FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1954 - 1967 » Jahrgang 1966 » No. 155-156
Maria Szécsi

Wie unvermeidlich ist das Unvermeidliche?

Zur Franz Mareks „Philosophie der Weltrevolution“, Europa-Verlag, Wien

Die These von der Unvermeidlichkeit des Sozialismus gehört zur Quintessenz der marxistischen Geschichtsauffassung. Fast 120 Jahre sind vergangen, seitdem das Kommunistische Manifest erstmalig den kommenden Sieg der Arbeiterklasse als unumstößliches Gesetz der Geschichte proklamierte. In der von Marx souverän vollzogenen Identifizierung der Wünsche und Hoffnungen der Bewegung mit der wissenschaftlich erwiesenen historischen Notwendigkeit lag das Geheimnis der gewaltigen mobilisierenden Kraft des Marxismus.

Aber eben dort lagen auch Gefahr und Versuchung der marxistischen Tradition: die Rechtfertigung des eigenen Handelns durch die als objektiv dargestellte historische Gesetzmäßigkeit, die Verwandlung der Historie in Metahistorie.

Das war der dialektische Gewaltakt, auf den sich letztlich der Führungsanspruch der Kommunisten gründete. Schon die Partei Lenins begriff sich als authentische Interpretin der marxistischen Wissenschaft und damit als verlängerter Arm der von ihr, und nur von ihr, richtig verstandenen historischen Notwendigkeit. Bis schließlich, im vollendeten Stalinismus, die absolute Identität zwischen den Entschließungen der Partei und dem Auftrag der Geschichte hergestellt wurde, „so daß selbst die nackte Willkür in den majestätischen Mantel der unentrinnbaren Gesetzmäßigkeit schlüpfte“.

Die zitierten Worte stammen von einem, der es wissen muß. Franz Marek war damals und ist heute zweifellos der fähigste politische Ideologe der KPÖ. Sein jüngstes, im Europa-Verlag, Wien, erschienenes Büchlein, „Die Philosophie der Weltrevolution“, legt Zeugnis von dem Weg ab, den er zurückgelegt hat. Alles in allem — ein bemerkenswert dicker Schlußstrich unter die alte, marxistisch-leninistische Scholastik, eine klare Absage an die Denkgewohnheiten und Sprachregelungen der Orthodoxie. Wer die Diskussion unter den österreichischen Kommunisten in den letzten Jahren verfolgt hat, wird über diesen Ausbruchsversuch aus der „starren Festung der Ideologie“ — um ein Wort Ernst Fischers zu borgen — nicht erstaunt sein. Marek ist schon seit langem kritischer Frondeur in seiner eigenen Partei, das geistige Haupt der „rechten“, „italienischen“ oder, schlichter gesagt, revisionistischen Richtung im österreichischen Kommunismus.

So ist auch die Frage, die er hier stellt: Hält die These von der Unvermeidlichkeit des Sozialismus einer Prüfung im Licht der Erfahrungen stand? — nicht oder zumindest nicht nur rhetorisch gemeint, die Antwort kein schmetterndes Ja. Was er bietet, ist eine nachdenkliche „marxistische Flurbereinigung“ (das Wort stammt von ihm), in der die Fragezeichen die Rufzeichen bei weitem überwiegen.

Und das ist Anlaß, die Zahl der Fragezeichen noch um ein paar zu vermehren.

Die Etablierung des Marxismus als Partei-Ideologie (sowohl in der alten Sozialdemokratie wie später in den kommunistischen Parteien) hat dazu geführt, daß sich der innermarxistische Meinungsstreit zwangsläufig in der Form einer ewigen Suche nach dem „wahren Marx“, eines ewigen Kampfes gegen die „Vulgarisierung“ der Lehre auf der einen, und gegen die Häresie auf der anderen Seite abspielen mußte. Wie die Geschichte selbst in marxistischer Sicht, so ist auch der Marxismus eine Sache, „die schon gemacht ist und doch erst gemacht wird“, und daher ebenso schwierig zu begreifen.

