FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1976 » No. 269/270
Ingrid Strobl

Wir Hexen

Das Matriarchat im Untergrund vom Mittelalter bis heute

Das Bild der Hexe wurde schonungslos verfälscht. Seit Grimm erscheint sie als die böse Alte mit Warze und Katze. Für viele Menschen in bäuerlichen Gebieten ist die Existenz von Hexen auch heute noch fester Bestandteil ihres Lebens. Andererseits beginnt sich auch die Frauenbewegung immer mehr mit Hexen zu beschäftigen, die wie kaum je eine andere Gruppe in der Geschichte verfolgt wurden.

In Europa brannten die Scheiterhaufen über vier Jahrhunderte, die Schätzungen über die Zahl der verbrannten Frauen reichen von neun bis 30 Millionen. Die klerikale Literatur über Hexen zeichnet ein erschreckendes Bild vom Wahnsinn, dem Machtstreben und den sexuellen Phantasien des Klerus selbst, gibt aber von den Hexen nur ein Zerrbild. Die Psychoanalytiker halten die Hexen entweder für arme Geistesgestörte (Hysterikerinnen, Schizophrene) oder für Ausgeburten der sexuellen Phantasien ihrer Verfolger. Es gibt jedoch auch Kritiker der herkömmlichen Psychiatrie wie Thomas Szasz, der die Inquisition mit den Methoden der modernen Psychiatrie an weiblichen Patienten vergleicht.

30 Millionen Hexen verbrannt

Die Geschichte der Hexenverfolgungen beginnt im Hochmittelalter, und ihre Ursachen sind in den sich verschärfenden Widersprüchen der Feudalzeit zu suchen. Man muß sich fragen, warum aus der Masse der Unterdrückten die Frauen am stärksten verfolgt wurden, so daß sie die Rolle der „Juden“ dieser Zeit spielten.

Bereits die Kirchenväter zeichnen sich durch eine blumige Frauenverachtung aus, womit sie ganz in der Tradition des Apostels Paulus stehen. Heinrich Institoris und Jakob Sprenger erklärten in ihrem „Hexenhammer“ (1487), warum „in dem so gebrechlichen Geschlechte der Weiber eine größere Menge Hexen sich findet als unter den Männern“: „Gering ist alle Bosheit gegen die Bosheit des Weibes.“ Und: „Was ist das Weib anderes als die Feindin der Freundschaft, eine unentrinnbare Strafe, ein notwendiges Übel, eine natürliche Verseuchung, ein wünschenswertes Unglück, eine ergötzliche Schande, ein Mangel der Natur, mit schöner Farbe gemalt.“ Daraus leiten die Autoren mit scholastischem Schluß ab: „Das Wort femina nämlich kommt von fe und minus (fee = fideus, Glaube; minus = weniger; also femina, die weniger Glauben hat) ... Also schlecht ist das Weib von Natur, da es schneller am Glauben zweifelt, auch schneller den Glauben ableugnet, was die Grundlage für die Hexerei ist.“

Das Zölibat veranlaßte die Kirche, besonders heftig gegen die Frau zu hetzen, die ja Grundlage allen Übels, des fleischlichen Begehrens ist. Das Idealbild der Frau war die Gottesmutter Maria, der gegenüber jede Frau, die von Eva abstammt, nichtsnutzig und abgefeimt erscheinen mußte.

Unrat im Bauch

Der Mönch von Cluny wußte: „Die Schönheit des weiblichen Körpers besteht allein in der Haut. Denn wenn die Menschen sähen, was unter der Haut ist ... wenn sie das Inwendige sehen könnten, würden sie sich sicher vor dem Anblick der Frauen ekeln. Ihre Anmut besteht aus Schleim und Blut, aus Feuchtigkeit und Galle. Wenn jemand überdenkt, was in den Nasenlöchern, was in der Kehle und was im Bauch alles verborgen ist, dann wird er stets Unrat finden. Und wenn wir nicht einmal mit den Fingerspitzen Schleim oder Dreck anrühren können, wie können wir dann begehren, den Dreckbeutel selbst zu umarmen ?“

Die katholische Kirche stand mit dieser Einstellung nicht allein. Auch Luther war für seine große Hexenfurcht bekannt.

