FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1985 » No. 379/380
Josef Dvorak

Opiumträume in Bad Ischl

Wilhelm Stekel analysierte Otto Groß

Am 12. April vollendete der führende österreichische Sexualwissenschafter Prof. Dr. Ernest Borneman sein 70. Lebensjahr. Ad multos annos! Borneman ist gelernter Anthropologe, Archäologe und Psychoanalytiker (ein Schüler von Geza Réheim). Er wirkte erfolgreich als Film- und Fernsehproduzent, sowie als Buchautor und Verfasser zahlreicher Aufsätze und Essays. Bis zum „Umsturz“ [1] nach dem Tod Igor A. Carusos lehrte er Libidotheorie am Psychologischen Institut der Universität Salzburg. In weiten Fach- und Bevölkerungskreisen ist Prof. Borneman als überaus informierter und sehr genau arbeitender seriöser Forscher, aber auch als kühner Denker bekannnt. Von seinen Werken seien hier besonders hervorgehoben die psychoanalytische Autobiographie Die Urszene und Das Patriarchat. [2] Sein Lexikon der Liebe wurde kürzlich von „Hannibal“ (Wien) wiederaufgelegt. Im selben Verlag erschienen neu Bornemans „Beiträge zum Liebes- und Eheleben“ unter dem Titel Rot-weiß-rote Herzen.
Von dem Sexualrevolutionär, Mutterrechtler und anarchistischen Psychoanalytiker Otto Groß (1877—1920) war Ernest Borneman seit Jahren fasziniert, wie er in einem Brief an das FORVM bekannte: [3] Ich bin ihm nie begegnet, habe aber alle Leute, die ihn gekannt haben, seit meinem 20. Lebensjahr ausgehorcht, (so u. a. Franz Jung und Ernst Niekisch). Ernest Borneman verfolgte auch meine Arbeiten über Otto Groß mit Interesse. So sei ihm der folgende Text (er handelt von der bisher zuwenig beachteten therapeutischen Beziehung zwischen Otto Groß und dem „aktiven“ Psychoanalytiker und Sexualwissenschafter Wilhelm Stekel) in Solidarität und Freundschaft gewidmet.

[1Dazu meine Glosse Ginseng positiv, FORVM 1980, März/April.

[2Letzteres beschreibt die Konterrevolution der Männer gegen die frauenrechtliche Kultur der Vorgeschichte, und will der Frauenbewegung in ähnlicher Weise als Waffe dienen wie Marxens Das Kapital der Arbeiterbewegung.

[3FORVM September/Oktober 1978

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Erstveröffentlichung im FORVM:
September
1985
, Seite 45
Autor/inn/en:

Josef Dvorak:

Jahrgang 1934, gelernter Theologe und Tiefenpsychologe. Langjähriger Gerichtsreporter und außenpolitischer Redakteur bei Tageszeitungen, von 1973 bis 1995 Mitglied der Redaktion des FORVM. Er ist heute freier Forscher und Publizist und beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte der Psychoanalyse, des Okkultismus und ideologischer Minderheiten.

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