FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1954 - 1967 » Jahrgang 1965 » No. 142
Hermann Mörth

Traum vom einen Sozialismus

Der Autor bat uns um Abdruck seiner folgenden Vorbemerkung:

Dem unterrichteten Leser wird es nicht schwerfallen, Widersprüche zwischen den nachstehend entwickelten Gedanken und meinen früheren Außerungen irn FORVM oder in der ‚Zukunft‘ zu entdecken. Ich leugne diese Widersprüche nicht; bin ich doch nicht der erste, der von der gesellschaftlichen Entwicklung berichtigt wurde. Es darf mich aber keine falsche Rücksicht auf mein publizistisches Prestige daran hindern, ‚auszusprechen, was ist‘, bzw. was ich als richtig erkannt habe. Wohl aber verpflichtet mich die Rücksicht auf meine Partei, die SPÖ, sie von jeder Mitverantwortung für meine in diesem Artikel dargelegten persönlichen Meinungen zu entlasten. Deshalb bin ich dem wirklich unabhängigen FORVM dankbar, daß es meinen Auffassungen Raum gewährt.

FORVM gewährt diesen Raum, weil es den wirklich unabhängigen Autor schätzt und sich für Diskussion aller die Freiheit der Welt betreffenden Probleme zuständig hält. Nicht hingegen für die von seinen Autoren geäußerten persönlichen Meinungen, für welche es keine andre Verantwortung trägt, als daß es sie für veröffentlichenswert hält. Diese Verantwortung trägt es allerdings mit Freude.

Der geistige Führer der österreichischen Sozialdemokratie in der Ersten Republik, Otto Bauer, hat im tschechoslowakischen Exil 1936 sein letztes Werk — „Zwischen zwei Weltkriegen?“ — geschrieben. Darin hinterließ er den jungen revolutionären Sozialisten Österreichs, die das Erbe des Austromarxismus übernommen und in der Illegalität fortgeführt hatten, sein politisch-ideologisches Vermächtnis. Dieses klang aus in dem leidenschaftlichen Wunsch nach dem integralen Sozialismus, in der Forderung nach Wiedervereinigung der revolutionären und der demokratisch-reformistischen Zweige der Arbeiterbewegung.

Dieses letzte Buch Otto Bauers, in dem er „die Krise der Weltwirtschaft, der Demokratie und des Sozialismus“ zwischen den zwei Weltkriegen mit tiefschürfender Prägnanz analysierte, ist in der Zweiten Republik nicht mehr aufgelegt worden und gehört heute zu den Seltenheiten der austromarxistischen Literatur. Für die Unterlassung der Wiederherausgabe des politischen Vermächtnisses des großen Denkers und Kämpfers der österreichischen Arbeiterbewegung mögen bisher mancherlei triftige Gründe gesprochen haben. Vor allem war es als Morgengabe der Sozialisten für die Koalitionsehe mit den bürgerlichen Verfolgern und Unterdrückern von gestern denkbar ungeeignet, die düster-schmerzlichen Schlußfolgerungen eines enttäuschten, verbitterten, geschlagenen Feldherrn eine untragbare Hypothek für den neuen Anfang in der Zweiten Republik.

Otto Bauer bekommt Recht

Die Geschichte gibt jedoch nicht immer und endgültig den Siegern recht. Ihr widerspruchsvoller Verlauf rechtfertigt manchmal zuletzt auch die Besiegten. Die gegenwärtige Entwicklung des Weltkommunismus— insbesondere jenes Moskauer Prägung — gibt Otto Bauer recht. Seine Forderung nach Wiedervereinigung der revolutionären und der demokratischen Sozialisten, nach Aufhebung ihrer Gegensätze in einem integralen Sozialismus, ist angesichts der gegenwärtigen Aspekte zu einer realen, wenn auch noch fernen Perspektive geworden.