Das 14. und 15. Jahrhundert war eine Zeit ausgeprägter Misogynie (Frauenfeindlichkeit). Waren der Frau in der Prosperität des 13. Jahrhunderts Ehre, Ruhm und sogar eine gewisse Selbständigkeit zugestanden worden (die Männer waren in den Kreuzzügen!), so wurde sie nun als Störfaktor empfunden. Während der Kreuzzüge und des Hundertjährigen Krieges nahmen die Frauen wichtige Stellungen in der Landwirtschaft und Textilindustrie ein. Als die Männer zurückkehrten, sollten sie diese Plätze wieder räumen (eine Geschichte, die sich nach jedem Krieg wiederholt).

Hexensabbat war Ärztekongreß!

Ein anderer Grund für die Hexenverfolgungen war, daß die Frauen die Volksmedizin trugen. Es gab die heilkundigen „weisen Frauen“, die für wenig oder gar kein Entgelt Krankheiten heilten, Kinder zur Welt bringen halfen, aber auch über Empfängnisverhütung und Abtreibung Bescheid wußten. Ihre Kunst war hochentwickelt und basierte auf der Kenntnis der Kräuter und ihrer Wirkungen. Sie verfügten über eine uralte Tradition im Umgang mit den Heilkräften der Natur und arbeiteten selbst experimentell an neuen Methoden.

Paracelsus verbrannte 1527 sein Buch über Pharmakologie, da er zugeben mußte, daß er sein ganzes Wissen von einer Hexe hatte. Die Heilerinnen hatten das ausschließliche Monopol auf die Behandlung des weiblichen Körpers. Und gerade das wurde ihnen besonders angekreidet; immer wieder verweisen die Hexenjäger darauf, daß „unter den Frauen die Hebammen die abgefeimtesten“ seien.

Im Hexensabbat könnte man eine Art Ärztekongreß sehen. Mit dem Entstehen der medizinischen Fakultäten an den Universitäten übernehmen dann die Männer die Medizin. Dazu mußten sie aber erst die heilkundigen Frauen in Mißkredit bringen. Das war nicht so leicht, da diese offenkundig erfolgreich und mit humanen Methoden arbeiteten, während die Studenten der medizinischen Fakultäten mit den haarsträubendsten Mitteln vorgingen.

Ein Hexensabbat:
Die Hexen bieten dem Gehörnten Kinderopfer an

Hexenjagd war ein gutes Geschäft

Ein nicht zu übersehendes Moment waren die handfesten finanziellen Vorteile der Hexenjagd. Das Vermögen einer Hexe konnte vom geistlichen oder weltlichen Landesherrn konfisziert werden. Viele Inquisitoren lebten davon, daß sie Hexen verbrannten. So erhielt z.B. ein gewisser Hopkins in England unter Jakob I. für die Entdeckung einer Hexe zwanzig Shilling. Er schrieb ein Buch über die Kunst, Hexen ausfindig zu machen, auf dessen Titelblatt er sich als „Hopkins, der Hexenfinder“ bezeichnet.

In Deutschland hatten viele Inquisitoren kein anderes Gehalt als die 9,5 Taler für den Kopf einer Hexe. So erbrannte sich ein gewisser Remigius ein kleines Vermögen, indem er zu Ende des 16. Jahrhunderts in Lothringen 800 Hexen zum Scheiterhaufen führte.

Wie die Hexen zum Teufel kamen

Es war ein Krieg gegen das weibliche Geschlecht mit dem Ziel, die letzten Festungen weiblicher Macht zu nehmen: die Magie der Geburtshilfe und die Heilkunde. Die letzten Regionen, die noch von Frauen besetzt waren, die Natur und der weibliche Körper, sollten eingenommen, allerletzte matriarchale Überreste endgültig vernichtet werden.

Dieser Krieg wurde mit allen ideologischen und materiellen Waffen gekämpft. Auf ideologischem Gebiet war dieser Krieg ein Kreuzzug gegen die alten Göttinnen und ihre Priesterinnen. Seit jeher standen Frauen mit Magie, Kräutern, Fruchtbarkeitszauber in Verbindung. In matriarchalischen Zeiten herrschten Göttinnen über das Universum, sie waren es, die alles gebaren, die den Lauf der Natur, die Zyklen des Lebens bestimmten. Die große Mutter war die Natur selbst. Noch in patriarchalischen Zeiten wurde den Frauen der Bereich der Natur zugesprochen oder besser gesagt: belassen.