Es ist sein Schicksal, immer wieder vulgarisiert zu werden, denn nur in seiner „vulgären“ Form — von der populären gar nicht zu sprechen — bietet er die benötigten unerschütterlichen Sicherheiten; aber er muß auch immer wieder entvulgarisiert werden, denn nur in seinen subtilen Formen kann er in der Welt des Geistes fruchtbar werden.

Leider verflüchtigt sich mit dem steigenden Grad der Subtilität der Interpretation auch die Eindeutigkeit und Konkretheit der Marx’schen Aussagen, so daß dem kritischen, zur Häresie neigenden Intellekt stets wieder die alten, unerschütterlichen Wahrheiten entgegengeschleudert werden müssen. Und so kommt es, daß die längst widerlegte „Vulgärform“ in jeder neuen Runde des Streits immer wieder fröhliche Urständ feiert, worauf die Sisyphusarbeit der Entvulgarisierer von neuem beginnt.

Fatalismus und Notwendigkeit

Einer der schwersten Brocken, den der entvulgarisierende Sisyphus regelmäßig aus der Tiefe des vulgären Flachlandes wieder auf die Höhe der marxistischen Geistigkeit hinaufrollen muß, ist der in allen dialektischen Farben schillernde Begriff der historischen Gesetzmäßigkeit. Auch Marek rollt. Im Flachland liegt für ihn alles, was zur „fatalistischen Entartung“ der marxistischen Geschichtsauffassung beigetragen hat, also die Gleichstellung der gesellschaftlichen „Bewegungsgesetze“ mit den unabhängig vom Bewußtsein der Menschen wirkenden Naturgesetzen, der simple ökonomische Determinismus mit seiner eindeutigen Beziehung (bei Stalin sogar mit „absoluter Übereinstimmung“) zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen, zwischen ökonomischem Unterbau und ideologischem Überbau, und ganz allgemein die Verabsolutierung der Marx’schen Thesen und Voraussagen über den Gang der Geschichte. Auf der Höhe liegt für Marek die hegelianisch inspirierte Lösung des Rätsels, die zwar den historischen Prozeß als Menschenwerk begreift, aber die Menschen durch die notwendige Erkenntnis des Notwendigen das Notwendige schließlich doch vollziehen läßt. Oder, in Mareks Worten: „Die Erkenntnis von der Gesetzmäßigkeit der Entwicklung schließt die Erkenntnis ein, daß immer mehr Menschen von der Notwendigkeit dieser Entwicklung überzeugt werden. Nur dadurch wird diese Entwicklung auch notwendig.“

Und so ist der Brocken wieder oben!

Die wirklichen Schwierigkeiten beginnen allerdings bei der Konkretisierung dieses Satzes, der an sich keine empirische Bestätigung oder Widerlegung zuläßt. Welcher Art sind die Gesetze, die sich aus diesem „wunderbaren Mechanismus“ (das Wort stammt von Max Adler und wird von Marek zitiert) ergeben? Wie setzen sie sich durch, wenn sie erst durch das Bewußtsein der Menschen, durch ihre freien Willensentscheide wirken können? Und welchen Sinn hat es, von freien Willensentscheiden zu sprechen, wenn das Resultat dieser Entscheide vorausbestimmt ist? Und so weiter.

Mareks mustergültige Bestandaufnahme dieses schwierigen Terrains kann keine neuen Antworten hervorzaubern. Aber sie bringt, halb mit, halb gegen seinen Willen, den eigentlichen Grund für das ständige Hin- und Herpendeln der marxistischen Tradition zwischen der deterministischen und der dialektischen Lösung heraus.

Deutet man die „Bewegungsgesetze“ handfest, konkret, als unmittelbaren und eindeutigen Bestimmungsgrund des historischen Geschehens, kurzum als „eherne Notwendigkeit“, dann hat man wirkliche „Gesetze“ im allgemein akzeptierten Sinn des Wortes in der Hand, aber dann rutscht man unweigerlich in die philosophische Falle des fatalistisch-naturgesetzlichen, „vulgären“ Determinismus.

