Damit Sie’s wissen ...
Dem Kommunismus, der sich je nachdem als fortschrittliche oder revolutionäre und jedenfalls als eine auf das Wohl der Menschheit gerichtete Bewegung ausgibt, kommt es infolgedessen auf noch eine Groteske nicht mehr an. Und da er auch vor Leichenfledderei nicht zurückscheut, sind seine Kulturkulis — zumal in unsern Breiten und zumal seit 1945 — immer dreister damit beschäftigt, Karl Kraus für sich in Anspruch zu nehmen und sein Werk, wo es nur im entferntesten dafür geeignet scheint, in ihre trüben Infiltrationskanäle abzulenken. Nun hat sich dieses Werk, wie jedes gesellschaftskritisch motivierte, natürlich und gottlob in permanenter Kampfstellung zu seiner Zeit und seiner Umwelt befunden, und die Leichenschänder wissen sehr gut, welche Bewandtnis es damit hat. Wenn sie sich dennoch nichts wissen machen, wenn ihrer etliche zum Charakter des ihnen vertrauten Werks auch noch das Andenken des ihnen vertrauten Schöpfers zu schänden wünschen, so ist das ihre Sache. Die unsere ist es, ihnen und den von ihnen Verführten oder Verführbaren immer wieder zu belegen, daß für Karl Kraus, den Einzelgänger und Moralisten, den unversöhnlichen Durchschauer individueller wie kollektiver Verlogenheiten, der Kommunismus wohl das allerletzte war, wovon er sich eine Heilung der von ihm bekämpften Übelstände erwartet oder gar erwünscht hätte.
Die nachfolgenden Zitate entstammen den Nummern 514-518, 521-530, 668-675, 864-867, 890-905 und 917-922 der „Fackel“ und stehen für die Anschauung ihres Herausgebers vom Jahre 1919 bis zum Todesjahr 1936. Für Titel und Kürzungen im Text (durch ... gekennzeichnet) ist die Redaktion verantwortlich.