Diana, Hekate, Isis waren die Göttinnen des Mondes, der Kräuter, der Geburtshilfe und der Magie. Diana-Hekate galt in den alten Mittelmeerkulturen als die Meisterin der Hexen. Und als in Ägypten nach dem Sturz des Matriarchats der Kult der gehörnten Isis in den Untergrund ging, lebte er doch in Rom weiter in den Isismysterien der Frauen. Die Priesterinnen dieser Frauen waren auch in patriarchalischen Zeiten hochverehrt, sie waren Orakel, Magierinnen, die Bewahrerinnen alter Kulte und Mysterien, die Zauberinnen der Fruchtbarkeitsmythen.

Sie wurden aber auch ins Gegenteil verkehrt, zu Erinnyen, Furien, blutsaugenden Strigae (= Hexen). Denn die alten Götter werden von den Eroberern gern zu Teufeln degradiert. In der antiken, „heidnischen“ Götterwelt war reichlich Platz für Götter und Göttinnen verschiedenster Prägung. Erst das Christentum mit seiner rigiden Dichotomie von Gut und Böse, mit der Ausschließlichkeit von Gott und Teufel, konnte diese Pluralität nicht mehr dulden. Es gibt nur einen einzigen (männlichen) Gott, alles andere gehört zum Satan. Diese extrem asketische Religion sah natürlich mit besonderem Abscheu auf alles, was mit Fruchtbarkeitskulten im Zusammenhang stand. So wurden die Priesterinnen der alten Göttinnen in den Dreck gezogen, in die Hölle gestoßen, zu Teufelsbuhlerinnen und Hexen gemacht.

Die Hexen als Teufelsanbeterinnen? Unwahrscheinlich. Warum denn sollten Frauen, die matriarchale Kulte pflegten mit matriarchalischen Symbolen und Riten, einen männlichen Teufel verehren, ja sein Werkzeug werden? Hexen gab es schon lange vor der christlichen Religion, und stets wurden Diana, Hekate, die gehörnte Isis als ihre Meisterinnen genannt.

Im 10. Jahrhundert schien der Kult der weiblichen Götter noch so selbstverständlich, daß die Kirche sich genötigt sah, dagegen einzuschreiten. Der Canon Episcop wendet sich gegen den Wahn von Frauen, die, „verführt durch Blendwerke der Dämonen“, meinen und behaupten, daß sie des Nachts mit Diana, einer Göttin der Heiden, und einer großen Zahl von Frauen auf Tieren durch die Luft reiten; wer glaube, daß dies wahr sei, weiche vom wahren Glauben ab und sinke wieder zurück in den Irrglauben der Heiden.

Teufel fickt Hexe

Die unterdrückten Muttergöttinnen

Im Hexenhammer wird aus Diana der Teufel: „Außerdem, wenn jemand die Worte des Canon aufmerksam durchsieht, wird er vielerlei bemerken, was Prediger und Priester in den ihnen anvertrauten Kirchen mit aller Eindringlichkeit dem Volke predigen sollen, erstens, daß niemand glauben möge, es gebe außer dem einen Gott noch ein höchstes und göttliches Wesen, zweitens, daß mit der Diana oder Herodias reiten weiter nichts ist als mit dem Teufel fahren, der sich nur so umgestaltet und so nennt ...“ Der matriarchale Glaube war also auch im 15. Jahrhundert noch nicht gänzlich ausgerottet — also höchste Zeit, gründlich dagegen vorzugehen!

Noch im 16. Jahrhundert schreibt Shakespeare seinen Macbeth-Hexen und den Feen in Midsummernight’s Dream die Hekate als Meisterin zu. Woher also der Teufel? Er kommt aus den Projektionen des Klerus selbst. Die detailliertesten Beschreibungen der verschiedenen Arten von Geschlechtsverkehr, den die Hexen mit dem Teufel trieben, die Incubi und Succubi, nehmen in den Schriften der Hexenjäger und in den Kasematten der Inquisition breiten Raum ein.

Der Satanismus hatte zur Zeit der großen Bauernaufstände eine gewisse politische Bedeutung. Gott war der Gott der Herrschenden, verbündete man sich also mit seinem Widersacher, war man stärker im Kampf gegen die weltlichen Herren. Michelet stellt die These auf, die Hexen seien Anführerinnen der aufständischen Bauern gewesen und hätten bei den Schwarzen Messen (Solidaritäts- und Organisationsmeetings auf kultischer Basis!) den Vorsitz geführt.