„Hat die Geschichte“, formulierte Bauer, „das Denken des Sozialismus differenziert, so gilt es heute, es zu integrieren. Es gilt, über die erstarrten Anschauungen des demokratischen Sozialismus und des Kommunismus hinwegschreitend, einen integralen Sozialismus zu entwickeln, der die geschichtlich gewordenen Besonderheiten und Beschränktheiten beider zu überwinden vermag, um beide in sich aufzunehmen.“

Otto Bauer knüpfte die damals so unerhört kühne und optimistische Forderung nach einem integralen Sozialismus an seine geniale Voraussicht der nun mit Stalins Tod eingeleiteten und seit damals unaufhaltsam, wenn auch langsam und mit Rückschlägen fortschreitenden Demokratisierung und Humanisierung in der Sowjetunion und im Weltkommunismus Moskauer Prägung.

Der Kommunismus wird menschlicher

„Der Prozeß der Umwandlung der kapitalistischen Gesellschaft in die sozialistische, der sich in der Sowjetunion vollzieht“, schrieb Otto Bauer, „wird erst vollendet sein, wenn die Diktatur, die allein diesen Prozeß in Gang setzen und im Gang erhalten konnte, abgebaut und durch eine sozialistische Demokratie ersetzt sein wird, die die Volksmassen selbst auf der Basis der wiederhergestellten individuellen Rechtssicherheit, der vollen geistigen Freiheit, der unmittelbaren kollektiven Selbstbestimmung, zu Herren ihres Arbeits-, Lebens- und Kulturprozesses machen wird.“

Dieser von Otto Bauer vorausgesagte Redemokratisierungs- und -humanisierungsprozeß in der Sowjetunion ist zwar noch lange nicht vollendet, aber er ist in Gang gekommen und das ihm gesetzte Ziel ist bereits zu erkennen. Dieser Prozeß kann vorübergehend unterbrochen oder verlangsamt, aber er kann auf die Dauer nicht mehr aufgehalten oder gar rückgängig gemacht werden. Otto Bauer gründete seine geniale Voraussicht auf den Gang dieses Redemokratisierung- und Rehumanisierungsprozesses in der Sowjetunion nicht auf fromme Wünsche, sondern auf soziale Entwicklungsgesetze, die mit der Umformung der archaischen russischen Agrargesellschaft in eine moderne Industriegesellschaft in Kraft getreten sind. Er gab seiner Zuversicht in die Auswirkung dieser gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze mit folgenden Worten Ausdruck:

Aber wenn nur diese bürokratische Diktatur den großen gesellschaftlichen Umwandlungsprozeß vollziehen konnte, so wird sie ... auf einer Entwicklungsstufe, der sich die Sowjetgesellschaft rasch nähert, zum Hindernis der Vollendung dieser Entwicklung.

Otto Bauer traf diese Voraussage zu einer Zeit, als sich das Wüten des stalinistischen Terrors in der Sowjetunion seinem Höhepunkt näherte, zu einer Zeit, da Stalin seinen Ausrottungsfeldzug gegen die Kampfgefährten Lenins begann. Dieser lichtvolle Ausblick aus der tiefsten Finsternis der stalinistischen Despotie ist von der sowjetischen Gegenwart bestätigt worden. Die moderne Industriegesellschaft in der Sowjetunion hat eine Stufe erreicht, auf der die „bürokratische Diktatur“ zum Hindernis der weiteren Entwicklung dieser Gesellschaft geworden ist.

Man braucht nur einen flüchtigen Blick auf die nachstalinistische Sowjetgesellschaft, auf die umfangreiche russische „Tauwetter“-Literatur und auf westliche Veröffentlichungen über die moderne Sowjetunion zu werfen, um die Voraussage Otto Bauers bestätigt zu sehen. Unter dem Zwang objektiver Bedingungen folgt die soziale Entwicklung in der Sowjetunion den Gesetzen und Erfordernissen der modernen Industriegesellschaft. Sie hat trotz den konträren Eigentumsverhältnissen und Ideologien schon mehr Gemeinsamkeit mit den kapitalistischen Industriegesellschaften als mit den kommunistischen Entwicklungsländern.

