Keine Ruhestörung in Wien
Vorbemerkung des Autors: Die nachstehenden Bemerkungen entstammen einem Aufsatz, der unter dem Titel „Ruhestörung in Ragusa“, am 15. Juni 1933 in der „Weltbühne“ (Wien) erschienen ist. Der Artikel bezog sich auf den kurz zuvor in Ragusa abgehaltenen Internationalen PEN-Kongreß, den ersten, der nach der Machtergreifung Hitlers stattfand und an dem auch eine Nazi-Delegation teilnahm. Ein nicht-nazistisches deutsches PEN-Zentrum, wie es sich späterhin in London bildete, gab es damals noch nicht. Es gab aber eine österreichische Delegation, die von Felix Salten geführt wurde und von der man die Wahrung eines nicht-nazistischen deutschen PEN-Standpunktes, also eine aufrechte antitotalitäre Haltung, füglich erwarten durfte. Die Erwartung täuschte so gründlich, wie sie das noch oft hernach getan hat und wie sie es bis auf den heutigen Tag mit Vorliebe tut. Man braucht in der nachstehend abgedruckten Stelle jenes Aufsatzes aus dem Jahre 1933 nur die eine Diktatur durch die andre zu ersetzen, nur — was vielfach ja auch in der Wirklichkeit geschehen ist — den braunen Faschismus durch den roten: und man wird merken, wie wenig sich in den 22 Jahren seither geändert hat; auch an der Bereitschaft des PEN, die Gesetze seiner Charta kompromißlos zu erfüllen; auch an der Vergeblichkeit des Bemühens einzelner PEN-Mitglieder, solche Erfüllung herbeizuführen. Die das versuchen, sind immer noch die Krakeeler, und die darüber hinweggehen, sind immer noch die Gescheiten.
