FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1979 » No. 309/310
Humbert Fink • Nina Hagen • Wolfgang Radl • Dieter Seefranz

hier anfassen

Die Club 2-Diskussion im Wortlaut

Jugendkultur lautete das Thema der Club-2-Fernsehdiskussion in Wien am 9. August 1979. Diskussionsleiter war Dieter Seefranz, um ihn herum saßen in der Ledergarnitur im Studio 4 des ORF u.a. Nina Hagen, Biermanns Exstieftochter, ihr gitarrespielender Freund Ferdinand aus Holland, der Kärntner Schriftsteller Humbert Fink, der Wiener Schriftsteller Christian Ide Hintze und ein Vertreter des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ), der Schüler Wolfgang Radl. Wir haben natürlich nur die lustigsten Passagen abgeschrieben.

Nina besteht auf ihrem Punkt. Gitarrist Ferdinand schaut zu.

Eine Haltlosigkeit, die aus Dummheit kommt

FINK: Ich heiße Humbert Fink, bin 47 Jahre alt, laut Aussagen des Fernsehens der Konservative vom Dienst, den man sich holt, wenn also Mangel an Konservativen ist, was in Österreich schwer sein dürfte. Und ob ich’s bin, das weiß ich nicht, ich bin Schriftsteller und Schluß aus.

SEEFRANZ: Und da gibt’s ein Buch, es heißt „Süditalien, Tränen unter der Sonne“, und dann gibt’s eins über die Ägäis ...

FINK: Die Ägäis ist zum Teil kaputtgemacht worden, einzelne Inseln, durch einige tausend Jugendliche, die sich als Hippies verkauft haben, keine Hippies sind — die Bewegung war was Großartiges, war was Faszinierendes. Das, was in der Nachfolge passiert is, is zum Teil fürchterlich gewesen, und wer heute auf griechische Inseln fährt, zum Beispiel Kreta einige Teile ...

NINA: Sprich doch weiter! Sag doch mal sag doch mal sag doch mal!

FINK: Ich weiß nicht, ob Sie die Verhältnisse kennen in diesen sogenannten Jugendzentren zwischen Indien und Lateinamerika, die sind so grauenhaft, die sind zum Teil so, daß sie weder mit Jugendkultur noch mit neuem Aufbruch noch mit Marcuse noch mit Nina Hagen oder Biermann noch mit konservativen Begriffen wie Ehre, Vaterland blabla oder Kirche irgendwas zu tun ham, sondern da ist eine Haltlosigkeit, die aus Dummheit kommt.

Ich kann immer gar kein Orgasmus kriegen

RADL (RFJ): Dort [im RFJ] setzn si junge Leut zusammen und machen si net nur über Musik Kopfzerbrechen, sondern aa über politisches Geschehen. Dadurch, daß wir net immer jung bleiben, werma vielleicht amoe aa a politische Szene übernehmen ...

NINA: Was heißt, du bleibst nich immer jung, spekulierste schon jetzt damit, daste so alt wirst im Kopf wie dein Vater oder wie dein Großvadder ?

RADL: Was hat das Alter mit dem Kopf zu tun?

FERDINAND: Doch, doch!

NINA: Du, das Alter hat doch was mitn Kopf zu tun. Wenn de älter wirst un du wirst dann genauso spießich wie meine Oma — ach, die is ja gar nich so spießich, aber nur mal zum Beispiel, ja —, dann sag ich mir: ja gut, o.k. ich kann so alt werden wie sie, aber ich brauch doch im Kopf nich so alt zu werden, es gibt doch genug Bücher, die mich jung halten könn‘, oder genug Leute, wo ick mir sage, Mann, ick brauch doch überhaupt keene erwachsene Person zu werden, ich kann dochn Kind bleiben, ich kann doch dann stopp sagen, wenn ich der Meinung bin, ich muß dich jetz stoppen.