Chinas roher Kommunismus

Dagegen treten zwischen den Kommunisten der UdSSR und den prosowjetischen Industriestaaten einerseits und den KP-Führern Chinas sowie den prochinesischen Entwicklungsländern anderseits nunmehr ähnliche Gegensätze auf wie jene, die einst die demokratischen und revolutionären Sozialisten (Sozialdemokraten und Kommunisten) in zwei schier unversöhnliche Lager geschieden haben. Die Dialektik der Geschichte ist selbst von der genialsten Prophetie nicht vorauszusehen oder zu übertreffen. Sie fügt alte Thesen und Antithesen auf höheren Entwicklungsstufen zu Synthesen zusammen und schickt dafür neue Gegensätze zur Aufhebung ihrer Widersprüche auf die Reise durch ein Labyrinth gleicher oder ähnlicher Probleme.

Was nach dem Ersten Weltkrieg Sozialdemokraten und Kommunisten so nachhaltig voneinander trennte und was heute wieder den kommunistischen Block in zwei Lager spaltet, ist im Grunde nichts anderes als die Auffassung von zwei verschiedenen Wegen zum Sozialismus, die den Völkern von ihrer Entwicklungsstufe vorgeschrieben werden. Auf Grund der bisherigen Entwicklung kann man folgende Erfahrungssätze aufstellen:

  1. Demokratische Industrieländer können nur durch allmähliche soziale Reformen, durch gewerkschaftliche Klassenkämpfe auf dem Boden der Demokratie und in den Parlamenten vom Kapitalismus zum Sozialismus gelangen.
  2. Agrarländer sind meist gezwungen, ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rückstand auf revolutionärem Wege zu überwinden und auf diktatorischem Wege aufzuholen. Der Zwang, zum Sozialismus zu gelangen, ist für sie dringender als für demokratische Industrieländer, weil sie den Abstand zu deren höheren Entwicklungsstufen unter der Knute der weltwirtschaftlichen Konkurrenz und Verflechtung überspringen müssen. Meist ist die soziale Revolution für sie der einzige Weg zur Erlangung, und die Diktatur der einzige Weg zur Behauptung der nationalen Unabhängigkeit.

In dieser Hinsicht haben Marx und Engels geirrt. Nicht in den hochkapitalistischen Gesellschaften reifen die Bedingungen für den Übergang zum Sozialismus früher heran, sondern die zurückgebliebenen Agrargesellschaften schlagen die ersten Breschen zum Sozialismus, da ihnen der reformistische Weg von einer Etappe zur anderen verschlossen ist.

Trotzkis Gesetz der Sprünge

Die plausibelste Erklärung für diese Umkehr der Erwartungen von Marx und Engels hat der Feuergeist der russischen Revolution und kongeniale Kampfgefährte Lenins, Leo Trotzki, geliefert. Er schrieb darüber in seiner „Geschichte der Russischen Revolution“:

Insofern die Tatsache, daß das Proletariat zuerst in einem rückständigen Lande an die Macht gelangte, immer wieder als besonders rätselhaft erscheint, muß man von vornherein die Erklärung dieser Tatsache in der Eigenart dieses rückständigen Landes suchen.

Gezwungen, den fortgeschrittenen Ländern nachzueifern, hält das rückständige Land die Reihenfolge nicht ein: das Privileg der historischen Verspätung zwingt, sich das Fertige vor der Zeit anzueignen, eine Reihe Zwischenetappen zu überspringen.

... Unter der Knute äußerer Notwendigkeit ist die Rückständigkeit gezwungen, Sprünge zu machen. Aus dem universellen Gesetz der Ungleichmäßigkeit ergibt sich ein anderes Gesetz, das man mangels passenderer Bezeichnung das Gesetz der kombinierten Entwicklung nennen kann, im Sinne der Annäherung verschiedener Wegetappen, Verquickung einzelner Stadien, des Amalgams archaischer und neuzeitlicher Formen. Ohne dieses Gesetz ... vermag man die Geschichte Rußlands, wie überhaupt aller Länder zweiten, dritten und zehnten Kulturaufgebots nicht zu erfassen.