Die Hexenkünste

Was wurde den Hexen vorgeworfen? In erster Linie eben der Abfall vom wahren Glauben und die Teufelsbuhlschaften. Dann ihre Tätigkeit als Ärztinnen bzw. Abtreiberinnen. Weitere Punkte waren: Die Hexe kann sich und andere in Tiere verwandeln, Menschen und Tieren durch allen möglichen Zauber Schaden zufügen, Wetter machen, die Feld- und Baumfrüchte vernichten. Sie bereitet Heil-, Zauber- und Liebestränke, vorzugsweise aber giftiges Gebräu. Sie kann Frauen unfruchtbar machen und Männer zeugungsunfähig. Besonders dieser letzte Vorwurf kehrt immer wieder: der Hexenhammer unierscheidet natürliche und von Hexen verursachte Formen der Impotenz: „Wenn die Rute sich gar nicht bewegt, so daß der Mann niemals sein Weib erkennen kann, so ist dies ein Zeichen von Kälte. Aber wenn sie sich bewegt und steift, er aber nicht vollenden kann, so ist das ein Zeichen von Hexerei.“

Außerdem kann die Hexe auf Besen und ähnlichem Gerät, aber auch auf Tieren zu den Versammlungen, den Sabbats, reisen, wo sie wilde Orgien feiert und sich auf schändlichste Weise mit dem Satan vergnügt. Und sie bereitet Salben, mit deren Hilfe sie auf weite Reisen geht und sich in allerlei Gestalten verwandeln kann. Das heißt also, man warf den Frauen vor, daß sie sich organisierten.

LSD im Mittelalter

Der pharmakologische Aspekt der Anklage ist am leichtesten nachzuprüfen. Viele Märchen aus dem Mittelalter sind einfach die Beschreibungen von wirklichen Trip-Erlebnissen mit Kräutersäften und -salben. Zeitgenössische Wissenschafter wie Peuckert und Marzell haben Selbstversuche mit Hexensalben gemacht. Sie können authentisch von Hexenfahrten und Sabbats erzählen!

Marzell weist darauf hin, daß sich diese Salben aus giftigen Nachtschattengewächsen zusammensetzten, wie Alraune (Mandragora), Bilsenkraut, Stechapfel, Tollkirsche, Blauer Eisenhut, Fliegenpilz. Sie enthalten Alkaloide (Hyoscin, Atropin, Scopolamin), die Aufregungszustände, Unruhe, Tobsucht und Halluzinationen von Luftfahrten hervorrufen. In der richtigen Mischung und Dosierung wirken sie ähnlich wie Meskalintrips.

Der Volkskundler Will-Erich Peuckert, der 1960 Selbstversuche mit Hexensalben nach einem Originalrezept machte, beschreibt seine Erlebnisse: „... und plötzlich hatte ich das Gefühl, als flöge ich meilenweit durch die Luft. Der Flug wurde wiederholt durch tiefe Stürze unterbrochen. In der Schlußphase schließlich das Bild eines orgiastischen Festes mit grotesken sinnlichen Ausschweifungen.“ Ein Hexensabbat!

Und die Verwandlung von Menschen in Tiere? 1925 schrieb der Bonner Pharmakologe Fühner, daß die narkotischen Hexensalben auch Aconit (Bestandteil des Blauen Eisenhutes) enthielten: „Gerade durch diesen Zusatz mit seinen die Nervenenden in der Haut erregenden, dann lähmenden Alkaloiden konnte die Autosuggestion der Tierverwandlung, des aus dem Körper hervorwachsenden Haar- oder Federkleides entstehen, wie wir heute ähnliche von der Haut ausgehende Sinnestäuschungen bei den Kokainisten beobachten.“

Zeugen haben beschrieben, wie Hexen in ihrem Kessel ein dampfendes, übelriechendes Gebräu kochten, einatmeten und sich dann hinlegten. Am nächsten Tag hätten sie die unglaublichsten Dinge erzählt. Golowin zitiert den Bericht eines Erzbischofs von Uppsala, der im vorigen Jahrhundert einen Zauberer in Lappland besuchte: „Dieser setzte eine Pfanne mit trockenen Kräutern in Brand und hielt seinen Kopf über den übelriechenden narkotischen Dampf derselben. In wenigen Minuten bedeckte Leichenblässe sein Gesicht, der Körper fiel nach kurzen Zuckungen in den Lehnstuhl zurück und lag regungslos, in allem einem Toten gleich, da. Doch bald kehrte er zurück und erzählte von fernen Gebieten, die er auf seiner ‚Reise‘ besucht haben will.“