FINK: Als Angehöriger einer Jugendorganisation der Liberalen, der Freiheitlichen in Österreich ... Sie wollen was Neies machen usw., glaub ich Ihnen das nicht ganz ...

NINA: Ich denk, seine Jugendorganisation ist die faschistische?

FINK: Nein, da würd ich also ihn in Schutz nehmen, ich würd in Österreich nicht von Faschismus reden, das ist bei uns in so winzigen Rudimenten nur vorhanden ...

RADL: Faschismus läßt si mit Liberalismus net vereinigen.

NINA: Also, um nochmal zurückzukomm‘, daß de die Alten respektierst, ja. Ick hab früher mal, ick bin ne Frau, nich wahr, und ich hab früher mal meine Mutter gefragt, sag mal, was stimmt denn bei mir nich, ich kann immer gar kein Orgasmus kriegen, wenn ich mit meinem Freund schlaf und so. Da sagte sie zu mir, ach was, das is ganz normal, wenn de dreißich bist und wenn de erstmal’n Kind hast, dann kommt das schon von ganz allein. Da bin ich zum Arzt gegangen, weil’s immer noch nicht geklappt hat, und der Arzt konnte mir auch nicht weiterhelfen. Und ich habe ungefähr tausend Girlfriends, die haben mir ungefähr dieselbe Geschichte erzählt. Wenn wir also auf unsere Mütter und auf unsere Väter gehört hätten, dann hätten wir heute immer noch keinen Orgasmus beim Schlafen und Liebhaben mit unseren Boyfriends, wir hätten tausend Kinder.

Aber wir sind von selber auf die Idee gekommen, daß sich die Frauen stark machen müssen und daß sich eine Frauenbewegung entwickeln muß, und wir sind heute zu der Meinung gekommen, daß der Frauensex und der Frauenorgasmus, und überhaupt die ganze Angelegenheit mit den Zweierbeziehungen, Boys und Girls, nichwa, daß das eine Geschichte is, die irgendwie ganz schön ’n Gefängnis is, und da muß man doch jung bleiben im Kopf, daß de dir selba die Schangs gibst, da mal drüber zu reden ganz offen. Also ganz anders als die Alten. Soll ich neu anfangen? Also was is women’s sex, wie stellst du dir det vor, wenn du mit deiner Freundin schläfst? Du schläfst mit der, und dann hastn ganz tollen Orgasmus, und dann denkste, sie hat auch einen, und das is aber gar nich so, weil, wenn sich die Frau nämlich nich selber anfaßt, oder da vorne an die Klitoris nämlich irgendwas Stimulierendes dabei rantut oder wie, was weiß ich — dann passiert dabei überhaupt nix!

FINK: Frau Hagen, da sin die falschen Leut auf der richtigen Hochzeit, da hätten S’ den Van der Velde [1] jetz einladen müssen, oder ich weiß nicht, wie diese Leute jetzt heißen — aber die Probleme, haben die mit Jugend was zu tun? Die betreffen doch die alten Leut genauso!

NINA: Natürlich haben die was mit Jugendkultur zu tun, weil die Frauen unterdrückt werden! Wenn der Frauensex ...

FINK: Aber erzählen S’ mir doch kan Quatsch, dos is so longweilig ...

NINA: Halt’s Maul, du teppate Sau! Hör doch mal zu, was wir dir zu sagen haben, alter Opi!

FINK: Einverstanden, bin ich am falschen Dampfer ...

NINA: Klar biste am falschen Dampfer, haste det immer noch nicht richtich mitgekriegt?

FINK: Doch, jetzt hab ich’s kapiert.

Nina: „I’m forever the clown“

Seit 25 Jahren das Gejeire der Damen

NINA: Und er sagte vorhin: Mit women’s sex, so was Uninteressantes, und das interessiert doch gar nicht ...

FINK: Mi longweilt dos schen longsom!

NINA: Di longweilt dos! Mi longweilt dos gor nit, wenn i fünf Orgasmüsser am Tag hab! Und wenn du gar kein mehr hast und ich hab sieben, dann langweilt mich das überhaupt nich.