Vermeidet man hingegen die fatale Falle der Fatalität, betont man den dialektischen Aspekt, die Wechselwirkung, die „menschliche Praxis“, die Jugendschriften, Hegel, Lukács und Gramsci, so wahrt man zwar die philosophische Tugend, aber was dann von den „Gesetzen“ zurückbleibt, hat so wenig Substanz, so wenig Aussagekraft für die Analyse konkreter historischer Situationen, daß sich nagende Zweifel melden müssen. Wir verbleiben dann bei einer „Gesetzmäßigkeit“, die in Wirklichkeit nur eine allerallgemeinste „allgemeine Tendenz“ ist, mit — wie Marek es ausdrückt — „genügend Spielraum für beschleunigende und verzögernde Momente, für Besonderheiten und Schwankungen, für Unbestimmtheiten in der großen Gewißheit“.

Spielraum und Gewißheit

Das ist schön gesagt. Jedoch: Wie lange kann die Verzögerung dauern? Wie groß ist der „genügende“ Spielraum für die Unbestimmtheit? Auf lange Sicht, sagte Keynes, sind wir alle tot. Und wenn wir den Spielraum der Unbestimmtheit groß genug machen, entschwindet die Gewißheit in den Wolken. Das große Dilemma der marxistischen Geschichtsauffassung ist damit — wie ich es sehe — nicht beseitigt. Die Konzeptionen der „Wechselwirkung“ und der „Determiniertheit“ im historischen Ablauf lassen sich weder durch die Erweiterung des Bereichs der Unbestimmtheit in einem gegebenen Zeitpunkt noch durch die Zurückverlegung des determinierenden Faktors in die zeitlich „letzte Instanz“ (wie es Engels versucht hat) unter einen Hut bringen.

Marek sieht wohl in dieser Schwierigkeit das Grundproblem des Marxismus, aber er leugnet, daß es sich um einen Grundwiderspruch handle. Allerdings ist er ehrlich genug, einzuräumen, daß manches, was Marx und Engels selbst, vor allem der letztere, geschrieben haben, der deterministischen Fehldeutung reichlich Nahrung gibt. (In Wirklichkeit war ja Engels der größte Vulgarisator von allen!) Damit bricht er in äußerst erfrischender Weise ein eisernes Tabu der Orthodoxie, wonach es in den Werken von Marx und Engels nicht nur keinen Hauptwiderspruch, sondern überhaupt keine bedeutenderen Widersprüche im Theoretischen geben darf.

Im übrigen ist es aber schade, daß er nicht doch den kleinen Schritt weitergeht, zu dem seine im großen und ganzen sehr freundschaftliche Auseinandersetzung mit Sartre führen könnte. Er selbst zitiert, durchaus zustimmend, die Formel Sartres vom „Feld der Möglichkeiten“, in dem sich die menschliche Praxis bewegt. Das entspricht dem soziologischen Modell des „offenen Prozesses“, der sich durch die sukzessive Realisierung jeweils einer von mehreren Möglichkeiten in jeder Entwicklungsphase sozusagen von neuem bestimmt; im Unterschied zur Marx’schen Konzeption hat dieses Modell in jedem Zeitpunkt eine bestimmte Anzahl von „Freiheitsgraden“, von alternativen Entwicklungsmöglichkeiten, keineswegs aber Freiheit in allen Richtungen.

Mittels eines solchen Modells ließe sich der Ablauf der Geschichte darstellen unter voller Wahrung der fundamentalen Marx’schen Einsichten in die gesellschaftliche Bedingtheit des menschlichen Handelns, in die Zusammenhänge von Ökonomie, Politik und Ideologie. Verzichten müßte man bloß auf die bedrückende Vorstellung von der durchgehenden Determiniertheit des Gesamtprozesses, deren eschatologischen Beigeschmack man ohnehin nie loswerden wird. Und das wäre nicht schade. Die bei Marek noch anklingende Auffassung, daß die Geschichte nur als vollkommen gesetzmäßiger Prozeß oder als „Sammlung von Zufälligkeiten“ verstanden werden kann, sollte keinen Platz auf einer bereinigten marxistischen Flur haben.

Freiheitsgrade und Freiheit

Die Frage nach der Unvermeidlichkeit des Sozialismus kann allerdings ganz unabhängig davon gestellt werden, ob man an das Funktionieren des „wunderbaren Mechanismus“ glaubt oder nicht. Denn hier handelt es sich um einen Sonderfall: um die Marx’sche Analyse des Kapitalismus und seiner Widersprüche, um die Theorie der sozialistischen Revolution als Resultat der durch diese Widersprüche ausgelösten Klassenkämpfe. Marx könnte in diesem Sonderfall recht gehabt haben, ohne daß seine Gesamttheorie stimmen müßte.

