FORVM » Print-Ausgabe » Jahrgänge 1982 - 1995 » Jahrgang 1991 » No. 452-454
Gerhard Oberschlick

Kärnten frei!

Der Lindwurm am Neuen Platz in Klagenfurt sah am 19. Juni die größte Nazi-Kundgebung in der Zweiten Republik: Gerade 10.000 aus dem ganzen Bundesgebiet, davon vielleicht ein Drittel aus Kärnten — das sind, von rund 530.000 Kärntnern, rund 0,7 %: Abstimmung per pedes.

Ich liebe 99,3 Prozent meiner Kärntner Landsleute auch für ihre damit bewiesene politische Reife. Dafür nehm’ ich, für mich an sich traurig, ganz gerne in Kauf, daß mir schon wieder mein Prozeßgegner — wie jener ehemalige Generalsekretär seiner Partei, wie hieß er doch gleich? — während des laufenden Verfahrens politisch unter der sorgsamen Hand wegstirbt.

In München hatte der Altlandeshauptmann im Beisein Schönhubers und anderer verwandter Gespenster gesagt: „Wir sind eine Erneuerungsbewegung, die eine breite Mitte — Mitte rechts anspricht. Das muß also möglich sein, das, was dem Franz-Josef Strauß jahrelang zugestanden ist, daß er gesagt hat, er ist eine demokratische Mitte-Rechts-Gruppierung. Das möchte ich auch in Österreich entwickeln. Und sich nur mit irgendwelchen linksliberalen Utopisten auseinanderzusetzen oder konservativen Reaktionären, ist nicht meine Aufgabe. Wir erneuern Österreich mit konkreten Vorstellungen und wie uns die anderen sehen, das ist uns im Prinzip egal, solange uns die Wähler verstehen.“

Das war — im ARD-»Brennpunkt« am 19. April 1989, dem Vorabend von Hitlers Geburtstag — vorweg seine eigene Antwort auf jenes Gesprächsangebot seines eleganten Anwalts auf Seite 14 „über die Sinnhaftigkeit der Auseinandersetzung“.

Die „ordentliche Beschäftigungspolitik des Dritten Reiches“ — womit er, eigens für mich, bewies, daß so ein stramm nazistischer Säger auch ganz schön trottelhaft ist — funktionierte ja, besonders in den von ihm so gepriesenen „ersten Jahren“ streng nach der 1932er Propagandaformel in Wien:

500.000 Arbeitslose
400.000 Juden
Die Antwort ist einfach:
Wählt Nationalsozialisten!

Am 8. Mai 1945 hat sich die Republik ein antifaschistisches Glaubensbekenntnis gegeben und in Gestalt des NS-Verbotsgesetzes die Taufe empfangen. Dann hat sie — siehe die nächsten Seiten — ein gottloses Leben geführt. Nun hat die Politik zu Firmung und Konfirmation angesetzt, es kömmt aber darauf an, die Justiz auf Geist und Buchstaben des Gesetzes zu verpflichten und die Sekte der Antifaschisten als evangkatholisch zu schätzen. Wer redet wie der, hat auf der politischen Bühne gar nichts zu suchen, sondern im Häfen. Das werden auch die Wähler verstehen: Die Kärntner, am 19. Juni, haben’s verstanden.

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Erstveröffentlichung im FORVM:
Juli
1991
, Seite 9
Autor/inn/en:

Gerhard Oberschlick:

Herausgeber der Print-Ausgabe des FORVM 1986-1995 und der Online-Ausgabe hier.

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