FINK: Seit 20, 25 Johren hör ich pausenlos eure Sorgen. Die sind mir so wurscht!

NINA: Dich langweilt das, aber mich doch niiiech!

FINK: Ihre Gefühle — meine Gefühle. Mich longweilt seit 25 Jahren das Gejeire der Damen ...

NINA: Das Gejeire der Damen? Halt’s Maul, du Saftsack deppata, Mensch!

FINK: Mit Vergnügen, mit Vergnügen.

FERDINAND: Wenn er krank sein will, is das doch seine Sache.

NINA: Ich sach halt, ich versuche, noch einmal versuch ich, ihm zu sagen, verstehste, wie wichtich das is mit Frauenorgasmus und ...

FINK: Ja für die Frauen, net für mich!

FERDINAND: Naaain ?!

NINA: Dann biste nich mal schwul, und wenn ich das Thema Homosexualität anspreche, dann fängste auch nich an, was einzuhaken ? Wie tot biste denn eigentlich ?

FINK: Jetzt im Augenblick ...

FERDINAND: Bleibste dann ganz alleine?

FINK: Bleib ganz allein.

NINA: Und vielleicht wirst du dann später, wenn du gestorben bist, in der Hölle umherlaufen und immer einen Kreis laufen, und du weißt nich mehr, wer du bist ...

FINK: Und Sie wern ma nachlaufen, das wird die Hölle sein do!

NINA: Iiich? Komm nich in die Hölle! Ick bin doch schon in der Hölle, versuch doch da grade rauszukomm, indem ich von women’’s sex erzähle, indem ich erzähle, daß die Frauenorgasmüsser wichtich sind, daß die Frauen sich anfassen müssen, nämlich da (Nina legt den Zeigefinger von vorn auf ihre schwarze Lederhose, wo sie zusammenläuft) in front of is the point of women’s sex! Und wenn die Frauen mit den Boys schlafen, dann müssen se sich hier anfassen. Man kann sehr schön so (sie spreizt das rechte Bein weg, demonstriert von vorn, immer den Finger drauf), man kann sehr schön so, äh, wie sagt man, und auch schon so mal (von hinten, immer den Finger drauf), man kann auch schon so (der Reporter kommt nicht mehr mit). Man muß immer darauf achten, daß die Frau ihre eigne Hand dort hat! Man kann’s gut so machen, so kann ich gut anfassen (sie greift von vorne und hinten durch die Lederschenkel), da muß jeder darauf achten! (Ferdinand stößt kurz in seine Trillerpfeife.) Sonst isses Scheiße, sonst isses eine Lüge, und dann isses die Hölle, und dann, wenn das Leben schon die Hölle is, dann wird die Hölle erst recht die Hölle sein. Glaub mir!

l’m forever the clown

SEEFRANZ: Hat die Jugendbewegung an Kraft verloren, hat die Rockmusik an Kraft verloren? Wie siehst du das allgemein, wie siehst du das für dich?

NINA: Es haben sehr viele Kräfte an Kraft verloren. Ich hab ’n Lied gemacht über Girls and Boys, weil die ganze Welt besteht ja aus Girls and Boys, also männlich und weiblich, nicht wahr, das geht so ungefähr so: girls and boys and boys and girls, bodies and nerves and hearts and pearls, i never break down, i’m forever the clown, i’m forever the clown, the clown, ä ä, u u, ich lach mir krank, punk, ick lach mir tot, plot, ick lach mir nämlich dämlich, huhu, lieber gott, our pain, our love, au au, cheer me god heute jesus, high and frei and you are passing by, when itry to fly in the astral sky. boys and girls and girls and boys, fighting toys in a stoned rolls royce, i never break down, i’m forever the clown and i will never kill myself und niemals wird mir niemand auf die Finger haun. When i touch her and him, also bisexualität. nothing is schlimm, alles haut hin, alles is drinn, my sex will fly, i have to cry, ‘cause sex must fly, sonst isses Tyrannei, lieber Gott, our pain our love, o o, ich bin ein Clown, du kannst mir hassen und bestaun‘, diskriminieren und verhaun, der Clown, der lacht da bloß, das macht den Clown so groß, and i and she and he and she, it’s destiny, it’s destiny to break out of the vicious circle ...