Daß es gerade bei diesem Sonderfall am meisten hapert, ist nunmehr schon bis Moskau bekannt geworden, so daß sich ein Katalog der zahlreichen, unartigen Abweichungen der Geschichte von der im „Kapital“ entworfenen Synopsis des vierten Aktes des großen Menschheitsdramas erübrigt. [*]

Marek gehört nicht zu der altmarxistischen Gilde, die ihre Hauptaufgabe in der Bagatellisierung dieser Abweichungen sieht (und deren Vertreter übrigens keineswegs nur im kommunistischen Lager zu suchen sind). Er steht nicht an, einzuräumen, daß es ziemlich massiv anders gekommen ist, als es in dieser Synopsis vorgezeichnet war. Ebenso verschmäht er die dürftige Ausrede, daß ja Marx „kein Prophet“ gewesen sei und daher die Diskrepanz zwischen seinen Voraussagen und der Wirklichkeit der Richtigkeit seiner Thesen keinen Abbruch tue. Ein „Gesetz“ hat entweder prognostischen oder gar keinen Wert. Das anerkennen, heißt ihm auch zugeben: „Das Marx’sche Modell geht nicht ganz auf.“

Mehr noch als mit der unerwarteten Entwicklung des neokapitalistischen Wirtschaftswunders beschäftigt sich Marek mit der gänzlich modellwidrigen Verlagerung des Schauplatzes der sozialistischen Revolution aus dem Herzen Europas, wo sie hätte stattfinden sollen, nach dem Osten, wo sie nie hätte stattfinden dürfen.

Hier geht er zur Wurzel, zum ganzen Komplex der marxistischen Tradition: Problem der Beziehung zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen, Bedingungen der Ablöse einer Gesellschaftsordnung durch die andere, Stufenschema usw. Die Tatsache, daß die in der älteren marxistischen Literatur überlieferten Thesen zu diesen Fragen Jahrzehnte lang zusammen mit der radikal abweichenden Lenin’schen Revolutionstheorie gelehrt wurden, als ob es sich um eine bloße „Korrektur“ und „Weiterentwicklung“ desselben theoretischen Modells handle und nicht um etwas ganz anderes, erregt Mareks nachträgliche Verwunderung. Zu Unrecht allerdings zollt er — meines Erachtens — dem Theoretiker Lenin so großes Lob für dessen „kopernikanische Wendung“ in der Lehre.

In Wirklichkeit hat Lenin durch die Tat und nicht durch die Theorie Marx widerlegt. Die neue Theorie war ex post und nicht ex ante, wurde sie doch von Lenin erst am Vorabend der Oktoberrevolution entworfen, als er bereits auf Grund der schon damals ganz anders gearteten russischen Verhältnisse die Möglichkeit der Tat erwog. Auch daß er auf seinem vorgeschobenen Posten das Gras in Asien eher wachsen hörte als die für die große Welt immer schon schwerhörige deutsche Sozialdemokratie, spricht mehr für seine unbestrittene politische Intuition als für eine überragende theoretische Leistung.

Wie wenig Lenin als Theoretiker mit Marx verglichen werden kann, geht auch daraus hervor, daß von seinem viel später geschriebenen „Imperialismus“ heute so gut wie nichts an theoretischen Einsichten übriggeblieben ist, während man von Marx trotz allem noch zehrt. (Die bloße Tatsache, daß es Monopole gab und gibt, ist natürlich keine Theorie.)

