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Guy Hocquenghem

Beiträge

Guy Hocquenghem

Aufzucht wider die Natur

„Raus aus den Klappen — rein in die Straßen!“
No. 268
April
1976

Der französische Sozialphilosoph Guy Hocquenghem hat mit seinem ersten Buch „Das homosexuelle Verlangen“ (Reihe Hanser, München 1974) die Grenzen der herkömmlichen Disziplinen gesprengt. Unter dem Einfluß des „Anti-Ödipus“ von Deleuze/Guattari erlöst er die Homosexuellen aus den Fesseln des Ödipus, die (...)

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Guy Hocquenghem (* 10. Dezember 1946 in Boulogne-Billancourt; † 28. August 1988 in Paris[1]) war ein französischer Autor, Philosoph, Hochschullehrer und LGBT-Aktivist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Mathematikers Alexis Hocquenghem lernte seinen lebenslangen Freund und wissenschaftlichen Partner René Schérer schon als Gymnasiast kennen – er war sein Philosophielehrer. Als Student der École normale supérieure nahm er an den französischen Protesten im Mai 68 teil und war in dieser Zeit kurzzeitig Mitglied der Kommunistischen Partei.

1971 trat er der Organisation "Front Homosexuel d’Action Révolutionnaire" (FHAR) bei, die ehemalige Mitglieder der Organisation Mouvement Homophile de France gegründet hatten. Nach der Entstehung der Universität Paris VIII unterrichtete er dort gemeinsam mit Schérer Philosophie, wobei man sich jedoch bis kurz vor seinem Tod weigerte, ihn ebenfalls zum ordentlichen Professor zu ernennen. Hocquenghem verfasste mehrere Bücher; insbesondere thematisierte er das Thema Homosexualität und wurde zu einem der Vordenker der Queer-Theorie. Sein Buch Das homosexuelle Verlangen von 1972 gehörte international zu den ersten Werken dieser Theorie. Er beeinflusste in den späten Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts maßgeblich die journalistische Linie der Zeitung Libération. In seinen letzten Lebensjahren betätigte er sich hauptsächlich als Romancier.

Mit dem Filmregisseur Lionel Soukaz produzierte er 1979 den Dokumentarfilm über die Geschichte der Homosexualität Race d'Ep! 1988 verstarb Hocquenghem an den Folgen von AIDS.

Werke von Hocquenghem (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1972: Le Désir Homosexuel. Editions Universitaires, Paris
  • 1974: L’Après-Mai des faunes
  • 1976: Co-ire, album systématique de l'enfance (dt. Co-ire. Kindheitsmythen, München: Trikont, 1977) (mit René Schérer)
  • 1976: Fin de section, Kurzgeschichten
  • 1977: La Dérive homosexuelle
  • 1979: La Beauté du métis
  • 1980: Le Gay voyage : guide et regard homosexuels sur les grandes métropoles
  • 1982: L’Amour en relief
  • 1985: La Colère de l'agneau (dt. Der Zorn des Lammes, Frankfurt/M: Ullstein, 1992)
  • 1986: L’Âme atomique : pour une esthétique d'ère nucléaire (mit René Schérer)
  • 1986: Lettre ouverte à ceux qui sont passés du col Mao au Rotary
  • 1987: Ève (dt. Eva, St. Gallen: Ed.Diá, 1991)
  • 1988: Voyages et adventures extraordinaires du Frère Angelo
  • 1994: L’Amphithéâtre des morts, Memoiren

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antoine Idier: Les vies de Guy Hocquenghem. Politique, sexualité, culture. Fayard, Paris 2017.
  • Bill Marshall: Guy Hocquenghem. Beyond Gay Identity. Duke University Press, Pluto Press, London / Warriewood, NSW 1996, ISBN 0-7453-1059-1.
  • Stefan Ripplinger: Schwuler, Aufrührer, Verweigerer. Eine Biografie und Neuauflagen seiner Polemiken erinnern an den Schriftsteller Guy Hocquenghem. In: Konkret, 5, 2017, S. 44–46
  • Heinz-Jürgen Voß (Hrsg.): Die Idee der Homosexualität musikalisieren: Zur Aktualität von Guy Hocquenghem. Psychosozial, Gießen 2018, ISBN 978-3-8379-2783-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Antoine Idier: Les Vies de Guy Hocquenghem. Politique, sexualité, culture. Fayard, Paris 2017, ISBN 2-213-70202-0.

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