To break out of the vicious circle meint, herauszukommen aus seinem eigenen Gefängnis und sich mal zu überlegen, was is denn eigentlich mit mir los, mit meiner Power, warum sitz ich denn zu Hause rum und mach überhaupt nichts, warum gehst denn du inne fffffafafaschistische Jugendorganisation, warum könn ma denn die Homosexualität nicht akzeptieren?

Wir müssen endlich wieder eine neue Kraft finden, die uns zusammenführt, und deswegen gehe ick ja ganz persönlich, tu ich ganz viele changes tu ich, und bin überhaupt nich am Kommerz ... Ick bin unheimlich froh, daß ich singen kann. Ich will auftreten und will vor ganz vielen Leuten spielen und will ganz viel Kontakt mit ganz vielen Leuten haben, daß wa endlich wieder zusammen für eine gute Sache kämpfen können!

SEEFRANZ: Sozusagen eine politische Absicht?

NINA: Politische Absicht ? Tja, glaub schon.

Und so und so und da ...

Frauenfrau

RADL: Was bringt Emanzipation ? Es bringt doch wieder a viel größere Kluft als ein Miteinander! Ja, sei mir net bös ...

NINA: Wie bitte? Was? Es bringt ein viel besseres Miteinander als vorher. Du mußt dich mal darüber informieren, was die Frauenbewegung eigentlich bedeutet, det machen doch die Männer gar nicht. Und deswegen denkste, da passiert ne riesengroße Kluft, dabei issset nur ein wahnsinnich großer Fortschritt, ein ganz großer step nach vorne, für unser aller Menschheit gutes Bewußtsein ... Wenn ich nochmal zitieren darf aus einem Refreng von mir, ick schreibe neuerdings ooch in Englisch, weil ick ja nicht nur in Deutschland bin und so, und da steht zum Beispiel drin (es istn Lied, das heißt: women’s woman, also Frauenfrau, sprech ich eigentlich über mich): She dont need no pussytalk, wenn also irgendwelche blöden Männer erzählen, ah die Süße, die möcht ich gerne, find ich ganz toll ... wat soll ickn damit, weil, sie wissen ja gar nicht, was mein Sex ist! She dont need no cheap publicity, ick, icke, ick bin überhaupt nicht für Kommerz, und Geld interessiert mich nicht, deswegen hab ich mich ooch von ner Scheißband getrennt und mache harten Rock ’n’ Roll und sage, wat is, und she dont need no kind of dope; no boring Cconversation, no security — ich brauch also ooch keen Macker, der auf mich uffpaßt. She’s a women’s woman, aint no easy company. Also sie brauch eine starke Frauenbewegung hinter sich und keine easy company. She’s a lover, of course, sie is ja ein Mensch, und jeder Mensch liebt, but a fighter, somehow she is interested in him. Somehow she is interested in herself. Weiter geht’s: She dont need no onewaysex. Sie brauch nich nur Boys, sie brauch auch die Verständigung mit Girls, verstehste? She needs skin and satisfacton, die brauch also nich irgendwelche Fucks für nothing, die brauch auch ihre Orgasmüsser! O.k.

HINTZE: Wozu brauchst a starke Frauenbewegung hinter dir?