Damit hat Leo Trotzki erklärt, warum gerade das damals so rückständige Rußland zum Pionier der sozialistischen Revolution werden mußte, damit ist auch erklärt, warum eigenständige kommunistische Revolutionen nur in den zurückgebliebenen Agrarländern Jugoslawien, Albanien, China, Kuba und Vietnam siegen konnten. Die sowjetisch aufgezwungenen Machtübertragungen in den sogenannten Volksdemokratien passen nicht in diesen Rahmen.

Zum integralen Sozialismus

Geht man nun dem Bruch zwischen der Sozialdemokratie und dem Kommunismus auf den Grund, so kommt man darauf, daß sich die internationale Arbeiterbewegung am Wegkreuz zwischen Revolution und Evolution, zwischen Diktatur und Demokratie gespalten hat. Die zwei Wege zum Sozialismus führten sie weit auseinander. Gegenseitige Vorwürfe und Beschuldigungen, die das Verhältnis zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten so sehr vergifteten, daß beide nicht mehr im faschistischen oder reaktionären Klassengegner, sondern im proletarischen Klassengenossen den Hauptfeind sahen, haben in der objektiven historischen Rückschau keinen Sinn und keine Berechtigung mehr, denn beide waren im Recht. Die Sozialdemokraten fanden in den fortgeschrittenen Industrieländern keine revolutionäre Situation vor, sie hatten nur die Möglichkeit, die Lebenshaltung der Arbeiterschaft in Klassenkämpfen um fortschreitende soziale Reformen zu verbessern und sich dem Sozialismus etappenweise zu nähern. Die Kommunisten in den rückständigen Entwicklungsländern hingegen mußten und müssen die Staatsmacht auf revolutionärem Wege erobern und mit diktatorischen Mitteln behaupten, bis sie die materielle Basis für eine sozialistische Demokratie geschaffen haben. Der Konflikt verhärtete sich an dem beiderseitigen tragischen Irrtum, daß für beide nur der eine Weg zum Sozialismus führe.

Der Reformismus hat Recht

Die gesellschaftlichen Bedingungen diktierten den Sozialdemokraten in den fortgeschrittenen Industrieländern die reformistische Tagespraxis und aus ihr erwuchsen auch reformistische Ideologien. Sie sind so alt wie die Arbeiterbewegung selbst und reichen über Ferdinand Lassalle, Eduard Bernstein und Karl Renner bis in unsere Tage. Otto Bauer, der auf dem widerspruchsvollen Mittelweg zwischen reformistischer Praxis und revolutionärer marxistischer Theorie gescheitert ist, hat selbst nachgewiesen, daß der von ihm so bekämpfte Reformismus der Sozialdemokraten unvermeidlich war.

„Der reformistische Sozialismus“, schrieb er in seinem mehrfach zitierten Vermächtnis, „ist aber nichts anderes als die unvermeidliche Ideologie der Arbeiterbewegung auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwicklung, auf jener Entwicklungsstufe, auf der die Arbeiterklasse zwar noch nicht stark genug ist, die kapitalistische Gesellschaftsordnung zu stürzen, wohl aber stark genug ist, die demokratischen Institutionen erfolgreich für ihre Kämpfe um die Hebung ihrer Lebenshaltung innerhalb der kapitalistischen Gesellschaftsordnung auszunützen. Wie die Spannung zwischen der Arbeiterbewegung und dem Sozialismus überhaupt, so muß also auf dieser Entwicklungsstufe auch die Spannung zwischen reformistischem und revolutionärem Sozialismus unvermeidlich immer wieder überwunden werden.“

Die große Lehrmeisterin Geschichte muß Sozialdemokraten und Kommunisten erst über die ideologische Verhärtung und Begrenzung jener Entwicklungsstufe hinwegführen, bis diese die objektive Notwendigkeit ihrer verschiedenen Wege zum Sozialismus begreifen. Es mußten erst ähnliche Differenzen zwischen den Kommunisten Belgrader, Moskauer und Pekinger Prägung aufbrechen, ehe die entwicklungsbedingte Natur dieser fundamentalen, unvermeidlichen Gegensätze klar wurde.

