Paria und Parvenu
Dr. Hannah Arendts biographische Studie „Rahel Varnhagen“, zuerst in englischer Sprache publiziert, erscheint demnächst bei Piper & Co. (München) in der ursprünglichen deutschen Fassung. Die in New York lebende Autorin — „Entstehung des Totalitarismus“ (1952), „Die ungarische Revolution und der totalitäre Imperialismus“ (1958) — hat diese „Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin aus der Romantik“ bereits Anfang der Dreißigerjahre niedergeschrieben, kurz vor Hitlers Machtergreifung. Das mag einiges zur Prägnanz ihrer von harmlos-germanistischer Schönfärberei stark abweichenden Darstellung beigetragen haben, obwohl es im allgemeinen keiner besonderen Umstände bedarf, um Hannah Arendt zu unorthodoxen Auffassungen zu veranlassen. Sie war mit solchen auch schon im FORVM mehrfach vertreten, so in Heft 11/23 (über den Autoritätsbegriff) und in Heft V/58 (über das Rätesystem). Wir veröffentlichen nachstehend das Abschluß-Kapitel ihrer „Rahel Varnhagen“.