NINA: Ja warum? Ja weil ick meine Orgasmüsser brauche, honey. No lovers of history! Keine eifersüchtige Scheißbeziehung! Open way to astral skies, it’s nice to fly, wenn de dich mit deim Boy- oder Girlfriend gut vastehst, und du kannst dich mit dem gut flyen, das is ganz toll. O.k. Jetzt über den Boy: He‘s her favourite number one, also er is Allerbester, ihr allergrößter Lover, ja? The prettiest star is wunderbar, a pure sexiting love, but he does what he wants, and there’s much connection, also er braucht ganz viele Girls, und sie ist ganz unglücklich dabei, he’s a womans boyfriend, a glory chauvie enemy, also er quatscht über Girls wie über Fleischware und liest den Playboy und findet all toll, wat da drinnen is: die dicken Süßen mit den großen Busen und was weeß ick, die finden sie schon wieda häßlich, und die mit dem rechten Busen zu groß und dem linken zu klein, die finden sie ooch schon wieda blöd. He’s a lover, a heartbreaker somehow, she’s interested in her self, also doch interessiert sie sich eigentlich mehr für sich selber, weil die kommt mit dem ganzen Gequatsche von dem Männersex in dieser Welt überhaupt nicht mehr weiter, diese women’s woman da, verstehste, die fühlt sich ganz, ganz beschissen. Und deswegen braucht die hier eine Frauenbewegung!

1968 is over, future is now! Natürlich, wenn wa jetz nich anfangen, konkret ... (singt:) Wiener Blut, Wiener Blut ist ein Saft, diese Kraft diese Glut! (Jetzt voll, mit Gitarre): 1968 is over, ’s over! 1977 is over. Future is tonight. It’s really gone to be a better world, so many people try again and again and again to change. Lieber Gott, mach mich fromm, daß ich in den Himmel komm. I went all away, it would be mein Ruin, 1, 2, 3, 4, 5, 6, sieben, lach und Leib und reib am Frieden, one two three four five six seven, love and life and drive in heaven, Smoerrebroet, Smoerrebroet, remplemplemplem. 1968 is over, 1977 is over, future is tonight, ay! My love for you is bigger than my love for me cheri aussi, i’m free, the key is love, can’t get enough might give me, that would be mein Ruin. 1, 2, 3,4,5, 6, sieben, love and life and drei Pfund Leben, one two three four five six seven, love and life and drive in heaven. Smoerrebroet, Smoerrebroet, remplemplemplemplemplem. 1968 is over, dialohuuui! 1977 is over, oow, future is now!

Nina, Ferdinand, Dieter Seefranz: Eins, zwei, drei, du bleibst nicht dabei!

Prinzessin zum Fürchten

NINA: Wenn ich irgendwo hingehe, ick meine, ich wer sowieso immer diskriminiert, weil ick so komisch aussehe ...

FINK: Aber Sie haben viele Bewunderer, Sie dürfen sich nicht beklagen!

NINA: Ick beklag mich nich, ich erzähl egal, wenn ich irgendwo hingehe, und ich fühle mich diskriminiert, weil ich keinen Anschluß finde, weil ich so komisch aussehe, und ich hänge alleine rum, und denke mir: Wie kann denn dat möglich sein, jetzt sitz ich hier, und kein Schwein quatscht mit mir. Undick saje zu jemand: He hallo, haha, was issn los und so, was machstn, hahalo ...

Ick hab grad ’n Film gemacht, ’n Rock-’n’Roll-Film, in diesem Film in Amsterdam, sechs Wochen lang, in dem Film spielt er (Ferdinand) auch mit, und dieser Film is voll mit Musik und hat auch ’ne Geschichte, und zwar eine Geschichte von einem Typen, der nichts mehr mit sich selber anfangen konnte, det is Hermann Broote, ’n Rock-’n’-Roll-Sänger aus Holland, und dem geht’s ganz dreckich, und der nimmt Drogen und was weeß ick, und dann kommt so ’ne deutsche Erscheinung zu ihm, nämlich ich, erstmal als verschiedne halluzinative Träume, weil er ja aufm Entzug is in seiner Gummizelle und festgeschnallt liecht auf seim Bett, und da komm ick erstmal als Prinzessin an und sag zu ihm: Hey, biste intressiert, hier rauszukomm? Sacht er: Ja, ich will hier raus! Un da sach ick: O.k., kann ick machen, mußte mir drei Wünsche erfüllen: Erstens, du mußt auf einem weiblichen Pferd über den Ozean reiten und mußt mir aus Honolulu eine Ananas mit halluzinativer Wirkung mitbringen. Zweitens, du mußt ne neue Wahnsinnsdroge erfinden. Drittens stirb oder verreck, du abgetörnte Schlabberqualle! Also es geht darum, daß er aus seiner Drogenwelt, in die er sich geflüchtet hat, nich mehr rauskommt. Annersrum gesprochen, da gibt’s noch mehr Erscheinungen: Ick bin der Teufel, und ick bin der Engel, alles ganz tolle Sachen.

