademische Schüler Buchheims waren Michael Hartmann, Julia Klöckner[5] und Adolf Weiland.

Mitgliedschaften und Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Buchheim ist Vater des Wirtschaftshistorikers Christoph Buchheim († 2009) und des Philosophen Thomas Buchheim.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1958: Das Dritte Reich. Grundlagen und politische Entwicklung.
  • 1961: Die nationalsozialistische Zeit im Geschichtsbewußtsein der Gegenwart.
  • 1963: Die Kritik aus Unlust.
  • 1965: Totalitäre Herrschaft.
  • 1965: Anatomie des SS-Staates.
  • 1966: Der deutsche Widerstand gegen Hitler. Vier historisch-kritische Studien. Hrsg. zus. mit Walter Schmitthenner
  • 1968: Aktuelle Krisenpunkte des deutschen Nationalbewußtseins.
  • 1968: Was heißt politisch denken?
  • 1975: Adenauers Sicherheitspolitik 1950–1951.
  • 1976: Die Richtlinienkompetenz unter der Kanzlerschaft Konrad Adenauers.
  • 1979: Probleme der Juridifizierung der Verfassung.
  • 1981: Theorie der Politik.
  • 1981: Aurelius Augustinus’ Friedensbegriff als Konzept einer modernen Theorie des Friedens.
  • 1983: Die Ethik der Macht.
  • 1985: Deutschlandpolitik 1949 – 1972.
  • 1993: Beiträge zur Ontologie der Politik.
  • 1996: Zur Interpretation von Rousseaus „Du Contrat Social“.
  • 2013: Der neuzeitliche republikanische Staat

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Buchheim - Munzinger Biographie. Abgerufen am 19. Januar 2020.
  2. Hans Buchheim: Der neuzeitliche republikanische Staat. Mohr Siebeck, 2013, ISBN 978-3-16-152941-2 (com.ph [abgerufen am 19. Januar 2020]).
  3. publiziert bei Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1953.
  4. Hans Buchheim: Der neuzeitliche republikanische Staat. Mohr Siebeck, 2013, ISBN 978-3-16-152941-2 (com.ph [abgerufen am 19. Januar 2020]).
  5. https://merkurist.de/mainz/campus/julia-kloeckner-ueber-ihr-studium-in-mainz_Hoc
  6. Prof. em. Dr. Hans Buchheim erhält Bernhard-Sutor-Preis für Politische Bildung. Abgerufen am 19. Januar 2020.

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