Zwang zur Koexistenz

Wäre die Politik der Sowjetunion nicht von einem ähnlichen Widerspruch zwischen weltrevolutionärer Zielsetzung und opportunistischer Tagespraxis beherrscht gewesen wie jene der Sozialdemokratie, dann hätten aufmerksame Beobachter schon nach dem ersten Schisma des Weltkommunismus bemerken müssen, daß die Sowjetunion bereits mit der Ausschaltung Leo Trotzkis und der Verwerfung seiner These vonder „permanenten Revolution“ den unblutigen Weg der Koexistenz mit der kapitalistischen Umwelt zur Abschirmung der allmählichen Umformung der eigenen Gesellschaft eingeschlagen hatte. Der „ Aufbau des Sozialismus in einem Land“ ließ keine andere Wahl. Hinter der revolutionären Geräusch- und Terrorkulisse der Stalin-Ära wurden diese grundlegenden Veränderungen überhört. Erst seitdem die Atombombe die Möglichkeit eines plötzlichen Endes jeder determinierten Geschichte angekündigt hatte, begannen sowohl die Kommunisten als auch die kapitalistische Umwelt zu begreifen, daß aus der taktischen Koexistenzdevise Lenins eine Maxime der sowjetischen Außenpolitik geworden war.

Im Grunde hatte sich auch Stalin stillschweigend daran gehalten, aber er fürchtete wohl mit Recht, daß eine theoretische Abschwächung der weltrevolutionären Zielsetzung den Kommunismus seines Elans beraubt und die Sowjetunion innerlich ausgehöhlt haben würde. Zur Rechtfertigung der ungeheuren Leiden und Opfer, die Stalin den Kommunisten und der sowjetischen Bevölkerung auferlegte, brauchte er die Verheißung der Weltrevolution. In Wirklichkeit fürchtete er aber nichts mehr als eigenständige, spontane, sozialistische Revolutionen, weil sie die Sowjetunion mit kapitalistisch-imperialistischen Interventionskriegen bedrohten und außerdem das Ende seiner dogmatischen Despotie über den Weltkommunismus ankündigten. Deshalb liquidierte Stalin die potentiellen kommunistischen Revolutionäre, soweit er sie rechtzeitig erkannte und ihrer habhaft werden konnte. Aus diesem Grunde führte er gegen die nazideutschen Aggressoren auch einen „vaterländischen“ Krieg statt eines revolutionär-ideologischen.

Stalin war unnötig

Damit ist keineswegs gesagt, daß Stalin die revolutionären Kommunisten in der Sowjetunion und solche anderer Länder aus purer Friedensliebe ausgerottet hat. Im Gegenteil. Gerade der frappante Widerspruch zwischen der faktischen Koexistenz mit der kapitalistischen Umwelt und dem Terror im Inneren der Sowjetunion hat jene Entartung und Fehlentwicklung im Kommunismus herbeigeführt, der sich die Erben Stalins nun gegenübersehen. Daraus geht auch hervor, daß jene Entartung und Fehlentwicklung in der Stalin-Ära durchaus nicht historisch bedingt und daher nicht historisch notwendig war.

Denn: „Das historisch Unvermeidliche“, schreibt der profilierte österreichische Linkssozialist Josef Hindels in seiner Studie „Lebt Stalin in Peking?“ sehr zutreffend, „ist fast immer in unterschiedlichen Variationen möglich. So war in der Sowjetunion, als dort die industrielle Basis des sozialistischen Aufbaues geschaffen wurde, eine Diktatur historisch unvermeidlich. Aber die Moskauer Schauprozesse und andere Schandtaten Stalins und seiner Clique sind weit davon entfernt, eine geschichtliche Notwendigkeit auszudrücken. Der Vulgärmarxismus, der jede Niedertracht Stalins aus der historischen Situation erklärt und als zwangsläufig bezeichnet, hat mit dem lebendigen und schöpferischen Marxismus, wie ihn Marx und Engels anwandten, nicht das Geringste zu tun.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Oktober
1965
, Seite 440
Autor/inn/en:

Hermann Mörth: Redakteur des Linzer „Tagblattes“, gehörte als Autor der „Zukunft“ und des FORVM zu den profiliertesten sozialistischen Publizisten Österreichs.

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