FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1968 - 1981 » Jahrgang 1974 » No. 245
Alfred Hrdlicka

Otto Dix, wie ich ihn sehe

Der Wiener Buchhändler Herzog eröffnete Ende 1973 im Haus seiner Buchhandlung in einem ehemaligen Pferdestall die „Galerie Pferdestall“ mit einer Hrdlička-Ausstellung (Zyklus „Wiener Blut“: Näheres darüber im NF Dezember 1973, Mittelteil — Abbildungen nebst Selbstanzeige Alfred Hrdličkas und Günther Nennings; zur Reaktion der Behörden siehe NF Jänner/Februar 1974, S. 2).

Vom 18. März bis 5. Mai wird dort die erste österreichische Otto-Dix-Verkaufsausstellung gezeigt. Otto Dix wurde 1891 in Untermhaus bei Gera geboren, war 1905-1909 Dekorationsmaler-Lehrling in Gera, 1910-1914 auf der Kunstgewerbeschule in Dresden, 1914-1918 deutscher Soldat in Frankreich und Rußland, 1919-1922 an der Dresdner, 1922-1925 an der Düsseldorfer Akademie, 1927-1933 Professor an der Dresdner Akademie. Unter Hitler wurde Dix als „entartet“ diffamiert. Gestorben ist er 1969 in Singen/Hohentwiel.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Mai
1974
, Seite 56
Autor/inn/en:

Alfred Hrdlicka:

1928 in Wien geboren. In den Jahren 1946-1952 studiert er an der Akademie der bildenden Künste Malerei bei Josef Dobrowsky und Albert Paris Gütersloh und anschließend bis 1957 in der Bildhauerklasse von Fritz Wotruba. Hrdlickas erste Ausstellung „Skulptur, Malerei und Graphik“ findet in der Zedlitzhalle Wien statt, bereits vier Jahre später nimmt er gemeinsam mit Herbert Boeckl als Vertreter Österreichs an der 32. Biennale in Venedig teil. Seither sind Hrdlickas Werke, die eine der bedeutendsten künstlerischen Positionen Österreichs bilden, in zahlreichen, internationalen Ausstellungen zu sehen. Im Jahre 1969 wird in der Albertina, Wien eine umfassende Ausstellung seines grafischen Werkes, 1985 eine Retrospektive an der Akademie der Künste im damaligen Ost-Berlin gezeigt. Berufen wird der vielseitige Künstler Anfang der 70er Jahre an die Akademie der bildenden Künste, Stuttgart und an die Staatliche Hochschule für bildende Kunst, Hamburg. 1986 folgt eine Berufung an die Hochschule der Künste, West-Berlin. 1968 wird Hrdlicka erstmals mit der Welt psychisch Kranker konfrontiert. Die menschliche Figur, gefährdet durch Bedrohung, Angst, Schmerz, Leid und psychische Grenzsituationen behandelt er seither in seinen Werken, die er selbst als politische Agitation begreift. Konsequent hält er in seinen Skulpturen, Gemälden und Grafiken an einem figurativ-expressiven Stil fest und wendet sich bewusst ab von jeglicher ungegenständlichen Bildsprache. Mit dem Gedanken an Krieg und Gewalt setzt sich Alfred Hrdlicka unter anderem im Hamburger Gegendenkmal und im Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Albertina-Platz in Wien auseinander, das 1988 enthüllt wird.

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