Der Film, der kommt auch bald nach Deutschland und so, und ick hoffe, den wird man in Österreich auch in den Kinos sehn. Er heißt „Cha cha“. Ich wollte nur sagen, es gibt ja nicht nur das Problem, daß sich Leute in die Drogen flüchten, es gibt ja auch das Problem, daß sich Leute in ihre eigene Einsamkeit flüchten und dann nicht mehr mit andern Leuten quatschen. Also ich als Mädel, nichwa, wenn ich irgendwo hingehe, hab ich überhaupt keine Möglichkeit, daß andere Jungs mich anquatschen, wenn ich andere Jungs anquatsche, dann isses für sie ganz schwer, mit mir irgendwie zu konversieren.

FINK: Die fürchten sich vor Ihnen. Ja, das versteh ich.

[1Van der Velde schrieb das Aufklärungsbuch für unsere Großeltern (oder Eltern, bitte). — Anm. d. Red.

FORVM des FORVMs

Vorgeschaltete Moderation

Dieses Forum ist moderiert. Ihr Beitrag erscheint erst nach Freischaltung durch einen Administrator der Website.

Wer sind Sie?
Ihr Beitrag

Um einen Absatz einzufügen, lassen Sie einfach eine Zeile frei.

Hyperlink

(Wenn sich Ihr Beitrag auf einen Artikel im Internet oder auf eine Seite mit Zusatzinformationen bezieht, geben Sie hier bitte den Titel der Seite und ihre Adresse bzw. URL an.)

Werbung

Erstveröffentlichung im FORVM:
September
1979
, Seite 10
Autor/inn/en:

Nina Hagen:

Geboren 1955 als Catharina Hagen in Ost-Berlin, deutsche Sängerin, Schauspielerin und Songwriterin.

Dieter Seefranz:

Geboren 1941, gestorben 1983 in Wien. 1965 schließt er sein Jusstudium ab und beginnt in der Wirtschaftsredaktion der Tageszeitung „Die Presse“. Bereits 1964 beginnt er als Freier Mitarbeiter beim Fernsehen. Er moderiert Sendungen wie „Das Sport ABC“, „Wer bastelt mit?“ und auch den „Club 2“. Mit der Ausgabe, in der Nina Hagen Masturbationsunterricht erteilt, schreibt er Fernsehgeschichte.

Humbert Fink:

Humbert Fink, geboren am 13. August 1933 in Salerno, Italien, gestorben am 16. Mai 1992 in Klagenfurt, Schriftsteller, Kulturhistoriker. Schrieb anfangs Gedichte, dann Romane und wandte sich schließlich der kulturhistorischen Reisebeschreibung zu; er gestaltete zahlreiche Sendereihen im ORF, gab ab 1959 gemeinsam mit Paul Kruntorad die „Hefte für Literatur und Kritik“ heraus, entwickelte 1977 die Idee des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs und war auch als Glossist bei der „Kronen Zeitung“ tätig.

Wolfgang Radl:

Lizenz dieses Beitrags:
Copyright

© Copyright liegt beim Autor / bei der Autorin des Artikels

Diese Seite weiterempfehlen

Themen dieses Beitrags

Begriffsinventar