Die heilige Inquisition killt zwei Häretiker

Frauenjagd

Die Millionen Frauen, die gefoltert und verbrannt wurden, waren nicht alle Hexen. Der Krieg gegen die Hexen war ein Kampf gegen das ganze weibliche Geschlecht. Jede Frau war potentiell eine Hexe. Hatte sie ein Mutter-(= Teufels-)Mal, rote Haare, war sie alt und häßlich oder jung und schön, sprach sie mit sich selbst, motzte sie gelegentlich auf oder war sie einfach jemandem unsympathisch — immer landete sie auf der Folterbank. Zur Anschuldigung genügte der Verdacht, als Beweis galt schon die Behauptung, sie sei nächtens als Katze herumgeschlichen.

Aber eigentlich brauchte es gar keiner Beweise, mit den Methoden der Inquisition konnte jedes beliebige Geständnis erreicht werden. Die Inquisitoren verlasen die Anklageschrift, in der alle Punkte schon enthalten waren. Die Angeklagte mußte anschließend gestehen und noch Details einfügen. War sie sofort geständig, so folgte bald darauf die Hinrichtung. Fand sie einen gütigen Henker, legte er ihr den Strick so um den Hals, daß er sie sofort erwürgte. Tat er das nicht, verbrannte sie langsam bei lebendigem Leibe.

Legte die Angeklagte kein Geständnis ab, wurde sie gefoltert — ausführlich, grausam, genüßlich (die Richter ließen sich gelegentlich dabei das Essen servieren). Offiziell durfte nur zweimal gefoltert werden, doch häufig wurden Frauen sechs- bis zehnmal der Tortur unterzogen, mit der Ausrede, daß man die Prozedur nur fortsetze. Die geistlichen und weltlichen Herren waren ungemein erfinderisch in allen physischen und psychischen Qualen.

Die Folter begann damit, daß man dem Opfer die Folterinstrumente zeigte, ihre Funktion erklärte und einige davon anlegte. Der Henker hatte dann die Beschuldigte zu entkleiden und am ganzen Körper nach Amuletten und Zaubermitteln abzutasten. Die Nackte wurde auf die sogenannte „Redebank“ gebunden und den Folterknechten überlassen. Dabei geschah es in der Regel, daß Büttel, Scharfrichter und Gefangenenwärter sie vergewaltigten, was dann auf das Konto des Teufels verbucht wurde. So erzählt der Hexenrichter Remigius von einem seiner Opfer, sie sei, obgleich noch ein unmannbares Kind, im Kerker wiederholt derartig vom Teufel genotzüchtigt worden, daß man sie halbtot aufgefunden habe. Nun begann erst die eigentliche Folter mit ihren verschiedenen Graden. Hatten die halbtoten Krüppel das letzte Geständnis gelallt, wurden sie auf einem öffentlichen Platz verbrannt.

Hexen heute

Aus Großbritannien hört man heute noch Berichte von Hexen. Hier ist die Tradition des prominenten Hexenmeisters Alastair Crowly lebendig, es gibt Crowly-Logen und „Covens“, eine Art Hexenorden.

Ed Sanders berichtet in seinem Buch über Charles Manson und die „Family“ über satanische Zirkel und Logen der US-Westküste, die aber wie faschistoide Geheimkulte wirken und sich mit schwarzer Magie nur aufputzen.

In vielen Dörfern in unseren Breiten wird noch alles Unheil, werden Krankheiten, verdorbene Ernten, Kühe, die keine Milch geben, Kindergeschrei in der Nacht usw. Hexen zugeschrieben. Selbsternannte „Hexenbanner“ verdienen ihr Geld, indem sie mit viel Hokuspokus das Haus, den Stall, das Kind enthexen und dabei den Verdacht auf eine beliebige Frau im Dorf lenken. Die Frau wird nicht selten daraufhin aus der Dorfgemeinschaft brutal ausgestoßen. — „Exorzist“ war bis vor wenigen Jahren noch eine Stufe der niederen kirchlichen Weihen für angehende Priester ...

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
1976
, Seite 59
Autor/inn/en:

Ingrid Strobl:

Geboren 1952 in Innsbruck. Studierte Germanistik und Kunstgeschichte. 1979 zog sie nach Köln, arbeitete sechs Jahre lang als Redakteurin bei der Zeitschrift „Emma“ und machte sich 1986 als freie Autorin selbstständig (Sachbuch, Roman, Hörfunk und Fernsehen).

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