Wir klagen an
Vom 4. bis zum 8. März 1976 fand in Brüssel das Tribunal „Gewalt gegen Frauen“ statt‚ an dem rund 1.500 Frauen aus 33 Ländern teilnahmen. Dieses Tribunal wurde von der Frauenbewegung organisiert und finanziert. Ein internationales Komitee, in dem auch eine Vertreterin der österreichischen „Aktion Unabhängiger Frauen“ (AUF) mitarbeitete, koordinierte ein Jahr lang die von den verschiedenen nationalen Komitees einlangenden Berichte und arbeitete gemeinsam mit der Brüsseler Gruppe das Programm aus.
Ursprünglich war das Tribunal für November 1975 angesetzt gewesen, konnte jedoch aus Geldmangel nicht mehr im „Jahr der Frau“ stattfinden. Ganz andere finanzielle und organisatorische Möglichkeiten hatte da die von der UNO vom 12. Juni bis 2. Juli 1975 in Mexiko abgehaltene Internationale Frauenkonferenz, an der fast 8.000 Teilnehmerinnen aus 133 Ländern verzeichnet wurden. Anders als in Brüssel trieb man dort Männerpolitik auf weiblich, es kam zu einer unüberbrückbaren Spaltung zwischen den Vertretern aus Industrie- und Entwicklungsländern. Zwar wurden Resolutionen gegen den Rassismus, Kolonialismus, Neokolonialismus und Zionismus verabschiedet, keine jedoch gegen den Sexismus. Nach den gemeinsamen Wurzeln der Unterdrückung wurde nicht gefragt, auch nicht nach gemeinsamen Änderungsstrategien.