Der Westen bricht das Gesetz

Letzlich bleibt noch der unbotsame Westen. Wie unvermeidlich ist der Sozialismus nach allen diesen Modifikationen der Bewegungsgesetze nun wirklich? Auch hier sieht Marek das marxistische Hauptproblem dort, wo es wirklich ist, nämlich in der Entschärfung der berühmten inneren Widersprüche des Kapitalismus, die sich eigentlich immer mehr verschärfen müßten. Zwar bleibt der Kapitalismus weiterhin „sinnlos, lebensgefährlich, überholt“, aber von der Ökonomie her muß er nicht zwangsläufig untergehen. So erfahren wir: „Glitzernde, aber stagnierende Konsumgesellschaften (warum nur stagnierende?) und selbst autoritäre Wohlfahrtsstaaten (warum nur autoritäre?) sind möglich, ohne daß der Durchbruch zur sozialistischen Gesellschaft erfolgt.“ Das Gewicht der sozialistischen Argumentation müsse sich daher immer mehr auf die „moralische und intellektuelle Ebene“ verschieben.

Vor allem aber wird es nach Marek von der Attraktion des östlichen Beispiels abhängen, wie die Dinge im Westen gehen. Und hier richtet er einige beherzigenswerte Mahnungen an seine Genossen im Osten: „Höhere Wachstumsraten werden auf die Dauer für diesen Anschauungsunterricht nicht genügen; um einen wirklichen Durchbruch der sozialistischen Idee in den Ländern des entwickelten Kapitalismus zu erzielen, muß die neue Lebensordnung auch den überzeugenden Nachweis liefern, daß sie die höheren menschlichen Qualitäten garantiert, mehr Bildung und Moral, mehr Lebenssinn und Demokratie.“ Und schließlich: „Die Erkenntnis, daß das Neue auch besser ist, ist die Voraussetzung der Realisierung des Bewegungsgesetzes.“ Hier wäre — noch immer im Sinne Mareks — beizufügen, daß dies nur der Fall sein wird, wenn das Neue auch wirklich besser ist.

So bleibt zuletzt die „Unvermeidlichkeit“ des Sozialismus im Konjunktiv stecken, worüber auch Mareks Beharren auf der ungebrochenen „Pfeilrichtung“ der historischen Bewegung nicht hinwegtäuschen kann.

Sozialismus als Möglichkeit

Es bleibt die Frage, welchen Sinn es hat, unter diesen Umständen überhaupt noch an der Fiktion eines „allgemeinen Bewegungsgesetzes“ der Geschichte festzuhalten. Die einfache Erwartung, daß die Menschen durch die unmittelbare Anschauung von einer guten und noch dazu nützlichen Sache überzeugt werden können, bedarf keiner so komplizierten Begründung. Die Verbreitung ökonomischer und gesellschaftlicher Einrichtungen von einem Land zum andern durch Imitation, Anpassung und Gewalt ist ein allgemein bekannter historischer Vorgang, der nichts mit der von Marx postulierten Eigengesetzlichkeit der Systeme zu tun hat. Und da sich ganz offenbar im Lauf der ganzen Geschichte der Menschheit bisher nur zwei ökonomische Systeme abgezeichnet haben, die imstande sind, die Produktivkräfte gemäß den technischen Möglichkeiten weiterzuentwickeln — nämlich kapitalistische Marktwirtschaft und zentral geplante Staatswirtschaft —, kann man ohne Zuhilfenahme einer von Anbeginn fixierten „Pfeilrichtung“ voraussagen, daß die Zukunft nur zwischen diesen beiden, möglicherweise auch in einer Kombination ihrer Elemente und Spielarten, liegen kann.

Indessen harrt der groß geschriebene Sozialismus, der Sozialismus als Befreiungsidee, hüben wie drüben noch immer seiner Erfüllung. Er war schon zu Marx’schen Zeiten eine sichtbar gewordene Möglichkeit. Das ist er heute noch. Mehr kann keine Wissenschaft geben. Die Kraft, diese Möglichkeit zu verwirklichen, müssen wir nach wie vor aus dem geheimnisvollen Stoff ziehen, aus dem die Hoffnungen und Träume der Menschheit gemacht sind.

[*Die Anspielung bezieht sich auf das bekannte Marx’sche Schema mit seinen sechs Entwicklungsstufen: Urkommunismus, Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Dezember
1966
, Seite 704
Autor/inn/en:

Maria Szécsi: Redakteurin von „Arbeit und Wirtschaft“, dem Organ des Österreichischen Gewerkschaftsbundes und der Arbeiterkammern, Ko-Autorin des Werkes „Die NS-Justiz in Österreich“, publiziert in einer Reihe österreichischer Periodika.

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