Die Überschwemmung
1920/21, noch während er in der Sowjetunion lebte, schrieb Jewgenij Iwanowitsch Samjatin den utopischen Roman „Wir“, die erste ahnungsvolle Grauensvision des kollektiven Zukunftsstaates, wie ihn späterhin — zugegebenermaßen unter Samjatins Einfluß — Huxley in „Welt wohin?“ und Orwell in „1984“ entstehen ließen. In Rußland wurde der Roman niemals verlegt, und sein Erscheinen im Ausland (zuerst in der Tschechoslowakei, dann in Amerika, England und Frankreich) führte zur literarischen Verfemung Samjatins, der damit zu einer Art Vorläufer Boris Pasternaks wurde; allerdings mit dem Unterschied, daß er auf seine von Maxim Gorki befürwortete Bitte die Bewilligung zur Emigration erhielt. Er ging nach Paris, wo er im Jahre 1936 starb. Erst im Vorjahr erschien bei Kiepenheuer & Witsch (Köln) die deutsche Ausgabe des Romans, und ihr Erfolg lenkte die Aufmerksamkeit des Publikums auch auf das übrige, nicht sehr umfangreiche und fast durchwegs unpolitische Werk des Dichters. FORVM hat nunmehr die Novelle „Nawodnenje“, die bisher nur russisch und französisch erschienen ist, zur Veröffentlichung erworben; sie wurde von Friedrich Torberg auf Grund der französischen Fassung ins Deutsche übertragen.

