Sorge um die Demokratie
Die Gesamtausgabe der Werke von Hermann Broch im Rhein-Verlag, Zürich, hatte mit den 1957 als Band VIII erschienenen „Briefen“ für abgeschlossen gegolten. Nun wird, von Wolfgang Rothe herausgegeben, unter dem Titel „Massenpsychologie“ noch ein neunter Band hinzukommen. Er enthält vier neu aufgefundene Fragmente aus dem Nachlaß, welche bestätigen, was schon die beiden Essaybände der Gesamtausgabe vermuten ließen: Hermann Broch, eine der großen literarischen Erscheinungen Österreichs, war auch ein bedeutender Staatstheoretiker, und sein Heimatland, das ihn schon in der einen Eigenschaft übersehen hat, erhält somit Gelegenheit, dies auch in der andern zu tun.
Wie politische Psychologie — sie ist unter dem Begriff „Massenpsychologie“ eigentlich zu verstehen — in Brochs Denken mit nationalökonomischen Überlegungen und mit der Sorge um die Demokratie zu einer nonkonformistischen, souveränen Einheit verschmelzen, zeigt der nachfolgende Auszug aus einem 1940 entstandenen Fragment, dem Broch die bezeichnende Überschrift „Autobiographie als Arbeitsprogramm“ gegeben hat.
