FORVM » AutorInnen

Brigitte Heinrich

Brigitte Heinrich, Jahrgang 1941, studierte Nationalökonomie in Freiburg und Frankfurt, Diplomvolkswirt 1969 in Frankfurt, 1974 Lehrauftrag an der Frankfurter Goethe-Universität über DM-lmperialismus und die Rolle der Rohstoffe für die BRD.

Bücher: Brigitte Heinrich: D-Mark-Imperialismus. Deutsche Industrie und Ausbeutung der Dritten Welt, Frankfurt (Voltaire-Verlag 1971; Fischer Taschenbuch 1974). Brigitte Heinrich/Jürgen Roth: Partner Türkei oder Foltern für die Freiheit des Westens, Reinbek 1973 (rororo-aktuell). Brigitte Heinrich/Franz-Joachim Graber: Chile. Die ITT-Dokumente, 2. und ergänzte Auflage Frankfurt 1974 (mega press-Verlag). — Artikel und Beiträge: Die ökonomische Entwicklung in der CSSR, Frankfurt 1968 (Voltaire Flugschrift Nr. 26). Die BRD im System des Imperialismus (Kursbuch 21/1970). Die Unterstützung des US-Imperialismus durch die BRD, in: Am Beispiel Angela Davis, Frankfurt 1972 (Fischer Verlag). „Ölkrise“ — Krise des imperialistischen Systems, in: Altvater, Blechschmidt u. a.: Handbuch 1 — Perspektiven des Kapitalismus, Frankfurt 1974 (Europäische Verlagsanstalt)

Beiträge

Brigitte Heinrich

Gefängnistagebuch

„Sie gehen drauf da drin“
No. 256
April
1975

Seit Jahrzehnten sperrt der westdeutsche Staat Linke ein, zuerst die Kommunisten, dann die Studenten, jetzt die Anarchisten oder solche, die er als ihre „Helfer“ erklärt. Brigitte Heinrich hat als erste dieser politischen Gefangenen ihren Qualen literarisch Ausdruck verliehen, sie ist die Rosa (...)

Brigitte Heinrich (Politikerin) bei Wikipedia

Brigitte Heinrich (* 29. Juni 1941 in Frankfurt am Main; † 29. Dezember 1987 ebenda) war eine deutsche Politikerin der Grünen und Agentin der DDR-Staatssicherheit.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1966/67 war Brigitte Heinrich als Pressesprecherin des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes tätig. Nach ihrem Volkswirtschaftsexamen bereiste sie 1970 den Nahen Osten. In den 1970er Jahren wurde sie an der Universität Frankfurt am Main Lehrbeauftragte für „Internationale Beziehungen“ und Präsidentin des Studentenparlaments. Während dieser Zeit unterhielt sie Kontakte zu verschiedenen terroristischen Gruppen. Am 26. November 1974 wurde Heinrich bei der „Aktion Winterreise“, einer bundesweiten Razzia gegen RAF-Anhänger, verhaftet. Die Razzia erfolgte in fünfzehn deutschen Städten und Gemeinden nach der Ermordung des Berliner Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann durch Terroristen der Bewegung 2. Juni kurz nach dem Tod des RAF-Mitglieds Holger Meins. Alle Verhafteten bis auf Heinrich wurden wenige Wochen später wieder freigelassen. Nach mehreren Monaten wurde auch sie, inzwischen schwer erkrankt, vor dem zweiten Haftprüfungstermin wieder freigelassen und das Verfahren eingestellt. Über ihre Haft veröffentlichte sie 1978 in Mailand ein Pamphlet auf Italienisch in Form eines Tagebuchs aus dem Kerker, in dem sie sich als politisch Verfolgte darstellte.[1] Nach ihrer Freilassung schrieb sie sich wieder an der Frankfurter Universität ein und gehörte dem Studentenparlament mehrere Jahre lang als Präsidentin an. Ab 1980 arbeitete Heinrich als Journalistin für die Berliner tageszeitung. Im Jahr 1980 wurde sie wegen Waffenschmuggels zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt, die sie ab Ende 1983 im offenen Vollzug verbüßte. Grund war ihre Verwicklung in ein deutsch-italienisch-schweizerisches Anarchistennetzwerk, dessen Führungsperson Heinrichs Freundin, die Deutsch-Italienerin Petra Krause (* 1939), war.[2] Nach der Verbüßung ihrer Reststrafe boten ihr die Grünen einen Listenplatz für die Wahl zum Europaparlament 1984 an. Von 1984 bis zu ihrem Tod am 29. Dezember 1987 war sie Mitglied des Europäischen Parlaments. Sie starb in Folge eines Herzinfarkts.[3] Die Trauerfeier fand am 6. Januar 1988 in der Haupthalle des Frankfurter Hauptfriedhofs unter Anteilnahme linker Organisationen und Gruppen aus einer Vielzahl von Ländern statt.

Agentin der DDR-Staatssicherheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR wurde bekannt, dass sie 1982 von ihrem Lebensgefährten, dem Rechtsanwalt und DDR-Agenten Klaus Croissant, für die DDR-Staatssicherheit angeworben wurde, wo sie seit diesem Zeitpunkt als Inoffizielle Mitarbeiterin unter dem Decknamen Beate Schäfer für die Hauptabteilung XXII (Terrorismusabwehr) tätig war. Croissant fungierte als ihr Instrukteur und Kurier.

Den Listenplatz für die Wahl zum Europaparlament nahm sie nach Rücksprache mit ihrem Stasi-Führungsoffizier an. Sie war anschließend zusätzlich für die Abteilung II der Hauptverwaltung Aufklärung (Parteien u. Organisationen der BRD) tätig, arbeitete bis zu ihrem Tod als Spionin und lieferte dem DDR-Geheimdienst ihre Kenntnisse aus Parlament, Partei und Zeitungsredaktion. Sie erhielt die Anweisung, sich aus dem terroristischen Umfeld zu lösen, um in führende Positionen zu gelangen. Bei mindestens acht Treffen mit ihren Führungsoffizieren und mit schriftlichen Berichten gab sie ihre Informationen weiter.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinrich, Diario del Carcere, 1975: operazione Winterreise e persecuzione degli intellettuali in Germania, Mailand 1978, zitiert nach Petra Terhoeven: Deutscher Herbst in Europa. Oldenbourg, München 2014, S. 440.
  2. Petra Terhoeven: Deutscher Herbst in Europa. München 2014, S. 440.
  3. Aufgelöst und hilflos. In: Der Spiegel. Nr. 39, 1992, S. 35/38 (online).
  4. Klaus Marxen, Gerhard Werle (Hrsg.): Strafjustiz und DDR-Unrecht: Dokumentation. Spionage, Band 4. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 978-3899490800, S. 19.

Diese Seite weiterempfehlen

Werbung