FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1969 » No. 181
Günther Nenning

Mondfahrt: Idiotie

Der Mond hatte schon immer mit dem menschlichen Wahnsinn zu tun. Es ist nur Methode in diesem Wahnsinn, daß wir Mondsüchtige demnächst endlich auf dem Gestirn landen, das seit je Symbol unseres Aberwitzes war.

Idiotie heißt nicht einfach Blödheit, sondern speziell unpolitische Blödheit; Idiot war der griechische Bürger, der sich nicht um die Polis kümmerte.

Um die Bürger dieser Welt davon abzulenken, ihre eigenen Probleme auch in ihre eigenen Hände zu nehmen, ist nichts teuer genug, zumal da es ohnehin deren eigenes Geld ist, das da zum Mond geschossen wird, und zumal da mit demselben billigen Geld rationellermaßen auch noch ein zweiter ebenso niederträchtiger Zweck verfolgt wird: neben dem Idiotisierungseffekt steht uns auch noch ein Militarisierungseffekt ins Haus. Die beiden Supermächte müssen auf Erden friedliche Koexistenz halten, nicht wegen des guten Willens, sondern wegen der ärgerlichen Patts in ihrer Waffentechnik; also wollen sie probieren, ob sie einander nicht vielleicht im Weltraum an die Gurgel können.

Es ist die uralte Funktion aller Feuerwerke, das Volk trotz allem glücklich, das heißt trotz allem unpolitisch zu halten. Was ist also schon viel passiert an Fortschritt in diesen Tagen vom 21. bis 27. Dezember 1968? Der Vergnügungsindustrie ist eigentlich schon Raffinierteres eingefallen. Es ist doch ziemlich langweilig, daß sich die Menschheit nun anschickt, auch in der Realität dort zu landen, wohin sie Science-fiction und Walt Disney ohnehin längst geführt haben. Frank Borman und seine Crew sind nur die lebensgroße Imitation von Donald Duck und seinen Neffen.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Januar
1969
, Seite 6
Autor/inn/en:

Günther Nenning:

Geboren 1921 in Wien, gestorben 2006 in Waidring. Studierte Sprachwissenschaften und Religionswissenschaften in Graz. Ab 1958 Mitherausgeber des FORVM, von 1965 bis 1986 dessen Herausgeber bzw. Chefredakteur. Betätigte sich als Kolumnist zahlreicher Tages- und Wochenzeitungen sowie als Moderator der ORF-Diskussionsreihe Club 2.

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