Zum Gedenken an den 20. Juli 1944
Das Datum „20. Juli“ hat sich dem Gedächtnis der Öffentlichkeit unvergänglich eingeprägt. Wohl niemand, der es hört, würde sich erst erkundigen müssen, was denn eigentlich an diesem 20. Juli geschehen sei. Jeder weiß es. Aber würde es jeder auch nur mit annähernd gleichen Worten sagen, oder aus annähernd gleicher Einschätzung des Geschehenen? Entstünde, wenn man etwa einen Deutschnationalen (keinen Nazi, nein, einen Deutschnationalen alten Schlags) mit einem sozialistischen Demokraten, einen Kommunisten mit einem Konservativen oder Liberalen darüber debattieren hörte — entstünde dann nicht binnen kurzem der Eindruck, daß sie von gänzlich verschiedenen Dingen sprechen? Es ist eine große Genugtuung, zu wissen: daß solche Besorgnis unnötig ist in bezug auf jene, die sich zum „20. Juli“ bekannt haben und bekennen; daß bei allen (zum Teil sehr weitreichenden) Unterschieden in ihren Motiven und Wunschzielen dennoch eine gemeinsame Basis bestand und besteht, auf der sozialistische Demokraten, Konservative und Liberale den 20. Juli als einen Ehrentag Deutschlands ansehen.
Das dokumentieren im folgenden einerseits Dr. Benedikt Kautsky, Leiter der Otto-Möbes-Schule in Graz und eine der markantesten Persönlichkeiten des österreichischen Sozialismus; und anderseits Friedrich Abendroth, ein junger katholischer Publizist (Jahrgang 1921), Chefredakteur der „Österreichischen Monatshefte“, Mitarbeiter der „Furche“ und besonders als Kulturkritiker von bemerkenswertem Temperament (das auch in einigen „A-th“ signierten Beiträgen im FORVM schon zum Ausdruck gekommen ist).
